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Full text of "Philologischer Anzeiger. "Als Ergänzung des Philologus." [serial]"

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THE LIBRARY OF THE 

UNIVERSITY OF 

NORTH CAROLINA 




ENDOWED BY THE 

DIALECTIC AND PHILANTHROPIC 

SOCIETIES 




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PHILOLOGISCHER 

ANZEIGER. 

des ' . y 

PHILOLOGUS^ 



ALS EKGÄNZUNG 



HERAUSGEGEBEN 

VON 

EßtfST von LEÜTSCH. 

ERSTER BAND. 



1869. 



GÖTTINGEN, 

VERLAG DER D IETERI CHSCHEN BUCHHANDLUNG. 

1869. 



' 2 L. Schmidt , de äv particula. 

bei aber Unparteilichkeit vor allem beachten: wir wollen 
ohne ansehen der person, ohne rücksicht auf eine parthei stets 
der Wahrheit die ehre geben. 

Obgleich die grosse der gestellten aufgäbe und die Schwie- 
rigkeit sie gedeihlich durchzuführen ich mir eben so wenig ver- 
hehle als die Unzulänglichkeit meiner kraft, so hoffe ich doch, 
da liebe freunde und tüchtige mitarbeiter mir ihre Unterstützung 
bereits zugesichert haben, mit gottes hülfe nicht zu weit hinter 
dem ziele zurückzubleiben und durch dies unternehmen zur för- 
derung des Studiums der classischen philologie und somit zum 
besten des deutschen Vaterlandes beizutragen. 

Ernst von Leutsch. 

1. Inclutae litterarum universitati Frid. Guil. Ehenanae — 
gratulatur L e o p o 1 d u s Schmidt. Iuest de omissa apud optati- 
vum et coniunctivum äv particula commentatio e marburgensi in- 
dice lectionum hibernarum seorsum expressa. Marburgi 1868 
IV u. 20 S. 4. 

Professor Schmidt billigt Bäumleins lehre , dass durch äv 
etwas als wirklich hingestellt werden solle; man könne sich, 
glaubt er, den sinn der partikel etwa im deutschen durch: wie 
du dir einmal denken musst, wie man sich einmal 
denken muss, verdeutlichen- (p. 9). Da nun der optativ etwas 
als nur in gedanken vorhanden, der konjunktiv eine „ge- 
heischte Wirklichkeit" (nach Krüger) bezeichne [„sie enim 
mens in rem ad effectum adducendam direeta aptissime ita exprimi- 
tur, ut de coniuneta cum ea voluntate cogitari quidem possit nee ta- 
rnen cogitari debeat" p. 7), so könne bei beiden modi die aufforderung 
an den hörer, sich die sache als wirklich zu denken, d. h. die 
partikel äv , sowohl wegbleiben als hinzutreten. Bei dem opta- 
tiv bleibe namentlich in negativen sätzen, wie Hom. II. T, 
321. E, 303. Pind. 0. 11, 19. P. 4, 118. Eur. Iph. A. 1210, 
und in fragen, die nur rhetorische form der negation sind, wie 
Aesch.Suppl. 20.Ch.594. Soph. Pbil. 594, äv mit grossem nachdruck 
weg. Eben so stehe der optativ ohne äv , wenn man etwas, 
ohne irgend zu meinen, dass es wirklich sein könne, nur [ad res 
solo imaginandi arbitrio fietas p. 6) einmal in gedanken annehme, 
wie S. Ai. 921 und bei der redensart tög elnoi rtg (Eur. Andr. 
929 und anderwärts). Beim konjunktiv bleibe zuerst in rela- 



L. Schmidt, de äv particula. 3 

tiven sätzen uv weg, wenn der sprechende bei angäbe einer gat- 
tung ein bestimmtes dazu gehöriges Individuum besonders im 
sinne habe, wie Aesch. Sept. 257 Theben, S. Ai. 1160 Menelaos 
sich selbst, Oed. T. 1231 lokaste (p. 10). In bedingenden sätzen 
stehe uv , wenn man dem anderen es anheimgebe sich die sache 
als wirklich zu denken, bleibe aber weg, wenn man es hervor- 
heben wolle, dass unser eigenes denken auf Verwirklichung der 
sache gerichtet sei (p. 14 f.) : Gr. Hermann habe hier schon das 
richtige erkannt, nur dass er den unterschied, der nur in der 
art der Vorstellung un,d darstellung liege, in den Sachen selbst 
suche. Beispiele sind S. Oed. T. 198. 874 und aa. (p. 15 ff.). 
In zeitlichen sätzen sei der unterschied nicht gross, ob man den 
andern auffordere sich die sache als wirklich zu denken, oder un- 
ser eigenes denken darauf gerichtet zeige; daher stehe bei nqtv, 
swg bald uv, bald fehle es (p. 19). Sowohl bei dem optativ als 
bei dem konjunktiv bleibe uv ausserdem auch dann bisweilen 
weg, wenn in einem vorhergehenden oder folgenden satze schon 
die in demselben liegende aufforderung an den hörer gegeben 
sei (p. 5. 12 f.). — Die ganze abhändlung zeichnet sich durch 
klare und bündige darstellung aus und man liest sie mit Span- 
nung und vergnügen, auch wenn man ihr in wesentlichen punk- 
ten nicht beistimmen kann , wie dies ref. geht. Gewiss muss 
der gebrauch des optativs und konjunktivs mit und ohne uv so 
festgestellt werden, dass man die bedeutung der modi allein als 
früher allein stehender zuerst, dann die kraft der partikel, end- 
lich den sinn der mit uv verbundenen modi bestimmt. Aber 
dann muss auch die bedeutung der partikel, gleichviel ob sie zu 
optativ oder konjunktiv tritt, eine und dieselbe sein. Ferner: 
für den späteren gebrauch wird sich fragen , ob nicht von den 
beiden möglichen ausdrucksweisen die eine nach und nach zur 
allein wirklichen geworden sei, d.h. ob sich nicht für den ge- 
brauch der ausgebildeten spräche eine durch den gebrauch als 
alleinige festgesetzt habe. Nicht alle formen, die möglich sind, 
kommen im wirklichen gebrauch vor : so ist es auch mit den 
fügungen der rede. Zuerst die bedeutung von uv. Offenbar 
passt die Umschreibung und begriffsbestimmung, die Schmidt p. 9 
giebt, wenn man sie auch für den konjunktiv zulassen will, für 
den optativ nicht, der ja selbst der ausdruck des gedachten ist. 
Auch der vf. bestätigt dies, indem er seine erklärung erst bei 

• 1* 



Oh 



4 L. Schmidt, de uv particula. 

dem konjunktiv giebt. Man wird also dock bei dem begriff der 
unbestimmtkeit, der bedingtbeit bleiben müssen, durcb den sick so- 
wol bei dem optativ die Versetzung aus dem bereick des nur ge- 
dachten in den des unter bedingungen gedackten , bedingt mög- 
lichen, als bei dem konjunktiv die Verallgemeinerung des zu verwirk- 
lichenden und erwarteten erklären lässt. In bezug aber auf den 
spracbgebrauck muss man, wie ja auch der vf. zum theil selbst 
thut, Homer, dann den gebrauch der lyrischen und tragischen 
dichter, die altertümliches und ungewöhnliches suchen und sich 
gestatten, streng von dem gebrauch der attischen prosa scheiden. 
Und bei der bestimmung des letzteren darf man nicht nur die 
paar stellen, wo etwas, was allenfalls sich erklären lässt, in den 
HSS. steht, zusammensuchen, sondern man muss immer auch 
die , in denen die andere ausdrucksweise vorkommt , nack ihrer 
zahl dagegenhalten. Ist dann das verhältniss der art , dass auf 
der einen seite nur eine der andern gegenüber verschwindend 
kleine zahl von stellen steht, und die bedeutung dieser letzteren 
ausdrucksweise eine solche, dass sie, wenn sie an den stellen, 
wo sie angenommen wird, nothwendig wäre, mehrfach auch an- 
derwärts vorkommen müsste, so wird man in den wenfgen stel- 
len einen fekler der Überlieferung anzunekmen und die fügung, 
welcke durck die mekrzakl der stellen als fester Sprachgebrauch 
erwiesen ist, herzustellen verpflichtet sein. Das thut der herr 
vf. selbst , wenn er p. 4 für Isäos , p. 5 für Piaton, p. 1 2 für 
Piaton und Isäos eine anzahl von änderungen für nothwendig 
erklärt. Aber ist der fall anders, wenn in Piatons Gorgias 492 
B bei xl — iXt] die partikel in den HSS. fehlt, den hunderten 
von stellen gegenüber, wo bei gleichen fragen verneinenden Sin- 
nes bei Piaton uv steht? Darf man, wenn hier und Euthyd. 
286 B, Menon 97 C die partikel fehlt, welche zugestandener 
massen ausserordentlich oft falsch gesetzt und falsch ausgelassen 
worden ist, deshalb von der fervidior ratio des Gorgias sprechen? 
Etwa auch bei dem Euthydemos und Menon? Eben so wenig 
wird man Demosth. 18 §. 22 uv zum participiuin ziehen und 
TtQOGdnoi allein in der verneinenden frage nehmen dürfen, da 
sonst in solchen fragen bei dem redner immer uv zu dem opta- 
tiv gesetzt ist. Eben so wenig vermag ich mit dem vf. (p. 9) 
uv bei dem indikativ des futurums deshalb anzuerkennen, weil 
es neben einer unzählbaren menge von stellen ohne uv die HSS. 



Foerster, de attractione. 5 

an ein paar stellen haben. Eef. hält den optativ ohne «V auch 
bei den tragikern in mehreren stellen für unrichtig, namentlich 
die weglassung dann , wenn irgend in der nähe , nicht nur in 
vorausgehenden, parallelen Sätzen äv steht, für unzulässig: doch 
darauf und auf einzelne stellen weiter einzugehen gestattet ihm 
hier der räum nicht. Er empfiehlt die abhandlung nochmals 
als vielfach anregend und inhaltreich. 

H. S. 



2. Quaestiones de attractione enuntiationum relativarum, 
qualis quum in aliis tum in graeca lingua potissimumque apud 
Graecos poetas fuerit. Scripsit Richard. Foerster. Berlin , Mit- 
scher et Röstell 1868. 8. 118 S. 

Von der so erfolgreichen Übertragung der statistischen me- 
thode auf die grammatik liegt uns wiederum eine nicht uner- 
freuliche probe in der vorliegenden schrift vor. Das grammati- 
sche phänomen der attraction wird von Förster durch die ge- 
sammte hellenische poesie verfolgt, indem ein reiches statistisches 
material geboten wird und gesunde der grammatik förderliche 
Schlüsse daran angereiht werden. Um so mehr muss man be- 
dauern, dass der Verfasser nicht auch gelegenheit gefunden, gleich 
die prosa anzufügen, zumal diese das eigentliche feld der attrac- 
tion ist (s. p. 90) und dass sonach die schrift fragment geblie- 
ben. Nicht so glücklich als in diesem statistischen theil ist der 
Verfasser in den übrigen partien seiner schrift. So ist in der 
einleitung, welche besonders das vorkommen der attraction in 
andern sprachen untersucht, wenig neues geboten; ja mitunter 
sogar vorhandenes und leicht zugängliches nicht so benutzt und 
durchgearbeitet, wie man es erwarten sollte, z. b. die beweisfüh- 
rung für den satz, dass das pronomen relativum ursprünglich pro- 
nomen demonstrativum gewesen. Auch kehren nicht selten lästige 
Wiederholungen wieder, ja eine gewisse Weitschweifigkeit macht 
sich geltend. Selbst die anordnung könnte manchmal besser sein, 
wie denn z. b. die lehre von der entstehung des term. technicus 
attraction ganz am unrechten orte abgehandelt wird. Was hier 
der Verfasser über den unterschied von attraction und assimila- 
tion vorbringt, ist ganz verkehrt; Classen, dessen schöne Unter- 
suchungen überhaupt der Verfasser mehrmals mit erfolg zu rathe 



6 Foerster, de attractione, — Ribbeck, gr. grammatik. 

ziehen konnte, hätte ihm besseres bieten können (Hom. beob. 
p. 216 anm. 105). Meine ansieht nun ist die, dass, obwohl at- 
traction und assimilation im gründe genommen auf das nämliche 
hinausgehen, doch der letztere terminus vorzuziehen sei , weil ja 
die attraction in verschiedener weise sich geltend machen kann. 
Eine schwache partie bildet die angäbe der bisherigen ansichten 
der grammatiker über das phänomen, wo man eine genauere ana- 
lyse und prüfung erwartete. Hier sind nun auch manche irr- 
thümer mituntergelaufen. So ist z. b. s. 28 nr. 39 Madvig mit 
unrecht beigezogen worden; ferner hat eine beiläufige äusserung 
Bernhardy's, dass die attraction rhetorischen zwecken diene, nicht 
die gehörige unbefangene erklärung gefunden. Was nun För- 
sters theorie der assimilation anlangt, so ist sie im wesen weder 
neu noch in der ausführung besonders gelungen. Förster geht 
vom regierenden satz aus statt vom relativen, in dem doch die 
meisten bedingungen der construetion liegen; er entwickelt den 
umfang der attraction, indem er sich an Bernhardy anlehnt, 
überaus künstlich und gezwungen, so zwar, dass die seltenen 
fälle den anfangspunkt der reihenfolge bilden (nämlich mit o!og } 
fjXCxogj wo aber übersehen Hertlein's Conj. zur griech. pros. 1862 
p. 27) ; endlich will er aus der bedeutung der verba im relativ- 
satz Schlüsse für die construetion machen, was hier eine ver- 
fehlte methode ist : vgl. über diesen punkt Rumpel die casuslehre 
p. 77, der freilich die sache etwas übertrieben hat. 

3. Formenlehre des attischen dialekts nebst den wichtigsten 
syntaktischen regeln über attische prosa. Von W. Ribbeck. 
Berlin, Guttentag 1868. 8. IV u. 204 S. 

Der Verfasser einer griechischen schulgrammatik kann ent- 
weder die in der spräche herrschenden gesetze wahrheitsgemäss 
darstellen , oder aus allerhand äusserlichen beobachtungen sich 
ein system bilden und in dieses den sprachstoff wohl oder übel 
einfügen. Letztere methode war die gegebene, so lange die 
Sprachgesetze noch nicht hinreichend erforscht waren; seit das 
aber der fall ist , da sollte kein grammatiker aus praktischen 
rücksichten von dem ersteren wege abweichen : denn die in dem 
sprachstoff selbst lebende ratio ist für den schüler leichter fass- 
lich, als diejenige, welche durch künstliche und damit falsche Sy- 
steme hineingetragen wird. Natürlich erwarteten wir von dem 



Bibbeck, gr. grammatik. 7 

verf., der sich durch andere arbeiten als kenner des griechischen 
bewährt hat , ein nach dem ersteren princip gearbeitetes buch, 
erstaunten aber, als wir aus der vorrede ersahen, dass nicht die 
'Curtius'sche', sondern die 'sogenannte alte 1 methode in demselben 
befolgt, und dass sogar dieser alten und veralteten methode durch 
die bemerkung, Gr. Hermann und Böckh hätten danach griechisch 
gelernt , noch volle berechtigung vindiciert wird. 

In der that hat denn auch der verf. nicht allein hinter Cur- 
tius, sondern in einem stücke sogar hinter Buttmann einen schritt 
zurückgethan , indem letzterer doch in der darstellung des ver- 
bums die tempora übersichtlich zusammenfasst, ßibbeck indessen 
nach art des alten Gualtperius (Braunschweig 1649) die conju- 
gation nach den modis zur anschauung bringt, wenn er auch 
beim conjunctiv das früher übliche luv weglässt. Im übrigen 
charakterisirt sich das vorliegende buch durch grosse breite und 
unverständlichkeit der regeln, Unübersichtlichkeit der paradigmen, 
anführung mancher für den Schülerstandpunkt unnöthiger Wörter, 
verkehrte anwendung grammatischer termini technici hinreichend 
als ein solches , welches dem schüler wohl nicht in die hand zu 
geben sein dürfte. Dass ausserdem wesentlich verschiedene sprach- 
erscheinungen wild durch einander geworfen und für regeln, die 
das wesen der sache treffen, meist nur äusserliche beobachtungen 
gegeben sind, versteht sich nach der anläge des buches von selbst. 
Zum belege vergleiche man nur die §§. 35 contraction in der 
dritten declination; §.55 eintheilung und ableitung der tempora; 
§.71 die paradigmen der verba contractu,; §. 52, 8, wo von den 
"endungen titiü, £w, (Tffw" die rede ist ; ferner die nach character- 
vocalen geordnete darstellung der verba anomala §. 107 ff., in 
der z. b. aosoxca und fxsV.ca in derselben abtheilung aufgeführt 
werden — belege, die wir leicht vermehren könnten, wenn es 
der räum gestattete. — Wenn wir nun nach alle dem bezweifeln, 
dass es einem schüler gelingen wird, sich nach dieser grammatik 
in dem herrlichen gebäude der griechischen spräche sicher orien- 
tieren zu lernen, vielmehr jeden bedauern, der seite für Seite 
dieses lernmaterial sich einprägen muss, so wollen wir doch nicht 
verschweigen , dass uns ausser mancher interessanten bemerkung 
die einschaltung einzelner syntaktischer regeln an passenden stel- 
len der formenlehre, so wie die beschränkung der syntax auf 



8 Sophokles. 

das nothwendigste , ferner die reichhaltigkeit der beispiele in bei- 
den theilen der grammatik alles lob zu verdienen scheint. 

4. Diem sacrum ab S. Ludovici nomine nuncupatum in 
honorem . . . Ludovici III magni ducis Hassiae — acad. Ludo- 
viciana . . indicit. Inest codicis scholiorum Sophocleorum Lob- 
kowiciani collationis a Ludovico Langio confectae specimen 
tertium. 4. Gissae 1868. 16 S. 

Es beginnt mit Trach. 955 und werden die Varianten an- 
gegeben, nur hie und da, wo der vf. eine LA seiner handschrift 
in den text gesetzt wissen will, von kurzen bemerkungen unter- 
brochen: p. 10 stellt er dann zusammen, was im text des So- 
phokles (vs. 1. 26. 383. 848) und in den scholien zu ändern 
scheint. P. 11 folgt dann die collation zu dem Oedipus auf Ko- 
lonos. 

5. Die tragische bühne im alten Athen mit specieller be- 
rücksichtigung der Sophokleischen Antigone. Von Dr. Bern- 
hard Arnold. Progr. des k. Wilhelms-gymnasiums zu Mün- 
chen. München 1868. 4. 16 S. 2 kupfertafeln. 

Vorliegende abhandlung, eigentlich ein populärer Vortrag, 
hat nach der 'Vorbemerkung' den zweck, Schülern der beiden 
obersten gymnasialklassen als einleitung in die lectüre der tragi- 
ker zu dienen. Demgemäss ist eine weiterführung der streitfra- 
gen durch selbständige Quellenforschung nicht zu erwarten, so 
wie denn auch citate vermieden sind. Den bezeichneten zweck 
wird die kleine schrift vollständig erreichen. Sie zeichnet sich 
durch die art der behandlung vor ähnlichen arbeiten (z. b. der 
von Höger, Landshut 1863) vortheilhaft aus. Ueberall zeigt sich 
bekannt schaft mit dem gegenwärtigen Standpunkte der forschung 
und wesentliches ist nicht übergangen. Uebrigens ist die einlei- 
tung über die entstehung der tragödie selbst für des verf.'s ab- 
sieht etwas kurz ausgefallen. Dann hätte bei der notiz über den 
einsturz des alten holzbaues im jähr 500 über den ort, wo der- 
selbe stand, nach Wieseler's Göttinger prorectoratsprogramm vom 
jähr 1860 auskunft gegeben werden können. Die bemerkung 
(p. 6), dass die einzelnen sitze des Dionysostheaters durch linien 
abgetheilt und numerirt waren, ist unbegründet und von itali- 
schen theatern auf das athenische übertragen. Bezüglich der 



Herwerden, Anal, critica. 9 

thymele, über die nach G-. Hermann' s ansieht vorgetragen wird 
(p. 6), dürfte auf Philolog. XXHI, 341 zu verweisen sein. P. 7 
wird die Vorstellung erweckt, als ob das logeion stets nur aus 
einem bretterboden bestanden habe. P. 9 sind die theatermarken 
aus elfenbein und knochen (vgl. Wieseler's G-öttinger programme 
vom jähr 1866) vergessen. Die bedeutung des chors für die 
griechische tragödie ist (p. 11) nach Schiller's einleitung zur 
braut von Messina (V, p. 381) gegeben — offenbar zu unbe- 
stimmt. Ob die griechische musik wirklich keine harmonie kannte 
(p. 11), ist nach Westphal's harmonik p. 120 doch sehr zweifel- 
haft. P. 16 heisst es, wohl nur in folge eines Versehens, der 
trimeter sei ein etwas kürzeres metrum , als das der moder- 
nen tragödie. Von den passend beigegebenen kupfertafeln zeigt 
die eine masken, einen flötenspieler , einen könig und einen die- 
ner im costüm , die andere die Strack'sche ansieht des griechi- 
schen theaters. 

6. Analecta critica ad Thucydidem , Lysiam , Sophoclem, 
Aristophanem et Comicorum Graecorum fragmenta. Scripsit 
Henricus van Herwerden in Acad. Eheno — trajeetina 
litt. Prof. 8. Traj. ad Ehen. 1868. IV. u. 60 SS. 

Eine masse meistens nur kurz , zuweilen gar nicht begrün- 
deter conjeeturen zu den gelesensten Schriftstellern: man sollte 
meinen, wir lebten noch in dem Zeitalter der Aldinen. Das erste 
capitel, ad Thucydidem überschrieben, behandelt stellen aus allen 
büchern dieses historikers , von dem H. eine ausgäbe ankün- 
digt. Beim ersten blick und wenn man sieht, wie Krüger zu- 
rechtgewiesen wird, muss man glauben, die so überaus fleissi- 
gen und gelehrten herausgeber hätten nichts geleistet. Aber 
das ändert sich doch, wenn man bemerkt, dass da, wo H. mit 
recht anstösst, die herausgeber auch schon bedenklich gewesen; 
so I, 63, 1, wo das auffallende von rj — ^ Krüger bemerkt: fer- 
ner, wenn man H. seine angriffe zumeist gegen gesunde stellen 
richten sieht. So heisst es zu DU, 22, 3 ,£vv &<pidC<p xul (iv) 
d-WQuxi". Inserelv": das ist alles : aber warum denn so? Kann 
denn %vv nicht auch von der rüstung stehen ? sagt nicht Homer 
Cvv Tsvxsatv akzo xcijiiü£s und ähnliches? und nicht Pindar Nem. 1, 
51 avv oTvloiq h'Sga^ov? und ahmt nicht grade den Homer und 
Pindar (s. Marcell. V. Thvc. 35) Thukydides nach ? Und sagt 



10 Herwerden, Anal, critica. 

er nicht in ganz ähnlicher kürze IV, 35, 1 l^(üqt\(3av ig 10 2ö#a- 
tpv k'gvfia z% vijöoVj o ov iiolv änsi^Sj xal rovg suvkjüv (pvXaxag? 
Oder will vor wvg hier H. ein ug einschieben? Und endlich, 
widerspricht hier denn die einmal gesetzte präposition dem ge- 
setze, was in solchen fällen Thukydides befolgt? Ich glaube 
doch nicht: s. Herbst im Philol. XXIV, p. 677 flgg. Und ganz 
dasselbe verfahren zeigt die erste von H. behandelte stelle, I, 
c. 7 icpeQov yaq aXX^Xovg — , wo h'cpsQov keinen sinn habe und 
scp&etQov zu schreiben sey. Das schwierige in sysqov ist nie 
verkannt : verändert hat man es nicht, weil man aus den alten 
und Marcell. Vit, Thuc. 41 weiss, dass Thukydides xal noirjnxaig 
TtolXdxig i%Qfi0ßTQ Xs^sai, \mä weil es ganz bestimmt die art der 
lyazaC bezeichnet: stellen wie Hom, Od. *, 40 schweben dem 
Schriftsteller vor und denkt er also besonders an menschenraub, 
Dagegen ist ecp&iiQov hier ganz unbestimmt und streng genom- 
men gegen den gebrauch des Thukydides: denn wo er ydeigeiv 
in allgemeinem sinne setzt, stellt er ein noXmog oder drgl. dazu 
oder hat durch die Umgebung des worts dafür gesorgt, dass man 
seinen sinn- ganz bestimmt fasse: das wäre hier nicht der fall. 
Also will ein ganz bestimmtes H. gegen ein unklares ver- 
tauscht wissen. Ueberhaupt ist die ganze art, wie H, den 
Thukydides behandelt, unpassend: es geht nämlich bei dem mit 
so kurzen nötchen nicht ab, wie jeder zugeben wird, der die 
arbeiten von Ullrich und Herbst kennt. 

Fragt man aber, woher neben mancher überraschend schönen 
bemerkung so viel verfehltes , so -hat das meiner meinung nach 
seinen grund darin, dass H. in das v\pr}\bv des Thukydides 
— vgl. Marc. Vit. Thuc. 35. 39 flg. — sich nicht hat finden 
können. Und das wird durch cap. 2, p. 11 : ad Sophoclem be- 
stätigt. Denn da stösst sich der vf. z. b. an Soph. Aiac. 137: 
er will orav ^afxevtjg nlriyi) Jiog ?} — wegen des doppelten epi- 
theton bei löyog (!) umstellen: also er sieht nicht, wie um X6- 
yog xaxö&govg der nhjyi] Jiog gegenüberzustellen, für erstere 
noch eine kräftigung nöthig ist. Dann wird xcu ascpößwat als 
matt nach /Aiyav oxvov ex<o ausgeworfen: was soll man dazu sa- 
gen? Solches verkehrte streichen von angeblich überflüssigem 
findet sich auch bei Thukydides öfter. Ganz geschmacklos wird 
Soph. Electr, 683 y^vftdzcov statt xyQvyixaTwr vorgeschlagen : 



Her werden, Anal, critica. 11 

warum soll denn solches hervorheben vom xtJQvl unelegant seyn? 
Findet sich doch solche' art der Wiederholung überall. 

Mehr auf seinem gebiete befindet sich der Verfasser in cap. 
III und cap. IV ad fragmenta comicorum p. 25 und ad Aristo- 
phanem p. 48 : es finden sich aber auch hier auffallende Überei- 
lungen. So behandelt der vf. das fragment des Hermippos bei 
Hesych, s. nävixiov , II, I, p. 404 Mein, und will onabixröv 
statt na.viv.iov lesen. Aber 1, ist das gegen den klar vorliegen- 
den sinn des fragments, worauf Meineke schon aufmerksam ge- 
macht hatte; 2, ist navixtöv — so richtiger — gar nicht so 
unverständlich, als H. behauptet: Meineke hat es schon richtig 
auf nijvifa zurückgeführt, seine auffassung ist dann in Gott. 
Gel. Anz. v. j. 1859, p. 1867, nr. 197 berichtigt: es ist ein volks- 
tümlicher, wahrscheinlich ein matrosen-ausdruck und mit ix- 
ntjviehat in Arist. Ean. 578 und drgl. zusammenzustellen. Aber 
nun 3, die hauptsache : metri causa müsste GnaSixzöv die erste 
lang haben: wie soll das in cnadifa-ondoj möglich seyn? Aber 
H. weiss rath: onddi% hat ja die erste lang! Also aus 
dem fremdländischen worte, was trotz Plutarchs mit anäm 
nichts zu thun hat, soll lariges a folgen ! — Um aus Aristo- 
phanes auch einen fall anzuführen, p. 51 wird Arist. Nub. 1415 
behandelt : xläovoi nalösg' na%iqa ö' ov xlasiv doxetg'. Es ist 
richtig, es ist über die stelle von den herausgebern und auch 
von Fritzsche zu Ar. Thesmoph. 194 nur verfehltes geschrieben: 
H. vermehrt das, indem er die parodie auf Eur. Aleest. 619 
leugnet, die doch handgreiflich ist: es wird durch diesen vers 
die lächerlichkeit der ganzen scene zwischen Admet und Pheres 
den zuhörern ins gedächtniss gerufen. Aber dabei hat H. 
doch das beste Supplement für den vers gefunden : denn dass 
hier ein tetrameter nothwendig ist, bedarf, obgleich H. das 
auch leugnet, für den mit der kunst des Aristophanes vertrau- 
ten keines beweises : er fügt nämlich hinter doxsig ein ngogTJxsip 
hinzu und nun ist wirklich alles in Ordnung. 

Es folgt p. 56 das fünfte capitel: ad Lysiarn, kurze be- 
merkungen und conjecturen ohne weitern beweis. Es ist natür- 
lich, dass bei der anerkannten gelehrsamkeit und dem Scharf- 
sinn hrn. H's. auch des gelungenen und anregenden viel in dem 
bücheichen sich finde : daher auch die frage natürlich , woher 
das viele verkehrte und falsche ? Es liegt zunächst in dem 



12 Herodian. 

kurzen hinwerfen der conjecturen ohne weitere begründung: dann 
darin, dass vor lauter buchstabenverwechslung und sogenannter 
paläographie das erkennen der kunst der Griechen und somit 
die grundlage für wahre interpretation ganz und gar vernach- 
lässigt wird. Es hat zu derartigen erscheinungen in Holland 
das ihrige die manier von Cobet beigetragen, die allerdings ihre 
glänzende seite gehabt hat: hüte man sich in Deutschland, die- 
sem beispiele'zu folgen. 

7. Herodiani technici reliquiae. Collegit disposuit emen- 
davit explicavit praefatus est Augustus Lentz. Tom. I. praefa- 
tionem et Herodiani Prosodiam catholicam continens. Lipsiae 8. 
B. G. Teubner. 1867. Tom. H. fasciculus prior, reliqua scripta 
prosodiaca, pathologiam, orthographica continens. Ib. 1868. 8, 

Es war nach den früheren leistungen von Lentz zu erwar- 
ten , dass wir in diesem werke eine leistung ersten ranges er- 
halten würden, und diese erwartung hat sich durchaus bestätigt. 
Eine scharfe und sichere methode vereinigt sich hier mit der 
vollständigen beherrschung des gesammten materials und der 
liebevollsten detailforscbung, auch in den am meisten unerquick- 
lichen partien der arbeit. Leider ward die freude, mit der je- 
der philologe das erscheinen des werkes begrüssen musste, durch 
die nachricht vom plözlichen tode des Verfassers aufs schmerz- 
lichste getrübt. (S. Philol. XXVII, p. 575 f.) 

Wir geben zunächst eine kurze Inhaltsübersicht. Der erste 
theil der erschöpfend reichhaltigen prolegomena, de Herodiani 
vita et scriptis, beginnt mit einer Zusammenstellung und be- 
sprechung der überlieferten dürftigen nachrichten vom leben Hero- 
dians. Aus den hierauf folgenden Untersuchungen heben wir 
namentlich die Sammlung und erläuterung der Überreste aus 
den herodianischen epimerismen hervor (p. XVII ff.) ; an sie 
reiht sich die besprechung der echten werke Herodians nach form, 
Inhalt und art der erhaltung an. Vorzüglich kommen hier in 
betracht: nsgl na&oltxTJg ngoacpÖtag p. XXXV (besonders zu 
beachten ist der schöne excurs Herodiani de scriptura t<j/' sv 
doctrina p. XXXXVff.), dann nsgl' 0{H]Qtxfjg noooqpdi'ag p. LXXIV, 
nsgl na&äv p. LXXXIII (mit vollständiger Zusammenstellung der 
termini technici für die verschiedenen nd&r]), neol öo&oynacpictg p. 
XCVIII, die Schriften über die redetheile p. CV. Die bereits 



Herodian. 13 

früher veröffentlichte vortreffliche abhandlung über die vermeint- 
liche Homerausgabe Herodians ist p.CXVIIIff. wieder abgedruckt. — 
Der zweite theil der praefatio trägt die Überschrift de fontibus 
doctrinae Herodianeae und beschäftigt sich besonders mit Arka- 
dios, Stephanos (p. CXXXV1— CLXXX), Theognostos, Chöro- 
boskos , Hesychios , Orion , mit mehreren stücken in Cramers 
Anecdota, mit dem Etymologicum magnum und dem Gudianum, 
endlich mit den scholien zu Apollonios. Vorangeschickt wird 
eine Zusammenstellung der eigenthümlichkeiten im sprachge- 
brauche Herodians. 

Den anfang der werke Herodians macht die xadoXw?] nqo6- 
q>dia; mit Zugrundelegung des Arkadios und Zuziehung der 
gesammten grammatischen literatur hat Lentz dieses riesenwerk, 
soweit es mit unsern hülfsmitteln möglich ist , wiederhergestellt, 
eine stauneuswerthe leistung, auf welche die deutsche philologie 
stolz sein kann. Der zweite theil brirjgt uns zunächst die Über- 
bleibsel der lehren Herodians von dem accente der Wörter, die 
zugleich eigennamen und appellativa oder adjectiva sind, sodann 
die Schriften nsgl Öi^qovcov und nsgl 'IXiaxrjg ngoorndtag, diese 
beiden wesentlich nach der bearbeitung von Lehrs (Königsb. 
1848). Eine neue leistung von Lentz dagegen ist die bearbei- 
tung der (leider nur dürftigen; reste nsqi ' OdvGOsiaxrjs ngoocp- 
dtug , welche keiner, der sich genauer mit der Odyssee beschäf- 
tigt, unbeachtet lassen darf. Den grössten theil dieses bandes 
füllen die fragmente nsgl na&äv (nebst den in naher beziehung 
dazu stehenden ttsqi awra^tcog täv azoifttiap) und tzsq}. oq&o- 
yQaqsCag ; über ihre anordnung s. praef. p. LXXXV und C flgg. 

An diese nur das allerwichtigste hervorhebende Inhaltsan- 
gabe schliessen wir einige bemerkungen an. In bezug auf die 
Epimerismen bemerkt Lentz p. XIX mit recht, dass wir (nach den 
Worten des Chöroboskos) zweierlei arten solcher Sammlungen anzu- 
nehmen haben : die eine zwar nicht von Herodian selbst herrüh- 
rend, aber nur aus herodianischen schritten geschöpft, die andere 
herodianisches und fremdartiges enthaltend. Von den erhaltenen 
46 fragmenten, fr. 2 ausgenommen, ist es nicht bezeugt, aus was 
für einer Sammlung sie stammen; zwei davon (fr. 3 und 6) ge- 
hören nachweislich dem Herodian an, eines (fr. 46) gewiss nicht. 
Von den übrigen 42, welche sämmtlich über nüdij handeln, lasst 
sich nur soviel sagen, dass sie (wie vf. darthut) von Herodian herrüh- 



14 Herodian. 

ren k önnen. Dies will aber nicht viel bedeuten, da Herodian 
(wie bekanntlich alle alten) auf diesem gebiete sehr vieles für erlaubt 
hielt (vgl. das urtheil von Kitschi Op. I, p. 650) und man 
ihm daher auch sehr vieles zutrauen darf. Dazu kommt, dass 
Orion, unsere hauptsächlichste quelle für die Epimerismen, fr. 
46 enthält, welches vf. mit recht den inipegtoiiol xpsvdsntyQaq^oi 
zuertheilt, also jedenfalls diese Sammlung benutzt hat; sollte 
jene stelle die einzige in ihrer art sein ? Die behauptung, dass 
fast alles erhaltene aus echten schritten Herodians stamme , er- 
scheint uns demnach nicht ganz gerechtfertigt , wenn wir auch 
bei einem oder dem anderen die Wahrscheinlichkeit dieses Ur- 
sprungs zugestehen. — Ferner können wir mit Lentz über den 
tractat nsg\ 8i%q6vo3v in bezug auf sein verhältniss zur xctdo- 
Xmrj tzQoacpdia nicht übereinstimmen. Die sache verhält sich 
folgendermassen. Wir wissen, dass Herodian die lehren von 
der Quantität der vokale a t v (der 8i%Qova) im 20ten buche 
der aaüolmi] behandelte. Da wir nun eine echt herodianische 
(freilich verkürzte) abhandlung über denselben gegenständ be- 
sitzen und es nicht im geringsten befremden kann, wenn aus 
dem grossen werke ein einzelner abschnitt von abgeschlossenem 
inhalt ausgesondert wurde, so liegt, meinen wir, die annähme am 
nächsten, dass uns in dem tractat n. di^govcop ein theil des 20ten 
buches der xa&. ngogcpdia erhalten ist. Lentz dagegen nimmt an (p. 
LXXII), jener sei von dem entsprechenden stücke der na&. ngoacpöia 
verschieden. Diese Verschiedenheit könnte, da der stoff derselbe 
ist, nur in der form, also ganz besonders in der anordnung der 
einzelnen regeln beruhen. Vergleichen wir aber die schrift n. 
dixQovcov mit den erhaltenen excerpten aus der na&oXtarj nQOG<p8ia 
bei Arkadios, so finden wir, dass die reihenfolge, bis auf wenige un- 
wesentliche abweichungen, ganz dieselbe ist, und dies ist um so 
beachtenswerther, als sie ziemlich willkührlich erscheint. Wir 
halten daher an dem fest , was wir bereits früher ausgesprochen 
und in ähnlicher weise begründet haben: uio schrift mgl dt%(j6° 
rar ist ein stück des 20ten buches der xct&oXixi] ngo^dla 
welches bereits ziemlich früh besonders abgeschrieben sein 
mochte. Aehnlich verhält es sich wohl auch mit einigen ande- 
ren Schriften, worauf wir hier nicht näher eingehen, «w» Auf 
das einzige zeugniss des Tricha (p.* 281) hinmetrische Schriften 
Herodians anzunehmen (vgl. p. CXVI1I) erscheint uns durch- 



Herodian. 15 

aus unstatthaft. Tricha schöpfte aus den seholien zu Hephä- 
stion, und nach Westphal (Metrik 1 p. 193 f.) ist gerade die 
erwähnung des Herodian (ausser citaten des Hermogenes) die 
einzige stelle bei Tricha, die in Hephästion und in den uns 
vorliegenden seholien fehlt. Es leuchtet ein, wie merkwürdig 
ein solcher zufall wäre. Dass irrthum und Schwindel in den 
citaten dieser Byzantiner (am meisten wohl bei Tzetzes) eine 
grosse rolle spielen, ist bekannt, und daher ist es nicht einmal 
nöthig, ' Ifgcodtatä) in 'HliodwQcp zu ändern, wie Studemund 
vermuthet (Jahrb. für Phil. 1867, p.616). "Was man dem Tricha 
zumuthen kann, zeigt Westphal p. 199. — P. CLXV11I nennt 
Lentz unter den grammatikern , deren kenntniss Stephanos dem 
Herodian verdanke , auch Theon , den bekannten commentator 
alexandrinischer dichter. Dies halten wir für unrichtig 5 Stepha- 
nos hat vielmehr den Theon selbst benutzt. Die begründung 
dieser behauptung müssen wir uns, da sie zu viel räum erfor- 
dern würde, für einen anderen ort versparen. — Pros. II. H, 
390 ist vielleicht statt ika to aXizvag ovgrjag zu schreiben dia 
■zb xliTvag mg ocpgvag (oder auch 'mg oaqivag, nach schob BL. 
sket ano jov xlirvag mg oaqivag öaepvg) ; der zusatz ovgsiag 
wenigstens erscheint in diesem zusammenhange kaum statthaft. — 
Bei der ödvSGEiaxr] ngogcpSia scheint Lentz die Supplemente, 
die Dindorf in der vorrede seiner scholienausgabe gibt, nicht im- 
mer beachtet zn haben, was freilich nur auf kleinigkeiten ein- 
fluss hat. So ist u 175 mit H. der besten handschrift, negiana- 
attog zu schreiben, 8 10, gleichfalls mit H., öpotmg nach rgtövX- 
Xdßmg einzuschieben, d 29 und 423 stehen auch in H. 
Ferner muss es u 34 S statt Q heissen. Zu 8 242 hätte be- 
merkt werden können, dass Friedländer, Nican. rel. p. 35 sq., das 
scholion dem Nikanor zuschreibt. Es ist in der that derartig, 
dass es jedem von beiden grammatikern angehören kann. 

Der letzte band wird uns die noch übrigen schritten (also 
namentlich die übe± -nomina und verba) und die indices bringen. 
Je wichtiger die letzteren gerade bei einem derartigen werke 
sind und je mehr mühe und Selbstverleugnung ihre ausarbeitung 
erfordert, um so dankbarer müssen wir Lehrs dafür sein, dass 
ihre Vollendung guten hände anvertraut ist. 

8. So kr at es. Ein versuch über ihn nach den quellen 



16 Alberti, Sokrates. 

von Dr. E. Alberti. Göttingen, Dieterichsche Buchhandlung 
1869. 194 S. 

Diese monographie beabsichtigt keineswegs den viel behan- 
delten gegenständ aus dem fundament heraus neu zu bearbeiten. 
Sie ist vielmehr ein essay, in welchem der durch mehrere arbei- 
ten über Plato bekannte Verfasser hauptsächlich darauf ausgeht, 
eine eigenthümliche auffassung des Verhältnisses der hauptquellen, 
auf dessen feststellung bei dieser frage anerkanntermassen alles 
ankommt, durchzuführen. Er berührt in sieben capiteln eine 
anzahl der wichtigsten punkte, wie das dämonion, das politische 
auftreten des Sokrates, dessen Charakter, seinen prozess und tod. 
So manches richtige im einzelnen vom Verfasser bemerkt wird, 
im hinblick auf das ganze der schüft, können wir nicht sagen, 
dass ihm gelungen wäre, uns durch seine darstellung, welche zu- 
dem öfter an grosser Unklarheit des ausdrucks leidet, die aydl- 
fxara &tä>v in dem satyrgehäuse in bestimmten umrissen vor die 
seele zu führen. Das dämonium des Sokrates fasst er als „eine 
äusserung seines religiösen lebens in fällen , die seine sittliche 
Überzeugung , sein Wahrheitsgefühl und seine darauf beruhende 
innere ergebung berührten (p 65)." Bei dieser bestimmung scheint 
jedoch mehr der name massgebend gewesen zu sein, als die an- 
gaben der quellen, dass sich jenes zeichen nur warnend, nicht 
antreibend äusserte, dass es sich auch bei den handlungen an- 
derer (Mem. 1, 1, 4), ferner sehr häufig und bei sehr kleinen an- 
lassen vernehmen liess. Es an den stellen des Phädrus und 
Euthydem mit Volquaidsen als blossen scherz zu betrachten, se- 
hen wir keinen anlass, noch weniger freilich Theaet. 151a. 
Statt des Hermann'schen ausdrucks takt, der zu sehr an eine 
angelernte routine erinnert, würden auch wir einen andern vor- 
ziehen, etwa, es sei das gefühl gewesen von der Schädlichkeit irgend 
einer von ihm oder von andern beabsichtigten handlung. Die au- 
ssergewöhnliche feinheit der empfindung, die sich bei Sokrates zu- 
gleich mit der schärfe des denkens und vorstellens und mit der 
genauen beobachtung seiner selbst wie anderer ausgebildet hatte, 
äusserte sich bei der blossen Vorstellung gewisser künftig ein- 
tretender Verhältnisse schon in einer art scheu vor deren fremd- 
artigkeit oder unzuträglickkeit für seine (oder auch eine andere) 
Individualität. Da ihm dies gefühl selbst nicht weiter erklärlich 
war aber doch sich ihm oft als zuverlässigen rathgeber erprobt 



Alberti, Socrates. 17 

hatte, so war es ihm ein orakel so gut wie andere und daher 
delov. Er mochte es auch wohl lieber hören als die gewöhnli- 
chen ixuvzsia, und es auch andern empfehlen, wodurch er sich 
alsdann die anklage wegen des si^qisQSiv der naiva dotifiöna 
zuzog. Ob es ihm mit der Verehrung der gewöhnlichen orakel 
und zeichen so sehr ernst gewesen ist, bleibt mindestens zweifel- 
haft. Es würde eine auffallende befangenheit bei dem so klaren 
manne verrathen (s. Xen. Anab. III. 1, 4 und Köchly akadem. 
vortrage und reden p. 353). In der behandlung der sokratischen 
ethik (im abschnitt über den gewordenen Sokrates) hätten wir 
einerseits grösseres eingehen in das detail, andererseits eine et- 
was strengere ableitung der einzelnen Sätze gewünscht. So wird 
sich schwerlich der satz, dass jeder von natur das gute will, aus 
dem andern, dass die tagend ein wissen ist, ableiten lassen, noch 
auch sind beide gleichbedeutend (p. 100). Vielmehr wird der 
zweite satz aus jenem fundamentalsatz von dem natürlichen stre- 
ben nach dem guten herzuleiten sein , wenn man nämlich noch 
die defmition zu hülfe nimmt, dass die tugend einer person oder 
sache darin besteht, dass sie gut ist und den weitern satz, dass 
über die mittel, durch welche etwas gut wird, die menschliche 
erkenntniss und kunst oder das wissen entscheidet. Denn nun 
folgt, wenn jener oberste satz richtig ist und jeder von natur nur 
das gute wählt, dass mit der richtigen erkenntniss des guten zu- 
gleich auch die aneignung desselben, mit dem wissen die tugend 
gegeben ist. — Auch die logische technik des Sokrates hätten 
wir gern an den bei Xenophon gegebenen beispielen näher ent- 
wickelt gesehen. Freilich wird h. A. gegen diese unsere zumu- 
thung von vornherein protest erheben, da er in dem einleitenden 
abschnitt über quellen- und Quellenkritik, so wie im laufe der 
Untersuchung, Xenophon als quelle nur subsidiär will gelten las- 
sen. Wo dem bei Plato von Sokrates geredeten ein „keim" bei 
Xenophon entspricht, da sei acht sokratisches (p. 110). Der 
begriff keim , dünkt uns , ist zu vag um den maasstab abgeben 
zu können. Und ausserdem scheint uns Xenophon damit jeden- 
falls unterschätzt. Er ist zwar historiker und nicht philosoph, 
aber dass er Sokrates lehre doch in den wichtigsten punkten 
richtig aufgefasst, das scheint uns erwiesen durch die bestätigung, 
die er durch Aristoteles erhält. Plato dagegen philosophirt selb- 
ständig, aber er ist nebenbei künstlerischer Schriftsteller. Er ist 

2 



18 Baumeister, Spie, criticum. 

daher für eine menge kleiner züge im leben des Sokrates ein 
zuverlässiger zeuge , wie Alberti richtig urtheilt. Für die 
sokratische lehre kann er dagegen nur als gewährsmaun gelten, 
wo er diese selbst und nichts anders darstellen will, wie in der 
Apologie und im Crito. Wenn aber bei Sokrates nicht nur die 
tugendlehre des „Protagoras", sondern auch die dialektik des 
„Phädrus", die politik des „Staats" schon den grundzügen nach vor- 
handen sein soll, wo ist da noch eine grenze zwischen platoni- 
schem und sokratischem zu ziehen? Oder soll die ideenlehre 
allein als platonisch stehen bleiben? Und warum wussten die 
übrigen Sokratiker nichts von all den neuen sokratischen sätzen? 
Auch die deutung der stelle im Phädo auf eine entwicklungsge- 
schichte des Sokrates können wir nicht billigen. Weder passt 
sie zu Sokrates charakter noch kann sie andererseits , da sie di- 
rekt auf die ideenlehre hinleitet, dem Plato entzogen werden. 
Uebrigens würden wahrscheinlich meister und schüler bei diesem 
streit über ihr geistiges eigenthum sagen pqdsv ijfiäv (pQÖvTi^f 
Xsysi yag tj qulooocpict äs), a vvv t]fiööv axoveig — ohne uns je- 
doch damit von einer getreuen historischen darstellung ihrer bei- 
derseitigen Verdienste zurückschrecken zu können. 

9. Orationem in memoriam H. Chr. Schuessleri — ha- 
bendam indicit A. Baumeister. Inest spicilegi critici in scriptores 
graecos et latinos particula I. Geraviae 1868. 4. 8 S. 

Herr direktor Baumeister giebt in diesem seinem ersten ge- 
raischen programm kritische bemerkungen zu acht stellen. Wenn 
er Livius 23, 16 cum romana acies egressa portis staret (für iret) 
vermuthet, Plut. Lys. 8 ov nach ActY.mviv.hv zusetzt, Lysias 13 
§. 19 Qeöxgizov tvv toi 'EXacpoßTCxrov xaJiov p evov (für 
naXovfisvov) lesen will, so sind dieselben vermuthungen schon 
von Madvig (bei Ussing) , Schäfer und Volckmar aufgestellt wor- 
den. Aber bei Livius ist J. F. Gronovs foret eine eben eo 
leichte und dem sinn nach natürlichere änderung. Auch bei 
Lysias ist „Theokritos der den Übernamen söhn des bunt- 
hirsch hat" ebenso geeignet zu verächtlicher bezeichnung als 
„Theokritos der söhn des sogenannten bunthirsch." Dagegen ov bei 
Plutarch ist nothwendig, obgleich Sintenis es verwirft, denn die 
von ihm praef. Themist. p.XLVIII ff. angeführten beispiele, auf 
die er verweist, sind anderer art, da sie üa haben. — Auch Thu- 



Catull. 19 

kyd. 2. 5, 3 ist die vermuthung oia anQOo8ox?JTov zov xaxot iv 
£ 'Q'1*V ysfOfttfov, wo tov in den HSS. fehlt, ohne zweifei richtig 
und ref. freut sich , was er sich selbst angemerkt hatte , durch 
Baumeister bestätigt zu sehen. — In dem bruchstück des Alkman 
34 Brgk. vertheidigt der verf. seine frühere vermuthung xCaai- 
vov (für XQvaeov) uyyog iyoiaa fxsyap cxvcpovj aber so wenig 
auch %qvo£ov zu passen scheint und so gut xiaaivov passen 
würde, wenn es überliefert wäre, so unwahrscheinlich ist doch 
die änderung. Der fehler bedarf anderer Verbesserung. — Cic. 
in Vatin. §. 22 verwirft Baumeister seine frühere meinung, dass 
Cicero id te tribuno plebi consuli, domus asylum (für exiliuin) 
esse non posset geschrieben habe, und vertheidigt durch gelehrte 
erörterung der bedeutung von exsilium im römischen Staatsrecht 
die lesart der HSS. — Ob Plut. Süll. 15 mit Baumeister nach 
Paus. 10, 4, 10 T(jo3vi8u oder beiPausanias nachPlutarch mitLeake 
I2a7Qoov}g zu lesen sei, ist zweifelhaft, aber die grössere Wahr- 
scheinlichkeit ist auf Baumeister's seite. — Nur in einer stelle, Ju- 
stin. 6. 5,10, hat sich Baumeister vollkommen geirrt. Die 
HSS. haben: fatuni illud Athenarum fuit, ut ante a Persis crema- 
tae rnanibus eorum, et nunc a Lacedaembniis dirutae ex spoliis La- 
cedaemoniorurn restituerentur. Baumeister will für rnanibus lesen 
manubiis, ohne zu wissen, dass dies die lesart der alten ausgaben 
gewesen sei, für welche von Bongars unter Verweisung auf Xen. 
Hell. 4. 8, 10. Diodor. 14, 85 die lesart der handschriften 
rnanibus mit recht hergestellt wurde. Justin spricht nur von der 
Wiederherstellung der mauern Athens durch Conon: Athen, frü- 
her von den Persern niedergebrannt, kürzlich von den La- 
cedämoniern zerstört, wurde nun durch die bemannung der 
persischen schiffe und aus der lakedämonischen beute wieder 
aufgebaut. 

E. S. 

10. Rettigii Catulliana. I. Vorrede zum Ind. lectt. in uni- 
versit. liter. Bernensi per sem. aestiv. a.MDCCCLXVHI haben- 
darum. 4. Bern. 1868. S. 12. 

Hr. Bettig hat sich die mühe gegeben, den roman, welchen 
Westphal (Catull. p 100) über das verhältniss Cicero's zur Clo- 
dia aus einem römischen stadtklatsch (Plut. Cic. 29) gesponnen, 
in seiner historischen nichtigkeit zu zeigen: besonnene werden 

2 * 



20 Nepos. 

ihm beistimmen: doch wollen wir hier darauf hinweisen, dass 
Westphal eine art Vorgänger an Wieland gehabt: s. übers. 
Cic. brief. bd. I, p. 116. Von p. 8 an wird dann gezeigt, wie 
Westphal durch seinen roman zu einer durchaus falschen auf- 
fassung von Catull. c. XXXIX gekommen sei , dann die richtige 
deutung dieses gedichts gegeben , der zur stütze noch hinzuge- 
fügt werden mag, dass Catull durch seine bekannten leicht mit 
Cicero in Verbindung kommen konnte, ferner, dass Cicero dem 
Catull wohl in einer Verwicklung, in die Catull durch seine 
schulden — vgl. c. 24. 46 — gekommen, irgendwie beigestan- 
den hatte. 

11. Caroli Nipperdeii spicilegii alterius in Cornelio Nepote 
Pars I. Vorrede zum ind. lectt. schol. aestiv. a. MDCCCLXVIII 
in univers. lit. Jenensi habendarum. 4. Jenae 1868. 12 S. 

Höchst lehrreiche und interessante rechtfertigungen der les- 
arten, welche Nipperdey in der ausgäbe des Cornelius v. j. 1867 
in den text gesetzt hat: sie beziehen sich auf Vit. Milt., Them., 
Arist., Cim. und Alcib. : besonders ist p. 5 die beweisführungzu beach- 
ten für den gebrauch von lianc rem, quas res dgl. bei intransitiven 
im sinne des accusativ der pronomina und adjectiva; dann p. 8 die 
erörterung über postquam und ähnlicher conjunctionen construction 
mit dem plusquamperfect , wobei eine reiche beispielsammlung. 

12. Caroli Nipperdeii spicilegii alterius in Cornelio Nepote 
pars II. Vorrede zum ind. schol. hibern. a. MDCCCLXVIII— IX 
in univers. lit. Jenensi habendarum. 4. Jen. 1868. 16 S. 

Bespricht einige stellen aus V. Thrasyb., da p. 3 — 14 eine 
ausführliche besprechung von quod als conjunction gegeben , p. 
15. 16 über die construction von invidere gehandelt wird: der 
accusativ wird als nur dichterisch der guten prosa abgesprochen 
und danach V. Thras. 4, 2 quod cum multi cett. geschrieben. 



13. Nonnulla de elocutione Taciti, ser. Dr. Unico Zerniai. 
Gymnasialprogramm. Burg 1868. 4. 

Der durch seine fleissige abhandlung, de Genetivi usu Taciteo, 
Gotting. 1864 bekannte verf. behandelt die in der silbernen la- 
tinität sich immer breiter machenden substantiva auf io in vier 
abschuitten: l) substantiva von transitiver bedeutung mit bezie- 



Tacitus. 21 

hung auf die gegenwart , 2) desgl. mit beziehung auf die Ver- 
gangenheit, 3) substantiva mit reflexiver bedeutung, 4) substan- 
tiva mit intransitivem (neutralem) sinn. Innerhalb dieser ab- 
schnitte bilden der Agricola (der dialog ist ausgeschlossen), die 
Germania, und jedes buch der Historien eigene rubriken, woge- 
gen die Annalen einer späteren publication vorbehalten bleiben. 
Die arbeit giebt den stoff ziemlich vollständig (unter seditio feh- 
len z. b. bloss Hist. 1, 60. 2, 36. 4, 72; statt 1, 58 verb. 56), 
dazu oft deutsche Übersetzungen, fast keine kritischen winke. In 
der wichtigen stelle Germ. 13 principis dignationem erfährt man 
nicht einmal, dass die beste handschrift dignitatem hat, und wird 
auf Joachim p. 11 verwiesen statt auf die detailuntersuchung 
bei Halm, controv. stellen p. 2 — 6 ; ebenso schweigt verf. Germ. 5 
über die Varianten adfectio und adfectatio. Dagegen ist sorgfäl- 
tig bemerkt, ob die substantiva schon bei Cicero , ob bei gleich- 
zeitigen autoren, ob zuerst bei Tacitus erscheinen. 

Für diebenutzung der schrift ist die disposition unzweckmässig, 
um so mehr als die beispiele nicht alphabetisch, sondern nach 
den capiteln des Vorkommens geordnet sind, so dass man jedesmal 
an sieben stellen nicht nachschlagen, sondern mühsam seinen be- 
darf zusammensuchen muss. Das oben angegebene, viertheilige 
oberste eintheilungsprinzip zugegeben, welches verf. mit vieler 
schärfe durchgeführt hat, ohne freilich vermeiden zu können, dass 
dieselben substantiva oft unter verschiedenen kategorien erschei- 
nen, wäre der stoff zunächst alphabetisch zu gliedern, das Sub- 
stantiv wo nöthig in seine hauptbedeutungen zu zerlegen, und 
erst innerhalb derselben die stellen chronologisch aufzuführen. 
Wünschenswerth wäre ausserdem, das verhältniss zu den Ver- 
balsubstantiven auf us zu untersuchen, z. b. adjectio, adfectus, 
consensio, contemptio, dorninatio, missio , potio , relatio , transitio , re- 
bellio zu rebellatio, obsidio zu obsidium, offensio zu offensa, wenn 
auch manchmal, wie bei dem letzteren beispiele, kein unter- 
schied der bedeutung wird festgestellt werden können. 

E. W. 

13. Eector univ. lit. turicensis commilitonibus certamina 
eruditionis — indicit. Praemissum est Iuli Exuperanti opuscidum 
a Conrado Bursian recognitum. Turici 1868. pp. VHI et 7. 4. 

Prof. Bursian giebt die kleine, an und für sich unbedeutende 



22 Exuperantius. 

aber wegen ihres Verhältnisses zu Sallust, namentlich den Histo- 
riae desselben, nicht unwichtige schrift , über die Linker (Emen- 
dationen zu Sallust. Wien 1854) zuletzt eingehend und richtig 
gesprochen hat, genau nach der von Wölfflin verglichenen ein- 
zigen handschrift, der Pariser 6085 des ll.jahrh., die auch Sal- 
lusts kriege enthält. In der vorrede weist er nach, dass der 
Verfasser keiner der sonst erwähnten Exuperantii sein könne, 
dass er aber etwa ins 4. oder 5. jahrb. gehöre, und giebt eine 
reihe von stellen an , in welchen wörtliche benutzung von Sal- 
lusts schritten erkennbar ist. Mit der kritik kann sich ref. nicht 
immer einverstanden erklären , so dankenswerth auch die sorg- 
fältige behandlung im übrigen ist. Kap. 1 (p. 1, 4) vertheidigt 
Bursian p. VII die lesart der HS. ita se factis fortibus promise- 
rat mit Sylburg durch Plin. N. H. 16 §. 107 nee ulla arborum 
avidius se promittit, aber das folgend^ zeigt dort, dass von wachs- 
thum keine rede ist, sondern von dem fortwährenden früchtever- 
heissen der pinie (vgl. §. 95 : neque — pinus — natalis pomo- 
rum annuos versicolori nuntio promittuni) und Lachmann hat zu 
Lucret. 4, 681 ganz recht zu sagen, animata et agentia non viden- 
tur prwrnitti aut se promittere, auch spricht Exuperantius nicht vom 
wachsthum des Marius, sondern vom sich he rvorthun des- 
selben ; es ist zu lesen promserat, ähnlich wie Verg. AE. 2, 260 : 
laetique cavo se rohore promunt; man vgl. auch promtus. — Bald 
darauf (p. 1, 10) kann Exup. nicht relicta provincia Metello ge- 
schrieben haben, Metello ist nur aus versehen vom ende des ka- 
pitels erepta Metello provincia hereingekommen. — Auch p. 1, 
11 de Metelli rebus loquendo corruptius kann nicht richtig sein; 
man schreibe cotemptius: vgl. Sali. Jug. 64, 5. — Kap. 3 (p. 2, 
20) hält auch Bursian quotiens victor nicht für richtig, aber für 
aliquotiensj was er vorschlägt, kann Hist. 1, 99 nichts beweisen; 
von Marius kann hier nur totiens victor , wie Sylburg will , oder 
qui totiens victor stehn. — K. 4 (2, 29) bemerkt Bursian zu den 
Worten ut seditionibus privaretur nichts, Eussner (spec. crit. Würzb. 
1868 p. 36) vermuthet ut seditionibus R. P. privaretur, aber da 
müsste liberaretur, levaretur stehn, wahrscheinlich ist zu schreiben ut 
seditionibus praeveniretur. — K. 6 (3, 26). Für Sed — coeperat 
fordert der gedanke et. — K. 8 endlich (p. 4, 30) sah Dietsch 
zu Sali. frg. 1. 58 (nicht Linker), dass pariter aus Sallust aufzu- 
nehmen sei, aber Exup. schrieb wol nicht cui nisi pariter obviain 



Eussner, Spec. criticum. 23 

iretur ) sondern cui nisi dbviam pariter iretur. Gleich darauf 
vermuthet Eussner p. 37 actum iam ac debellatum fore (für 
foret, wie noch Bursian hat): nothwendig ist fore, aber längst 
von Corte und Dietsch verlangt. — Wendungen aus Sallust fin- 
den sich in dem schriftchen , das man am richtigsten als cento 
8allustianus eines Schülers bezeichnen wird, noch viel mehr, als 
Bursian im Vorwort angiebt , so gleich k. 1 ut hostibus terrori, 
romano imperatori carus esset (Marius) aus Jug. 7 §. 4, wo von 
Jugurtha die rede ist. Auch p. 1, 16 ist populus — Marium 
consulem iussit wol nach Jug. 73, 7 Marium iussit gesagt 1 ). 

H. S. 

15. Specimen criticum ad scriptores quosdam latinos per- 
tinens scr. Adam Eussner. 8. Wirceb. 1868. 42 S. 

Der verf. bespricht 60 stellen, vorzugsweise aus römisehen 
historikern, 23 aus Curtius, 6 aus Censorin, 15 aus Ampelius, 
einzelne aus Velleius, Tacitus, Justin, Eutropius, Exuperantius. 

Nachdem die in eine handschriftenfamilie zusammengefass- 
ten vier optimi des Curtius, denen Hedicke früher allein kriti- 
schen werth zugesprochen, in neuerer zeit Zuwachs erhalten ha- 
ben durch das von A. Hug im Rhein, mus. 20, 117 — 129 ver- 
öffentlichte rheinauerfragment und den von Hedicke neu entdeck- 
ten und collationirten Paris. 5716 2 ), unternimmt es verf. die 
besonnene gleichstellung, welche Hedicke dem Parisinus gewährte, 
in eine unbedingte bevorzugung zu verwandeln, worin ihm in- 
dessen ref. nicht beistimmen kann. Da sich den 34 stellen aus 
dem 8. buche (pg. 9) , in welchen dem Parisinus zu folgen ist, 
etwa 70 aus demselben buche gegenüberstellen lassen, in welchen 
derselbe entschieden im nachtheile ist, so fehlt den emendationen, 
die Eussner nach dem Parisinus macht, die richtige grundlage, so 

1) Ueber eine abschrift des Exuperantius von Goldasts hand, die 
eich jetzt in Bremen befindet und wahrscheinlich auf eine ehemals im 
kloster des predigerordens zu Basel befindliche HS. zurückgeht, vergl. 
Lüdecke in den Gott. gel. anz. 1869 Januar. Sie stimmt fast durchge- 
hends mit der pariser ; p. 3, 26 hat sie et, wie ref. oben vermuthet hat 
2) Der Rheinauer, wie ref. aus autopsie bezeugen kann , älter als 
der Paris, und ihm sehr nahe verwandt, hätte sogar in Hedicke's aus- 
gäbe mehr berücksichtigung verdient, weil er ausser bestätigungen oft 
allein das richtige bietet, wie 8, 8, 21 aulae et , wo der Par., was He- 
dicke übersah , et weglässt. 



24 Jordan, kaiserpaläste. 

8, 1, 4 et statt quae, 8, 2, 30 potestatem, 8, 3, 17, namentlich 
8, 13, 23. 8, 10, 35, wo gar dem aus quidam plus verdorbe- 
nen amplius des Paris, zulieb eine Umstellung vorgenommen und 
ein satz aus Justin eingeschoben wird. Anerkennenswerth und 
auf bessere basis gebaut ist 9, 4, 22 tardiora statt maiora, 8, 

8, 15 die änderung der interpunction ; auch 8, 8, 6 mag das 
vorgeschlagene per triennium durch die lesart des rheinauers 
parmenium seine bestätigung finden. Endlich fehlt es nicht an 
stellen, wo verf. nicht ohne schärfe schaden blossgelegt hat. 

Eür die kritik des Exuperantius, dessen einzige handschrift 
cod. Paris. 6085 erst in dem Zürcher Universitätsprogramm (s. ob. n. 
14) in genauer collation vorliegt, hat ein seither in München aufge- 
fundenes pergamentblatt saec. XI oder XII wenig hülfe gebracht. 
Es enthält bloss die zweite hälfte, cap. 5 — 8, wovon nicht alles 
leserlich, leider keine subscriptio , aus welcher der ursprüngliche 
titel des werkes hervorginge, vermehrt die corruptelen des Par. 
mit einigen neuen , und giebt nur folgende beachtenswerthe Va- 
rianten: cp. 7 qui tunc statt tum, und exercitus Syllae traditus 
statt traditur. 

Ampelius 2, 7 ist iustitia 6Ta&[iov%og dictus, statt Mochus, 
richtig, aber schon von Jahn gefunden Ehein. mus. XIII, p. 182. 

9, 1 war die Überlieferung: Liberum procreavit primum victo- 
riam nicht in per illum victoria est zu verändern, sondern mit 
Henr. Jacob, spec. emendat. p. 19 in primum vini inventorem, 
coli. Sen. dial. 9, 17, 8 Liber dictus est inventor vini , Amp. 9, 
11, Liber inventor vini, 2, 7 primus invenisse. Cap. 41 ist die 
ergänzung Lepidus et Catulus überflüssig, weil Ampelius nur bei- 
spiele geben will. Gut dagegen 16,2 Alexander trecenta pedi- 
tum, quinquaginta (cod. legionum, aus L entstanden) equitum 
vicit, c. 44 /also nomine regnum (statt nomen regium) Macedo- 
num Pseudophilippus invasit, nicht unwahrscheinlich 30,1 Cam- 
byses revertens ab Aethiopia viribus per [Famem] fr actis , coli. 
13, 2 Aeihiopiam profectus magna parte militum per famem amissa 
rediit. E. W. 

16. Die Kaiserpaläste in Rom. Von Dr. H. J o r d an, profes- 
sor in Königsberg. Berlin 1868. C. G. Lüderitz 31. s. 8. 

Der vf. gibt in populärer und ansprechender form eine 
Übersicht der neuesten ausgrabungen auf dem Palatin und nach 



Brunn. — Overbeck. 25 

Rosa eine beschreibung des augustischen palastes. Die übri- 
gen kaiserlichen bauten werden nur oberflächlich berührt , dage- 
gen die Umgebungen des hügels eingehend geschildert. Ueberall 
zeigt sich eine gründliche kenntniss des gegenständes, und es 
sind höchstens kleinigkeiten zweifelhaft oder unrichtig. Dahin 
dürfte z. b. p. 16 die angäbe gehören, dass Augustus haus mit 
lorbeerzweigen, statt mit lorbeerbäumen geschmückt war; eben- 
so p. 17 die nach Becker p. 429 wiederholte behauptung, dass 
die domus Tiberiana nach der seite des circus lag. Wenn T*ibe- 
rius und Caligula die circusspiele aus dem hause des freigelas- 
senen Gelos schauten (Dio Cass. 57, 11, vgl. Sueton. Calig. 18), 
so ist vielmehr zu schliessen, dass der circus aus dem palaste 
des Tiberius nicht übersehen werden konnte. Unter der p. 51 
angegebenen litteratur vermisst man den aufsatz von Urlichs 
im Januar- und Februar-heft der Internationalen revue von 1867. 

17. Die kunst bei Homer und ihr verhältniss zu den anfan- 
gen der griechischen kunstgeschichte. Von H. Brunn. (Aus den 
abhandlungen der k. bayer. Akademie der W. I. Cl. XI. Bd. 
III. abth. München 1868. Verlag der k. akademie, in commis- 
sion bei G. Franz. 52. s. 4). 

18. Overbeck, kunstgeschichtliche miscellen. Berichte der k. 
sächs. gesellschaft der w. 1868. p. 66—91. 8. 

In seiner feinen und scharfsinnigen weise führt Brunn den 
schon früher von ihm und andern geäusserten gedanken aus, 
dass die geschichte und entwickelung der statuarischen kunst erst 
seit ol. 50 beginne, vereinzelte erscheinungen von Ol. 30 an 
abgerechnet; die homerische kunst aber sei, wenn auch in echt 
hellenischem geiste , handwerksmässig und dekorativ gewesen. 
Durch diese Unterscheidung meint er die lücke zwischen Homer 
und der freien kunst ausgefüllt zu haben. 

Der streit ist zwar alt , doch bleibt er ewig neu , und neu 
ist insbesondere die schöne vergleichung der assyrischen kunst 
p. 12 ff.; auch die behandlung des hesiodischen Schildes p. 18 ff. 
reich an schönen und wahren bemerkungen. Dagegen scheint die 
frage nach statuen im homerischen Zeitalter nicht erschöpft zu 
werden. „Eine eigentlich statuarische kunst" spricht der vf. 
p. 4 Homer gänzlich ab, denn das bild der Athene II. 6, 92 ff. 
sei kein statuarisches kunstwerk gewesen. Die betrachtung der 



26 Brunn. — Overbeck. 

löwen von Mykenä sollte doch gegen ausspräche über jene zeit, 
„dass künstlerische anforderungen ihr gänzlich fern liegen," 
vorsichtig machen. Wie schon die sprüchwörtliche redensart 
&E0ÖV im yovvitGi andeutet, war jenes Pallasbild kein vereinzeltes. 
Auf eine statue Apollo's lassen die stemmata II. 1, 14 schlie- 
ssen , und ein xoanon des Zeus Herkeios (Pausan. 4, 17, 4, 
vgl. 8, 46, 2) scheint bei den Cyklikern vorgekommen zu sein. 
Alkmans fragment 18. bezieht sich auf ein xoanon der heroine 
Sparta (Athen. 15, 678: vgl. Pausan. 3, 13, 9), und warum sollte 
es schlechter gewesen sein als die gleichzeitigen marmorarbeiten 
in Chios? Solche uralte xoana gibt freilich Brunn p. 51 ebenso 
wie die sphyrelata ausdrücklich zu , aber dann passt doch auch 
der vergleich mit schwarzwälder Schnitzereien p. 26 nicht. So 
wenig wir die mittelalterliche kunst mit den Pisanern und mit 
Cimabue anfangen, so wenig dürfen wir die sculptur von der 
zeit datieren, da sie in marmor arbeitet. Allerdings ungeschickt 
genug mögen jene holzbilder, jene erzwerke gewesen sein, wie 
die selinuntischen reliefs; aber in eine entwickelungsgeschichte 
der plastik gehören sie eben so gut wie die ältesten vasen in 
die geschichte der alten, die miniaturen in die der neuen maierei. 
Es lässt sich nicht annehmen, dass dies Brunn thun will; dann 
ist aber auch jene breite kluft nach Homer nicht vorhanden, 
so schwierig es auch sein mag, die stufen der entwicklung nach- 
zuweisen. Dass die bearbeitung grosser und nackter statuen in 
marmor erst ol. 50 anhebt, dass wenigstens erst von dieser zeit 
an künstlerschulen kamen, ist gewiss richtig, aber eine bis auf 
das gesicht allmälig fortschreitende ausbildung der ideale beklei- 
deter götterbilder wird dadurch nicht ausgeschlossen. 

Der zweite theil der abhandlung ist der Chronologie der äl- 
testen künstler oder vielmehr einer rechtfertigung des betreffen- 
den abschnitts seiner künstlergeschichte gewidmet. Dass auch 
Brunn's gelehrte und eindringliche erörterung die schwierigen 
fragen nicht zur evidenz gelöst hat, beweist der begründete Wi- 
derspruch Overbecks gegen mehrere seiner argumente. Diese 
lassen wir ausser acht und begnügen uns, Brunn's methode an 
einem punkte, worin er Overbeck's beifall erlangt hat, zu prü- 
fen, an der Zeitbestimmung des Dipoenos und Skyllis, dem an- 
gelpunkte der künstlergeschichte: inclaruerunt — etiamnum Medis 
imjperantihus priusque quam Cyrus inj?ersis regnare inciperet, hoc 



0. Jahn, Gerhard. 27 

est Olympiade circiter L. Deutlicher als in diesen worten des Pli- 
niüs 36, 9 kann kein datum angegeben werden. Brunn aber 
meint p. 46, dass es sich nur um eine ungefähre Zeitbestim- 
mung handele, „die uns zwischen Ol. 50 — 55 noch ziemlich 
freien Spielraum lässt" : p. 47: „Olympiade circiter L ist nur 
eine schlussfolgerung". Allerdings, aber ebenso wie die vorauf- 
gehenden worte, aus daten gezogen, die wir nicht kennen, aber 
eben so zu respektieren haben , als die unzähligen notizen bei 
Suidas, welche schriftsteiler durch die gleichzeitigen regenten und 
die olympiade , d. h. eine olympiade, bestimmen. Plinius quelle 
hätte ebensogut sagen können ysyovöts hcizu ttjp v dXvfimuSct, 
70V780TI noo Kvqov, wie sie zufällig gesagt hat noo Kvgov rovt- 
£G7i yara 7rjv v o\v\miäba. Denn dass circiter nicht eine 
ungefähre Zeitbestimmung bedeutet, sondern nur das jähr oder 
die Jahreshälfte einer bestimmten olympiade dahingestellt sein 
lässt, wird eine vergleichung folgender stellen ergeben. Poly- 
krates stirbt circiter CCXXX. urbis nostrae annum (33,27), die 
rechnung nach Olympiaden lässt nämlich ein oder das andere 
jähr der stadt zu; Gorgias setzt sich eine statue LXX. (vielmehr 
mit Bergk LXXXX.) circiter olympiade (33, 83) ; Phidias blüht olym- 
piade LXXXIII. circiter CCC. (1. mit Cagn. CCCVJII.) nostrae 
urbis anno (34, 19) oder LXXXIII. olympiade, post annos circiter 
trecentos triginta duos (36, 15) nämlich nach 776 v. C, die 83te 
olympiade voll gerechnet. An unserer stelle lässt also das wort 
circiter höchstens die einzelnen jähre der 50. olympiade im 
dunkeln. Vergleicht man nun die parellelen für die andern 
künstler 34, 49 und 31, 54, so wird man für Dipoenos nicht 
eine verschwommene periode von 20 jähren, sondern eine epoche 
von einer olympiade zu rechnen haben. 

19. Eduard Gerhard, ein lebensbild von Otto Jahn. 8. 
Berlin 1868. 124 S. 

Das leben eines vor kurzem von uns geschiedenen edlen 
schön und gerecht zu beschreiben , gehört zu den schwierigsten 
aufgaben ; für uns auch deshalb , weil die classiker als muster 
fehlen. Denn die Griechen der guten zeit haben die biographie 
als kunstform liegen lassen und die spätem sie nicht gefunden ; 
bei den Römern zeigt sich zwar in der laudatio ein keim: bio- 
graphische meisterwerke haben sich aber nicht aus ihm entwickelt. 



28 0. Jahn, Gerhard. 

Trotzdem versucht sich die neuere zeit auf diesem felde ; mit recht 
auch in Deutschland : denn einerseits wissen wir, wie dem Staate 
wir unsre opfer zu bringen haben, verlieren auch allmählig 
das überkommene unterthänigkeitsgefühl gegen die doch auch 
sterbliche regierung und lernen frei das politische leben beur- 
theilen ; andererseits führt unsere gemüthlichkeit zu eingehender 
Schilderung der stille des privatlebens , so dass das leben in sei- 
nem ganze umfange bei uns als stoff für die biographie sich er- 
giebt. So begünstigt vieles die entwickelung der biographie als 
kunstform; doch kann, wenn ich, als allein hierher gehörig, das 
betrachte, was in unserm Jahrhundert philologen für ihre zeit- 
und zunftgenossen geleistet, kaum das eine oder andre buch als 
ein nach höherem strebendes genannt werden. Und wäre es 
nicht mehr als wünschenswerth , dass gerade derartige philologi- 
sche Schriften in weitere kreise gelangten? Denn es ist, mein' 
ich, unläugbar, dass kaum in einem andern stände trotz der vom 
amte geheischten mühwaltung und trotz oft grade nicht förderli- 
cher maassregelung von oben die Wissenschaft von so vielen unter 
aufopferung fast alles dessen, was die weit als höchste guter zu 
schätzen pflegt, mit wahrer liebe und reinster hingäbe gefördert 
wird: die biographie wahrer philologen richtig behandelt würde 
ein sicheres Schutzmittel gegen alle* die angriffe gewähren , wel- 
che gegen das Studium der classischen philologie gerichtet sind 
und noch gerichtet werden. 

Und von ähnlichen gedanken ist wohl auch 0. Jahn gelei- 
tet, als er diese biographie eines der edelsten menschen und aus- 
gezeichneten philologen unternahm; wir dürfen sagen, dass eine 
bessere wir nicht haben. Gleich das fehlen der modernen vor- 
rede berührt angenehm : es lässt ein kunstwerk erwarten. Kurze 
nachrichten über das geschlecht der Gerhard, ausführlichere über 
die eitern des am 29. november 1795 zu Posen geborenen F r i e- 
drich Wilhelm Eduard beginnen: Versetzung des vaters 
bringt den knaben 1800 nach Breslau. Dort zuerst der damals 
unvermeidlichen mädchenschule , dann andern anstalten anver- 
traut, besuchte Eduard seit 1807 das Elisabethan und bezog so- 
wohl wissenschaftlich gut geschult als auch durch die streng 
kirchliche zucht des hauses in echt christlichem sinn befestigt, 
1812 die Universität zu Breslau. Doch da theils durch den 
krieg, an dem wegen körperlicher schwäche er sich nicht bethei- 



0. Jahn, Gerhard. 29 

ligen konnte, gestört, theils durch jugendliche Übereilung in üble 
Stellung gerathen , ging er april 1814 nach Berlin. Wie auf 
dem gymnasium zeigte er sich auch auf der Universität; von ei- 
sernem fleiss, ging er seine eignen wege, war verschlossen, hoch- 
fahrend : er bezog, in Berlin mit Meier, dem nachheiigen profes- 
sor in Halle, der in Breslau schon sein vertrauter gewesen, eine 
gemeinschaftliche wohnung; steter streit bewog Meier, von Ger- 
hard wegzuziehen. Doch störte dies die freundschaft nicht: 
machte doch Gerhard am 24. april 1815 in Meier's frack sein 
doctor-examen. Am 1. juli durch Böckh promovirt — es war 
dies die erste promotion in der philosophischen facultät der Ber- 
liner Universität — versuchte sich Gerhard daselbst als privatdo- 
cent: doch ohne glück: er versuchte dasselbe in Breslau im som* 
m'er 1816: obgleich er mit dem erfolg zufrieden war, ward er 
doch professor am gymnasium zu Posen ; sehr gegen seine wün- 
sche. Im november desselben jahrs trat er sein amt an, er 
wusste sich bald liebe und achtung zu erwerben ; aber ein au- 
genleiden trat hier von neuem so heftig auf, dass er am 15. 
märz 1818 das amt niederlegte. Um sich herzustellen, macht er, 
da seine besoldung ihm bleibt, eine reise in Deutschland: eine 
zweite führt ihn 1820 nach Italien: er fühlt, dass er hier an 
seinem platze sei ; aber der mittel wegen muss er zurück. 
Doch, nachdem er in Paris gewesen, gelingt es ihm vom ministerium 
unterstützt im august 1822 wiederum nach Italien zu wandern 
und da bis 1827 zu bleiben: diese zeit ist der Wendepunkt in 
Gerhard's leben; in ihr wendet er sich der archäologie zu, ver- 
liert er, auch zu seinem eignen erstaunen (p. 58), alle Schroffheit des 
characters : es vollzieht sich eine völlige Umbildung. 

Dies das äussere leben. Auf die wissenschaftliche entwick- 
lung Gerhard's wirkten Fr. A. Wolf, Schleiermacher, auch I. 
Bekker ein, keiner aber mehr als Böckh, wie die widmung der 
Lectiones Apollonianae auch zeigt. Die bedeutung dieser damals 
sehr verschieden und auch von G. Hermann ungerecht beurtheil- 
ten erstlingsschrift erkannte Böckh richtig und übertrug dem Ver- 
fasser die herausgäbe der scholien zu Pindar, verlangte ihn auch 
zum mitarbeiter für den commentar dieses dichters : das augen- 
leiden Gerhards vereitelte die ausführung. Aber der tadel G. 
Hermanns, das aufgeben so mancher plane, die Stellung in Posen, 
die kränklichkeit brachten in Gerhard eine grosse Verstimmung 



30 0. Jahn, Gerhard. 

und reizbarkeit hervor , welche den anlass zu den längst ver- 
schollenen „philologischen blättern" gab, einem übereilt unternom- 
menen unternehmen, welches mit dem zweiten hefte schon aufge- 
geben werden musste und den herausgebern nur verdruss, der 
Wissenschaft keinen nutzen brachte. Sonst beschäftigte sich Ger- 
hard mit dem spätem griechischen epos ; aber durch seine äugen 
behindert konnte er nur den Maximus und auch diesen nur 
mit Meier's hülfe ediren. Alles dieses ist lebendig und spannend 
dargelegt: nur ist nicht immer leicht das jähr des erzählten er- 
eignisses zu finden; bedenklicher jedoch die art, wie .urtheile Ger- 
hards und seiner freunde über andre ohne weiteres hingestellt 
werden, obgleich sie einseitig und ungerecht sind. So steht p. 
43 ein brief Meier's mit urtheil über Böckh , nach dem der mit 
den Verhältnissen unbekannte glauben muss , Meier sei stets 
Böckh's feind gewesen: ein wink wäre da am platze gewesen. 
Auch dürfte kaum der tadel zu rechtfertigen seyn , der wegen 
Gerhard zu gewährender Unterstützung gegen das ministerium 
und einzelne mitglieder desselben, wie Süvern und Nicolovius, oft 
durchklingt: es hat doch Süvern Gerhards werth früh erkannt 
und dass nur durch diese männer Gerhard der hat- werden kön- 
nen , der er geworden , folgt aus Jahn's angaben sicher. Dage- 
gen hat es unsern vollen beifall, dass schnöde urtheile selbst be- 
rühmter männer in ihrer ganzen blosse mitgetheilt werden: mö- 
gen daraus einzelne wie facultäten entnehmen, dass das, was sie 
heimlich und in der hoffnung auf die bergende hülle dicken ak- 
tenstaubes sündigen, doch sehr zu ihrem nachtheile ans licht tre- 
ten kann. 

Es wandert 1828 Gerhard von neuem nach Rom und be- 
ginnt hier eine wirklich grossartige thätigkeit, deren glänzende 
Schilderung man bei 0. Jahn selbst nachlesen muss : mittelpunkt 
derselben ist die länger schon vorbereitete, am 9. december 1828 
aber verwirklichte gründung des Instituto di Corrispondenza Ar- 
cheologica mit seinen Annali und Bulletino, welches ohne die auf- 
opfernde thätigkeit und die persönlichkeit seines Stifters nie zu 
einer so umfassenden entwicklung gediehen wäre, als die ist, de- 
ren wir uns jetzt erfreuen. Daneben ist aber Gerhard litera- 
risch ungemein thätig und da legt nun sein biograph p. 69 flg. 
eine in jeder hinsieht vortreffliche characteristik der wissenschaft- 
lichen richtung Gerhard's ein, ein umstand, der allein diese bio- 



0. Jahn, Gerhard. — Theses. 31 

graphie über die andern philologischen stellt, in denen grade die 
Stellung des beschriebenen zu seiner Wissenschaft meist unzu- 
länglich berührt ist. Aber 1833 erhielt Gerhard eine feste an- 
stellung an dem museum in Berlin und- war ihm diese ein zei- 
chen, dass er sein wirken in Italien zu beschliessen, Berlin von 
nun an als den ort seiner thätigkeit anzusehen habe. Er macht 
freilich noch bald längere bald kürzere reisen nach Italien, auch 
nach Griechenland: seit 1844 aber, wo er an der Universität eine 
ordentliche professur erhält, ist er nur berliner professor. Auch 
in dieser Stellung ist er ungemein thätig als schriftsteiler, als 
lehrer: er gründet die archäologische gesellschaft und neben ihr 
die archäologische zeitung, durch die er zu einem mittelpunkt 
aller archäologischen bestrebungen der gegenwart wird. Aber 
diese seine archäologische thätigkeit führt ihn zur mythologie, 
zur geschichte der griechischen poesie : es ist zu beklagen, dass 
in dieser periode die Schilderung immer äusserlicher wird, sonst 
hätte hier auch von Hesiod oder Orpheus aus die wissenschaftliche 
Stellung Gerhards berührt werden müssen: ich fühle wohl, dass das 
seine Schwierigkeit gehabt hätte : aber der richtige ton wäre doch 
wohl zu finden gewesen. So in vielfacher thätigkeit überraschte 
den alternden das doctor-jubiläum mit den vielen beweisen von 
liebe und Verehrung : nach ihm ward er zusehends schwächer : 
am 12. mai 1867 berührte ihn sanft der todesengel. 

Dies Gerhard als gelehrter. Aber 0. Jahn hat über dem 
gelehrten den menschen nicht vergessen: er zeigt uns Gerhard 
im verkehr mit seinen eitern , seinen geschwistern, seinen freun- 
den und Schülern : er zeigt uns das schöne verhältniss zur treuen, 
aller auf Opferung fähigen gattin, seine amtstreue, seinen Patrio- 
tismus : alles dies zeigt als grundlage das von Jugend auf geübte 
christenthum. Auch dafür wird dem biographen freudiger und 
ehrender dank nie fehlen. 

E. v. L. 

Theses. 

Lud. de Sybel, de repetitionibns verborum in fabulis Euripideis. 8. Bonn. 
1868: Eur. Heracl. 236 scripsit nag(öaaß9ai, mikopg. — Elect. 782 vvv fxiv 
fiiv ovrag %qtj. — Iph. Aul. 623 nodug ßdcip Ilgog y.iL 

Sallust. Catil. 7,4 dedit: in castris ferre laborem usu militiae discebat. — 
Archaeologis quidquid in monumento aliquo repraesentatum vident artifex reprae- 
sentare voluisse censendus est. 



32 Auszüge aus Zeitschriften. 



Auszüge aus Zeitschriften. 

Archäologische zeitung. Neue folge, bd. 1. heft 1. Berlin 1868: Conze, 
griechische portraitköpfe , p. 1. — Heydemann, tod des Orpheus, p. 3. — 
Ders., Athene und Gorgo Medusa, p. 5. — _R. Förster , zum sog. leichnam im 
fischernetz, p. 7. — Miscellen und berichte : Heydemann, Zuwachs des vatica- 
nischen museum, p. 11. — Ders., die isthmische stele des Theseus, p. 12. — 
Sammlung Oppermann zu Paris, p. 13. — W. Ourlitt , römisches lager bei Vi- 
zeu in Portugal, p. 14. — O. Parthey. römische ausgrabungen, p. 15. — H. 
Jordan, das römische emporium, p. 17. — Sitzungsberichte der archäologischen 
Gesellschaft in Berlin, p. 20. — Festsitzung des archäologischen instituts in Bom, 
p. 30. 

Augsburger allgemeine zeitung, 1869, nr. 6: kurzer bericht von auffindung 
seltener marmorarten im Tiber-Emporium. 

Nalional-Zeitung, 1868, nr. 595, morgenausgabe, 19. december: Der hildes- 
heimer silberfund. Von R. Schöne : sehr genaue darlegung. 

Neue Jahrbücher für philologie und paedagogik. Von A. Flecheisen und 
Masius. 1869. bd. XCIX u. C. hft. 1: L. Bindorf, Dio Cassius und Phryni- 
chus. — G. F. Schömann, z. lehre des Apollonios von den modi. — H. Weil, 
anz. von Thurot , observ. critiques sur le traite d'Aristote de partibus 
animalium. — F. Sehrwald, zu Lysias XIV, 2. — W. Teuffei, zu Soph. 
Oed. T. 1424. — Brambach, anz. von Prince, etudes sur les Perses dE- 
schyle. — L. Dindorf, ein fragment des Priscos. — Düntzer , zu Lucr. VI, 
130. — A. Hart, anz. von A. Nauck, lexicon Vindobonense. — Schweizer- 
Sidler, anz. von Tobler, über die Wortzusammensetzung. — Zestermann, die galli- 
schen mauern. — Lucian Müller , über die handschriftl. Überlieferung des Ti- 
bullus im mitteialter. — Cron, zu Liv. XXV. u. XXVI. 

Philologus. Herausgegeben von Ernst von Leutsch. Bd. XXVIII. 1869. heft 1. 

I. Abhandlungen: I. Variarum lectionum fasciculus alter. Scr. O. 
Jahn, p. 1. ■ — II. Zu Ptolemaeus fpdcsis ankavwv. Von G. F. TJnger, 
p. ii. _ v a i er , Max. VII, 6, 2. Scr. H. J. Heller. — III. Die thukydideische 
darstellung der pentekontaetie (Thuc. I, 89—118) erörtert und mit den andern 
quellen verglichen. Von W. Pierson, p. 40. — Zu Vergilius Georgica. Von 
K. Schenkt, p. 69. — IV. Eurykleides und Mikion, die Kephisier. Von C, L. 
Grotefend, p. 70. — Zu Seneca (?) Apocol. c. 9. Von Ernst von Leutsch, 
p. 85. — V. Der grammatiker Pius und die anoloyiat nobg rag d&eTqoiig ' A- 
qwtüqxov. Von E. Hiller, p. 86. — Zu Caes. B. G. 1, 3. Von K. Schenkt, 
p. 115. — VI. Die toga bis trium ulnarum bei Hör. Epod. IV, 8. (Mit einer 
tafel). Von Alb. Müller, p. 116. — II. Jahresberichte. 37. Die neuern 
bearbeitungen der geschichte Griechenlands seit Alexander dem Grossen. Von Gu- 
stav Hertzberg, p. 123. — 111. Miscellen. A. Griechische inschriflen: 1. 
Zwei altattische metrische grabinschriften. (Mit einsr tafel). Von O. Benndorj ', 
p. 174. — 2. Inschriften aus Aegypten. Von G. Wolff p. 176. — B. Zur 
erklärung und kritik der Schriftsteller: 3. Soph. Oed. Tyr. 404 — 407. Von H. 
Enger, p. 177. — 4. Zu Thukydides und Strabon. Von W. Pierson, p. 188. 
— 5. Zu Xenophon's Hellenika. Von A. Law es , p. 181. — 6. Zu Plautus. 
Von Aug. O. Lorenz, p. 183. — 7. Zu Plinius. Von H. W. Schaefer, p. 
187. — C. Zu den griechischen alterthümern : 8. Geflügelopfer der Griechen. 
Von G. Wolff, p. 188. — D. Auszüge aus Schriften und berichten der gelehr- 
ten gesellschaften so wie aus Zeitschriften. 

Zeitschrift für das gymnasialwesen 1869, hft. 1. Homers Ilias. Von V. H. 
Koch. Hannover 1868: anz. von H. Eickholt, der sehr viel tadelt. 



Verlag der Dielerich'schen Univ.-Buchhandlung. 



Nr. 2. Februar 1869. 

Philologischer Anzeiger. 

Als beiblatt zum Philologus herausgegeben 



von 



Ernst von Leutsch. 



20. G. Curtius, Studien zur griechischen und lateinischen 
grammatik. 1. u. 2. heft. Leipzig. S. Hirzel 1868. 

Unter diesem titel hat G. Curtius angefangen, wissenschaft- 
liche arbeiten, die aus der von ihm geleiteten grammatischen 
gesellschaft hervorgehen, in zwangloser folge zu veröffentlichen, 
um dadurch doctordissertationen und preisarbeiten von selbstän- 
digem wissenschaftlichem werth von dem übersehen und vergessen 
zu retten. Die raschheit , mit der das zweite heft dem ersten 
folgte, zeugt ebensosehr von der productivität der Leipziger 
grammatischen gesellschaft wie von dem anklang, den dieses un- 
ternehmen gefunden hat. Zugaben von Curtius selbst und von 
andern Sprachforschern — so im 2. heft von B. Delbrück — er- 
höhen den werth der Sammlung, die übrigens, wie es scheint, 
zum weit überwiegenden theile der griechischen grammatik zu 
gute kommen soll. Der principielle boden, auf dem alle arbei- 
ten stehen, ist natürlich der von Curtius in ßeinen „erlauterun- 
gen zu meiner griech. schulgrammatik" und den „grundzügen 
der griech. etymologie" ausgeführte. Wir geben im folgenden 
eine Übersicht über den inhalt der beiden vorliegenden hefte und 
knüpfen daran einzelne bemerkungen. 

Angermann, de patronymicorum graecorumformatione bespricht 
in gut methodischer weise die patronymica auf masc. dijg (suffix da) 
fem. ig t axg, masc. icov, fem. läv^ ivtj nach ihrer Verwendung 
und modification bei den dichtem. — Frohwein, de adverliis grae- 
eis gibt eine sehr reichhaltige Statistik derjenigen adverbien, die 
unter den ablativ und aecusativ zu subsummiren sind. Es sind 
dies die dem casus nach am leichtesten erkennbaren und die 
unendliche mehrzahl bildenden. Interessant ist es, an dieser sta- 

3 



34 G. Curtius Stadien. 

tistik zu verfolgen, wie die form auf ag diejenige ist, welche in 
historischer zeit, schon bei den Attikern und noch mehr später 
analogie macht und besonders in das gebiet des comparativs und 
Superlativs übergreift. Den grund davon finden wir darin, dass 
diese form eine von allen lebendigen casus klar sich unterschei- 
dende und zugleich schon vorher in ausgedehntem masse vor- 
handene ist. Je mehr nämlich in der grammatischen theorie das 
adverbium als besonderer redetheil gefasst wurde, desto mehr 
wollte man ihm auch eine besondre form geben. Dabei bemer- 
ken wir, dass wir nicht begreifen, wesshalb man, wie auch der 
verf. thut , die traditionelle etymologie von iniQQtjfta als aiv&s- 
iov naga trjv ial ngö&eaiv nai ib Qijfia nicht gelten lassen 
will. Sie ist von der tradition einstimmig überliefert und ent- 
standen ohne zweifei in der der grammatischen tradition nächst- 
liegenden alexandrinischen zeit. Wenn aber die grammatiker, 
die sie uns überliefern, keinen anstand daran nahmen, so dürfen 
wir auch die bildung des worts einem solchen grammatiker zu- 
trauen. Dass nicht alle adverbien Zusätze zum verbum sind, macht 
nichts zur sache ; die benennung ist eben a parte potiori ge- 
nommen. 

Die umfangreichste unter den vorliegenden und eine me- 
thodisch wie stofflich treffliche abhandlung ist die von Renner, 
de dialecto antiquioris Cfraecorum poesis elegiacae et iambicae, die 
durch beide hefte geht. Ahrens hat bekanntlich auf der Göttin- 
ger philologenversammlUng von 1852 die fruchtbare thesis auf- 
gestellt, dass die griechischen lyriker die dialektformen keines- 
wegs willkührlich gemischt haben, sondern in der hauptsache den- 
jenigen dialekt wählten, der der dichtungsart , die sie vertraten, 
zunächst entsprach, daneben aber eigenthümlichkeiten ihres hei- 
mischen dialekts einmischten, dass aber natürlich in denjenigen 
gattungen, die der gewöhnlichen rSde nahe stehen oder ganz 
subjectiver natur sind, wie die iambik und äolische lyrik, der 
heimische dialekt herrsche oder ausschliesslich angewandt werde. 
Eine ausführung dieser thesis hinsichtlich der iambischen und 
elegischen poesie ist die Eenner'sche abhandlung, welche die frage 
systematisch durch laut- und flexionslehre durchführt. Die 
thesis 6elbst wie die anwendung, die Kenner auf die textkritik 
macht, ist als richtig und gesund anzuerkennen. Von differenz- 
puncten im einzelnen heben wir nur folgenden hervor: heft 1, 



G. Curtius Studien. 35 

179 ff. wird die contraction von so zu ov abgewiesen als nicht 
episch und darum auch nicht elegisch. Es kommt nun zwar 
diese contraction bei Homer nur bei 8s(ovg und ansiovg vor und 
zudem bei dsiovg nur in der phrase ^Xaqbg vncu dsiovg II. 10, 
376 = 15, 4, auch hat sie bei diesen beiden nomina den spe" 
ciellen grund der dissimilation ; allein da die attische contraction 
go zu ov sonst lediglich keinen Vorgang hat, so muss angenom- 
men werden, dass zwischen Homer und den Attikern , vielleicht 
von diesen vereinzelten fällen aus, wahrscheinlicher aber durch 
eine modification der ausspräche so zu ov allmählich sich ein- 
führte, zuerst gesprochen, von da aus aber wohl auch in der 
schrift. — Die abhandlung von Röscher de aspiratione vulgari 
apud Gruecos verfolgt die erscheinungen der aspiration , welche 
sich nach Zeugnissen der alten autoren, der vulgarinschriften und 
handschriften als der Volkssprache angehörig erweisen. Der sta- 
tistische theil der arbeit enthält werthvolles material, dagegen 
sind' die resultate, welche der Verfasser zieht, problematisch. Es 
ist unläugbar, dass die griechische spräche schon bei Homer die 
tendenz zur aspiration zeigt und dass diese tendenz bei den At- 
tikern noch ausgedehnter erscheint ; nun soll aber aus den in- 
schriften hervorgehen, dass vom fünften jahrh. v. Ch. ab diese ten- 
denz gerade in der vulgärsprache unverhältnissmässig um sich 
griff und dann in bestimmten stufen vorwärtsschreitend immer 
mehr die tenues absorbirte. Allein das fünfte jahrh. ist nur dess- 
halb epochemachend für die vulgärsprache , weil wir erst von 
da ab urkundliche, belege haben; ausserdem war ein schwanken 
in der Orthographie der vulgarinschriften zwischen tenues und 
aspiration schon dadurch gegeben , dass der ionische dialekt sich 
dieser neigung zur aspiration nicht anschloss; und mehr als ein 
schwanken wird wohl für die ältere zeit kaum behauptet werden 
können. Ausserhalb Attikas werden localdialektische Verschie- 
denheiten sich ähnlich geltend gemacht haben wie z. b. im deut- 
schen. Erst in den zeiten des Verfalls ist die weiter gehende 
aspiration als ein zeichen jener Schwächung aufzufassen, welcher 
jede spräche bei ihrem niedergang ausgesetzt ist. — Delbrück» 
„über i und v im griechischen", bespricht die fälle , in welchen 
ähnlich wie im sanskrit ursprüngliches ar zu iq und vq , bei- 
nachfolgenden consonanten zu lg und vo, endlich mittelst meta- 
thesis zu qT, (vüwird: z. b, stamm ßao (ßaovg), *ßaQ&(o > *ßcQ&co, 

3* 



36 G. Curtius Studien. 

ßQl&oo. Die Verlängerung des vocals wird in plausibler weise 
motivirt von dem Stadium aus, in welchem i oder v vor g mit 
nachfolgendem consonanten steht. Durch diesen consonanten 
werde die volle ausspräche des dauerlauts q beeinträchtigt , dafür 
aber i oder v zum ersatz verlängert. Die behauptung Delbrücks 
übrigens, dass bei der sog. ersatzdehnung meistens ein dauerlaut 
im spiele sey, wird für das lateinische wesentlich beschränkt 
durch die unmittelbar darauf folgende abhandlung von G öt z e, 
de productione syllabarum suppletoria linguae latinae, eine Zu- 
sammenstellung von beispielen von ersatzdehnung, welche dem 
entsprechenden abschnitt bei Corssen, über ausspräche u. s.* w. 
1, 633 — 655 2. aufl. zur willkommenen ergänzung dient. Wir 
bemerken zu p. 146 f., dass, wenn wir nicht irren, nach 
Köchly (auf der Würzburger philologenverf. 1868) die rich- 
tige Schreibung ammentum, nicht ämentum ist. — Ein 
schwieriges thema ist behandelt von Gerth, de graecae 
tragoediae dialecto. Die sorgfältigen Untersuchungen des Verfas- 
sers kommen auf einen möglichst engen Zusammenhang zwischen 
der attischen tragödie und der lyrik hinaus , und selbst schein- 
bar epische bestandtheile bei den tragikern werden durch Ver- 
mittlung Pindars der lyrik zugewiesen. Allein uns dünkt, dass 
das beigebrachte material über das bisher angenommene mass 
des einflusses der lyrik nicht hinausführt. Ausserdem dürfte man 
wohl zu andern gesichtspuncten kommen, wenn man nicht bloss 
die einzelnen formen vergleicht, sondern formenreihe mit formen- 
reihe. Der verf. bemerkt p. 231, bei der declination von qsäog 
folgen die tragiker dem Homer, sofern sie im gen. und dat. nicht 
von qiwg ausgehen, sondern von cpdog. Es ergeben sich also 
die reihen: 

homerisch: qäog cpomg attisch: cpcög 

qpaeos 1 ) qidovg 

qidsi qidu 

qsdog qiotog qpwff. 

Ebenso nun stehen sich gegenüber . 

homerisch: vqvg attisch: vavg 

vi]dg vsiog 

1) tpäeof ist zwar bei Homer, so viel wir finden, nicht nachweisbar, 
aber der analogie nach sicher. 



G. Curtius Studien. — Homer. 37 

njt ftj'i' 

PTJa vavv. 

In beiden reihen nämlich sind nur auf die homerische de- 
clination die attischen contractionsgesetze angewandt. Und sol- 
cher reihen Hessen sich noch mehrere beibringen. 

Die beigaben von G. Curtius, die sich am schluss jedes 
heftes finden, beziehen sich auf 'loä\xi gegenüber von olda, atti- 
sches rj statt «, nachweisung eines deminutivsuffixes xalo = lat. 
culo (diese in heft 1.), ausspräche von ai und 01, die homerische 
formel u not stjv , die etymologie von ßloavgog. Wir greifen 
die bemerkungen über attisch r\ statt « heraus, d. h. über die 
attischen formen xöggt], nogt], ds'gq, d&dgrj. Alle diese werden 
etymologisch auf formen mit qo vor tj zurückgeführt. Stamm 
Kogaa gibt ionisch und altattisch nom. xogat]. „Erst nachdem 
sich das r\ schon zu fest gesetzt hatte, um wieder verdrängt zu 
werden, entstand trotz des g xoggr]" Wir müssen dieser erklä- 
rung eine andre zur seite stellen , die von xoggrj ausgeht. In 
diesem wort wurde doppeltes g fortwährend geschrieben , in den 
andern war es etymologisch begründet und war wohl auch die 
ausspräche nach den kurzen vocalen o {■n6gij) f s [Seg?]), a (a&dgtA 
annähernd an gg. Einem gg aber liegt physiologisch tj näher 
als «, und so hielt es sich. Von hier aus scheint uns Bergk 
mit unrecht Aristoph. Plut. 673. 683. 694 d&dgag für d&dgijg 
in den text gesetzt zu haben. 

21. Das alte Troja und das Schlachtfeld der ho- 
merischen helden. Von L. W. Hasper. Progr. des kö- 
nigl. evangel. gymnas. zu Gross-Glogau. 4. 1868. 

Eine für die bedürfnisse der schule berechnete, anschauliche 
beschreibung der läge des alten Troja, des innern der Stadt und 
der bürg, sowie des Schlachtfeldes, deren wissenschaftliche begrün- 
dung der Verfasser in den beitragen zur topographie der home- 
rischen Ilias (progr. der ritteracademie zu Brandenburg 1867) 
gegeben hat. Troja wird auf der höhe von Baalih angesetzt, 
der Skamander mit dem Bunarbaschi, der Simoeis mit dem Men- 
dere identificirt. Den kämpf des Hephaistos und des Skaman- 
dros erklärt der verf. als ein auf der natur der localen Verhält- 
nisse beruhendes poetisches bild. 

22. Betrachtungen über den bau der homerischen reden 



38 Homer. — Hesiod. 

1. probe: die reden in Ilias A, 1 — 303. Von Joh. Zahn. 
Progr. der realschule und des gymnasiums zu Barmen. 4. 1868 

Der Verfasser stellt seine betrachtungen von dem Stand- 
punkte des gedankengangs und der durch die Situation be- 
gründeten bedingungen an, bescheidet sich aber zunächst mög- 
lichst conservativ zu verfahren, ehe durch genaue Zergliederung 
einer grösseren anzahl homerischer reden ein fester boden ge- 
wonnen sei, und nur zu versuchen, ob sich nicht ein eines gu- 
ten dichters würdiger gedankengang in dem uns von den Alexan- 
drinern überlieferten texte auffinden lasse. Nennenswerthe re- 
sultate bieten die in dieser weitläufigen abhandlung niedergeleg- 
ten betrachtungen noch nicht. 

Ueber anderes vgl. Hentze Jahresbericht über die neueren 
arbeiten auf dem gebiete der homerischen syntax im Philologus 
bd. XXVII, p. 494 ügg. 

Das jähr 1868 ist eben nicht sehr fruchtbringend für Ho- 
mer in betreff der programme gewesen: noch ist zu nennen: 

23. Zur periodenbildung bei Homer. Vom Oberlehrer dr. 
Hentze. 4. Göttingen 1868: 

darüber s. den Jahresbericht im Philol. XXVHI, 3. 

24. Hesiodi scuti Herculis descriptio cum Homeri descrip- 
tione scuti Achillis comparatur, ut utriusque poetae ars atque 
ingenium appareant. Scr. Jos. S c h a e f e r. Programm des Gym- 
nasiums zu Inowraclaw. 1868. 

Eigenthümlich ist die annähme einer ovalen form der Schilde. 
Bei der anordnung der bilder, welche einfach um das mittelbild 
gruppirt werden, bleiben die lagen oder schichten des Schildes 
ausser acht. Wissenschaftliche resultate ergiebt die vergleichung 
nicht. Sonst vgl. Philol. XXV, p. 577 flgg. und s. ob. Nr. 1, 
p. 25, n. 18. 

25. Ern. de Leutsch Additamentorum ad Lud. Disseni 
in Pindari Carmina commentarium Speciminis tertii pars prior. 4. 
Gott. 1868: pars altera ib. 1868: Specimen quartum. 4. ib. 1868. 

Die beiden ersten sjpecimina sind die vorreden der indices 
lectionum für das sommer- und das winter-semester 1868 und 
18 68 /69 der Göttinger Universität und behandeln Pind. Carm. 



Pindar. 39 

Nem. IV: aus dem ersten ist aus den mancherlei namentlich Jün- 
gern lesern des Pindar nützlichen bemerkungen hervorzuheben, 
dass vs. 3 avi'avrofisi'ou für vir antö^ivai conjicirt wird, ferner 
die besprechung von zoaov — zoaaov vs. 4. 5 , die erklärung 
von 7<$de pilti nXidiig = auf diese jetzt ertönende melodie ge- 
stützt, und die von vs. 35 i'vyyi ö' EXxopai xtX., die aus dem 
Zusammenhang gewonnen wird. Im zweiten specimen wird vs. 
70 £voq(xop für EvQOjnav zu lesen vorgeschlagen, vs. 87 oV d. h. 
ola, wie mir scheint, richtig für tv geschrieben: werden ferner ana.Q- 
yzi v. 46 , Xargiav vs. 54 , /JaidäXov vs. 59 , &Qaav(ia^äv(op vs. 
62, ig yevog vs. 68, av rtg vs, 91 gegen Bergk und andere ver- 
theidigt und zum schluss das metrum der Strophe erklärt so 
wie das der in Pind. Nem. IL 

Das vierte specimen, zum prorectoratswechsel verfasst, be- 
zieht sich auf Pind. Nem. V; es wird kurz der Zusammenhang 
des ganzen entwickelt, dann eine reibe stellen besprochen, von 
denen vs. 6 wegen onooouv, vss. 9 — 13 wegen der periodenform, 
namentlich vs. 14 wegen des hier richtig gefassten /t*?/ zu beach- 
ten, dann die erklärung von vs. 19 fiaxga poi xrX.; vs. 32 wird 
iov y a. g vorgeschlagen, aineivol gegen Hecker vertheidigt, vs. 38 
JXai schärfer gefasst, vs. 43 i\zoi xzX. als noch ganz unverständ- 
lich bezeichnet, vs. 50 Themistius besprochen, vs. 54 %ÜQt,Gaiv 
als appellativum erwiesen u. s. w. Voraus geht in zierlichem 
latein eine admonitio an die studirenden : dem ref. ist dies aufge- 
fallen, da bei den andern programmen derartiges beiwerk fehlt. 
Daher die frage, für wen werden denn solche sächelchen eigent- 
lich geschrieben? für die Studenten doch nicht: denn die waren 
beim erscheinen dieser schrift längst in den ferien und als sie zu- 
rückkehrten, hatten sie wohl schwerlich zur lectüre lateinischer 
mahnungen lust und zeit: also für wen? Es sollten die Universi- 
täten doch endlich einsehen, dass durch das festhalten an solch 
unnützen und veralteten dingen ihr ansehen nicht gefördert wird ; 
aber der zopf, der zopf, namentlich wenn er hübsch dick und alt ist! 

26. De Pindaro nuperrime emendato disputare instituit C. F. 
Schnitzer, ph. Dr. Ellwangen 1867. lex. f. 80 S. 

Der zweck dieser kleinen, aber inhaltsreichen schrift ist zu 
zeigen, was für die texteskritik Pindars durch die neuesten aus- 
gaben Mommsens und Bergks geleistet worden, und wie viel 



40 Pindar. 

trotz der grossen Verdienste beider gelehrten doch noch unerle- 
digt geblieben sei. Der vf. gibt deshalb im I. abschnitt (p. 1 — 
12) einen kurzen, aber ausreichenden überblick über einige für 
die Orthographie und den dialect des dichters schon von Boeckh 
aufgestellte grundsatze , die aber jetzt erst nach der sorgfältigen 
Sammlung und prüfung des handschriftlichen materials nament- 
lich durch Mommsen hinlänglich begründet und zur consequenten 
durchführung gebracht worden sind. Wenn der vf. daran seine 
bedenken reiht über die noch zu häufig vorkommende anwen- 
dung des dorischen a, über die berechtigung von formen wie 
XaxnodenBv (P. 2, 95), über den von Bergk zugelassenen äoli- 
schen acc. pluralis auf aig und oig u. s. w., so können wir ihm nur 
beistimmen. Hinsichtlich des dorischen acc. plur. auf og, des 
dorischen gen. auf co und dorischen inf. auf sv hat Christ (Philol. 
25, 4) die richtigen grundsatze aufgestellt. Das vorkommen von 
iv mit dem accusativ beanstandet der vf . nach Hartungs Vorgang, 
aber wohl mit unrecht ; dagegen verwirft er das von Bergk reci- 
pirte iv oder iv als dat. pron. III nicht ohne grund, wie er 
andrerseits mit recht das handschriftlich wohl beglaubigte tfw- 
nraco (Ol. 13, 87) und den optativ xaXvtyatv (N. 8, 38) mit 
Bergk für Pindar in anspruch nimmt. 

Im zweiten theil zeigt der vf. exemplis aliquot — es sind 
gegen 300 stellen besprochen, — an wie vielen stellen auch 
jetzt noch die lesart unrichtig oder doch zweifelhaft ist. Wir 
begegnen hier einer durchweg besonnenen, das vorliegende ma- 
terial gewissenhaft benutzenden kritik. Der vf. wird deshalb 
bei der mehrzahl der behandelten stellen Zustimmung finden und 
hat er sich durch diese schrift ein entschiedenes verdienst um 
den dichter erworben. Wir heben zur begründung dieses ur- 
theils nur ein paar stellen hervor. Mit recht wird an der vul- 
gata festgehalten Ol. 1, 64 &iauv (mit Streichung des avtov), 
P. 2, 17 not ztvog, 3, 11 iv &aläfxcp (gegen Mommsen und 
Bergk), 4, 234 avuyxag (gegen beide) , N. 4, 35 veofujvla (ge- 
gen Bergk), I. 2, 42 äxzüv mit Bergk (üxzdig Momms.) , 7, 47 
avaxia d. h. Zeus u. s. w. Dagegen lassen sich N. 3, 24 f. 
gegen die auch von Mommsen beibehaltene vulgata gewichtige 
einwände erheben. In anderen fällen begründet der vf. die 
lesarten Mommsens oder Bergks noch weiter ; an 30 stellen 
bringt er eigene Verbesserungsvorschläge, von denen ein theil 



Pindar. 41 

als beachtenswert!} bezeichnet werden muss , so I. 6, 83 dficpia- 
Qi'tyovTa statt des zuerst von fiartung als sinnlos bezeichneten 
'^^(pidQtjov zs; 01.7, 33 hiv* (Momms. opacu ig, vulg. e'v&vv'), 
P. 1, 51 per oder (iäv (vulg. juir), P. 2, 80 etfii (nach Bergk ; 
vulg. «f(U(), I. 5, 46 %enov d/xbv (besser %slviov pov) , I. 5, 5. 
av T« (vulg. ai^Tf), 5, 63 te für 3s, I. 3, 54 würde alle Schwie- 
rigkeit beseitigt, wenn man mit dem vf. e'xsi als Impf, von 
££03 fasst; doch erwartet man einen aorist. Dagegen will Ol. 
2, 76 ov narrJQ &emv e'xei, von Kronos gesagt, nicht recht 
gefallen; ebenso verstösst N. 5, 42 fietec'i^sv re, das überdies sich 
auf eine änderung der scholien stützt, gegen den pindarischen satz- 
bau. N. 6, 43 hätte Mommsens vixdaavr exe SaaxCoig nicht 
durch vlxavr' qgecpe Sacxioig verdrängt werden sollen; die glosse 
egexpe erklärt sich -hinlänglich durch den seltneren, aber nicht zu 
beanstandenden gebrauch von e/w. N. 11, 9 f. möchten wir statt 
mit dem vf. avv8ö%ai . . . neyccaai viv lieber lesen viv 861-ai . . . 
nsQuaai avvi 01.13, 103 f., wo uxqcov.. .äva% vorgeschlagen wird, 
wenn auch mit vorbehält, hat die über draS, geschriebene glosse 
uvdaacov vielleicht das einfachere vixr\ (s. N. 5, 5) verdrängt 
(Schob dvdaaojv tjyovv vmööv). Ol. 10, 9 geben wir Grumme's 
conjectur hi fio^iqidv ye roxog civdQmv vor allen andern (der vf. 
will roxog ue&lcöv) entschieden den vorzug. Isth. III. legt der 
vf. nach Bergks Vorgang eine lanze für die trennung der ode 
in zwei unvollständig erhaltene gedichte ein und erklärt die 
gleichheit des metrums durch die eigenthümliche annähme, dass 
der dichter hier eine ausnähme von der sonstigen regel gemacht 
habe, da die sieger zwei verwandte gleiches namens gewesen 
seien. Diese erklärung hat der vf. in einer der Würzburger 
Philologenversammlung vorgelegten abhandlung widerrufen, in- 
dem er jetzt der ansieht ist, dass I. 3, 1 — 18 das werk eines 
interpolators sei, der das verloren gegangene proömium im geiste 
Pindars ergänzen wollte, und der durch seine aus Pindar „zu- 
sammengestoppelten sprüche und geborgten, aber ungeschickt 
angewandten phrasen" alte und neuere gelehrte lange genug ge- 
täuscht habe. Die begründung dieser hypothese befriedigt aber 
sehr wenig. Denn theils erweisen sich die angeblich unpindari- 
schen ausdrücke als gut pindarisch, theils sprechen die als „pin- 
darische reminiscenzen" bezeichneten Wendungen gerade für Pin- 
dars autorschaft, wie sich denn auch die innere zusammengehö- 



42 Aeschylus. 

rigkeit dea proömiums mit dem kern des gedichts unschwer nach- 

nrai a an 1 q c o f 



weisen lässt. 



27. Etudes critiques et exe'ge'tiques sur les Perses d' 
Eschyle par Charles Prince, Dr. et Prof. Neuchatel, J. San- 
doz (Paris, Ch. Delagrave et Cie ; Berlin, Stilke u. van Muyden) 
1868. XXIX u. 183 S. gr. 8. 

Prof. Prince giebt aus seinen am Gymnase supirieur 
in Neuchatel gehaltenen vortragen Extraits, in welchen er dieje- 
nigen kritisch oder exegetisch kontroversen stellen der Perser 
des Aeschylos behandelt, über welche er im stände zu sein glaubt 
de jeter quelque lumiere nouvelle. Benutzt sind die bekannten 
hülfsmittel; Weil's ausgäbe ist ihm erst nach Vollendung des 
druckes zugekommen; die scholien, überhaupt, die Oxforder aus- 
gäbe von Dindorf und die beitrage in den in Deutschland erschie- 
nenen programmen und Zeitschriften scheinen ihm unbekannt ge- 
blieben zu sein. Hauptsächlich ist es Prince um nachwei- 
sung der intention des dichters und des gedankenganges im 
einzelnen, so wie der Wechselbeziehung grösserer partien (so der 
parodos und des ersten stasimon) zu thun, und findet sich in 
dieser beziehung manche beachtenswerthe bemerkung. Die kri- 
tische behandlung verbreitet sich theils prüfend, theils referirend 
mit grosser Umständlichkeit über das kritische material und die 
leistungen der Vorgänger und wird auf angehende philologen 
anregend und fördernd wirken, während sie den gelehrten nicht 
eben viel neues bringt. 

Mit recht wird gegen die von den neueren kritikern beliebte 
Umstellung der (vermeintlichen) epode 94 ff. (ed. Herrn.) geltend 
gemacht, dass mit 108 e[ia&ov de der alten kriegführung der 
Perser die neue unbesonnene des Xerxes entgegengestellt wird. 
Beachtenswerth ist die erklärung der rede des Darius 760 ff. und ' 
die erörterung der betreffenden historischen Verhältnisse. Auch 
über die erste rede der Atossa wird richtig geurtheilt und be- 
merkt, dass sich Atossa 167 'iazi ydg für einen der beiden auf- 
gestellten fälle entscheidet; aber dann wäre ydg nur erklärbar, 
wenn 164 lautete: tavzd (toi dinXijg ^sgCftviig q>gaaji t iv (pgsalv 
(xi av. Dagegen begegnen wir auch sehr sonderbaren erklärungen, 
wie 162 xoviaai ovÖctg „s'elancer avec les alles de Vambition pour 
saisir une proie, pour faire une nouvelle conquete" zu 75, 88, ganz 



Aeschylus. 43 

besonders aber zu 604, wo Tv%tjv Subjekt sein soll, also : „der 
glückliche vertraut, dass stets demselben glück die glücksgöttin 
zu glück verhelfen wird." Mit unrecht wird geschützt 102 
dvdaacov (? ni]8rj/xa 7o'ö' svnezcag aval-oa*), 161 ov8a[img ifiav- 
rijg (? ob öoficov ipavztjg, cf. 295), 602, wo statt des ausführ- 
lichen referats über Heimsoeth's iniaiatai V ßgotolaiv mg otm die 
erwähnung der Verbesserung Meineke's Sslfi' äysiv angemessener 
gewesen wäre, 219 die Verbindung fzoevpsvmg ahoi (? ahov ta 
[niv mit Umstellung von 220. 221), 115 atgareifiazog, das als 
expeditio gefasst und der genetiv mit Schütz erklärt wird u. s. w. 
Von den vorgeschlagenen conjecturen ist die von Vuithier 411 
jixaiovx 1 zu bemerken, dagegen Prince's annähme, dass 409 
(dgcoytj r' — uvtoi #') der nachsatz beginne, unwahrscheinlich. 
Vs. 274 wird «V 7zXay.i8f.aai mit Zuversicht vorgeschlagen, was sehr 
unrichtig ist (? nXayxz' äxzwp aiziXaSeaaw), 332 übereinstimmend 
mit Heimsoeth, rzXrj&ovg [tsv ovv (av in ovvl) — vavg av (vgl. Herrn. 
tavg rjv), im folgenden aber die Hermannsche vertheilung der 
verse für evident gehalten. Da aber 332 mit 349 wieder auf- 
genommen wird, doch nur um den mit TzXtj&ovg ftsv angekün- 
digten gegensatz dXV — anzuschliessen , so hätte darüber kein 
zweifei bestehen sollen, dass 340, 41 (auch 342 — 344) der böte 
spricht. Vs. 606 steht ipol ydg richtig und war ebensowenig in ifioi 
fag\ wie 608 ßoä 5' in ßoä z' zu ändern; zu ndvta (xev kann 
der gegensatz nicht in dem folgenden toi ydg liegen, vielmehr ist 
zu verbessern xdgza /xsp — zdpzaia, eigentlich ndqra (xsv cpoßov 
nXia iv bfifiaai yaivezai rd &emv avrala } xdgza 8i cpößov nXlmg 
iv cool ßoa 6 xeXaSog, sie sieht in dem schlage das wirken der 
feindlichen und weiteres unheil bereitenden gottheit und hört in 
dem Jammergeschrei die dem königshause gefährlichen Verwün- 
schungen des Volkes. Endlich sind zu verzeichnen die vermu- 
thungen zu 858 svSoxipoi azgazidg an. tj8s vöpaia zd nvgyiva 
navt* ifzsv&vvoi, zu 979 ntnXr\y\Kh& > olai daipovog zv%ai und zu 
987 zt 8 % ovx oXooXa zd nsyaXeta Hsgadv\ 

28. De Scholiis in Aeschyli Agamemnonem Scholiasta Me- 
diceo vetustioribus scr. Fr. Heimsoeth. X. S. 4. Ind. lectt. 
der Univers. Bonn. W. S. 1868/69. 

Prof. Heimsoeth ist im gegensatz zu Dindorf der ansieht, 
dass die scholien des Mediceus ein oft fehlerhaftes und verkehrtes 



44 Aeschylus. 

excerpt aus den Scholia A sind. Hier sucht er zu erweisen, 
dass wir die quelle der Schol. Med. zum Agamemnon in den a%. 
naXaid des Farnesianus zu suchen haben. Zu 1081 ' AnoXXov ... 
dnoXXcov ifidg' dncoXsaag yag ov fioXig zb devzsgov sei Schol. 
Med. sxeCptjv yag ditcoXstav [tovmg bgi^ofiai zr\v zrjg SovXstag, ov 
tqv vvv ganz unverständlich, erklärlich werde es erst durch ver- 
gleichung mit der quelle im Farn, ixstftjv yäg dncaXtiav agoozijv 
ijyovfxai zr\v rrjg dovXsiug, devzs'guv 8s ztjv zov &avazov , welche 
vom Seh. Med. verkehrt aufgefasst worden. Andere werden in 
dieser stelle einen beweis für die entgegengesetzte ansieht finden. 
Seh. Med. erklärt ov fiolig , wie schon der zusatz lehrt: yg. 5s' 
Sevzsgov (xe (8s fts?) anmXsaag ov pezu xafidzov folgendermassen : 
„du hast mich vernichtet, zum zweitenmal ohne mühe d. h. jene 
Vernichtung allein, die knechtschaft , halte ich für eine Vernich- 
tung, nicht die jetzige, zum zweitenmal hast du mich ohne mühe 
vernichtet." Seh. Farn, sagt dasselbe; denn wäre der sinn, wie 
Heimsoeth meint „captivitati alterum nunc decedere damnum" so 
wäre weder r\yov^,ai, noch das an die spitze gestellte ixeivqv ver- 
ständlich, vielmehr hätte der scholiast etwa gesagt Ösvzs'gav änco- 
Xetav Xs'yei zt]v zov &avdzov , r\ de ngoozq i\v i\ ztjg dovXsiae. 
Uebrigens zeigt der Seh. Farn, durch das hereinziehen der glosse 
des Med. zu anoXXcav ifiug in seine erklärung, dass er seine 
quelle nicht verstanden hat. — Zu 260 8ixi] ydg iazi qxozog 
ägxqyov zisiv yvvalx 1 igt]fi(o&svzog dgaevog &govov soll Seh. Med. 
nagovtog \iivzoi ov 8si awzvy%dvEn> uvzrj wegen des bezeich- 
nungslosen nagöviog unverständlich sein. Aber diese scholien 
sind nur kurze excerpte, der gegensatz dnovzog liegt in igqpco- 
&e'vzog agGsvog &govov und vollständig würde es heissen: dlxtj 
iazi zieiv yvvalxa (pmzög dg%?]yov dnovzog' nagövzog fiivroi xzX. 
Seh. Farn, hilft nach, indem es die letzten worte erklärt: T\yovv 
xazaXeicp&svzog rov &görov zov ßaaiXiwQj mg dno8i][iovvzog ixst- 
rov, und nun anschliesst: nagt'rzog {.tnzot ov 8ii ivzvy%dvsiv 
avzy ndvza xai zov zv%6vza, verräth sich aber dadurch, dass es 
zur erklärung der worte sgi](ico&svzog &gövov dgasvog eine erklärung 
fügt, die zum gedanken der stelle gehört, gleichwohl aber 
ai/zy stehen lässt, statt zrj yvvaixi zu setzen; die Schlussworte 
sind vollends ungehörig beigefügt. — Dies sind die beiden ent- 
scheidenden stellen; die ausserdem angeführten, in denen fehler 
des Seh. Med. im Farn, verbessert sind, haben an sich, auch 



Euripides. 45 

nacli Heimsoetli's ansieht, keine beweiskraft. Vs. 1133 ist cpaisgct 
ein auf der hand liegender und auch von anderen verbesserter 
Schreibfehler statt yoßsQtt, der zusatz tig fxavtdav aber war durch 
das folgende scholion ovdstg evzvxrjg ngog {lävtiv unsQ^szai ge- 
geben. Vs. 1141 ist azevovaa ßCov vom Farn, sicher gegen die an- 
sieht des Seh. zugefügt, welcher vielmehr erklärt: clog dQtjvel an- 
(fidallq xuxoig ätjdoov ßiov. Ebenso ist 1093 ioixev mg xvcov ev- 
qianoi avutyzei im Farn, falsch verbessert svQig avatyzeiv statt 
svgig xul ava^tjzsl u. s. w. 

29. De repetitionibus verborum in fabulis Euripideis scripsit 
Ludovicus a Sybel. Bonn. 1868. 8. 62 SS. 

Der Verfasser, ein schüler von Heimsoeth, behandelt die 
Wiederholungen von einzelnen Wörtern oder phrasen, welche bei 
Euripides in demselben satze oder satzgebilde vorkommen, und 
gelangt zu dem ergebnisse, dass alle Wiederholungen, bei welchen 
kein rhetorisches moment in betracht kommt, die rein müssig 
und für das ohr lästig sind, als Verderbnisse des textes betrach- 
tet werden müssen. Die richtigkeit dieses satzes ist anzuerken- 
nen , wenn sich gleich über manche einzelheiten noch streiten 
lässt. Auffallend ist es, dass der verf. die häufigen Wiederholun- 
gen von einzelnen Wörtern in den monodien des Euripi- 
des, die sich wol nur durch die rücksicht auf den musi- 
kalischen Vortrag erklären lassen , und die köstliche persi- 
flage derselben in den Fröschen (v. 1325 ff.) des Aristophanes, 
nicht erwähnt hat. Indem nun der verf. nachweist, wie solche 
Wiederholungen besonders durch die albernheit der abschreiber 
entstanden, die auf ein folgendes wort abirrten oder auf ein vor- 
hergehendes zurückkamen, gibt er eine reihe sehr hübscher emen- 
dationen, wie 1 ) Bacch. 613 zs^vär, Hec. 398 dgvbg iyöo, Heracl. 
237 qiiXovg (st. %svovg), Herc. F. 949 xevzQG) 8tj&sv <ag öeivcov, Hipp- 
34 nöXiv (st. x&ova), beachtenswerth sind auch noch Andr. 238 
aiaiqäg «ft«, 623 fxrjzQog ya^üv, Ion. 266 ixfxa&siv öslcov ; 572 
y%us agzi, 1084 iXiaaofisvai xogar, Med. 964 &sovg hcog, Ehes. 
535 afiaQ yiyvezai, Troad. 582 Tgoiag. Manches war schon 
von anderen vorgeschlagen, z. b. Phoen. 1266 öainovog von 

*) Die zahlen nach Nauck, der verf. citiert nach Kirchhoff. Hie- 
bei die bemerkung, dass Troad. 146 bei Kirchhoff coasi, nicht ul$ zts 
steht, was eine conjeetur des Musurus ist. '* 



46 Euripides. — Diodor. 

Hermann ; anderes ist entschieden verfehlt ; so ist z. b. Troad. 
460 nicht ov fiaxg6t> zu schreiben (vgl. Orest. 850, wo pangäv 
durch das metrum geschützt ist) ; Phoen. 1430 wird dem schon 
von Valckenaer mit recht verworfenen verse durch die änderung 
xoivij st. ts xou um so weniger aufgeholfen, als dann der vers 
keine cäsur hat; Ion 1275 wird es nicht nöthig sein, dopog in 
ßgsrag zu ändern, da, was der verf. übersehen hat, die verse 
1266 — 1281 nach Musgrave und Kirchhoff anders geordnet wer- 
den müssen; Iph. Aul. 1296 möchte ich nicht sgvsai st. av&eoi 
empfehlen, da sqvoq nur in der bedeutung "reis, ranke, schöss- 
ling" (so auch Hei. 183) vorkommt, die hier nicht passend ist; 
übrigens für av&sai yXcogolg vergleiche man Hei. 244 xXosqu 
Qodea nhaXa ; Orest. 911 möchte ich gar nicht ändern, da die 
verse 909 — 913 ein offenbares einschiebsei sind, wie schon og 
919 erweist, das nur nach Streichung def selben seine richtige 
beziehung erhält; Iph. Anl. 537 scheint xuxd für rade richtig 
ich verstehe aber den vers erst, wenn er so lautet: oa TjfinöXrjfiai 
(dies mit Kirchhoff) nQog &ecöp z« vvv xaxa, Suppl. 898 möchte 
ich sansvds st. i%aiQ£ schreiben, was wol vor Hartung's eßaivs 
und KirchhofFs imuffi den Vorzug verdient. — Das schriftchen 
ist durch viele druckfehler entstellt; consequent steht ixäv, 
£a&eog, (ods u. s. w. 

30. Untersuchungen über die quellen der griechischen und 
sicilischen geschichten bei Diodor buch XI bis XVI. Von Ch. 
A. Volquardsen. 8. Kiel 1868. 132. S. 

Diodors umfangreiches geschichtswerk verdient eine einge- 
hende Quellenforschung in hohem grade wegen der grossen be- 
deutung, welche bestimmte abschnitte als einzige oder doch haupt- 
sächliche quelle unserer kenntniss von gewissen perioden der 
alten geschichte beanspruchen. Da nun ferner Diodor sich auf's 
engste an seine gewährsmänner angeschlossen hat, so lassen sich 
bei ihm die quellen mit grösserer Sicherheit ermitteln , als bei 
vielen andern historikern. In der vorliegenden schrift hat sich 
der verf. die aufgäbe gestellt, die quellen von buch XI— XVI 
nachzuweisen und tritt zuerst der ansieht Heynes entgegen, wel- 
cher in ziemlich langer reihe die von Diodor erwähnten ge- 
schichtschreiber aufzählt und sie insgesammt als von Diodor be- 
nutzt angesehen wissen will. Die lose anreihung und stilistische 



Diodor. 47 

fassung jener angaben , an welche sich litterarhistorische notizen 
und andere kurze annalistische bemerkungen anreihen, führt den 
verf. dazu, sie sämmtlich einer quelle zuzuweisen und als ge- 
währsmann den wiederholt citirten und bei der rechnung nach 
Trojas eroberung zu gründe gelegten Apollodor anzusehen , p. 
23. Im IV. capitel wird festgestellt , dasa Diodor in anderen 
theilen seines werkes nicht viele quellen geschickt verarbeitet, 
sondern einer einzigen unbedingt folgt, — ein verfahren, wie es 
auch bei Livius und manchen annalistischen werken des mittel, 
alters schlagend nachgewiesen ist — und hierauf wird unwider- 
leglich gezeigt, dass Herodot, Thukydides und Xenophon nicht 
benutzt sind. Da nun Diodor seine quellen bis auf den stil, die 
reflexionen und citate wiedergibt (man vergleiche ausser den 
angeführten abschnitten buch XXXIH— XXXVI und V, 35 ff. 
mit den fragmenten des Posidonios), so gelingt es dem verf., an 
der nüchternen darstellung und an einigen isokrateischen Wen- 
dungen (p. 50 — 51) den stil des Ephoros zu erkennen. Mehrere 
Beiner fragmente stimmen wörtlich überein mit Diodors darstel- 
lung , er wird häufig citirt , seine Vaterstadt Kyme wird oft er- 
wähnt, seine partheistellung ist in der Überarbeitung noch zu 
erkennen und es wird hieraus der, nach ansieht des ref. ganz 
richtige, schluss gezogen (p. 71), dass alle griechischen geschien- 
ten von buch XI XV aus Ephoros entnommen sind. Wenn 
hingegen im anhang V noch weiter der quelle des Ephoros selbst 
in rücksicht auf den zng der zehntausend nachgespürt und als 
solche die anabasis des Sophainetos angenommen wird, von der 
wir kaum vier zeilen besitzen, so scheint dieses ergebniss mehr 
als zweifelhaft zu sein. Vielmehr hat man wohl an eine, obgleich 
nicht unbedingte und ausschliessliche benutzung des Ktesias zu 
denken. Es stimmen bei Ephoros (Diod. XIV, 22) und Ktesias 
(Plut. Artox. 13) die Zahlenangaben über das persische heer und 
die nachricht über die rettung des Menon überein (Diod. XIV, 
27 — Plut. Artox. 18.). 

Die abschnitte aus der sicilischen geschichte, welche mit 
scharfer zeiteintheilung , genauer ortskenntniss und grosser aus- 
führlichkeit geschrieben sind, können nur von einem augenzeu- 
gen herrühren. Mit guten gründen werden hier alle andern hi- 
etoriker zurückgewiesen. Timaios, der zehnmal citirt wird, wäh- 
rend sechs seiner fragmente übereinstimmen und die abergläu- 



48 Eusebius. 

bische geschichtsauffassung sich in Diodors darstellung wiederspie- 
gelt, muss als quelle angesehen werden. Demnach scheidet der 
verf. meist mit überzeugender Sicherheit die griechischen ab- 
schnitte buch XI — XV als aus Ephoros entlehnt von den aus 
Timaios geschöpften stücken über sicilische geschichte. Weni- 
ger günstig sind die ergebnisse der Untersuchung des XVI. bu- 
ches; zwar lassen sich einzelne zusammengehörige gruppen her- 
ausheben, aber es ist dem verf. nicht gelungen, dieselben mit 
bestimmtheit auf ihre quellen zurückzuführen. Doch ist die Zu- 
rückhaltung, mit welcher hier der verf. verfährt, ebensosehr zu 
loben, wie die grosse Sorgfalt und besonnenheit , durch welche 
sich alle vorausgehenden Untersuchungen auszeichnen und durch 
welche das besprochene buch ein sehr dankenswerther beitrag 
zur Quellenkunde der alten geschichte geworden ist. 

E. S. 

31. De temporum notis quibus Eusebius utitur in chronicis ca- 
nonibus disputavit AI fr. a Gutschmid. Kiliae, in libr. 
Schwersiana 1868. 4. 28 SS. 

Für die reduction der im zweiten buch der eusebischen 
chronik niedergelegten Zeitangaben sind, wie der vf. lehrt, nicht 
die jähre der einzelnen regenten maassgebend, sondern die Olym- 
piaden des armenischen Übersetzers und die in beiden Übersetzun- 
gen mit wenig ausnahmen gleichlautenden jähre Abrahams. Die 
bisher angenommene berechnung der letzteren, welche von Abr. 
1=2016 v. Chr. ausgeht, bestätigt A. v. Gutschmid für die 
partie von olymp. 1 bis 2. Pertinax und stellt sie durch neue 
argumente fest. Warum wir aber die historisch unrichtigen, um 
ein jähr verfrühten Olympiaden des Armeniers (ol. 1, 1 = 1240 
Abr. = 777 v. Chr.) als „julianische Olympiaden" für acht eu- 
sebisch , die richtigen der lateinischen Übersetzung (ol. 1, 1 = 
1241 Abr. = 776 v. Chr.) für interpolirt ansehen sollen, das 
gibt die schrift nicht an. Die autorität des — freilich ziemlich 
allgemein überschätzten — Armeniers allein reicht nicht dazu 
aus. Lassen wir, da Eusebius die wichtigsten epochen auch 
anderwärts nach Olympiaden bestimmt, ihn selbst entscheiden. 
In der mit der vorrede zum kanon fast wörtlich übereinstimmen- 
den auseinandersetzung Praep. evang. I, 9, in weichet zur be- 
stätigung sämmtlicher zahlen auf den kanon verwiesen wird 



Eusebius. 49 

(§ 5) , setzt Eusebius den anfang der Olympiaden wiederholt 
(§ 3 und 4) in das jähr 50 des Usia: — ganz wie Hieronymus, wäh- 
rend der Armenier Usia 49 = Ol. 1, 1 gibt. Den anfang des 
zweiten tempelbaus im 2. jähr des Darius (1497 Abr. = 520 
v.Chr.) und das auftreten Johannes des täufers im 15. jähr des 
Tiberius (2044 Abr. === 28 n. Chr.) datirt Eusebius sowohl 
Praep. evang. a. a. o. als auch in dem theil des ersten buchs 
der chronik, welcher bestimmt ist die maassgebenden zahlen des 
kanon zu begründen, p. 190 und 195 Ven., genau so wie Hie- 
ronymus (Ol. 65, 1 und 201, 4; der Armenier 65, 2 und 202, 1). 
Wir könnten noch mehr beispiele , dazu auch die syrische epi- 
tome anführen; das gegebene genügt aber schon um die olym- 
piadenrechnung des Armeniers für ebenso uneusebisch wie sie 
unrichtig ist, zu erkennen. 

Die note des Eusebius zu Abr. 1240: Secundo anno Ae- 
schyli Atheniensium iudicis prima olympias acta, ist schuld an die- 
ser verirrung des Armeniers oder seines Vorgängers, welcher das 
datum der ersten olympienfeier (Aeschylus j. 2 = 1240 Abr.) 
mit dem ersten olympiadenjahr (Aeschylus j. 3 = 1241 Abr.) 
verwechselte. Jenes fest braucht aber mit der epoche der aera 
nicht zusammenzufallen, es kann ebenso gut in das vorausgehende 
jähr gehören, wie Dionysius, der schöpfer unserer aera, Christi ge- 
burt auf den 25 december 1 v. Chr. gesetzt hat. Die Olym- 
pien fielen nicht in den hellenischen Jahresanfang, sondern um 
zwei mondviertel bald früher bald später. Wir könnten anfüh- 
ren, dass Eratosthenes, dem Eusebius nachzutreten pflegt, eben- 
falls die erste olympienfeier in das jähr vor Ol. 1, 1 gesetzt 
hat; doch ist unsere ansieht die, dass die olympiadenjahre des 
Eusebius , wie die anderer Syrer , syrischen Jahresanfang (um die 
herbstnachtgleiche) haben, so dass uns Abr. 1 = herbstanfang 
2016 bis ebendahin 2015 gilt. Auch Syncell. 368 Ahillov 
?(ß ß hei nXqpovfxs'vcp nucl äg^ofitvc^ T(p y avrov szst rj ngoiti] 
olvfjmiug tjyß'h g eü ^ au ^ Eusebius zurück, er verbindet das fest 
(Aesch. 2) mit dem anfang der aera (Aeseh. 3); nach eigener 
rechnung hätte er Aesch. 11 und 12 schreiben müssen. Einen 
einblick in die fälscherarbeit des Armeniers gewährt die note zu 
Abr. 2048 (Tiberius 19), in welcher Eusebius, um das datum 
Olymp. 202, 4 (armen. 203, 1) zu erhärten, den Phlegon citirt, 
dessen datum bei jenem folgende gestalt erhalten hat: gruarto 

4 



50 Eusebius. — Lucrez. 

anno ducentesimae et tertiae olympiadis, d. i. der corrector änderte 
Ol. 202 in Ol. 203, aber vergass, auch jähr 4 (in jähr 1) zu 
verwandeln. 

Sehr zn beachten ist die vermuthung des vf., dass der erste 
und der letzte theil des kanon aus Abr. 1 = 2018 v. Chr. zu 
berechnen sei; die ansieht freilich, dass (im Zusammenhang da- 
mit) von Eusebius die olympiadenrechnung, um ostercyklen aus 
ihr bilden zu können, gefälscht worden sei, haben wir nicht be- 
währt gefunden. Wir würden die abweichung auf Abr. 1—841 
beschränken und ihre entstehung in die zeit nach Eusebius ver- 
legen, vgl. Praep. x, 9. 5. 

Können wir hienach die resultate nicht vollständig billigen, 
so drängt es uns um so mehr, dem vf. für den gewinn, den 
die ausführung bietet, dank auszusprechen ; unter den vielen be- 
lehrungen, welche wir gefunden, gebührt die kröne der meister- 
haften ausführung über die ägyptischen Olympiaden des Syn- 
cellus. Fg. 

33. Quaestiones Lucretianae. Scripsit J. Jessen. 8. Got- 
tingae 1868. 40 S. 

Wenn in der einleitung die auseinandersetzungen I, 599— 
634 als dunkel bezeichnet werden (satis obscuro) loco, so ist das 
nur aus einem grundfehler der arbeit, der höchst mangelhaften 
kenntniss der früheren leistungen auf diesem gebiete, erklärbar. 
Die stelle bietet, nach beseitigung der unglücklichen Lambin'schen 
coniecturen ni 628 und multis 631, gar keine sachlichen Schwie- 
rigkeiten. Ihre litteratur s. beiPolle im Jahresbericht des Philol. 
XXVI, 304; derselbe scheint Jessen völlig unbekannt zu 
sein. — Jessen ist noch immer Quintus Cicero der herausgeber 
des Lukrez; das nichtige argument, dass M. Cicero, der doch 
einen Amafiuius und Kabirius — herunterreisse (exagitarit) , den 
Lukrez unmöglich unerwähnt hätte lassen können, wenn er ihn her- 
ausgegeben hätte, ist schon wiederlegt , obgleich es kaum einer 
wiederlegung bedurfte: s. Polle Philol. XXV, p. 504 f. — Den 
vergleich der bewegten atome mit spielenden Sonnenstäub- 
chen II, 114 ff. hat schon, was bisher niemand gesehen, Demo- 
krit: s. Arist. de anima p. 404 a. (p. 5). — Die entstehung der sage 
vom Ursprünge des angeblichen Wahnsinns (s. Hieron.) des Lukrez 
wird auf den zorn der Venus zurückgeführt. Ungeheuerlich 



Lucrez. 51 

ist die behauptung (p. 10): Lucretius Corpora prima non 
tarn individua , quam cunctarum verum exordia esse animis lectO' 
rum inculcare voluit: s. dagegen Lucret. I, 500 f. 518 ff. 528 ff. 
u. 8. w. — Der kritische theil beginnt p. 10 ff. mit der recht- 
fertigung von Alidensia = Elidensia, kleider aus dem be- 
rühmten (Paus. V, 5, 2) byssus von Elis. Der anstoss, den 
die kürze des a gewährt, wird mit recht durch den hinweis auf 
Priamus (y v v) Priamides ( — v v — ) und manches ähnliche 
beseitigt und bei dieser gelegenheit darauf aufmerksam gemacht, 
dass der von Lachmann so eingeschnürte Lukrez IV, 1259 Lm. 
— Jessen citirt immer nach Bernays — in demselben verse 
liquidis als anapäst und liquida als dactylus gebraucht hat. — 
III , 7 will J. Jessen für cycniis (obl.) oder ciniis (Q) , aut 
quid nam tremulis cett. schreiben lusciniis , aut quid tremulis. 
Aeussere wie innere gründe erscheinen mir schwach. An 
eine besprechung von III, 531 f. knüpft sich eine Untersu- 
chung über den lukrezischen gebrauch von nee und neque vor 
vokalen. Man kann dem Verfasser nur beistimmen , wenn er, 
bei der geringen auetoritat, welche die handschriften dort ha- 
ben, wo sie die den abschreibern bequemere kürzere form bie- 
ten, das nee vor folgendem vokal dem Lukrez ganz abzusprechen 
geneigt ist. Mit noch unzweifelhafterem rechte behauptet aber 
Jessen, dass Lukrez das s von Substantivnominativen der dritten 
nie abgeworfen habe, (p. 22 ff.). Er stellt die sämmtlichen bei» 
spiele von abwerfungen des s bei Lukrez zusammen und ver- 
gleicht den gebrauch des Ennius. Schade, dass das material 
nicht immer genügend kritisch genau gegeben ist. So ist IV, 
92 extrinsecu' torte gar nicht Überlieferung, sondern Lachmann'sche 
conjeetur. P. 25 und p. 36 , an welcher letzteren stelle Jes- 
sen mit seltener kühnheit einen auf fünf spondeen ausgehenden 
vers in den Lukrez hineinconjicirt (VI, 15: atque animi ingratis 
vitam vexari expertem) war die Briegersche rechtfertigung des 
111,198 überlieferten spicarumque (Phil. XXIII, p.467 A. 15, vgl. 
Polle im Phil. XXVI, p. 329) jedenfalls zu erwähnen. War 
Jessen der Philologus nicht zugänglich? In derselben Zeitschrift 
(XXIV, 433 f.) ist auch das dereeta II, 198 für Lachmanns de* 
ieeta schon vor Jessen von Brieger wiederhergestellt und die 
ganze stelle erklärt worden. — Jessen irrt, wenn er (p. 38) 
glaubt, ita werde zuweilen im sinne von tarn mit adjeetiven und 

4* 



52 Lucrez. — Horaz. 

adverbien verbunden. An stellen, wie Cic. pro Dejot. 21: Di te 
perduint, fugitive, ita non modo . . improbus . . et fatuus et amens es, 
begründet ita, wie im griechischen so oft cog. — III, 925 (p. 25) 
hat schon Winkelmann, Progr. Saltzw. 1857 p. 21, mit recht 
colligat hergestellt. — Die vermuthung (p. 27), dass sich HI, 106 
itaque auf die verse 94 — 97 beziehe, ist nicht unbegründet; an 
itaque statt einer begründenden partikel nahm hier gleichzeitig 
Susemihl , Phil. XXVII, 31 anm. , anstoss. Dann ist aber das 
bruchstück 98 — 105 nur einzuklammern. — Dass der geist corporis 
guoddam membrum sei, sagt nicht Lukrez, sondern nur herr Jes- 
sen : vgl. v. 96. Ein unglücklicher einfall ist III, 962 agnatia 
f.rnagniss Der III, 965 an reparare=reparari genommene anstoss 
ist begründet-, aber Jessen wirft bei dieser gelegenheit ganz ver- 
schiedene dinge zusammen. So ist das von Brieger Phil. XXIV, 
p. 435 vertheidigte depellere II, 219 = depelli und unserm in- 
transitiven „abtreiben", aber VI, 286 opprimere wesentlich transi- 
tiv, mit hinzuzudenkendem objekt. Nicht unmöglich, wenn auch 
nicht eben sehr wahrscheinlich, ist (p. 33) IV, 141 tibi edam für 
que cedant, aut quo für aurea II, 502. — Leider wimmelt die 
dissertation von den schlimmsten druckfehlern. 

B r. 

34. Ueber die innere form der Horazischen öden. Ein bei- 
trag zur richtigen auffassung des dichters von Dr. F. J. 
Schwerdt. Münster. 1868. 76 S. 8. 

Der Verfasser — den Horazkritikern durch seine „probe ei- 
ner neuen Horazrecension , Münster 1863" wohl noch in erin- 
nerung — bietet uns hier die probe einer „neuen" exegese der 
lyrischen gedichte. Annehmbar scheint uns an derselben der 
nachweis , dass Horaz sehr häufig , ja in der regel, den kernge- 
danken , die eigentliche idee des gedichts , auch äusserlich durch 
Stellung in der mitte der ode hervorzuheben bestrebt sei. Nur 
ist dieser gedanke nicht gerade neu; in den meisten fällen, die 
der vf. behandelt, hat schon Nauck in seinem commentar das 
richtige gesehen und mit kurzen worten angedeutet. Dr. Schwerdt 
hätte daher füglich sehr viele breite ausführungen sich und sei- 
nen lesern ersparen können. Wenn er aber dann ferner den 
satz aufstellt, dass „die Schönheit der inneren form einer ode 
arithmetischen Verhältnissen entspricht, und die vorzöge und feh- 



Horaz. 53 

Ier derselben sich auf zahlen zurückführen lassen", weil „die zahl, 
die selbst die mitte hält zwischen geistigem und sinnlichem, das 
abbild dieser form ist", und beispielsweise in I 1 die antistro- 
phische entsprechung von vs. 1 — 10 = 19 — 28 durch die fpr> 
mel 1 -f 1 + lVa + 7s 2 + 2 + 2=2 + 2 + 2 1 /» 
+ Vs 1 + 1 + 1 darzustellen versucht, so sei ihm und gleich- 
gesinnten genossen der betreffende witzige abschnitt in Heim- 
söths „kritischen Studien zu den griechischen tragikern" p. 400 
—403 dringend zur beherzigung empfohlen. Dass in dem vor- 
liegenden falle die entsprechung innerhalb der arithmetischen 
formel mit der formulirung der gedanken nichts gemein hat, also 
auch für das verständniss des gedichts werthlos ist, geht wohl für 
unbefangene klärüch daraus hervor , dass sich nach der aufstel- 
lung des vf. die anrede: Maecenas atavis edite regibus, o et prae- 
sidium et dulce decus meuml mit den Zeilen: seu visa est catulis 
cerva fidelibus, eeu rujpit teretes Marsus aper piagas, decken soll. 
Von sonstigen eigenthümlichen annahmen des vf., die schwerlich 
den beifall von kennern finden werden, möge noch erwähnt wer- 
den, dass 12 — ein gedieht „gleichsam von innen heraus ge- 
baut , wie die paläste von Florenz, schlicht und einfach im äu- 
sseren, aber imposant durch das ebenmass ihrer gigantischen Ver- 
hältnisse" (beiläufig eine probe von der hohlen, aufgedunsenen 
phraseologie, welche den Stil des vf. als einen sehr kind- 
lichen charakterisirt), ein gesang der Vestalinnen sein soll {prece 
qua fatigent virgines sanetae — Vestamf) gesungen am 9. juni 
(iam satis terris nivis — misit pater) des Jahres 29! Auch dass 
I 9 in zwei gedichte zu zerlegen sei, da „es in der zweiten 
hälfte der sommer sei, worin sich die handlung bewege", beruht 
wohl nur auf ungenügendem verständniss des nunc in vs. 18 von 
Seiten des vf. Ref. vermag daher etwaigen ferneren „beitragen" 
zum verständniss des Horaz nicht mit zu grossen erwartungen 
entgegensehen. 

35. Cornelius Nepos a Carolo Nippe rdeio recog- 
nitus. Berolini apud Weidmannos a. MDGCGLXVII. 108 
S. 8. 

Zwanzig jähre sind es nun, seit Nipperdey für die erklärung 
und kritik des Nepos thätig ist; die normen, nach denen er 
schon in der grösseren erklärenden ausgäbe (1849) und in den 



54 Nepos. 

seither erschienenen fünf auflagen der kürzeren bearbeitung ver- 
fuhr und welche er im spicilegium criticum (1850) begründet hat, 
sind auch für die neue, in der Überschrift bezeichnete textaus- 
gäbe massgebend geblieben — mit zwei modificationen. E i n- 
mal nämlich ist das kritische material durch K. L. Eoth's auf- 
findung des codex Parcensia reicher und so die beurtheilung der 
Überlieferung bei Nipperdey eine zuverlässigere geworden , wäh- 
rend die übrigen herausgeber seit 1853 jene Eoth'sche entde« 
ckung nicht gewürdigt haben. Den ersten rang unter den Ne- 
poshss. nimmt zwar immer noch der verlorene Danielinus oder 
Gifanianus ein; aber wo die angaben über diesen nicht sicher 
erscheinen, tritt nun ausser dem Leidensis (h) und der Ultrajec- 
tina (u) auch der Parcensis (p) als zeuge für die lesarten des 
archetypus der besseren handschriftenklasse (Ä) ein, deren über- 
blick die nach art der Weidmann'schen textausgaben knapp be- 
messenen kritischen noten geben, ohne jedoch die lesung ein- 
zelner handschriften, ausser in zweifelhaften fällen, anzuführen. 
Auch über den text des archetypus der geringeren handschriften 
(J3) bieten die noten eine Übersicht; ebenso sind die im texte 
aufgenommenen vermuthungen als solche gekennzeichnet und da- 
neben noch eine kleine auswahl empfehlenswerther conjecturen, 
die jedoch nicht in den text gesetzt sind, beigefügt. Eine zweite 
modification jener oben erwähnten normen liegt in dem kritischen 
verfahren des editors selbst, der von dem anfangs geübten stren- 
gen conservatismus zu freierer und doch massvoller behandlung 
des textes fortgeschritten ist. So polemisiren mehrfach gegen 
jenes erste spicilegium die oben n. 11.12 angeführten programme . 
In der mehrzahl der besprochenen stellen hat dervf. gewiss das 
richtige getroffen; nur Milt. 4, 4 ist wol die handschriftliche les- 
art moenibus defenderent (seil, hostes) durch die von Nauck her- 
angezogene parallele Cicer. Off. I 7, 23 geschützt, wenn nur 
diese mit Garve, Beier u. a. richtig aufgefasst wird. Auch Paus. 
1, 3 erscheint der auffallende pleonasmus in eo est reprehensus 
quod . . . hos versus Lacedaemonii exculpserunt , den man durch 
abschliessende interpunetion vor hos versus zu beseitigen suchte, 
durch ein entsprechendes beispiel gesichert, Ale. 3, 6: Aspergeba- 
tur etiam infamia, quod in domo suafacere mysteria dicebatur. Ref. 
wählt noch einige beispiele aus Alcibiades, in welchen ihm Nip- 
perdey nicht ganz richtig geändert zu haben scheint oder über- 



Nepos. — Livius. 55 

haupt zu emendiren unterlassen hat: 8, 3 ist das fehlerhafte de- 
ducere nach Tlirccum vielleicht besser in inducere statt in ad- 
ducere zu ändern. — 11, 1 ist qui nach TJieopompus nicht mit 
Nipperdey zu streichen, sondern vielmehr Theopompusque zu le- 
sen. — - Dass 2, 2 amatus est a multia more Graecorum statt 
amore geschrieben werden muss, ergibt sich aus dem zusam- 
menhalte von zwei sätzen der praefatio \ hier heisst es 3 : non 
admirabuntur nos in Graiorum virlutibus exponcndis mores eo- 
rum secutos; dann 4 : laudi in Graccia ducitur adulescentidis quam 
plurimos habuisse amatores. Im einklange damit ist auch 2, 3 
das unhaltbare odiosa der handschriften nicht mit Nipperdey durch 
otioso, sondern durch odios o usu (seil. Graecorum) zu ersetzen.- — 
4, 6 ist nach eiecisse wohl se ausgefallen. — 10,5 sind die worte 
flammae vim transiit bedenklich; die sonst verglichene stelle Ages. 
4, 4 iter transierit passt nicht, da man hienach flammae viam er- 
warten müsste. Man schreibe daher: flammae vim tr ansi luit, 
vgl. Ovid. Fast. IV, 727. — Die den vitae angehängten brieffrag- 
mente der Cornelia, für deren echtheit Nipperdey einst Spie. p. 
84 — 105 gestritten hat, sowie die bruchstücke des Nepos aus 
dem Gud. 278 s. XIII und aus Lactant. Instit. III, '15, 10 bil- 
den eine willkommene ergänzung dieser ausgäbe , an welche die 
weiteren arbeiten für die kritik de3 Nepos anzuknüpfen haben. 

A. B. E. 

36. Quaestiones criticae de Titi Livii libri XXI et XXII 
fontibus dissertat. inaug. quam . . . defendet C. Boettcher. 
8. Kegimonti, 1867. 

Diese abhandlung giebt zum ersten mal« eine eingehende 
vergleichung von Polybius b. 31 mit Livius b. 21 und 22, mit 
rücksicht auf Nissen. Das ergebniss ist demgemäss die richtige 
annähme einer gemeinsamen quelle für beide schriftsteiler , in 
welcher der vf. den Silenus finden will, den Polybius direkt 
(p. 13), Livius in der lateinischen bearbeitung des Coelius be- 
nutzt habe (p. 33). Schon Nitzsch hatte diese ansieht aufge- 
stellt, s. Sybel's histor. zeitsch. 1864, p. 20, und wiederholt im 
Ehein. Mus. XXIII, p. 603 ff. Sie hat indessen ihre grossen be- 
denken. Polybius gründete allerdings sein werk auf reisen, ar- 
chivarische Forschungen und berichte von augenzeugen, s. Pol. 
XII, 17 — 18; wir dürfen danach vielleicht annehmen, dass er 



56 Livius. 

auch im b. 31 augenzeugen benutzte. Wenn indessen der verf. 
behauptet, Polybius quelle habe die thaten der Karthager 
am genauesten gegeben , die Kömer seien zurückgetreten , so 
würde diese beobachtung, falls sie richtig ist, höchstens auf einen 
Schriftsteller deuten, der die bedeutende persönlichkeit Hannibal's 
in sachgemässer weise in den Vordergrund treten Hess. Vom 
Silenus dagegen darf behauptet werden, dass er für Hannibal 
durchaus partheiisch war; ähnlich wie sein landsmann Philinus 
im ersten punischen kriege. Es würde dies bei der Stellung des 
Silenus zu Hannibal und bei der ganzen partheiischen geschichts- 
Schreibung jener zeit eigentlich sich von selbst verstehen, aber 
wir haben auch einen positiven beweis. Silenus wird einmal bei 
Livius erwähnt , XXVI, 49 , wo seine angäbe von sechzig Skor- 
pionen, welche die Römer in Neu- Carthago , dem hauptwaffen- 
platze in Spanien, erobert haben sollten, eine so niedrige ist, 
dass durchaus eine absichtliche Verkleinerung angenommen wer- 
den muss ; besonders verglichen mit den hohen zahlen in Liv. 
I.e. c. 47, 5 — 7 und den noch höheren des Polybius X, 19. 
Mag die zahl 6 auch verdorben sein, was sie nicht ist, sie wird 
den 19,000 Skorpionen des Valerius Antias, der grössten angäbe, 
die Livius fand, als die kleinste gleich jener unglaubliche gegen- 
über gestellt, und der zusatz: adeo nullus mentiendi modus est, 
c 49, 4, ist so allgemein gehalten, dass der behauptung, er be- 
zöge sich auf beide Schriftsteller, wenigstens kein positiver gegen- 
beweis entgegengesetzt werden könnte. Verdient hätte jeden- 
falls die angäbe des Silenus eine solche bezeichnung. Wir wer- 
den daher weit eher geneigt sein, mit C. Peter die quellen von 
Liv. 21 und 22, p. 75, den Silenus nicht zu hoch über gleich- 
zeitige Schriftsteller zu setzen, welche mit ihm in gleichem ver- 
hältniss zu Hannibal standen, wie z. b. Sosilus, s. Corn. Nep. 
Hannib. 13, 13. Berichte aber von augenzeugen, und zwar 
schriftliche, die wir nicht mehr kennen, müssen in jener zeit da- 
gewesen sein; Polyb. X, 3 beruft sich auf sie. 

Endlich wird die ganze ansieht des verf. durch die annähme 
einer indirekten benutzung des Silenus bei Livius noch mehr 
zweifelhaft. Gegen jede vermuthung der art hatte sich schon 
Peter a. a. o. p. 11 als einen nothbehelf ausgesprochen; beson- 
ders bei einem so eigen gearteten schriftsteiler, wie Coelius. 
Ausserdem ist dieser durchaus nicht dem Silenus wörtlich gefolgt, 



Plinius. 57 

sondern gerade in scenen aus dem punischen lager, die er nur 
ihm, dem augenzeugen, hätte entnehmen sollen, folgt er dem 
Cato: s. Gellius X, 24, 6—7, vgl. 0. Meltzer, de L. Coelio 
Antipatro p. 20. Leon de Closset Essai sur l'historiographie 
des Romains p. 81 flg. Man sieht aus allem, wie B.'s ansieht, 
gerade so wie die von Nitzsch, etwas an hyperkritik leidet. 

37. C. Plinii Secundi naturalis historia. D. Detlefs en recen- 
suit. Vol. TU. Libri XVI-—XXII. Berolini apud Weidmannos. 
MDCCCLXVIII. 323 SS. 8. 

Das hauptverdienst dieser in raschem fortgang erscheinen- 
den ausgäbe (bd. I kam im j. 1866, bd. II im j. 1867 heraus) 
besteht in der bereicherung und sicheren Würdigung des hand- 
schriftlichen materials, welches Dr. Detlefsen mit grossem 
fleiss und musterhafter Sorgfalt aufgesucht und verglichen, auch 
im wesentlichen seinem werthe nach richtig geordnet hat. Zu 
dem vorliegenden bände hat insbesondere die vergleichung der 
beiden handschriften Vaticanus D und Leidensis F die dankens- 
werthesten beitrage geliefert. Die zweite band beider handschrif- 
ten enthält nämlich aus einer bessern quelle eine grosse zahl 
von Varianten, von denen die meisten als unzweifelhafte Verbes- 
serungen betrachtet werden müssen. Leider ist es nach dem 
plane dieser ausgäbe nicht möglich zu wissen, ob die von dem 
hg. getroffene auswahl der Varianten alle beachtenswerthen er- 
schöpft hat, indessen lässt sich von seinem bewährten takte er- 
warten, dass nichts wesentliches übergangen ist. 

Zu den diplomatischen Vorzügen der arbeit kommt ein 
glückliches talent der conjecturalkritik hinzu, welches der hg. 
mit grosser vorsieht besonders zur Herstellung geringerer schaden 
aus den zügen der handschriften benutzt«, Einer ungeschickten 
oder leichtsinnigen conjeetur wird man schwerlich begegnen, nicht 
wenigen unzweifelhaft gelungeneu , freilich auch wohl eben so 
vielen, die man zurückweisen muss. Da nun auch die leistun- 
gen der Vorgänger umsichtig benutzt werden , darf man wohl 
Detlefsen's ausgäbe als die beste der bis jetzt erschienenen be- 
zeichnen. Wie viel freilich noch zu thun bleibt, und wie oft 
auch frühere ausgaben, namentlich die von Jan's, besseres bieten, 
mag eine musterung des anfangs der drei bücher dieses bandes 
(XVI— XVIII) beweisen. 



58 Plinius. 

In buch XVI zeigt gleich der erste paragraph die Vorzüge 
und fehler von D 2 und von der behandlung des hg. Während 
er im zweiten satze aus D 2 richtig que in quae verwandelt, hat 
er desselben lesart dedimus mit unrecht verschmäht. Plinius 
schreibt : Pomiferae arbores quaeque mitioribus sucis voluptatem 
primae cibis attulerunt . . . sive Mae ultro ab liomine (so Detlefsen 
richtig statt sive ultro sive ab homine) didicere blandos sapores adop- 
tione et conubio , — idque munus etiam feris volucribusque di- 
dicimus oder dedicimus oder dedimus — inier praedictas constat. 
Die ersten worte beziehen sieh auf buch XV., worin von den 
poma und von §. 118 an von den suci die rede war; Detlefsen 
verdirbt diese theilung, indem er quaequae schreibt; die bäume 
haben entweder Wohlgeschmack gelehrt oder vom menschen ge- 
lernt d. h. empfangen, eben so die thiere, z. b. die wilden 
schweine (15, 118), die verschiedenen vögel (buch X). Diesen 
einfachen sinn verdirbt der hg. wieder, indem er dedimus, was 
die treffliche zweite hand von D gibt, verwirft und mit den 
übrigen handschriften didicimus liest, wo er dann obendrein 
vor feris ein a einschieben musste. — §. 2 ist von den Über- 
schwemmungen im lande der Chauken die rede. Bis .... 
effusus in immensum agitier oceanus, operietis alternam rerum 
naturae controversiam dubiamque terrae sit an partem maris. So 
schreibt der hg., alternam statt aeternam richtig aus D 2 , das 
folgende im anschluss an die handschriften {situm hatte Sillig 
vermuthet, dubiumque las man früher, wie E hat). Mit 
recht kehrt der hg. zur vulgata zurück und nimmt dubiam auf; 
aber die construetion fordert die Streichung von partem. — Illic 
misera gens tumulos optinet altos ceu tribunalia extrueta manibus ad 
experimenta altissimi aestus. Statt ceu haben die handschriften aut , 
D 2 eub. Die änderung ceu lässt also nur die natürlichen erkö- 
hungen übrig, mit denen ad — aestus unschön verbunden wird. 
Plinius hat aber ohne zweifei auch die künstlichen sog. terpen 
(vgl. Jansseu Eheini. jahrb. XLI1I, p. 67) beschrieben. Also ist 
aut richtig, sub wohl aus sive entstanden. — §.5 wird dieinter- 
punetion verbessert, mit D 2 vor industria gut ex gesetzt, wahr- 
scheinlichrichtig §. 10 aus conjeetur dantur st. datur gelesen. — XVH, 
4 erfahren wir erst aus des hg. collation, dass D 1 den preis 
des hauses von Crassus CX angibt. Daraus ist leichter in 
Übereinstimmung mit Valer. Mas. 9, 1, 6 LX zu machen als 



Plinius. — Fronto. 59 

mit Detl. M, eine sehr hohe summe. Ebendaselbst wird nach 
G- geschrieben ipsa mea censura notandus. Da diesem codex keine 
überwiegende bedeutung zugeschrieben werden kann, scheint kein 
grund zu sein, die vulg. ab ipsa mea cett. zu verlassen. — §.5 
will der hg. in dem satze duraveruntque (lotoe) ...ad Neronis prin- 
cipis ineendia quibus cremavit urbem annis postea cultu v irides 
iuvenesque die durchschossenen worte streichen. Der glossator hätte 
aber wohl entweder anni» postea mit der zahl oder gar nichts 
beigeschrieben. Streicht man den aus mrides wiederholten buch- 
staben, so enthält der rest cult die richtige zahl CLVI, und e3 
ist zu lesen annis postea CLVI, mrides cett. — §. 7 ist ca- 
piti vor imposita und §. 9 in vor supervacuis nach den besten 
handschriften mit recht ausgelassen. — Dem buch XVIII ist ganz 
besonders durch die vergleichung von D 2 und F 2 geholfen. So 
hat F 2 §. 10 vortrefflich quia statt qui, §. 11 et vor etiam nunc, 
nee statt nunc, ebendaselbst füllt D 2 die lücke durch die worte 
bonum agricolam Sillig's Verbesserung bestätigend aus. 

38. M. Cornelii Frontonis et M. Aurelii Imperatoris Epistulae 
— recensuit S. A. Naber. Lipsiae, 1867. (XXXVI, 296). 8. 

Es ist wohl nur der allgemeinen enttäuschung über die 
schriftstellerische bedeutung Fronto's zuzuschreiben, dass wir uns 
nunmehr, abgesehen von der Berliner ausgäbe der Mailänder 
bruchstücke, über vierzig jähre mit dem schlechten Mai'schen 
texte dieses alterum eloquentiae Rornanae decus haben behelfen 
müssen. Wir sind daher Du Eieu zu wirklichem danke dafür ver- 
pflichtet, dass er den ambrosianischen und vatikanischen palim- 
psest noch einmal verglichen und die resultate seiner vergleichung 
seinem landsmann S. A. Naber für die vorliegende ausgäbe zur 
Verfügung gestellt hat. Wenn auch ohne zweifei ein schärferes 
und geübteres äuge noch an vielen stellen eine reichliche nach- 
lese wird halten können , wie schon die resultate der Detlefsen'- 
schen nachvergleichung der bücher de re publica gezeigt haben, 
und obgleich auch an dieser collation des Fronto die ungenaue 
bezeichnung der lücken zu tadeln ist, so liegen uns doch nun 
die gesammten reste Frontonianischer schriftstellerei in einer 
wenigstens einigermassen gesichteten und gesäuberten gestalt vor. 
An diesem verdienst hat auch der herausgeber in sofern ei- 
nigen antheil, als er durch mehrere glückliche Umstellungen in 



60 Fronto. 

folge richtigerer anordnung der palimpsest - blätter , namentlich 
den brief de eloquentia in bessere Ordnung gebracht hat; im ein- 
zelnen dagegen hat der text durch seine bemühungen nicht allzu 
erheblich an lesbarkeit gewonnen. Allerdings hat er auch nach 
seinem eigenen geständniss , als er sich per aliquot menses totum 
daret Frontoni cognoscendo, hauptsächlich den gewinn im äuge 
gehabt, der aus den brieten Fronto's für die geschichtliche Wür- 
digung M. Aurel's und seiner zeit erwächst. Nur hätten wir ge- 
wünscht von den resultaten seiner Untersuchung etwas genaueres 
in den prolegomenen zu erfahren, welche sich lediglich mit der 
beschreibung des palimpsestes und der chronologischen Ordnung 
der briefe befassen. Die reinigung des textes war ihm offenbar 
nebensache, und er ist daher auch, was an und für sich ja recht 
löblich ist und von der üblichen praxis seiner landsleute vortheil- 
haft abweicht, sehr conservativ in handhabung der kritik zu 
werke gegangen. Die evidentesten besserungen Schopen's, Haupt's, 
anderer deutscher gelehrten, mit denen der herausgeber im gan- 
zen wohl vertraut ist, finden wir meist in den noten angeführt, 
selten in den text aufgenommen. Wenn nun auch freilich die 
kritik bei einem autor, der den grundsatz hat, seltene und auf- 
fällige worte geflissentlich zu suchen , ita ut si subtrahas adque 
eurn qui legat quaerere ipsum iubeas, aut nulluni aut non ita ad 
signißcandum accomodatum verbum aliud reperiat (ad Caes. IV 3), 
nicht leicht zu handhaben ist und namentlich ergänzungen, sobald 
sie den umfang weniger buchstaben überschreiten, sehr misslich 
sind , so konnten dennoch sehr viele stellen mit leichter mühe 
emendirt werden. Einiges der art, was dem ref. beim durch- 
blättern der briefe ad Caesarem aufgestossen ist, mag hier seinen 
platz finden. I 6 (p. 17, 5) omnium animalium (animarum 
cod.) statim post mortem hereditas aspern atur [cernatur cod.), 
suilana et a [quilis] .... ungues et ... avibus pinnae . . , liominum 
hereditas post mortem lege (?) defertur praedonibus. I 8 (p. 19, 9) 
M. Caesar actor , Titus Imp. spectator (inspectator cod.). II, 1 
(p. 25, 20) Hadrianum — ut Ditem patrem, propitium ac paca- 
tum magis colui (uolui cod.) quam amavi. II 2 (p. 27, 6) sind 
die plautinischen verse doch wohl mit leichter Umstellung also 
zu lesen: 

amoris fmber guttis grändibus 
Ndn vestem modo permanavit, sed in medullam ultrö fluit. 



Winckler, Wohnhäuser. 61 

IV 3 (p. 66, 13) suspendi, quod verbum superne aliquit 
iquit cod.) sustineri, non per laxamenta deditci significat. IV 4 (p. 66, 
22) Hier non adeo incommodum confecimus [non fecimus cod.). 
Ebd. (p. 67, 15) malim quam omnes Massicos [marsicos cod.) aut 
Gauranos palmites. IV 5 (p. 68, 15) Frustra mittes: nam duo 
{it cod.) isti libri me secut\ sunt. 

39. Die Wohnhäuser der Hellenen. Nach den quellen und 
den neuesten forschungen dargestellt von Arthur Winckler , Dr. 
phil. Berlin 1868. 8. 192 S. 

Diese schritt behandelt in zwei capiteln die einrichtungen 
des homerischen anaktenhauses und des städtischen Wohnhauses 
der Hellenen in historischer zeit. Mit gelehrsamkeit und gutem ur- 
theil sind von dem Verfasser die zahlreichen fragen der bezüg- 
lichen literatur einer neuen prüfung unterworfen und namentlich 
die neusten Untersuchungen von Bötticher und Semper benutzt 
worden. Interesse und talent lässt sich weder der behandlung 
des Stoffes noch der gefälligen darstellung desselben absprechen. 
Aber ein wesentlicher fortschritt der forschung ist mit dieser ar- 
beit nicht gegeben. — Nur von augenblicklicher Unbedachtsamkeit 
können bemerkungen herrühren wie z. b. p. 66 , dass in Athen 
„fast alle heiligthümer der Stadt auf der akropolis vereinigt" 
waren. Die zahlreichen spuren altathenischer häuser, westlich 
von der akropolis (vgl. Burnouf im 5, bände der archives des 
missions scientifiques), das neuerdings bei den Caracaüathermen ge- 
fundene haus im pompeianischen stil (Pellegrini bullett. d. inst. 
1867 p. 109 folg.), die Überreste von häusern in Solunt, von denen 
wiederholt im Bullettino siciliano und in der archäologischen Zei- 
tung die rede gewesen , und anderes dergleichen scheint dem 
Verfasser entgangen zu sein. Bedenklicher als dergleichen irrthü- 
mer und versehen , die wir absichtlich nicht weiter verfolgen, 
erscheint die ganze methode der Untersuchung, über die der Ver- 
fasser sich kaum genaue rechenschaft abgelegt haben kann. Die 
alte sünde der antiquarischen forschung, die beweisenden autorenstei- 
len unterschiedlos wie karten auszuspielen, und den historischen 
Stoff wie ein compactes ganze, wie ein System zu behandeln, hat 
der Verfasser weder erkannt noch abgethan. Auszugehen ist 
in derartigen Untersuchungen lediglich von den erhaltenen denk- 
mälern, und da uns griechische häuser fehlen — das prothyron 



62 Rheinhard, Athenae. Borna. 

und den grundriss eines gebüudes in Delos (Ionian Antiqu. III 
1, 4) hat Guhl (nicht Koner) sicher mit unrecht als Wohnhaus 
aufgefasst ■ — so ist und bleibt Pompeji ausgangs- und Sammel- 
punkt für alle Studien über das antike haus. Hier gilt es zu- 
nächst die verschiedenen bauweisen der verschiedenen zeiten scharf 
zu sondern und unter benutzung der gültigsten Zeugnisse alter 
schriftsteiler die griechischen demente im italischen hause ausfin- 
dig zu machen. Auf einer so gewonnenen grundlage, die al- 
lerdings erst noch zu gewinnen steht, Hesse sich dann eine re- 
construction griechischer einrichtungen versuchen, welche aber 
immer die unterschiedlichen sitten der einzelnen stamme und der 
einzelnen epochen streng im äuge zu behalten hätte. Auf die- 
sem wege wird allerdings das natürliche bedürfniss der phantasie 
nach einem greifbaren ganzen oft leer ausgehn ; denn die gränze, 
bis zu welcher unser wissen unter so bewandten umständen reichen 
kann, wird viel enger zu ziehen sein. Dabei Hesse sich aber 
auch manches kopfzerbrechen ersparen und manche scholastische 
tiftelei, wie in den Untersuchungen über das homerische haus, 
welche den dichter öfters klarer machen will, als er es ist 
und sein will. 

40. Athenae, in usum scholarum ed. Herrn. Rh ein hard, 
Gym. Stuttg. Prof. Stuttgart, sumpt. C. Hoffmann. 

41. Roma vetus in usum scholarum ed. H. Rheinhard G. 
St. Prof. Stuttgart, s. C. Hoffmann. 

Der gedanke, durch Wandkarten von Athen und Rom dem 
schüler das verständniss alter Schriftsteller zu erleichtern, hat 
schon beim blossen hören so viel empfehlendes, und die vorlie- 
genden 1, 15 X 1, 45 grossen karten haben sich schon so viel 
blendendes lob von Bahr und Köcbly zugezogen, dass wir es 
nicht für unbillig halten, wenn wir der gebotenen kürze halber 
das was auch wir in dieser leistung anerkennen, übergehen und 
im interesse derer, welche ohne nähere kenntniss der sache sich 
zu einem ungerecht günstigen urtheil verleiten lassen könnten, 
wenigstens auf einige der zahlreichen fehler und flüchtigkeiten 
aufmerksam machen, welche in diesen planen auffallen. 

Erstes erforderniss einer karte ist correctheit ; dieses erfüllt 
beispielsweise die karte von Athen keineswegs. Ein wahres 
Sammelsurium von griechischen , lateinischen und barbarischen 



Rheinhard, Athenae. Roma, 63 

formen bieten die aufgeschriebenen namen. Bald griechisch (wa- 
rum ohne accente?) wie xoiyoßcouiu (statt aoivo^m^la) , ternplum 
virtoriae ''^ttzsqov (statt Minervae Victoriae), colossus Iovis Elsv- 
üeoiov (wo doch eleutherius zur Verfügung stand) u. s. w., bald 
lateiniseh wie templum Martis, Cereris, forum vetus oder angeblich 
lateinisch wie Pompejum (statt nofinslov, was doch mit Porn- 
peius nichts zu thun hat), muri piraeici (statt piraei), Dromus. Da- 
neben stehen bezeichnungen wie Agora, Pyrgos (der übrigens an 
ganz falscher stelle angegeben ist in folge eines missver- 
ständnisses), Porta Munychia, Halipedon. Die weder lateinische 
noch griechische Porta Melitica (statt nvlai Mklnt8e±) dürfte 
analogien nur in andern Wortbildungen derselben karte finden. 
Das richtige wäre gewesen, die griechischen namen nicht zu la- 
tinisiren, sondern einfach mit lateinischen buchstaben wieder zu- 
geben. — Es sind ferner die noch jetzt erhaltenen monumente 
oft ungenau eingetragen, oft mit schwer begreiflicher flüchtigkeit 
wiedergegeben. Beispielsweise: der sogenannten Pnyx fehlen 
im plan die stufen, dem tempel der Athena Nike die Säulen 
der Westseite, den Propyläen die fünf thore und die treppen der 
Westseite , welche komischer weise auf die ostseite verlegt sind 
Dagegen ist Rheinhard mit saulen, welche nie existirt haben, 
freigebig gewesen; um sieben stück sind die Propyläen, um 
zwei der opisthodom des Parthenon verschönert worden. Ab- 
surd ist die eine verbindungsthür des Parthenon und opisthodom 
zwischen den beiden parastaden, völlig unverstanden und unver- 
ständlich der ganze aufgang zur akropolis. Die akropolisterasse 
ist viel zu schmal , der gang ihrer Umfassungsmauer kaum in 
einem punkt richtig. Die gräberstrasse mit ihrer stattlichen zahl 
von grabmonumenten , die vor ungefähr fünf jähren bei Hagia 
Triada blossgelegt worden sind , fehlt ganz und gar. Sehr be- 
dauerlich ist auch , dass zwischen den erhaltenen gebäuden und 
den nach topographischen vermuthungen angesetzten kein un- 
terschied der färbe oder schattirung gemacht ist. Wer ausser 
denjenigen, die überhaupt keine karten von Athen brauchen, 
soll hier das sichere vom hypothetischen unterscheiden? So 
wäre es viel dienlicher gewesen, statt die einzelnen demen, deren 
läge noch vielfach unsicher ist (geschweige denn dass man 
ihre gränzen zu bestimmen vermöchte) mit färben zu bezeich- 
nen, die Verschiedenheit der färbe für Unterscheidung der vor- 



64 Thesen. — Auszüge. 

persischen , themistokleischen und valerianischen mauer zu ver- 
wenden. — Sichere und allgemein anerkannte topographische 
bestimmungen wie die der Apollogrotte der akropolis unter 
der pinakothek sind nicht aufgenommen. Dagegen sind die 
ansetzungen von Curtius attische Studien II und von Beule*, 
auch da, wo sie noch sehr bestritten oder gradezu unwahrschein- 
lich sind, fast ohne ausnähme wiedergegeben. Gewisse dinge, an 
die niemand heutzutag mehr glaubt wie dass das gräberthor 
nach dem Lykabettos (den Rheinhard noch Anchesmos nennt) ge- 
legen habe, wurden eklektisch aus Leake , anderes aus Bursian 
herübergenommen. Rheinhard gibt aber auch ansetzungen, für 
die wir weder einen gewährsmann noch eine ratio kennen. — 
Auch die anschaulichkeit der karte lässt viel zu wünschen übrig. 

Die aufgäbe, topographische karten für die schule zu ent- 
werfen, ist viel schwerer als sie hier genommen worden ist. Sie 
ist durch diese leistungen nicht gelöst. Oder sollen wir im 
ernst glauben, dass für die schule etwas halbes gut genug sei? 

Dies Athen : zu ganz gleichen ausstellungen bietet der plan 
von Rom und zwar in noch grösserer masse stoff. 

Theses, 

Brennecke, de authentia et integritate Cynegetici Xenophontei. 8. Posnan. 
1868: Carmen Horatianum I, 22 contra Peerlkampium totum genuinum esse puto. 

Auszüge aus Zeitschriften. 

Augsburger allgemeine zeitung 1869: ausserord. beil. Nr. 8. Beil. nr. 10: I. II. 
das unterrichtswesen in Preussen : sehr gediegener aufsatz, der besser als der land- 
tag mängel in der jetzigen Oberleitung nachweist. — Beil. nr. 10: noch eini- 
ges über den Hildesheimer silberfund: referat über die besprechung dieses gegen- 
ständes an dem Winkelmannsfeste des Vereins von alterthumsfreunden im Bhein- 
lande: sie bezieht sich auf vermuthungen , wie dieser schätz nach Hildesheim ge- 
kommen, woher er stamme und ähnliches, was man nicht wissen kann. (Stände 
nicht da, dass die besprechung vor dem festmahle stattgefunden, man wäre versucht 
zu glauben, sie wäre nach ihm gehalten.) — Probe eines gedichts (Spottgedichts?): 
Germanisch-antike geschiebte des Hildesheimer fundes. Von K. F. M. Berlin. 
Nr. 11: das unterrichtswesen "in Preussen III: geht auf die Universitäten ein und 
ihre Verwaltung : es ist da sehr viel wahres gesagt : wir werden bei nächster gele- 
genheit darauf eingehen. — Beil. zu nr. 12 : die kleinen deutschen Universitäten 
(zum schütze Marburgs). — Beil. zu nr. 16: römische schlendertage von H. Almers, — 
Dr. Heiland: kurzer nekrolog. — 

Zarncke, literarisches centralblatt , 1869, nr. 1: Baltzer , Pythagoras der 
weise von Samos. 8. Nordhausen 1868: nach Böth , ohne wissenschaftlichen 
werth. — Gustav Sauppe, bilder des alterthums. 8. Halle 1868: ohne eigue for- 
schung: anz. von Bu. — H. Brunn, beschreibung der glyptolhek könig Ludwigs 
zu München. 8. Münch. 1868: lobende anzeige von Bu. — Nr. 2: E. Pleio, 
de S arapide, diss. inaugur. 8. Königsb. 1868: anz. von L...s, welche schliesst: 
„mythologischen schwindet findet man hier keinen." — O. Jahn, über darstel- 
lungen des handwerks und handelsverkehrs auf antiken Wandgemälden. Aus abh. 
d. sächs. Ges. d. Wiss. Bd. V.: anz. von Bu. — A. Winckler , die Wohn- 
häuser der Hellenen. 8. Berl. 1868: lobende anz. von Bu.; aber s. ob. n. 39, p.61. 



Druckfehler: nr. 1 , p. 26, z. 8 v. ob. lies : der Hera in statt : der heroine. 



Nr. 3. März 1869. 

Philologischer Anzeiger. 

Als beiblatt zum Philologus herausgegeben 



Ernst von Leutsch. 



42. Emil Kurz, syntax der griechischen spräche. Mit 
einem anhang: homerische formenlehre. Zweite, verbesserte auf- 
läge. Bamberg 1869. Buchner. 8. VIII u. 208 s. 

Nach dem Vorworte ist die erste aufläge im jähre 1862 er- 
schienen ; dass im vorigen jähre die zweite nothwendig geworden 
ist , beweist , wie sich das buch trotz des gegenwärtigen Über- 
flusses an griechischen grammatiken freunde erworben hat. Es 
ist auch eine sorgfältige und fleissige arbeit, wie selbst derjenige 
bereitwilligst anerkennen muss, der sich mit der ganzen tendenz 
derselben nicht einverstanden erklären kann. In Norddeutsch- 
land ist von jähr zu jähr von den einsichtigsten Schulmännern 
immer mehr empfohlen, den Unterricht in der griechischen Syn- 
tax auf das nothwendigste zu beschränken, wie denn auch be- 
reits von anerkannten autoritäten bücker erschienen sind, welche 
nur das wichtigste und dies in gedrängter kürze behandeln. 
Dass der schüler gründlich syntax lernen muss, versteht sich 
von selbst, das geschieht aber am lateinischen; erscheinungen 
der griechischen spräche , die sich an gleichartiges aus dem la- 
teinischen und deutschen anschliessen, braucht man nicht noch 
einmal ausführlich in besondern lectionen durchzugehen , da zur 
erklärung derselben die lectüre hinreichend gelegenheit bietet. 

Das vorliegende buch bildet nun die parallele zu Engl- 
mann's lateinischer grammatik und ist von diesem Standpunkte 
aus mit grosser Sorgfalt gearbeitet. In einigen stücken über- 
trifft es an reichhaltigkeit noch das Krüger'sche werk. Ist nun 
so an einzelnen notizen zu grosse fülle vorhanden, so vermissen 
wir häufig die aufstellung allgemeiner gesichtspunkte, die gerade 

5 



66 42. Kurz. — 43. Brambach. 

in der griechischen spräche so nothwendig sind und dann man- 
ches einzelne ersparen. Im griechischen gelten wie im deut- 
schen mehr allgemeine grundsätze als regeln , die dem lateini- 
schen und französischen eigenthümlich sind; es muss also vor- 
nehmlich darauf ankommen, grade jene festzustellen. Im ganzen 
folgt das buch sonst der hergebrachten weise, obwohl sich ohne 
zweifei z. b. in der lehre von den tempora und modi vieles 
einfacher darstellen und besser zusammenfassen Hesse. Eine 
Übersicht der abweichungen des homerischen dialekts im 
anschluss an die §§. der Englmann'schen attischen formen- 
lehre ist beigegeben. Um anderes zu übergehen , wollen wir 
nur fragen, ob denn wirklich (§. 54) (fäo ein imp. praes. 
med., oder nicht vielmehr aor. II. ist? Der druck ist cor- 
rect; nur selten finden sich fehler wie p. 19, z. 4 v. o. £/'- 
Qfjxqv und p. 109, z. 2 v. o. anoillvcfie&a. Also zu einem 
gründlichen privatstudium ist das buch sehr zu empfehlen , für 
die schule scheint es uns zu reichhaltig zu sein. 

43. Wilhelm Brambach, die neugestaltung der lateini- 
schen Orthographie in ihrem verhältniss zur schule. Leipzig, 
Teubner. 1868. 354 s. 8. 

Kitschi hat (Opusc. II, p. 725 f. 778 f.) die these aufge- 
stellt, dass Quintilian uns das gebildete bewusstsein seiner zeit, 
für uns den höhepunct einer historischen entwicklung der for- 
malen seite der lateinischen spräche bezeichne und dass wir aus 
dieser zeit für den heutigen gebrauch den masstab entnehmen 
dürfen, der zwischen unnöthig altem und verwerflichem jungen 
die richtige mitte halte. Die schrift von Brambach hat nun den 
zweck , diesen satz im einzelnen auszuführen. Zuerst wird in 
historischen Voruntersuchungen der nachweis geführt, dass die 
Quintilianeische zeit wirklich dieser höhepunkt sei, und dann in 
einer den kern des buchs bildenden ausführung dargelegt, dass 
die Orthographie der römischen nationalgrammatiker , auf denen 
die tradition der bei uns gangbaren lateinischen rechtschreibung 
beruht, im wesentlichen identisch sei mit der Quintilianeischen, 
Es werden zu diesem behuf p. 70 — 303 nach dem schema der 
lautlehre die regeln der römischen grammatiker für die bei jedem 
laut in frage kommenden Wörter gegeben und schliesslich zeigt eine 
„Schriftprobe" (303 — 334) mittelst der vergleichung der münzen 



43. Brambach. 67 

und des von Ritschi dem verf. zur Verfügung gestellten mate- 
rials von offiziellen Inschriften aus der zeit von Vespasian bis 
Traian , > dass die Orthographie der grammatiker in der that mit 
der Schreibung dieser authentischen Schriftstücke harmonirt. 
Das resultat ist, dass unsre gegenwärtige lateinische recht- 
schreibung nicht einer anderung , sondern nur einer revision 
bedürfe. [Vrgl. Bergk Philol. XXVIII, p. 438 flg. — E.v.L.] 

Jenes Ritscbl'sche princip, so wie das resultat dieser Bram- 
bach'schen darlegung ist gewiss richtig, und wenn der meister 
der heutigen lateinischen Sprachgeschichte nach der ansieht man- 
cher Schulmänner durch hervorhebung der sprachgeschichtlichen 
unterschiede der schultradition bedenkliche wunden beigebracht, 
so hat er jedenfalls auch die mittel an die hand gegeben , die- 
selben zu heilen. Natürlich ist damit , dass in den Schulaus- 
gaben auch für die älteren Schriftsteller im ganzen die form 
beizubehalten wäre, in der sie nach der Orthographie der Quin- 
tilianeischen zeit sich fortgepflanzt, nicht ausgeschlossen , dass 
in ausgaben für gelehrte zwecke die eigentümliche Orthographie 
des betreffenden Schriftstellers soweit möglich hergestellt werde. 

Wir knüpfen an einzelne seifen dieses buchs folgende be- 
merkungen an. Der verf. theilt die lateinischen sprachformen 
ihrer entwicklungsgeschichte nach ein in das alte und junge 
latein und setzt die grenze zwischen beiden mit der zeit Nero's; 
wir wissen nicht, ob er dazu veranlasst ist durch die auffassung 
der grammatiker des zweiten Jahrhunderts oder durch Ritschis 
bezeichnung von altem und jungem. So wie in diesen beiden 
fällen diese ausdrücke gebraucht sind, passen sie wohl ; aber zu 
einer absoluten eintheilung der lateinischen Sprachentwicklung 
passen sie nicht. Der begriff des alten geht sofort über in den 
des veralteten, und dass es miss verständlich ist, in dieser weise 
die zeit des classischen lateins zu bezeichnen, liegt auf der hand. 
Will man von dem standpunet dieses buchs aus die ganze pe- 
riode vor Quintilian einheitlich und zugleich characteristisch be- 
zeichnen , so kann man sie die produetive , und die spätere die 
reeeptive nennen. Dabei sieht man auch, wesshalb die erstere 
nicht massgebend sein kann , nämlich weil mit dem produetiven 
streben nothwendig ein schwanken der formen verbunden ist. 
Die reeeptive zeit will nicht mehr gesetze schaffen , sondern 
nur sammeln und auswählen, sie zieht das facit der produetiven 

5* 



68 43. Brambach. 

entwicklung und wird darum das abschliessende gesetz , verhält 
sich zu dem früheren, wie das edictum perpetuum Hadrians zu 
den einzelnen früheren edicten (vgl. Quintil. 1, 6, 16: analogia 
— non lex est loquendi , sed observatio). Weiter hätten wir ge- 
wünscht ; dass in der Schriftprobe in übersichtlicher weise aus 
den offiziellen Urkunden der augusteischen zeit deren Orthogra- 
phie zusammengestellt und so als ein ganzes der späteren ge- 
genübergestellt worden wäre, um klar zu erweisen, wesshalb die 
eine für uns massgebender sei als die andre. Drittens sind wir 
nicht ganz einverstanden mit dem völligen ausschluss der hand- 
schriften aus der Schriftprobe. Neben dem moment welches das 
alter einer handschrift hat , kommt offenbar das weitere in be- 
tracht, ob nicht selbst aus weniger alten handschriften von 
Schriftstellern gewisser perioden deren Orthographie entnommen 
werden kann, und da wäre doch für die zwecke dieses buchs 
vor allem Tacitus ins äuge zu fassen gewesen. Zum erweis 
dafür möge hier als probe für das interesse , welches die Taci- 
teische Orthographie hat, nach der neuen Ritter'schen collation 
der florentinischen handschriften die Schreibung von auslautendem 
t und d und von vo oder vu angeführt werden. Der Medic. A 
schreibt mit ausnähme von quod zwar nicht durchweg aber je- 
denfalls vorherrschend, oder , wie Ann 1,49, bei einem unter- 
schied von erster und zweiter hand, in der ersten aliquit, aliut, 
istut, Mut, aput, haut, set. Dieselbe handschrift schreibt durch- 
aus vu, sowohl servus , ignavus, divus als vulgus, vulnus und dgl. 
Der Med. B. dagegen schreibt einerseits (mit vereinzelten ausnah- 
men wie aliguit Ann. 15, 30, aliut 15, 62) aliquid, aliud u. 
dgl., ja sogar häufig velud, capud, andrerseits aber zwar anfangs 
durchweg vu, sogar 11, 24 nulsi für Vulsci = Volsci, jedoch von 
Ann. 15, 33 an beinahe durchweg im rest der annalen und in 
den historien neben servus, divus u. s. w., volgus, volnus, convol- 
sus. Ritter bemerkt zu 15, 33 : iam alterius Medicei scriba novo 
popularium Italiae more victus incipit inter utrasque formas incertus 
vacillare: ego priorem ac melius testatam scribendi rationem sequor: 
vrgl. Piniol. XX, p. 655. 657. Allein dass dem Schreiber dieser 
handschrift mitten drinn ohne äussern anlass in den sinn ge- 
kommen sein soll ; vo statt vu zu schreiben, dürfte mehr als 
zweifelhaft sein. Vielmehr trat wohl ein Wechsel des origiual-3 
ein, wobei in dem zweiten vo statt vu sich noch erhalten hatte 



44. Didot. — 45. Johanson. 69 

und nicht bloss schwankend, sondern nahezu mit consequenz, 
gerade wie in dem Med. A die Schreibung von auslautendem t sich 
gerettet hat. Ja von der letzteren könnte man auch in dem 
Med. B , weil in demselben sonst eine so starke tendenz zu d 
vorhanden ist, dass dem Schreiber sogar velud, capud in die feder 
kommt, in jenen vereinzelten aliquit, aliut sjjureu finden. Dem 
Tacitus selbst aber darf ohne bedenken auf diesen Sachverhalt 
hin vo im stamm der Wörter und auslautendes t in den ange- 
führten Wörtern zugeschrieben und als charakteristische Schrei- 
bung in den ausgaben durchgeführt werden. 

Schliesslich wollen wir hinsichtlich der allgemeinen frage 
über die ausbildung einer Orthographie und über die gesichts- 
puncte , welche dabei in betracht kommen, auf ein treffliches 
werk über französische Orthographie verweisen, nämlich auf: 

44. Ambroise Firmin Didot, observations sur l'or- 
thographe ou ortografie fran^aise suivies d'une histoire de la 
reforme orthographique depuis le XV. siecle jusqu'ä nos jours. 
2. e'dition. Paris. 1868. 

Man sieht hier nämlich am beispiel einer lebenden spräche, die 
noch m der entwicklung begriffen ist, wie sich das historische ele- 
ment der etymologie, das recht des täglichen gebrauchs und der 
sich wandelnden ausspräche und das interesse der differenzie- 
rung der bedeutungen gegenseitig modificiren und ausgleichen. 
[Vgl. Augsb. Allg. Ztg. 1869 beil. nr. 54 : s. unt. p. 86. — E.v. L] 

45. J. F. Johanson, De usu modorum in verbis de- 
bere, posse, sim. in primariis sententiis condicionalibus. Com- 
mentatio academica. Upsaliae, 1868. 56 s. 8. 

Trotz der ausführlichen Untersuchungen von Gr. T. A. Krü- 
ger und Gernhard (1821 und 1836) ist die lehre von den modis 
der verba debere, posse u. a. im condicionalgefüge noch keines- 
wegs klar und sicher entwickelt. Es ist daher nur erfreulich, 
dass Johanson diese Untersuchung methodisch geführt und eine 
fülle materials gesammelt und gesichtet hat ; seine schrift darf von 
niemandem unbenutzt bleiben. Zu bedauern ist nur, dass nicht 
durch ein inhaltsverzeichniss oder durch Seitenüberschriften die 
Orientierung erleichtert ist. 

Die schrift zerfällt in drei theile : auf p. 2 — 12 werden 



70 45. Johanson. 

die ansichten der grösseren grammatiken von M advig, 
Schultz, Krüger, Kühner, (Zumpt wird nicht berück- 
sichtigt) referirt; dann p. 12 — 49 eine reiche, wohlgeordnete 
Sammlung von stellen der classiker gegeben; p. 49— 56 die im 
anfang referierten ansichten beurtheilt. 

In dem zweiten theile, dem wichtigsten, ist 1) p. 12— 26 die 
rede von den condicionalsätzen im allgemeinen; und zwar a) von 
den gewöhnlichen indic- und conjunct. constructionen (p. 12 — 17); 
b) von den selteneren , in welchen die apodosis der form nach 
der protasis nicht entspricht; nämlich a) indicativus in protasi, 
in apodosi coniunctivus (p. 17 f.) ; ß) das umgekehrte Ver- 
hältnis (p, 19 — 26), wobei zuerst das part. fut. act. mit eram 
oder fui zur besprechung kommt (p. 22 f. wird mit Madvig 
bei Cic. pro Lig. 7, 23 tradituri fuistis geschrieben; mit recht; 
vgl. §. 24 und 12, 34; — ebenso de Div. 2, 8, 21 even- 
turum fuit, wogegen sich allerdings C. F. W. Müller in N. J. 
1864, p. 609 erklärt hat; — ferner Liv. 41, 24, 4 futura fue- 
rint); — sodann das im per f. überhaupt (p. 23 f.), in be- 
treff dessen, da der verf. sich keines beispiels aus Caesar ent- 
sinnt , auf de bello Gall. 7 , 46 , 1 Oppidi murus recta regione, 
si nullus anfr actus intercederet f mitte ducentos passus ab erat, 
verwiesen werden mag ; — weiter das p e r f . mit paene, prope 
(p. 24 und anm. 1), wobei darauf aufmerksam gemacht wird, 
dass apud aureae aetatis scriptores sola fere exempla dieser art 
Liv. 2, 10, 2; 2, 65, 4; Sali. Jug. 53, 7, seien, aber anderer- 
seits auch der conj. plqpf. in der besten latinität nicht vorzu- 
kommen scheine (bei Cic. Epist. ad Farn. 8, 4, 1 wird paene mit 
concedente adversario verbunden) ; — endlich das plusquamperfectum. 

Darauf geht der verf. 2) über zu den speciellen verben 
debere, oportere, decere, posse und esse mit dem gerundiv, 
und handelt von ihnen a), sofern sie in der apodosis stehen 
(p. 26 — 44), und zwar «) imindicativ imperf., perf., plusqpf., 
praes. (p. 26 — 36); ß) im conjunctiv imperf., plusqpf., praes. 
(p. 36 - 44); — und b), sofern sie absolut gebraucht sind,' ohne 
bedingungssatz (p. 44 — 49), wobei bemerkt wird, dass dann der 
indicativ das gewöhnliche sei (imperf., perf., plusqpf., praes ). 
Nach diesem kurzen abriss wird sich jeder leicht in dem schrift- 
chen zurecht finden können. 

Als resultate, durch welche die lehren unserer grammatiker 



45. Johanson. 71 

in mancher beziehung modificiert werden, sind besonders fol- 
gende zu bezeichnen. 1) Madvig hat darin recht, dass der 
indic. imperf. (poteram, debebam) sich auf die gegenwart be- 
ziehen kann, und zwar dann genommen werden muss , wenn 
sprachlich angedeutet werden soll, dass die handlung des dane- 
ben stehenden infinitivs nicht geschehe (Johans. p. 44 — 46 ; 
ähnlich schon Kühner ad Cic. Tusc. 3, 4, 7, wo nur der aus- 
druck at id non poteram nicht glücklich gewählt ist); — 2) 
aber auch Schultz, Kühner u. a. haben recht, insofern der 
indic imperf. auch der Vergangenheit gelten kann (Johans. 
p. 47 f. ; 52) : beides ist übrigens kurz und einfach hervorgehoben 
in der von dem verf. scheinbar nicht berücksichtigten lat. gramm. 
von Meiring (3. aufl. Bonn 1865) §. 634 f.; — 3) es ist 
nicht ohne weiteres irrelevant, ob die verba posse, debere absolut 
stehen, oder innerhalb des condicionalen Satzgefüges. Im er- 
steren falle bildet der indicativ die regel ; im zweiten dagegen 
ist der conjunctiv viel häufiger , als es nach den angaben der 
grammatiker scheinen sollte (Johans. p. 56, 2). 

Dieser letzte wichtige punkt lässt sich in folgender weise 
präciser formulieren. Wenn von eiaer der Wirklichkeit wider- 
streitenden bedingung ein können, müssen abhängig gemacht ist, 
so ist zweierlei möglich : 

A) dieses können, müssen kann dadurch gleichfalls als in 
Wahrheit überhaupt nicht existent bezeichnet werden sollen : 
dann muss der conj. der nebenzeiten stehen. So Cic. pro 
Kose. Am. 32, 91 Et Erucius, haec si haberet in causa, quae com- 
memoravi , posset ea quamvis diu dicere, et ego possum. Dahin 
gehören bei Johanson die stellen auf p. 36 — 39; 41 — 44; 

B) jenes können, müssen kann zwar absolut und an und 
für sich betrachtet seinen bestand behalten; aber doch relativ, 
unter den hervorgehobenen concreten Verhältnissen, nicht zur 
realisierung kommen : 

a) auch dann wäre , eben wegen der letzteren beziehung, 
der conjunctiv zu erwarten. Und er steht auch sehr häufig. 
Vgl. Cic. Tusc. I, 31, 75 Haec quidem vita mors est, quam la- 
mentari possem, si liberet; und bei Johans. p. 29. 35 f.; 40 f.; 

b) indessen wird nicht selten, wie das ja auch bei anderen 
verben vorkommt (Liv. 3, 1, 4 Atrox certamen aderat, ni Fa- 
bius consilio neutri parti acerbo rem expedisset; Johanson p. 23 f.) 



72 45. Johanson. — 46. J. H. Voss. 

ohne rücksicht auf die relative bedingtheit , das können, müssen 
als an und für sich wirklich bestehend in den indicativ gesetzt. 
So Cic. de Fin. 4, 23, 62 Si verum respondere velles, Cato, haec 
erant dicenda; Johanson p. 26 ff. '- — Der indic. praes. 
aber kann in diesem falle nicht gebraucht werden, sondern nur 
da, wo auch in der protasis das praesens steht; z. b. Cic. Verr. 
4, 9, 20 qui te neque debent adiuvare, si possint, neque pos- 
sunt, si velint; Halm zu Verr. 4, 7, 14-, Johanson p. 36.- — 
Wie ein solcher satz vollständig heissen müsste, wenn der pro- 
tasis die gehörige apodosis entsprechen sollte , zeigt klar Cic. 
Ep. ad Farn. 14, 2, 1 Vos . . ego beatissimas semper esse volui idque 
praestare debui et, nisi tarn timidi fu iss emus, pr aestitissem. 
Schliesslich sei noch bemerkt, dass der verf., welcher sonst 
mit anerkennenswerthem Scharfblicke den Stoff in seine gruppen 
zerlegt hat, die beispiele der rhetorischen frage aus versehen 
p. 39 angeführt hat, während sie vielmehr auf p. 40 gehört 
hätten. Dass der verf. die construction verba debere, posse und ver- 
schiedentlich possibilitas nicht gescheut hat, ist bei der übrigens 
reinen latinität dem streben nach kürze zu gute zu halten. 

46. Cotta'sche ausgaben. Homers werke von Johann 
Heinrich Voss. In zwei bänden. Erster band: Ilias. 8 min. 
Stuttg. 1869: 379 s. Zweiter band: Odyssee. Ebdas. 297 s. 

Dass wohlfeile ausgaben dieser Übersetzung zu haben, gradezu 
für unsre zeit ein bedürfniss ist, zeigen die oft sich wiederholen- 
den neuen auflagen : denn ist in ihr auch viel zu verbessern und 
in andern Übersetzungen schon verbessert, so gehört sie doch zu 
unsrer national - literatur. Um von den mangeln (auch der ar- 
beiten anderer) ein beispiel zu geben: hat gleich Fr. A. Wolf 
(Liter. Anal. H, p. 161) das streben nach ganz engem anschluss 
an das original in ausdruck und versbau verspottet , es giebt 
doch stellen, wo es pflicht des Übersetzers wird, dem Griechen 
so nahe ak nur möglich zu kommen Zu solchen charakteri- 
stischen stellen rechne ich die anfange beider epen, deren form 
dem geiste der dichtung herrlich entspricht: in der Ilias ein 
durch Verbindung der dactylen mit spondeus wie durch häufung 
der cäsuren prachtvoll kräftiger vers, in der Odyssee ein weicher, 
dessen nur dactylische füsse nur durch Verkürzung der längen 



46. J. H. Voss. 73 

und den sinn ohne Zulassung einer cäsur zusammengehalten 
werden: diese kunst, diese Übereinstimmung von form und in- 
halt verschwindet in unsern Übersetzungen ganz, obgleich sie, 
wie ich meine, erreicht werden kann : ich habe versucht : 

Singe den zorn des Achill, göttin, des erzeugten des Peleus, — 
Sagemir, muse, den helden, den listigen, welcher so vielfach — 
Dergleichen Hesse sich noch viel vorbringen : doch liegt uns 
jetzt näher, die behandlung der Übersetzung selbst bei Cotta zu 
besprechen. Und da ist mit recht, so viel ich habe sehen kön- 
nen, die letzte von Voss selbst besorgte ausgäbe von 1821 zu 
gründe gelegt und correct wiedergegeben ; dagegen ist aber sehr 
der schlechte druck zu beklagen ; denn statt der von Voss im- 
mer beibehaltenen lateinischen lettern sind hässliche deutsche 
genommen, sind ferner zu viele zeilen auf die seite gestellt, so 
dass jede wie ein düsteres meer von druckerschwarze dem leser 
entgegenstarrt : dabei ist der innere rand so schmal , dass ge- 
bunden kaum die ersten buchstaben der zeilen der ungraden 
seite zu sehen sein werden — eine unart und rücksichtslosigkeit, 
die für andre Cotta'sche dichter - ausgaben ebenfalls charakteri- 
stisch ist und sich doch nur auf übel angewandte Sparsamkeit 
zurückführen lässt. Wir philologen, die wir zur freude unsrer 
äugen jetzt fast nur noch gute drucke gebrauchen , müssen da- 
her wünschen , dass ein andrer Verleger einen des trefflichen 
werks würdigen abdruck besorge : das wünsche ich auch noch we- 
gen eines ganz speciellen punctes. Wie viel unsern erklärenden 
ausgaben des Homer noch fehlt, ist bekannt: es wäre nun eine 
vortreffliche ergänzung derselben und überhaupt ein ausgezeich- 
netes hülfsmittel für schule wie privatstudium , für Übersetzer 
wie erklärer, hätte man eine ausgäbe von Voss' Übersetzung mit 
den Varianten der verschiedenen ausgaben: ich kann hier nur 
so viel sagen , dass einerseits äusserst interessant wäre zu be- 
achten, wie Voss allmählich immer tiefer in das verständniss 
seines dichters eindringt, andrerseits höchst instructiv als zu 
den verschiedensten Untersuchungen veranlassend , sich die 
gründe seiner änderungen vollkommen klar zu machen. 

E. v. L. 

47. Theognidis elegiae e codd. Mutinensi Veneto 522 Vati- 
cano 915 edidit Christ. Ziegler. 8. Tubing.1868. VIIIu.68s. 



74 47. Theognis. 

Die vorliegende ausgäbe des Theognis beschränkt im ge- 
gensatz zu der neuesten recension Bergk's den apparat auf drei 
handschriften : den sg. Mutinensis (A), der aus einer noch zu 
ermittelnden provinzialbibliothek Oberitaliens nach Paris gekom- 
men, den Vaticanus 915 (0), dessen inventar Hinck in Fleck- 
eis. Jahrb. 1868, p. 336 ff. mitgetheilt hat, und den Venetus 
522 (K) , die beiden letzten nach Zieglers eigener vergleichung, 
durch die Bekkers collation vielfach berichtigt wird. Nachdem 
aber von Ziegler selbst und gleichzeitig vom referenten bei 
Fleckeisen a. o. p. 329 ff. der Venetus als directe copie des 
Vat. 915 aus den an gleichen stellen befindlichen lücken (deren 
verzeichniss bei Ziegler Addend. II, p. 67 wiederholt * ist) er- 
wiesen worden, war auch K aus dem apparat auszuscheiden. 

Für die Zusammengehörigkeit der einzelnen fragmente kann 
die von F. Nietzsche (Rhein. Mus. 1867, p. 161 ff.) mit glück 
durchgeführte Stichworttheorie nicht mehr gleichgültig sein ; 
nicht immer in Übereinstimmung mit derselben hat Ziegler Bergk's 
abtheilung beibehalten und abweichend von ihm nur folgende 
fragmente mit den vorangehenden verbunden: vv. 31. 83. 97. 
105. 537. 923. 1097. Die beträchtliche anzahl von Wieder- 
holungen einzelner disticha, die sich in A, meist in A und 
gemeinsam finden und die für die kritik bedeutungsvoll sind, 
sowie die nur ähnlichen verse sind Addend. p. 64 ff. übersicht- 
lich zusammengestellt und ihre Varianten an jeder stelle genau 
beibehalten, wie denn überhaupt der text sich ängstlicher an die 
Überlieferung anschliesst als bei Bergk : so in bezug auf den dia- 
lekt (vrgl. ob. p. 34), so an stellen wie 169. 800. 806. 899, 
deren Verbesserung bei Bergk allein auf der Überschätzung 
von K beruhte. Indess ist begreiflicher weise durch -dies ängst- 
liche festhalten an den handschriften die kritik- in keiner weise 
gefördert. So giebt Ziegler vs. 235 nach A : 

vvdsv szi nginsi, rjfiiv «?' ävÖgäat amt,o(xivoiaiv, 
aXX 1 an- näyiv noXei, Kvqvs, äXooaofxsvrj. 
Was heisst das? ohne grosse härte kann der dichter sich und 

1) In demselben sind fehler: vs. 37 ist zu schreiben: — pyaHs 
311 — xqcctiqöv, 384 — icxovm, 453 wg nag', 1039 a == 853 — ngöa- 
dfv: dies nach meiner eignen vergleichung. Auch die zu 495. 597. 
682. 1045. 1052 über in K fehlende worte gemachten bemerkungen 
gehören in dies verzeichniss der lücken. 



47. Theognis. — 48. Aeschylus. 75 

Kyrnos nicht mit einer bedrohten stadt vergleichen, wo ein ge- 
gensatz zu dem vorhergehenden drögaoi oa^ofAevoioiv gefordert 
wird. Dem suchte Gr. Hermann durch Kvqv iv abzuhelfen: 
aber eine sichere emendation ist noch nicht gefunden. Vs. 29 
lässt Ziegler den längst erkannten fehler ninvvoo als — vv ste- 
hen : ist das kritik ? Eigene conjecturen sind vermieden , da- 
gegen sind in einer anzahl von längst als verderbt erkannten 
stellen Verbesserungen aufgenommen , deren urheber sorgfäl- 
tig angezeigt werden. Doch ist rj^iog 997 als conjectur von 
Härtung nicht ersichtlich, roiig 8' ov% svQrjaeig 83, anei/doi 980 
haben ausser AO alle handschriften, auf die Ziegler freilich 
keine rücksicht nimmt. 

Den apparat auf nur zwei handschriften zu beschränken verbie- 
ten und obige ähnliche stellen ; eine umsichtige kritik hätte sämmt- 
liche lesarten von AO, und ausserdem an kritisch unsicheren stellen 
auch die lesarten der jüngeren willkührlicher geschriebenen codd. 
zu verzeichnen gehabt. Der geringe werth der vorliegenden aus- 
gäbe besteht also in der genaueren vergleichung des cod. ; für 
eine neue vergleichung des Mutinensis , die vor allen dingen 
wünschenswert!» gewesen wäre 2 , hat Ziegler nicht gesorgt. 

A. H. 

2) Da der Wahrheit hier stets die ehre gegeben werden soll , be- 
merke ich, dass die vergleichung des A in I. Bekkers ed. a. 1827 vor- 
trefflich ist: eine genaue nachvergleichung von 8. Hase der vss. 1 — 52 
hat folgendes resultat gegeben: vs. 12 fiaafh' A (allein Presset bemerkt 
ausdrücklich gegen Hase : tiaaS-' A, wie Bekker also, spiritus lenis), nav- 

virum 
TiGal A, 27 sv'fQovewv A, 29 insgyuaai A, 39 ävdgcet A, 42 tlg A, 45 
cJYcJWt A , 49 (fikctvdgdtit A , Varianten , von denen Bekker gewiss ab- 
sichtlich mehre weggelassen hat: man lege also auf die bemerkungen 
von Schneidewin in Nachr. v. der Gott. Soc. d. Wiss. 1852, st. 5 
in hinsieht auf I. Bekkers ßdes nicht zu viel gewicht. — E. v. L. 

48. The Agamemnon of Aeschylus revised and translated 
by John Flet % cher, Davies, B. A., first Classical Master in 
Kingstown School, Ireland. (London u. Edinburgh bei Williams u. 
Norgate, Utrecht bei Kemink u. söhn) 1868. 8. XVI u. 232 s. gr. 8. 

Diese ausgäbe des Agamemnon enthält den text mit 
nebenstehender englischer Übersetzung und darunter gesetz- 
ten kurzen kritischen bemerkungen in lateinischer spräche 
(p. 1 — 173), einen commentar (p. 175 — 224) und die erklä- 



76 48. Aeschylus Agamemnon. 

rung der metra (p. 225 — 230), beides in englischer spräche, 
endlich einen kurzen nachtrag. pDas hauptgewicht legt Davies 
auf die Übersetzung, welche eine möglichst wortgetreue re- 
production des Originals in den metren desselben anstrebt , mit 
der abweichung, dass statt des trimeters der decasyllabic ange- 
wandt und in den lyrischen theilen die auflösung der länge ver- 
mieden ist. Die grossen Schwierigkeiten, die eine solche auf- 
gäbe bietet , hat der Verfasser in höchst anerkennenswerther 
weise zu überwinden gewusst, so dass seine Übersetzung zugleich 
ein guter commentar des textes ist, wenn auch freilich der eng- 
lische ausdruck öfter wieder eines commentars bedarf, wie wenn 
v. 36 übersetzt ist „a great ox on my tongue treads". Zur er- 
klärung der Übersetzung dient eben der commentar, welcher 
ausserdem grammatische und lexikalische . bemerkungen, auch pa- 
rallelstellen enthält, auf eine erörterung des gedankenzusammen- 
hanges aber nicht eingeht. Besonders fruchtbringend für die 
erklärung hält Davies die lectüre des Hesiod. Wenn er aber 
z. b. zu 849 artig dvaXlui £ä<si auf Hes. Th. 874 xuxri ®"~ 
govoiv cciXXy verweist und in der kritischen note bemerkt „hie 
huius fabulae correctores admonere licet, pluris esse Hesiodi, Theo- 
gnidis , Solonis si quae extent ter jpure legisse, quam cetera omnia", 
so ist damit der in £aoi und avv&t'tjaxovaa liegende Widerspruch 
nicht beseitigt. Die kritischen bemerkungen geben die 
abweichungen des textes von der Überlieferung an, zum theil 
mit kurzer begründung, oder suchen die handschriftliche lesart 
zu schützen. Im ganzen sind die leistungen der Vorgänger (die 
ausgaben von van Heusde und die mit deutschen anmerkungen 
sind nicht benutzt, wohl aber die beiden ersten Schriften Heim- 
soeth's) gebührend gewürdigt und ein meist lesbarer text herge- 
stellt, wenn auch die behauptung auf einer täuschung beruht, 
dass das stück nunmehr et facüior intellectu et mendarum purior 
evadat quam ulla alia fabula Graeca. So manche stelle seines 
textes ist nicht zu verstehen und es ist auffallend, dass der 
nicht eben konservative herausgeber sich oft bei lesarten beru- 
higt hat, die als verdorben von anderen nachgewiesen worden 
sind. So, um nur zwei kurz zu erledigende stellen anzuführen, 
1254 neu [i7jv ayav y 1 "EXX-qv eniatapiai (fidziv, wo er yuug mit 
tongue übersetzt, was es niemals bedeutet. Denn cpdzig ist hier au- 
genfällig mit bezug auf naoExi'Tvrjg jj^tTJuSv ifimv gesagt und es 



48. Aeschylus Agamemnon. 77 

ist zu verbessern xal \xr\v Xaxs.lv y 1 'EXXtjv' iatozcifiai cpartv , in 
der entgegnung des chors aber xai yag za nvdoxgavza zu er- 
gänzen iniazazai, Xaxeiv "EXXtjva qäziv, vgl. 1132 ano de &s- 
acpazcav zig uya&a yüzig ßgoroig ze'XXezat; Sopb. Tracb. 822 
zovTtog zo &so7zq6txov sXaxsv. — V. 1414 ovdev zoö' av8gt 
7w5' svavziov cps'gcov wird mit anderen röV edirt und svavziov 
(ptQcov übersetzt ihough you voted untoward, was jenes nicht be- 
deutet: zoze ist nicht nötbig, vielmehr wird in freier gestaltung 
des gegensatzes chiastisch den androhungen das ovdsv, dem ifiöi 
das uvögi zw8s, dem vvv das og s&vas entgegengestellt. Das 
z68s ist aus zoiovSs entstanden und dann dvSgi eingesetzt wor- 
den: nväsv zoiovde zä>8' 1 svavziov (figcov , so dass nunmehr die 
gegensatze durch die Stellung der worte im verse richtig mar- 
kirt sind. — Sonst werden oft conjecturen, besonders eigene 
zu vorschnell aufgenommen, nicht nur höchst gewaltsame, wie 
984 snel ngo'v^vr^n 1 IScov iv t~v[ißoXoig qidofiaz^ cizag, sondern 
auch metrisch oder sprachlich unzulässige, wie 304 fii] fxsyaigsiv 
ftoi nvgog, 1238 sSoxsi, 1595 sxgvnz', ävco&sv oSgu. xgs'a xal 
öigfi 1 steig , 557 tjSeog fiegog, 714 Xafingwg &t]v. Richtig wird 
1322 ana'E, sz slnelv gijdiv »} ögyrov &sXco an gtjOiv angestossen; 
allein der Vorschlag slnelv %gi] nglv i) &gtjvov Xe'yco ist schon wegen 
des ng\v r\ unannehmbar. Es wird wohl slnelv coansgel ögrjvov zu 
verbessern sein; die übergeschriebene glosse gqaiv (gljaiv cöansgel 
&Qt]vov) hat das darunter stehende äansg verdrängt. Ebenso 
ist wohl tfxov zov avztjg aus anzq top auzijg durch das avztjg 
erklärende ipavzTJg entstanden. Im folgenden wird statt zoTg 
ifiolg tifxaoQoig, wofür ßaaiXs'oog, xoigdvov rifiaögoig vorgeschla- 
gen, Ssanozmv zifiaögpvg verbessert, was im gegensatz zu SovXyg 
passend ist, nur durfte zt^aogovg i%&goig tiveiv statt des vom 
Sprachgebrauch geforderten zipaogoig s%&gol>g zlvsiv nicht belas- 
sen werden. Einen befriedigenden gedanken erhalten wir durch 
die änderung: dsanözov zifxaogovg s'x&golg qiovsvat zovg z' spovg 
[xoXuv ofxov. Der Schreiber setzte durch das darüberstehende 
zifiaogovg verleitet, zumal der begriff der räche hier erforderlich 
schien, zivsiv statt /xoXslv, ferner wegen yovsvGi über zovg i/xovg 
die correctur zolg ifiolg, wodurch das darüberstehende dsanozov 
verdrängt wurde. Da Kassandra zugleich mit Agamemnon ster- 
ben soll, so ruft sie auf die in Order den rächer herab nicht blos 
für ihre ermordung, sondern auch für die Agamemnons, und 



78 48. Aeschylus Agamemnon. 

zwar zuerst den rächer ihres herrn, da dieser zugleich der ih- 
rige ist. — Die anderen correcturen von Davies mögen ohne 
weitere bemerkung hier aufgeführt werden. In den noten wird 
vorgeschlagen 17 diT(u?]Xot, specilli loco, 549 Ösanotcöv, comp, pro- 
verbium „absente domino strepunt servuli" ; in den text gesetzt: 
134 oaaov st. vixcp, 288 f^sv, t6 st. nsv'/t] ro, 313. 314 umge- 
stellt, 347 /Atj äfidgtni xaxtt, 365 vjisg aaaov, 369 sngal-av cbg 
ixQiviti', 397 8rj st. tävds „cultorem scilicet", 412 tuxqsgti oiyäg, 
arificog, a).oi8ogcoc, aStaz aSijfxoräv (obstupefactus) i8eh; 454 sv- 
xalot. (Hom. Od. 14, 479. H. Heph. 7), 458 70 %/., 478 ?* n 
üsiöv satt, [itj ov aacps'g; an divinum aliquid sit , ut ne sit recte 
intellectum, 561 ßoloi st. Sgöaoi, 562 iv frrjgäv tqi^i\ 570 Myco; 
t. £. ö° d. %orj' ?i'X>]?, 585 Isystv st. ftsXttr, 586 if*o(, 597 x«t- 
vovrrsg , inaugurantes } 707 itovtäg y\ 817 %sgaog , sterilis, 962 
rzXovTsiv st. ?x siv i 990 (iovwSeT, 1006 snaiasf ngbg dtp., 1009 
ö'xfoj', 1019 7t£ «>» 70Ä7' ayx., 1024 700^ qo#. .Zsiii,' dvdyuv av 
elg&v, 1041 fid^tjg &iysir, 1163 «» &q6ov, 1172 eftnelä ne'Scp, 
1221 7« CjtA., 1354 70 öpar, 1355 ä<9ß(T<xoj>7££, 1174 v. vpveig 
ansv^tov [*6gov, 1605 yäg ovv pe nal8^ «V, 1659 na&tlv ag^at 
z' üy.aCooov. 

49. Aeschylus Perser. Erklärt von Dr. Ludwig Schil- 
ler, prof. zu Ansbach. Berlin. Weidmann. 1868. 135 s. 8. 

Schillers einleitung zu den Persern (34 ss.) verarbeitet ein 
reiches material. Sie betrachtet die idee des Stückes, dessen ver- 
hältniss zu Phrynichos Phönissen und zur geschichte , die drei 
übrigen dramen der tetralogie, die abfassungszeit , die scenerie 
und den verlauf. Dieser ist jedoch in den Persern so einfach, 
dass die prosaische paraphrase, welche überhaupt bei tragödien 
die dichtung nur verwässert und das interesse der jugend 
abschwächt, hätte wegbleiben sollen. Aber auch in den übrigen 
partien war viel mehr zu kürzen: was soll z. b. p. 17 in dieser 
doch nur für angehende philologen bestimmten ausgäbe die er- 
wähnung derer, die eine masse komisches in den Persern ge- 
funden haben ? Es ist das ein grundfehler dieser einleitung, 
dass die neuere literatur ohne alle kritik benutzt ist: es war aus 
ihr nur das anzuführen, was mit wahrem nutzen von Jüngern nach- 
zulesen war, also nicht werthlose arbeiten, wie die von Bülau, 
Gruppe, Klossowsky u. s.w., dagegen durften treffliche ausführun^ 



49. Aeschylus Perser. 79 

gen, wie von E. Curtius, 0. Jahn, E, v. Leutsch, 0. Müller, Wel- 
cker u. a. nicht ignorirt werden: es ergiebt sich daraus nur, 
dass Schiller nicht selbständig die literatur verfolgt, sondern an- 
dre ausschreibt. Nur zwei punkte mögen zum beweise noch 
berührt werden. Es wird p. 2 flg. Phrynichos und sein ver- 
bältniss zu Aeschylos besprochen , aber da nur zu oft luftige 
hypothesen der neuern als historische data hingestellt, ein fehler 
der schlimmsten art, über den wir den deutseben philologen die 
Edinburgh review 1868, n. 255 (vgl. Pbilol. XXVII, p. 758) 
nachzulesen empfehlen: und so werden denn neuerungen des 
Aescbylos in bezug auf Phrynichos als sicher hingestellt , die 
ganz unsicher sind , der von 0. Müller ohne allen grund 
für die Pbönissen angenommene doppelchor kaum zurückgewie- 
sen, die s. g. doppeltitel ganz schwankend (s. Leutsch im Phi- 
lol. XIV, p. 187) beurtheilt : man sieht deutlich, eine umfas- 
sende Untersuchung über Phrynichos liegt den ausführungen 
Schillers nicht zu gründe : dafür hätte er ausser Leutsch 1. c. 
vor allem W. Dind. ad Soph. T. VIII, p. LIX sqq. ed. Oxon. 
benutzen müssen. So also kann man die ganze darstellung von 
Phrynichos nur verwerfen: merkwürdig, dass das grade bei ei- 
nem herausgeber der Perser sich zeigt, des Stücks, das von al- 
len erhaltenen des Aeschylos am nächsten an Phrynichos her- 
angeht: vgl. unt. n. 50. Eben so geht es mit der frage nach 
der trilogie, zu welcher die Perser gehören, p. 23 flgg. Nach 
unnöthigem reden über die ansichten von Welcker, billigt Schil- 
ler die ansieht dieses gelehrten : sie hat auch am meisten für 
sich. Aber hier musste Leutsch in Ersch und Grub. A. Enc. u. 
Glaukus, Sect. I, bd. LXIX, p. 193 benutzt werden, da nach 
ref. dieser abhandlung das verdienst bleibt , klar gezeigt zu ha- 
ben, wie weit in dieser frage man nach den quellen gehen 
darf: Schiller wird das zugeben, so bald er gesehen hat, dass 
die verse, auf die er seine ansieht besonders stützt: eis vxpv- 
kqtihvop . ., fr. 31 , 2 Nauck. , und £iTptööi> X'ijupi , fr. 39 N., 
nach beschaffenheit der jetzigen Überlieferung in den Glaukos 
IToTviev'g gesetzt werden müssen. Uebrigens musste Schiller 
Welckers ansieht aus dessen Kl. Sehr. bd. IV, p. 145 anführen 
und dess. A. Denkm. bd. V, p. 341 nicht übersehen. So könnte 
noch lange fortgefahren werden: aber dies wird genug seyn, um 
vorsichtigen gebrauch dieser einleitung zu veranlassen. 



80 49. Aeschylus Perser. 

Dies der anfang: das ende der ausgäbe bildet p. 129 „me- 
trisches" : löblich ist da, dass Schiller nicht auf eine ästhetische 
Schilderung der metra eingeht , wie nach Eossbach - Westphal 
sich z. b. im Sophokles von Gr. Wolff findet: s. Antig. 354 
und sonst: es ist das der reinste Schwindel. Es werden nun 
freilich die einzelnen verse nicht alle benannt und meist nur nach 
den gattungen charakterisirt, wobei der verf. das Rossbach- West- 
phalsche System zu gründe legt , aber für drei- und vierzeilige 
längen, für pausen, für aloya u. s. w. keine besonderen zeichen 
anwendet. Natürlich ist jedoch, dass die verse nicht immer be- 
nannt werden: der grund liegt in dem befolgten System. Es ist 
freilich jetzt mode, dies System unbedingt zu loben: aber geht 
man in die chöre und quellen selbst ein, wird man seine noch 
sehr grosse unvollständigkeit leicht finden. 

Nun noch ein wort über den commentar. Die anmerkun- 
gen sind zweckmässig , und berücksichtigen das sachliche wie 
den Sprachgebrauch in reichem maasse; weggelassen wünschten 
wir die stellen aus Shakespeare und anderen neueren. Aber 
für wen sind wohl solche bemerkungen nöthig : zu 14 ßaodijg 
attisch aus ßacilijeg , zu 302 fivgiag Innov collectiv , mit zwei 
belegen; zu 299 ein beleg für ßlinu qidog'i Manches ist auch 
nicht ganz richtig. So wird 14 ovts rig ayysXog o'vrs rig in- 
nsvg belegt mit milites equitesque. Indessen mil-it-, der tausend- 
gänger , bezeichnet vorherrschend den infanteristen der legion ; 
eher war anzuführen Soph. 0. T. 116 ovo'' uyysXog ttg oiiös 
avfiTTQOixtcoQ odov xatslde, oder a> &sol xal Zev u. dgl. — 
AgTacpQsvrig 21 soll eine Umbildung des Aeschylos sein. Nein; 
es enspricht der altpersischen form und wird jetzt auch bei He- 
rodot so geschrieben. Zu 459 ix isgäv nngoioiv rjgdoaovTO 
heisst es: „wie ix ßi'ag, s£ siog xslevGfiazog , ix fAtüg odov". 
Aber an unserer stelle ist das eh einfacher als in den belegen, 
und bedurfte gar keiner erklärung. 

In der kritik ist Schiller conservativ, macht nur selten con- 
jecturen, wie 564 <W z' 'laovmv ^'pottf für diu ö' (im text), 
414 agcoyrj 8q ovztg für ö' ovtig, 845 naiv* oder ütiv % slae'g- 
Xsuu ulyt] für saegxetat xaxa äXyi] , welche er wie andres im 
„anhang", p. 105 flg., bespricht. Den Med. hält er nicht für 
die einzige quelle, worüber in der einleit. p. 33 ganz ungenü- 
gend gesprochen wird. Ref. benutzt diese gelegenheit, ein paar 



49. 50. Aeschylos. gl 

ihm von Herrn. Sauppe mitgetheilte emendationen bekannt 
zu machen, die zugleich dazu dienen können, Schillers verfahren 
zu kennzeichnen : vs. 96 dient natürlich die Dareiosvase und 
ihre 'Andtrj (vrgl. Corp. Inscr. Gr. T. HI, n. 7447c) als com- 
mentar : daher ist andiij aus vs. 94 als subject zu denken und 
zu schreiben zum theil nach dem scholiasten, in dem nagaaaivu 
statt 7TQoaaivei zu lesen: (piXotcpgcav ydg nuQaaaivst, ßgoröv ei$ 
ägxvag äzag , so dass Seidler's ansieht bestätigt wird. — Da 
vs. 93 Tjvlaiaiv sl%ev M hat, so ist in vs. 192 dazu ein relati- 
ver Vordersatz herzustellen, also %/j fxlv. — Vs. 4^6 scheint 
das einfachste, oificoyt) für glossem zu nomv^aaiv zu nehmen und 
nach Hom. II. J, 450 dafür ev%G)lt] zu lesen. Sollte wohl auch 
v. 416 für naiovx 1 'idgavov Aeschylos geschrieben haben &quv- 
ovz" 1 s&gavov nach bekanntem gräcismus, so dass naiovx'' nur 
glossem zu ögavorio wäre? — Doch es ist die anzeige fast zu 
weitläufig geworden: aber es musste einmal gezeigt werden, wie 
viel selbst die bessern ausgaben jetzt zu wünschen übrig 1 lassen. 
1) [Die n. 48. 49. 50 sind von vier mitarbeite™ verfasst. — E.v.L], 

50. Fr. Heimsoethii de tragoediae Graecae trilogiis com- 
mentatio. Ind. schol. q. in un. Fr. Guil. Khenana per mens, 
aestiv. habebuntur. 4. Bonn. 1869. VIII s. 

Nach schönen Worten über unsern kürzlich entschlafenen 
Fr. G. Welcker kommt Heimsöth mit einem ebenfalls schö- 
nen Übergang auf die trilogie. Wer den vor allen von G. Her- 
mann über diese veranlassten kämpf erlebt hat, weiss wie we- 
nig anklang Welcker zuerst gefunden , wie Dissen und K. 0. 
Müller die ersten waren, welche den werth der entdeckung in 
vollem umfange erkannten (Welck. Nachtr. z. äsch. tril. p. 98) 
und wie selbige sich trotz aller Übertreibungen und verschiede- 
ner modificationen immer fester bei uns eingebürgert hat, wie 
sie also für die entwicklung der neuem deutschen philologie 
characteristisch geworden : daher wird man es mir, der ich den 
genannten im leben so nahe gestanden, nicht verargen, dass 
ich hier auf die sebrift meines bonner collegen genauer eingehe, 
obgleich derselbe öfter so dunkel geschrieben , dass ich für 
richtige auffassung seiner ansichten nicht überall einstehen kann. 

Nachdem p. IV die , welche die tragödie antiquissimarum 
tragoediarum rationes parum curantes aus dithyramben entstanden 

6 



82 50. Aeschylos. 

glauben, zurückgewiesen, wird bemerkt, dass die tragiker tra- 
ditas fabulas novo poesis generi adhibuisse, also mythen, und nur 
selten de rebus noviciis und da nur von dem genommen, quod summi 
in patriam fuerit momenti, veluti res Persicae: diese Stoffe elyricae 
publicae genere fabulas ad rem publicam pertinentes eomprehendente 
Bacchicorum festorum alacritate elicita seien vom chor in den er- 
sten tragödien vorzugsweise (p. V) so entwickelt ut fabulam ipse 
(der chor) narrando introduceret, sustentaret, ad finem perduceret, 
wovon Aesch. Agam. 40 flg. ein ganz klares beispiel gebe: 
der chor nahe daher auch die hauptrolle , der Schauspieler da- 
gegen zwar mehre partes deinceps sustinendas gehabt , aber non 
nisi in singidis eius (argumenti) partibus a choro instructis atque 
conexis agebat, cumque ea ipsarum fabularum a poetis epicis con- 
formatarum ratio esset, ut tribus potissimum temporis rerumque mo- 
mentis explicarentur , unius actoris rosig Xöyoi quam proprie sie 
dixeris loiloytav efficiebant. Dies die grundlage der tragödie des 
Aeschylos, also die des Thespis. 

Diese sätze werden auch durch Aristoteles u, a. zu stützen 
gesucht : wir bemerken gegen sie zunächst im allgemeinen, dass 
fälschlich alles, was Aristoteles von der ältesten tragödie sagt, 
auf Thespis bezogen wird , neben dem doch andre und schwa- 
che wie Choirilos standen; dass ferner einzelnen stellen ein zu 
umfassender und deshalb falscher sinn beigelegt ist, wie Poet. c. 6 
u-QXh i"**' **'&£ dann, dass es ein grundfehler , von der vol- 
lendeten form einer poetischen gattung auf deren anfange zu 
schliessen , daher Aesch. Ag, 40 nichts beweisen kann , freilich 
auch noch aus andern gründen ; auch halten wir das abweisen 
des dithyramb für ungerechtfertigt, da er entschieden tragische 
elemente enthält, wie den TQuymog rqönog des Arion (Suid. s. 
' \s4oioov) — nur darf man den ganzen dithyramb nicht plump 
hierher ziehen, sondern nach Arist. Poet. c. 4 nur die i^do- 
Xorreg zöv dt&voctfißov (Piniol. Suppl.-bd. I, p. 70), auch nicht 
vergessen , dass analoges im hyporchem (Götting. Gel. anz. 
1855, st, 18, p. 172) und andern lyrischen gattungen erscheint 
— , die unterredner mit dem chor , Satyrn u. a. ; endlich 
ist Thespis kein anfänger in dem sinne der neuern, sondern ein 
vollendeter künstler, wie Sappho, Alkaios, Ibykos, Lasosu. s. w., 
wie namentlich seine so lange im- volke lebenden tanze (Athen. 
I, p. 22 A, Aristoph. Vesp. 1543: Grundr. der Metrik p. 384) 



50. Aeschylos. ß3 

beweisen : — und schliesslich darf bei Untersuchungen der art 
nicht wie Heitnsöth thut allein die poesie , sondern es muss 
auch die ganze Zeitgeschichte scharf ins äuge gefasst werden. 
Dies im allgemeinen ; wenden wir uns nun speciell zu Thespis, 
den doch wohl der verf. p. IV. V allein im sinne hat, so war 
vor allem andern das grösste gewicht auf die abstammung des- 
selben aus Ikaria zu legen: ■zQayixo) %oqoi daselbst erhebt 
er, vielleicht durch die komischen veranlasst, zu einer kunst- 
stufe, und gelangt zur Vollendung seiner art ol. 61 in Athen 
dadurch, dass seine poesie, TQaycpdia, agonistisch wird: es 
folgt das nicht allein aus Plutarch. Sol. 29, einer stelle, welche 
aus trefflicher quelle geschöpft, vollkommnes zutrauen verdient, 
und Suid. s. XoiqlXos, sondern besonders daraus, dass ol. 61 
des Peisistratos dritte tyrannis beginnt : dies factum, dass Thespis 
äyanartjg, hat auch Marm. Par. ep. 43 erwähnt, die von Böckh 
also nicht richtig ergänzt worden. Die vollendeten stücke des 
Thespis beginnen nach Aristoteles (Themist. Or. 26, p. 316 D) 
mit dem nooXoyog, den — das müssen wir zugeben — sowohl 
der chor singen , als auch der Schauspieler vortragen konnte : 
auf ihn folgte Wechsel von chorliedern und gtjaeig des Schau- 
spielers, wonach letzterer also — vrgl. Qtjasig dyysXixai — auch 
erzählte: durch beides werden Heimsöth's obige annahmen auf 
das bestimmteste widerlegt. Uebrigens konnten die Qyasig als 
monologe gedichtet, eben so aber auch, und so vielleicht öfter, 
an den chor gerichtet sein, so dass ein verkehr zwischen chor 
und Schauspieler entstand und darin, wie in der Verschiedenheit 
der chorlieder, nicht in dem darstellen verschiedner personen 
durch einen Schauspieler (eine behauptung, die sich nicht si- 
cher beweisen lässt) , liegt die mannichfaltigkeit dieser neuen 
gattung : woraus denn schliesslich folgt, dass die erste von Heim- 
söth fingirte bedeutung von rgdoyicc , die doch eigentlich nur 
eine Spielerei ist, jedes fundamentes entbehrt, zumal da in ihr 
gar nichts für die neue gattung characteristisches läge. 

Ist also das fundament, auf dem in dieser Schrift das wesen 
der äschyleischen kuastform der trilogie errichtet werden soll, 
wenigstens nach meinem dafürhalten kein festes, so kann auch die 
entwickelung des wesens selbst nicht gelungen sein. Es ist ge- 
wiss falsch, dass, wie Heimsöth annimmt, Aeschylos der erfin- 
de r der trilogie sei, ebenso, dass lediglich eine vis dramatica 

6* 



84 50. Aeschylos. 

zur trilogie geleitet habe: iam vero quae tragoediam eo per- 
duxerat ut res reapse geri viderentur eadem vis dramatica adsper- 
nabatur quodcunque verae verum gestarum imitationi obstdbat itaque 
Aeschylus simul chori partes ita deminuit (tßdrtmat ta tov xoqov), 
ut illum ubicunque fabulam narrando sustentaverat removeret, ni- 
mirum partes argumenti temporum ac personarum diversitate hiantea 
ille canticis suis copulaverat. rescissis igitur quibus antea fabulae 
•partes non cohaerentes conligabantur ligamentis, tres exstiterunt am- 
plioris argumenti partes seiunctae ac separatae. Sic tragoediae 
forma orta est, quam trilogiam nuncupamus quamque ea parte 
Aeschyleam adpellare licet, quatenus Aeschylus summus progre- 
dient tragoediae auctor fuit, p. V. VI: es ist, wie gesagt, ohne 
alle frage unrichtig, aus dem wesen des drama allein die ent- 
stehung derartiger erscheinungen , wie die trilogie zu erklären, 
indem auf diese die feste, der Staat, der volkscharacter, die cul- 
turstufe, die begabung einzelner dichter, auch gar nicht a priori 
zu berechnende umstände — hier vor allem die neue art des 
Vortrags der homerischen gedichte — einwirken , so dass 
der hier eingeschlagene weg als unhistorisch zu verwerfen, und 
endlich, was wird denn hiernach aus Phrynichos? Dieser ist 
doch nach den alten der eigentliche Vorläufer des Aeschylos, 
und somit der erfinder der trilogie (vrgl, ob. nr. 49) ; so viel 
die alten auch von den neuerungen des Aeschylos in der tra- 
gödie zu erzählen wissen, wer sagt denn, dass er die trilogie 
oder tetralogie erfunden habe? Schon als ich den kleinen auf- 
satz im Philol. XIV, p. 187, den W. Dindorf ignorirt, 0. Jahn 
und K. Wachsmuth ganz falsch beurtheilt haben, schrieb, wollte 
ich ihm den von mir auch bei Droysen vermissten beweis, dass 
Phrynichos in trilogien oder tetralogien gedichtet, anfügen : aus 
gar verschiedenen gründen habe ich es unterlassen. So ist also 
Aeschylos nur der weiterbildner der form des Phrynichos (Aristoph. 
Ean. 1298), hat sich, wie die Perser (s. ob. n. 49) zeigen, 
zuerst eng an diesen angeschlossen, dann aber, freier geworden, 
die grossartige form, wie sie in der Oresteia am vollendetsten 
vorliegt, geschaffen: von ihr aus darf man also die ganze trilogische 
kunst nicht bemessen , wie ich glaube zuerst (Ersch und Grub. 
A. Encycl. I, bd. LXIX, p. 211) gesagt zu haben: denn vor 
ihr liegen noch andre stufen. — Nachdem p. VI noch das schwei- 
gen des Aristoteles über die trilogie zu erklären versucht wor- 



50. Aeschylos. — 51. Sophokles. 85 

den, bespricht Heimsöth den von Sophokles bewirkten fortschritt, 
berührt auch den Euripides kurz, kommt dann auf Arist. Poet. 5 
vno pilnv tzsqIo8ov jjXiov arX. und schliesst mit erläuterung eines 
sich auf den Prometheus beziehenden, aber werthlosen scholions : 
man möchte wünschen , dass das so beachtenswerthe programm 
dem anfang entsprechender schlösse. E. v. L. 

51. Schedae critioae in Sophoclis TracMnias. Scripsit ex 
programmate Regii gymn. Dusseldorpiensis [a. 1868] repetivit — 
Alb. Zippmann. 4. Typis expressit L.Stahl. 1868. 16 S. 

Dass in den werken des Sophokles das reine metall noch 
vielfach verschüttet liegt, steht eben so fest, als dass von denen, 
welche danach schürfen, die meisten es ohne glück thun. Mit 
glück that es A. Zippmann in seinen Atheteses sophocleae (Bonn, 
1864) und auch dies neue schriftchen empfiehlt sich durch fei- 
nes eingehen in die weise des dichters und sichere kenntniss 
desselben. Behandelt sind v. 100 [nozwfiiva f. tvo&oviievu), 115 
fg. [intövt 1 av iSoi — TQs'nsi — «£«t für Iniovra % i!8oi — tqe- 
q>si — av\u der codd.) , v. 131 (nur nachweis, dass das über- 
lieferte aloXa nicht richtig sei, ohne eigenen Verbesserungsver- 
such), v. 145 [^cogoig atavXov f. %ojqoiciv avTOv — schon Athet. 
soph. p. 42 als thesis aufgestellt) , v. 400 ff. über die versfolge 
(gegen Nauck), v. 547 ff. (ögä — mv ö' — oy&aXpov — too^ö* 
für 6qw — £0*- — ocp&aXpbg — zmv ö'), 716 f. (niXag i.n&Xag). 
Davon ist die vertheidigung der überlieferten folge der vv. 400 
ff. überzeugend, richtig auch die Verwerfung der jetzt allgemein 
aufgenommenen vermuthung Erfurdts l'8r} v. 115, das man nie 
bei Sophocles hätte für möglich halten sollen; ob aber sniövt 
av oder xvuar* av das richtige sei, bleibt zweifelhaft; dass v. 
131 alöXa wohl nicht des dichters sei, ist ebenfalls höchst wahr- 
scheinlich. Die übrigen vermuthungen haben bei aller Sorgfalt 
der erörterung nichts einleuchtendes: nozmixsva v. 100 ist nicht 
besser, als ähnliche andere, zqetzei — a£si v. 115 f. stehn und 
fallen mit der ansieht, dass Herakles selbst mit dem meere, 
sein gehn und kommen mit ebbe und fluth verglichen werde ; 
da die gleifihung Herakles rr: meer [nolvnovov akk. des adjeeti- 
vums, nsXayog Kqrjaiov akkusative) unmöglich scheint, so fällt auch 
jene vermuthung. — V. 145 wäre fvavXov ein müssiger zusatz: 
warum nicht iv roioiads - — %coQOiaip avtov , wenn man roioiaös 



86 51. Sophokles. — 52. Euripides, 

auf das vorhergehende bezieht (wo man solcher sorgen un- 
kundig ist), heissen könne: dennso sind der jugend be- 
zirke, die nur ihr gehören, wo sie nur sich gehört), 
ist noch nicht erwiesen. — V. 547 steht gegen Zippmann's auf- 
fassung, dass Deianira Herakles untreue nicht erst fürchtet, 
sondern als vorhanden annimmt (v. 536), auch sind die für aqt- 
agna^siv hinreissen angeführten stellen nicht beweisend. — 
V. 716 würden die Athener schwerlich verstanden haben, dass 
dtsl&cop al^azog nelag in das blut eindringend heissen 
solle. H. S. 

52. Exercitationes criticae imprimis in Euripidis frag- 
mentis. Scripsit 0. Hense. Halle. 1868. 8. 66 s. 

Der Verfasser, ein schüler Bergk's, bespricht in dieser ver- 
ständig geschriebenen doctor - dissertation eine anzahl von ver- 
derbten bruchstücken griechischer tragiker, besonders des Euri- 
pides, und theilt nach der art dieser Verderbnisse den stoff in zwei 
abschnitte; in dem ersten behandelt er solche corruptelen, die 
lediglich durch nachlässigkeit der abschreiber entstanden sind, in 
dem zweiten solche, wo interpolirt scheint. Er ist sich dabei der 
Schwierigkeiten seiner aufgäbe wohl bewusst ; denn bei diesen ab- 
gerissenen stücken hält es oft schwer auch nur den sinn sicher 
zu stellen und daher können die vorgeschlagenen conjecturen 
meistens nur auf Wahrscheinlichkeit ansprach machen. Beach- 
tenswerth sind darunter Eur. fr. 198, 4 svöalpova, als späterer 
zusatz gestrichen, 221, 2 avrol st. yvoo/xq (indem dies als glosse 
zu tyvxii im folgenden verse betrachtet wird), 264, 2 &eoi st. 
sl, 328, 8 svysvslg st. olßioi, Chaer. fr. 37 (p. 614 N.), 3 iv 
ds ö<a/iaaiv; auch der Vorschlag Soph. fr. 398, 2 vvl;, svna- 
&ovv7i ö' sv&vg TjfisQa cpavsi lässt sich hören, obwohl das futu- 
rum cpavsi unpassend ist und daher etwa cplsyst (Soph. Ai. 673) 
geschrieben werden müsste. Anderes bleibt sehr unsicher ; so 
kann man fr. ine. 313 eben so gut an ovx, wie an nmg oder 
uq\ denken; Eur. fr. 1046, 3 wird man vielleicht eher cpvXda- 
govt* s^apciQTUfsiv als cpvXdoaeiv x«r' i^afiagrdvsiv schreiben. 
Manches ist entschieden verfehlt, so z. b. die conjeÄur Eur. fr. 
53, 8 v6[icp ds yavQOv av&* o xqclipsi %Quvog | i^aXeirpsi ndXiv: 
denn so wird eine angebliche lücke nach v. 8 ergänzt; vo/xcp 
gehört hier sicher nicht zu yavgov, sondern zu xquivei und be- 



52. Euripides. 87 

deutet „nach dem brauche , nach der Satzung der menschen" : 
ferner der Vorschlag Zopyr. fr. (p. 646 N.) sv cpgoväv st. svzv- 
%(bp (etwa sv jv^cop?); ganz abgeschmackt ist svxoXoioi Eur. fr. 
442, 3 st. £vQv&[i.oici oder svgoowi, von welchen lesarten die 
letztere immerhin richtig sein kann. Das tgaymov lnsi.a68i.ov 
bei Stob. Flor. 105, 51 (fr. ine. 462, p. 724 N.) halte ich für 
eine kleine gnomologie , die neben echten versen spätere fabri- 
kate enthält. Eur. fr. 664, 2 habe ich älcpdvei ßgozotg schon 
längst im Philol. XX, 491 vorgeschlagen. 

Gelegenheitlich behandelt der verf. auch stellen aus den 
erhaltenen euripideischen tragödien , wobei sich manche hübsche 
emendation ergibt, z. b. Suppl. 573 iya novovg , Iph. Aul. 909 
rzgog yeveiddog de, ngog as. Anderes ist unsicher, wie Iph. 
Taur. 419 apoioog oder uxlqoog olßov (etwa ansigog olßov?) 
oder Phoen. 1596 st zw" 1 dXXcov dv&ganuiv nozs: vielleicht tag 
expavaag . . . et ziv 1 uXXov av&gcöntov i/xs? t wodurch die bezie- 
hung des folgenden relatives klarer hervortreten würde. Anderes 
haben andre, z. b. Iph. Taur. 373 Köchly, wie Hense emendirt. 
Verfehlt aber ist Iph. Taur. 353 uvzol ngiv sv ngd^avzsg (der 
sinn erfordert vielmehr, wie Kirchhoff erkannte, avzolg xuxmg 
ngd^aaiv), 731 py dnovoaepiaug %&ovog (was sich durch die be- 
rufung auf Soph. Oed. tyr. 460 nicht rechtfertigen lässt), Suppl. 
352 avzov eig avzagiiav (ich entscheide mich für Nauck's ix 
fiovagiiag, möchte aber zugleich avzov in avzog ändern) u. s. w.; 
am schwächsten sind einige emendationen von aesehyleischen 
stellen ausgefallen , auf die wir hier nicht weiter eingehen. — 
Die von Bergk dem verf. mitgetheilten conjeeturen sind ohne 
bedeutung. — In dem sonst sehr correcten lateinischen stile be- 
rührt unangenehm das öfter gebrauchte „solummodo". 

53. De canticis Euripideis curas seeundas F. V. Fritz- 
achi us praemisit. (Specimen primum.) Ind. leett. in. ac. Rostocb. 
sem. aestivo a. MDCCCLXIX . . habendarum. 4. 1869. 8 s. 

Nach einem erguss über die neuern philologen, welche me- 
trik und rhythmik treiben, — ich wünschte ihn als die Wis- 
senschaft in keiner weise fördernd weggelassen — behandelt 
der vf. Eur. Phoen. 291 — 354 zum dritten mal, nämlich nach 
de Monod, Eur. Comm. I, p. 31 (1842) und Philol. XI, p. 322. 



88 53. Euripides. 

Als probe heben wir den anfang heraus , den Fritzsche so schreibt: 
291 w (SvyyivHct iav , Ayr l vogog nxvtav 
Iftwv TVQÜwioy , wv amaxähnv vno 
yovvnaeig tdgag ngognkvoi a', 
«Wf , rbv oXxo&sv vöfiov atßovßa. 
295 tßfts, tßas w XQ°VQ> y&v nargwav Iw 

nörvitt fiöXe ngödgofiog, äfinixacov nvXag. 
xXvag w Tixovca xövd' tu /uaxtg; 
ri fj.iXlag vnwgoyu fiäXafrga negav 
&iyilv i (oXsvcug xexvov ; 
Die stelle gehört zu den leichtern: von A ist Fritzsche abgewis 
chen in 295, wo im im A, in 296 atanhaaov A, afinezaoov 
Bund editt., 297 rovSe fiarsg codd.: von den gründen der vers- 
abtheilung hört man nichts. Sie ist aber zu verwerfen: es ist 
vielmehr zu schreiben : 

— • — v — v — v — v—v — 1 üj avyyevtia rwv 'Ayqvogog rixvav 
v— v — — — v — v—v — ifitSy xvgdvvwv, wv dneaxaXtjy vno 

vvv—v — —— — — v — yovvnstiig Mgag ngognixvca o', ava^, 

v—v — v — v—tv tov olxo&sv vöfiov cißovaa 

5 v — ' — v—'—v — i — 5 sßccg, w XQ° y< P Y® v naigipw 

lä> liu, 
nöxvia fxöXi ngo&gofiog, ctf/nixacov nvXag. 



v— v — 

V VV VV V vv — VV— V — 



t>— i — v—v — v — <v xXvag w rexovöa xövde fxaxsg ; 

-^^ 10 ri /uiklag vnwgo(fa [isXa&ga nigav 

V——V — WWW — 

10 v— — i v — v—iv &tyüu t diXivcuoi xixvov; 

nur im letzten verse bin ich in mXsva i a / von den codd. abgewichen. 
Den ersten theil bilden vss. 1 — 4: der letzte ist als schluss und 
trimeter r= 18 moren anzusehen: s. Bergk ad Poet. Lyr. Gr. 
praef. p. VIII sqq.: dann folgen zwei distichen, je einen syn- 
copirten trimeter und eine periode aus zwei dochmien enthal- 
tend , der erste unterbrochen durch ein epiphonem : darauf der 
volle schluss, dem vs. 4 gleich, nur in der innern katalexis abwei- 
chend. Also iambische trimeter wechseln mit dochmien : damit 
war wahrscheinlich Wechsel des tactes verbunden. So erst kann 
meines erachtens diese Strophe ein musiker verstehen. — Die 
monodie Iokaste's zerlegt Fritzsche in sechs Strophen, deren verse 
er öfter neu aber ohne angäbe der gründe ordnet ; die in der 
vorrede so betonte ars critica zeigt sich fast nur in bedenklichen 
Zusätzen, wie 409 ft s de'gar, 318 rexot,', i/xor zexog, 324 de 



54. Euripides. 89 

cpageoov, 346 v6[ii\iov <ag ngsnei, 350 cloagog 6 8 q et Gag, in 
314 ist Umstellung versucht: anavta j nag noXvelixrov aöoväv | 
xal x s Q a ' * (tl höyoiaiv \ ixelos htk.: vs. 349 wird saodoi, Schema 
Pindaricum, mit Aesch. Pers. 49 vertheidigt, wo auch Schiller 
das interpolirte arsvvrai statt gtsvzui fälschlich beibehalten. 

E. v. L. 

54. Die Tragik des Euripides. Studien von Eduard Pfan- 
der. I. Ueber Eur. Bakchen. Erstes heft. Bern 1868. 4. 41s. 
Diese arbeit, ein besonderer abdruck aus dem programme 
der Berner kantonschule, behandelt die oft besprochene frage 
über die tendenz der Bakchen. Der verf. tritt nun scharf ge- 
gen die von Bernhardy und Nägelsbach vertretene ansieht auf, 
dass Euripides in diesem drama die sophistik habe bekämpfen 
wollen. Er selbst meint, dass Euripides, obwohl er vielfach im 
entschiedenen gegensatze zur volksreligion stand, doch in man- 
chen puneten mit dem factischen eultus harmonirt habe. Ein 
solcher punet sei nun eben die Verehrung des Zeussohnes Dio- 
nysos mit ihrem enthusiasmus einerseits , andererseits mit ihrem 
Unsterblichkeitsglauben in verein mit den mysterien, und hier 
hätten die aufgeklärtesten und gebildetsten unter den Hellenen 
mit dem factischen eultus übereingestimmt (s. 8). Damit ist 
das räthsel sicher nicht gelöst. Indessen das lässt sich nicht 
leugnen, dass auch die ansieht von Bernhardy und Nägelsbach, 
welche auch ich früher vertreten habe, nicht vollkommen befrie- 
digt. Ich meine, man muss bei Euripides zwischen dramen un- 
terscheiden, welche ganz oder doch vorherrschend im sinne des 
rhythos gedichtet sind, und jenen, wo die eigene anschauung des 
dichters mehr in den Vordergrund, der mythus mehr in den Hin- 
tergrund tritt. Ein stück der ersteren art sind die Bakchen. 
Wollte Euripides sie im geiste des mythus dichten, dann konnte 
die ausführung keine andere sein, als wie sie uns in dem drama 
vorliegt. Denn die bakchische religion fordert mehr als jede 
andere eine Verzichtleistung auf die skepsis, sie fordert die voll- 
kommenste gläubige hingebung. Und das ist es eben, was Eu- 
ripides in seinem drama so sehr betont. Uebrigens tritt auch 
hier die rationalistische richtung des dichters hervor, wie der 
versuch einer umdeutung des mythos von der geburt des Bak- 
chos darlegt (vss. 286—297, die Pfander mit Dindorf für unecht 



90 55. Xenophon. 

erklärt, obwohl diese etymologie nicht viel anders ist, als der 
Öoi/Qsiog Innog Troad. 13 f.) und noch mehr die schneidende 
ironie in den versen 333 — 336, welche freilich gleichfalls als 
unecht beseitigt werden sollen. 

Sonst enthält das programm, welches der Vorläufer einer 
grösseren arbeit über diesen gegenständ sein soll, manche be- 
achtenswerthe bemerkung, wozu ich besonders das über die 
person des Pentheus gesagte (p. 12 ff.) zähle. Ausser den be- 
zeichneten versen will der verf. noch 284 f. mit Dindorf, 300 f. 
mit Härtung, 316 (den Stobäus LXXIV, 8 fortlässt und Kirch- 
hoff verworfen hat), endlich noch 242—245 und 302—305 als 
unecht verwerfen. Wohin will aber Pfander, um nur eins zu 
bemerken, wenn er 242 — 245 ausstösst, ravra (v. 246) bezie- 
hen? Einmal ist auch ein kritischer versuch gemacht, der "aber 
übel genug ausgefallen ist, es wird nämlich v. 314 ff. geschrie- 
ben : ov Aiovvaog (!) firj acoqiQoveiv ävayxcicei j ywaixag slg zr)v 
Kvtiqiv, alk' sig ttjv cpvaiv (so mit Stob. LXXIV, 8) | tovtcov 
axonslv iQr\. Ist v. 316 wirklich unecht, so könnte man ver- 
muthen: ov%i Aiovvaog fxr) ygovelv (oder (ir) sv qsqovtlv mit 
Nauck) avayxaau | yvvawag slg rijv KvnQiv dXla zovv qivasu — 
Die darstellung ist eine der populären abhandlung entsprechende; 
seltsam ist „vor allem aus" statt „vor allem" (p. 11). 

55. Xenophontis Anabasis. Ed.C.Schenkl.Berol.Weidm.1869. 

Der herausgeber folgt dem codex Parisinus C, „zwar nicht 
ganz so ängstlich wie Rehdantz und Breitenbach'' — er nimmt 
indess eine ziemliche anzahl lesarten mit ersterm aus pr. C und C 
auf — , „aber mit mehr respect als Dindorf," welchem Schenkl 
sonst in der orthographischen uniformität sich anschliesst. Die an- 
not. critica bietet fast alle abweichungen dieser handschrift, aus den 
übrigen Codices aber nur die kritisch wichtigen , dazu die namen 
der gelehrten von welchen die gegen die Codices aufgenomme- 
nen änderungen herrühren, und einzelne beachtenswerthe ver- 
muthungen theils anderer theils eigene ; in summa also ungefähr 
das nämliche, was (hie und da vollständiger durch begründun- 
gen) die schöne vorrede der von G-. Sauppe 1865 bei Tauchnitz 
besorgten ausgäbe enthält. In dieser kurzen annotatio steckt aber 
ein umfangreicher fleiss , .ein richtiger — vielleicht gegen die 
holländische kritik, wo sie flach wird, zu nachgiebiger — tact 



55. 56. Xenopbon. 91 

bei der auswahl, und eine wohlthuende kritische besonnenheit, 
auch darin sichtbar, dass der von Schenkl zuerst verglichene, 
mit D stimmende codex V(indobonensis) darum und obschon er 
ganz allein siebenmal das richtige bietet — man denkt un- 
willkührlich an einen des griechischen wohl kundigen Schreiber 
' — nicht überschätzt wird-, weniger glücklich ist die conjectural- 
kritik: selbständig d. h. allein hat. Schenkl den text, mit eini- 
gem anhält an die Codices etwa sechsmal, gegen die Codices viel- 
leicht vierzehnmal geändert (in der annotatio noch etwa sechszehn 
änderungen vorgeschlagen) ; ausserdem verdächtigt er gegen die 
codd. ungefähr an siebzehn stellen ein oder mehrere Wörter und 
setzt — was doch sehr bedenklich ist — dem texte etwa an sechs 
allein (an zwölf mit anderen) einzelne Wörter zu und schlägt drei 
solcher zusätze in den noten vor. — Alles zusammengefasst 
ist die ausgäbe ein sehr handliches exemplar des auf umfang- 
reiches wissen und forschen ebenso wie auf gesunde kritik ge- 
stützten textes , zu welchem die leicht übersichtliche annotatio 
nicht bloss die beglaubigung bietet, sondern auch anregung zu 
weiterem nachdenken. Denn am abschluss sind wir noch lange 
nicht; aber der kämpf wird sich mehr um einzelne stellen dre- 
hen; z. b.: die lesart der guten codd. V, 4, 12 itultbv .. s(mqo- 
a&ev fisf l6y%ijv, 's (in qog & sv de zov ^vXov cyaigoeidsg verwirft 
mit der neueren kritik auch Schenkl und schreibt onia&sv 8s : 
hat er denn niemals die lanzen der polnisch-österreichischen 
lanciers gesehen? V, 1, 1 lastet auf dem von allen codd. ge- 
botenen sni &aXazzav itjv Iv zw Ev^eCt>(p tiovicq eine dop- 
pelte Verwünschung der neueren kritiker. Hat denn niemand 
Herod. II, 23, 1 oder Thucyd. II, 96, 1 gelesen? 

56. Ad. Brennecke, De authentia et integritate Cyne- 
getici Xenophontei. Diss. inaug. Breslau. 1868. 52 s. 8. 

Im gegensatze zu den urtheilen einzelner neuerer kritiker, 
welche den Kynegetikos nicht als xenophonteisch gelten lassen 
wollten, versucht der verf. vorliegender dissertation dessen ächt- 
heit im ganzen zu erweisen. Das resultat eines solchen Versuches 
wird im allgemeinen nur ein negatives sein können, insofern man 
darin die gegen die ächtheit vorgebrachten bedenken wider- 
legt oder nachweist , dass solche nicht vorhanden sind ; ein po- 
sitiver beweis aus der Übereinstimmung des Charakters der 



92 56. Xenophon. — 57. Polybios. 

fraglichen schrift mit anderen anerkannten Schriften desselben 
Verfassers wird nur selten sicher zu führen sein. Jedenfalls be- 
darf es nach beiden richtungen der speciellsten Untersuchungen 
nach inhalt und form. Derartige Untersuchungen lässt unsre 
schrift aber fast ganz vermissen. Denn die blosse aufzählung 
von hunderten von Wörtern, die Xenophon anderweitig nicht oder 
in anderer bedeutung gebraucht oder die gar hier allein zu fin- 
den sind nützt wenig, wenn man, wie der verf., alle darau3 
entstehenden bedenken damit abfertigt, dass man kurz bemerkt, 
diese Wörter seien auch theilweis bei anderen gleichzeitigen oder 
spätem Schriftstellern zu finden. Auch die Schwierigkeiten, 
welche inhalt und form des textes bieten, werden in allgemeinen 
Wendungen als nichts beweisend bezeichnet. Ganz unbedeutend 
ist der versuch nachzuweisen, dass die abfassung der schrift mit 
des Xenophon sokratischer richtung übereinstimme, so wie die 
allgemeine bemerkung, dass die darstellung dem von Xenophon 
befolgten genus humile angehöre. 

Speciell behandelt sind dann anfang und schluss der schrift. 
Der erstere cap. I, 1 — 17 wird für unächt, der letztere für acht 
erklärt. Im ersten capitel erregt dem verf. die liste mythischer 
jäger bedenken und besonders die erzählung vom Aeneas §. 15, 
von der er meint, dass sie historiae fide carere und darum nicht 
vom Xenophon geschrieben sei; vielleicht wäre er andrer 
meinung gewesen , wenn er gewusst hätte , dass dieselbe erzäh- 
lung sich bei Diodor (Exe. de virtt. p. 546) und Aelian (V. H. 
HE, 22) findet. Am übelsten ist dem verf. die vertheidigung des 
epiloges gerathen, in der er so weit geht, dass er da3 wüste 
gerede des cap. XIII auf rechnung des eifers setzt , durch den 
Xenophon in solchen zorn gerathen sei, ut paene loqui nonpossit 
prae ipso ardore negue ullam verhorum et numerorum -rationem 
habeat. Eine förderung der kritik der betreffenden schrift kön- 
nen wir in der dissertation nicht finden. 

57. Polybii historia edidit Lud. Dindorfius. Vol. IV. 
8. Lipsiae B. G. Teubner 1868. XXIV, 176 u. 235 ss. 

Mit dem vorliegenden bände, welcher die reste von buch 
XXXI — XXXX, die fragmente aus Suidas und die indiees um- 
fasst, hat die Dindorfsche ausgäbe des Polybios ihren abschluss 
erreicht. Vorausgeschickt ist noch eine kurze vorrede welche 



57. 58. Polybios. 93 

retractationen von stellen aus den früheren büchern enthält, 
meist um den hiatus zu beseitigen. Auffallig ist, dass der her- 
ausgeber erst beim schluss seiner arbeit von Benselers buch 
über den hiatus kenntniss erhalten zu haben scheint, ja die für 
den hiat bei Polybios im Philol. XIV, p. 288, XV, p. 152 so wich- 
tigen und gründlichen Untersuchungen von Hultsch sind ihm auch 
noch jetzt unbekannt geblieben. Dass der text gegen die frü- 
heren ausgaben manche erhebliche besseruug — auch abgesehen 
von den blossen orthographicis — aufweist , versteht sich bei 
einem so gewiegten kritiker wie L. Dindorf ist von selbst. 
Nur ist zu rügen die bequemlichkeit , mit der er sich der Ver- 
pflichtung von seinen änderungen dem leser rechenschaft zu 
geben entzogen hat. Oder hätte er sich etwa diese aufgäbe für 
eine besondere schrift reservirt ? 

Natürlich ist für den ährenlesenden kritiker in diesen zum 
theil unheilbar verderbten partieen des Polybianischen werkes 
noch eine reiche ausbeute übrig geblieben. So sind z. b. 
XXXI, 7 , 5 die worte y.al yäg ideoxa&' v/xsls aizd tw ö^'juq), 
[xetol ^dgizog tt]v svvoiav, xal %aQl^ovzag avza xaza Xoyov e8o~ 
hsizs zovzo nqdzzuv , unmöglich richtig; es ist zu lesen: (iura 
%dgizog zijg Evvotag, %ul dno%u>Qi£ovzsg uvzd azl. Ebendaselbst 
§. 20 zu ende ist mindestens vor den Worten xa/ inoirjaavzo z\v 
nQog 'Pafiatovg avfxfAapav ein kolon zu setzen, wenn man nicht 
vorzieht mit beibehaltung desselben subjects zu schreiben: neu 
iftoitjffat' ztjv rzgog 'Podiovg avufxa^iav. In den fragmenten hat 
Dindorf manches ungehörige ausgemerzt; er durfte aber darin 
noch weiter gehen: fr. 155 z. b. £7« 6%&ov zivog anozopov 
nai nsQiQQwyog etzszeC^i^ov avzoTg q>QovQiov Ixatbv cpvXuzzso&ai 
roauvzy gzquzik, hat mit Polybios gar nichts zu schaffen: die 
worte stehen bei Dionys. Halic. Ant. rom. IX, 15. 

58. Polybii Historiae. Edidit Frid. Hultsch. Vol. I. II. 
8. Berolini ap. Weidmannos. 1867. 1868. IX, IV, 663 ss. 

Mit aufrichtiger freude begrüssen wir diese beiden ersten 
bände einer neuen ausgäbe des Polybios , welche uns endlich 
auch den handschriftlichen apparat zu diesem Schriftsteller im 
wesentlichen mitzutheilen verspricht. Hinfort wird man nicht 
mehr nöthig haben jedesmal auf die Schweighäuserische ausgäbe 
zurückzugehen •, denn die Variantensammlung der Bekker'schen 



94 58. Polybios. — Theses. 

ausgäbe war ja nur ein mit grosser flüchtigkeit und ungenauig- 
keit angelegtes excerpt aus den noten Schweighäusers. Hultsch 
hat dagegen für die vorliegende textesrecension die beiden in 
der ersten hälfte der Polybianischen reste massgebenden hand- 
ßchriften, den Vaticanus 124 und Urbinas 102, theils selbst ver- 
glichen , theils von freunden vergleichen lassen. Für die Orsi- 
nischen excerpte nsol noiaßscov sind die beiden münchener 
abschritten benutzt ; hoffentlich wird es dem herausgeber möglich 
sein in den spätem büchern auch die mailänder handschrift so- 
wie Orsini's handexemplar, welches in" Rom und Neapel sich be- 
findet, heranziehen zu können. Desgleichen ist ihm für die Va- 
lesianischen excerpte eine von Wollenberg angefertigte verglei- 
chung der handschrift von Tours zur Verfügung gestellt, so dass 
die kritik jetzt nach allen seiten hin festen boden unter den 
füssen haben wird. In den vorliegenden büchern , es sind die 
ersten acht, hat natürlich der herausgeber bei feststellung des 
textes die schon von Bekker geahnten, von Dindorf conse- 
quenter durchgeführten grundsätze, engsten anschluss an die 
Überlieferung des Vaticanus und Urbinas und beseitigung der 
interpolationen der jüngeren Codices, namentlich des Bavaricus, 
mit grosser umsieht und einer zuweilen zu weit gehenden vor- 
sieht in aufnähme eigener wie fremder vermuthungen befolgt. 

Zum schluss möchte referent noch auf eine von Hultsch 
und Dindorf vorläufig für incurabel erklärte stelle im fünften 
buch zurückkommen. V, 5, 10 lesen die handschriften : 6 ös 
ßaaiXeiig ia fxsv aniaimv ijdtj 101g tzeqi iov As.ovn.ov ix lijg ntot 
ttjv noXioqxiav i&sXoxaxrjasmg , avvaio&avonzpog de na) ix iov 
nsol iov IlaXovvia ÖiaßovXiov avtmv ttjv xaxonQayiioGvvqr. 
Da IlaXovvia sowohl der grammatik wie dem sinne sich nicht 
fügt — denn Leontions rath ging dahin, nach Messenien abzu- 
segeln — so ist zu lesen: ix iov 7ftgt iov nXovv aiiwv 
ÖiaßovXiov. So ist auch der störende hiatus leicht beseitigt. 



THESES : quas...in ac. Georgia Augusta d. Lun. cal.Martiis a.MDCCCLXlX 
publice defendet H e r m. Heinze Gorliciensis : iu Plut. Amat. c. 9 scribendum cen- 
seo: xcd (j,r t i> tjhxhc yt noug yäfiov xcd wya ico lixxtiv i-ftovecc xul tw ytvvav 
tvÜQ/LtoCTvs iaiiv. — Non est cur dubitetur, quiu libelli „de Alexandri Magni 
fortuna aut virlute" auetor fuerit Plutarchus, sed adolescentulus scripsit hanc de- 
clamationem rbetoricam. — Aesch. Prom. Vinci, vs. 51 scribendus est: f'yvcüxa 
Tols d" iy oiidiv ävTuntiv */w. 



Auszüge aus Zeitschriften. 95 

Auszüge aus Zeitschriften. 

Archäologische zeilung 1868. Bd.I. hfl. 2. 3: Heyäemann, Herakles schlan- 
geawürgend, p. 33. — O. Betmdorf ', römisches grab in Kephisia, p. 35. — 
E. Hühner, grabstein eines römischen flottensoldaten aus Athen, p.40: mit nach- 
Irag, p. 90. — E. Curtius , der kniende Jüngling aus der giusünianischen gal- 
lerie, p. 42. — E. Hühner, Germanenköpfe im K. M. zu Berlin, p. 46. — 
B. Stark, unedirte archaistische vasenbilder im K. M. zu Beilin, p. 52. — Miscel^ 
len und berichte: Sitzungsberichte der archäologischen gesellscbaft in Berlin, p. 58; — 
des archäologischen Instituts in Bom, p. 64. — Pervanoylu, griechische grabsteine, 
angeblicher sieg des Pelops; Hermes agoraios, p. 73. — E.HercJier, die Samm- 
lung VVoodhouse, p. 76. — O. Betmdorf, griechische spiegel; Spiegelfälschung; 
die trunkene alte des Myron, p. 77. — Conze , zur archäologischen zeitung, p. 
79. — B. Bergan, zur kenntniss der bauten Hadrians, p. 77. — E. Hübner, 
gemmensammlung des architekten Bergau ; Bömische ausgrabungen, drgl. in Cadix ; 
archäologische gesellschaft in Lissabon, p. 79. — C. Friederichs, Meleagerspiegel, 
p. 81. — C. Curtius, sculpturen aus Ephesus, p. 81. — Th. Momtnsen, 
süddeutsche inschriften, p. 83. — W. Gurlitt, Sammlung des hm. T. Cook zu 
Montserrat, p. 84. — A. Zangemeister , über die vermeintliche pompeianische 
göttin Amenticij (mit nachtrag von Th. Momtnsen), p. 87. 

Augsburger Allgemeine zeitung 1869: nr. 19: neuer gewinn aus dem Tiber- 
Emporium. — Nr. 20: Dr. Soldan f. — Beil. zu nr. 20: C. Geiger, Ursprung 
und entwicklung der menschlichen spräche und Vernunft: anzeige. — Büste Wel- 
cker's. — Nr. 23: Prof. Boller f. — Göttling -J-. — Nr. 24: kurze notiz über 
Göttüng. — Beil. zu nr. 24: die inschriften von Nennig: vertheidigung der echt- 
heit, von v. Wilmowski. — Nr. 26: geschichte der künste, von M. Carriere : 
ausführliche besprechung. — Beil. zu nr. 27 : Eduard Gerhard. Ein lebensabriss 
von O. Jahn. 8. Berlin. 1868. — Beil. zu nr. 29: academische gedächtnissfeier 
in Bonn für Welcker. — Beil. zu nr. 36: Silbernagel, Job. Trithemius. 8. Lands- 
huth. 1868: wird als eine fuudgrube für den culturhistoriker dargestellt. — Hein- 
rich Bitter f — Beil. zu nr. 40: C. W. Göttling: nekrolog. — Beil. zu nr. 42: 
anzeige von Riech, Pädagogische briefe, und Schröder Erziehungs- und unterrichts- 
lehre für gymnasien; beide bedeutende bücher; ersteres auch wegen Nitzsch zu be- 
achten. — Beil. zu nr. 47 : zum schütze Giessens. — J. Scherr, allgemeine ge- 
schichte der literatur. 3. aufl. Stuttg. 1868. — Beil. zu nr. 50: Jülg, mon- 
golische märchen. 8. Insbr. 1868. — Gypsabgüsse in München. — Beil. zu nr. 
52: Teuffei, gesch. d. römischen literatur. 2. lief. 8. Lpzg. 1868: wird als 
eine glänzende leistung der deutschen philologie characterisirt : die ganze anzeige 
eine Unverschämtheit. — Beil. zu nr. 54: W. Brambach, die neugeslal- 
tung der lateinischen Orthographie. 8. Lpzg. 1868: lobende anzeige [vergl. 
ob. n. 43. 44: auch Bergk im Piniol. XXVIII, p.438].— Nr. 56: Johannes Schulze f. 
[Ein nekrolog wird doch nicht ausbleiben?]. — Nr. 57: eine kurze bemerkung 
über J. Schuhe. — Beil. zu nr. 58: zur Marburg-Giessener universilätsfrage: na- 
mentlich gegen Giessen. — Auss. beil. zu nr. 64 : Sorge für erhaltung des theater 
des Marcellus in Bom. — Beil. zu nr. 65: G. T. Hertzberg , die geschichte 
Griechenlands unter der herrschaft der Bömer. Bd. I. 8. Halle 1867: einge- 
hende anzeige. — Nr. 67 : Philologen-Versammlung am 27. Juli a. q. in New- 
York: die philologischen Studien in America sollen gefördert werden (s. Philol. 
XXVIII, 2, p. 383, wo näheres). — Beil. zu nr. 68: archäologische for schürt' 
gen an der untern Donau: nach schreiben von Desjardins, aus denen darge- 
legt wird, wie vernachlässigt gerade in diesen ländern die Überbleibsel aus der al- 
ten weit sind. — Auss. beil. zu nr. 72 : das theologische studienhaus zu Erlan- 
gen. — Beil. zu nr. 82. 83: die deutschen hochschulen: gute besprechung der 
schrift: „Alles was da ist und was da seyn sollte". 8. Berl. 1869. 

Ausland 1869: nr. 1: volkstümliches ans Kephalonia. — Nr. 5: die befesti- 
gung Roms durch Servius Tullius (vergl. Philol. XXV, p. 637). — Nr. 10: an- 
zeige von ,,Kote sur le monument des sources de la Seine lue ä la so- 



96 Auszüge aus Zeitschriften. 

biete Parisienne d'archeologie et d'histoire par Charles Lucas, archi- 
tecte. Paris. 1869. 

Grenzboten 1869: Nr. 2: leipziger Studentenleben im vorigen jahrh., p. 41 
flgg. — Nr. 3 : die Verlegung der marbnrger Universität nach Frankfurt a. M. — 
Nr. 7: die römischen Sarkophage. (Von O. Benndorf.) — Nr. 11: die reform 
der deutschen Universitäten. — Briefe aus Neapel: Nr. 3. Pompeii: (die 
briefe 1 . 2. beziehen sich lediglich auf die gegenwart). 

Mittheilungen des k. k. östr. mus. für kunst und industrie, Januar. 1869, 
nr. 40, beilage p. 337 f.: nachricht über den hildesheimer silberfund: dabei wird 
verwiesen auf „Zeitschrift für bildende kunst, h. III", wo ein bericht von Unyer. 

Preussische Jahrbücher. I. heft. p. 133 — 136: Conze, anzeige von „Eduard 
Gerhard. Ein lebensabriss von Otto Jahn. Berlin 1868" und „Aus der alter- 
thumswissenschaft. Populäre aufsäze von Otto Jahn. Mitabb. Bonn. 1868." 

Preussischer Staatsanzeiger 1869. Beilage, nr. 1: Fr. G. Welcker, nekrolog. — 
Nr. 50: der verkehr der Griechen und Bömer im deutschen Staate. — Nr. 56: 
Johannes Schulze, nekrolog. 

Westermann's ill. monatshefte. Januar 1869: nr. 52, p. 273 — 385: Fr. 
Schvdler, Friedrich Kohlrausch. Lebensbild eines Schulmannes. Mit dessen por- 
trät. — März, nr. 54: O. Otto, Thorwaldsen. 

Allgemeiner lit. anzeiger für das evangelische Deutschland. III. Bd. Heft 1. 
Nr. 16, p. 20—21: anzeige von Müller, Max, Beiträge zur vergleichenden reli- 
gionswissenschaft. Leipzg. 1869, von A. W. 

Zarncke , Nr. 3 : W. Corssen , über ausspräche, vocalismus und betonung der 
lateinischen spräche. 2. ausg. Bd. 1. 8. Lpzg. 1868: wird bezweifelt, ob die 
Vermehrung in dieser aufl. ihr zum vortheil gereiche. — Nr. 4: A. Ebert, Ter- 
lullians verhältniss zu Minucius Felix. Nebst einem anhange über Commodians 
Carmen apologeticum. Aus d. Abh. d. Sachs. Ges. d. Wiss. bd. V. 1868: genaue 
inhaltsanzeige. — Aiovicov t\ Aoyyivov thqI vxpovg. In us. schol. ed. O. 
Jahn. 8. Bonn. 1867: anzeige. — Grammaticorum Graecorum de arte 
tragica iudiciorum reliquiae. Comp. Ad. Tr end elenhur g. 8. Bonn. 
1867: anzeige. ■ — Th. Kor seh, de versu saturnio. 8. Moscav. 1868: ref. 
verwirft mit recht die hier auftretende neigung, die antike metrik mit hülfe der 
sprachvergleichenden Wissenschaft zu construiren. — O. Jahn, aus der alterthums- 
wissenschaft. Populäre aufsätze. 8. Bonn. 1868: anzeige. — Peyer im Hof, 
architektonische aufsätze. 8. Zürch. 1867: wird getadelt. — C. Friederichs, 
bausteine zur geschichte der griechisch-römischen plastik. 8. Düsseid. 1868: ge- 
naues referat von Bu. — Nr. 5: Herodiani Technici Reliquiae. Coli. disp. 
em. expl. praef. est A. Lentz. T. I. T. II, 1. 8. Lips. 1867. 68: an- 
zeige.— Nr. 6: Theognidis Elegiae. E codd. Mutinensi, Ven. 522, Vaticano 
915 ed. Chr. Ziegler. 8. Tübing. 1868: anz. von Fr. N., der das verfah- 
ren Zieglers mit recht scharf tadelt. [S. ob. 46], — J. Bernays, die herakliti- 
schen briefe. Ein beitrag zur philosophischen und religionsgeschichtlichen lilteralur. 
8. Berlin. 1869: anzeige von F. N. — ' AQißTo^svov c(Q/uoviy.wv tk aw^öfxtva. 
Die harmonischen fragmente des Aristoxenus. Griech. und deutsch... herausgeg. von 
P. Marquard. 8. Berl. 1868: anz. von Fr. JV., die der vom verf. aufgestellten 
ansieht zweier excerptoren widerspricht. — Novus Avianus, herausg. v. Dr. E. 
Grosse. Programm. 4. Königsb. 1868: lobende anzeige. — C. A. Eick, 
die römische Wasserleitung aus der Eifel nach Köln. 8. Bonn. 1867: ausführ- 
liche anzeige von Bu. — Nr. 7 : J. H. v. Kirchmann , ästhelik auf realisti- 
scher grundlage. 2 bde. 8. Berl. 1868: anzeige: vergl. Philol. XXVII, p. 701.— 
L. v. Hörmann , Untersuchungen über die homerische frage. 1. hft. : die ein- 
heitlichen elemente des ersten gesangs der llias. 8. Innsbr. 1867, anzeige von 
e: obgleich manches gute sich finde, fehlt zu sehr umfassendes Studium, nament- 
lich in der neuen Homer- literatur. 

Druckfehler in nr. 2: p. 55, z. 11 v. u. lies b. 3 statt b. 31, — p. 56, 
z.2v.o.lies: b.3 stattl). 31, - p. 56, z. 9 v. u. liesHannib. 13 stattHannib. 13, 13. 



Nr. 4. April 1869. 

Philologischer Anzeiger. 

Als beiblatt zum Philologus herausgegeben 



Ernst von Lentsch. 



59. Quaestiones Polybianae. Pars II. Scripsit Fridericus 
Hultsch. Auszug aus dem programm des gymnasium zum hei- 
ligen kreutz. 4. Dresden. 1869. — 10 ngr. 

Diese Quaestiones Polybianae, bestehen aus zwei 
theilen, p. 2—13 geben Verbesserungen des Verfassers zu Poly- 
bius , p. 14 — 21 folgen aus einem exemplare der Lucht'schen 
ausgäbe der Excerpta Vaticana, 1830, den Hultsch bei einem an- 
tiquar in Leipzig 1857 gekauft hatte, emendationen eines 
anonymus , die ihm der Verbreitung nicht unwerth schienen. 
Hätte der unbekannte nicht manchmal meinen namen beige- 
schrieben, so wäre wahrscheinlich kein verdacht gegen mich rege 
geworden ; jetzt musste ich der inquisition weichen und die Sün- 
den sämmtlich auf mein gewissen nehmen. Die jetzige philo- 
gische generation weiss nicht , wie schwer es uns alten in un- 
serer jugend wurde, die mangelhafte kenntniss der autoren zu 
erweitern , damals gab es nur Tauchnitzer ausgaben, und wir 
waren froh diese zu besitzen; anders war ein Polybius, Appi- 
anus, Dionysius u. s. w. nicht zu bekommen. Natürlich konnte 
bei diesem zustande des textes und dem mangel alter Überlie- 
ferung von einer sicheren und festen grammatik nicht die rede 
sein. Ich habe meinen Isokrates nur aus Lange kennen gelernt, 
bis endlich 1824 Imm. Bekker diesen redner in ganz neuer ge- 
stalt ans tageslicht förderte; man sollte nie vergessen, was die 
griechische literatur diesem manne allein verdankt. So hatte 
ich auch Polybius nur aus einem leeren textabdrucke kennen 
gelernt und lieb gewonnen: sehr erwünscht kamen mir damals 
die neu entdeckten fragmenta Vaticana aus der encyclopaedie 

7 



98 59. Polybios. 

des Constantinus Porphyrogenita ; diese wie sie zumeist im 
ersten bände der Byzantiner, den legationes , auftritt , hatte 
mich schon früher angezogen , da München zwei handschriften 
davon (cod. 185. 267) besitzt; ich schickte die vergleichung 
beider am ende des jahres 1830 an Niebuhr ; leider traf sie ihn 
nicht mehr am leben. 

Lucht's bearbeitung zeigte sich aber höchst ungenügend, 
Geel's treffliche restitution kam mir erst später nach jähren zu 
gesicht , und so hatte ich mich selbst an den zweiten band von 
Mai's Collectio gemacht. Es gab damals nicht leicht ein mehr 
geeignetes buch, angehende philologen mit erfolg in kritik 
und exegese zu üben , ihnen die behandlung alter autoren zum 
Verständnisse zu bringen , als diese vaticana fragmenta von 
Lucht; überall Verderbnisse und räthsel, aber für den, der seinen 
Polybius fleissig gelesen hatte, nicht schwer zu lösen. Ich habe 
deswegen dieses buch, (wenn ich nicht irre 1834 — 6) im philo- 
logischen seminare hiesiger Universität behandelt, und dies fand, 
da es damals nicht an fähigen talenten fehlte, grossen beifall, 
mancher wurde veranlasst, den ganzen Polybius durchzu- 
gehen. 

Alles p. 14 — 21 mitgetheilte sind unverkennbar notizen aus 
jenen vortragen, welche von hier aus — habent sua fata libelli 
— in den antiquarischen kram Leipzigs und von da in Hultsch's 
bibliothek gewandert sind. Begreiflicherweise ist manches un- 
genügend wiedergegeben, z. b. p. 978, 29 Bekker. : xata- 
7z q a%ag] v. ataanagd^ag Orelli et Spengel ; hie tarnen minime 
necesse putat; nam etiam xaTa.7ZQ[äiTeiv] idem est; . . . perdere Diodorus 
ex Polybio. Ich will meine alte bemerkung beifügen: corrige 
xuTuana.Qu%ug, sed vulgata xuTCCJtod%ag ex Polybio etiam apud 
Diodorum in excerptis p. 79 Dind. extat: ich werde also gesagt 
haben, dass diese Übereinstimmung auffallend sei und man vor- 
sichtig sein müsse, obschon jenes das einfache und natürliche 
ist. Da aber Heyse im codex wirklich y.azaanagd'S,ag gefunden 
hat, so steht gewiss auch im Diodorus nichts anderes, der of- 
fenbar Polybius stelle vor äugen hatte. — Vielleicht ist es Hultsch 
nicht unangenehm zu erfahren, dass ich p. 772, 15 od' rag iv 
x läv dvtw izäv , wo ich früher eine lücke angenommen, etwa 
iv xaioä) oder #§oj<p, nachher einfach tag ix zäv Svslv geän- 
dert habe; der anonymus hat blos tag dveiv, vielleicht nur aus 



60. Diodoros. 99 

versehen; jenes gibt nun Hultsch selbst in dieser schrift p. 13. — 
Bemerkt wird zu p. 737, 7 tovio 8* iig i^iazög^usf , wo Ti- 
(xaiog vermuthet worden, dass auch Campe im jähre 1847 den- 
selben bistoriker erkannt hat. Es ist ihm entgangen, dass be- 
reits 1836 Lucht selbst in seiner vorrede zum Phylarchus dieses 
eingesehen hat ; dort finden sich noch andere beitrage zu seiner aus- 
gäbe und es ist bie und da einiges gute, z. b. p. IX, wo p. 763, 29 
nsn sia&rj v a i er in motevdTjvai verändert; doch fehlt es auch 
nicht an neuen versehen; jedenfalls muss ein herausgeber des 
Polybius sie kennen und näher prüfen. 

Doch genug von diesem nun bekannten anonymus; ich 
bin nicht gesonnen, längst vergessenes von neuem wieder zu 
geben ; nur die höchst erfolgreiche collation des codex und ganz 
neue ausgäbe durch Theodor Heyse hat mich 1847 ein wort 
darüber zu sprechen veranlasst, so wie jetzt mich nach mehr als 
dreissig jähren dieses unerwartete programm meine alten adversaria, 
so weit sie sich noch vorfinden, hervorzusuchen zwang, um die- 
sen anonymus sicher zu entlarven: ich sollte nun mich zum 
ersten theile p. 2 — 13 wenden, also zu dem was Hultsch selbst 
zum Polybius beigetragen hat, werde das aber im Philol. XXVIII, 
p. 546 thun. L, Sjpengel. 



60. Ueber die quellen des Diodor von Sicilien im IX 
buch. Von Kud.Klüber. Würzburg. 1868. 4. 40 S. — 12 sgr. 

Vom Diodor b. IX besitzen wir nur kurze, meistens schlecht 
überlieferte bruchstücke, wodurch der quellenforschung sehr er- 
hebliche Schwierigkeiten bereitet werden. Fr. 2 und 26 (ed. 
Dind., Script, vet. nov. coli. ed. ab. Ang. Maio II, p. 14 und 
23), beide dem titel negl yvcafiäv angehörig, stehen sogar schein- 
bar im Widerspruch miteinander, doch weist der vf. p. 4 nach, 
dass hieran nur der epitomator schuld ist. Den hauptinhalt der 
fragmente bildet der bericht über eine Zusammenkunft der wei- 
sen bei Kroisos. Herodot weicht I, 29 ff. in seiner darstellung 
derselben von Diodor ab, wie an vielen einzelnen beispielen ge- 
zeigt wird, dieser muss daher eine andere quelle benutzt haben. 
Als solche wird das geschichtswerk des Ephoros nachgewiesen, 
welcher nach Diog. Laert. I, 40 berichtete , dass sechs weise 
mit ausschluss des Thaies bei Kroisos zusammengekommen seien, 

7* 



100 60. Diodoros. 

Diod. fr. 26 nennt den Anacharsis den ältesten der weisen; 
ihn rechnete Ephoros zu den sieben an stelle des Myson (Diog. 
I, 41. Strab. Vll, 303) wegen seiner wichtigen erfindungen 
(Diog. I, 105. Senee p. XC). Als Anacharsis in Delphi anfragte, 
wer unter den Griechen ihn an Weisheit überträfe, antwortete 
nach fr. 5, 2 der gott: Oitcclöv tivä. qiaai Mvacova xtX. : für 
qaGi ist gewiss nach Diog. I, 106 zu schreiben cptjftl, da der 
weissagende gott seine entscheidenden aussprüche in der ersten 
person zu geben pflegt (Diod. IX, 3. 1, 36, 2. Herod. I, 
47. 65.), wie der vf. im fr. 7 gestützt auf eine ähnliche ver- 
gleichung gewiss mit recht Anacharsis statt Solon schreibt. Fr. 
9 wird von Chilon berichtet, dass er die drei sprüche yvcööi 
aeuvrov, (Aijdh äyav, Eyyva, ndga ffata in Delphi an eine säule 
schrieb. Da nun Clem. Alex. Strom. I, 129, 29 Sylb. sagt: 
XCXmvi t(p AaHBdatfiovic^ avaqitgovai ro [itjdev ayav, ^rgäzcop 
de ml. und wir aus Plin. NH. ind. auct. lib. VII wissen, dass 
Straton gegen Ephorus schrieb, so hat die behauptung grosse 
Wahrscheinlichkeit, Ephorus habe dem Chilon jene auf sehr ver- 
schiedene Urheber zurückgeführten sprüche zugetheilt. Weit 
weniger überzeugend sind die chronologischen erörterungen über 
das archontat und die reisen des Solon , wobei wohl auf Lu- 
kian. Makrob 18 zu viel gewicht gelegt ist. Unbestreitbar 
hingegen ist der nachweis, dass die über Kroisos handelnden 
abschnitte 29 ff. nicht aus Herodot sind : z. b. gelingt es nach 
Herod. I.e. 69 einer gesandtschaft des Kroisos, ein bündniss mit den 
Spartanern abzuschliessen, während nach Diod. 32 der auf Aver- 
bung nach dem Peloponnes abgeschikte Eurybatos zum Kyros 
übergeht. So berichtete, vermuthlich dem Xanthos folgend, 
Ephoros (Harpokrat. p. 293) ; dass dieser im ganzen b. IX, 
mit ausnähme der wenigen auf sicilische geschichte bezüglichen 
bruchstücke, von Diodor benutzt ist, hat der vf. unwiderleglich 
dargethan. Mehrfache hinweise auf Timaios und Ephoros als 
quellen anderer bücher stimmen meist mit den ergebnissen des 
oben unter n. 30 besprochenen buches von Volquardsen überein. 



61. Leben, Schriften und . philosophie des Plutarch von 
Chäronea. Von Eichard Volkmann. Erster theil. Plu- 
tarchs leben und Schriften. Berlin. S. Calvary & Co. 1869. 
8. XVI u. 239 S. — 2 thlr. 



61. Plutarchos. 101 

Nachdem vor kurzem vonO. Greard, de la morale de Plutarque, 
8. Paris 1866, die philosophie, eben von Gr. F. H e r t z b e r g, ge- 
sch. Griechenl. unt. d. Römer bd. II, das leben Plutarchs beban- 
delt worden, folgt jetzt die vorstehend verzeichnete, umfassend an- 
gelegte darstellung. Der verf. strebt namentlich dahin, aus Plu- 
tarchs biographischen und moralischen Schriften eine erschöpfende 
darstellung der gesammten philosophisch-religiösen Weltanschauung 
des mannes zu gewinnen, die dann wieder der richtigen und ge- 
rechten Würdigung der Plutarchischen biographien zu gute kom- 
men soll. Der vorliegende band, der aber bereits an sehr vie- 
len stellen, wo es die sache gebietet, philosophische ausführun- 
gen enthält, ist daher überwiegend noch als „doppelte einleituug" 
anzusehen. 

Abschnitt I, cap. 1 nämlich behandelt p. 3 — 96 in vier 
kapiteln das leben des Plutarch; das erste kapitel giebt eine 
kurze Charakteristik der kultur-epoche, welcher Plutarch ange- 
hört ; es wäre immerhin möglich gewesen ? diese Schilderung 
aus Plutarchs Schriften selbst noch etwas reicher und charakteristi- 
scher zu färben als es geschehen ist, — jedenfalls aber giebt 
sie für das folgende biographische gemälde einen passen- 
den hintergrund. Fein, wenn auch zu optimistisch , ist die er- 
örterung der gründe , welche die sg. jüngere sophistik zu der 
unablässigen rhetorischen verwerthung und Verarbeitung der 
alten geschichte der Hellenen veranlasst haben — Plutarch 
selbst angehend, dessen concentrirtes Charakterbild wir aller- 
dings vermissen , so wird die liebenswürdige art des trefflichen 
mannes, der ethische grundzug seines lebens und arbeitens. 
treffend herausgehoben. Auch die schwere aufgäbe, aus dem 
zerstreuten material die lebensgeschichte Plutarchs zu for- 
miren, hat der Verfasser mit glück gelöst, viele und ver- 
borgene stellen der biographien wie der moralien mit erfolg her- 
angezogen ; nur die delphischen beziehungen Plutarchs hätten 
noch eingehender besprochen werden sollen. Mit vielem ge- 
schick hat es auch der Verfasser verstanden, aus schritten wie 
„de audiendo" die lehrmethode des Plutarch zu entwickeln, wie 
auch aus den sg. gesundheits Vorschriften ein bild von der art seines 
häuslichen lebens zu geben. Auch ist die optimistische auffassung 
der damaligen läge Griechenlands von seiten Plutarchs klar dar- 
gelegt; doch hätte sich noch manches interessante detail aus Plu- 



102 61. Plutarchos. 

tarchs büchern hineinarbeiten lassen. Natürlich hat der Verfasser nicht 
alle die vielen probleme lösen können , die bei der mosaik ei- 
ner solchen arbeit uns in menge begegnen; auch können wir 
nicht allen seinen vermuthungen zustimmen. So möchten wir un- 
ter anderem nicht mit Volkmann (p. 24 fg.) die Aristylla 
einfach an stelle des namens Arrionilla setzen und dem Timon 
zur frau geben; auch hat uns derselbe nicht davon zu über- 
zeugen vermocht, dass der Autobulos im ,,Erotikos" nicht Plu- 
tarchs söhn sei. 

Als fehler in einzelnem sei nur bemerkt, dass p. 17 aus 
versehen anstatt der Arnäer die Thessaler unter Opheltas als er- 
oberer Böotiens genannt sind. Bedenklicher ist es, dass der Ver- 
fasser in dem rhetor Herodes (p. 58 und 67) der „Tischgespräche" 
ohne weiteres den berühmten Herodes Attikos erkennt , (nach 
unserer ansieht nicht wohl möglich); wie auch dass der verf. 
(p. 66), der doch Friedländers werk kennt, der ansieht huldigt, 
als wären die gladiatoren kämpfe in Griechenland unbekannt 
geblieben, während sie doch gerade in Plutarchs Zeitalter in die- 
sem lande ganz heillos um sich griffen. 

Der zweite abschnitt (p. 97 bis 239) behandelt in fünf ka- 
piteln Plutarchs Schriften; nicht sowohl um den bestand zu regi- 
striren, „sondern um den umfang und die art und weise seiner 
schriftstellerei im allgemeinen zu charakterisiren und die für eine 
darstellung seiner philosophie brauchbaren Schriften von den für 
diesen zweck unbrauchbaren vorläufig auszuscheiden." In folge 
einer reihe scharfer Untersuchungen scheidet der Verfasser theils 
aus sachlichen theils aus sprachlichen gründen als unecht aus die 
Schriften: de metris, proverbia Alexandrina, de nobüüate, de vita 
et poesi Momeri, amatoriae narrationes, consölatio ad Apölloniam^ 
de fato t placita pMlasophorum , de musica (deren ächtheit der 
verf. früher noch vertheidigt hatte, und die er jetzt geneigt ist, 
dem gleichnamigen söhn Plutarchs zuzuschreiben), depuerorum edu- 
catione, dann de vitando aere alieno (wo wir ihm nicht beipflich- 
ten können), das convivium septem sapientium , und die Sammlung 
der apophthegmata; überall mit bestimmten nachweis der zeit, wel- 
cher die unechten Schriften zuzuweisen sind. Dagegen will der 
verf. die Schriften de garrulitate, de amore prolis und de com- 
munibus notitiis adversus Stoicos dem Plutarch nicht abgespro- 
chen wissen. Leider ist das buch sehr unübersichtlich, da 



62. Piaton. 103 

es weder inhaltsverzeichniss, noch kapiteltitel, noch kolumnentitel, 
noch register giebt. Der zweite band ist, wie wir hören, be- 
reits druckfertig. 



62. Schubart, über den zweiten und dritten haupt- 
abschnitt des platonischen Theätet. 4. Progr. Weimar. 1869. 

Mit recht erklärt sich der verf. dieser sehr durchdachten 
abhandlung gegen die auffassung von Bonitz , welcher dem 
Theätet eine blos negative, kritische tendenz beilegt. Wenn 
er aber, nach beleuchtung der ansichten anderer über den zweiten 
und dritten theil des dialogs seine meinung zunächst über den 
zweiten theil p. 11 dahinabgibt: der zweifei an der möglichkeit des 
irrthums sei im geiste der sokratischen epoche begründet gewe- 
sen und habe einer Widerlegung bedurft eben so gut wie der 
Sensualismus des Protagoras , so ist damit nichts erklärt; denn 
1) ist im zweiten theil des dialogs keine spur einer polemik 
gegen ansichten der art zu finden; 2) der satz, es gebe 
keinen irrthum in der seele , wird freilich erwiesen , aber nur 
für einen fall, für einen andern, sehr wesentlichen misslingt 
der nachweis. Das würde doch eine schlechte polemik 
sein. Auch was Schubart über den Zusammenhang dieser frage 
mit der definition miatr}(iii sei 86%a alij&qg bemerkt, genügt 
uns nicht. Er meint, Sokrates wolle den jungen denker nöthi- 
gen sich des ganzen inhalts seiner antwort bewusst zu werden 
u.s.w. Aber wir fragen, wie kommt Theätet überhaupt zu jener 
antwort, und warum wird dieselbe im folgenden gerade so und 
nicht anders kritisirt? Uns scheint Plato's gedankengang viel- 
mehr folgender: der satz dass jede ansieht wahr, der irrthum 
undenkbar sei, ist im ersten theil bereits widerlegt. Auf dieser 
basis baut Plato weiter : wenn das wissen nicht blosses wahr- 
nehmen ist und es doch ein wissen gibt, (da der noch weiter 
gehende skeptische satz fxirgov uv&qco7zoq sich selbst widerspricht), 
so muss das wissen in einer andern seelenthätigkeit , in einem 
fzgayfxaTBvsß&ai tt]v xpv^tjv avzrjv 8i avzijg, genannt öo^u^eiv, 
bestehen. Nun ist aber die Vorstellung gemäss ihrer entstehung 
aus ai'a&qatg und pvqpTi (Phil. 34 a. 38 b) noch von dem stets 
wechselnden flusse des Werdens abhängig. An das wissen da- 
gegen stellen wir die forderung, dass es das wirkliche verhal- 



104 62. Piaton. 

ten der dinge (ihre ovaia) mit Sicherheit angebe (178 c. 186 c. 
207 d). Aber vielleicht gibt es eine bedingung, durch welche 
die dö<-a zur bestimmtheit und unabänderlichkeit der ijtKSjrjiirj 
gebracht werden kann? Nichts liegt näher als dieselbe in der 
eigenschaft zu suchen, die wir dem wissen zuschreiben, und zu 
sagen die 86%a muss wahr sein. Aber dies bleibt so lange 
ein blosses wort, als es nicht gelungen ist anzugeben, wann und 
wodurch eine 86%a wahr ist. Und dies eben, die criterien zu 
finden, durch welche sich vielleicht wahres und falsches unter 
einem vorrathe von Vorstellungen unterscheiden lasse, ist die 
aufgäbe der capp. 31 — 38. Und das resultat ? Es entspricht 
der Voraussetzung vom Ursprünge der dc^ai aus der Sinnlich- 
keit, die, was Schubart nicht genügend hervorhebt, beständig (auch 
p. 184 — 187, p. 190 b. c) festgehalten wird. Nämlich nur bei 
einem bestimmten Verhältnisse der Vorstellungen zu etwas ausser 
ihnen liegendem , den Wahrnehmungen : wenn von dem ob- 
jecte A das wahrnehmungsbild a und das zugehörige vorstel- 
lungsbilda verknüpft werden (denn dies heisst avvaxpig 195 d, nicht, 
wie Schubart p. 8 übersetzt, aneinandergrenzen). Der irrthum 
oder die falschheit einer Vorstellung besteht darin, dass sie nicht 
mit der ihr zugehörenden aia&tjois verbunden wird, sondern mit 
einer andern (äXXo8ot-sfo~). An sich ist jede Vorstellung ein 
rechtmässig erworbener besitz der seele. Wenn eine den an- 
spruch hat, kenntniss oder wissen zu sein, so haben sie ihn alle. 
Dann sind sie alle wahr, denn ein gewusstes ist nie und nim- 
mer ein nichtgewusstes. Schubart hebt sehr richtig hervor, 
dass die wähl der unrichtigen Vorstellung eine zwiefache Ursache 
haben kann, entweder in der undeutlichkeit der aia&tjoig oder 
in der beschaffenheit der do%ai. Aber unverständlich ist uns, 
wie er das £%eiv ro ütjfieiov aara tijv aia&i]Gw p. 194 a anders als 
lokal verstehen kann, zumal der ausdruck bereits p. 192b in 
der aufzählung der möglichen fälle den gegensatz zu dem TtagaX- 
Xatzuv bezeichnet. Uebrigens lässt jene aufzählung nicht nur 
drei, sondern fünf fälle für den irrthum übrig : nämlich ausser 
a -j- a mit b -f- ß noch a mit ß, a mit b, a mit b -J- /?, a 
mit b -}- ß, wonach vielleicht p. 192 c eine lücke anzunehmen 
sein möchte. Der weitere versuch im gebiete der Vorstellungen 
allein den irrthum zu erklären, z. b. die Verwechslung 11 und 
12 als summe von 5 und 7, führt bekanntlich zu keinem resul- 



62. Piaton. 105 

tat. Jede 9o|« ist mit der andern gleichberechtigt — und doch 
besteht der irrthum. Plato überlässt es dem leser, dem erklärer, 
diese aporie zu lösen. Jeder wird die ideenlehre zu hülfe rufen. 
Aber hier kommt alles auf das wi e an. Schubart gibt p. 15 
einige sehr glückliche hinweise auf den Meno, der mit dem durch- 
aus dogmatisch gehaltenen ausspruch, die 861-ai aktj&elg müssten 
aizCag Xoyiöfico und ävaiirrjasi gebunden werden um zur em(?z?}iJ,tj 
zu werden, uns offenbar die antwort positiv ertheilen soll. Aber 
darauf möchten wir nicht so viel gewicht legen , wie der vf. 
thut, dass das wissen um die zahlen oder andere objecte in den 
stand setze aus der reinen anschauung heraus neue Vorstellungen 
zu bilden. Das ist eine folge des wissens. Das wesentliche 
ist eben die reine anschauung. Der wissende setzt darum nicht 
11 als prädikat zu 5 -f- 7, weil ihm die zahlen 11 und 12 
keine blosen 86$ai sind, sondern klare in ihren eigenschaften 
und elementen vollkommen durchschaute begriffe. Die Vor- 
stellungen dagegen sind als solche alle trügerisch, weil sie un- 
klar, schwankend und ungenau, so schnell gewonnen als zerronnen 
sind, p. 190 a. 201 a. — Was will nun nach dem negativen aus- 
gang des zweiten theils noch der dritte mit seiner definition 
E7zi6T?']{it] sei öc|a dUtj&tjg ftera Xöyov? Schubart sucht mit recht 
auch hier nicht blosse kritik, sondern belehrung über die frage 
des gesprächs. Allein er irrt darin , dass er überall sogleich 
andeutungen über die idee zu erhalten glaubt. Das objekt der Unter- 
suchung ist auch in diesem theil noch immer die do%a ; nur wird ein 
neuer versuch unternommen bedingungen aufzufinden , durch 
welche sie dem wissen ebenbürtig werden möchte. Vielleicht 
kann ihr der löyog dazu verhelfen. Wie, wenn das misslingen 
des früheren Versuchs einfach daher käme, dass in der that die 
einzelne einfachste Vorstellung etwas unerklärtes ist? Sind doch 
auch in der arithmetik und geometrie die letzten demente un- 
erklärbar und das begreifliche erst die Synthese eben dieser 
demente. Plato bestreitet die anwendbarkeit dieses gedankens 
auf die 86<*a und iniat^fAij. Sind die letzten elemente unerklär- 
bare, dunkele Vorstellungen, so kann das okov derselben auch 
nicht klar, keine smaTijfxrj sein. Schubart will diesen satz nicht 
als vollen ernst Plato's gelten lassen. Ohne grund. Die ideen 
sind a/xegiaza und haben doch pegt], sie sind sv und doch noXld 
eine jede. Ihr olov und ihre pegt] sind erkennbar. Diesem. 



106 62. 63. Piaton. 

versuch den öo|a« durch das vergleichende und zusammenreihende 
denken, den Xöyog, das zum wissen fehlende zu verleihen, fügt 
Plato von cap. 42 an noch drei weitere hinzu, die aber eben- 
falls misslingen: 1) durch wiedergäbe in der rede werden die 
Vorstellungen nicht zum wissen ; 2) die aufzählung aller merk- 
male einer Vorstellung würde, selbst wo sie vollständig ist, nur 
bekanntschaft mit der einen zufällig gewählten Vorstellung ge- 
währen; endlich 3) kann auch die gruppirung der merkmale 
und die aqiaiQsaig der gemeinsamen von den besonderen bei 
den einzelnen do^ai nur zu minutiöser auffindung kleinster 
differenzen führen und nimmermehr die Vorstellung zum wis- 
sensinhalt machen. Plato verlangt hienach keineswegs , wie 
Schubart p. 22 meint, vom begriff etwas, das nur der Vorstel- 
lung zukommt, individuelle bestimmtheit, nein er leugnet gerade 
dass die beobachtung kleinster differenzen aus der Vorstellung 
zum wissen führe, und belässt der 5o|« ihre individualität. 
Schubart gibt das positive der erkenntnisslehre , wie es, wenn 
auch nicht vollständig, der Theätet bietet, nicht weiter an: wir 
versuchen, es in folgenden sätzen zusammenzufassen: 1) die 
alö&ijaeig sind weder wahr noch falsch {aväXcaroi yäg 179 c.) : 
2) die 86<~ai sind nur wahr im verhältniss zu ausser ihnen 
stehendem, a) zu aiad-rjosig, wenn sie ihnen entsprechen; falsch, 
wenn nicht; b) zu den s'i'ötj^ wenn sie sich an die systematische 
gliederung, welche diese vorzeichnen und welche die kunst der 
dialexTixrj aufdeckt, genau anschliessen und zwar jede ihrem sie 
erleuchtenden riöog^ 3) die udi] sind wahr schlechthin. Denn 
Wahrheit bedeutet durchsichtige klarheit, bestimmtheit und Ord- 
nung, to eiXixQiveg ts aal xa&ctQÖVj Phileb. 52 d. sqq. Indem nun 
die sniaT^fiT] diejenige erkenntniss ist, welche unter herrschaft 
des höchsten sldog steht, ist sie unvergleichbar dem 8o%ü£eiv, 
welches von dem ewig wechselnden werden abhängig ist und 
durch keine seiner eignen Operationen sich der ungewissheit und 
Unklarheit entziehen kann. D. Peipers. 



63. Abhandlungen von Prof. Dr. G. Rettig. l.Ueber das 
Sprichwort mg uqcc xa« äyu&mv in} Sahag i'aciv avt6f*azoi aya- 
&ol in Piatons Symp. p. 174 B. ; 2. über die Ivyl des Aristo- 
phenes ib. p. 185 C. ff. — 4. Bern. 1869. 12 S. 



63. Piaton. 107 

Die erste abhandlung ist eine ganz verunglückte; der verf. 
hat sich viel zu wenig in der alten wie in der neuen literatur 
umgesehen. Betrachten wir zunächst die stelle Platon's : inov 
rolvvv, sq>?], iva xai ttjv nagoifiiav Siaty&sigoofiev [AStaßdXXovJsg, 
mg aga xai dyaümr mi Sahag iaaiv aviö/xaroi dya&ot, so ist 
xai nach äg aga gesetzt, um bei dya&mv an die oben, 174 A, 
gesprochenen Worte inl dslnvov elg > jly d& cov o g anzuspielen, 
wie denn auch desshalb dya&cöv vorausgestellt ist: das genügt, 
um die wunderliche annähme Lachmann's und 0. Jahn's zu 
widerlegen. Nun fragt sich aber , was für ein Sprichwort So- 
krates im sinne hier verkehre und umgestalte (vgl. wegen 
8iaq>&£i'gsiv Ast in Plat. Phädr. u. Gastm. übers, p. 262, wo 
überhaupt nach Schleiermacher am besten über die stelle ge- 
sprochen) durch eine rasche Veränderung, wie wir sagen würden, 
im handumdrehen : denn ustaßdXXsiv hat den begriff des raschen 
(Plat. Keip. II, 382 B. Aristoph. Ran. 742. Theoph. Char. 
8, 2 : vrgl. mutare Verg. Buc. VIII, 4) und nur mit diesem fühlt man 
den ton und den witz in den worten. Dies verkehren kann aber 
nur geschehen durch Veränderung der h aupt begriffe, also av- 
röfxazoi oder dya&wv dya&ol: was ist von diesen nun geändert? 
Das zu bestimmen ist nur möglich, wenn man das von Homer 
gebrauchte Sprichwort kennt : von diesem sagt Piaton: "O/x-ygog 
[xsv ydg xivdvvevei ov [invov Öiacp&elgai dXXd ttal vßgiaat sig 
ravrrjv rriv nagotfiiav. noirjaag yäg zov ^ Aya\i(\ivova öiacpsgov- 
rmg dyaüov ävdga tot noXsfiutd, iov Ös MsvsXaov (AaX&axov 
ai%[x?]TT]v, dvaiav noiov(iivov xal iatimvtog tov .AyafiBfivovog 
dxXr\xov inoiqösv iX&övra tor MevsXaov im iqv &oCpi]v, %£tgco 
ovta in] ttjv r ov dfisivovog: darnach nimmt Piaton an, 
dass Homer auf ein älteres und daher zu seiner zeit überall 
bekanntes Sprichwort anspiele, eine auch von Aristarch vertretene 
und in der natur der sache begründete ansieht : Scholl. Ven. 
Hom. II. f, 786, B, 550: vrgl. Nitzsch Beitr. zur G-esch. 
d. episch. Poes. p. 147 flg. Dies alte Sprichwort nun verän- 
dert im sinne Homer nicht allein, sondern benimmt sich gegen 
dasselbe auch hochmüthig und frech: gegen das Sprichwort, 
nicht gegen Agamemnon und Menelaos, wie die erklärer sagen : 
warum ist aber Sokrates , der es doch auch verändert, nicht 
auch hochmüthig und frech? Nun weil Sokrates bei der Ver- 
änderung dem character , so zu sagen dem geist des wortes 



108 63. Piaton. 

treu bleibt, Homer aber so geändert hat, dass er sich rück- 
sichtslos von diesem geiste losmacht : das alte Sprichwort hiess, 
wie auch Meineke zu Athen. T. IV, p. 86 ausgesprochen: 
avtöfiaioi SsiXol Ösilmv im Sairag taaiv und legt also auf die 
gleichheit der personen das hauptgewicht: daher ändert 
Sokrates im geist des wortes : Homer aber hebt II. B, 408 
avTOfxatog 8e ol tjX&s ßotjv dya&bg MeviXaog die gleichheit auf, 
indem er die so verschiedenen Agamemnon und Menelaos zu- 
sammenstellt und behandelt deshalb das Sprichwort willkührlich 
und frech: ^er substituirt ein ayrö/xaroi. dsiXol dya&cav xrL: 
fasst man so, wie man doch muss , so wird nun der witz, die 
ironie in den Worten "Ofi?]Qog (iiv ... dfjtsivovog klar: es ist die aus- 
führung, wie Homer durch entgegenStellung eines Agamemnon 
diacpeQovzcog dya&ov rd Tvolsfiixä und eines Menelaos nal&axov 
aiwqxov das alte wort verderbe, ironisch und gegen einen 
philosophen gerichtet: ich denke gegen Antisthenes, da der in 
derartiger weise über Homer geschrieben : vgl. Xen. Conviv. 
3, 6. Scholl, ad Hom. Od. «, 1. Diog. Laert. VI, 15 sqq.: 
Winkelm. Antisth. frag. p. 20 ff. Und nun bekommt auch Apol- 
lodors antwort die rechte bedeutung: ,,ich will als bescheidener 
mann auf mich das Sprichwort in Homer's weise anwenden, nicht 
nach deiner Umänderung." Danach sieht man, wie richtig 
und wie taktvoll Schleiermacher hier angestossen: ehe man ihn 
meistern und besser wissen will als dieser wahre meister, lese 
man doch zur eigenen selbsterkenntniss die herrlichen worte 
von Böckh und Dissen, die auch meister waren, in der vorrede 
von Böckh's Pindar II, 2, p. 7. 

Wer mir genau gefolgt ist, wird meinen ersten satz gerecht- 
fertigt finden: für sonntagsleser noch dies, dass wie leichtfertig 
das programm geschrieben auch die Verweisung auf Jacobs für 
die geschichte des Sprichworts zeigt: denn Ann. ad Anth. VI, 
p. 287 steht davon nichts: auf Schneidewin zu Zenob. II, 19 
und auf mich zu Greg. Cypr. Mosq. I, 78 war zu verweisen. 
Nun wird aber von Eettig auch die erklärung bei den 
Parömiographen behandelt: da tritt mangel an sachkenntniss 
noch stärker hervor. Es wird ohne weiteres für den platoni- 
schen scholiasten und Zeuobius dieselbe quelle angenommen : jeder 
aber nur einigermassen mit den hierher gehörenden Untersuchun- 
gen von M. Schmidt, Naber, Hugo Weber vertraute muss so- 



63. Piaton. 109 

fort das gegentheil behaupten: mit Athenaeus stimmt Zenobius, 
schöpfte also wohl aus Didymos; dafür ist ausser den von 
Keyx gebrauchten worten auch ovtxog zu beachten, das bei 
Zenobius nur an dieser stelle für „in diesem sinne" gebraucht 
sich findet, nicht also wie sonst auf die form (Zenob. V, 13), 
wie beim scholiasten, deutet. Wichtiger aber ist die behand- 
lung der von den Parömiograpben für den gebrauch des Wortes 
angeführten dichter. Und da ist seit Schneidewin mode ge- 
worden, den Hesiod als ersten zu nennen: da aber der codex 
bei Miller Melang. de liter. Grecq. p. 350 Ba x% v ^ ' s V $ statt 
' Hgunlsirog hat, so ist klar, dass die vulgata bei Zenobius aus 
dem folgenden ' HgaKliovg entstanden, also jedenfalls Ban^vlibrig 
herzustellen ist, wodurch also jede spur des Hesiodos schwindet: 
das stimmt auch zu den bemerkungen von M. Schmidt ad 
Hesych. T. IV, p. CLVL Diesen sinn des Bakchylides hat 
auch Kratinos dem Sprichwort gelassen : aber stiQcag, ganz an- 
dern sinn, gibt Eupolis und den hat auch Piaton: den Eupolis 
erwähnt der scholiast demnach ganz falsch und es ist daher 
sehr fraglich, ob Rettig richtig das lemma ändern will ; sach- 
lich hat er ja ohne allen zweifei recht; aber es fragt sich, ob 
er nicht den scholiasten corrigire. Hieraus ergiebt sich aber, 
dass die quellen beider Verfasser, des Zenobius und des scho- 
liasten, nicht vollständig die alten angeführt haben: so lassen 
sie Archilochos (fr. 78 B.) weg, den Eustathios aber kannte: 
haben nun diese quellen, hat namentlich Aristophanes von 
Byzanz, über dessen nugoifAiai ich genauer Philol. III, p. 566 in 
einem recht schönen, aber von den neuem nie berücksichtigten 
aufsätzlein gesprochen, die älteste, von uns oben statuirte 
form des Sprichworts — dsiXo) Öttläv — gekannt und verzeich- 
net ? und ist demnach diese form im Athenaeus herzustellen ? Ich 
glaube ja: denn erstens folgt diese form nothwendig aus dem 
richtig verstandenen Plato ; zweitens aber daraus, dass mit dem 
Sprichwort stets solche, wie dxXij?} y.cofAa^ovaiv ig q>iXxot> cpiXoi 
Zenob. II, 46, xouu tu täv yilwv, du noXotog nozl xokoiöv 
u. s. w., also die die entschiedenste gleichheit bezeichnen, zu- 
sammengestellt werden ; drittens dass bei Athenaeus die beiden 
formen des Sprichworts streng sich entgegenstehen müssen ; vier- 
tens aus Eustath. ad Hom. II. B. 409, p. 247, 8, was ich hier 
nicht weiter ausführen kann ; nur das noch will ich bemerken, 



110 64. Lysias. 



auch isvrat bei Zenob. II, 19, Diogen. II, 60 zeigt, wie 
uns sousther nicht bekannte formen den altern Parömiographen zu 
geböte standen. 

Die zweite abhandlung, p. 7 flg., spricht über die Xvy'S, des 
Aristophanes in Plat. Symp. p. 185 C und wiederholt eigentlich 
A s t 's ansieht : „die wahre Ursache der XvyZ ist enthalten in 
dem von den auslegern nicht (?) beachteten Worten, jj vnö tivog 
uXXov, aber auch, wie es die Verhältnisse verlangen, nur ver- 
blümt angedeutet. Sie gehen auf den sittlichen Un- 
willen und den überdruss, welchen die rede des Pausanias 
dem Aristophanes erregt hat, und die hier angewendete art, sei- 
nem verdrusse und Unwillen luft zu machen, ist bei dem natur- 
kräftigen wesen des komikers nichts weniger als auffallend :" 
wozu Arist. Nub. 906. Ach. 585 citirt worden. Man kann 
also die abhandlung nun ungelesen lassen. E. v. L. 



64. Coniecturae Lysiacae. Scripsit A. Th. Dryander. (Bei dem 
Programm des königl. Paedagogiums). 4. Halle. 1868. 31 S. 

Die Überlieferung im Lysias ist einfach, da sie nur auf 
einer handschrift beruht, aber sehr schlecht. Daher mehren sich die 
versuche ihn zu verbessern seit einer reihe von jähren bis zu 
schwer übersehbarer menge, ohne dass gerade viel für dierein- 
heit des textes gewonnen wird. Auch die hier behandelten 
fünfzehn stellen werden, fürchten wir, durch die bemühungen 
des vfs. nicht gefördert. Die vertheidigung von sv noiav 24 
§. 14 und dsTJaeo&ai 27, 14 ebenso wie die vermuthungen 26, 

12 vor ä%ioT noch d^iovfxsvog, §. 13 oloi nach yivcovtai und 
Gi<anu> zwischen og und oncog einzusetzen, ferner 31 §. 26 ala- 
%iarrig änmXeCag für fisylartjg anooiug, §. 10 ßovXoifxt&a, §. 31 
ay xal ovzco für neu ovtca, 19 §. 38 nd&og für uya&öv und 27 
§. 1 nd&og für nXij&og, 28 §. 15 i'jdi] Tjycöpe&a für rjyijamfie&a, 

13 §. 57 Slg öixataig für ys dixaimg, §. 86 'uJyooätcp uXXcog für 
'Ayogürcj), ÖJtffppiCo^eVqp für 8ua%vQi£6[ievoi , oh drjnov av dXXrj 
für ?} onov av y, §. 87 6/xoXoyehai für oierai , werden dem 
unannehmbar erscheinen , der mit der denk- und Sprechweise 
der Attiker wirklich vertraut ist. Der vf. ist redlich bemüht 

das richtige zu finden , aber es genügt eben «icht mit der 
grammatik sicher bekannt zu sein und den schein äusserer 



64. Lysias. — 65. Libanlos. 111 

Wahrscheinlichkeit zu wahren. Wenn z. b. 31 §. 15 der vf. 
(p. 12) ein komma nach vnaoxotzoiv setzen und aus dem vor- 
hergehenden advvazog y.aziozq hier Övvazog xaztarr] %ai ißotjÜTjasv 
ergänzen will, so bedenkt er nicht , dass das allerdings dann 
unentbehrliche y,a\ ißotj&jjae sich jedesfalls nicht mit ergänzen 
lässt und dass nach ißorj&tias nicht der zusatz inayysiXäfievog 
eiöEvey>i£iv zulässig sein, sondern eiaereyxdov erfordert würde. 
P. 21 f. verwirft der vf. äg für 3} nach dem komparativ 
mit recht, aber jjyovfievog fxäXXov Xiyeo&at, a>g fioi ngoct/xn kann 
7 §. 12 unmöglich heissen: indem ich dann glauben 
würde genannt zu werden vielmehr nach dem, 
was ich thun sollte, als nach dem, was ich thäte, 
und §. 31 äg vno ztjg noXsag Tjpayxa£6(i?]v ebenso wenig: 
wann ich von der Stadt angehalten wurde. In der p. 18 
behandelten stelle Plat. Legg. 12, 960 c. hat zoXvnrj statt 
Tip hvqI viel für sich, aber auffälligerweise ist dem sorg- 
samen vf. entgangen, dass schon Baiter dies vermuthet hat 
und sowohl Hermann als Stallbaum es erwähnen. Auch Thuk. 
2 ; 42 ist der zusatz iavzmv nach iv avzcp ein glücklicher wurf 
(p. 23) 5 nur ist es wohl noch einfacher it> avzcö als verderbniss 
von iavzmv anzusehen. P. 17 vermuthet der vf., dass Lysias 
19 §. 38 für Xäßot zr\v jx, praesertim cum cod. Laurentianus teneat 
läßoize coä', geschrieben habe : laßoiz av (der vf. wollte 
natürlich lußoizs wv oder Idßoitf cor). Also glaubt er wirk- 
lich, dass die lesart des cod. Laurentianus irgend etwas zur 
begründung oder empfehlung einer vermuthung beitrage? 

H. S. 



65. Das Leben des Libanius von Dr. G. R. Sievers. 
Aus dem nachlasse des vaters herausgegeben von Gottfried 
Sievers. Berlin. Weidm. 8. VIII u. 324 S. — 2 thlr. 

Die specialgeschichte der römischen kaiserzeit im vierten 
Jahrhundert n. Ch. ist bis jetzt wenig bearbeitet. Auch das nach 
verschiedenen richtungen hin ausgezeichnete werk von Heinrich 
Eichter über das weströmische reich in diesem Zeitalter muss 
doch seiner anläge nach an manchen interessanten partien 
namentlich des innern lebens rasch vorübergehen. Dies 
gilt besonders von dem geistesleben der dem christenthum 



112 65. Libanios. 

noch immer feindlich gegenüberstehenden bevölkerungs-schichten 
in den griechischen und hellenistischen provinzen des grossen 
reiches. Es ist daher mit grossem dank anzuerkennen, dass 
endlich ein deutscher forscher von erprobter erfahrung den ver- 
such gemacht hat, das leben eines der seiner zeit bedeutendsten 
und zuweilen auch politisch höchst einflussreichen griechischen 
rhetoren der zeit, des Libanius, aus den quellen zu schildern. 
Es ist bekannt, dass Dr Sievers — der Wissenschaft leider 
durch den tod entrissen, — seit zwanzig jähren auf verschie- 
denen theilen der römischen kaisergeschichte thätig gewesen ist. 
Die hier vorliegende arbeit aus dem nachlasse desselben, baut 
mit unsäglicher mühe und mit dem fleisse, der die arbeiten des 
verstorbenen auszeichnet, die geschichte des Libanius und seiner 
familie unmittelbar aus dem quellenmaterial auf; die zahlreichen 
Schriften des berühmten rhetors sind zu diesem zwecke auf das 
sorgsamste ausgenutzt worden. Damit wird es nicht allein mög- 
lich, die geschichte des Libanius und seines hauses umfassend 
zu geben, sondern auch über viele Zeitgenossen des Libanius, 
sowie über die rhetorik und die rhetorischen Studien jener zeit 
in Athen und Constantinopel, in Antiochia, endlich über manche 
politische ereignisse jener zeit (namentlich über die geschichte 
des antiochenischen aufstandes vom j. 387) neues licht zu ver- 
breiten. Vermisst wird nur (wie es schon einmal im Philol. XXVIII, 
p. 168 bemerkt wurde), so zu sagen, der hintergrund des 
gemäldes, d. h. eine umfassendere Schilderung des Zeitalters, 
auch (die stadt Antiochia allerdings ausgenommen) der land- 
schaften und ihrer zustände, in denen Libanius lebte und 
arbeitete ; ebenso entbehren wir ungern eine gesammtcharak- 
teristik des mannes. Aeusserlich zerfällt das buch in zwei haupt- 
abschnitte. In dem ersten (p. 1 bis 204) wird in XVI ka- 
piteln (die familie, die Jugend des Libanius, rhetoren und rhe- 
torenschüler , Libanius in Athen, sein erstes auftreten in Con- 
stantinopel, in Nikomedia, sein zweiter aufenthalt in Constanti- 
nopel, die Übersiedlung nach Antiochia, Libanius während der 
letzten jähre des Constantius, Julianus in Antiochia, die reaction 
unter Julian, Julians tod, Libanius unter Valens, während der 
ersten jähre des Theodosius, der aufstand in Antiochia, die letzten 
lebensjahre) die geschichte des Libanius und seiner Zeitgenossen 
beschrieben. — Die zweite hauptabtheilung (p. 206 bis 209) 



66. Telfy, jus atticum. 113 

enthält in 44 beilagen eine menge chronologische , litterarische 
und solche Untersuchungen, die sich auf Zeitgenossen des rhetor 
beziehen. Das buch ist sehr übersichtlich geformt; ausserdem 
sind zwei sehr sorgfältige register zugegeben, eins auch über 
die episteln und deren Chronologie, — das andere sach- und 
Wortregister; leider steht Sievers mit dieser freundlichen Sorg- 
falt für seine leser ziemlich vereinzelt da. 



66. JZvrayayt) räv ''AtTw.äv vofiOJv. Corpus juris Attici. 
Graece et latine. E fontibus composuit, comm. indieibusque instr. 
J.B.Telfy. Pest, et Lips. 1868. 8. XVI u. 664 S.- 5 Thlr.lOgr. 

Dies werk zeigt, dass die klassischen alterthumsstudien auch 
in Ungarn eingang finden. Der verf., professor zu Pesth, hat 
nicht nur die quellen eingehend studirt, sondern sich auch die 
ergebnisse der neueren forschungen deutscher gelehrten ange- 
eignet, wie schon seine Untersuchungen in Piniol. XV, 728. 
XVI, 365 zeigen. Es war gewiss ein nützliches unternehmen 
die gesetze und rechtlichen bestimmungen der Athener, die bei 
den rednern, historikern und grammatikern zerstreut sind, auf's 
neue zu sammeln und zu ordnen, da Petitus' leges Atticae (1635; 
ausg. vonWesseling 1741) durch die funde der neuzeit unvollstän- 
dig, durch die arbeiten der neueren unbrauchbar geworden sind, 
Schelling aber (de Solonis legg. ap. or. Att. 1842) die nach- 
solonische gesetzgebung nicht berücksichtigt. In der vorrede 
(p. I — XVI) giebt nun Telfy zunächst eine chronologische übersieht 
der alten Schriftsteller, die über griechische gesetze und Verfassungen 
geschrieben, dann eine alphabetische aufzahlung der von ihm 
benutzten quellenschriften und einen conspectus. Der verf. thut 
recht, wenn er nicht wie Petitus der anordnung des römischen 
rechts unter Justinian folgt, sondern das theilungsprineip aus dem 
attischen rechte selbst entnimmt. Nach der Unterscheidung bei 
Demosth. c. Timocr. §. 192 behandelt er in lib. I die vopoi xotvoi, 
in lib. II die vdfioi 'idioi, indem er das jus publicum in 12 (divisio 
populi, de senatibus, de concione, de magislratilus, de sacris, de 
festis, ius martiale, res judiciaria, oeconomia reipublicae, dona t ius 
poenae , ius gentium), das jus privatum in 14 abschnitte (de 
genere et cognatione , de parentibus et prolibus, de connubiis, de 
divortiOf de tutela, de Tieredibus, de adoptione, de mortuis, de sub- 

8 



114 66. T&fy jus atticum. 

stantia et possessione, de contraetibus , res mercatoria, de damno, ius 
poenae, de jure praeseriptionis) eintheilt. Diese einzelnen abschnitte 
zerfallen dann wieder in mehrere 1 sectionen, wobei freilich 
Wiederholungen (z. b. n. 107 und 965, 462 und 1083) nicht zu 
vermeiden waren. Trotz dem zeigt sich in dieser eintheilung sowohl 
als auch in der gestaltung der texte und der benutzung neuerer quel- 
len, vor allem der inschriften, ein entschiedener fortschritt gegen 
Petitus. Die einzelnen rechtstitel selbst (p. 1 — 406) erscheinen 
mit angäbe der quelle und einer lateinischen Übersetzung und 
werden am schluss zum theil in einem kurzen kommentar 
(p. 409 — 646) erklärt, in dem der verf. den urheber und die 
abfassungszeitder betreffenden gesetze (doch fehlt letztere bei n. 107, 
144: s. Boeckh, Staatsh. I, 318 ff.) und was sonst zum ver- 
ständniss derselben nothwendig ist, mit hinweis auf neuere 
forschungen angiebt, auch zur vergleichung ähnliche gesetze 
anderer griechischer Staaten, namentlich Spartas, und die gesetze 
Piatons anführt. Leider werden aber diese Vorzüge durch starke 
Schattenseiten verdunkelt. So ist besonders die form bedenklich, 
die einer grossen anzahl von gesetzen gegeben ist. Wenn der 
verf. sie auch aus den stellen, wo sie stehen , herauslösen und 
deshalb Verbindungspartikeln und nicht zum gesetze selbst ge- 
hörige zusätze weglassen muss , so durfte er doch nicht , um 
die gesetzesform herzustellen, den text der Schriftsteller in 
oratio indireeta verwandeln und in den imperativ oder infinitiv 
setzen. So macht Telfy z. b. in n. 6 das gesetz '^i&qvaCovg 
dsxayvXovg elvai aus Herodot V, 66: ' ^i&tjvaiovg dtxayvhovi 
inoCrjatv ö Klstadtvtji;, n. 137 aus Dem. 18, 282 (vgl. auch 
n. 105. 162). Hier sind die aenderungen ohne schaden des 
sinnes geschehen; aber die sachlich ungenaue notiz des Schol. 
zu Aeschin. 3, 187, dass die Athener das metroon zu einem theil des 
buleuterion machten (inoiqöar), lässt sich gewiss nicht auf ein g e s e t z 
zurückführen, wie der verf. (n. 11 3) durch Schreibung von k'azoo thut,so 
wenig wie die später einschleichende g e wohnhei t, dass xptjcpiafiata 
ohne vorherige begutachtung durch den rath vor die Volksver- 
sammlung gebracht wurden (n. 164), in das attische recht ge- 
hört, da sie ja diesem widersprach (n. 69. 163). Auch war die 
bisweilen eintretende suspendirung von processen in kriegs- 
zeiten nie eine allgemeine regel, während Telfy nach [Dem.] 45,3: 
oi/ )■</.() ijauv iv Till toxs xaiQÖp dCxuij ahV attjjalXsaOe Vf*2t$ 8ia 



66. Telfy, jus atticum. 115 

i6v noXsfxov fnn.858 schreibt: iag dr/.ag diaßdXXsß&ai 8ia top acXe- 
pov (vgl. Boeckh, Staatsh. I, 335). Ueberhaupt zieht der verf. in 
der absieht möglichst viele titel zu gewinnen (statt der 500 des 
Petitus verzeichnet er 1557) manches hierher, was aus sach- 
lichen und formellen gründen wegbleiben musste. Dahin 
rechne ich weniger die bei den rednern eingelegten Urkunden, 
deren theilweise aechtheit ja neuerdings durch den inschriftlichen 
fund eines gesetzes über tödtung bei Dem. 43, 57 und 23, 
38 nachgewiesen ist (U. Köhler, Hermes II, 27 ff), als die be- 
stimmungen über die beamten (n. 169 — 380) und die feste 
(428 — 530). Obwohl diese einen theil des attischen rechts bil- 
den, so beschränkt sich doch unsere kenntniss von den funetio- 
nen der beamten und der feier der einzelnen feste grösstentheils 
auf die dürftigen notizen der lexikographen. Der verf. greift 
hier aus der menge der oft unter sich nicht ganz in einklang 
stehenden excerpte eins oder einige heraus (bei den i'opoyvXaxsg 
n. 216 fehlt die hauptstelle, Philoch. fr. 141 b Müller.; 
vgl. A. Schäfer in Archäol. Zeit. 1867 p. 118), oder er ver- 
schmilzt mehrere belegsteilen willkürlich zu einem titel : so n. 
381 — 4 über die erwählten und erloosten beamten, und n. 430 
aus Hesych und C.I. Gr. n. 157 == Staatsh. II tit. VIII. Unter den 
festen des hekatombaion sind die eicittjQia (n. 428) nicht mitzu- 
zählen, da diese kein fest sondern nur ein antrittsopfer der raths- 
mitglieder sind ; dagegen fehlen die krouia am 1 2 hekatomb., die 
niketeria im boedrom. (s. A. Mommsen, Heort. taf. II.) Da die 
belege hiefür in ihrer veränderten gestalt für wissenschaftliche be- 
nutzung ohne werth sind, so hätte sich der verf. auf bestim- 
mungen beschränken sollen, die entweder annähernd in ge- 
setzesform vorliegen, oder doch ausdrücklich als gesetze über- 
liefert werden. Hier boten besonders die Inschriften ein 
reiches und neues material. Aber wenn auch der verf. die 
grössern inschriftwerke und einige andre arbeiten kennt, so zeigt er 
sich doch in der kritischen behandlung der Inschriften und in 
der epigraphischen literatur nicht hinlänglich bewandert. Vor 
allem ist es unzulässig , dass die ergänzungen ohne klammern 
eingefügt werden. Auch ist bisweilen nicht die beste bearbei- 
tung benutzt , wie z. b. der symmachievertrag unter Nausinikos 
(n. 1295) nach Meier comm. epigr. n. 61 und A. Schäfer de 
soeiis Athen. 1866 zu geben war. Von dem volksbeschluss 



116 66. Tölfy. — 67. Plautus. 

über maass und gewicht (Staatsh. II, 356 ff.), der gewiss 
ganz in das attische recht gehört, giebt der verf. nur die 
Strafbestimmungen am schluss (n. 1095)-, von dem decret über die 
Verwaltung der heiligen gelder, das in drei titel getheilt wird 
(n. 865, 869, 870), ist die rückseite unvollständig, die abfassungs- 
zeit mitBoeckhinO1.90, 2— 3 statt mit Kirchhoff (Abh. d.Berl.Ak. 
1864) in Ol. 86, 3 gesetzt ; von der inschrift über das hautgeld (n. 894) 
kennt der verf. das dritte bruchstück (^Eq-ijfi. ao%. u. 3451 — 2) 
nicht; von dem erwähnten gesetz über tödtung (n. 830) wäre 
ein abdruck des in schriftlichen textes zu wünschen, Ferner 
sind eine reihe von hierher gehörigen inschriften übergangen, 
so das decret des Hadrian -über ablieferung eines theiles vom 
oelertrage an den Staat (C. I. n. 355), eine bestimmung über 
Zahlungen der Staatspächter (C. I. n. 354), über die neuord- 
nung der eleusinienfeier (Mommseri, Heort. p. 227 — Ditten- 
berger, Hermes I, 405), ein decret des Lykurgos über opfer 
(Köhler, Hermes I, 312). Zu n. 200 giebt der verf. ein ver- 
zeichniss der attischen archonten, übersieht aber, dass die epony- 
men in Ol. 126 von Dittenberger im Hermes n, 305 nur ver- 
suchsweise angesetzt sind und dass die archonten von Ol. 98, 1 
und 119, 4 nicht Pyrrhion und Kalliarchos, sondern, wie neuere 
inchriften zeigen (Hermes II, 323. 164), Pyrgios und Klearchos 
hiessen. Die zu n. 556 abgedruckten richtertäfelchen iassen 
sich vermehren aus Eoss, Demen n. 25 b. 37. 174. — Trotz 
dieser vielfachen mängel und lücken, von denen hier nur ein- 
zelne angeführt sind , kann das neue Corpus juris Attici als ein 
sehr fleissig gearbeitetes Sammelwerk gelten. Doch ist wegen 
der willkürlichen behandlung der texte beim gebrauch desselben 
grosse vorsieht anzuwenden. C. C. 



67. Ausgewählte Comödien des T. Maccius Plautus. Erklärt 
von Aug. O.Fr. Lorenz. Drittes bändchen: Miles Gloriosus. 
Berlin. 8. Weidmannsche buchhandlung. 1869. — 20 gr. 

Das hauptverdienst dieser ausgäbe des Miles Gloriosus — 
— denn diesen titel hält Lorenz mit recht fest — beruht in 
der ästhetischen Würdigung des Stückes und in der Interpreta- 
tion. In beiden beziehuugen bat Lorenz , wie nach seiner aus- 
gäbe der Mostellaria zu erwarten war , unterstützt durch tiefe 



67. Plautus. 117 

einsieht in das wesen der dramatischen kunst, bedeutende kennt- 
niss der älteren und neueren litteratur und grosse Vertrautheit 
mit dem gebrauche des Plautus höchst anerkennenswerthes ge- 
leistet. Die einleitung enthält neben sehr schätzbaren notizen 
über die plautinischen personennamen, die echtheit der prologe, 
insbesondere des zum MGL, von dem v. 1 — 17 mit gutem gründe 
verdächtigt werden , auch eine ebenso gerechte wie feinsinnige 
erörterung des kunstwerthes der comödie: bei gehöriger Würdi- 
gung ihrer Vorzüge werden aber ihre mängel im einzelnen wie in 
der ganzen composition auch klar dargelegt ; an die mängel der 
letzteren wird die sehr einleuchtende vermuthung einer contamina- 
tion und die annähme geknüpft, dass das stück einer früheren 
bildungsperiode des dichters angehöre, eine bestimmung, die mit 
hülfe der bekannten beziehung auf die einkerkerung des Nae- 
vius dahin vervollständigt wird, dass der MGI. der ersten hälfte 
des letzten decenniums des dritten jahrh. v. Ch. anzugehören 
und somit zu den ältesten uns erhaltenen stücken des Plautus 
zu zählen scheine. Beigegeben ist im anhange eine interessante 
literarhistorische skizze über die figuren des MGI. und seines 
parasiten bei älteren und neueren dichtem. — In dem commen- 
tar hat Lorenz das verständniss des dichters nach allen Seiten 
zu erschliessen gesucht und erheblich gefördert. Selten ver- 
misst man eine notiz, wie über clementer 686 ; 495 hätte wohl 
der Wechsel in der bedeutung von auscultare, auf dem der witz 
beruht, hervorgehoben zu werden verdient; während es anpro- 
sodischen und metrischen bemerkungen nicht fehlt, warum ist 
z. b. über das auffällige illum im vierten fusse des iambischen 
septenar 1220 nichts bemerkt ? Verfehlte erklärungen finden 
sich auch nur vereinzelt: z. b. ist 25 die erklärung des eceum 
(Artotrogus sammelt sich durch ein für sich gesprochenes „na da 
haben wir ihn wieder") sicher zu weit hergeholt, eceum bedeutet 
wohl hier dasselbe wie sonst ecce me (oder eceum me Haut. 
828), vgl. Poen. I, 2, 67 adsum apud te eceum (und Haut. 1.1.); 
schwerlich richtig ist die auffassuug des commodulum opsona 743 
„nach bequemlichkeit" = commodule. Hin und wieder laufen in 
den sprachlichen und metrischen bemerkungen Unrichtigkeiten 
und Unklarheiten mit unter, z. b. wird 1134 adiutabilis als 
anal; Xsyopevov bezeichnet, aber vgl. vers 673; die bemerkung 
über die „schwerfälligen und nachlässig gebauten iambischen 



118 67. Plautus. 

und trochäischen octonare" wäre besser unterblieben, da sie dem 
Sachverhalte keineswegs genau entspricht; zu 1299 heisst es: 
„eccum, eccos, eccas, vom abwesenden eccillum ," aber eccwm wie 
eccillum (und eccistum Cure. 615) werden sowohl von anwesenden 
als abwesenden gebraucht, über eccillum vgl. Stich. 261. Eud. 
576. 1006 ; die notiz zu 24 „estur seltenere nebenform zu edi- 
tur u könnte zu dem irrthume verleiten, als fände sich dieses 
auch bei Plautus, der vielmehr ausschliesslich die kürzeren for- 
men dieses verbum braucht; nach der notiz zu 241 „sit ist die 
ursprüngliche quantität, auch erhalten Men. 1075. Asin. 762", 
könnte es scheinen als wäre sit das gewöhnlichere, während sich 
doch ein sit in der thesis sicher nicht nachweisen lässt und die 
zahl der stellen, wo in der arsis sit gemessen werden muss 
(noch MGI. 1186. 1397. Ba. 170. Ps. 740. Pers. 594. Truc. 
H, 4, 79. 88) und kann (MGI. 82. 332. 743. Bacch. 96. Trin. 
889. 960. Ps. 478. Asin. 764) so gross ist, dass die Über- 
lieferung der einzigen stelle, wo nur die messung sit möglich 
ist, Capt. III, 5, 40 Quid sit hoc negoti — MGI. 658 K. ist ohne 
gewähr — schon desshalb verdächtig sein müsste, auch wenn 
der Sprachgebrauch nicht Quid hoc sit erforderte. — Auch hin- 
sichtlich der critischen behandlung des textes ist ein fortschritt 
dieser ausgäbe gegen die früheren nicht zu verkennen. Einen 
grossen theil der von Eitschl ohne ausreichenden grund vorge- 
nommenen änderungen hat Lorenz wieder beseitigt, freilich nicht 
mit gehöriger consequenz ; während er z. b. gegen Ritschi ein 
corrigirtes hie (adv.) 440, hanc 923 beibehält, beseitigt er ohne 
zwingenden grund mit demselben hie (adj.) 166, (adv.) 1078, 
hanc 771, hinc 763; 801 lässt er 8[xaiov mit verkürzter paen- 
ultima zu, 299 entfernt er mit Eitschl und 185 mit Fleckeisen ein 
auch sonst überliefertes pröfecto. Andere mit unrecht von Eitschl 
herübergenommene änderungen sind z. b. 9 Set ubi Artotrogust ? 
Hie est (die handschriften untadelig sed ubi Artotrogus hie 
est? vgl. Haut. 822), 141 für ego perfodi (denn ego hat in der 
arsis die letzte nachweislich in allen versgattungen lang) ego 
perfodivi, eine form, die durch das von Lorenz beigebrachte 
nicht gerechtfertigt wird , 584 Ille hinc abscessit für das durch 
den sonstigen gebrauch des Plautus bestätigte Illic hinc abscessit, 
997 für das echt plautinische subigit das so ganz unplautinische 
adigit (im anfang dieses verses liegt haec lauta illa lauta absente 



67. Plautus. 119 

der Überlieferung erheblich näher als das freilich sehr geistreiche 
haec locusta mullo absente von Kiessling- Ritschi), 1045 Agemi Achille 
fiat mit einer bei Plautus unerhörten form und einer in dieser 
weise nicht üblichen correption für Age mi Achilles fiat, 1332 
quae restt für quae res?, wie sonst immer diese formel lautet: 
est steht nur, wenn noch ein pron. demonstrativum hinzutritt. 
Mit entschiedenem unglück ist dagegen die Überlieferung beibe- 
halten 1377 in statu stut senex, ein nicht minder schlimmes ver- 
sehen als das 656 begangene nee qui mägis amicus amico eit 
(ausgang eines trochäischen septenars), wenn dies nicht ein ver- 
sehen des setzers ist für amico amicu' sit; auch hice 1327 für 
hicce ist wohl nur durch schuld des setzers stehen geblieben, sowie 
721 pauperet für pauperat. Für die herstellung der offenbar 
verderbten stellen ist die ältere und neuere litteratur sorgfältig 
benutzt worden ; freilich ist die getroffene wähl nicht immer 
eine glückliche zu nennen, da eine ganze anzahl höchst bedenk- 
licher vermuthungen aufgenommen sind, deren bedenklichkeit 
der herausgeber zum theil selbst einräumt. So ist 207 dextrum 
dextra itd vehementer geschrieben, während doch derartige formen 
von dexter allem anscheine nach unplautinisch sind, 58 annuit 
altera, 216 Tibi dicox eho cantherie me hauscis, 297 tu ei cüstos 
additus perieris mit an dieser versstelle mit recht verpönten dac- 
tylischen wortformen; der ausgang eines trochäischen septenars 
auf ein molossisches (oder spondeisches) wort und zwei iambische 
wie 322 nam eccillam quidem domi ist bei Plautus unerhört, wahr- 
scheinlich ist mit annähme ganz gewöhnlicher fehler unserer 
handschriften zu schreiben nam illam quidem vid\i\ [illa cod.) 
domi; eine solche Vermischung zweier ganz verschiedener Vor- 
stellungen wie 927 ego illum probe iam oner atum runcinabo, 
darf man ohne noth dem Plautus füglich nicht zumuthen. Die 
emendation von Hertz Prise. II, p. 59 compsissume 933 ist 
wohl Lorenz entgangen , sowie dass 189 habeat schon von B. 
Schmidt Jahn's J. 1866, p. 630 vorgeschlagen ist. Unter den ei- 
genen vermuthungen von Lorenz finden sich einige sehr ein- 
leuchtende: vorzüglich ist die emendation 231 auden partieipare; 
ist dagegen 222 wirklich der von Lorenz mit seiner vermuthung 
Interclude iter inimicis, cdte tibi moeni viam in die stelle gebrachte 
gedanke erforderlich, so ist es wohl das einfachste zu schreiben 
Intercludito [intercludite cod.) inimicis miatum (commeatum cod.), 
tibi moeni viam. — t. 



120 68. Plautus. 

68. Scaenicae quaestiones Plautinae. Scripsit Guil. Hahn. 
Gryphiswaldiae 1867. IV u. 52 pp. (Dissert. inaug.) 

Diese ziemlich unreife und oberflächliche dissertation be- 
handelt in ihrem ersten theile p. 2 — 23 die allgemeinen fra- 
gen über läge und bau der altrömischen Schaubühne, über sce- 
nenarrangement , costüm u. s. w., ohne irgend etwas neues zu 
bringen, zuweilen sogar bekanntes und leicht auffindbares ver- 
nachlässigend oder nicht kennend , wie bei der frage über die 
costümirung der Schauspieler , p. 14 — 15, die bei Plautus so 
oft erwähnte palla, die verschiedenen färben der kleider, die 
barokken ausstaffirungen komischer figuren u. dgl. . Schlussfolge- 
rungen, wie der p. 3 aus Ter. Hec. prol. II, 31 — 34 entnom- 
menen: actam esse Heeyram iterum in foro, quippe in quo glaclia- 
tores antiquitus soliti sint pugnare, oder der p. 18 —19 auf Merc. 
3 sq, und auf eine note(!) Bentley's zum Heaut. prol. 1 ge- 
stützten : Poenuli prologum non modo priorem esse Mercatoris 
Terentianisque, verum etiam, si exceperis quae excipienda sunt non 
ita multctf vere esse Plautinum — wird niemand das geringste 
gewicht beilegen; ebensowenig der über die erst seit der aedilität 
des Claudius Pulcher (92 a. C.) stärker entwickelte anwendung 
der pictura zur bühnenausschmückung (p. 8). Durch eine schlimme 
nachlässigkeit ist p. 16 der von Ritschi stammende vers Mil. 
glor. 1181 E. als plautinisch citirt worden, wahrscheinlich nach 
Fleckeisen's ausgäbe, s. Epist. crit. p. VII. — Richtig ist dage- 
gen die zuletzt p. 20 — 23 gemachte beobachtung, dass man 
bei der acteintheilung von der falschen fünf ganz absehen und 
nur die aus der handlung selbst entspringenden bedingungen 
ins äuge fassen müsse ; doch wird keine durchführung versucht ; 
„etenim hoc longioris dissertationis est." — Der zweite theil 
p. 24 — 50 bespricht das nur für die einzelnen stücke wichtige 
bei jedem derselben für sich. Es stellt sich heraus, dass die 
beiden seitenein- (und aus)-gänge des bühnenrectangels nicht 
von Plautus nach einer, durchgehenden regel benutzt wur- 
den, sondern dass die stadt- und hafenseite bald resp. rechts 
und links vom publicum (Amph., Mil., Merc, Men.), bald umge- 
kehrt (Cure, Poen.) angenommen worden sind; im Truculentus, 
der durch eine neue nachlässigkeit p. 12 mit Curculio und 
Poenulus zusammengestellt wird, ist nichts zu ermitteln, so 
wenig wie in den übrigen dreizehn stücken. Von den wenigen 



68. Plautus. — 69. Terentius. 121 

eingestreuten nebenbemerkungen verdient nur die zum Merc. 1009 
erwähnt zu werden : dass der ganze vers mit den hand- 
schriften dem Demipho zu geben und so zu erklären sei, dass 
er aus reue und schäm sich durch die hinterthüre ins haus 
schleichen wolle, vgl. Pseud. 1234 sq. Dass der schlussvers 
des Eudens unächt sei, ist gewiss richtig, aber nicht neu: was über 
das (sehr schwierige) scenenarrangement in dieser komödie ge- 
sagt wird, ist völlig unsicher und wenig probabel. Die behaup- 
tung, dass Most. 817 R. vestibulum und ambulacrum ein und 
dasselbe seien, ist sehr kühn und noch lange nicht damit be- 
wiesen, dass hoc nur einmal gesetzt ist-, entschieden falsch dürfte 
das über das ab - und auftreten des Theopropides p. 36 sq. ge- 
sagte sein. Sehr unwahrscheinlich werden in denBacchides und 
im Pseudolus drei eingänge an der hinteren bühnenwand ange- 
nommen: nichts spricht dafür, dass das haus des Philoxenus 
auch zu sehen war, und Caludorus kann doch nicht seine eigene, 
neben der väterlichen gelegene behausung gehabt haben ; das 
gelage findet extra scaenam statt, z. b. bei Charinus. Als curiosa 
seien schliesslich noch erwähnt die behauptung, dass im Trinum- 
mus das posticulum, des Lesbonicus auf der bühne sichtbar ge- 
wesen sei, adiunctum aedilus [Calliclis], in scaenae fronte (p. 49) ; 
und die zweite der thesen: Militis gloriosi primus actus additi- 
chis esse videtur. 

Aug. O. Fr. Lorenz. 



69. Quaestiones Terentianae. Scripsit Eduardus a Brune* r. 
Exactorum soc. scient.Fennicae t. IX. 4. Helsingfors. 1868. 92S. 
Eine mit vielem fleisse und gründlicher gelehrsamkeit ab- 
gefasste schrift, die aber an Schwerfälligkeit der darstellung und 
mangel an Übersichtlichkeit leidet. Sie behandelt in ihrem 
ersten theile p. 1 — 79 die sehr schwierige, verschieden beant- 
wortete und kaum zu erledigende frage : De canticis et tibiis Ja- 
bularum Terentii. Nach einer litterarischen einleitung p. 3 — 5 
sucht der verf. zuerst p 6 — 20 darzuthun, dass die durch Donat 
allgemein gewordene ansieht: tibiae sinistrae seien discantflöten, 
tibiae dextrae bassflöten gewesen , unrichtig sei , und dass 
Boeckh mit seiner entgegengesetzten behauptung recht habe. 
Ich kann hier nicht beistimmen. Die p. 7 sg. versuchte neue 



!22 69. Terentius. 

deutung der ohne zweifei lückenhaften und verdorbenen worte 
Varro's EE. I, 2 (die tibia sinistra sei inferior a dextrae fora- 
minibus) erscheint sehr gezwungen und sprachlich kaum zulässig : 
suam vocem effundere incipit post dextram, cuius foraminibusinferiora 
laevae posterius fiatu tibicinis attinguntur ; denn a bezeichne hier, 
post quam rem vel cuius rei respectu posterius res alia veniat. Die 
völlige Unsicherheit der übrigen für Boeckh's ansieht beige- 
brachten gründe und beweissteilen geht aus der weitschweifigen 
polemik, die sich namentlich gegen W. Willmanns (de didasc. 
Terent.) richtet, genügend hervor. — Unter den folgenden be- 
merkungen über canticum und acteintheilung p. 20 — 31 begegnen 
wir einer ansprechenden vermuthung, die schon mancher im 
stillen gehegt haben mag, dass auch diejenigen in wechselnden 
rhythmen geschriebenen partien des dialogs, die den eigentlichen 
canticis beigesellt sind, von den flöten begleitet und zwar nicht 
gesungen, aber doch recitativisch vorgetragen wurden (p. 24 sq). 
Derselbe gedanke ist, wie ref. beiläufig bemerken will, ausge- 
sprochen worden von einem herausgeber des Terenz, W. Eein- 
hold , in einer kleinen schrift „über die anwendung der musik 
in den comödien der alten. Pasewalk 1839", die dem verf. 
(p. 4 not. 1) nicht zugänglich war, aber hier von dem argen 
missverständnisse begleitet ist, dass diverbia, allen alten Zeug- 
nissen zuwider, stets „recitativ" bedeute. — Endlich wird es 
versucht, p. 31 — 79, in den einzelnen comödien des Terenz die 
cantica und die recitativisch vorgetragenen theile des dialogs 
nachzuweisen: ein dankenswerthes, interessantes und auch recht 
gelungenes unternehmen. Was aber die sich daran knüpfenden 
bestrebungen , die (von ßoeckh und vom verf. angenommene 
musikalische) eigenthümlichkeit der in den didaskalien und bei 
Donat genannten tibiae jedes Stückes mit den betreffenden ge- 
sungenen oder recitativisch vorgetragenen partien desselben selbst 
in harmonie zu bringen, betrifft, so kann ref. nur bedauern, 
dass viele mühe und fleiss vergebens aufgewandt worden ist : 
denn fruchtlos sind die anstrengungen des verf's., zwischen den 
widersprechenden und kritisch oft sehr unsicheren notizen aus 
dem alterthume zu vermitteln und den verschiedenen , schwan- 
kenden ansichten der neueren gegenüber feste gesichtspunete 
aufzustellen. — Um so erfreulicher sind die im zweiten theile 
(p. 79 --92) des ganzen buches vorgetragenen, gut und sorg- 



70. Scaevus Memor. 123 

fältig motivirten Emendationes Terentianae , die wir hier mit ver- 
gnügen ausschreiben. Heaut. 645 natus für natu, = natura 
conformatus; Ad. 357 ille eum für illum, mit beibehaltung des 
eumv. 358; Andr. 703 qui id für quid (Fleck eisen quod) ; 669 hat 
PA. das scio, wie 702; Hec. 248 Sum id für Sed; Phorm. 368 
fiel aeque aus vor atque; Eun. 267 ante östium eius astdre 
tristem video ; Hec. 163 Ad exemplum morum amörem earum 
existumans; Heaut. 583 ist nach 586 zu stellen; Phorm. 20 
und 21 sind in umgekehrter Ordnung zu lesen; aber lleaut. 
32 Dixisse popidum; quör insanus serviatf ist noch nichtgeheilt. 

Auy. O. Fr. Lorenz. 



70. Diem natalem regis augustissimi Guilelmi I d. XXII 
m. Mart. — rite celebraudam . . . indicit M. Hertz. Inest de 
ScaevoMemorepoeta tragico commentariolum. 4. Vratisl. 1869. 8 S. 

Ein programm, was an die abhandlungen des um die la- 
teinische literatur so verdienten Weichert angenehm erinnert: es 
übertrifft diese aber von wegen anwendung scharfer kritik und 
richtiger methode gar sehr. Indem von der in der schrift be- 
folgten anordnung wir uns losmachen, bemerken wir zuerst, dass 
der richtige name des mannes Scaevus — nicht Seaeva — 
Memor ist: Scaevus erscheint zwar nur selten und hätte daher 
bemerkt werden sollen, dass nach Schopen. ad luven. T. I, p. 
331 von dieser form die spuren deutlich im Schob ad luven. I, 
20 sich finden. Der name weist auf abstammung von freigelas- 
senen hin, da ihn, wie z. b. auch Scaevinus, man in der kaiser- 
zeit gerade bei diesen findet, z. b. Momms. I. E. N. n. 5795. 
Unger. Valg. Ruf. p. 413 flg.: sie steht auch durch den bruder 
Turnus , den bekannten Satiriker, fest. Die familie stammte aus 
Aurunca in (Jampanien, einer Stadt, aus der ja viele dichter her- 
vorgegangen : daher kein wunder , dass auch Scaevus sich der 
poesie widmete und zwar der tragischen, die, wie namentlich aus 
Martial und Iuvenal zu ersehen, in der zeit dieser dichter gar 
nicht schwach — wenigstens der zahl der tragiker nach — ver- 
treten war. Einer andern kunst hat sich Scaevus aber nicht er- 
geben: was früher angenommen ward, dass er auch maier ge- 
wesen, beruht auf einer merkwürdig verkehrten auffassung von 
Martial. Ep. XI, 9 Sehn., wie Hertz treffend beweist. Eben so 



124 70. Scaevus Memor. 

hatte man früher kein sicheres fragment aus den tragödien des 
Scaevus, nicht einmal einen titel: auch diesem mangel ist jetzt 
durch [Serg.] Expll. in Don. II. bei Keil. Gramm. Lat. T. IV, 
p. 537 abgeholfen, freilich eine stelle, die auch durch Hertz 
noch nicht sicher hergestellt ist trotz der beihülfe von 0. Rib- 
beck und Luc. Müller. Die worte lauten : patronymica . . . filia 
Atrei Atreis dicitur, filia [Cissei] Gisseis, id est Hecuba, Cissei filia, 
Priami regis uxor: Vergilius, [X, 705]... Scaevus in tragoedia 
S cindimus atras veteri planctu Cissei s genas, id est 
Hecuba filia Cissei; et Non ego [Aen. II, 785] . . .: Hertz schreibt 
anapästisch: 

Scindimus aträs veterf planctü 
Cissei genas, 
ändert sonst aber nichts : aber ich meine auf corruptel deutet, 
da die stelle doch einem gelehrten grammatiker entnommen sein 
muss, in tragoedia; denn es muss hiezu etwa cuius titulus Hecuba: 
eben so et Non cett. ; denn es muss entweder et oder item 
Vergilius heissen : und endlich, was will denn id.. Cissei nach 
genas, da dieselben worte kurz vorher stehen? Man könnte an 
nachlässige Wiederholung denken: aber das geht wegen der le- 
sung im Lavantinus nicht: id Jiaecave filia clüssei; denn da- 
raus scheint hervorzugehen, dass die form Hecabe hier gestanden 
und der name vom dichter herrührt , der Cisseis Hecabe gesagt 
hatte; denn die von L. Müller stammende aenderung Cissei ist 
gewiss unrichtig, da der übrigen beispiele wegen der nominativ 
Cisseis festgehalten werden muss. Darnach glaube ich gezeigt 
zu haben, dass eine sichere grundlage für emendation des frag- 
ments noch nicht vorhanden; nur atras dürfte in albas zu ver- 
ändern sein: vrgl. Martial. Ep. HI, 58, 24. Scholl, et intt. ad 
Pers. Sat. 111, 115 : dass ater nicht gut hier passt sieht man 
wohl schon aus Jacob. Quaest. epic. p. 75. Darnach wissen 
wir, dass Scaevus als dichter von crepidatae seinen von Martial 
verkündeten rühm erlangt hat : auch lässt sich eine Verwandt- 
schaft mit Seneca erkennen : vgl. Sen. Troad. 975 sq. 

Das ist ungefähr, was wir von Scaevus Memor wissen : dass 
darüber Hertz so viel hat schreiben können, kommt eines theils 
daher, dass er ab und an kleine excurse einlegt, wie p. 4 über die 
den tragikern der kaiserzeit fälschlich beigelegten fragmente, eben- 
daselbst über die bekannte stelle aus der Vita Persii: nam 



71, Vergilius. 125 

Cornutus illo tempore tr a gicus fuit cett., wo er Seneca für 
Cornutus schreiben will, was schwerlich billigung finden wird, — 
andern theils daher, dass er auf die ansichten der neuern oft 
genauer eingeht und sie widerlegt : da kaum in einem andern 
theile der alterthumswissenschaft so leichtfertig verfahren ist, 
wie in der geschichte der lateinischen poesie, so bewegt man 
sich bei diesem verfahren auf einem äusserst fruchtbaren gebiete. 
Es wäre eine leichte mühe, aus saec. XVII. XVIII Zusätze zu 
machen: wir wollen aus dem unsrigen einen zum Schlüsse hin- 
zufügen. Zu dem oben besprochenen fragmente des Scaevus 
bemerkt H. Keil: Pacuvii versus esse videtur: cf. Serv. ad Verg. 
Aen. VII, 320 regina Hecuba secundum Euripidem filia Cissei, quem 
Ennius Pacuvius et Vergilius sequuntur: aber ist denn nicht jetzt 
viel sicherer anzunehmen, dass der Verfasser dieser bemerkung 
Probus sei? E. v. L. 



71. Virgils Aeneide im Nibelungenversmaass übersetzt von 
Moritz Zille, Dir. desMod. Gesammtgymnasiums. 8. Leipzig. 
1868. X u. 385 S. — 2 Thlr. 

Wir würden diese „Übersetzung 1 ' nur kurz als einen beweis 
der bei uns jetzt oft bemerkbaren geschmacklosigkeit und der 
in metrischen dingen herrschenden unkenntniss bezeichnet haben, 
wenn nicht das kecke hinstellen grundfalscher, von vielen frei- 
lich getheilten, behauptungen sowohl in vorrede als in den bei- 
den anhängen uns bestimmt hätte, dem buche eine seite zu 
widmen. Der erste anhang, p. 351 — 360, „der hexameter und 
der nibelungenvers/' bezeichnet zuerst nach den aussprächen 
einiger ungelehrten die einführung des hexameter in die deutsche 
poesie als eine verirrung , vor allem wegen mangel des reims 

— dass unter andern auch W. Grimm das Vorhandensein des 
reims bei den alten nachgewiesen, weiss also der verf. nicht 

— dann weil nach p. 358 „thatsächlich und geschichtlich der 
nibelungenvers unser hexameter, unser episches versmaas ist." 
Er entspricht dem hexameter aber auch in seinem baue : ,,er ist 
ebenfalls ein sechsfüssler und besitzt in der mitte einen ein- 
schnitt (cäsur) ; er hat demgemäss (?) eine länge , welche ihm 
breite und würde verleiht, ohne ihn schleppend zu machen." 
Das zeigt, dass Zille rhythmik nicht kennt: wer aber über 



126 71. Vergilius. 

metrik jetzt zeitgemäss , d. h. so sprechen will , dass er die 
wahren fortschritte der zeit nicht ignorirt , muss rhythmik 
verstehen. Aus ihr folgt, dass aus solchen metrischen ein- 
zelnheiten und äusserlichkeiten , wie zahl der füsse und cäsur, 
die gleichheit von versen nicht bewiesen wird: in unserm 
fall zeigt aber die Verschiedenheit beider schon dies metrische: 
im deutschen ist ja gar keine cäsur , sondern immer eine und 
dieselbe, nie fehlende diärese; im Homer wechseln cäsuren und 
diäresen, wechseln männliche und weibliche, reihen- und podische 
cäsuren im dritten, vierten, zweiten, fünften und sechsten fusse, 
fehlen endlich alle die vielen versen auch ganz, da gar cäsur 
im rhythmus nicht begründet ist. Ferner gehört der hexameter 
in den Xoyog ißog, freilich mit einer gewissen beimischung des 
Xöyog öinluaiog, der nibelungenvers folgt aber allein dem Xöyog 
dtnldöiog und kann desshalb nie an würde und erhabenheit dem 
hexameter gleich kommen, ist und bleibt vielmehr namentlich 
auch wegen seiner reihen-diärese ein knittelvers : in einen solchen 
also hat Zille die erhabenen gedanken Vergils übersetzt, in einen 
vers und somit in eine form die Aeneide gebracht, die deren 
inhalt diametral entgegensteht: er hat gethan, was ein Römer 
gethan haben würde , der nach Vergil die Ilias in saturnier 
übersetzt hätte-, der saturnius ist nämlich auch nur ein knittel- 
vers und solche lassen mit anläge für poesie und kunst begabte 
Völker nur in den ersten Stadien ihrer entwickelung zu. 

Der zweite anhang, p. 361 — 385 „die unvollendeten verse 
der Aeneide," will beweisen, Vergil habe sie absichtlich um ruhe- 
punkte zu schaffen gesetzt: also b. XII=952 verse und — ein 
ruhepunktü Es ist doch für jeden kenner eine ausgemachte 
sache, dass ausser diesen halbversen noch viele andere anzeichen 
vorhanden, dass die Aeneis unvollendet geblieben :vrgl. 0. Ribbeck 
Verg. Opp. Prolegg. p. 56 flg.: sie gehören aber auch nach den 
Zeugnissen der alten zu dem unvollendeten. Dann lassen sich 
die gründe, warum gerade an dieser oder jener stelle ein halb- 
vers steht, zuweilen evident nachweisen: so V, 296 Nisus et 
Euryalus primi, IX, 467 Euryali et Nisi, vielleicht auch V, 322 
Tertius Euryalus, über welche Zille p. 373 spricht: es wollte 
in ihnen allen Vergil mit demselben gedanken schliessen und 
da beim abfassen von b. V die fassung von b. IX noch nicht 
feststand, liess der dichter hier eine lücke : in b. IX mochte er 



72—82. Schulbücher. 127 

für diese stelle b. V noch genauer durchgehen wollen. Aber 
warum so ? Vergil hatte die auch bei Homer so wunderbar 
angewandte kunst begriffen , in den ersten und frühern Stadien 
der erzählung auf deren ausgang zur hervorbringung tragischer 
erschütterung hinzuweisen , wesshalb im alten epos und mythos 
Orakel und Weissagungen eine solche rolle spielen , eine von 
Welcker oft genug hervorgehobene eigenthümlichkeit : dergleichen 
wird einem so langsam arbeitenden dichter wie Vergil und über- 
haupt jedem spätem gar schwer. Es gehört zur erklärung des 
Vergil eben auch genaue kenntniss des griechischen. Merkwürdig 
bleibt aber immer, dass Vergil selbst diese meist so leicht 
auszufüllenden verse schliesslich hat stehen lassen: nach seiner 
art muss er dafür einen Vorgänger gehabt haben. Ich meine 
— es ist freilich gefährlich dergleichen so kurz hinzustellen — 
den im alten lateinischen epos zu finden ; das epos im saturnier 
bot analogien ; eine liegt im lied der Fratres Arvales klar vor, 
da steht ein 'lalbvers zwischen ganzen. So viel hiervon: es 
thut mir leid, herbe sprechen zu müssen und zwar wegen der 
hebe und begeisterung, welche Zille für seinen Vergil offen aus- 
spricht, eine liebe, die man gerade jetzt selten findet , weil die 
wenigsten Vergil genau studieren: aber es ging doch nicht anders. 

E. v. L. 

NEUE SCHULBÜCHER. Unter dieser rubrik bringe ich kurz die 
betreffenden mir von den Verlegern zugestellten bücher zur kenntniss des philolo- 
gischen publicum; wünscht einer der herren mitarbeiter mein exemplar zu besi- 
tzen, wird es ihm gern abgegeben werden. — 72. Enylmann, formenlehre des 
attischen dialekts. 8. Bamberg. 1869 : s. ob. p. 69, 15gr. — 73. Gebhardt, griechisches 
lesebuch für lateinschulen. 8. ibid. 1869, 20 gr. — 74. Aug. Hauche, materialien 
zu griechischen exercitien nebst kurzer anleitung zum übersetzen und deutsch-grie- 
chischem Wörterverzeichnisse für die obern gymnasial-classen. 2. aufl. 8. Berlin. 
Weidm. 1869: 24 gr. — 75. Raph. Kuehner, anleitung zum übersetzen aus dem 
deutschen ins griechische. Erste abtheilung zureinübung der formenlehre. 2. aufl. 8. 
Hannov. 1869, 10 gr. — 76. Desselben elementargrammatik der griechischen spräche, 
nebst eingereihten griechischen und deutschen Übersetzungsaufgaben und den dazu 
gehörigen Wörterbüchern, so wie einem anhange von dem homerischen verse und 
dialekte 25. aufl. 8. Hannov. 1869; 27 gr. — 77. K. Schenhl, griechisches 
elementarbuch für die dritte und vierte classe der österreichischen gymnasien nach 
den grammatiken von Curtius und Kühner bearbeitet. 7. aufl. 8. Prag. 1869. 
15 gr.: ist laut vorrede ins italienische (2. aufl.), englische und polnische übersetzt. — 
78. Tirocinium poeticum. Erstes lesebuch aus lateinischen dichtem ... von Dr. 
I. Siebeiis. 8. aufl. Besorgt von Richard Hubenicht. 8. Leipzig. 1869: 
7^ gr. — 79. Const. Bulle, lateinisches lesebuch für anfänger. 8. Bremen. 
1869: 20 gr. — 80. P. I). Ch. Henning s, elementarbuch zu der lateini- 
schen grammatik von Ellendt- Seifert. Erste abtheilung für sexta. 8. Kiel. 
1869: 8 gr. (Es ist aber nicht hübsch, wenn junge lehrer, die darnach streben 
sollten, der Wissenschaft zu nützen, ihre literarische thatigkeit in büchern für sexta 
glänzen lassen wollen , zumal da an solchen büchern gar kein mangel ist). — 



128 Theses. — Auszüge. 

81. W. Willerding, lateinisches elementarbuch für sexta. 2. auf!. 8. Hildesh. 
1869: 127 s. : 10 gr. — 82. Th. Opitz, lateinische Vorschule. Ein lern- und 
Übungsbuch für höhere schulanstalten. Zweiter cursus. Erweiterte formenlehre 
und die zum übersetzen eines lateinischen Schriftstellers unentbehrlichsten syntakti- 
schen regeln. 8. Leipzig. 1869: 244 s.: 18 gr. E. v. L. 

THESES: .. quas .. in a<TG7org7a~Äugusta d. VlTl m. Mart. MDCCCLxTXpublice 
defendet F. Frred ersdorff: verba Liv. XXVI, 41, 18 — 43 ab nomine docto quo- 
dam in ordinem redacta esse , etiam omissa codicum auctoritale probari potest. — 
Apud Polyb. p. 240, 1 ßekk. enuntiatum aliquod excidit, cuius reliquiae sunt verba: 
iv cciiTfj iß fJtäy^. — Diod. Exe. Vat. XXV, 45 sie restituenda sunt: dtö xal 
Tore avvidkiv r t v -- r t Xlx>]V vntgßoXijv t%oi OTqaitjyrxrj avvtaig IdMünxrjg, cmsi' 
giag xal Tgißtjg äXöyov xal GtoarKarixrjg. — Polyb. p. 646, 24 ßekk. sie 
emendanda sunt: orav avrbg dyayxacShit] vnu rtjg naroidog xal twy oXwy 
IXnidog, atque Bekkeri coniectura: ovx tdidov reiieienda est. 

.. quas in ac. Georgia Augusta .. cal. Maus a. MDCCCLXIX defendet Ad. 
Greef: in Tac. Dial. 3 scribendum est: ,,tum ille , intel- 
leges tu quide?n quid cett. — ibid. c. 7: quinam inlustres et in- 
cliti non solum apud cett. — in Annal. XIII, 4: et quasi raptim incen- 
sus — in Thucyd. II, 56 vv nöXicjxa IniQ-aXädGiov pro glossemate habenda sunt. 

... quas in Ac. Georgia Augusta a. d. VIII idus Maias a. MDCCBLXIX . . . de- 
fendet Car. Eriche: Herod. V, 88 verba sie ordinanda sunt: .. AlyivyTrjGi, 
nagä Gffict ... avandevatf rag yvvalxag xal ngöasTt ro ds noitj aai 
vofxov elvai 'Amxby ju^ts xtX. — Xenoph.Hell. III, 4, 9 scribendum est xal 
o AvGaydgog tlnty, ' AXX' iGwg xal fiaXXoy , eqq, ilxöia xtX, — In Serv. ad 
Verg. Aen. IX, 715 scribendum est: simiae missae sunt, quas Tuscorum 
lincjua arimos dieunt: v. Hesych. s. "Agi/ta, Strab. XIII, 4, 6. 

~~~ÄTJSZÜGE AUS ZEifSCIIJtIFlE]S~liöümgische gelehrte an- 
zeigen, 1869, St. 1 : H 0X1,0 QXrjzixa xal noXiogx'vai diayöguiv nöXaav. — 
Poliorcetique des Grecs. — Traites theoriques. Recits historiques. Ou- 
vrage publie par l'imprimerie imperiale. Textes restitues d" apres les ma- 
nuscrits de Paris, du Vatican, de Vienne , de Bologne, de Turin, de 
Naples, d' Oxford, de Leyde , de Munich, de Strasbourg , augmentes de 
fragments inedits et aecompagnes d'un commentaire paleographique et 
critique par C. We scher. 8. maj. Paris 1868: ausführliche und sehr 
wichtige anzeige von Carl Müller, durch die unter andern auch die echtheit 
der bruchstücke des Aristodem ausser zweifei gesetzt wird (s. Philol. XXVII, 
p. 568), dabei evidente texlesverbesserungen. — St. 2: luli Exuperanti opus- 
culum a C. Bursiano recognitum. 4. Zürch. 1868: anzeige von T. Lü- 
decke , die einen Baseler codex und eine abschrift desselben , die jetzt in 
Bremen befindlich, nachweist: vergl. ob. n. 14, p. 23 not. — St. 3: Plato and 
the other companions of Socrates by George Grote. 3 voll. 8. ed. II. 
Lond. 1867: die zweite aufläge unterscheidet sich nur wenig von der ersten: aus- 
führliche und sehr zu beachtende anzeige von Dr. Peipers , in der nicht allein 
Grote's ansieht genau angegeben . sondern auch mit erfolg bekämpft wird und die 
eigne ansichten über die philosophie der Griechen und speciell Plato's ausspricht. 
Archäologische Zeitung: Neue folge, bd. I, hft. 4 (Bd. XXVI). 1869: 
H. Jordan , die küste von Puteoli auf einem römischen glasgefäss. Nebsl eini- 
gen reliefs von Capua, p. 91. — Adler, die Onyxkanne zu St. Maurice 
in Wallis, p. 98. — Miscellen und berichte: A. Ilichaelis , zum diptychon 
Quirinianum zu Brescia, p. 101. — P. Pervanoglu, noch einmal die vase von 
Megara, p. 102. — O. Partheg , weitere römische ausgrabungen, p. 104. — 
H. Jordan, bemerkungen zu den neuen römischen ausgrabungen, p. 106. — 
R. Engelmann, zum schild der Parthenos, p. 107. — H. Heydemann, Zu- 
wachs des vaticanischen museum, p. 108. — E. Hübner, alterthümer von Ca- 
dix und Sevilla — zum hildesheimer silberfund — nachträgliches zur berliner Au- 
gustusstatue, p. 109. — H. Brunn, Zusätze und berichtigungen zur archäologi- 
schen ztg. 1868, p. 111. — Sitzungsberichte der archäologischen gesellschaft in 
Berlin, p. 112. — Allgemeiner Jahresbericht, p. 121. 



Nr. 5. Mai 1869. 

Philologischer Anzeiger. 

Als beiblatt zum Philologus herausgegeben 



Ernst von Leutseh. 



83. Q. Horatius Flaccus. Ex rec. et cum notis atque emen- 
dationibus Richardi ßentleji. Tomus prior. 8. Ed. tertia. 
Berol. Weidmann. 1869. — 2 Thlr. 10 Gr. 

Diese würdig ausgestattete neue aufläge unterscheidet sich 
vortheilhaft auch dadurch von den früheren, dass viele citate 
genauer angegeben, auf neue fragmentsammlungen, wo es nöthig, 
verwiesen, versehen Bentley's in citaten berichtigt und desselben 
nachträgliche Verbesserungen an ihren stellen eingefügt sind. 
Wir machen auf diese aufläge um so mehr aufmerksam, je mehr 
unkritisches und nachlässiges verfahren in der jetzigen Horaz- 
literatur um sich zu greifen scheint: möge doch jeder, der 
über Horaz schreibt, dem von Bentley gegebenen muster gleich 
zu kommen bestrebt sein ! 



84. Des Q. Horatius Flaccus Satiren und Episteln. Für 
den schulgebrauch erklärt von G. T. A. K $üger. Sechste 
aufläge. 8. Leipzig. Teubner. 1869. — 2 Thlr. 

Das buch ist bekannt, so dass wir uns auf die neu gear- 
beitete vorrede beschränken dürften: allein wir benutzen dies 
gute buch um die eine oder andre unserer mit dem gegenwärtig 
beliebten in Widerspruch stehenden ansichten auszusprechen, da 
es ganz besonders die aufgäbe des anzeigers sein soll , faulen 
lieblingsansichten unsrer zeit herzhaft entgegenzutreten. Die 
neue vorrede nun ist, da ihr die der ersten aufläge voransteht, 
die zweite im buche und fasst alle von der zweiten bis zur sechs- 
ten in sich : sie bezweckt die Veränderungen der neuen auflagen 

9 



130 84. Horatius. 

mit besondrer rücksicht auf die neueste literatur zu rechtfertigen 
und nachzuweisen. Es verdiente dies verfahren in allen Schul- 
ausgaben festgehalten zu werden : denn da bei dem jetzt herr- 
schenden raubsystem selbst ein kenner nicht immer gleich wis- 
sen kann, ob in einem commentar etwas von dem auf dem titel 
stehenden Verfasser selbst herrührendes enthalten, so könnte in 
einer solchen vorrede der vf. seine eigene zuthat, auch sein eigenes 
wissen zeigen und sich so zu sagen als erklärer legitimiren. 
Für Krügers vorrede wünschten wir, selbiger hätte aus den 
früheren vorreden mehr neuere literatur stehen lassen , ferner seine 
eignen ansichten schärfer begründet; für den commentar selbst 
dagegen, er hätte — und das ist die hauptsache — die ansichten 
anderer fruchtbringender benutzt und zwar so , dass vorzugs- 
weise das , was falsche annahmen hervorgerufen , zur sichern 
Vermeidung von irrthümern jetzt richtig und sorgfältig erörtert 
wäre. Es soll was wir wollen durch zwei beispiele und zwar 
zuerst gleich durch die erste der von Krüger (vorr. p. IX) besproche- 
nen stellen, Serm. I, 1, 88, erläutert werden : er spricht da gegen 
Metzger's schrift \md somit gegen eine erklärung, die was für 
Ungereimtheiten in der erklärung des Horaz noch möglich sind, 
deutlich zeigt. Also Metzger's wegen war im commentar 
zu erläutern, warum das deminutiv asellus und nicht asinus, 
worüber Metzger gar merkwürdiges zu berichten weiss , vom dichter 
gewählt sei. Es gebraucht asinus als grobes, gemeines wort 
Horaz eben so wenig als Catull. c. 83, der da mullus vorzieht: 
er gebraucht aber speciell hier asellus erstens weil in Rom da- 
mals die deminutiva für elegant, fein, zierlich galten, weil zweitens 
es zwingt, den gewöhnlichen esel und nicht einen arkadischen, 
oder reatinischen oder gar einen aus Kaudo u. s. w. (s. ann. 
ad Diogen. Provv. V, 36 b) zu denken und drittens, weil da- 
durch der namentlich im vergleich hier erforderliche ironische 
ton entsteht: Arist. Vesp. 1305 . . saxiora, nenöodei. . a SignsQ 
xa%Qvcop 6vL8iov svo3^t][xsvov. Wir gehen nun zu in campo, was 
das Marsfeld bezeichnen soll. Aber wo campus bei Horaz die- 
sen sinn hat, zeigt die Umgebung ihn klar ; da hier davon keine 
spur, so bedeutet in campo wie inf. H, 3, 53 auf freiem fei de, 
vrgl. Verg. Georg. I, 145, was denn auch allein in den vergleich 
passt: dass das nicht begriffen worden, scheint die überaus un- 
verständige note von Kirchner zu u. st. p. 189 veranlasst zu 



84. Horatius. 131 

haben. Wenden wir uns hiernach zum hauptsatz, so haben sich 
von Bentley die neuern und auch Krüger zu falscher erklärung 
von nullo natura labore verleiten lassen und deshalb die stelle nicht 
verstanden: schon v. 75 zeigt, dass nur suo supplirt werden 
kann und es also ,,ohne anstrengung, ävsv novov, avsv dvdyx^g 
(vgl. Herod. I, 74), auf naturgemässe weise" bedeutet: der sinn 
der ganzen stelle also ist : „aber sollte, wenn du die dir natur- 
gemäss gewordenen verwandten freundlich stimmen wolltest, das 
eben so vergeblich sein, als wenn einer ein ihm auch naturge- 
mäss gewordenes eselein mit pferdegebiss zum galopp dressiren 
wollte?" Denn thäte er das, steckte der esel sofort den köpf 
zwischen die beine, schlüge hinten aus und würfe den reiter ab 
— Wie wenig grade in den schwierigsten und bestrittensten stellen 
unsre Horaz-erklärer ihre pflichtthun, mag noch Serm. 1,10, 64 flg. 
zeigen, über die Krüger p. Xllflg. gar zu kurz sich äussert: da 
sie von Nipperdey — den Krüger nicht citirt — im ind. schol. 
aest. un. Jenens. a. 1858 p. 18 flg. vortrefflich besprochen, sage 
ich nur weniges. Horaz sagt : fuerit Lucilius inquam Comis et 
urhanus, fuerit limatior idem Quam rudis et Graecis intacti car- 
minis auctor Quamque poetarum seniorum turba: es kann, wie schon 
Acron gesehen, carmini s nur s. v. a. satirae sein: wer ist nun 
deren auctor? Kein anderer als Lenaeus , der freigelassene und 
Verehrer des Pompeius, der, obgleich er in unseren literaturge- 
schichten als Satiriker gar nicht erwähnt wird, jedenfalls vor 719 
a. u. = 35 a. Chr. eine damals berühmte satire gegen Sallust 
geschrieben hatte und zwar in einer den von Horaz vertretenen 
poetischen grundsätzen entgegengesetzten weise : Suet. ill. gramm. 
15: vgl. Löbell z. beurth. des C. Sallust. Crisp. p. 13 flg., 
Drumann Gesch. Roms u. s.w. IV, p. 556, wenngleich beide nicht 
genügen. Wie hier, so findet sich auch sonst leider zu oft un- 
kenntniss in der geschichte der lateinischen poesie: so fehlen 
in der anmerkung zu vs. 54 bei Varro Atacinus dessen didaktische 
epen: so wird in der vorr. p. XIII flg. unklar von dem chor 
in der römischen tragödie gesprochen; denn was da vonzwischen- 
acten gesagt ist, lässt sich nicht beweisen : ein chor in griechi- 
scher weise fehlt der römischen tragödie gänzlich und hat sie 
einen solchen überhaupt nur, wenn man „chor" in dem bei uns 
üblichen sinne nimmt; ein solcher tritt aber nicht in zwischenacten 
auf. Auch vermisst man oft anmerkungen ; Epist. I, 11, 3 heisst 

9* 



132 85. Horatius. 

es zu Smyrna quid et Colophon: ,,ersteres die schönste von allen 
ionischen Städten Klein- Asiens" : aber warum Kolophon , herr 
director ? fragt ja nun der wissbegierige primaner. Um den leh- 
rer nicht in Verlegenheit zu bringen , waren doch die wenigen 
worte des scholiasten anzuführen oder auf Ovid. Trist. I, 6, 1 
oder auf Anth. Palat. T. II, p. 715, 295, 2 ov KoUywv tqv- 

ysQijs aargov 'JijovCijg oder dgl. zu verweisen gewesen. Schliess- 
lich empfehlen wir bessere correctur sowohl im texte, — Sat. 
1, 10, 66 steht eii für et u. s. w. — als auch in den noten, wie 

z. b. Sat. I, 1, 88 Hand's Tursellinus — der überhaupt in ein 
Schulbuch nicht gehört — falsch citirt ist; es muss p.438heissen. 

E. v. L. 



85. Des Q. Horatius Flaccus Werke. Erklärende Schul- 
ausgabe von H. Düntzer. Zweiter Theil. Die Satiren und 
Briefe. 8. Paterborn. Schöningh. 1868. 292 S. — 22V2 Gr. 

Es ist gewiss in den für die schule zweckmässig gearbei- 
teten ausgaben der klassiker ein ausgehn von verschiedenen 
principien möglich, vielleicht auch wünschenswerth: immer aber 
wird man von jedem neuen commentar einen fortschritt gegen 
die frühern , in den für prima bestimmten hervortreten der ge- 
lehrsamkeit verlangen. Dem strebt auch die eben besprochene 
ausgäbe von Krüger nach: sie bietet dem gelehrten neues, 
leitet den schüler zum selbstständigen arbeiten an , vermeidet 
dadurch auch jede Verwandtschaft mit der eselsbrücke. Dies 
alles ist leider bei Düntzer nicht der fall: der ganze ton, die 
fassung der noten ist nachlässig, oberflächlich : die erklärung 
steht auf einer gar niedrigen stufe. Und dabei ist merkwürdig, 
wie arge fehler der um die lateinische literatur sonst doch 
vielfach verdiente Verfasser sich zu schulden kommen lässt: so 
heisst es gleich in der vorrede, dass Lucilius „zwei libri sati- 
rarum" herausgegeben : woher weiss das Düntzer? Und wie 
vereinigt sich die ebendaselbst gegebene characteristik von Lu- 
cilius dem dichter mit dem ausspruch des Varro (Gell. N. A. 
VII [VI], 14), er sei gracilitatis exemplumt davon hätte doch 
ausgegangen werden müssen. Auch was über das metrum 
p. 10 gesagt wird, ist ganz verworren: doch statt darauf 
einzugehen , wollen wir lieber aus dem commentar ein paar 



85. Horatius. 133 

proben anführen: also Serm. 1, 10, 66 heisst es von auctor : 
„der zuerst eine satire gedichtet" : . . . „seniorum , hier ist von 
allen römischen dichtem vor Lucilius die rede:" wie oberflächlich 
dies sei, ist eben p. 131 gezeigt. Epist. I, 11, 3 wird von Kolo- 
phon nur bemerkt, dass es seestadt sei: was hat das mit dieser 
stelle zu schaffen? Epist. II, 2, 91 wird carmina, wie v. 59 
carmine, schlechtweg, allerdings mit den frühern, für lyrisches 
gedieht genommen: was sollen dann elegos, iambis? Es ist je- 
desmal das epos gemeint, wenigstens erhabene gedichte. Eben 
daselbst erklärt niemand, wie Horaz zu dem Bioneis sermonibus . • 
komme, dem so ganz verlegenen Bion: es war also an desßea- 
tiners Varro satirae Menippeae zu erinnern. Doch als prüf- 
steiu möge uns die vielbesprochene stelle A. P. 251 flg. dienen, 
zumal da jetzt gerade in deren erklärung Usener und 0. Rib- 
beck unglaubliches geleistet haben, s. Eibbeck zu Hör. Epist. 
p. 230 flg. Horaz sagt: syllaba longa brevi subjeeta vocatur iam- 
bus — wo die angäbe der bestandtheile des fusses nicht auf- 
fallen durfte, da ja Cicero dasselbe thut, gestalten kenntniss 
der metrik und rhythmik damals wie jetzt nicht weit verbreitet 
war, auch die versnamen noch verschiedene bedeutungen hatten, 
da ferner longa brevi subieeta den character des pes, seinen 
gegensatz zum trochäus, bezeichnet, endlich der ton ein 
gemüthlicher ward — Pes citus — nicht mit celeres iambos 
Carm. 1, 16, 24 zu vergleichen , wodurch nur Unklarheit ent- 
steht ; der eilende fuss, !2j bliyov diußag ngotfOQO) no8t nach 
Arktinos bei Diomed. III, 5, 12, p. 474 P., den sein rhythmus 
zur eile treibt — unde etiam trimetris aecrescere iussit Nomen 
iambeis, woher, d. h. aus welcher eile der iambische rhy- 
thmus — pes ist je nach dem sinne bald fuss bald rhythmus, 
eine der so schwankenden griechischen terminologie entlehnte 
freiheit — den iambischen s echsfü sslern befahl — 
iambeis als griechisches wort ist auch in griechischer bedeutung 
zjj nehmen, also gleich rgi/ÄSigu: vrgl. Arist. Ran. 1133. 
Heraclid. Pont. ap. Athen. XV, p. 701 E.: die erklärer des 
Horaz fassen das wort alle falsch — als Zuwachs den na- 
men trimeter zu nehmen, d.h. wie die iambischen sechs- 
füssler ihr wesen, ihre kraft, ihr vermögen von der eile haben, 
so auch noch als einen zuwachs , eine unerwartete Vermehrung 
den namen trimeter: aecrescere ist wohl durch metriker veran- 



134 85. Horatius. 

lasst, vgl. Mar. Victor. II, 4, 3 p. 2524 P. :.. crescit ad sep- 
temdecim, also wohl durch Varro : der ausdruck ist ohne tadel 
uiid sagt Horaz also erstens, dass man tqi^stqov schlechtweg 
für iambischen trimeter gesagt habe, eine vollkommen rich- 
tige behauptung: Herod. 1, 174. Heracl. Pont. I.e., vrgl. Philol. 
XII, p. 31 : vielleicht geht dieser Sprachgebrauch von Archilo- 
chos aus, der tgCfistgu seine iambischen gedichte genannt hatte: 
s. Harpocr. s. naXivaniov p. 143, 7 Bekk.: dann dass die 
messung nach dipodien durch die eile entstanden , eine ansieht, 
die Eibbeck verwirft : es wäre nur erwünscht, wenn nun Eibbeck 
entweder eine bessere aufstellen oder genau nachweisen wollte, 
dass diese ansieht des Horaz dem damaligen Standpunkt der 
rhythmik widerspreche. Es sagt Horaz aber weiter, dass dieser 
name auffallend sei, cum senos redderet ictus — obschon sechsmal 
taktirt ward — Primus ad extremum similis sibi, worte, die so 
viel ich sehe, von keinem erklärer richtig gefasst sind ; Horaz 
sagt similis, nicht par, weil er sagen will, dass der iambische 
rhythmus iv Toi/xeTocp i6vq> äusserlich d. h. metrisch betrach- 
tet zwar verschiedene füsse zeige, tribraehys, spondeus, anapäst, 
daetylus, innerlich aber, d. h. der rhythmischen geltung nach 
die füsse sich ähnlich, d.h. dem Xöyog SinXÜGiog angehörig, seien: 
die spondeen , anapästen , daetylen sind irrationale, flüchtige 
und werden mit solcher vorsieht an den ungeraden stellen und 
sonst behandelt, dass sie dem iambus similes sind, zov naiobg 
ia naidta (Macar. Prov. VIH, 43), also an ihn nahe herangehen : 
oqiQare (so schreibe ich) yvia T siv 6 (isv a qcqoiio xcu eva&eveg 
siöog txV ai Arktinos 1. c, so dass hier das von den alten grie- 
chischen meistern ausgebildete wesen des trimeter klar beschrie- 
ben ist, nicht aber blos die trimeter der iambographen: was 
seit Döderlein bis Eibbeck von gedickten des Archilochos, deren 
trimeter nur aus reinen iamben beständen, behauptet worden, 
ist ein arges versehen : derartige gedichte kommen erst bei den 
Alexandrinern auf. Aber Non ita pridem — was nur heissen 
kann, nicht lange vor mir, dem Horaz, also durch die 
Eömer, ist das anders geworden, da sie spondeos stabiles 
in den trimeter einführten: pridem giebt also, was poetae seniores 
sonst bei Horaz sagt: — tardior ut paullo graviorque veniret ad 
aures , Spondeos stabiles in iura patema reeepit, Commodus et 



85. Horatius. 135 

patiens, — also vor allem sind spondei stabiles zu bestimmen: 
Düntzer bemerkt darüber: „stabiles, ataaifiovg, schwer, im gegen- 
satz zu pes citus?" wer kann daraus etwas lernen? ist der gute 
Bond da nicht viel besser, wenn er sagt: i. graves et tardost 
Ohne zweifei sind die spondeen stabiles , welche ihren vollen 
werth haben, sv diaßfißyxpzeg (s. Tyrt. 11, 21 B., Diod. I, 98. 
IV, 75ibiq. Wessel., vrgl. Arist. Equitt. 77 und naicav diayviog) 
sind, wie auch das wort Quint. I. 0. IX, 4, 83 fasst, also ra- 
tionale, vierzeitige. Somit ist wieder klar, dass hier Horaz 
nur an die Körner denkt. So geben paullo, commodus, patiens der rede 
einen ironischen anstrich : eine wahre Schwierigkeit liegt aber in 
iura paterna, die jedoch schwindet , sobald man beachtet, 
dass Horaz offenbar jeden vergleich mit einem rechtlichen, d. 
h. streng juristischen verhältniss fern gehalten wissen will (vgl. 
matris tutela bei Liv. XXXIX, 9, 2): der iambus, will er sagen, 
hat seine vatersrechte, meinetwegen seine väterliche gewalt, mit 
dem spondeus getheilt, also jeder von ihnen kann an jeder stelle 
stehen, sie sind socii in einem geschäft mit ganz gleichen rech- 
ten. Allein darauf kommt eine beschränkung: non ut de sede se- 
cunda Cederet aut qaarta socialiter — dies fasst man einstimmig 
so, als habe die zweite und vierte stelle den iambus ausschliess- 
lich sich vorbehalten. Aber das wäre nur richtig bei weglas- 
sung des socialiter: so wie dies richtig gefasst wird, entsteht 
der sinn: in der zweiten und vierten stelle bleibt der iambus 
herr: behält er seine iura paterna: steht da der spondeus, 
wird er nicht als socius, sondern als findling oder bastard oder 
als sclav oder als alter hausfreund , der sich in die launen des 
herrn schicken muss, behandelt, er muss und darf nur drei 
moren haben, muss also irrational sein. Demnach sagt Horaz 
genau das, was G. Hermann El. D.M. p. 141 sagt: curarunt 
Uli tarnen, ut plerumque minus durus ad aures accideret spondeus 
iste, nämlich der an grader stelle. Dieser so behandelte trime- 
ter ist bei Attius, fährt der dichter fort selten; er sagt somit 
grade das gegentheil von dem, was Düntzer hier findet; bei 
Ennius aber ist er gar häufig — der von Attius gemachte fort- 
schritt wird angezeigt. Und so ist hier weder an lücken zu 
denken noch an conjecturen, wohl aber der jetzt so verachteten 
exegese ihr recht zu geben: es ist jedes wort zu beachten und 
scharf zu fassen, auch muss man von den vom dichter besprochenen 



136 86. Horatius. 

Sachen nicht gar zu wenig verstehen , sich auch zeit nehmen 
und geduld haben, nicht bei jeder messe ein buch ediren wol- 
len, vor allem aber den wahn aufgeben, die lateinischen dichter 
der augusteischen zeit seien so leicht: sie sind für uns in mancher 
beziehung viel schwerer zu erklären als die griechischen. 

E.v.L. 

86. Die lebensweisheit des Horaz , eine übersichtliche 
Zusammenstellung der schönsten Sentenzen aus den werken 
desselben.... von Theo dor Vo gel. Der Reinertrag ist be- 
stimmt für die Lehrerwittwencasse des Gymnasiums mit Real- 
schule zu Plauen. 8. Meissen. 1868 S. — 7 1 /* Ngr. 

Es geht uns erst jetzt das bücheichen zu und wollen wir 
daher auf dasselbe seines schönen Zweckes wegen noch auf- 
merksam machen: der philolog betrachtet wohl auch einmal 
gern die tiefen Sentenzen seines Horaz ausserhalb ihres Zusam- 
menhangs und lässt sie rein menschlich auf sich wirken: der 
welcher nicht philolog von fach ist, sein latein aber noch nicht 
an den nagel gehängt hat, wird sicherer an dieser gesunden, 
kräftigen nahrung sich laben, als z. b. an den kränklichen und 
als „Baum der Erkenntniss" gar bescheiden sich darbietenden 
„Denksprüchen" von K. Gutzkow, der übrigens wegen seiner 
Schriften (vrgl. Denkspr. p. 126) vor den philologen ruhig sein 
kann , da es deren art nicht ist , ihren zopf an jedes belie- 
bige literarische irrlicht zu heften. Es hat Vogel aber seinen 
stoff in rubriken getheilt: wir wünschten die eine oder andere 
weggelassen und dafür z. b. unsrer lieben Jugend eine gewidmet, 
damit diese auch hier unter anderm guten die so gar nöthige 
anleitung zum yv<n&i aavzov finde: Epist. II, 3, 161: 
imberbus iuvenis tandem custode remoto 
gaudet equis canibusgue et aprici gramine campi, 
cereus in vitium flecti, monitoribus asper, 
utilium tardus provisor, prodigus aeris, 
sublimis cupidusque et amata relinquere pernix. 
Beachten die erklärer diesen wink, werden sie sublimis auch 
nicht mehr ohne weiteres mit /xsyaXoxpvxog zusammenstellen, 
sondern zu Acrons superbus zurückkehren, d. h. hochfahrend, 
aufgeblasen und es lieber mit ^lezmQOi bei Aristophanes, Lucian 

zusammenstellen. 

E. v. L. 



87. Horatius. — 88. Propertius. 137 

87. Schulwörterbuch zu den Oden und Epoden des Q. 
Horatius Flaccus. Von Dr. G. A. Koch, Professor. 8. Hanno- 
ver. Hahn. 1869. — 18 Ngr. 

Für wen solch Wörterbuch? Doch wohl für primaner? 
Die aber sollen das lexicon gebrauchen: oder wann soll man 
dessen gebrauch lernen ? Das buch ist also überflüssig. Ist 
jedoch ein lexikalisches hülfsmittel für Horaz und die schule 
nöthig , so muss es dem Standpunkt der prima angemessen, in 
derart von S chir a ch 's clavis, also gele hrt gearbeitet sein: 
hier aber lesen wir unzählige artikel wie „habito habe inne, 
bewohne", „detrdho, xi, ctum, 3, ziehe herab, vincula servis, streife 
oder nehme ab": dabei versehen mit lächerlichkeiten mancher art : 
z. b. „porca, ae, /., mutterschwein, — ferkel'' : was ist denn 
ein mutterf erkel ? oder mit argen fehlem, wie in „Horatius" 
so gesprochen ist, dass der schüler glauben muss, Horaz sei 
ein alter patrizier: für wen und für was für eine gattung von 
primanern ist hiernach das buch geschrieben ? Es ist planlos 
angelegt und ungelehrt ausgeführt. Daher macht denn der vf. 
natürlich auch alle fehler der erklärer mit : unter Pollio lesen 
wir : „auch als der erste tragiker seiner zeit von Horaz gerühmt 
(indem er seine Stoffe aus dem heroischen mythenkreise der 
Griechen entlehnte)" ; der „erste" und „indem"? Und woher 
weiss der vf., was er in diesem schönen satze mit „indem" 
sagt? Es ist genommen aus Serm. I, 10, 43 und der note von 
Teuffei oder der eines andern: aber aus regum facta canit 
folgt das nicht: denn es können damit auch historische Stoffe 
bezeichnet sein und eben so gut römische oder italische sagen : 
es ist also eine solche gewissheit durchaus nicht den quellen ent- 
sprechend. Es ist nur zu beklagen, dass Verleger sich finden, 
die lediglich um des gewinnes willen solche nur die faulheit 
unterstützende eselsbrücken drucken , aber noch mehr , dass 
lehrer in Deutschland sind, die solche waare auf den markt 
bringen mögen. E. v. L. 



88. Sex. Aurelii Propertii Cynthia cum libro quarto ele- 
giarum qui Propertii nomine fertur. Editio novum in ordinem 
digesta recensente Dominico Garutti. 8. Hagae Comitum. M. 
Nijhoff. MDCCCLXrX. LX u. 242 S. — 1 Thlr. 15 Ngr. 



138 88. Propertius. 

Der Verfasser, wohl kein philolog, gibt nach einem kurzen 
vorwort von p. VII an eine abhandlung de vita et carminibus 
Propertii in fünf capiteln , an die sich ein excurs de Passennio 
Paullo p. XLIX reiht, in dem Heimreich's ansieht kurz mitgetheilt 
wird. Es handelt c. I de vita Propertii: geburtsjahr soll 714 
a. u. wegen I, 22 sein, in welchem aber vom geburtsjahr des 
dichter s nichts steht, vrgl. vs. 1 : Vaterstadt Merania , denn 
Lachmann's beweis für Asisium kennt vf. nicht. Nach einigen 
bemerkungen über gönner und freunde wird Cynthia mit bezug 
auf Plin. NH. XXXIII, 3, 12 als eine nobiliori meretricum 
ordini adscripta geschildert, so dass wir in Alt-Rom jetzt auch 
an eine jeunesse dorie denken dürfen: sichrer ist sie schlecht- 
weg als meretrix zu betrachten; denn die ansichten von Weicbert 
u. a. über ihre abstammung, gelehrsamkeit u. s. w. verwirft der 
vf. mit recht. Dann werden cc. IL III. die gedichte selbst 
betrachtet und da aus ihnen der historische verlauf der liebe 
zwischen Properz und Cynthia sich herauszustellen scheint, so glaubt 
Garutti, dass die gedichte ursprünglich auch diesem verlauf gemäss 
geordnet gewesen und ordnet er denn darnach die gedichte 
der drei ersten bücher, nennt diese Cynthia und weiss p. 
XXIX flg. genau anzugeben , wie die in unsern handschriften 
herrschende gräuliche Unordnung entstanden, ein zeichen, wohin 
unsre so gelehrten Untersuchungen über die Verwandtschaft und 
Schicksale der handschriften dilettanten führen. Wir wollen 
hiergegen nur bemerken, dass bei den alten Cynthia titel nur für 
das erste buch ist; die andern bücher heissen Elegiarum libri, 
wie ich an einem andern orte zeigen werde: dass ferner eine 
an Ordnung wie die Garutti's gegen die von den lateinischen dich- 
tem bei der anordnung ihrer werke befolgten grundsätze gänzlich 
verstösst. Wie dies den dilettanten zeigt, so wo möglich noch 
mehr c. IV : de quarto libro Pseudopropertiano und c. V. de auetore 
Dierum et de poeta Sabino: darnach gehört nur IV (V), 11 dem 
Properz, IV (V), 1. 2. 9. 10 sind theile des von Sabinus ver- 
fassten gedichts Dierum IL, demselben sind auch IV (V), 1. 3 
zuzuschreiben, die andern sind von unbekannten Verfassern. 
Dies alles ist nicht bewiesen: beweise aus dem metrum , aus 
tiefem eindringen in diese so ganz eigene poesie entnommen 
sucht man vergeblich: denn die Schwierigkeiten in der behandlung 
dieser elegien wie sie unter anderm Philol XXVII, p. 58 flg. zeigt, 
sind dem Verfasser glücklich verborgen geblieben : die wis- 



89. Propertius. — 90. Claudianus und Luxorius. 139 

senschaft hat also von diesen ausfuhrungen Garutti's keinen 
gewinn. 

Es folgen die elegien selbst, meistens mit kurzen einleitun- 
gen, alle mit noch kürzeren noten: als probe stehe hier die 

vorrede zu I, 3 (IIL 19 Burm., IV, 20 Lachm.) : l n C odd. et 

edd.vett.superiori adnectitur, Scaliger separavit. — Codices secundum disti- 
chon priori, quintum quarto praeponunt, quem ordinem Scaliger optime com- 
mutavit. — Non mihiprima venu ; primae data tempora noctis, inquit Proper- 
tius; hiuc elegiam ad primum, non ad tertium librum pertinere res ipsa 
indicat: einer Widerlegung bedarf das nicht. Als probe der no- 
ten mögen die zu I, 11 (II, 19 Burm., III, 18 Lachm.) dienen: 

2. Saepe veni habent codd. Lachmannus proposuit vehit. Scripsi veni 
cum Paldamo. Venire pro esse recte dicitur. — 9. Deducit codd. 
Deducet ex Commeliano legendum esse plerique jubent: Jacobius pro- 
bavit deducere etiam esse adducere. — 18. Noli conferre, dare amorem 
tuum nobilibus et locupletibus , ut Passeratius recte explicat. — 20. 
Nav'ita dives Codd. unde fabula de Propertio nauta. Correxerunt Pon- 
tanus et Beroaldus non ita dives; Heinsius haud ita. In der art geht 
es durch das ganze buch. E. v. L. 



89. De codicibus Propertianis Groningano et Neapolitano 
scripsit Guilielmus Grumme. 4. Auric. 1869. 32 S. — 10 Ngr. 

Nach kurzer darlegung des seit Lachmann über den werth 
dieser handschriften geführten Streites geht der Verfasser auf ge- 
naue darlegung der art der Verdorbenheit derselben ein und 
kommt zu dem resultat , dass nur der Neapolitanus als grund- 
lage für die textes-constitution zu brauchen sei. Am schluss 
werden Prop. I, 14, 23. II, 1, 73. I, 17, 11 genauer be- 
sprochen und in ihnen die LA des N hergestellt. Ist nun 
durch diese schrift die frage auch noch nicht völlig gelöst 
so hat sie doch selbige der entscheidung näher gebracht. 

90. Viro amplissimo Carolo Hörn., olim gymnasii 
Friedlandensis prorectori, rerum tum scholasticarum tum divi- 
narum curam per L. annos . . administratam . . gratulantur . . 
Gymnasii Friedlandensis director et collegae. 4. Friedl. 1869. — 6 S. 

Director Unger behandelt 1) Claudian. Epist. IV, 9: 
Fors iuvat audentes, prisci sententia vatis und verlangt Tusci statt 
prisci, womit Vergil als aus dem tuskischen Mantua stammend 
bezeichnet werde: allein es scheint mir das für Claudian -- 
dessen gelehrsamkeit nicht so bedeutend ist, als unsre literar-hi- 



140 91. Iulius Caesar. 

storiker sagen — und dessen publicum zu gelehrt, auch gegen seine 
art der wähl der epitheta: ferner ist prisci als lobend 
völlig genügend, vrgl. de Laud. Stilich. II, 126 priscae redeunt 
artes, in Eutrop. II, 243. 474 : endlich spricht die Überlieferung 
nicht für diese conjectur. Uebrigens wäre Bergk ad Simon, 
fr. 227 in PLGr p. 1197 zu beachten gewesen; — 2. Ammian. 
Marc. XVII, 11, 1, wo aeque ut tintinnabula statt der vulgata 
atque vernacula, ferner ib. XXX, 8, 11, wo immani amentia statt 
der vulgata ima mente vorgeschlagen wird : während hier noch 
mancher zweifei wird gelöst werden müssen , ist dagegen ge- 
wiss richtig 3) Luxor. Ep. 78, 7 (n. 376 Meier.) verbessert: iam 
puto, Callicolonus ad est, ubi numina regnant, d. h. Olympus, 
wo bis jetzt sinnlos gelesen wird puto quod coelicola est: nur 
muss auch im pentameter cum datus in cui datum verändert 
werden, cui datum Ms lierbis vincere mortis onus. E. v. L. 



91. Atlas zu Cäsars gallischem krieg in 15 karten und 
planen für studirende und militärs von W. ßüstow. Stuttgart. 
Expedition der Freya. (C. Hoffmann). 1868, — 22 '/ 2 Gr. 

Das recept für diesen Stuttgarter' atlas lautet ziemlich ein- 
fach: für die ersten zwei blätter nimm aus einem beliebigen 
atlas der alten weit eine karte von Italien und eine karte von 
Gallien, Britannien und Germanien, in welcher unter andern nütz- 
lichen sachen auch der zug Hannibals über die Alpen nach 
den neusten forschungen (?) gezeichnet ist. Damit man aber 
den Zusammenhang mit dem gallischen krieg nicht ganz ver- 
misse , füge noch die überfahrt Cäsars nach Britannien hinzu 
(was in der that in karte 2 geschehen ist, so dass die erste 
expedition vom portus Itius, die zweite von einem ganz an- 
dern orte ausgeht!!, — umgekehrt dürfte [dies gegen Napoleon] 
sich die sache eher verhalten). Für die weitern dreizehn blät- 
ter copire die wichtigsten unter den 32 blättern im napoleoni- 
schen atlas in verkleinertem maasstab; in der that bilden diese 
dreizehn blätter nur die copie der entsprechenden in dem ge- 
nannten original; selbst die schlachten und märsche werden ge- 
treu nach Napoleon auch da gegeben, wo Büstow im commen- 
tar selbst aus guten gründen von ihm abweicht. Doch nein, 



91. Iulius Caesar. 141 

wir müssen blatt VIII im Stuttgarter atlas ausnehmen , wo die 
Kheinbrücke mit einem brückenkopf und den Gölersehen fibulae 
gezeichnet erscheint. So sehr wir mit der letztern änderung 
einverstanden sind, so hätten wir für das ganze doch einen et- 
was andern titel vorgeschlagen, etwa folgenden: ,, Auszug aus 
dem kaiserlichen atlas, vermehrt mit einem brückenkopf". Wir 
hätten gewünscht, dass der name Küstow von dem titel dieses 
atlas eben so fern geblieben wäre, als seine arbeit (mit ausnähme 
von blatt 8) dabei unbetheiligt war. Wir wünschen aber auch, 
dass „studirende und militärs" und wer sich sonst für diese 
fragen interessirt, nicht durch die geringe Preisdifferenz zwi- 
schen den beiden atlanten sich abhalten lasse, dem französischen 
den Vorzug zu geben , da dieselbe durch wichtige detailpläne 
reichlich aufgewogen wird. 

Nichts *) kann gerechtfertigter sein, als das unternehmen, die 
neuesten forschungen über die commentarien Cäsar's in karten 
und planen durch einen billigen preis auch den schülern, oder 
wenigstens ihren lehrern, zugänglich zu machen. Aber der Ver- 
fasser — eigentlich, wie eine empfehlung des würtembergischen 
cultusministeriums uns belehrt, prof. Eheinhard — hat sich die 
sache doch viel zu leicht gemacht. Er hat die beiden karten 
von Italien und Gallien aus seinem eignen atlas orbis antigui, 
12 karten und plane einfach in verkleinertem maasstabe aus 
Napoleon's atlas zu der Jiistoire de lule Cesar entnommen , in 
der Zeichnung der rheinbrücke jedoch die Gölersche auffassung 
der fibulae reproducirt. Durch diesen eklekticismus sind nicht 
wenige übelstände erwachsen. Auf der karte Galliens , bl. 2 
liegt ^Gergobina" westlich vom Allier, auf bl. 10 „Gorgobina" 
zwischen Allier und Loire; auf 2 Uxellodunum (nach Göler) am 
Lot, auf 10 nördlich von der Dordogne ; auf 2 ist Genabum an 
der stelle von Orleans, auf 10 an der stelle von Gien angesetzt, 
in 2 ist Vellaunodunum Chäteau Landon, in 10 Triguieres; in 2 
Noviodunum Biturigum Nouan-le-Fuzelier, in 10 Sancerre; in 2 
ist Bibracte Autun , auf 10 mont Beuvray ; nach 2 geht die 
erste expedition Cäsar's nach Britannien von Wissant, die zweite 

1) Um jeden schein einer tendenz zu vermeiden , lasse ich eine 
zweite anzeige folgen. Die beiden Verfasser, zu den ersten autori- 
täten in der Cäsar -literatur gehörend, haben keine ahnung davon ge- 
habt, dass sie beide gleichzeitig diese anzeigen für den anzeiger schrie- 
ben. — E. v. L. 



142 91 — 93. Iulius Caesar. 

von Calais aus; nach 10 beide von Boulogne u. s. w. Auf ver- 
schiedene Schreibung der namen, wie Agendicum und Agedincum 
soll gar nicht einmal gewicht gelegt werden. Es ist zu bezwei- 
feln , dass der verf. von den neuesten forschungen kenntniss 
genommen hat ; er würde sonst die nachgewiesene Unrichtigkeit 
einzelner meinungen Napoldon's nicht wiederholt haben. So 
können die Helvetier bei Bibracte nicht westlich von Cäsar ge- 
standen haben; nicht nur die Philol. XXII, 145, XXVI, 658 
ausgeführten sachlichen bedenken, sondern auch der ausdruck 
commutato consilio beweist , .dass sie , im osten stehend , auf ihren 
früheren plan, sich nach westen durchzuschlagen, wieder zurück- 
gekommen sind. Die vergleichung von stellen, wie b. c. III 
65 und 73 mit 66, 3. 5 zeigt, dass bei Cäsar mutare consilium 
„einen neuen entschluss fassen", commutare consilium oder belli 
rationem „den früheren entschluss, die frühere kriegsführung wie- 
der aufnehmen" heisst. Trotz der verschiedenen ausstellungen, 
welche an der ausführung des werkchens gemacht werden müs- 
sen, ist doch zuzugeben, dass es zumal da besseres fehlt, bei der 
Unbestreitbarkeit des grössten theils der entscheidungenNapoleon's 
im ganzen richtige ansichten über Cäsar's kriegsführung verbreiten 
und den schülern die anschaulichkeit gewähren wird, welche beim 
lesen eines technisch - militärischen Schriftstellers unentbehrlich 
ist; freilich muss der lehrer die fehler verbessern können. 



92. Un mot sur trois ou quatre erreurs d'arch^ologie to- 
pographique. Par C. Rossigneux. (Unterzeichnet: Bibracte 
Autun. 11. sept. 1868.) 8. — 36 S. 

93. La Bibracte du Beuvray et ses inventeurs. Etüde demoe- 
urs archeologiques par C h. Mer and o n. Autun. 8.1868. — 18 S. 

Diese beiden broschüren beweisen, dass nicht bloss Alaise, 
sondern auch Autun lebhaft für seine alten traditionen kämpft ; 
und dass man dabei auch die kaiserliche autorität nicht schont, 
zeigt z. b. der anfang der ersten: Si la virite" avait les moyens 
d'arriver jusqu'aux souverains . . . Widerwärtig ist dabei nur, 
dass der localpatriotismus sich in gar zu naiver weise breit 
macht; so z. b. rechnet es die zweite broschüre dem archäolo- 
gen Bulliot, dem thätigen haupt der „Beuvraytisten" zum 
verbrechen an , dass er als geborner bürger von Autun diesen 



92. 93. Iulius Caesar. 143 

raub an seiner Vaterstadt begehe, das alte Bibracte auf den 
mont Beuvray zu verlegen. Und stark finden wir es in der that, 
wenn selbst Bertrand auf pag. 11 der ersten broscbüre der satz 
entgegengeschleudert wird : que les serviteurs du Logis ne peuvent 
pas dicemment etre cfun sentiment oppose ä celui du Maitre qui 
les paie. Wir denken bis auf weiteres, dass Bertrand und Creuly 
ihre wissenschaftliche Selbständigkeit gegenüber dem kaiser, 
die sie bis jetzt schon bei mancher, gelegenheit gezeigt haben, 
auch in dem, soviel wir vom Verleger Didier vernommen haben, 
im nächsten august erscheinenden zweiten band ihrer Cäsar- 
ausgabe und Übersetzung bewähren werden. Dieser zweite band 
soll die noten und den versprochenen Index biographique et gio- 
graphique tres - developpe enthalten , auf den man gespannt sein 
darf. Einstweilen legen wir die ganze Streitfrage zwischen Mont- 
Beuvray und Autun bei seite , trotz der amüsant zu lesenden 
und pikanten, offenbar auch auf persönlichen animositäten be- 
ruhenden details in diesen zwei broschüren; — bis der officielle 
bericht Bulliots über die von ihm geleiteten , vom kaiser , was 
hier hämisch bekrittelt wird, pecuniär unterstützten ausgrabungen 
auf dem Beuvray erschienen sein wird. Wir geben von vorn- 
herein zu, dass von den historischen Zeugnissen aus alter 
zeit einzig der ausdruck qjgovoiov bei Strabo eher für den Mont 
Beuvray spricht. Aber wenn einerseits ausgemacht ist , dass 
Beuvray etymologisch aus B ibra cte sich entwickeln konnte — 
nur muss man dann die mittelalterliche etymologische Spielerei mons 
biffractus einmal aus dem spiele lassen, — andrerseits die spuren 
einer ausgedehnten stadt auf dem berge sich vermehren, 
so wird man dann nicht umhin können, sich für Beuvray-Bibracte 
zu entscheiden, da es doch unmöglich zwei grosse Bibracte ne- 
ben einander gegeben haben kann. Mit bezug auf die daselbst 
im sommer vorigen jahres entdeckten gallischen mauern im sinne 
von B. Gr. VII, 23 verweisen wir auf den augenzeugen Tho- 
mann in den Berichten der Antiquarischen Gesellschaft in jahrg. 
1868, Zürich, p. 67 ; welcher fund neben den mauern von 
Mursceint (Revue Archeologique aprilheft v. jähre 1868: s. 
Philol. XXVIII, hft. 4) dem streit über das berüchtigte capitel 
in Cäsar hoffentlich bald ein ende machen wird. 



144 94. 95. Iulius Caesar. 

94. Gallia C. Julii Caesaris temporibus. Edidit Arm. 
Rheinhard, prof. Stuttg. Sump. C. Hoffmann. 

Diese Wandkarte ist zum gebrauch der schulen bestimmt; 
sie giebt die märsche, schlachten und expeditionen Cäsar's ganz 
nach Napoleon's ansichten; zum theil ist sogar die vom kaiser 
beliebte Orthographie der namen der gallischen Völker beibe- 
halten, z. b. Ptiani, Gaues; in andern fällen sind seine versehen 
gebessert, Latobrigi, Tulingi für Napoleons Latobriges; Tulinges; 
aus Eleutheri Cadurci, das man VII , 75 lesen zu müssen ge- 
glaubt hat (in den handschriften steht Eleutetis) macht der verf. 
Cadurci Eleutherici. Eingefügt ist, aus dem atläs desselben verf. 
zu Julius Cäsar, das modell der Rheinbrücke. Die Zeichnung 
ist meist deutlich und übersichtlich; nur in Labienus marsche 
auf Paris ist eine lücke, die den lehrer, der die sache nicht ge- 
nau kennt , in Verlegenheit bringen könnte ; die angäbe des 
Schlachtfeldes im kämpfe gegen die Usipeter und Tencterer ist 
ganz verfehlt; es muss viel weiter nördlich liegen; aus den 
märschen des kriegsjahres 52 wird sich schwerlich jemand zu- 
recht finden, und würde bei einer neuen aufläge für verschiedene 
zeichen und anderes eine genauere ausführung nöthig sein. 



95. Der französische Atlas zu Cäsars gallischem kriege, 
besprochen von C. Thomann. (Wissenschaftliche beilage zum 
programm der Zürcher cantonschule). 4. 1868. — 18. S. 

Unter diesem titel beginnt der Verfasser eine serie bemer- 
kungen zu dem napoleonischen atlas , von dessen 32 blättern 
er hier die sechs ersten genauer bespricht: bald referirt er an- 
spruchslos über das kartenwerk , indem er demselben in den 
schulen eingang verschaffen möchte, bald berührt er die schwe- 
benden differenzen, bald bietet er selbständige entscheidungen. 
Das hauptresultat über blatt 2 besteht in dem satze, dass die 
genaue abgrenzung der gallischen Völkerschaften höchstens den 
werth annähernder Wahrscheinlichkeit beanspruchen kann, und dass 
die notitia civitatumtüv die zeit Cäsars nicht massgebend sein kann: 
was auch jüngsthin wieder von Brambach Ehein. Mus. 23, 
p. 302 hervorgehoben wurde. Mit richtigem tacte werden die 
beiden hauptfragen des ersten buches , die bestimmung des 
Schlachtfeldes für die Helvetier- und die Ariovistusschlacht als der 



95. Julius Caesar." 145 

definitiven lösung noch harrend hingestellt. Gegen die napo- 
leonische hypothese , dass die Helvetierschlacht in der gegend 
von Lmzy stattgefunden habe , wird der gewichtige einwand Rü- 
stows ins feld geführt, dass man bei dieser annähme die Stel- 
lung der helvetischen Wagenburg nicht begreife. Ich stimme 
Thomann auch darin bei, dass für die Ariovistusschlacht im all- 
gemeinen alles auf die gegend von Arnay (eher noch nördlich 
davon als südlich) hinweist. Freilich sind die details der örtlich- 
keiten und der Stellung der beiden heere durchaus noch nicht 
ausgemacht und werden ohne positive funde kaum je ausge- 
macht werden. Auch soll der famose tumulus, auf welchem die 
Unterredung zwischen Cäsar und Ariovistus stattfand (einer der 
mit 231 bezeichneten tertres pl. 6 des atlasses, vgl. Vie de C^- 
sar II, p. 86, note 2) ; wie wir sicher vernehmen, auf blosser 
mystification beruhen , der wie es scheint auch ein kaiser zum 
opfer werden kann. — Wir theilen ferner die bedenken Tho- 
manns gegen die neuste hypothese Rüstows, wonach Cäsar über 
die Vogesen marschirt sein soll ; nichts desto weniger halten wir 
die erklärung Rüstows von 1 , 41 , 2 circuitus amplius quinqua- 
ginta milium von der differenz des graden weges und des Um- 
weges für richtig und finden nicht wie Thomann , dass damit 
nothwendig ein marsch über die Vogesen angenommen werden 
müsse. Mit recht dagegen weist unser Verfasser gegenüber all 
den hypothesen, welche das Schlachtfeld viel südlicher als Cernay 
suchen, auf die Schlussworte Cäsars hin: in hiberna in Sequa- 
nos duxit. Nach unserer ansieht hat sich Cäsar absichtlich jeder 
genauem bestimmung über die gegend des ziemlich entfernten 
Schlachtfeldes enthalten , damit der römische leser den Wider- 
spruch mit stellen wie I, 31, 10. I, 32, 5. I, 37, 2 nicht be- 
merke , in welchen er zu seiner rechtfertigung den Ariovistus 
recht nahe, die von ihm der römischen provinz drohende gefahr 
recht gross darzustellen sich bemüht hatte. 

Unter dem neuen, welches Thomann's Schrift bietet, heben 
wir hervor: pg. 5 die ansprechende conjeetur in Bellovacis statt 
in Belgis V 24, 2; pg. 12 die glückliche vertheidigung der 
handschriftlichen lesart pedum DC in der beschreibung von 
Vesontio (I, 38, 5) gegen die conjeetur Napoleons pedurn MDC, 
indem bloss der vom süden angreifbare bergrücken gemeint 
sei; pg. 6 die detailzusätze zu den berichten des baron von 

10 



146 96. Cornelius Nepos. 

Stoffel über den murus bei Genf. Diese beruhen auf autopsie : 
vgl. die frühern notizen Thomann's über diesen gegenständ in 
den jahrb. f. philol. 81 , p. 695. — Nicht einverstanden bin 
ich mit der annähme eines glossems in den worten des Eume- 
nius (p. 10) und ebensowenig mit der behandlung von B. G. I, 
24, 3 (p. 11); die beigebrachten argumente halten nicht stich; 
auch VII ,46,3 wird der gleiche hergwieberg sowohl collis als 
mons genannt. 

Wir wünschen um so eher die fortsetzung dieser bemer- 
kungen, als Thomann die wichtigern der von ihm besprochenen 
localitäten selbst, einige sogar mehrmals bereist hat ; da er fer- 
ner diese excursionen laut den Schlussworten fortzusetzen ge- 
denkt , was seinen topographischen Untersuchungen eine bessere 
grundlage gibt als das blosse Studium der karten. 

96. Index scholarum aestivarnm in univ. litt. Jenensi — 
a. MDCCCLXIX habendarum. Praemissa est C. Ni pp er- 
de ii spicileg. alterius in Cor n. Nepote pars III. Jenae. 4. — 14 S. 

Der vf. setzt die rechtfertigungen einiger in seiner Nepos- 
ansgabe 1867 aufgenommenen und sonst bestrittenen lesarten 
fort (über I. II vgl. Philol. Anz. I 20) und behandelt vierzehn 
stellen aus den vitar. IX — XVI, wohl alle evident mit ausnähme 
der drei letzten : Epam. 8, 2 wo mit Halm nach Aldus in se- 
pulcro suo inscriberent statt in periculo zu schreiben ist; ibid. 10, 
3, wo die lesung des archetypus pugnari coeptum est gehalten 
werden kann ; Pelop. 5, 1 wo Fleckeisen nach dem usus des 
autors cum bei conflictatus est mit recht gestrichen hat. — Lehr- 
reich sind die gelegentlichen erörterungen über den unterschied 
von adduco und induco zu Iph. 2, 1; über städtenamen als 
heteroklita zu Timoth. 1, 2; über den partitiven genetiv bei 
Superlativen im griechischen und lateinischen zu Timoth. 2, 2. 
Neu ist die Con. 1, 1 vorgeschlagene lesung magnas mari res. 
— Ref. hätte gewünscht, dass der vf. auch noch an anderen 
stellen selbstständig vorgegangen wäre, z. b. Dion 5, 4 ist wohl 
Quae spes eum fefellit zu schreiben, das besser als res dem vor- 
aufgehenden ratus — venturum entspricht; ibid. 9, 6 lese man si 
propensa fuissent voluntate statt proprio,, wofür Longolius pro- 
pitia, Halm prompta wollte. Timoth. 4, 6 ist vielleicht De quo 
plura referemus dem überlieferten feremus vorzuziehen. 



97. Tacitus. 147 

97. Die Germania von Tacitus, ausführlich erklärt von Dr. 
L. Curtze, gymnasialdirector a. d. Cap. I — X. Leipzig. 8. 
1868. 423 S. 1 Thlr. 20 Ngr. 

Die germanischen alterthümer , die im gründe doch nur 
ein sachlicher commentar zu der Germania des Tacitus sein 
können, sind eine noch junge Wissenschaft; in wenigen Jahr- 
zehnten sind die einzelnen partien gründlich durchforscht wor- 
den, aber eine zusammenfassende, allen wissenschaftlichen anfor- 
derungen genügende darstellung fehlt noch, da selbst Pfahlers 
handbuch von der historischen commission in München nicht als 
preiswürdig erfunden worden ist. Unser verf., durch die erklä- 
rung der taciteischen schrift am Korbacher gymnasium in den 
jahren 1855 und 1857 zu selbständigen, weitschichtigen for- 
schungen angeregt, durch die schätze der Göttinger und Casseler 
bibliothek so wie durch collegienhefte von Haupt und Waitz 
unterstützt , im sanskrit und verwandten sprachen wohl bewan- 
dert, wie schon die dedikation an prof. Adalbert Kuhn beweist, 
hat nun jedenfalls ein repertorium zur exegese der Germania 
geliefert, welches durch seine Vollständigkeit alle anerkennung 
verdient, und dessen umfang dadurch zum theil motiviert ist, 
dass verf. den blick stets auf das ganze indogermanische gebiet 
richtet. Dass er dabei Vorwiegend die Stellung eines referenteu 
vorgezogen hat und seine eigene thätigkeit mehr in Stoffsamm- 
lung als in scharfen entscheidungen bethätigt , soll nicht ange- 
fochten werden ; nur wäre zu wünschen , dass er einen guten 
theil des materiales ausgeschieden und das nöthige in knapperer, 
präciserer form gegeben hätte. Es ist nicht stil in der moder- 
nen philologie , in zwölf zeilen ohne abkürzungen die ausgaben, 
u. a. von 1535. 1536. 1629 aufzuzählen, welche Albrunam oder 
Auriniam, Tuistonem oder Tuisconem haben (p. 31, 32. 287, 288), 
sondern eher die handschriften zu classifizieren, was freilich verf. 
nirgends thut. Angaben wie p. 163 „Plinius (wo?) weiss von 
einem bergwerk in Baden" (land? stadt? welche Stadt?) lassen 
fast vermuthen, dass verf. hie und da anderen nachschreibe, ohne 
zu den letzten quellen durchzudringen, wie z. b. auch p. 10 
über die insel Scandinavien die belegstellen Plin. NH. 4, §. 96. 
8 , §. 39 nicht beigebracht sind. Neben Originalnachrichten 
konnten diejenigen wegbleiben , welche später dieselben abge- 
schrieben, also p. 123 Polyän 8, 10 neben Plutarch Mar. 26, 

10* 



148 98. Tacitus. 

p. 38.6. 406, Petr. Blesensis neben Joa Saresberiensis u. s. w. 
Endlich waren ansichten wie die von Mosler und anderer ganz 
unselbständiger interpreten mit stillschweigen zu übergehen. 
Die sprachlich stilistischen bemerkungen des verf. haben durch- 
aus keinen eigenen werth, so wenn er p. 12 schreibt: der pleo- 
nasmus in . . . versus komme nur bei Livius vor (doch auch 
Sali. Cat. 56, 4. Hist. ine. 69 D. und oft), p. 166 zu est vi- 
dere, die construetion finde sich bei Tacitus noch einmal , Agr. 
32, während vielmehr diese stelle zu streichen u. dafür Annal. 
16, 34 zu citieren war. 

Kann sich der verf. entschliessen , seine Sammlungen in 
compendiöserer form herauszugeben, dem leser den bemühenden 
eindruck einer permanenten abstimmung unter den gelehrten zu 
ersparen, und in der fassung sich mehr den grundsätzen der 
modernen kritik zu nähern, so dürfte das werk nur mehr ab- 
nehmer finden. Die zahl der druckfehler ist massig, z. b. p. 9 
19 lies 1857 statt 1827, 11, 5 voeabulum statt bellum u. s. w. 

E. W. 

98. H. T. Karsten, De Taciti fide in sex prioribus anna- 
lium libris. Traj. ad Rhenum. 8. Kemink et fil. 1868. VIII u. 98 S. 
Der verf. hat sich mit der betreffenden litteratur genau bekannt 
gemacht ; Merivale, Boissier, viele deutsche benutzt er ; nur die 
beiden Hamburger programme von Sievers sind ihm nicht zu- 
gänglich gewesen. Er ist ein entschiedener anhänger der 
„Stahr'schen" richtung und hat vor diesem patron der in der 
geschichte verkannten Charaktere den Vorzug, dass er weniger 
schwatzt und solider zu werke geht. Auf eine einleitung über 
die quellen unseres historikers folgen die Untersuchungen: 1. wes- 
halb Tiberius dem Augustus in der regierung gefolgt sei ; 2. sein 
verhältniss zur Livia; 3. das urtheil des Tacitus zeigt sich als 
befangen und ungerecht in folgenden stellen: 1, 72. 75. 2, 37. 
1, 76. 80. 81. 2, 52. 3, 36—38, 2, 84. 4, 37 ; 4, der 
process des Libo; 5. die freiheit der redner und Schriftsteller 
unter Tiberius ; 6. Tacitus als militärischer Schriftsteller ; 7. die 
freunde des Tiberius; 8. vertheidigung des Tiberius gegen den 
Vorwurf der perfidie; 9. Germanicus und Tiberius. — Am 
schluss wird das re'sume' der ganzen Untersuchung so formulirt: 



98. Tacitus. 149 

eine unpartheiische geschiente des Tiberius lasst sich nur dann 
schreiben, wenn man auf das leben desselben vor der thron- 
besteigung und auf den verderblichen einfluss des Sejan mehr 
rücksicht nimmt als Tacitus es gethan hat. 

Wir müssen dem Verfasser zugeben , dass die erste dieser 
beiden forderungen von Tacitus nicht erfüllt ist. Die zweite, 
der einfluss des Sejan, ist aber in solcher weise berücksichtigt, 
wie das geschichtliche verhältniss es erheischte, und wir würden 
gewiss noch mehr darüber sagen können, wenn das fünfte buch 
der Annalen vollständig auf uns gekommen wäre. Auch hat 
unter den neueren historikern Peter in seiner geschichte Rom's 
die Schicksale des Tiberius vor der thronbesteigung nach ver- 
dienst gewürdigt und seinen charakter hieraus erklärt, wenn- 
gleich nicht entschuldigt. Bei aller Unparteilichkeit findet er 
dennoch, dass die darstellung des Tacitus „unübertrefflich" ist 
und dass „in der seele des Tiberius Verschlossenheit, Verstellung, 
missgunst und misstrauen gegen sich selbst und gegen andere 
ihren festen wohnsitz aufgeschlagen." Eine solche corruption des 
Charakters kann nicht durch ein früheres widriges geschick ent- 
schuldigt werden, und eben so wenig darf die wähl schlechter 
rathgeber einen fürsten vor der verurtheilung der nachweit 
schützen. Ein Selbstherrscher kann freilich nicht für alles ver- 
antwortlich gemacht werden, aber mitweit und nachweit sind 
berechtigt zu erwarten, dass er sich mit tüchtigen ministem 
umgebe. Die sache des Tiberius steht um so schlimmer, da er 
auch nach dem stürze des Sejan bis zu seinem tode, also in ei- 
nem zeitraum von sechstehalb jähren, nichts gethan hat, um sich 
in unserer achtung zu rehabilitiren. Im gegentheil, jetzt mussten 
die freunde des Sejan dafür büssen, dass sie dem sterne dieses 
günstlings gefolgt waren. Und als der kaiser gestorben ist, wie 
sieht es im römischen Staat aus ? Welche resültate hat dies in 
eminentem sinne „persönliche" regiment hinterlassen ? Kein an- 
deres als die „erniedrigung zur tiefsten knechtschaft." 

Vor diesem harten urtheil bewahrt uns auch nicht die kri- 
tik, mit welcher Karsten die einzelnen stellen behandelt hat. 
Dass im allgemeinen die besseren römischen historiker nicht un- 
befangen, nicht ohne sittliche und politische tendenzen schreiben 
(p. 9 ff.), ist bekannt, und gewiss sind sie deshalb mit vorsieht 
zu benutzen. Ich glaube aber, dass sie diese schwäche (wenig- 



150 98. Tacitus. 

stens die der politischen Parteilichkeit) mit den begabteren geschieht- 
Schreibern aller Zeiten theilen und von manchen modernen darin über- 
troffen werden. Was aber die Widersprüche anlangt, welche dem 
Tacitus vorgeworfen werden (p. 16 ff.), so sind sie nicht immer so 
stark, dass sie, wie Karsten sich ausdrückt, adversa fronte pugnant. 
Tacitus berichtet z. b. von dem entschiedenen einflusse , den 
Livia auf die wähl des Tiberius zum tbronfolger ausgeübt habe. 
Dem widerstreitet keinesweges, dass es 3, 56 heisst, Augustus 
habe nach dem tode des Marcus Agrippa den Tiberius zum 
nachfolger „gewählt", denn war er wirklich durch die bitten 
der Livia dazu vermocht worden, so musste er doch schliesslich 
seine wähl treffen, seinen entschluss aussprechen. Wir finden 
also auch in 4, 57 [preeibus uxoris evictum) keine „neue ansieht", 
sondern nur eine bestätigung des früher gesagten. — Aehnlich 
geht es mit den fälschungen, die Tacitus sich erlaubt ha- 
ben soll; so heisst es bei 1, 72 nam legem maiestatis reduxe- 
rat , das gesetz sei ja schon unter Augustus gegeben worden. 
Gewiss, und Tacitus kann nur sagen wollen, dass die anwen- 
dung dieses verhassten gesetzes, die Augustus aus klugheit 
beschränkt und nach möglichkeit unterlassen hatte, jetzt wieder 
recht kräftig gehandhabt ward. 

Wenn ferner Karsten mit Merivale behauptet , Tacitus er- 
wähne die dem Tiberius ungünstigen gerüchte selbst da, wo er 
sie ausdrücklich anzweifelt, nur deshalb, um gegen den kaiser 
einzunehmen, so ist das doch zu viel gesagt. In der geschichte 
der höfe spielt das gerücht überall eine wichtige rolle und der 
Zeitgenosse oder derjenige, welcher frühere Zeitgenossen gehört 
hat, darf gewiss das recht beanspruchen, in ermangelung ande- 
rer quellen diese berichte mitzutheilen , namentlich dann , wenn 
sie aus inneren gründen wahrscheinlich sind , also mit dem Cha- 
rakter der personen oder mit den sonst bekannten zeitverhält- 
nissen nicht in Widerspruch stehen. Solche innere Wahrschein- 
lichkeit (nicht etwa eine perfide insinuation des Schriftstellers) 
bewirkt dann, dass auch wir dergleichen gerüchte für glaubwür- 
dig halten. Den berichterstatter trifft deshalb kein Vorwurf. — 
Auf p. 31 wird Tacitus getadelt, weil er das verfahren des 
kaisers bei den sogenannten comitien, d. h. der beamtenwahl 
durch den senat unter wesentlicher mitwirkung der kröne, mit 
den worten inania et subdola charakterisirt. Aber die maassregel 



98. Tacitus. 151 

lief doch auf nichts hinaus als auf illusion, das ganze war Spie- 
gelfechterei; schon die beibehaltung des wortes comitia involvirte 
eine Verhöhnung des öffentlichen rechtsgefühls. — Auf derselben 
seite werden die worte aus Ann. 2, 52 quod Camillo ob modestiam 
vitae impune fuit, auf Tiberius gedeutet ; aber kann dies nicht 
eben so gut heissen, dass die delatoren den Camillus in ruhe 
Hessen? — Wenn Tiberius das aHe republikanische gesetz, dass 
die sklaven nicht gegen den herrn peinlich verhört werden 
durften, dadurch umging, dass er sie ohne weiteres von dem 
actor publicus als Staatseigentum erwerben und dann foltern 
liess, so nennt ihn Tacitus mit recht callidus et novi iuris reper- 
tor. Wir begreifen nicht, wie man diese willkür des kaisers 
damit entschuldigen kann, dass man (p. 40) erklärt, er habe als 
ein mann des gesetzes nunmehr die ausnähme zur regel gemacht . 

Die Vorliebe des Tacitus für die Schilderung kriegerischer 
ereignisse wird p. 52 auf rechnung seiner politischen kurzsich- 
tigkeit geschrieben. Er hätte, so meint der verf., einsehen müs- 
sen, dass Augustus recht gehabt, wenn er vor der weiteren ver- 
grösserung des reiches warnte. Kann man es denn einem rö- 
mischen historiker, der die grossthaten seines Volkes kennt, ver- 
denken, wenn er seinen überdruss an der darstellung der inneren 
misere offen ausspricht und sich mit Vorliebe den auswärtigen 
ereignissen zuwendet ? — Einer schiefen auffassung begegnen 
wir auf p. 79 bei dem tadel, den Tiberius gegen die von Ger- 
manicus auf dem schlachtfelde des Varus veranstaltete leichen- 
feier ausgesprochen: nach Karsten hat Tacitus verschwiegen, 
dass „nemo magis feralia et planctum aspemabatur et viris inde- 
cora habebat quam Tiberius." Vielmehr hat Tiberius gemeint, 
solche todtenfeier schicke sich aus religiösen gründen nicht für 
die person eines feldherrn, sie sei „contra Jas." 

Wir scheiden von dem Verfasser mit der Versicherung, dass 
wir seine schritt mit grossem interesse und nicht ohne nutzen 
gelesen; wir können aber nicht schliessen, ohne die latinität 
in ihr zu berühren. Ohne purist zu sein, darf man doch 
unklassische Wendungen, grobe Schnitzer oder gar Wörter, die 
nicht existiren, in einem lateinischen werke nicht ungerügt lassen. 
Abgesehen von dem stil im ganzen, ist uns folgendes aufgefallen : 
p. 7 incertitudo, ein product neuerer latinisten; p. 30 praeter- 
videre, ebenfalls ein neulateinisches monstrum , leider auch in 



152 99. Historia miscella. 

Halm's vorrede zu seiner textausgabe des Valerius Maximus; 
p. 12 steht num statt utrum, p. 82 mit für si non, p. 33 aestimo 
statt existimo, p. 41 remuneratus est als passiv, eben so p. 56 
tutari, einarchaistiscb.es passiv; p. 97 atque igitur, p. 76. 79 
saltus Teutoburgensium statt Teutoburgiensis, p. 46 impunis, p. 45 
nolente Tiberio, p. 70 monarchia, p. 73 sancivit, p. 86 simulanter 
(nur bei Apulejus), p. 93 osor (nur Plautus und Apuleius), 
p. 36 assiduo als adverb (Plaut.), p. 76 ad arma volare, eine 
nicht existirende phrase; p. 78 experientia docuerat, p. 96 ex lu- 
tulento fönte, eine ungebräuchliche metapher; p. 96 dolis circum- 
ducere (nur bei Plautus); p. 34. 77. 97 et als drittes Satzglied, 
endlich noch p. 40 der spasshafte ausdruck meticulosus rituum 
observator : das wort ist plautinisch und bedeutet „furchtsam, furcht- 
bar," aber nicht „ängstlich, gewissenhaft," Und noch viel, viel 
mehr könnte angeführt werden. A. Draeger. 



99. Historia Miscella. Franciscus Eyssenhardt recensuit. 8. 
Berolini. J. Gutentag. 1869. VI u. 721 & 4 Thlr. 10 Ngr. 

Von der Historia Miscella besassen wir bisher keinen 
zuverlässigen und heutigen anforderungen genügenden text. Die 
einzigen selbständigen ausgaben waren die von Pithoeus v. j. 
1569 und die von Gruter v. j. 1611; — denn die Muratori's 
(in den Script, Her. Italic, vol. I) sieht man hier und da mit 
unrecht als die beste bezeichnet : sie ist nur eine Wiederholung 
der Gruter'schen mit eigner beigäbe ziemlich werthloser lesarten 
aus jungen ambrosianis, und lässt dabei obendrein die von Gruter 
in seinen noten über den wichtigen Palatinus gemachten mit- 
theilungen ganz unberücksichtigt. Allein auch Pithoeus und 
Gruter gaben keine sichere kritische grundlage, sie schieden 
zumal nicht die beiden verschiedenen bearbeitungen dieses 
werkes, die wir in ihrer besonderheit zuerst hier durch Eyssen- 
hardt kennen lernen. Die erstere derselben, welche nach der 
angäbe mehrerer handschriften auf Paullus Diacouus zurück- 
geht, gibt den nicht beträchtlich erweiterten Eutrop mit einer 
fortsetzung desselben von Valentinian bis Iustinian. In der 
zweiten , nach denselben handschriften von Laudolfus Sagax 
herrührenden bearbeitung hat die erstere wiederum viele Zu- 
sätze erhalten und ist fortgeführt bis zu Leo dem Armenier. 



99. Historia miscella. 153 

Beiläufig sei hier erwähnt, dass in der hierauf bezüglichen in- 
ßcriptio des Palatinus bei Eyssenhardt (p 12, 4 von unten) 
octingentesimus statt sejptingentesimus stehen muss, s. Rhein. Mus. 
XXIII, p. 406. — Iene kürzere fassung der Historia Miscella 
gibt Eyssenhardt nach dem von ihm selbst verglichenen Bam- 
bergensis n. 513 aus dem IX, jahrh. und buch I — III, 2 
aus dem Vaticanus n. 3339. Letzterer enthält, wie wir hinzu- 
fügen, dies werk nebst dem des Orosius vollständig und 
gehört dem X. jahrh. an. — Für die zweite bearbeitung hat 
der herausgeber den andern nicht minder trefflichen Bam- 
bergensis n. 514 aus X. jahrh. gefunden und auch selbst 1 ) 
verglichen. Da in demselben der anfang (buch I — II, 
9 princ.) fehlt , so musste es der herausgeber für um so 
nothwendiger erachten , noch einen andern Vertreter derselben 
recension nach einer erschöpfenden vergleichung zu rathe zu 
ziehen, wie besonders den einst von Gruter benutzten Palatinus. 
Es ist ihm jedoch nicht gelungen, diesen oder einen andern 
codex der genannten art zu finden und er begnügt sich damit, 
die von Gruter aus jenem Palatinus angefühi'ten lesarten zu 
geben. Dass aber diese damals in Heidelberg befindliche hand- 
echrift des X. jahrh. sich jetzt wohlerhalten in der Vaticana 
als Pal. n. 909 befinde , war schon aus Bethmann's angaben 
in Pertz archivX p.311. 312 zu ersehen; vgl. Hermes I p. 131 
und Wilmanns in Ritschi u. W. Rhein. Mus. XXIII, p. 406. 
— Die vorliegende ausgäbe zeigt uns jene zwei bearbeitungen 
in anschaulicher weise neben einander und zwar so, dass die 
ausführlichere zweite im texte, die kürzere in den noten steht. 
Bei der herstellung nun des textes im einzelnen hat der 
herausgeber mit recht es für seine pflicht gehalten, nur die of- 
fenbar von den abschreibe™ herrührenden Verderbnisse zu cor- 
rigiren, sonst aber die Überlieferung unberührt zu lassen, und 
er bewährt auch hier seinen schon aus anderen arbeiten be- 
kannten kritischen tact. An einzelnen stellen wird man ihm 
allerdings nicht beipflichten können; wie 2, p. 23, 18 die 
lesart aller hss. Pompeia (statt Pompeii) in dem texte stehen 

1) Apices ganz derselben art, wie sie Eyssenhardt aus diesem codex 
erwähnt, finden sich in dem Palatinus der chronik des Sulpicius Severus 
'über vocalen semitischer eigennamen; vgl. Halm in den Münchener 
Sitzungsberichten 1865, II, 2, p. 38 anm. 



154 99. Historia miscella. 

sollte. Ferner ist nicht abzusehen, weshalb p. 228, 12 mit 
dem Bamb. 513 die moderne form Otriculum der inschriftlich 
als antik beglaubigten und hier in den übrigen beiden Hss. 
erhaltenen Ocriculum vorgezogen ist. Auch p. 23, 18istCapua 
durch unrichtige interpunction zur seestadt geworden. — Zum 
schluss wollen wir an einigen beispielen aus b. I. zeigen, dass 
der text ohne gefahr für die diplomatische treue doch freier 
emendirt werden konnte. So liest man p. 1, 6 Eyss. : [Satur- 
nus] adhuc rüdes populos domos aedißcare, terras incolere, 
plantare vineas docuit. Der sinn des ganzen satzes lehrt, 
dass terras colere allein richtig ist. — p. 10, 13: placuit 
ne Imperium longius quam annum haberent: es müsste diutius 
stehen, wenn nicht Eutrop. Brev. , I, 9 (8) bewiese, dass 
longius quam annuum zu schreiben ist. Eyssenhardt weist 
darauf hin , dass durch seine ausgäbe ein hülfsmittel für die 
emendation des Eutropius gegeben sei: er hätte umgekehrt 
auch manche stelle seiner H. M. z. b. aus dem cod. Groth. 101 
des Eutropius verbessern können. — p. 12, 16: dictator autem 
Romae primus fuit Larcius, magister equitum primus Spurius Cas- 
sius: wie bei Cassius das praenomen Spurius steht, so ist wohl 
auch hier und Eutr. I, 12 (11) T. (Titus) vor Larcius einzu- 
schalten. — p. 13, 8: quarum et precatione superatus removit 
exercitum : die augenscheinliche lücke vor et precatione ist nach 
Eutr. 1, 15 (13) durch fletu auszufüllen. — p. 14, 1 : testes sunt fluvius 
Cremera qui perdidit et porta quae misit : man lese emisit. — p. 14, 6 : 
dein hinc inducti in insidias sqq.: es ist wohl d eh ine zu schreiben; 
vgl. z. b. p. 14, 24. 16, 12. 17, 14. — p. 15, 10: [Q. 
Cincinnatus] caesis hostibus [i. e. Aequis Volscisque] liberavit exerci- 
tum iugumque boum equis imposuit victoriamque quasi stivam tenens 
subiugatos hostes prae se primus egit: der Zusammenhang erfor- 
dert unzweifelhaft iugumque boum Aequis imposuit. — p, 15, 
29 sqq. muss mit änderung der interpunction so gelesen werden : 
emieuit agmen tyrannorum. Duabus tabulis legum ad decem priores 
additis, agentes insolentissimo fastu plurima , die quo deponere ma- 
gistratus mos erat, cum isdem insignibus processerunt. — p. 16, 6 : 
[populus] montem Aventinum oecupavit armatus nee tueri armis li- 
bertatem destitit postquam sublata est decem viris potestas: es 
würde dem sinne entsprechen, wenn man priusquam schriebe ; 
das beispiel p. 25, 4 : nee caedi — destiterunt nisi postquam sqq. 



100. M. Tullius Cicero. 155 

zeigt jedoch, dass destitit nisi postquam herzustellen ist. — p. 
16, 18: quae arabae civitates tarn vicinae urbi sunt ut Fidenae et 
Veientum decimo octavo miliario ab urbe absint: in der lücke 
nach Fidenae ist das zahlwort sexto aus Eutr. I, 19 (17) zu 
ergänzen. — Ein index capitulorum aus Gruter und ein index 
nominum beschliessen den schön ausgestatteten band. Eine Ver- 
weisung auf die von den compilatoreu benutzten quellen, durch 
welche die brauchbarkeit dieser ausgäbe sicherlich gewonnen ha- 
ben würde, ist nicht beigegeben. 



100. Cicero's Rede gegen C. Verres. Fünftes Buch. Für 
den Schulgebrauch herausgegeben von Fr. Richter. 8. Leipzig, 
B. G-. Teubner. 1868. IV&140S. 

Der herausgeber hat nach dem titel diese ausgäbe für den 
schulgebrauch bestimmt, während nach dem vorwort sie 
der privatlectüre dienen soll. Aus diesem mangel eines 
einheitlichen Zweckes erklärt sich wol die ungewöhnliche aus- 
führlichkeit des commentars. Dass derselbe eine vergleichung mit 
Halm nicht zu scheuen habe, ist dadurch erreicht, dass das 
wesentliche aus Halm herübergenommen worden. Indessen hat 
der herausgeber auch genug eigenes geboten; weniger ist dies 
allerdings in der einleitung geschehen , welche zum grössten 
theile aus des vfs. bearbeitung der IV. Verrina wiederholt, den 
von Halm gebotenen stoff und mit wenigen ausnahmen auch des- 
sen ansichten wiedergibt , nur dass sie populärer gehalten ist, 
insofern sie auf controverse punkte nicht eingeht und auch ein- 
zelne allgemeine belehrungen aus den römischen Staats- und 
rechtsalterthümern beifügt. Selbständiger aber ist Eichter in 
den anmerkungen zum texte verfahren ; hier hat er namentlich 
eine reihe stilistischer winke und nachweise über rhetorische 
theorie gegeben, für welche letztere jedoch regelmässig — 
nicht bisweilen, wie es geschehen ist — die durch kürze 
und klarheit ausgezeichneten bemerkungen aus dem Auetor ad 
Herennium angeführt werden mussten. Viel zu häufig aber 
sind sowohl einzelne ausdrücke, als auch ganze stellen deutsch 
gegeben. 

Interessant für den philologen erscheint vor allem die be- 
handlung des textes; hier aber liegt die schwächste seite des 



156 100. M. Tullius Cicero. 

buchs. Der herausgeber hat hier, wie schon in der ausgäbe 
der IV. rede, einem bedenklichen eklekticismus gehuldigt. Ohne 
eine neue und umfassende Untersuchung über die textquellen 
angestellt zu haben , ist er von der durch Zumpt begründeten 
Unterscheidung der meliores und deteriores insofern abgewichen, 
als er die letzteren, wo immer subjective gründe für ihre lesar- 
ten sprechen mögen , dem trefflichen Parisinus, von welchem 
wahrscheinlich die zwei wolfenbütteler und der leidener codex 
nur abschritten sind, vorzuziehen pflegt. Für Richter also und 
seine leser haben nach dieser richtung hin Madwig, Zumpt, 
Jordan und Halm umsonst gearbeitet. Aber auch die Constitu- 
tion des textes im einzelnen unterhegt nicht unerheblichen beden- 
ken ; etwa fünfzig einzelne worte oder kleinere Wortverbindungen 
sind eingeklammert, und zwar meist ohne jede bemerkung 
oder unter beifügung nur eines „vielleicht, scheint, dürfte" 
u. s. w., also ohne den versuch einer wirklichen begründung, 
die, wenn sie überhaupt möglich schien, gerade wegen der ein- 
richtung des buches für reifere schüler, bestimmt anzudeuten 
war. In anderen stellen sind manche glückliche vermuthungen 
allzu ängstlich nicht aufgenommen, so z. b. § 50 die evidente 
Umstellung ius imperii et foederis condicionem. Dass manche cor- 
rupte stelle ihre erledigung noch nicht gefunden hat, wie § 78 
in., oder als solche noch nicht erkannt ist , daraus kann am 
wenigsten ein Vorwurf gegen den herausggeber abgeleitet werden. 
Ref. empfiehlt hier ein paar eigene conjecturen der prüfung: §38 
ist statt si wohl zu lesen nisi forte expergefacere te posses , eam 
provinciam . . . venisse. — 81 ist durch transposition des satzes 
non numquam etiam libertus Timarchides adhibebatur vor die paren- 
these tamesti — dixeram herzustellen; dann erst wird die be- 
deutung von autem nach mulieres klar, wodurch der abgerissene 
faden wieder aufgenommen wird. — Auch §.89 wird die gestörte 
concinnität erst durch folgende Umstellung wieder erzielt : Quoquo 
modo res se habebat , erat animus in reliquis. Quamquam erant 
pauci, pugnare tarnen se velle clamabant. — §. 113 ist die Unmög- 
lichkeit eines gegensatzes von innocentium poenas und scele- 
rat or um furios einleuchtend; furiae als appellativum im sinne 
von vindices ist prädicat zu poenae. Man lese daher: scelerum 
facinorumque furios statt sceleratorumque: vgl. Cic. Nat. deor. 
III, 18, 46. 



101 — 116. Neue auflagen. — Schulbücher. — Theses. 157 

NEUE AUFLAGEN: von andern Verfassern als die frühem besorgte auflagen 
sind von dieser rubrik ausgeschlossen, eben so aucb völlige Umarbeitungen. — 
Alles angeführte ist vom j. 1869: 101. Sophokles. Erklärt von F. Schneidewin. 
Bd. V. Eleclra. 5 aufl. besorgt von A. Nauck. 8. Berlin Weidmann: 12 Ngr. 
— 102. Herodotos. Für den schulgebrauch erklärt von Dr. K. Abicht. Bd. I. 
Hft. 1.2. 2. verbess. aufläge. 8. Leipzig. Teubner: 10 Ngr. Das erste 
heft unterscheidet sich namentlich in anordnung der einzelnen beigaben von dem 
ersten: sonst wäre namentlich den noten besserer styl zu wünschen. — 103. 
Xenophon Cyropädie. Für den schulgehrauch erklärt von L. Breitenbach. Hft. 
1. 2. 2. aufl. 8. Leipzig, Teubner: 24 Ngr. Nur im einzelnen verbessert: 
es wäre zu wünschen , dass der begriff „Schulausgabe" fester gehalten und 
daher z. b : citate wie aus Duncker's alter geschichte weggelassen würden. — 

104. Xenophon Anabasis. Erklärt von C. Rehdantz. Zweiter bd. 2. 
verbesserte aufl. 8. Berlin, Weidmann: 15 ngr. Sehr zu empfehlen. — 

105. Ausgewählte reden des Lysias. Erklärt von Dr. R. Rauchenstein. 
5. verb. aufl. 8. Berlin: 18 ngr. Die vorrede giebt an, welche neuere Schrif- 
ten zur Verbesserung benutzt worden sind. — 106. Novum Testamentum, graece. 
Ad antiquissimos testes denuo recogn. etc. C. Tischendorf. Ed. VIII critica 
maior. 8. Leipzig, Gies. u. Devrient. 2 thlr — 107. H. Ritter et L. Preller 
historia philosophiae graecae et romanae ex fontium locis contexta. Ed. IVa. 
8. Gotha. Perthes. 2 2 / 3 Thlr. Die texte der stellen aus den alten sind sorgfältig 
revidirt. — 108. L.Fricdlander, Darstellungen aus der Sittengeschichte Borns in der 
zeit von August bis zum ausgang der Antonine. Bd. I. 3. vermehrte aufl. 8. 
Leipzig, Hirzel : 2 x / 2 Thlr. Ausser Verbesserungen im einzelnen ist der dritte 
abschnitt „die drei stände" erweitert und der excnrs über die sportula der 
dienten ganz umgearbeitet worden. — 109. Burkhardt, J., der Cicerone. 
Eine anleitung zum genuss der kunstwerke in Italien. 2teaufl. 1. Architektur, gr. 16. 
Leipzig, Seemann : 1 thlr. 6 ngr. 



NEUE SCHULBÜCHER: 110. E. Bonneil, Uebungsstücke zum übersetzen 
a.d. lat. ins deutsche f. d. ersten anfänger. 8. aufl. 8. Berlin. Enslin : 13 ngr. 
— 111. A. Hauser, grundriss der griechischen Geschichte für die mittlem gym- 
nasialklassen. Ein methodischer versuch. 8. Lahr, Schauenburg, 1868: 6 ngr. — 
112. H. Schiller, die lyrischen versmaasse des Horaz. Nach den ergebnis- 
sen der neueren metrik dargestellt. 8. Leipzig, Teubner, 1869: 5 ngr. Leistet 
durchaus nicht, was der titel besagt. — 113. M. Seyffert , Hauptregeln 
der griechischen syntax. Als anhang der griechischen formenlehre von C. Franke. 
5. aufl. 8. Berlin, Springer: 1 / 6 thlr. 

THESES : .. quas in ac. Georgia Augusta... a. d. IV idus Maias a. 
MDCCCLX1X . . defendet J. Wehr : apud schol. ad. Eur. Or. 902 lege nagÖGov 
Gqcc'% r)V l/. dovlimv 6 Kkioffiuf. — verba quae leguntur ap. Sali. Catil. c. 29 
,,ea potestas . . ius est" pro glossemate habenda suut. — ap. Valer. Max. III, 
2 lege ,,vidensque." — Arist. Ach. 24 ex Suida ita est restituendus : rjxouztg, 
ü& otcT uicnovvmi xik. 

BIBLIOGBAPHIE : 114. Bibliotheca philologica. . .herausgeg. von Dr. W.Mül- 
dener. XXI Jahrg. 2. heft. Juli — Decemb. 1868. 8. Göttingen, Vandenhoeck 
u. Buprecht: 10 ngr. — 115. H. F. Bindseil, General-Begister über die 
Verhandlungen der ersten 25 Versammlungen deutscher philologen u. Schulmänner, 
1838 — 67. 4. Leipzig, Teubner: 1 thlr. Mit ausserordentlicher Sorgfalt ge- 
arbeitet. — 11 6. Literarischer Wochenbericht aus Leipzig, 1869: Nr.l— 20: philolo- 
gisch interessantes, abgesehen von personal-notizen, bieten n. 3, p. 18: nr. 
4, p. 26: nr. 8, p. 58 flg.: nr. 11, p. 83: nr. 12, p. 89: nr. 13, p. 98: nr. 
14, p. 105: nr. 20, p. 148. — 117. Verzeichniss sämmtlicher v. d. kais. aca- 
demie der Wissenschaften seit ihrer gründung bis letzen Octbr. 1868 veröffent- 
lichten druckschriften. 8. Wien, Karl Gerold. 



158 117. Bibliographie. — Auszüge. 

118. P n ly b ibli o n. Revue bibliographique universelle. 1869 — 
jedes heft zerfällt in zwei hauptabtheilungen, deren erste gesammtrecensionen über 
einzelne fächer, dann anzeigen über einzelne neue bücher, am schluss litel 
Chronique — nachrichten giebt, die zweite aber den titel Bibliographie führt 
und da nach fächern geordnet, höchst genau die neuen erscheinungen 
aufführt, bücher, wie Zeitschriften in umfassendster weise berück- 
sichtigend — Janvier: part. I, p. 27: M. Beule, histoire de l'art grec avant 
Pericles. 8. Paris 1868: anzeige von Dubosc de Pesquidoux. — p. 29: 
Max Mull er, nouvelles lecons sur la science du language, übersetzt von 
G. Harris. 2 voll. 8. Paris 1867 — 68: 14 fr.: anzeige von Arbois de 
Jubainvüle. — (p. 32:) Bälde, sein leben und seine werke. . . von F. Wester- 
maier. München, 1868: anzeige von Dr. Beckmann. 

C atalog e von bucbandlungen : verlagsbericht von F. A. Brockhaus 
in Leipzig, nr. 1. — Verzeichniss der.. Uebersetzungsbibliothek in der Hoffmann- 
schen Verlagsbuchhandlung. Stuttgart. — Classiker des alterthums in deutschen 
Übersetzungen bei Metzler , Stuttgart. — Neue philologische werke von Mau- 
ke 's verlag in Jena. — Mittheilungen der Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner. 
Nr. 1. 2: bespricht die trefflichkeit vorzugsweise künftig erscheinender werke. 
Also eine art recensionen avant la lettre! — Verzeichniss ausgewählter werke 
a. d. vertage der JVeid?nann'schea buchhandlung in Berlin. — Publications 
de la librairie Firmin Didot freres, fils et Co., alle 1869. 

Catalog e im preise ermässigter bücher: Verzeichniss von älteren und 
neueren büchern . . in Ferd. Dümmler's Verlagshandlung. Dritter abdruck. Berlin, 
1869: Verzeichniss von Schriften und Zeitschriften a. d. gebiete der Sprachforschung... 
erschienen in Ferd. Dümmler's buchhandlung in Berlin 1869. 

Cataloge der Antiquare : von A. Bielefeld in Carlsruhe und Offen- 
burg, nr. 5 : M . Cohen et filius, Bibliotheca philologica, cat. XXI us. 
Bonn: Ch. Graeger in Halle a./d. S. : Fr. Hanke in Zürich, Nr. 79: Frnst 
Heyne in Leipzig: TJieod. Kampfmeyer in Berlin, nr. 167 : K. T. Kühler 's 
in Leipzig antiquarische anzeige-hefte, nr. 188. 191: Lempertz in Bonn, Biblio- 
theca scriptorum classicorum et graecorum et latinorum, nr. 89: F.Bolle 
(J. Bentel) in Potsdam : J. Scheible in Stuttgart. G. Sendelbach in Coburg, 
nr. 7, alle 1869. 

Auctionen: 1. Juni bei Calvary in Berlin : Catalogus amplissimae 
bibliothecae Horatianae . . a. C. B. C. de Bjelka relictae. — 16. Juni in 
Halle durch J. Fr. Lippert und C. H. Hermann. — 21. Juni in Leip- 
zig bei T. O. 



AUSZÜGE aus Zeitschriften : Göttingische gelehrte Anzeigen, 1869, nr. 6: 
A. Conze, beitrage zur geschichte der griechischen plastik. 4. Halle, 1869 : 
selbstanzeige. — Nr. 9: G. Curtius , Studien zur griechischen u. lateinischen 
grammatik, heft 1. 2. 8. Leipz. 1868: anzeige von A. Leskien (s. ob. p. 33). 

— Nr. 10: W. H. L. Bleck, über den Ursprung der spräche. Herausgeg. von 
F. Hcickel. 8. Weimar. 1868: das buch verwerfende anzeige von H. F. 

— Legis XII tabularum reliquiae. Edidit . . R. Schoell. 8. Lpsiae. 1866: 
anzeige von Ubbelohde, ausführliche aber wenig eigenes enthaltende anzeige (we- 
geu. der hier wiederholten falschen ansieht, dass in Neu-Carthago die tafeln auf- 
gestellt gewesen, s. Herzog in Philolog. XXV, p. 665.) — Nr. 11: R. Kekule, 
die ballustrade des tempels der Athena-Nike in Athen . . . mit einer aufnähme der 
terrasse des tempels. 8. Lpz. 1869: eingehende anzeige von O. Benndorf. — 
Nr. 13: J. Freudenthal, die Fl. Josephus beigelegte schrift über die herrschaft 
der Vernunft. 8. Breslau, 1869: anerkennende anzeige von H. F. — Nr. 14 
F. M. Luzel chants populaires de la Basse Bretagne, T. I: Paris, 1868 
eingehende anzeige von F. Liebrecht. — Nr. 17 : die deutschen hochschulen 
8. Berlin, 1869 : R. von Mohl, politische monographien. Bd. 2. 8. Tübingen, 
1869: vornehme und wortreiche, aber inhaltsleere anzeige von G. Waitz. — O. 



Auszüge aus Zeitschriften. 159 

Benndorf, griechische und sicilische vasenbilder, heft I : fol. Leipzig 1869: selbst- 
anzeige. — Nr. 21: Homers Odyssee. Erklärende Schulausgabe von H. Dünt- 
zer. 8. Paderborn, 1863: Homers Uias . . . von H. Düntzer. 8. ibid. 1866: 
sehr weitläufige anzeige von A. Grumme, die zu dem überraschenden resultat 
gelangt, dass der lehrer und junge philologen die ausgäbe mit nutzen, die schüler 
aber nur mit schaden gebrauchen werden. 

Grenzboten, 1869, nr. 5: Sophonisbe, Tragödie von Emanuel Geibel. 
Stuttg. 1868: es werden mehre puncte getadelt, dabei auf die Überlieferung im 
alterthum rücksicht genommen. 

Neue Jahrbücher f. phil. u. paed. Von Fleckeisen und Masius, 1869, 
hh.2. Kekule, anz. von A. Conze, beitrage z.gesch. der griech. plastik, 4. Halle, 
1869, p. 81. — A. Fleckeisen, zu Cic. pro Arch. p. 10, 26: p. 91. — J. 
F. C. Campe, der durchbrach der Platäer durch die feindlichen belagerungs- 
werke, p. 92. — Weil, anz. y.Egg er , memoire sur quelques nouveaux frag- 
ments inedits de l'orateur Hyperide, 8. Paris, 1868, p. 97. — O. Schneider, 
zehn conjecturen zu Kallimachos, p. 101. — L. Dindorf, Nicolaos von Damas- 
kus, — nachtrag zu dem fragmente des Priskos, — über die formen TQuyofivirjS 
und TißiQK»;, p. 107. — Tittler, zu Cic. Orat. II, 20, 86, 28, 122, p. 127. 

— Zu Horatius : III, 3, 9 von K. H. Funckhänel, — Serm. II, 139. 22. 2, 
29 von Luc. Müller, — Carm. 1, 35, 24. III, 2, 18 vonF. Wunder, p.129. 
hft. 3 : W. Gurlitt, anz. v. F. Curtius, sieben karten zur topographie von 
Athen u. s. w.; Gotha, 1868: p. 145: (s. Piniol. XXVIII, p. 575). — Skrzeczka, 
zur lehre des Apollonios über die modi, p. 161. — F.Pleiv, anz. v. Schrader, 
die Sirenen nach ihrer bedeutung und künstlerischen darstellung im alterthum. 8. 
Berl. 1868, p. 165. — M. Bonnet, kritische Misceflen [zu Vopiscus, Livius, 
Quintilian], p. 179. — Th.Bergk, conjecturen zu Pindaros, p. 181. — Lade- 
wig, zu Eur. Med. 925-30, p. 192. — Grosser, das ende der XXX u. die 
abfassungszeit von Lys. or. XXV, p. 193. — C. M. Francken, über die hand- 
schriftliche Überlieferung des Tibulius im mittelaller, p. 207, (s. Philo!. XXVII, 
p. 152). — Abth. II: Götzinger, zum deutschen hexameter, p. 145. — Krü- 
mer, bemerkungen über das lesen der hexameter, p. 152. 

Rheinisches Museum für Philologie. Herausg. v. F. G. Welcker, Fr. Ritschel 
und A. Klette, 1869, Bd. 24, hft. 1: Fr. Ritschi, zur gesch. des lateinischen 
alphabels, p. 1. 132. — C. Wachsmuth, bausteine zur topographie von Athen. 
II, p. 33. 144. — M. Voigt, über die bina iugera der ältesten römischen 
agrarverfassung, p. 52. — J. Steup, eine Umstellung Tac. Ann. II, l,p. 72. — 
J. Freudenthal, zur kritik und exegese von Aristot. parva naturalia, p. 81. — 
H. Usener, varronische excerpte, p. 94. — A. Kiessling, plautinische ana- 
lekten, p. 115. — Miscellen: J. Klein, zu Lucanus, p. 121. — L.M., 
Epithalamium Laurentii, p. 126: s. h.2, p. 336. — R. P. C, Epigraphisches, p. 
131. — Mentula , von „kein sprachvergleicher," p. 131 (jnentula = mejen- 
tula = Maneken pis.). — R. P. C, Bonifacius, Bonifatius, p. 132. — O. Ribbeck, 
Zeitdauer der tragödie, p. 133. — L. M., zur lateinischen anthologie, p. 136. 

— A. Schmidt, zu Euripides, p. 136. — Fr. Bücheier, zu Priscus und Sui- 
das, p. 137. — A. K, zu Terenz Andria, p. 138. — L. M., zu Attius, 
p. 139. — L. M., zu Lucilius, p. 139. — G. Laubmann, zu Cornelius 
Nepos, p. 140. — L. M., zu Quintilian, p. 140. — xyz, modernes philo- 
logen-latein, p. 144 

Heft II: K. W. Nitzsch, quellenanalyse von Liv. II, I— IV, 8 und 
Dionys. Hai. A. R. V, I— XI, 63, p. 145. — F. Nietzsche, de Laertii 
Biogenis fontibus. II, p. 181. — G. Richter, die principes in Tac. Ger- 
mania, p. 229. — L. Müller , zu den fragmenten älterer römischer dichter, 
p. 239. — W. Heibig, beitrage zur erklärung der campanischen Wandbilder. 
I. Apollon u. Daphne, p. 251. — J. Bartsch, zur kritik der briefe Seneca's, 
P- 271. — J. Klein, zu den glossen des Philoxenos, p. 289. — Miscel- 
len: W. Heibig, Nike mit der Gorgonenmaske, p. 303. — M, Voigt, zur 
reichsvermessung unter Augustus, p. 306. — Th. Mommsen, zum C. I. L., 



160 Auszüge aus Zeitschriften. 

p. 306. — E. Curtius, die hellenischen kriege, p. 307. — H. Usener 
Platice, p. 311. — L. M., über die form der Varronischen satire, p. 312. 

— L. M., über die cäsur des iambischen trimeter, p. 314. — Sommerbrodt, 
handschriften Lucians, p. 317. — L. M., zur lateinischen anthologie, p. 323. 

— M. Voigt, fälschliches anecdoton, p. 324. — L. M., zu Lucilius, p. 324. 

— L. M., zu Varro's Sesquiulixes , p. 325. — G. Laubmann, zu Aeschylus, 
p. 327. — F. R., zu Eur. Cycl. 558, p. 327. — A. v. V eisen , zu Arist. 
Thesmoph. 1184, p. 328. - J. Klein, zu Pausanias IX, 27, 8, p. 330. — 
H. Usener, zu Plaut. Mostell, 40, p. 331. — L. M., ein neues fragment des 
Cato. p. 331. — M, Voigt, zu Varro und Festus, p. 332. — Z. Weinkauff. 
zu Liv. II, 24, 5, p. 335. — W. Schmitz, zu Liv. III, 63, 7, p. 336. 

Zeitschrift für das gymnasialwesen, 1869, Februar: Hirschfelder, zur li- 
teratur des Horatius. I. Anzeige der erklärenden Schulausgabe von H. Düntzer und 
der 6. aufl. von Nauck's ausgäbe der öden und epoden, p.135. — A. Conze, bei- 
trage zur geschichte der griechischen plastik, lobende anzeige v. E. Hubner, p. 145. 
März: Thucydides III v. Classen, angezeigt von Dr. Schütz, p. 166. — Richter 
Cicero' s reden gegen Verres IV, angez. von Dr. Muther, p. 201. — Lübker, gesam- 
melte Schriften, angez. von W.H., p.226. — L.v.Döderlein, als reformator des 
gymnasium in Erlangen, p. 244. — Küpke , zum andenken an Dr. Johannes 

Schulze, p. 245. März: Aken, griechische schulgrammatik, angez. von Dr. 

Braune, p. 290. — Brambach, die neugestaltuug der lateinischen Orthographie, 
angez. von Dr. Genthe, p. 306 [s. ob. p. 66]. — Eyssenhardt, historia miscella, 
angez. von Fischer, p. 310 [s. ob. p. 152]. — Allgayer , Anlibarbarus, be- 
merkungen von Güthling. 

Zeitschrift f. d. österreichischen gymnasien, 1869, heft 1. heft 2 u. 3: M. 
Schanz, Conjecturen zu Plato, p. 83. 

Zarncke, Iit. Cblatt, n. 7 : Macci Plauti: Truculentus. Cum appar. er.... 
illustr. A. Spengel. 8 . Götting. 1868: einzelnes gute sei in der ausgäbe : im ganzen ta- 
delt sie aber Q. s. f. s. p. sehr scharf. — Giese, de Theone grammatico ejus- 
que reliquiis. 8. Monast. 1867: vierzehn Theones werden besprochen und als 
der grammaticus der von Plutarch erwähnte Theon Smyrnaeus zu erweisen ge- 
sucht, dessen fragmente gut behandelt werden. — Welcker, kleine Schriften, bd. 
V. 8. Elberf. 1867: anzeige von By. — A. Conze, die familie des Augustus. 
4. Halle, 1869. — Nr. 8 : Eusebii Caesariensis opera. Recogn. G. Din- 
dorf, v. III., Demonstr. evang. 11. I — X. 8. Lips. 1867. — Th.Preuss, 
Kaiser Diocletian u. seine Zeit. 8. Lpzg. 1869: anz. von Hz, der fleiss und 
klare darstellung lobt, selbständige forschung aber vermisst. — J. Mähly, der 
Oedipus Coloneus des Sophokles. Beiträge zur innern und äussern critik des 
Stückes nebst einem anhange philologischer miscellen. 8. Basel, 1868: der rec. 
weiss eigentlich mit ausschluss von ein paar conjecturen nichts zu loben als die 
erörterung, inwiefern man von einer politischen tendenz der tragiker sprechen könne. 
[Es wäre das buch besser ungedruckt geblieben]. — T. G. Holtze, Syntaxis 
Lucretianae lineamenta. 8. Lips. 1868: einzelne ungenauigkeiten werden 
angegeben : die brauchbarkeit des buches zugegeben. — Nr. 9 : S. Thascii 
Caecili Cypriani opera omnia. Rec. et cotnm. crit. instruxit G.Hartel, 
8. Wien, 1868: aus dem Corp. Script, eccles. lat.\ anz. von V: die aus- 
wahl der codd. wird gebilligt, die Zuverlässigkeit des apparates als genügend aner- 
kannt : darnach hätte *P besser gethan , seine orthographische gelehrsamkeit hier 
nicht zu zeigen. — Rh. E. Huschke , das alte römische jähr und seine tage. 
8. Bresl. 186'J: (auch u. d. L: Bömische Studien th. 1.): anzeige von 31. V., 
der das verdienstvolle des buches anerkennt, aber die reconstruetion des kalender- 
systems für verfehlt hält, da das Jahr von 355 tagen (mit ausschluss der dd. 
intercalares) der quellen unantastbar sei. — Kariowa , die formen der römischen ehe 
v. manus. 8. Bonn. 1868: gegen Bossbach: ref. stellt sich mehr auf des letz- 
tern seite. — Studien zur griechischen und lateinischen grammatik. Herausg. von 
G. Cantini. Bd. I. 8. Lpz. 1868. 



Nr. 6. Jnni 1869. 

Philologischer Anzeiger. 

Als beiblatt zum Philologus herausgegeben 



von 



Ernst von Leutsch. 



119. Griechische Schulgrammatik, auf Grund der Ergebnisse 
der vergleichenden Sprachforschung bearbeitet von Dr. Ernst 
Koch. Leipzig, 1869. VIII u. 160 S. — 1 Thlr. 

Ueber die formenlehre, schon 1866 abgesondert erschienen, hat 
das öffentliche urtheil sich bereits dahin ausgesprochen, dass der 
versuch des Verfassers, die wissenschaftliche grundlage der Sprach- 
vergleichung den forderungen der schul - praxis zu accommodi- 
ren und zwischen der alten und neuen methode zu vermitteln, viel- 
fach nicht glücklich ausgefallen ist. Die syntax gibt sich als 
eine „syntax des attischen dialects" — wohl nur ein schiefer 
ausdruck für „syntax der attischen prosa", das zeigt sowohl die 
wähl der beispiele (mit wenigen ausnahmen) , wie die fassung 
der regeln. Wie sich diese beschränkung mit dem anspruch 
des buches verträgt, eine auf grund der vergleichenden Sprach- 
forschung bearbeitete grammatik zu sein, ist schwer einzusehen. 
Denn die vergleichende Sprachforschung hat doch unzweifelhaft 
die aufgäbe wie in der formenlehre, so in der syntax die hi- 
storische entwicklung der spräche darzulegen, und das kann 
nur geschehen, wenn namentlich Homer und auch die übrigen 
dichter herangezogen werden. Ueberhaupt möchte, trotz des 
von Krüger mit Virtuosität durchgeführten Versuchs, das bestre- 
ben die syntax der attischen prosa von der dialectischen und 
poetischen syntax so abzusondern, dass die erscheinungen dieser 
nur als abweichungen von der norm der prosa hingestellt wer- 
den, als wissenschaftlich und practisch gleich verfehlt zu be- 
zeichnen sein. Dieser ganze standpunct ist der lateinischen 
spräche entlehnt, wo einerseits das bedürfniss der schule vor 

11 



162 119. Koch, grammatik. 

allem bekanntschaft mit dem Sprachgebrauch der classischen 
prosa verlangt, andererseits die Wissenschaft darüber aus sein 
muss die zahlreichen gräcismen der poesie und spätem prosa 
fern zu halten und das specifisch lateinische zu erkennen, was 
hauptsächlich nur bei Cicero und Cäsar zu finden ist. Dass 
dagegen die syntactischen eigenthümlichkeiten Homer's die grie- 
chische Sprache uns so zu sagen in ihrer ureigenen kraft und 
im ringen nach festen syntactischen gesetzen zeigen und folglich 
für das verständniss des spätem gebrauchs erst die rechte basis 
abgeben, dürfte wohl nicht zu bezweifeln sein. 

Hat nun aber der verf. wenigstens innerhalb der grenzen, . 
die er sich gesteckt, die ergebnisse der vergleichenden Sprach- 
forschung hinlänglich benutzt? Auch das nicht. Viel ist ja in 
dieser richtung noch nicht vorhanden, das vorhandene hätte also 
um so sorgfältiger herangezogen werden sollen, namentlich 
Delbrück's Untersuchungen über ablativ localis instrumentalis im 
altindischen, lateinischen, griechischen und deutschen, die selbst 
einer schulgrammatik die mittel zu einer richtigem behandlung 
der casus, namentlich des genitivus und dativus, bieten. Beim 
dativ scheidet der verf. freilich den eigentlichen dativ von dem 
dativ zur bezeichnung ablativischer Verhältnisse, trennt aber den 
dativus sociativus (instrumentalis) nicht von dem dativus loci 
(locativus); der genitiv wird behandelt nach den rubriken: 
genitiv bei Substantiven , verben , adjectiven , adverbien , ohne 
dass (abgesehen von einer kurzen hinweisung bei den verben 
des mangels und der fülle, der trennung und entfernung) des 
Verhältnisses zu dem lateinischen ablativ erwähnung geschähe, 
was doch selbst dem schüler auf d«r stelle einen klaren blick 
in die verwickelte syntax dieses casus gewähren kann. In der 
lehre vom tempus und modus glaubt der verf. durch engern 
anschluss an Aken's grundzüge „dem geiste der neueren Sprach- 
forschung" gerecht geworden zu sein. Allerdings hat Aken 
manches beachtenswerthe aufgestellt, doch bedarf vieles davon 
noch einer schärfern Sichtung, z. b. die theilung des verbum 
nach vb. imperfectum, vb. perfectum, vb. aoristus (?), welche ein 
präsens rvjtoo postulirt, das nicht vorhanden ist. Darauf kön- 
nen wir hier nun freilich nicht näher eingehen, wollen jedoch 
nicht unterlassen hervorzuheben , dass Koch manches , was 
er Aken entlehnt, in einer einfachem und für den schüler fass- 



120. Georges, handwörterbuch. 163 

Jichern form darzustellen verstanden hat, als es Aken selbst in 
seiner schulgrammatik gelungen ist. Ueberhaupt kann der dar- 
stellung das lob der klarheit nicht versagt werden; auch die 
beispiele sind gut gewählt. Somit darf im ganzen diese bear- 
beitung der griechischen syntax als ein brauchbares Schulbuch 
gelten wenigstens für den , welcher den Unterricht auf die syn- 
tax der attischen prosa zu beschränken für zulässig erachtet. 

M. 

120. Lateinisch - Deutsches Handwörterbuch von Georges. 
6te fast gänzlich umgearbeitete und . . . Auflage. 2 Bde. 
Leipzig, 1869. Hahn'sche Verlagsbuchhandlung. — 4*/4 Thlr. 

Von dem rastlosen eifer, mit welchem Georges sein lateinisch- 
deutsches handwörterbuch auf der höhe der zeit zu halten 
strebt , legt auch diese neue aufläge desselben ein rühmliches 
zeugniss ab. Dies bestreben aber ist um so anerkennenswer- 
ther, je schwieriger es ist, den riesigen fortschritten , welche 
besonders durch Ritschi und seine schule im gebiete der lateini- 
schen spräche in jüngster zeit gemacht sind, zu folgen und 
allen neuen entdeckungen rechnung zu tragen ; denn der lexi- 
cograph hat nicht nur genaue kenntniss zu nehmen von allen 
Veränderungen, welche mit den texten der lateinischen Schrift- 
steller, sei es in neuen kritischen ausgaben oder in erklärungs- 
schriften, vorgenommen oder vorgeschlagen sind, hat nicht nur 
das neue material , das durch die inschriftenkunde herbeigeführt 
ist zu verwerthen , sondern muss auch alle Untersuchungen auf 
dem gebiete der Sprachforschung gewissenhaft verfolgen. In 
allen diesen beziehungen hat Georges so viel geleistet, als ein 
einzelner bei billigen anforderungen leisten kann und hat die 
sechs jähre, die seit dem erscheinen der fünften aufläge verflossen 
sind, redlich benutzt, um nicht nur das von anderen gefundene 
für seine zwecke zu sammeln und einzutragen , sondern auch 
durch fortgesetzte eigene lexicalische Studien neues material 
herbeizuschaffen und das bereits vorhandene besser zu ordnen. 
So ist es dem vrf. gelungen , den anforderungen , welche ge- 
lehrte und schüler bei der benutzung seines Wörterbuchs stellen, 
in höherem grade, als früher, gerecht zu werden. Im einzelnen 
unterscheidet sich die neue aufläge von den vorigen hauptsäch- 
lich dadurch, dass eine masse neuer artikel aufgenommen, da- 

11* 



164 120. Georges, handwörterbuch. 

gegen einige, welche die neueste texteskritik als entschieden 
unrichtig verworfen hat, entfernt, eine nicht unbedeutende anzahl 
artikel entweder theilweise oder ganz umgearbeitet , die quan- 
titätsbezeichnungen genau revidirt, die angaben in betreff der 
einzelnen wortformen vielfach berichtigt worden sind, endlich 
die phraseologie bedeutend vervollständigt ist. Dass dabei noch 
manches übersehen , versteht sich bei einer solchen arbeit von 
selbst. Nur beispielsweise mag also erwähnt werden, dass das 
adiectiv servitricius (s. Bücheier, d. lat. decl. p. 42) fehlt, 
der metaplastische vocativ Harpage bei PI. Pseud. 665 
nicht erwähnt ist, dass der artikel ruidus gestrichen werden 
muss, da nach Detlefsen die besten handschriften bei Plin. 
NH. 18, 97 nicht ruido , sondern nudo bieten, dass nicht Ab- 
origines, sondern Aborigines zu sprechen ist, s. Rubino Beitr. 
p. 47, dass bei quisquam nicht angegeben ist, dass die formen 
des pluralis fehlen. Für eine spätere aufläge aber möchte ich 
die aufmerksamkeit des vfs. auf folgende drei punkte lenken: 
1) möchten die bisher als sicher ermittelten resultate der ortho- 
graphischen forschungen mehr zu berücksichtigen sein , und 
zwar so, dass die einzelnen artikel nach, ihrer richtigen Schreibung 
aufgeführt würden , z. b. umerus , conditio cet. ; 2) ist grössere 
gleichmässigkeit zu erstreben , und zwar a) rücksichtlich der 
phraseologie , denn mehrere artikel stehen auch noch in der 
neuen aufläge sehr kahl da, so fehlen z. b. bei accusator, aegri- 
tudo alle phrasen, bei tempus, timor u. a. sind sehr wenige ange- 
geben, b) rücksichtlich der angäbe der constructionen : freilich 
hat vrf. auch in dieser beziehung recht viel gethan und notizen 
gebracht, die man zum theil auch in den grössern Wörterbüchern 
und in Allgaier's Antibarbarus nicht findet, aber nachzutragen 
giebt es dennoch auch hier noch sehr vieles : so fehlt adhortari 
mit d. inf. (auch von Klotz nicht angegeben), s. Sen. Dial. V, 15, 
3, gestire mit d. inf. (s. Mühlmann Thes.), obtigit mit d. inf. 
Sen. Ep. 76, 6, conjunctus mit d. d. abl. (auch im Antib. nur 
mit Cic. d. Legg. I, 2, 6 belegt), Cic. Phil. III, 14, 35. V, 7, 
20. p. Cluent. 5, 12, Or. I, 5, 17. 57, 243, amplexari cum 
aliquo, Plaut. MG. 244. 319, pergere m. d. sup., s. Lorenz z. PI. 
MGI. 742, indignari pro alquo (zu jemandes gunsten) Liv. 2, 55,6,* 
occupatum esse alicui rei, Sen. Dial. X, 7, 1 und circa alqd, Sen. 
Ep. 33, 1. 89, 10. 95, 8. Ganz besonders aber möchte ich 



120. Georges, handwörterbuch. 165 

es dem vrf. ans herz legen, künftig 3, die autoritäten für 
jedes wort und jede bedeutung mehr als bisher zu berücksich- 
tigen, ein punkt den der philolog nicht weniger als der schüler 
in's äuge fasst, jener, um die geschichte eines wortes zu ver- 
folgen ; dieser , um zu wissen , ob ein wort oder eine wendung 
klassisch sei und daher von ihm in seinen schriftlichen arbeiten 
gebraucht werden dürfe. Auf den stilistischen werth der ein- 
zelnen schriftsteiler aber hat Georges wenig rücksicht genommen, 
darum genügt es ihm oft, spätere schriftsteiler als gewährsmänner 
anzuführen, wo er classische nennen konnte: so werden zu praeverti 
für die bedeutung sich zu etwas wenden nur stellen aus dich- 
tem oder späteren prosaikern gebracht , und doch steht es so 
schon bei Cic. Phil. II, 35, 88. d. Div. I, §. 10 ; auch bei in- 
stitor hätte Cicero als gewährsmann aufgeführt werden sollen 
(s. Phil. II, 38, 97), auch locator steht schon bei Cic. Verr. 
III, 22, 52, idea ist nur mit einer stelle aus Seneca belegt und steht 
doch auch schon bei Cicero , naturalis filius kommt nicht erst 
bei Sueton , sondern schon bei Livius vor (42, 52, 5. 44, 
44, 2). Ebenso verhält es sich mit den autoritäten für phra- 
sen, blanditias adhibere findet sich nicht blos bei Ovid, sondern 
auch bei Livius (29, 23, 7), caput obvolvere nicht erst bei Sueton, 
sondern ebenfalls schon bei Livius (23, 10, 9), in cubiculum dis- 
cedere nicht erst bei Livius , sondern schon bei Cicero , p. r. 
Dej. 7, 19. Bei einer neuen aufläge muss auch der zusatz: 
„u. a.", mit dem nichts anzufangen ist, durch die angäbe be- 
stimmter gewährsmänner ersetzt werden. 

Trotz dieser noch vorhandenen Unebenheiten und mängel 
tiimmt dies lexicon einen ehrenwerthen platz ein, übertrifft die 
übrigen lateinischen Wörterbücher sämmtlich rücksichtlich der 
Vollständigkeit, mit der es den lateinischen Sprachschatz vorlegt, 
empfiehlt sich auf das vortheilhafteste durch die übersichtliche 
anordnung der einzelnen artikel und enthält manche bemer- 
kungen, die man selbst in den grösseren thesauren vergebens 
sucht. Darum verdient es auch mehr von gelehrten zu rathe 
gezogen zu werden , als bis jetzt geschehen ist ; manche heraus- 
geber hätten durch einen blick schon in die fünfte aufläge vor irri- 
gen behauptungen bewahrt werden können : so hätte z. b. Dräger 
nicht zu Tac. Ann. I, 60 behaupten sollen , dass praedictus quem 
supra dixi erst seit Velleius vorkomme , da Georges dafür schon 



166 121. Simonides. — 122. Sophokles. 

auf eine stelle des Livius (X, 14, 7) hinweist, auch nicht zu 
II, 25 bemerken sollen , dass excindere sich zuerst bei Vergil 
finde, da es nach Georges schon im Cicero (d. Eep. VI, 11 
11. p. Mil. 33, 90) steht; auch nicht zu III, 32 sagen dürfen» 
dass incuriosus ausser von Tacitus nur noch von Gellius mit 
dem genetiv verbunden sei, da Georges für diese Verbindung auch 
Plin. Ep. 8, 20, 1 citirt hat. Auch Lorenz hätte aus Geor- 
ges ersehen können, dass optinere mit dem [infinitiv sich nicht blos, 
wie er zu PL MGI. 186 behauptet, allein an dieser stelle 
finde, da hier auch auf Justin (I, 3, 2) hingewiesen war; oder 
dass consüescere ausser bei PL MGI. 581 nur noch Gell. XII, 
1, 22 vorkomme, da es nach Georges schon bei Enn. Ann. 585 
zu finden ist. 

Mit besonderem lobe ist noch die grosse Sauberkeit und 
correctheit des druckes, sowie die genauigkeit in den citaten zu 
erwähnen ; falsche citate habe ich nur zwei bemerkt, u. gratia p. 
2160, wo es statt Liv. 54, 50, 4 heissen muss: 34, 50, 4; und 
u. praemineo, wo für Tac. An. 2, 56 zu lesen ist: 3, 56. 

T. L. 

121. De Simonidis Cei epigrammatis quaestiones scripsit 
Aem. Aug. Junghahn. Progr. des Luisenstädt. Gymnasium 
zu Berlin. 4. Ost. 1869. — 41 S. 

Auf grund einer Untersuchung über den gebrauch des pro- 
nomen ovtog bei den älteren dichtem zweifelt der verf. an der 
echtheit der nrr. 101, 129, 134, 135, 184 (Bergk). Im an- 
schluss an 101 und 134 wird die ganze gruppe der auf die 
Verdienste der Korinther im Perserkriege bezüglichen epigramme 
verworfen, ferner 142 als historisch unwahr, ebenso 97. In 
ur. 110, p. 33 durfte .an &vazcav kein anstoss genommen werden. 

A. H. 



122. Uebersetzungen sophokleischer chorgesänge, vom 
Oberlehrer Dr. W. Hoff mann. 4. Berlin 1869. 

123. Das Walten der Gottheit im menschenleben , nach 
Aeschylos und Sophokles. Theil I, von demselben. Progr. des 
Sophien-Gymn. zu Berlin (wie auch n. 122). 4. Ost. 1869. — 44 S. 

Die geschmackvolle Übersetzung (5 — 18) die p. 1 — 4 mo- 
tiviert wird, umfasst die stasima von Oed. Tyr., Oed. CoL, An- 



123. Aeschylos und Sophokles, — 124. Euripides. 167 

tig., Electr. , die parodos des O. T., der Ant. und von 0. C. 
den xo/xfiog 1447 ff. in antistrophischer responsion, aber in mo- 
dernen rythmen und reimen. 

Die abhandlung (p. 19 — 44) entwickelt des Aeschylus an- 
schauungen vom Ursprung und ältesten zustande des menschen- 
geschlechts und dem verhältniss desselben zu den alten und 
neuen götterordnungen bis auf Zeus und Prometheus , unter- 
schiede, die bei Sophokles zurücktreten; bei ihm ist Prometheus 
zum schaffenden menschengeist geworden. — Beide dichter fin- 
den die schwer erweisbare glückseligkeit der fortgeschrittenen 
menschheit in der harmonie sittlicher und materieller guter, 
unter denen Aeschylos den jzlovzog, Sophokles die svysveia be- 
sonders feiert. Soweit der erste theil , dessen schluss mit dem 
zweiten Ostern 1870 nachfolgen soll. 

124. Sämmtliche Tragödien des Euripides. Metrisch 
übertragen von Franz Fritze, vollendet von Theodor 
Kock. Dritter Bd. 8. Berlin (E. Schindler). 1869. 696 S. — 
6 Thlr. 20 Gr.: die stücke einzeln zu 10, 12, 15 Gr. 

Durch diesen dritten band — der erste erschien 1857, 
der zweite 1859 — ist dieses auch wegen Fritze's vorreden 
verdienstliche werk vollendet: denn von Th. Kock sind der 
rasende Herakles, die Bakchen, Ion, Phönissen, Kyklops hinzu- 
gefügt und in Fritze's weise bearbeitet. Kock hat mit vieler 
liebe seine aufgäbe gelöst: natürlich: einem bearbeiter des Ari- 
stophanes kann ein antrieb zu genauerer beschäftigung mit Eu- 
ripides nur erwünscht kommen. Er spricht sich p. 259 über 
die bei der Übersetzung befolgte methode dahin aus, dass sel- 
bige sinn- nicht wortgetreu seyn solle und beruft er sich da- 
bei auf die alten, d. h. auf die Lateiner : meines erachtens nicht 
richtig : die Lateiner verfolgten bei ihren Übersetzungen aus dem 
griechischen andere tendenzen als wir : bei uns bleibt doch die 
hauptsache, Weiterbildung der deutschen spräche undkunst: 
das ist aber nur bei fortgesetztem ringen, dem classischen origi- 
nal in jeder weise so nahe als möglich zu kommen zu erreichen: 
oder ist der seit J. H. Voss errungene fortschritt in der über- 
setzungskunst auf andere weise bewirkt? Dabei können 
immer freiere Übersetzungen und nachahmungen , z. b. Gra- 
venhorst's so gefällige ihr publicum haben: aber einzugreifen 



168 124. Euripides. 

in unsere entwickelung vermögen sie nicht: schon deshalb 
nicht, weil die arbeit zu leicht ist: denn in Donner's manier 
Sophokles oder irgend einen andern zu verdeutschen, dürfte kaum 
schwer sein, dagegen Ad. Schöll's weg im Sophokles zu folgen 
raubt gar viel zeit. Kock's Übersetzung liest sich zwar sehr 
gut, nimmt man aber das original hinzu, wird man viel mit dem 
Verfasser rechten : doch da eine Übersetzung nur so beurtheilt 
werden kann, dass man ihr eine andere gegenüberstellt, was hier 
eben nicht möglich ist, so mag hier nur gesagt sein, dass, wenn 
andere es besser machen wollen als Kock , sie tüchtig an ihrer 
Übersetzung werden arbeiten müssen. 

Jedem stück ist eine geschmackvoll geschriebene einleitung 
vorausgeschickt, berechnet für das grössere publikum: in der zu 
den Phönissen, p. 541, ist uns die ansieht, namentlich weil sie 
von einem erklärer der Frösche kommt, aufgefallen, dass „Euri- 
pides als epigone so grosser dichter oft in einer peinlichen 
läge" gewesen sei : denn ist davon z. b. eine spur bei Aristo- 
phanes in der bekämpfung des Aeschylos durch Euripides? und 
kümmert sich letzterer auch nur so viel um Sophokles? Kock 
scheint sich doch die Stellung des Euripides in seiner zeit nicht 
klar gemacht zu haben : der Standpunkt, von dem aus Euripides 
die tragödie behandelte, war ja derartig, dass jeder tragische 
Stoff, Aeschylus, Sophokles oder sonst einer mochte ihn behan- 
delt haben oder nicht, bei Euripides nothwendig nicht bloss neu, 
sondern nach dessen eigenster, in den tragödien selbst auch gar 
nicht verhehlten (Fritzsch. zu Arist. Frosch, vs. 827) Überzeugung 
auch besser und tragischer ausgeführt erscheinen musste, als 
in denen seiner Vorgänger : daher hätten wir lieber gesehen, 
Kock hätte diesen Standpunkt scharf und eindringend behandelt 
und aus ihm heraus die eigenthümlichkeiten des dichters ent- 
wickelt, damit das lob wie der tadel nicht oberflächlich oder will- 
kürlich erscheine. Das zeigt sich alles auch deutlich in den 
Phönissen: was da getadelt wird, ist meist auch schon in Grup- 
pe' s Ariadne — ein buch, aus dem wir philologen doch immer 
lernen können und was man deshalb nicht ignoriren sollte — 
gesagt : aber wie Euripides dazu gekommen , warum der doch 
gelehrte und geschmackvolle mann solche uns handgreiflich 
scheinende fehler gemacht, das erklärt man nicht. Statt solcher 
kritik hätten wir lieber Untersuchungen über die quellen — 



124. Euripides. 169 

wenn ich den ausdruck gebrauchen darf — gewünscht: doch 
statt darauf einzugehen, wollen wir weiter bemerken, dass jedem 
stücke anmerkungen beigefügt sind, auch sie für das grössere 
publicum bestimmt , daher kurz , anspruchlos , aber den kenner 
verrathend: sie suchen sachliche Schwierigkeiten dem leser auf- 
zuklären, urtbeile der einleitung zu begründen, unterrichten über 
quellen des dichters, auch über kritische fragen, über die action 
und das benehmen der Schauspieler auf der bühne u. s. w. ; um 
die art derselben zu zeigen, besprechen wir die erste scene der 
Phönissen, eines Stückes , welches nach den Alexandrinern unter 
die zahl der ayav il-aigszcov gehörte, Argum. V, p. 9 Dind. ; da 
heisst es zu vs. 88, p. 616 „der alte scholiast macht die bemer- 
kung, Antigone erscheine deswegen erst später als der pädagog 
auf dem dache, weil der Schauspieler, der ihre rolle gibt, vorher 
die lokaste gespielt habe und zum umkleiden zeit haben müsse" ; 
abgesehen von dem „auf dem dache" was wir für falsch halten, 
auch nicht im scholiasten steht (vgl. Scholl, ad vs. 93), ist aber 
das scholion kein „altes" (ein von Kock öfter voreilig bei den 
schoben gebrauchter ausdruck) und verdient, wie Geel Eur. 
Phoen. p. 87 ausführlichst nachgewiesen, gar kein vertrauen. 
Auch liegt der grund für das vorangehen des pädagogen wo 
ganz anders: abgesehen von vs. 89. 96 soll Antigone als ge- 
wöhnliches , ängstliches , schüchternes mädchen erscheinen , nicht 
wie bei Aeschylos und Sophokles als kräftige , männergleiche 
heroine. Aber trotzdem ist durch die note zu vs. 106, p. 550 
„Antigone klimmt bis auf das dach empor" des guten zu viel 
geschehen: an ein klimmen ist nach ixneQa vs. 97 nicht zu 
denken : die hand des pädagogen verlangt sie nur als furchtsa- 
mes mädchen : wenn der alte (vs. 100) pädagog ohne Schwierig- 
keit auf den balkon gehen konnte, konnte das ohne bange auch 
das mädchen-, wie sie ja auch vs. 200 beide rasch weggehen. 
Dergleichen fehlgriffe finden sich öfter: anderer art ist Herc. 
für. vs. 1028, p. 328, wo ohne weiteres die ansichten 0. Mül- 
ler's über das ekkyklem nach Aesch. Eum. p. 103 mitgetheilt 
werden; ich meine, die Unrichtigkeit derselben sei längst durch 
Sommerbrodt, A. dargethan : auch hat O. Müller seine ansieht 
schon in Ersch u. Grub. Allg. Enc. I, 33, p. 80 modificirt. 

Es folgt nun die mauerschau selbst, welche Kock für über- 
flüssig hält, meiner ansieht nach unrichtig. Aber ehe man so 



170 125. Thukydides. — 126. Piaton. 

urtheilt, sollte man ihr doch erst die späteren zusätze nehmen. 
Kichtig giebt Kock vs. 121. 122 lo%ayog . . ovofid^stai als un- 
echt an: aber auch vs. 131 Xoxayov; 'Avi. allog aXXog oöe 
T$v%£(av zoonog ist auszuwerfen, da der pädagog nie in dieser 
partie fragt, Xo^ayög nie gebraucht wird, die anadiplosis in allog 
gegen die art des Euripides verstösst. Ja, dringt man genauer 
ein, sind auch die vss. 138 — 140 aansacpogoi . . . mnliafisvovg 
auszumerzen: wie kann der pädagog auf den ausruf der Anti- 
gone , dass des Tydeus rüstzeug barbarenhaft sei , antworten, 
alle Aetoler trügen schild und lanzen! und wie Antigone fra- 
gen, woher er das wisse, da er ihr ja eben erst vs. 92 ff. ge- 
sagt hat, er sei in der feinde lager gewesen ! wie endlich der pä- 
dagog auf diese frage nach lanzen und Schilden bloss ant- 
worten, er habe atjfisTa aanCdcov gesehen und dabei einen kurz 
vorher gesprochenen vers wiederholen ! Dergleichen lässt sich 
noch vieles bemerken : wie viel also kritik und erklämng selbst 
in diesem so oft behandelten stücke noch zu leisten hat, dürften 
diese kurzen bemerkungen schon zeigen: da in andern fällen 
Kock glücklicher gewesen , muss also jeder, der genauer in diese 
tragödien einzudringen strebt, auch den von ihm gegebenen bei- 
trag sorglichst beachten. E, v. L. 

125. Ueber den hochverrath des geschichtschreibers Thuky- 
dides. Von Dr. (vorname nicht angegeben) Hiecke. Progr. 
des Friedr. Werderschen gymnas. zu Berlin. 4. Ost. 1869. — 26 S. 

Nach einer darlegung der thrakischen Verhältnisse bis zum 
fall von Amphipolis im nov. 424 , versucht der Verfasser p. 
12 ff. den Thukydides von jeder schuld an diesem verlust na- 
mentlich gegen Oncken und Mure zu reinigen. Amphipolis 
sei durch verrath und die nachlässigkeit des Eukles bei der be- 
festigung der Strymonbrücke gefallen , Thukydides , den wahr- 
scheinlich drohende Unruhen vor Thasos festgehalten hätten, 
habe durch seine schnelle hülfe wenigstens Eion gerettet. 



126. Dr. Hermann Schmidt, Plato's Cratylos im Zusam- 
menhange dargestellt und durch kritisch-exegetische Anmerkungen 
erläutert. 8. Halle. 1869. — 20 Gr. 

Als text gibt H. Schmidt zuerst eine einleitung über die 



126. Piaton. 171 

aufgäbe des gesprächs, sodann eine genaue übersieht des inhalts 
in drei abschnitten. An jeden theil dieses textes reiht er an- 
merkungen an, in welchen theil s der im text entwickelte gedan- 
kengang Plato's genauer nachgelesen wird, theils einzelne stel- 
len kritisch und exegetisch erörtert werden. Die stärke der 
schrift liegt, wie uns scheint, mebr in den vielen erklärungen 
einzelner stellen als in der darlegung des gesammten planes des 
gesprächs. Schon über den terminus , mit dem zu anfang das 
thema des gesprächs bezeichnet wird, die og&öryg, urtheilt 
Schmidt nicht genügend nach den eignen andeutungen Plato's. 
Nach diesen ist die hauptfrage des. gesprächs nicht, ob eine 
dg&ozTjg opofidzmv stattfinde, sondern was für eine. Schmidt 
versteht nun unter og&oTTjg mit den meisten neuern erklärern: 
allgemeinverständlichkeit. Aber weder der griechische Sprachge- 
brauch im allgemeinen, noch der Plato's begünstigt diese auffas- 
sung. Schwerlich wird es sich anders als mit Zugehörigkeit des 
worts zur sache wiedergeben lassen. Denn mehr, als dies wort 
sagt, ist es nicht, worüber beide unterredner von vornherein 
einig sind. — Schmidt theilt den dialog in drei theile : 1) 383 — 
390 e, 2) 390 e— 427 d, 3) 427 d — scbluss, und überschreibt 
diese : theoretische begründung , empirische begründung , kritik 
der ansieht von der naturnothwendigkeit der Wörter. Eine mo- 
tivirung dieser eintheilung würde wünschenswerth gewesen sein. 
Wie der abschnitt bei 390 e würde auch der bei 435 d berück- 
sichtigung verdient haben. Für den Schlussabschnitt würde es 
freilich schwer gewesen sein als thema die cpvaat oQ&ozrjg beizu- 
behalten , welche wie Schmidt richtig sieht , in den drei ersten 
behandelt wird, wenn sie auch im zweiten nicht sowohl, „empi- 
risch begründet", als an dem beispiel faktisch vorhandener Wör- 
ter im einzelnen angewendet und durchgeführt wird {^tig not 
loTt'v 391 a b). Der schluss lässt die frage nach dem Vorhan- 
densein der yvosi OQ&özqg bei seite und leugnet nur, dass, selbst 
wenn sie bestände, die wirkliche spräche eine erkenntn issquelle 
für das wesen der dinge abgeben könne. In den worten, mit 
welchen Schmidt p. 74 (vgl. p. 65) das ergebniss des dialogs zu- 
sammenfasst , finden wir mehr ein gegenüberstellen der haupt- 
sächlich hervortretenden gegensätze als einen versuch Plato's 
wirkliche ansieht aus diesem räthselhaften widerspiele herauszu- 
heben. Zunächst fragt es sich, ob der dialog von der richtig- 



172 126. Platon. 

keit des wortes an sich oder von der richtigkeit der Wörter in 
den vorhandenen sprachen handele oder über beides. Man wird 
sagen müssen : über beides , aber vorwiegend und der tendenz 
nach über das erstere. Und ferner: ist das ovofia an sich qivaei. 
bg&ov oder %vv&ijxr], und wie steht es in dieser hinsieht mit 
den vorhandenen ovopazal Der erste theil des dialogs scheint 
deutlich zu lehren, dass das ovofia seine og&özqg von natur 
habe (s. 389 d). Aber etwas anders wird sich die sache stel- 
len , wenn wir die begriffsbestimmung des ovopiu , wie sie dem 
vofjto&htjg vor äugen stehen soll, erwägen und mit dem zweiten 
theil zusammenhalten. Es ist 1) ogyavov Staxgizixbv xal didaa- 
xaXixbv ; es muss 2) als solches dem zu bearbeitenden gegen- 
stände angepasst sein ; 3) es kann selbst aus verschiedenem 
material (buchstaben , silben) angefertigt sein ; 4) über seine 
tauglichkeit hat der diaXsxzixog zu entscheiden. Die wesent- 
lichste bestimmung aber ist die zweite. Nun erhalten wir im 
zweiten theil des dialogs das resultat: t] og&ozrjg zoiavzt] rig 
ißovXszo sivai , oia dqXovv olov exaazov iazi rmv ovzoav, 422 d, 
ferner dass das ovofia nichts sei als ein [itfitjftü Std yoovijg xal 
yXcozzrjg xal czöpazog negl oziovv, 423 b, eine bestimmung, die 
zunächst sehr wenig mit der frühern im einklang zu stehen 
scheint, dass es ein ogyavov sei. Ueber den gegenständ aber, 
den es behandelt (sei es nun als abbild oder als Werkzeug) er- 
fahren wir, dass er nicht etwa färbe oder gestalt oder ton sei, 
sondern die ovaia der dinge. Ueber den sinn dieses ovaia 
lässt uns Plato nicht im zweifei: ag' ovx av 8i]Xoi 6 fiifiovfisvog, 
sagt er, exaazov o 'iaziv d. h. den begriff, die idee der sache. 
Die ovaia. der dinge aber ist unsichtbar und unhörbar ; wie 
sollte sie sich durch ein mittel wieder geben lassen , welches 
selbst sinnlich wahrnehmbar ist? Ein solches ist aber der Xoyog, 
die rede, nach Plato's eigner ausdrücklicher definition im Theätet 
(206 d) rb ttjv avzov dictvoiav ificpav?] nouiv 8ia q>cov?jg jueza 
gtllidzcov ts xal övnficiToov mansg Big xazontgov ?} vömg zrjv 86^av 
sxzvTzovpevov f lg zr\v 8id tov azopazog gotjv , und der kleinste 
theil desselben, das ovofxa, soll nur das abbild des gegenständes 
eig zijv ztjg axolqg ai'a&rjaiv xazaozfjaat, s. Cratyl. 431a, vrgl. Tim. 
76 b. Folgt nicht hieraus grade , dass die rede und das ovo\ia 
nimmermehr das wesen, sondern nur die erscheinung der dinge 
ausdrücken können ? Die ganze lautmalerei , welche der zweite 



126. Piaton. 173 

theil des dialogs in einem förmlichen system entwickelt, würde 
hiernach höchstens ausreichen um die 86£a , soweit sie resultat 
des aio&ureo&ai ist (Phileb. 38 b), mittelst der stimme wieder zu 
geben. Und wer bürgt dafür, dass in der vorliegenden spräche 
etwas anderes zum ausdruck gekommen ist, als die sehr lebhaf- 
ten aber ebenso vielfach verwirrten Vorstellungen der menschen 
von den dingen? Und wo dinge zu bezeichnen waren, die nicht 
sinnlich wahrgenommen wurden , wie z. b. zahlen , griffen sie zu 
beliebigen lauten und verständigten sich über die bedeutung des 
Zeichens. Was lässt sich also aus der vorhandenen spräche ler- 
nen über die dinge? Im besten falle, d.h. wenn wir den Schlüs- 
sel zur bedeutung der laute besässen , die Vorstellung , welche 
die erfiuder der namen von den dingen hatten , aber nichts über 
das wesen der dinge. Damit ist die frage über die og&ottjg 
der vorhandenen Wörter und über den nutzen der etymologie 
für die erkenntniss entschieden. Wie aber steht es mit der 
oQ&öztjg des ovo/j,a an sich? Sollen wir ganz darauf verzichten, 
die ovaia der dinge mittelst der ovo (iura auszudrücken? Dies 
verbietet der erste theil des dialogs. Das ovo\nu. ist seinem be- 
griff nach ogyavov diöacxaXixbv xcti diaxgiTixov. Und es gibt 
einen weg, auf dem es dennoch, obgleich es sinnliches Werkzeug 
ist, das übersinnliche bezeichnen kann : wenn es nämlich dazu 
bestimmt ist nicht die ovata selbst nachzuahmen , sondern , in- 
dem es die erscheinung nachahmt, an dem ausdruck derselben 
zugleich diejenigen Verhältnisse bemerkbar zu machen , in wel- 
chen die begriffe zu einander stehen , die den erscheinungen zu 
gründe liegen. Es wird also das gleichartige durch gleiche zei- 
chen ausdrücken, verwandtes durch verwandte, mögen diese nun 
ganz willkürlich gewählt sein, wie bei den Zahlwörtern, oder 
nach einer gewissen Symbolik, wie z. b. das v des neutrums zum 
ausdruck des begriffs deshalb gewählt sein könnte, weil das v 
das ev8ov nachahmt (427 c), die comparativendung otsqov , iov 
um das fliessende , bewegliche der eigenschaft auszudrücken (s. 
Phileb. 24 a). Wenn auf diese weise das övofxa eines dinges 
nicht nur abbild der sinnlichen erscheinung desselben, sondern 
auch bezeichnung des Verhältnisses des dings (der ovata) selbst 
zu andern dingen wäre, dann würde es ogyavov ÖidctöxaXixbv xal 
dittXQiTiKOv sein, einem netze vergleichbar, an welchem, indem 
es um die Vorstellung herum gelegt wird, an gewissen hervor- 



174 126. 127. Piaton. 

tretenden faden die innere struktur des dings und der Zusam- 
menhang desselben mit andern dingen erkennbar wäre — wenig- 
stens für den dialexrixog. Während nun der grössere theil der 
laute eines ovofia nur die zufällige und bei verschiedenen sub- 
jecten verschiedene aia&rjaig ausdrückte, mithin allerdings (wo- 
durch sich Susemihl's einwand hebt, den Schmidt p. 26 nicht 
beseitigt hat) dem verschiedenen material, aus dem ein und das- 
selbe instrument bestehen kann, gleichen würde (wodurch die 
denkbarkeit einer „idealen" spräche ausgeschlossen wird), müss- 
ten jene signifikanten merkmale unveränderlich sein, weil sie der 
ovala entsprechen. Man könnte ihr ganzes System als ideale 
grammatik bezeichnen. Aus der grossen zahl von bemerkungen 
über einzelne stellen, deren kurze besprechung einer andern ge- 
legenheit vorbehalten werden muss (Philologus bd, XXIX, p. 168), 
heben wir hier nur zwei vortreffliche ausführungen Schmidts her- 
vor : die über STztar^fii] (nach Plato eigentlich inioirj^t}) p. 46, 
und die* verdienstliche auseinandersetzung über die buchstaben- 
klassen, die Plato annimmt, p. 57. — Die schrift beweist übri- 
gens, wie viele exegetische und kritische Schwierigkeiten der 
Kratylos noch bietet. Das Studium dieses dialogs aber ist um 
so anziehender, als er uns ein beispiel gibt, wie Plato nicht nur 
das leben nach dem begriffe zu gestalten sucht, sondern es 
auch versteht, gelegentlich den begriff aus den thatsachen der 
erfahrung und durch anwendung auf dieselben genauer zu be- 
stimmen, aufzuklären und zu bereichern. Nebenbei zeigt er 
Plato's verständniss für das leben des volksgeistes , wie es sich 
in der spräche offenbart. So wenig die zahlreichen etymologien 
auch wissenschaftlichen werth haben , der ganze dialog beweist, 
wie tief Plato in wesen und zweck der menschlichen spräche 
philosophisch eingedrungen ist. D. Peipers. 

127. Beiträge zur Würdigung und zum verständniss des 
Platonischen Timaeus , von Dr. Grumlich. Progr. des Fried- 
richs-Gymn. zu Berlin. 4. Ost. 1869. — 26 S. 

Nach einer übersieht über die vorplatonische kosmologie 
folgt eine darstellung des im Timaeus enthaltenen platonischen 
Systems , eine besprechung der erzählung von der Atlantis und 
zum schluss eine kurze erörterung über die Scheidung des my- 
thischen und philosophischen in Piatons dialogen : eine eigent- 



128. Aristoteles. — 129. Synesios. 175 

lieh philologische behandlung einzelner stellen enthält die arbeit 
nicht. A. H. 

128. Beiträge zur erklärung und hritik des siebenten bu* 
ches der Nicomachisehen Ethik, von Dr. Haecker. Progr. 
des Köllnischen gymn. zu Berlin. 4, Ost. 1869. — 31 S. 

Der Verfasser, der schon in der Zeitschrift f.d. gymnasial- 
wesen 1862, XVI, 7 und im programm desselben gymnasiums 
1863 über Aristoteles nikomachische ethik gehandelt hat , weist 
hier in buch VII. derselben ausser einer coniectur zu 1146 b 1. 2, 
der Streichung der worte rj ort %?]q6v io towvös 1147 a 6 und 
der Versetzung der stelle 1147 b 6 9 näg de Ivsjui bis cixoveiv 
nach trjQ atG&qiixtjs eb. 17, hauptsächlich drei grössere interpola- 
tionennach: 1) 1146 b 14 — 24 sazi ö'äp^jj — diwxst. 6s, da die 
stelle eine falsche disposition, die nirgends zur ausführung 
kommt, unmittelbar hinter der richtigen angiebt; 2) 1147 b 35 
bis 1148 a 4 die viel commentierte stelle mansg av&Q<onos 
(oder " Av&Qomog) — tovzwv tfov&sig', 3) 1148 a 22 bis b 14 
insl ös tüv imüvfiiccv — xat Ksgöppg qcajusV als aus der tendenz 
hervorgegangen, die moralische beurtheilung sämmtlicher an- 
dern begierden zu mildern und die der sinnenlust möglichst zu 
verschärfen. 

129. Synesius von Cyrene. Von Richard Volkmann. 
8. Berlin 1869. — Xu. 258 S. — 1 Thlr. 25 Gr. 

Ueber Synesius, diesen für die literatur- und kulturgeschichte, 
die kirchengeschichte und die geschichte der alten philosophie 
merkwürdigen mann hat V o 1 k m a n n eine recht ansprechende, 
auf tüchtigen quellenstudien beruhende monographie geliefert, für 
welche wir ihm um so dankbarer sein werden, da durch dieselbe 
wirklich eine fühlbare lücke in der bisherigen literatur in erfreu- 
licher weise ausgefüllt wird. Indem ich die leser dieser blätter 
auf die genannte darstellung aufmerksam mache, erlaube ich mir 
zugleich , eine ergänzung derselben in einem allerdings sehr un- 
tergeordneten punkte mitzutheilen. 

Synesius tadelt es im Dio an den christlichen mönchen, dass 
sie auf unmethodischem wege, ohne beihülfe wissenschaftlicher bil- 
dung, zu der gemeinschaft mit gott zu gelangen versuchen, 
zu welcher nur wenige auserwählte geister , in folge einer 
aussergewöhnlichen begabung , in dieser weise gelangen kön- 



176 129. Synesios. 

nen. Sl zoXptjoozazoi ndvz'cov, redet er sie p. 51 P. an, n (tsv 

rjmozdpe&a vfiäg evnoorjtiavzag ixsivr^v zqg ipv%?jg ti\v a£tW, 
qv Afiovg, i\v ZmQodazQqg, tjp 'Eofjiijg, rjv 'Avzwviog , ovx av 
ri^iovfisv cpQsvovv ovde diu [ta&rjoscog uysiv xzX. In dem 
gleichen Zusammenhang hat er schon früher , p. 48 , den Amus 
als beispiel ursprünglicher begabung angeführt, wenn er sagt: 
onolog ' A(iovg 6 Alyvnziog ovx i%evoei> 7 dXV sxqivs %Qstav 
ygapfiuTcov zoaovzov aizqi zov vov TZSQtijv. Wer ist nun dieser 
Amus? Volkmann p. 188 anm. glaubt, es seit mit dem- 
selben Ammon oder Ammonius gemeint, der begründer des 
mönchslebens auf dem nitrischen berge, ein älterer Zeitgenosse 
des nachher genannten Antonius. Findet aber schon er selbst 
die Zusammenstellung dieser zwei mönche mit Zoroaster und 
Hermes seltsam , so erscheint die Ordnung , in der sie aufgezählt 
werden, fast noch seltsamer; und wenn er zu den worten : 
ovx s^svqsv xzX. ein scholium anführt, nach welchem Amus 
auf die frage: st avayxala zd ygdfifiazcc , geantwortet haben 
soll: ei 6 vovg vQQmzai zig xgsCa yoctwidzcov; das ovx i^svgsv 
bedeute nämlich so viel wie ovx sigr/acczo , so zeigt schon 
diese letztere erklärung, wie wenig auf diesen scholiasten zu 
bauen ist. Das richtigere gibt die vergleichung der bekannten 
stelle im platonischen Phädrus p. 274 C an die hand. Hier 
wird nämlich erzählt , Theut der erfinder der schritt , sei mit 
seiner erfindung zu Qapoi/g, dem damaligen beherrscher von ganz 
Aegypten , gekommen , und habe sie ihm als ein ydgpaxov 
fivrj[itjg xal aucptag empfohlen. Dieser aber habe ihm geantwor- 
tet: co ze%rixo3zaze Qev& , dkXog (asv zexeiv dvvazog zu zrjg 
ze%v?]g , dXXog de xgivat xzX.] die schrift sei nicht fivri(irig 
dXV vnopvtjosoag cpdgfiaxov , da sie dazu verleite, sich auf sie 
zu verlassen und die Übung des gedächtnisses zu vernachläs- 
sigen. Es liegt wohl am tage, dass der Amus des Synesius kein 
anderer ist , als der Thamus des Phädrus , welcher von dem 
abschreiber, dessen recension Synesius folgte, vielleicht desshalb 
um das verkürzt worden war , weil er ihn , durch Phädr. 
274 D veranlasst, mit dem Ammon identificirte. Sonst ist 
meines wissens von dieser lesart keine spur vorhanden, und 
uns wird sie sich um so weniger empfehlen, da Synesius im Dio 
p. 59 f selbst bekennt, dass er sich um die correctheit seiner 
handschriften wenig bekümmert habe. E. Zeller. 



130. Lateinische grammatiker. 177 

130. Extraits de divers manuscrits latins pour servir a 
l'histoire des doctrines granimaticales au moyen äge par Ch. 
Thuro't. 4. Paris. 1869. 591 S. — 4 Thlr. 

In allen Wissenschaften giebt es gebiete , die wenig anzie- 
hungskraft ausüben und die von vornherein nur geringe ausbeute 
versprechen , deren erforschung aber nichtsdestoweniger im 
hohen grade wünschenswerth ist. Ein solches gebiet ist für die 
classische philologie die gelehrte litteratur des mittelalters, in- 
wiefern sie auf die alten autoren fusst und die philologischen 
Studien fortsetzt. Aus den proben barbarischen lateins und aus 
der Ungereimtheit vereinzelter in den handschriften beigeschrie- 
bener bemerkungen wusste man schon längst, dass aus dieser 
quelle wenig neue belehrung zu schöpfen sei. Ja die entschiedene 
Parteinahme , die wir schon von früher jugend auf für die gros- 
sen Verfechter des humanismus gegen die mönchische Scholastik 
zu nehmen pflegen, machte uns wenig geneigt zum Studium jener 
geistlosen lehrbücher des mittelalters , in deren endlicher Ver- 
drängung wir einen triumph der freien forschung und des ge- 
läuterten geschmacks erblicken. Aber jeder der die geschichte 
der philologie im Zusammenhang verfolgte, stiess doch hier auf 
eine sehr empfindliche lücke , manchem fielen doch wohl auch 
schon begriffe und namen unserer grammatik auf, die nachweis- 
bar nicht aus dem alterthum stammen können und die sich 
aus dem mittelalter in unsere grammatiken eingenistet haben. 
Dem regen eifer, mit dem von Vertretern anderer Wissenschaf- 
ten das mittelalter durchforscht wird, verdanken wir denn auch 
schon die aufhellung manches punktes , der auch für uns philo- 
logen von interesse ist : Prantl's geschichte der logik bietet uns 
jetzt einen sehr erwünschten einblick in die nachhaltigen ; oft 
mehr bannenden als fördernden einwirkungen , welche die nach 
und nach bekannt gewordenen philologischen schritten des al- 
terthums auf die denkweise des mittelalters geübt haben : Rockin- 
gers formelbücher des 11 — 14 Jahrhunderts lassen uns sehr 
hübsch erkennen , wie die rhetorik der alten noch in den kanz- 
leien mittelalterlicher fürsten nachwirkte. In dem vorstehenden 
werke, das zugleich den 2. theil des 22. bandes der Notices et 
Extraits des manuscrits de la bibliotheque imperiale bildet , ist uns 
nun endlich auch eine geschichte der grammatischen theorien 
im mittelalter geboten. Dem mühsamen unternehmen hat sich 

32 



178 130. Lateinische grammatiker. 

Ch. Thurot unterzogen, dessen name auch sonst schon unter 
deutschen philologen hinlänglich bekannt ist, und der durch 
seinen aufenthalt in Paris , wo die bedeutendsten grammatiker 
des mittelalters lehrten und wo sich jetzt in der kaiserlichen 
bibliothek das reichhaltigste quellenmaterial aufgehäuft findet, 
vor andern zu einer solchen arbeit berufen war. Er hat seinen 
plan in der art durchgeführt, dass er nach einem genauen ver- 
zeichniss der zahlreichen von ihm benutzten handschriftlichen 
quellen, und nach einem kurzen abriss über die grammatischen 
bestrebungen in der ersten periode von dem 9 — 11. Jahrhundert, 
zu einer eingehenden darlegung der grammatischen theorien, 
welche im 12 — 14. Jahrhundert ausgebildet wurden, überging. 
Hier bespricht er zuerst in einem allgemeinen theil die damals 
herrschende methode der schulunterweisung , indem er auf die 
in jener periode fast in allen schulen Europa's eingeführten 
lehrbücher, die Summa des Pierre Helle, das Doctrinale des 
Alexandre de Villedieu und den Grecismus des Evrard de Bethune 
hinweist. In dem speciellen theil geht er die einzelnen abschnitte 
der damaligen grammatik durch und erläutert sie an der hand 
zahlreicher auszüge, die er aus den tonangebenden lehrbüchern 
des mittelalters mittheilt. Am Schlüsse erwähnt er noch kurz die 
schliessliche beseitigung jener mittelalterlichen Scholastik durch 
den einfluss des wiedererstandenen alterthums im 15. Jahrhundert. 
Angefügt sind sehr sorgfältige indices auetorum et verum, welche 
die handliche brauchbarkeit des buches nicht wenig erhöhen. 

Hat man nun auch das buch anfangs mit misstrauen in die 
bedeutung des behandelten gegenständes zur hand genommen, so 
wird man es doch nicht ohne mannigfache belehrung weglegen. 
Wir haben eben doch auch in der philologie eine reichere erbschafl 
aus dem mittelalter angetreten , als man zu glauben gewöhnt 
ist. Die fassung der grammatischen regeln in verse, die aus. 
drücke substantivum , appositio, regere, ablativus absolutus, stammen 
alle aus dem mittelalter und finden in unserem buche ihre er- 
läuterung. Auch die närrische deutung von ecloga = ziegenlied, 
die ich in meinem unlängst in der Würzburger philo logen Ver- 
sammlung gehaltenen Vortrag über den namen udvlliov aus 
der vorrede zu Spensers Shejpheards Calendar anführte, findet 
sich bereits in dem Grecismus des Eberhard von Bethun (s. p. 
100). Sehr unterrichtend ist auch das capitel über die accentua- 



131. R. Schoene, Quaestiones pompeianae. 179 

tion und die versification in der zweiten hälfte des mittelalters. 
Wir finden hier das zusammenfallen von betonung und Quantität 
geradezu ausgesprochen in einem opusculum de accentibus p. 393: 
illa ergo sillaba in lectione tenebitur et elevabitur que habuerit do- 
minantem accentum, cetere omnes dejprimentur et sine mora pronun- 
ciabuntur. Bezüglich der mittelalterlichen Orthographie erfahren 
wir nichts, was uns nicht schon aus den handschriften des 
mittelalters bekannt wäre; aber es ist doch auch hier von inter- 
esse zu erfahren, dass die Schreibart hü hiis geradezu als norm 
aufgestellt wurde, s. p. 139, und dass das schliessende t zu 
einem nur schwach vernehmbaren d herabzusinken pflegte , s. p. 
141. 144. Diese wenigen hinweise mögen genügen, um die 
aufmerksamkeit auch der deutschen philologen auf dieses ver- 
dienstvolle werk zu lenken. 

W. C. 



131. Quaestionum pompeianarum specimen amplissimo phi- 
losophorum ordini universitatis Fridericae Guilelmae Berolinensis 
exhibuit Bichardus Schoene. 8. Lipsiae. 1869. — 34 S. 

Diese schrift , welche sich durch schlichte eleganz der dar- 
stellung und spräche auszeichnet, zeigt wie wichtige resultate für 
die alterthümer Pompeji's durch genaue Interpretation der In- 
schriften wie der ausgrabungsberichte und durch gründliche Un- 
tersuchung der monumente noch zu gewinnen sind. Nachge- 
wiesen wird, dass die sogenannten altern bäder ungefähr zu glei- 
cher zeit wie das theatrum tectum und das amphitheatrum , kurz 
nach einführung der sullanischen colonie , als öffentliche anstalt 
erbaut und erst später , wahrscheinlich in der ersten kaiserzeit, 
um die frauenbäder erweitert worden sind. Besonders interes- 
sant ist die hier zum ersten male gegebene baugeschichte der 
stabianer thermen, welche gleichfalls aus männer- und frauen- 
bädern bestanden. Nicht klar geworden sind dem ref. alle ein- 
zelheiten der erklärung einer aus Henzens scheden mitgetheilten 
inschrift von Macerata Feltria p. 33. In hohem grad lehrreich 
für die tiefe verderbniss der letzten bücher von Plinius NH. ist 
p. 18 — 22 die glückliche herstellung von Plinius 35, 159 aus 
zwei stellen des Isidor Orig. 19, 10, 4 und 20, 4, 3. 

B. 

12* 



180 132. 133. Lateinische epigraphik. 

132. J. Becker, Castellum Mattiacorum. Das römische 
Castel. (Annalen d. Vereins f. Nassauische Alterthumskunde u. 
Geschichtsforschung. IX, p. 148—163.) 8. 1868. — 1 Thlr. 20 Gr. 

Eine werth volle abhandlung zur römisch - deutschen epigra- 
phik gehörig, in welcher der unermüdlich thätige und kundige 
Verfasser durch eine 1866 bei Mainz gefundene inschrift den 
namen Castellum Mattiacorum für Castel urkundlich feststellt. Sie 
lautet: .... ANOI . . . I jj EIS. CASTELLI. M || TIACORUM. 
AVR || CANDIDVS. CORNI || CVLARIVS. MNI. || RVM. 

COR. MII . . . || A. LECTVS INER . ./ || Die ergän- 

zungen eines so zerstörten steins werden immer zweifelhaft blei- 
ben. Becker liest in der ersten zeile Ilviris , in den letzten 
inter quinquennalicios , vielleicht richtig. Vorher geht in der er- 
sten zeile, die ursprünglich nicht den anfang bildete, wohl Titiano 
(Brambach 999. 1304). Candidus bekleidete das amt eines 
comicularius zweimal; einmal als comicularius Mattiacorum, wie zeile 
5 und 6 wohl zu ergänzen ist ; das anderemal bei einer unbekannten 
person oder truppe. Sicher und wichtig bleibt der name des 
orts, der durch eine hier auch abgebildete und erklärte bleimedaille 
von Lyon bestätigt wird. Man las dort auf der einen seite der 
rheinbrücke MOGONTIACVM, auf der andern CASTEL. 



133. W. Christ, das römische Militärdiplom von Weissen- 
burg. München. 8. Akadem. Buchdruckerei von F. Straub. 
In Commission bei G. Franz. 1868. 39 S. — 10 Gr. 

Zu den 52 bis jetzt bekannten militärdiplomen, wovon zwei 
noch unediert sind, s. Renier zu Borghesi Oeuvres 4, 277, kommt 
als 5otes ein wohl erhaltenes und interessantes hinzu, welches, 
im winter 1867 bei gelegenheit der eisenbahnbauten gefunden, 
von Christ sorgfältig herausgegeben und erklärt worden ist. Sehr 
lehrreich ist gleich die genaue beschreibung der form der bronze- 
tafeln; auf der äusseren seite lassen die von der Oxydation 
weniger angegriffenen stellen die nachwirkung des wachses er- 
kennen, worin die siegel der sieben zeugen ihren namen gegenüber 
eingedrückt waren; ebenso sind der bronzedraht, womit die ta- 
feln geschlossen und dann versiegelt waren, ja das blech, womit 
die siegel geschützt, und einer von den beiden leisten , zwischen 
denen es eingezwängt war, ganz oder theilweise erhalten. 



133. Lateinische epigraphik. 181 

Nach der inschrift der äusseren seite ertheilt Trajan als 
TRIBVNIC POTESVAT XI IMP VI COS V PP||EQVITIBVS 
ET PEDITIBVS QVI MILITAVERVNT IN || ALIS QVAT- 
TVOR ET COHORTIBVS DECEM ET VN AM (sie) || QVAE 
APPELLANTVR I HISPANORVM AVRIANA || ET I 
AVGVSTA THRACVM ET I SINGVLARIVM CR || PF ET 
H FLAVIA PF coET I BREVCORVM ET I ET II || RAE- 
TORVM ET III BRACAR AVGUSTANORVM ET|jIII THRA- 
CVM ET in THRACVM C R ET III BRI || TANNORVM 
ET III BATAVORVM cc ET IUI GAL || LORVM ET V 
BRACAR AVGVSTANORVM ET VII || LVSITANORVM 
ET SVNT IN RAETIA SVB TI IV || AQVILINO die civi- 
tät und das conubium. 

Danach bestimmt der vf. das jähr 107 n. C. und hebt über- 
zeugend den gewinn hervor, welcher den fasten aus dem datum 
der tafeln PR K IVL || C MINICIO FVNDANO C VET- 
TENNIO SEVERO COS erwächst. Da man aus Orell. 1588 
und 2471 weiss, dass dies consulat einen august einnahm, nach 
dieser tafel aber auch den juni d.j. 107, so ergibt sich 1) für die 
consuln dasselbe jähr, 2) für die zeit Trajans, dass die consuln 
vier, nicht, wie Brambach meinte, zwei monate im amte blieben. 
Zur kenntniss des militärwesens liefert unser diplom einen er- 
heblichen beitrag, den der vf, fleissig und grösstentheils richtig 
erläutert. Zuerst lernen wir, dass die ala Auriana, die bis zum 
j. 69 inNoricum lag (Tac. Hist. 3,5) und die ala I Hispanorum 
identisch sind. Ohne grund wundert sich der vf. p. 22, dass 
die gens Auria, „als senatorisches geschlecht der kaiserzeit sonst 
nicht nachweisbar ist," denn zum befehlshaber oder zur grün- 
dung einer ala war der senatorisebe rang nicht erforderlich. 
Unbegründet ist auch die vermuthung, dass sie mit den nori- 
schen cohorten gegen Civilis gezogen sei; denn nach Tac. Hist. 
4, 70 stiess zu diesen die ala singularium , so dass die auriana 
zunächst in Noricum geblieben zu sein scheint. Aus dem um- 
stände, dass die ala I Augusta Thracum zwei jähre vorher diesen 
ehrenden beinamen nicht führt (Henzen 5442), folgt nicht, dass 
sie ihn kurz vor 107 verdient hat, da die verschiedenen namen 
der auxiliartruppen selten ganz genau in den inschriften an- 
gegeben sind (Henzen Rheinl. Jahrb. 13, 36). Sie hiess schon 
so in Noricum (Henzen 5904), und da einer ihrer präfecten im 



182 133. Lateinische epigraphik, 

j. 91 legionstribun war (ebd. 5439), wird sie vor 107 augusta 
geheissen haben. Denn es lässt sich nicht annehmen, dass er erst 
fünfzehn jähre später von dem legionstribunat zur präfectur avan- 
ciert war. Vermuthlich hatte sie den beinamen in Nerva's sue- 
bischem kriege verdient. — Dass die coh II Raetorum auch in 
Eätien diente, erfahren wir erst aus unserer inschrift, von der 
coh III Bracaraugustanorum aber wussten wir es schon aus Hen.; 
zen 6565. Dass die coh V Bracaraugustanorum auch in Ger- 
manien stand, konnte aus Orell. 5017 bemerkt werden, eben so 
zur coh VII Lusitanorum , dass ihr präfect Calpurnius Fabatus 
der grossvater einer frau des jüngeren Plinius war. Wichtig 
ist die notiz , dass die coh III Batavorum eine miliaria 
war; da aber Tacitus Hist. 1, 59 acht cohorten der Bataver 
nennt , lässt sich nicht bestimmen , ob gerade die dritte unter 
den truppen Agricola's kämpfte. Zum schluss berühren wir 
noch zwei eigenthümliche m einungen des vf. : p. 36 wird die coh 
III Britannorum mit der coh III Brittonum identifiziert: dabei 
ist, um andere inschriften nicht zu erwähnen, das diplom Domi- 
tians (Henzen 5430) ausser acht gelassen, wo die coh I Britan- 
nica milliaria neben der I Brittonum milliaria aufgeführt wird. 
Dann meint der vf. p. 35 , dass der zusatz civium Romanorum, 
der sich bei manchen cohorten u. a. bei der siebten breukischen 
und der achten rätischen findet, „sich nicht auf die rechtsverhält- 
nisse derjenigen Völkerschaften , aus denen die corps ausgehoben 
wurden , bezog , sondern vielmehr das andenken an die aus- 
zeichnung fortpflanzte, vermöge deren, wo nicht alle, so doch 
die älteren Soldaten des corps mit der civität beschenkt wor- 
den waren." Es lässt sich doch kaum denken, dass eine co- 
horte nichtbürger den namen trug, weil sie einmal bürger ent- 
halten hatte; und wenn das bürgerrecht der entlassenen gemeint 
ist, so mussten über kurz oder lang alle cohorten so benannt 
werden. Dagegen folgt aus dem umstände, dass die siebte oder 
achte cohorte einer Völkerschaft aus bürgern bestand , nichts für 
die früheren nummern. Zudem waren die Räter und Breuker 
bedeutende Völker, und in ihren cohorten dienten ohne zweifei 
auch andere nationen , eben so wie die Räter unter den 
Tungrern (Rhein. Mus. 13, p. 261). Jener künstlichen annähme 
also scheint es nicht zu bedürfen. 



134. Lateinische epigraphik. 183 

134. Grabschrift eines römischen Panzerreiterofficiers aus 
Roedelheim bei Frankfurt a. M. , erläutert von Dr. phil. Jacob 
Becker. 4. Frankfurt a. M. 1868. — 45 S. mit 2 tafeln. 

Eine noch unedirte inschrift aus Roedelheim , die Becker 
den randbemerkungen zu dem in Wiesbaden aufbewahrten band" 
exemplar der Memorabilia urbis Wiesbadenae (1732 — 39) von 
G. A. Schenk entnommen hat , gab demselben die äussere ver- 
anlassung zu der vorliegenden , eingehenden Untersuchung über 
die panzerreiter und bogenschützen im römischen heere. Es ist 
die grabschrift eines decurio alae firmae Catafractariorum aus 
Mesopotamien gebürtig, deren original leider verloren zu sein 
scheint, doch kann die restitution derselben, die Becker nach 
Schenck's abschrift giebt , bis auf die zweifelhaften namen in 
der zweiten zeile, als sicher betrachtet werden. Nach sehr aus- 
führlicher besprechung der inschrift (p. 9 — 20) folgt eine sorg- 
fältige darstellung der panzerreiter , ihres Ursprunges , ihrer be- 
waffnung und ihrer Verwendung im römischen heere (p.20 — 34); 
es wird darin nachgewiesen, dass zuerst Alexander Severus 
die „fremdländische panzerreiterei förmlich in das römische 
heer einführte," die nachweislich bis in's fünfte Jahrhundert 
einen integrirenden bestandtheil desselben gebildet hat. Recht 
ansprechend, wenn auch nicht gerade zwingend, ist die datirung 
der Roedelheimer inschrift, die nach einer stelle des Herodian 
(VII, 7, 17 ff.) von Becker in die zeit des Maximinus ge- 
setzt wird. In einem anhange (p. 35 — 45) giebt der Verfasser 
eine geschichte der bogenschützen [sagittarii), die schon seit der 
republikanischen zeit im römischen heere eine bedeutende rolle 
spielten ; vier in den rheinlanden gefundene grabsteine dieser bo- 
genschützen sind auf der zweiten tafel abgebildet, während auf 
der ersten vier bezügliche reliefs der Trajanssäule reproducirt 
sind. Wir knüpfen an diese kurze inhaltsangabe , noch einige 
bemerkungen. 

P. 29 setzt der Verfasser die inschrift bei Henzen 6832 a 
die eine v{e\xülatio catafractariorum nennt , in die zeit der ab- 
fassung der Notitia dignitatum. Diese datirung dürfte um fast 
hundert jähre zu spät sein, da nach den namen der Soldaten 
Valerius und Aur(elius), die offenbar von kaisern entlehnt sind, 
die inschrift sehr wahrscheinlich der zeit des Diocletian ange- 
hört, der diese beiden namen führte , keineswegs aber viel spä- 



184 134. 135. Lateinische epigraphik. 

ter gesetzt werden kann. P. 42 wird die inschrift bei Orelli 
4007 (ein besserer text steht bei Mommsen I. N. 1486) in die 
mitte des zweiten Jahrhunderts gesetzt , während in derselben 
Hadrian (-{- 138) noch als regierender kaiser genannt wird. — 
P. 44 vermissen wir die ala I Damascena Monte Jovis in der 
Not. Dign, I p. 85 (sub dispositione viri spectabilis ducis Foenices.) 
— Die lateinischen inschriften, die sich auf die hier bespro- 
chenen Soldaten beziehen , dürfte der Verfasser wohl ziemlich 
vollständig zusammengebracht haben, dagegen scheint derselbe 
die griechischen inschriften, die allerdings, da noch immer das 
Corpus inscriptionum Graecarum des index harrt , schwer zu be- 
nutzen sind, ganz unberücksichtigt gelassen zu haben; so fehlen 
bei den Ituräern (p. 42) die drei aegyptischen inschriften im 
C. I. Gr. 5050. 5081 (zeit des Hadrian). 5110, in denen Sol- 
daten der an&iQa B ' Irovoalcov erwähnt werden, die um so 
wichtiger sind, als diese cohors II Ituraeorum noch zur zeit der 
abfassung der Notitia dignitatum (I, p. 69) in Aegypten stand; 
ebenso hätte bei den sagittarii (p. 41) die anslga [0] äxor- 
[tiotoöv] (s. Letronne Recherch. p. 477) erwähnung verdient. 
Der räum gestattet uns nicht näher auf die recht lehrreiche 
und sorgfältige abhandlung einzugehen. Das massenhafte ein- 
dringen fremder, besonders orientalischer demente in das römische 
heer s.IH.p.Ch. ist keine vereinzelte erscheinung; dieselbe lässt 
sich für alle Sphären des römischen lebens dieser zeit nachweisen 
und ist sie eines der vielen Symptome, dass das specifiseh 
römische weitreich seine rolle thatsächlich ausgespielt hatte. 



135. L. Friedlaender, de titulo latino in pyramide Aegyp- 
tiaca insculpto. — (Index lectionum in Academia Albertina per 
aest. a. 1869 instituendarum). — 2 S. 

Eine aus sechs hexametern bestehende inschrift, die Le- 
tronne nach einer im jähr 1336 gemachten copie edirt hat. 
wird von Friedländer mit hülfe einer besseren abschrift eines 
mönches Fabri aus den j. 1480 — 83 restituirt. Darnach ist 
sie wahrscheinlich in die letzten regierungsjahre des Hadrian 
zu setzen; zweifelhaft bleibt die ergänzung des letzten verses : 
die copien beider abschreiber sind zu fehlerhaft. 



136. Griechische geschichte. 185 

136. 0. Kämmel, Heracleotica. Beiträge zur altern Ge- 
schichte der griechischen Colonisation im nördlichen Klein-Asien. 
Programm des gymnasiums zu Plauen. 4. 1869. 59 S. — 24 Gr. 

Die schrift bietet Voruntersuchungen für eine geschichte 
des megarischen Herakleia in Bithynien, über das von den Hera- 
kleoten unterworfene volk der Mariandyner und die sagen der 
griechischen ansiedier. Der interessante stoff ist überall mit 
eingehender Sorgfalt behandelt. Die geographische Untersuchung 
über das gebiet der Mariandyner (p. 6 — 10) kommt zu dem er- 
gebniss , dass dasselbe in älterer zeit durch die flüsse Hypios 
und Kallichoros , in späterer durch den Sangarios einerseits, 
durch den Billaios und Parthenios andererseits begrenzt wurde. 
Ferner werden die culte und sagen der Mariandyner besprochen. 
Den beweis dass der in Herakleia bezeugte cultus des deus Lunus 
ursprünglich mariandynisch sei , ist der verf. schuldig geblieben : 
die autonome münze von Herakleia macht dies keineswegs 
wahrscheinlich, vgl. Wieseler progr. über d. Hildesh. silberfund 
p. 10 und ausserdem L6on Heuzey in der Revue archdol. 1869 
n. 1, p. 1. Die mariandynische sage von Bormos wird mit Wahr- 
scheinlichkeit als phrygisch-mysisch nachgewiesen, ihre Verwandt- 
schaft mit dem semitischen Adonismythos gewiss mit recht als 
eine nur allgemeine hingestellt. (Dass in Poll. Onom. IV, 54 
Bwqiiaoq Jjv 'Io).\a — ä8elq>6s , Ovniov ßaailscog naig an 
stelle der sonst nicht bekannten namen mit Müller fragm. hist. 
IV 354 die mehrfach gesicherten Ttoiola und Ta7tov gesetzt 
werden müssen, würde der verf. nicht bezweifelt haben, wenn 
er sich die graphische ähnlichkeit und die massenhaften namen- 
corruptionen in den handschriften besser vergegenwärtigt hätte). 
— Nachdem der verf. dann die wenigen Zeugnisse über die äl- 
testen historischen Überlieferungen der Mariandyner (fehden mit 
den umwohnenden Völkern, namentlich den Bebrykern, welche 
schliesslich den Hypios als grenze behaupten) einer prüfüng un- 
terworfen hat, wendet er sich zu der wichtigsten frage über ihre 
ethnographische Stellung. Denkbar erscheint ihm (nach einer 
genauen abwägung der alten Zeugnisse, die auch hier mit in der 
sache begründeter nothwendigkeit ihre unbrauchbarkeit nachweist) 
eine thrakisch-bithynische, eine semitisch-paphlagonische und eine 
phrygische abstammung; die erstere als kaum annehmbar, die 
zweite als nicht erweislich , die dritte als allein wahrscheinlich. 



186 137. Archaeologie. 

Die Mariandyner sind ihm ein versprengter rest der phrygischen 
nation, von der hauptmasse durch die Paphlagoner und Bithyner 
abgedrängt. Die begründung dieser vermuthung ist durchaus 
umsichtig und überzeugend, soweit sich aus so spärlichen Über- 
lieferungen eine bestimmte Überzeugung gewinnen lässt. — 
Schliesslich werden sichere spuren einer vorgriechischen phoeniki- 
sehen colonisation nachgewiesen, auch die sagen der griechischen 
ansiedier näher besprochen, die am acherusischen Vorgebirge lo- 
calisirte heraufholung des Kerberos durch Herakles, und die be- 
züglichen episoden des zuges gegen die Amazonen. Ob der vf. 
die Wahrheit trifft , wenn er das grab des -Sthenelos östlich am 
Oksina-su bei Psylla sucht , muss dahin gestellt bleiben. Die 
allgemeine bestimmung, dass es zwischen der mündung des Kal- 
lichoros und Parthenios, und zwar am meere gelegen habe, ist 
gewiss richtig und kann genügen. Der wissenschaftliche takt 
bekundet sich nicht zum wenigsten darin, nicht mehr wissen zu 
wollen, als zu wissen möglich und erspriesslich ist. 

137. Wandgemälde der vom Vesuv verschütteten Städte 
Campaniens, beschrieben von Wolfgang Heibig. Nebst einer 
abhandlung über die antiken Wandmalereien in technischer Be- 
ziehung von Otto Donner. 8. Leipzig. Breitkopf u. Härtel. 
1868. 1 vol. 8. XVIII u. 500 S. u. 1 vol. fol. — 8 Thlr. 

Wer die bewegung der neuern archäologischen litteratur 
verfolgt, wird leicht erkennen, dass das bewusstsein einer ge- 
meinsamen wissenschaftlichen pflicht, welcher alle die äusserlich 
in der läge sind, nachkommen müssen, immer allgemeiner wird — , 
der pflicht nämlich , das vorhandene monumentale material zu 
verzeichnen. Allein auf diese weise kann in der that das spiel 
des zufalls , das bei archäologischen Untersuchungen und publi- 
cationen nur zu störend einwirkt, wenigstens bis zu eine-m ge- 
wissen grad ausgeschlossen werden. 

Wolfgang Heibig, einer der secretaire des archäologi- 
schen instituts zu Eom , hat sich der mühseligen und ermüden- 
den, und darum doppelt dankenswerthen arbeit unterzogen, die 
pompejanischen und herculanischen Wandgemälde so vollständig 
zu verzeichnen , als dies verständiger weise zu verlangen und 
jetzt möglich ist. Auf seinen, 1966 nummern umfassenden, be- 
schreibenden katalog , welchem nachtrage und mehrere register 
folgen , wird sich künftig jeder als auf ein repertorium für alle 



137. Archaeologie. 187 

jene bilder betreffenden fragen, beziehen müssen. Es ist lebhaft 
zu wünschen, dass von nun an jedes neu entdeckte gemälde so- 
fort verzeichnet werde , damit nicht etwa nach einer reihe von 
jahren von neuem derselbe desolate zustand eintritt, wie er bis- 
her bestand : hoffentlich entschliesst sich Heibig seine arbeit in 
der angedeuteten weise fortzuführen. 

Gegenüber dem grossen nutzen , den Helbig's arbeit ohne 
zweifei bringt und dem beifall, auf welchen sie gerechten an- 
sprach hat, kommen ausstellungen im einzelnen kaum in betracht. 
Doch kann referent sein bedauern nicht unterdrücken, dass z. b. 
eine so unbegründete und grundlose bemerkung stehen geblieben 
ist wie p. 284, wo von dem bekannten bild des Iphigenien- 
opfers vermuthet wird , es sei das „product einer eklektischen 
richtung der maierei", welche der des Pasiteles in der sculptur 
entspreche. Auch gesteht referent, dass er z. b. von dem stirn- 
auge des „Polyphem" no. 1050—1052 (vgl. taf. XIII) und dem 
„idol" in dem arm der Iphigenie no. 1333 (Mon. d. I. VIII, 22) 
nicht ganz fest überzeugt ist. 

Dem Helbig'schen katalog ist eine vorzügliche arbeit des 
maiers Otto Donner, über die viel umstrittene technik der 
pompejanischen bilder vorausgeschickt. Jeder archäolog wird 
mit grösstem interesse und nicht ohne die reichste belehrung zu 
erhalten — den feinen und sorgfältigen beobachtungen, den mu- 
sterhaft klaren auseinandersetzungen folgen, durch welche Don- 
ner nachweist, dass der weitaus grösste theil der pompejanischen 
Wandmalereien, und zwar sowohl die fertigen gründe, als auch 
die auf diesen und den weissen gründen stehenden Ornamente, 
einzelfiguren und abgegrenzten bilder a fresco gemalt sind , da- 
gegen die leimfarben- und temperamalerei nur eine untergeordnete 
stelle einnimmt und mehr aushilfsweise als selbständig angewen- 
det ist, und endlich die enkaustische maierei hier überhaupt 
nicht vorkommt. Ohne zweifei machen die pompejanischen 
bilder einen ganz anderen eindruck als die modernen fresken. 
Aber dieser verschiedene eindruck kann nichts entscheiden ge- 
genüber den einzelnen sicheren merkmalen der frescotechnik, 
welche Donner anführt, vor allem den von ihm zuerst entdeck- 
ten nähten, und seiner nachweisung der unterschiede der mo- 
dernen und antiken frescotechnik, sowohl in der Zubereitung des 
zu bemalenden grundes als im auftrag der färben. Wie wichtig 



188 137. 138. Archaeologie. 

solche technische fragen auch für die erklärung des sujets der 
bilder werden können, davon geben Donners beobachtungen über 
das bild der gewöhnlich als einzelfigur betrachteten Medea p. 
LXXVIII ff. einen sehr schlagenden beweis. 

Während in Helbigs katalog die durchaus systematische, klare 
und sehr übersichtliche anordnung zu rühmen ist , scheint bei 
der auswahl und anordnung der 23 tafeln des beigegebenen at- 
las zumeist das oben beklagte spiel des zufalls entschieden zu 
haben. Aber jede publikation unbekannter monumente verdient 
den lebhaftesten dank. Auch dass die Zeichnungen von sehr 
ungleichem werthe sind — es ist nicht schwer zwei gute hände 
aus der masse auszuscheiden, — mag gern übersehen werden. 
Aber referent kann nicht umhin klage darüber zu führen, 
dass eine so ganz und gar verfehlte , dem schönen original 
durchaus widersprechende, und dazu sachlich ja gar nichts neues 
lehrende Zeichnung, wie die der Grazien taf I. IX a, unter diesen 
lehrreichen abbildungen eine stelle gefunden hat. — de. 

138. Griechische und sicilische Vasenbilder, herausgegeben 
von Otto Benndorf. Erste Lieferung. Taf. I — XIII und 
Text 24 S. J. Guttentag. Berlin 1869. Fol. — 8Thlr. 

Das erscheinen der ersten lieferung dieses werkes wird von 
allen fachgenossen mit freudigem zuruf begrüsst werden. 

Auf Gerhards classisschen Rapporto vulcente sind die ener- 
gischen und umfassenden arbeiten Kramer's und Otto Jahn's 
gefolgt. Die fragen nach herkunft, epoche, eintheilung der be- 
malten vasen sind eingehend und scharf erörtert worden. Das 
aus diesen Untersuchungen sich ergebende resultat, dass die 
hauptmasse der in Etrurien gefundenen bemalten vasen aus at- 
tischen töpfereien stammt , wird heute kaum mehr bestritten 
werden. Aber gerade aus den ländern , welche für alle solche 
fragen den unmittelbarsten aufschluss versprechen, wurden aus- 
reichende mittheil ungen bisher schmerzlich vermisst. Die vasen 
Siciliens haben, seit die glänzenden und unerwarteten toscanischen 
funde noch mehr als die unteritalischen prachtvasen das interesse 
in anspruch nahmen, der ihnen früher geschenkten aufmerksam- 
keit mehr als billig entbehren müssen. In Griechenland ist, da 
die ausgrabungen noch immer zumeist dem zufall und unge- 
schickter, unwissender habgier überlassen bleiben, nicht an sich, 



138. Archaeologie. 189 

aber im verhältniss zu dem was nothwendiger weise zu finden 
sein muss, erst wenig zu tag gekommen, und bei der bemitlei- 
denswerthen art, wie die ausgrabungen ausgeführt werden, weit 
öfter als nöthig in scherben. Die von Athen aus gegebenen 
nachrichten über solcherlei funde endlich harmoniren meist all- 
zusehr mit der art des grabens. Wie reiche belehrung, wie viel 
neues und wichtiges dennoch jene relativ geringen, für uns um 
so kostbareren funde schon jetzt darbieten, — davon wird sich 
jeder überzeugen , der auch nur die dreizehn tafeln der ersten 
lieferung der Benndorf sehen publication mit den für uns bereits 
etwas einförmig ausfallenden publicationen vergleicht , die den 
aus den toscanischen gräbern herrührenden gefässen gewidmet sind. 
Tafel I — V beschäftigt sich mit einer aus erhaltenen exem- 
plaren bisher kaum bekannten gattung einer den vasen analogen 
technik , nämlich kleiner bemalter thonplatten, nivaxst; oder m- 
veixta , welche zur ausschmückung der grabstätten und als bil- 
ligste und darum gebräuchlichste art der votivbilder in den 
heiligthümern der götter dienten. Von den ersten giebt t. I 
ein wohl erhaltenes , durch die alterthümlicbkeit und naivität 
der darstellung einer todtenklage und der beigefügten inschrif- 
ten höchst merkwürdiges exemplar: chöre mit wechselgesang — 
vrgl. II. W — werden auf ihr nachzuweisen versucht. Die neu 
mitgeheilten beispiele der zweiten art sind auf der Akropolis ge- 
fundene fragmente, deren einige auch durch künstlerinschriften 
bemerken swerth sind. Zur anschaulichen erläuterung der verwer- 
thung solcher pinakes dient die schöne münchener vase t. IX: auf 
der einen seite trägt ein jüngling als bekränzter sieger die im 
wettkampf gewonnene amphora hinweg. Die gegenseite zeigt 
denselben jüngling mit zweigen und einem solchen bemalten 
täfeichen in der hand , hingehend, um der siegverleihenden gott- 
heit seinen dank zu bringen. — Tat. VI — VIII enthält votiv- 
teller ; tafel X ein sonderbares fragment: es scheint die statue 
irgend welches siegreichen kriegers in der für den erlangten 
sieg charakteristischen Stellung , mit einer lanze , von welcher 
eine siegestänie herabhängt, dargestellt zu sein. Daneben liest 

man den rest einer vertical geschriebenen inschrift tvovtog 

EvQv/.keCdov. — Ebenso sind die auf taf. XI —XIII vereinigten 
stücke interessant , theils stilistisch , wie die schwarz auf rothem 
grund , aber völlig frei gezeichneten fragmente taf. XI, 1. 2, 



190 138. Archaeologie. 

theils durch die gegenstände und die inschriften. Unter diesen 
kommt (s. p.23) auch ein vasenmaler Nearchos vor, gewiss der 
vater der schon bekannten Ergoteles und Tleson, die sich beide 
söhne eines Nearchos nennen. Von Tleson sind bisher vasen 
in Etrurien und eine in Korinth gefunden worden, von Ergoteles 
eine in Etrurien. 

Der ersteren lieferung sollen, wie aus der vorrede ersicht- 
lich, noch fünf weitere, von welchen die nächste attische leky- 
then bringen wird, folgen, das ganze werk etwa 80 tafeln um- 
fassen. Der herausgeber hat alle diese Zeichnungen auf seinen 
reisen in Sicilien und Griechenland selbst gesammelt. Von der 
mühe und aufopferung welche eine solche Sammlung erfordert, 
von den äusseren Schwierigkeiten und fatalitäten aller art, welche 
sich dabei entgegenstellen, werden nur die wenigen, die ähnliches 
versucht haben, eine Vorstellung haben. Um so mehr dank ver- 
dient Benndorf dass er sich entschlossen hat, seine schätze 
sofort zum gemeingut zu machen , und dass er Heber auf eine 
gleichmässige und erschöpfende behandlung sämmtlicher monu- 
mente verzichten als die publication verzögern wollte. Dass 
dennoch der werth dieser publication keineswegs ausschliesslich 
in den tafeln beruht — wie dies bei manchen vasenwerken, 
z. b. bei Lenormant und De Witte's Elite ceramographique der 
fall ist — dies wird jeder zugeben, der in dem vorliegenden heft, 
die vorzügliche abhandlung liest, in welcher alle die pinakes 
berührenden fragen scharfsinnig und gelehrt erörtert sind. Auch 
die ausstattung ist schön, der druck von musterhafter ele- 
ganz , die lithographien scheinen meist ausreichend , und es ist 
nur zu loben, dass bei der herstellung der tafeln jede beschöni- 
gende fälschung , deren sich das publicum doch endlich einmal 
entwöhnen muss, verachtet worden ist. 

So macht diese grossartig und verständig angelegte Unter- 
nehmung, welche ohne jede Unterstützung von regierungen oder 
akademien ins leben tritt, dem herausgeber wie der verlags- 
handlung alle ehre. Wir wünschen und hoffen zuversichtlich, 
dass sie rasch und energisch zu ende geführt wird — um so 
sicherer ist ihr der allgemeinste beifall. — de. 

NEUE AUFLAGEN: 139. Xenophon's Memorabilieü. Mit einleitungen und an- 
merkungen herausg. v. M. Seyffert. 8. Leipz. 3. aufl.: 18 Gr. — 140. Lu- 
cian's ausgewählte Schriften. Erklärt von Z, Sommerhrodt. 2. bd. 2. aufl. Ber- 



139 — 160. Neue auflagen und Schulbücher. 191 

lin: 12 gr. — 141. Cicero's Orator. Erklärt von O.Jahn. Anhang: de optimo 
genere oratorum. 3. aufl. Berlin: 12 gr. — 142. I. C. F. Bahr , geschichte 
der römischen literatur. 4. aufl., bd. II, 1. Carlsruhe: 2 thlr. 18 gr. : bildet die 
erste abtheilung der prosa, d. h. geschichte , beredtsamkeit , roman , epistolographie 
enthaltend: bd. II, 2 wird den schluss bringen. — 143. Jac. Bicrckkardt , die 
cultur der renaissance in Italien. 2. aufl. Leipzig: 2 thlr. 77 2 gr. : ist keine Umar- 
beitung, sondern nur hie und da verbessert: aber auch so ist es nur erfreulich, 
dass das treffliche buch jedem wieder zugänglich geworden. — 144. H. Koepert, 
lehrbuch der poetik für Unterricht und Selbststudium. 2. aufl. Leipzig: 12 gr. : 
das anspruchslose buch ist namentlich Jüngern als einleitung zum Studium von 
Aristoteles' poetik zu empfehlen. 

NEUE SCHULBÜCHER : 145. O. Willmann, lesebuch aus Homer. Eine 
Vorschule zur griechischen geschichte und mythologie. Leipzig: 12 gr. — 146. Tho- 
maszeicshi , einleitung in die Iiias Homer's nebst Vorbemerkungen zum Unterricht 
im griechischen. 4. Culm : 8 gr. — 147. H, L. Ahrens , griechische formen- 
lehre der homerischen und attischen dialecte. 2. aufl. Götting.: 25 gr. — 148. 
L. Freese , aufgaben zum übersetzen aus dem deutschen ins griechische zur ein- 
übung der griech. syntax. 2. aufl. Stralsund: 28 gr. — 149. 31. Schinnagl, 
lateinische elementar-grammatik für die zwei unteren gymnasialklassen , mit zahlrei- 
chen lateinischen und deutschen Übersetzungsaufgaben. 7. aufl. Wien: 20 gr. — 
150. A. H. Fromm , kleine schulgrammatik der lateinischen spräche mit einem 
lexikon für die in der syntax vorkommenden Sätze. 6. aufl. Berl.: 20 gr. — 151. 
A. Schmidt, lateinische schulgrammatik. Wien: 24 gr. — 152. H. Schiceizer- 
Sidler , elementar-, laut- und formenlehre der lateinischen spräche für schulen. 
Halle: 12y 2 gr. — 153. Fr. Fllendt, lateinische grammatik. Bearb. von 
M. Seiffert. 8. aufl. Berlin: 20 Gr. — 154. Gediehe's lateinisches lesebuch. 
Herausgegeben von F. Hoffmann. 8. Berlin: 127 2 g r - — 155. J. Lattmann, 
lateinisches lesebuch. 3 aufl. Göttingen: 20 gr. — 156. Ch. Ostermann , lateinisch- 
deutsches und deutsch-lateinisches Wörterbuch zu Ostermann's latein. Übungsbüchern 
für sexta und quinta. 3. aufl. Leipzig: 77 2 g r - — 157. A. Hauche, aufgaben 
zum übersetzen ins lateinische. 1. theil. 4. auf]. Berlin: 15 gr. : enthält aufgaben 
für sexta und quinta. — 158. A. H. Fromm, Übungsbuch zum übersetzen aus 
dem deutschen ins lateinische für mittlere classen der gymnasien und realschulen. 
2. th. Berlin. 4. aufl.: 1 gr. — 159. H. Beck, Übungsbuch zum übersetzen 
aus dem deutschen ins lateinische. Abth. für tertia und seeunda der real- und ho- 
hem bürgerschulen, tertia der gymnasien. Berlin: 15 gr. [Früher, als ich noch in 
die schule ging, war prineip, den schüler so wenig Schulbücher als möglich kaufen 
zu lassen: jetzt scheint System, den Schülern, oder vielmehr den eitern der schü- 
ler für jede classe jeder schule eine besondere bibliothek und somit bedeutende 
ausgaben aufzuerlegen. Daraus erwächst allerdings den herren lehrern auf die be- 
quemste weise von der weit eine sehr schöne zulage zu ihrem gehalt: wäre daher 
nicht an der zeit, diese Unsitte einmal genauer zu untersuchen?] — 160. G.Sauppe, 
nachlese zu den themen zu lateinischen aufsätzen für die oberen klassen höherer 
lehranstalten. 8. Breslau: 7 x / 2 gr. — 

BIBLIOGRAPHIE. Cataloge von buchhandlungen : Mittheilungen der Verlagsbuch- 
handlung B. G. Teubner : Nr. 3, Abth. I: Notizen über künftig erscheinende bu- 
chen darunter: C. Lucili saturarum reliqidae. Luc. Mueller emendavit. 
Cataloge der antiquare : Joseph Baer's antiquarischer anzeiger. — Antiqua- 
rischer anzeiger von Schneider und Otto in Göttingen. Nr. 44. Juli. — Stei- 
gers Catalog amerikanischer Zeitschriften. — Carl Hoffmann's (in Stuttgart) 
Neuestes verzeichniss (geschlossen im iuli 1869) des inhalts der übersetzungs-bi- 
biiothek sämmtlicher griechischer und römischer classiker . . . sowie anderer ver- 
lags-artikel. 






192 Auszüge aus Zeitschriften. 

AUSZÜGE aus Zeitschriften : J. Bergmann philosophische monatshefte. Bd. II, 
hft. 3, p. 197: C. Hermann, die philosophie der geschichte als zukünftige phi- 
losophische fuudamental-wissenschaft. — Hft. 4, p. 257 : M. Schneidewin, über 
die keime erkenntnisstheoretischer und ethischer philosopheme bei den vorsokrati- 
schen denken. — Hft. 5, p. 345: M. Schneidewin , über die keime u. s. w. 
(fortsetzung). — F. Ascher son , die säcularfeier Schleiermachers, p. 416. — 
Hft. 6, p. 429 : M. Schneidewin, über die keime u. s. w. (schluss). — Recen- 
sionen: O. Gaspari, die irrthümer der altclassischen philosophen in ihrer bedeu- 
tung für das philosophische princip. 8. Heidelb. 1866: rec. von R. Quäbicker, 
der den verf. als schüler von Lotze charakterisirt und obige schrift als interessant 
oberflächlich. 

Zarncke , literarisches centralblatt , nr. 10: Eusebii Pamphili vita 
Constantini atque Constantini ad sanctorum coetum oratio. Rec. . . . edidit 
T. A. Heinichen. 8. Lps. : anzeige. — G. H. Sievers, das leben des 
Libanius: s. ob. p. 111. — A. Vogel, beitrage zur herstellung der alten latei- 
nischen bibelübersetzung. 8. Wien. 1868. — Bouterweck , Quaestiones 
lucilianae. Commentatio prosodiaca, metrica, critica. 8. Elberf. 1867: an- 
zeige von Kl. — M. Breal les idees latentes du language. 8. Paris. 1868. — 
Drei tragödien des Sophokles und Euripides . . . Vier tragödien des Sophokles 
und Euripides . . . übertragen von A. Wilbrandt. 8. JNördlingen. 1866. 1867. 
— Nr. 1 1 : Max Müller , Essays. Bd. I. Beiträge zur vergleichenden reli- 
gionswissenschaft. 8. Lpz. 1869: anzeige von A. K. — V. Chr. C. Josias frei- 
herr v. Bunsen. Aus seinen briefen und aus eigner erinnerung geschildert von 
seiner wittwe. Deutsch., von Fr. Nippold. Bd. I. 8. Lpzg. 1868: anz. von 
«£». — Nr. 12: Wislicenus, die geschichte der Eibgermanen vor der Völkerwande- 
rung in ihren hauptzügen. 8. Hall. 1868: anz. von Br., der zwar die lust und 
liebe wie die gelehrsamkeit des vfs. anerkennt , aber in den ansichten desselben 
oft mehr scharfsinnige vermuthungen , als genügend erwiesene thatsachen zu sehen 
glaubt [also den fehler unsrer zeit]. — 1. Digesta Justiniani Augusti reco- 
gnovit adsumpto in operis societatem P. Kruegero Th. Mommsen. 
Th. I. 8. Berol. 1868: 2. Corpus iuris civilis. Ed. stereotypa. Fase. I. 
Institutiones recogn. P. Krueg er. Digestorum Cl. I — VIII recogn 
Th. Mommsen. ib.: anz. von Pee. — Terminus in quem, Syntaxis com- 
parativae particula. Conscr. D. G. Au.tenrieth. 4. Erlang. 1868: 
anzeige. — Nr. 12: Zahn, der hirt des Hermas untersucht. 8. Gotha, 1868: 
ang. von P. O., der den versuch des verf., den hirten als um 97 — 100 p.Chr. 
geschrieben nachzuweisen, gänzlich verwirft: vrgl. ib. p. 373. — H. N. Stoll, 
geschichte der Bömer bis zum Untergang der republik. 2 bde. 8. Hann. 1869: 
lau lobende anzeige [hüte sich Stoll , sein schönes talent von buchhändler - specula- 
tionen missbrauchen zu lassen!]. — 'Iwävvov yga/jjuanxov 'Akt^Qccydgtms 
tov (fikonövov tig tö devregov ttjg Ntxofiä^ov aQt,9-/xtjiixrig floayojyijs. 
Primum edidit Ric. Ho che. 8. Berol. 1867. — Nr. 13: Dr. Jordanus 
von Osnabrück buch über das römische reich , herausgegeben von G. Waitz , 4. 
Götting. 1868. — Fragmentum de iure fisci ed. P.Krueger. 8. Lief. 1868. 
— R. Förster, quaestiones de atbr actione enuntiationum relativarum 
qualis cum in aliis tum in lingua Graeca potissimumque apud graecos 
poetas fuerit. 8. Berol. 1868: ungelehrte anzeige. (S. Phil. Anz. Nr) 2. 
J. H H. Schmidt , leitfaden in der rhythmik u. metrik der klassischen sprachen 
für schulen. Mit einem anhange , enthaltend die lyrischen partien im Ajax u. in 
der Antigone des Sophokles mit rhythmischen Schemen u. commentar. 8. Lpzg. 
1869: äusserst empfehlende anz. von L...s. [Das buch war durchaus nicht zu 
empfehlen, wie der anzeiger darlbun wird: für den rec. erregt es kein gutes vor- 
urtheil , dass er seinem eigenen ohre als seinem führer folgt : denn ist dai 
buch des hrn. S. gut , so muss aus ihm hervorgehen , dass in der alten rhytb 
mik für uns nichts verkehrter ist, als dem eigenen ohre zu folgen]. 

DRUCKFEHLER.. P. 138 z. 7 v. o. lies: Mevania. 



Nr. 7. Jnli 1869. 

Philologischer Anzeiger, 

Als beiblatt zum Pkilologus herausgegeben 



von 



Ernst von Leutsch. 



161. Index lectionum in acad. Albertina . . per hiemem a. 
MDCCCLXIX . . instituendarum. — Praemissae sunt L. Fried- 
laenderi observationes miscellae. Regiom. 4. — 2 S. 

Von den vier hier vorgetragenen bemerkungen bezieht sich 
die erste auf den bei Clem. Alex. Paedag. II, 1, 3, p. 164 
Pott., p. 183, 4 Kl. erhaltenen catalog von leckerbissen , der 
nach Friedländer aus einer komödie stammen soll und deshalb 
von Lehrs in iambische, aber aller eleganz baare, trimeter um- 
gestaltet wird. Allein selbst den , der nur die von Friedländer 
ausgeschriebenen worte des Clemens kennt, wird der mangel jegli- 
cher poetischer form befremden, zumal erinnert er sich, dass auch 
anderwärts solche aufzählungen bei Clemens sich finden — wer 
aber das vorgehende gelesen, wird sofort als quelle für den gan- 
zen §. 3 den arzt Antiphanes von Delos (p. 182, 33 Kl.) 
erkennen, den gegen Meineke's Verdächtigung H. Sauppe sicher 
gestellt hat, ind. lectt. un. Gotting. aest. 1867, p. 12. Dieser, 
spätestens ein Zeitgenosse des Theophrast (s. Theophr. fr. IX 
n. idgcorcov §. 17: ob, was Fabric. B. Gr. XIII, p. 44 hat, auf 
diesen Antiphanes sich beziehe , ist zweifelhaft) , scheint einer 
poetischen darstellung wenigstens stellenweise beflissen gewesen, 
wenn anders Clemens nicht zu viel geändert hat: denn dass er 
das gethan, verräth schon i^rjzsip z. 11, auch ein punkt , der 
von der versificirung hätte abhalten sollen. Bei dieser versifici- 
rung ist aber, liest man das auf den catalog folgende, auffallend, 
dass sie gerade da aufhört, wo die stelle interessant und die 
rede wirklich poetisch wird: . . tö^ccöac, heisst es, ÖY ag slg 
EXlada ntvraxoaiaig afxa (avqiugiv 6 xuxo5aCf*a>v iareiXazo flt'QCSrjg: 

13 



194 161. Clemens. — Martialis. 

da ist erstens äeofyg statt n?oat]g zu lesen , zweitens die zahl 
des heers zu beachten, welche die neuern, soviel mir bekannt, 
alle unbeachtet gelassen haben-, drittens, dass dadurch das hohe 
alter — wenn auch nicht solch hohes wie Wyttenbach zu Plut. 
1. c. VI, 2, p. 1045 will — eines dictum des Xerxes, was bis- 
her nur aus Dinon bekannt war , sicher gestellt wird : Athen. 
XIV, 652 B, Plut. Apophth. Reg. s. Xerxes, p. 173 C; dahin 
gehört auch Schol. ad Theoer. I, 147, von C. Muell. Hist. Gr. 
Fr. II, p. 92 falsch citirt. Wie poetisch noch im folgenden 
die rede wird, mag z. 18 zeigen, wo die yaaTgifiagyoi erstreben 
oaa TS i&wv növtov rs ßsv&t] xal asgog dfistQtjTov svqoq exTQsqssi : 
dazu bemerkt Hemsterh. in Steph. Thes. L. G. s. afieTQtjTog p. 97 C 
ed. Dind. : ex poeta quodam: es ist das aber nicht nöthig. Dies 
wird genügen, um Friedländer von seiner ansieht abzubringen. 
Die zweite bemerkung weist hübsch die beziehung in Mart. 
VIII, 75 auf das durch Fest. p. 285 Muell. bekannte Volkslied : 
non te peto : piscem peto , quid me fugi' Galle, nach; die dritte 
zeigt aus Mart. Ep. V, 5 sicher, dass Domitian wirklich ein 
epos über den krieg gegen die Vitellianer herausgegeben, wo- 
durch die ausführungen von Walch zu Tac. Agric. p. 391. Im- 
hof Domit. p. 130 flgg. näher bestimmt werden ; doch hätten 
wir erwartet, Friedländer hatte die critische Schwierigkeit iu 
Mart. 1. c. vs. 7. 8 nicht übergangen : es lautet in den ausga- 
ben : ad capitolini caelestia carmina belli Grande cothumati pone 
Maronis opus : denn ad lassen die besten handschriften weg, 
daher qua Heinsius vorschlug, was aber unmöglich: es muss at 
oder sed stehen, da ein gegensatz verlangt wird: aber wie nun 
das folgende? Uebrigens wird die beziehung auf ein histori- 
sches epos erst durch Imhof's beweis , dass Domitian Aratea 
nicht geschrieben , völlig sicher : auf die Schrift war also zu 
verweisen. Die vierte bemerkung macht drei athleten namens 
Artemidorus aus der kaiserzeit zur Vervollständigung von Friedl. 
darst. a. d. SG. K. II 2 , p. 459 namhaft. E. v. L. 



162. De Cratyli Platonici fine et consilio. Scr. Wal de- 
in ärus Hayduck. 4. Vratislaviae. 1868. 60 S. — 77« Gr. 

Wir erhalten hier 1) eine disponirte inhaltsangabe p.3— 12; 
2) eine besprechung der aufgäbe p. 12 — 17 desCratylus; 3) eine 



162. Piaton. 195 

Zusammenstellung des grammatikalischen p. 18—20. Der dia- 
log zerfällt nach dem vf. in zwei hauptabschnitte : 1) das ge- 
spräch mit Hermogenes , 2) das mit Cratylos. Der erste hat 
wiederum drei theile (bis 391, 422 und 428): mit welchem recht 
aber p. 422 ein abschnitt gesetzt wird, sehen wir nicht ein. Ge- 
wiss ist da, wo der Personenwechsel eintritt, eine hauptwendung 
des gesprächs ; aber muss sie für den ganzen dialog gelten? 
Könnte sie nicht nur die hauptmasse des gesprächs (391 — 435), 
welche danach fragt, worin besteht im einzelnen die og&otTjg 
avofiatog (folg not eariv), in zwei theile zerlegen sollen ? Voran 
ginge ein einleitender abschnitt und ein Schlussabschnitt folgte. 
In der inhaltsangabe sind die gedanken Plato's oft nur äusser- 
lich (mit postquam , jara etc.) aneinander gereiht , anstatt ent- 
wickelt zu werden. Auch sind missverständnisse nicht sel- 
ten. So p. 5 (zu p. 391 c) in den Worten postquam ostendit 
in indaganda veritate poetarum scriptis nullam vim esse, ad ex- 
plorandam nominum propriorum rectitudinem accedit etc. : im ge- 
gentheil : Plato hebt hervor , dass Homer im gegensatz zur 
nichtigen Weisheit des Protagoras den rechten weg zeige [yäl- 
Xiaza vqn]ysi7ai) zum gründe der oo&ÖTrjg cpvoei, indem Ho- 
mer nämlich unter zwei eigennamen für eine und dieselbe 
person den einen als den richtigem hinstelle und zwar denje- 
nigen, welcher in seiner Zusammensetzung den character der 
person beschreibt. Auch die stelle 434 c, wo die Svv&^xy 
OQ&ÖTijg begründet wird , ist p. 9 nicht genügend in den Zu- 
sammenhang eingepasst. Der gedankengang ist dort: wenn 
es schlechte nachbildungen der dinge im laute gibt, diese aber 
doch noch bezeichnungen der sache sind , so ist es nicht an- 
ders möglich als zur erklärung dieser thatsache die ^vv&tjxtj 
zu hülfe zu nehmen. Denn es finden sich nicht nur unwe- 
sentliche abweichungen , wie dass dialektisch statt aaXrjQorTjg 
auch a-ArjQOtrjQ gesagt wird (denn q u. a sind laute von ähn- 
licher bedeutung) , sondern in den Wörtern finden sich auch 
laute, die dem wesen der bezeichneten sache gradezu wider- 
sprechen , wie der das weiche andeutende laut X in cxXtjQOTijg 
dem begriff härte. Im zweiten theile der abhandlung spricht 
Hayduck zwar den polemischen zweck des dialogs richtig aus: 
er wolle den gedanken widerlegen, als ob die spräche eine quelle 
der erkenntniss über das weseu der dinge sei. Als positive 

13* 



196 163. Tacitus. 

aufgäbe des dialogs aber wird wiederholt hingestellt: Platonem 
metaphysicam de idearum essentia doctrinam proponere voluisse! 
Dies ist ja nur der inhalt des letzten kapitels. — Für die lange 
reihe der etymologien genügt das blose irrisio als erklärung 
nicht. Hatte Plato etwa eine bessere, exakte methode der 
etymologie , so dass er über die falsche spotten konnte? 
Vielmehr der spott geht auf die anwendung des etymologisi- 
rens bei philosophischen Untersuchungen, und Piaton will darthun, 
dass er selbst mit dieser kunst so gut jede fremde wie seine eigene 
meinung vertheidigen könne (wie er es im Protagoras von 
der interpretationskunst ähnlich darthun will). — Der dritte 
abschnitt unserer schrift bietet neben Wiederholungen nur eine 
Zusammenstellung der grammatikalischen termini des dialogs, 
ohne über deren bedeutung aufschlüsse zu geben. 

D. Peipers. 



163. P. Cornelii Taciti de vita et moribus Cn. Iulii Agri- 
colae über. Erklärt von Dr. Carl Tücking. Paderborn. Druck 
und Verlag von Ferdinand Schoeningh. 1869. 72 S. 8. 

Der Verfasser will in dieser Schulausgabe, wozu ihn die gün- 
stige aufnähme seiner bearbeitung der Germania ermuthigt hat, 
bei der erklärung zunächst sachliche Schwierigkeiten beseitigen 
(p. 4). Dabei scheint er den Schülern der prima, wofür sich 
nach seiner meinung das büchlein ganz besonders eignet (dem 
rec. will es eher etwas zu schwer vorkommen), ein sehr bedeutendes 
maass von kenntnissen zuzutrauen: sonst würde er c. 41 we- 
nigstens ein wort über die kriege in Mösien und den nachbar- 
ländern gesagt haben. Man möchte wünschen, er hätte seine 
Schweigsamkeit auch über den rest der schrift erstreckt. Denn 
was er an sachlichen erklärungen sonst beibringt , ist weit mehr 
geeignet einen tüchtigen Schüler zu verwirren als zu belehren. 
Hätte er die neuesten arbeiten von Mommsen im Hermes 3 p. 80 
und Urlichs, de vita et honoribus Agricolae (1868) gekannt, so 
würde er schwerlich Agricola's heirath in das jähr 63 statt 62, 
seine quästur in das jähr 65 statt 64, sein tribunat in das jähr 
67 statt 66 setzen, auch die abfassung der schrift nicht in die 
letzte regierungszeit Nerva's, sondern in die ersten monate nach 
dessen tode verlegen. Aber auch ohne diese hülfsmittel würde 



163. Tacitus. 197 

ihn jedes beliebige neuere buch vor so krassen irrthümern ge- 
schützt haben , wie sie in seinen erklärungen gehäuft werden. 
Zu c. 1 lässt er ßutilius Rufus nach seinem consulat als quästor 
nach Asien gehen ; zu «. 4 spricht er von den procuratoren der 
kaiserlichen provinzen, als ob es feststände, dass die grossväter 
Agricola's in diesen, und nicht in Gallia Narbonensis procurato- 
ren waren. Zu c. 6 bemerkt er : „Er war übrigens weder prae- 
tor urbanus noch peregrinus , sondern einer von den sechszehn, 
welche damals nach dem loose in bestimmten criminalsachen 
zu gerichte sassen" und dazu in einem athem : „etwas zu richten 
war ihm (durchs loos) nicht zugefallen. Zu c. 9 erklärt er: 
procuratores] „mehre procuratoren, entweder weil Aquitanien in 
drei theile zerfiel" u. s. w. Zu c. 14 heisst es: A. Plant ius] 
unter Nero. Ann. XIII , 32." Zu dessen nachfolger Ostorius 
Scapula wird dann ganz naiv Ann. XII, 31—39 citiert. C. 17 
wird Haase's conjectur ni obisset ohne weiteres in den text ge- 
setzt ; dass man jetzt weiss , Curialis sei nachher noch einmal 
consul gewesen , weiss der herausgeber natürlich nicht. C. 18 
meint der herausgeber : „numeri bezeichne bei Tacitus und über- 
haupt zur kaiserzeit einen ordo militaris , also = cohors , turma 
und selbst legio". In militärischen dingen ist der verf. überhaupt 
übel berathen. Er schreibt zu c. 33 Wex gläubig nach, dass 
Agricola's heer „meist aus bundesgenossen bestand". Agricola 
befehligte meistens drei , wenn nicht vier legionen ; das leichte 
exempel, dass diese doch nicht weniger als 8000 mann zu fuss 
und höchstens 5000 reiter (c. 35 ff.) gezählt haben werden, hat 
der verf. nicht gerechnet. Wenn wir endlich die überraschend 
richtige bemerkung zu c. 29, dass der berg Oraupius „vielleicht 
im nördlichen Schottland" lag , und die überraschend unrichtige 
zu c. 40 , dass das Fretum oceani zwischen Britannien und Gal- 
lien, „gew. Fretum Gaditanum genannt" wird, mit einander verglei- 
chen , so werden wir von den geographischen kenntnissen des 
verf. eben so urtheilen dürfen wie von seinen historischen. 

Zugleich war der verf. bemüht, „durch die erläuterung un- 
gewöhnlicher ausdrücke und Wendungen dem schüler die erfas- 
sung des richtigen sinnes zu erschliessen". Wo nun, und das ist 
meistens der fall, die erklärungen von Wex und Kritz abgekürzt 
mitgetheilt werden, lässt sich streng genommen nichts gegen den vf. 
einwenden ; denn dass nicht alles richtig ist , erscheint bei einer 



198 163. Tacitus. 

so schwierigen Schrift natürlich. Man darf freilich fragen, warum 
die schüler sich nicht lieber an Kritz selbst halten sollen. Aber 
Tücking's abkürzungen verderben nicht selten die erläuterün- 
gen seiner gewährsmänner. Wenn z. b. Kritz c. 2 conscientiam 
generis humani durch cognitio et memoria („das darum wissen") 
erklärt, so hat das seinen guten grund , wenn aber unser verf. 
abgekürzt schreibt : conscientiam] s. v. a. memoriam, so lässt er die 
mitweit ausser acht. Im ganzen sind diese erklärungen nicht 
übel , indessen genügen sie gerade an schwierigen stellen nicht. 
Wir wählen zufällig c. 6 , um die Interpretation des verf. zu be- 
urtheilen — hinc] deinde: (nein: es ist mit degressus verbun- 
den) 815 a. u., 62 p. Chr. (vielmehr 61). — natales] „familie, 
ausser bei dichtem nur bei Plin. und Tac." : andere schriftsteiler 
citiert nämlich Kritz nicht; man vgl. z. b. Sueton. Aug. 5. — decus 
ac robur] „die hohe abkunft seiner gemahlin gereichte ihm bei 
seinem emporstreben zur empfehlung [decus) und Unterstützung 
[robur) , da er die mittel gewann , um die ehrenstellen sich zu 
bewerben und die ämter mit glänz zu verwalten". Das werden 
also geldmittel gewesen sein. Dass robur sich auf die lex Päpia 
Poppaea bezieht, hat schon Wex eingesehen, und dass auch sub- 
sidium nicht blos ersatz, sondern Unterstützung bedeutet, Momm- 
sen a. a. o. ausgeführt. Dass die schwierige stelle nisi quod] 
nicht verstanden wird, ist begreiflich, aber man kann des verf. 
worte selbst nicht verstehen. „Sie geben sich einander den Vor- 
zug, also auch Domitia wetteiferte mit Agricola um den Vor- 
zug" (!) u. s.w. 

Was endlich die kritik betrifft, so gibt der herausgeber im 
ganzen einen lesbaren und correcten text, indem er seinen be- 
währten Vorgängern folgt, soweit er sie kennt. Er selbst ist so 
unwissend , dass er Puteolanus nicht für eine person , sondern 
für eine sache hält; anders lassen sich ausdrücke, wie p. 32 „der 
Puteolanus", und „mit dem Puteol.", p. 41 „der Puteol." nicht 
verstehen. Ritter's neue ausgäbe vom j. 1864 kennt er nicht, 
sonst würde er nicht zu c. 44 anmerken: Ritter und Kritz 
v quondam u , während Ritter jetzt quodam liest. Doch ist ihm ein 
solches übersehen kaum hoch anzurechnen , da man auch im 
Hermes 4, p. 32 zu Dialog. 26 lesen muss : scribendum est, quod 
miror neminem vidisse , „hirtam togam induere — insigniri", als ob 
nicht Ritter bemerkt hätte: potius hirtam togam, mox se insignire 



163. Tacitus. 199 

vel insigniri. Auch dass Tücking Nipperdey's u. a. vermu- 
thnngen nicht kennt , darf uns nicht befremden. Aber unbe- 
greiflich ist, dass er c. 31 arma laturi schreibt und dazu be- 
merkt: „arma'] fehlt in den Codd. Wex eonicirt lahoraturi .... 
dasselbe wird durch unsere lesart klarer und einfacher ausge- 
drückt". Wex hat aber selbst hinzugefügt: Forsitan placuerit 
etiam . . . arma laturi, und Kritz diese vermuthung mit dem 
zusatze Emendavit Wexius aufgenommen. Dass man später bel- 
latwri conjiciert hat , weiss der herausgeber natürlich niqht. Er 
hat sich das ,,übersetzungsrecht vorbehalten". Wir möchten 
den Verleger bitten, dass er wenigstens den Dialogus vor der 
bearbeitung dieses herausgebers schützen möge. 

Um nicht blos bei dieser werthlosen arbeit stehen zu blei- 
ben, theilen wir aus einer neuen collation der vaticanischen 
handschriften einige proben mit. C. 18 hat F nicht prius, son- 
dern prius, d. h. wie Puteolanus richtig las, patrius: ebenso c. 27 
ist richtig penetrandam : c. 28 hat er Usiporum, der herausgeber hat 
natürlich noch Usipiorum: c. 31 beide hss. delectus, F vollständig 
etiam si, c. 32 derselbe dissersionibus , nicht dissentionibus , c. 33 
procursu nicht pro cursu, c. 34 A zwar restituerunt , aber von 
derselben hand ist u punktiert ; c. 35 F consequuta, A consequta, 
c. 36 A simulque, F simlq, das que von derselben hand punk- 
tiert. Die angaben von Wex über die lesarten am rande von F 
bestätigt diese vergleichung durchaus. Ueber ihr verhältniss zu 
den Varianten bei Ursinus hat Fulda in seinen thesen zu der 
dissertation Quaestionum de sermone Homerico specimen, Bonnae 
1864, folgende beachtenswerthe behauptung aufgestellt: Quae 
Ursinus in uet. cod. Agrieolae legi dicit, ea ad exemplum edi- 
tionis GrypTiianae adscripta inuenit ab homine docto, qui cum cod. 
r eiusque marginis lectionibus suas aliorumque coniecturas miscuerat. 
Margo autem ille cod. F iam eodem fere modo atque in cod. F 
se Jiabebat in codicum r et A archetypo. Eius leetionis maxima 
pars seruat nobis alius codicum familiae memoriam cui in verbis 
Taciti constituendis multo plus tribuendum est, atque adhuc fieri solet. 
Uns scheinen die Varianten dreierlei bestandtheile zu enthalten : 
des Pomp. Laetus eigene conjecturen, durch puto bezeichnet, 
die anderer gelehrten, welche zum theil auch den codex A vor 
äugen hatten , durch AI ' unterschieden , und echte lesarten aus 
dem älteren exemplar, welche keine bezeichnung neben sich haben. 



200 164. Geographie. 

Da man den Agricola nicht in die hand nehmen kann, ohne 
auf die eine oder die andere verderbniss aufmerksam zu werden, 
so sei auch hier zu der noch nicht geheilten stelle c. 19 z. e. eine 
vermuthung gewagt. Man hat bisher zu den worten ac ludere 
pretio ein anderes verbum gesucht, dem sinne nach am besten 
Höfer ac hierum addere pretio, mit ausnähme von Classen, 
welcher in seinen Symbolae criticae III, p. 15 agri eultores ver- 
muthet, was durch die Wortstellung ausgeschlossen wird. Es 
wird vielmehr ein comparativ zu pretio erfordert, nämlich auetiore 
pretio. 

164. Atlas orbis antiqui. In usum scholarum edidit Arm. 
Eheinhard. Stuttgartiae. Sumptibus C. Hoffmann. 

In zwölf karten und für den billigen preis von 22 1 /ä sgr. 
giebt der verf. alles, was dem schüler bei dem lesen der alten 
Schriftsteller an ortskenntniss nöthig werden kann, und im gan- 
zen dasselbe, was Kiepert in seinem doppelt so theuren schul- 
atlas bietet, nebst zwei grossen planen von Rom* und Athen, 
so wie kleineren planen von Karthago, Syracusae, Sparta, Olym- 
pia, Corinth, Jerusalem, Alexandria, der umgegend von Mantinea, 
der ebene von Troja. Einzelne karten und plane, z. b. Italien, 
Rom, Griechenland mit den colonien haben eine auffallende 
ähnlichkeit mit denselben bei K i e p e r t , die sich sogar — die 
lateinische fassung abgerechnet — bis auf die titel erstreckt. 
In andern karten, z. b. Galliens, ist die selbstständige, wenn 
auch nicht immer von richtigen ergebnissen begleitete arbeit des 
verf. unverkennbar. Aber freilich machen die neuen forschun- 
gen in allen bisherigen karten dieses landes mannichfaltige än- 
derungen nöthig, und einzelne punkte sind auch jetzt noch nicht 
mit Sicherheit festgestellt. Danach können wir den schulanstal- 
ten das kartenwerk als geeignet empfehlen , jedoch nur unter 
der Voraussetzung, dass die lehrer die fehler zu verbessern verstehen. 

165. Altgriechische Märchen in der Odyssee. Ein Beitrag 
zur vergleichenden Mythologie von Dr. G. Gerland. 8. Magdeburg 
1869. 52 S. - 10 gr. 

Zum alten liede : „Du hast sie zerschlagen die schöne weit", 
siehe da einen neuen vers , sämmtlichen phaeakenkindern von 
damals und jetzt sicherlich zu schwerstem leid , obschon sie sei- 



165. Mythologie. 201 

ber — wenigstens die homerischen — zu germanischen „licht- 
elben" erhöht in die hochansehnliche sippschaft der indischen 
„Vidyädharen" eingetreten sind. Billigerweise geht auch die 
Odysseussage schliesslich in dem uralten mythus vom kämpfe 
der wandernden „sonne" auf. Mehr verrathen wir nicht , weil 
wir die neugier nur reizen nicht stillen mögen, und der interes- 
santen schrift viele und vielerlei leser aufrichtig wünschen. Frei- 
lich die reise durch eine weit so luftig in einander schwimmen- 
der gebilde wird niemals ganz schwindelfrei sein, und mit etwas 
bänglichem vergnügen folgen wir auch hier dem führer und 
trauen nicht ganz der Sicherheit, mit welcher innerhalb der cpav- 
täafiara nicht bloss unsrer indisch -griechisch -germanischen ur- 
ururvodern, sondern auch der malayisch-polynesisch-nordamerika- 
nischen und schliesslich auch der von Jülg eingeführten mongo- 
lischen vettern er selber , geistreiche apercus wie Schmetterlinge 
haschend, bald lacertenartig hin und her huscht, bald phosphor- 
artig wetterleuchtet quasi fulguris instar. Doch getrost, ganz 
fallen wird uns erdklösse ein führer nicht lassen, der so ziem- 
lich etwas von allem hat was wir — vielleicht über eines men- 
schen maass — von solchem i^ijyrjtTjg fordern : bei vollständiger 
kenntniss, sachlicher und linguistischer, des massigsten materials 
eine fast geniale combinationskraft, neben jugendlich regster und 
schmiegsamster einbildungskraft ein durchdringend scharfes und 
nüchternes urtheil, dazu ausser dem historischen das tiefste psy- 
chologische und ethnologische verständniss, endlich all dies ener- 
gisch und ruhig zusammenwirkend in strengster methode. Wird 
man daher auch weniger sichere ergebnisse als fruchtbare an- 
deutungen in unserer schrift finden, unbestritten bleibt ihr einer- 
seits das verdienst, zuerst in grösserem umfang weittragende 
ähnlichkeiten aufgedeckt zu haben , andererseits die bedeutung, 
von einer ganz anderen seite her KirchhofFs ansieht über die 
composition der Odyssee zu stützen. Es sind eben indoger- 
manische urmythen, welche „den ältesten kern" der in helleni- 
scher luft sonnig verklärten dichtung bilden. 

166. Reinhard KekuH, die Balustrade des tempels 
der Athena-Nike in Athen, mit einer aufnähme der terrasse des 
tempels und drei tafeln abbildungen in Steindruck. 8. Leipzig 
1869. 46 S. — 1 Thlr. 



202 166. 167. Archäologie. 

167. Reinhard Kekule", die antiken Bildwerke im The- 
seion zu Athen beschrieben. 8. Leipzig. 1869. 180 S. 

Der überaus rührige verf., der sich in letzter zeit nament- 
lich durch seine zwar schon angefochtene, aber noch in keinem 
punkte widerlegte besprechung des Steinhäuser'schen Apoll von 
Belvedere bekannt gemacht hat, bietet hier ergebnisse von arbei- 
ten, die er zum theil gemeinsam mit E. Schöne und 0. Benn- 
dorf in Athen unternommen hat. Die an zweiter stelle genannte 
schrift ist ein allen anforderungen der heutigen Wissenschaft ent- 
sprechender catalog, der wenigstens zu einem theile das dringende 
bedürfniss einer beschreibung der antiken Athens erfüllt. Die 
beschreibung , welche nicht an ort und stelle redigirt werden 
konnte, ist nicht ganz gleichmässig, auch nicht immer im höchst 
möglichen grade anschaulich gehalten, allem anschein nach aber 
durchaus zuverlässig und enthält manche feine beobachtung. 
Besonders gewissenhaft scheinen die inschriften wiedergegeben zu 
sein; für den druck derselben hat die Breitkopf- und Härtel- 
sche officin hier wie anderwärts mustergiltiges geleistet und unter 
anderm die herstellung einer reihe neuer typen nicht gescheut. 
Die bisherigen lesungen werden mehrfach verbessert. Beispiels- 
weise lässt sich die interessante hochalterthümliche grabinschrift 
p. 159 nunmehr etwa so ergänzen: 

*Hv aya&6\g zig dvtjQ i[n]Ci] %£vog äl'ko&sv il&mwj 
Tsz[t]i%oi> olxT(e)iQug äv$Q aya&ov nagizco, 

iv TtoXspcp qi&ifxevov vsagav ijßrjv oXsaavra. 

zavz^ anodvgdfxsvoi v£(i)a& , im ngäy^i äya&o*. 

Die erstgenannte schrift bietet eine überraschend klare und 
einfache reconstruction der reliefs der balustrade, wie sie nur 
durch den glücklichen umstand ermöglicht werden konnte, dass 
der verf. unter dem antikenvorrathe der Akropolis neue bisher 
unbeachtete stücke dazu fand. Es ist damit eine sichere Vor- 
stellung gewonnen nicht blos von der ursprünglichen ausdeh- 
nung des ganzen, sondern auch von den hauptzügen der compo- 
sition: auf der nordseite sitzt Athene auf einem schiffsvorder- 
theil, der errichtung eines tropaeon (allem anschein nach für 
einen seesieg der Athener) und der darbringung eines opfers zu- 
schauend; auf der ostseite ist eine Verkündigung des siegs an 
Athene, vermuthlich die tempelgottheit selbst, dargestellt. Neben- 
bei enthält die schrift eine retractation fast aller fragen, die sich 



168. Griechische geschichte. 203 

auf den tempel und den cultus der Athena-Nike beziehen. In 
der erklärung des frieses ist kaum zu einem andern als negativen 
resultat zu kommen ; die vorgeschlagene Versetzung einiger fries- 
platten ist ansprecheud. Mit recht wird darauf aufmerksam ge- 
macht, dass der bau des südlichen propyläenflügels kein beweis 
für das höhere alter des Niketempels sei; es konnte beim bau 
der propyläen ebenso gut auf eineu erst noch zu errichtenden 
tempel rücksicht genommen werden. Sicher ist, dass der tem- 
pel , so wie er stand und steht , fast von allen Seiten die uu- 
gleichheit der propyläenflügel maskirt. — Durchaus richtig fasst 
der verf. das mythologische wesen der Athena-Nike auf, indem 
er die populäre bezeichnung Nike apteros verwirft, und in Über- 
einstimmung mit den besten forschern sie nur als eine andere 
gestalt der burggottheit selbst, der Athena Polias, auffasst. — 
Der plan der terrasse von R. Schöne bietet einige neue beob- 
achtungen , die von grossem belang für die reconstruction des 
südflügels der propyläen sind. Besonders interessant ist die 
nachweisung der noch erhaltenen spuren des grossen altars 
vor dem eingang zum tempel , und zwar an der stelle , wo ihn 
Bötticher mit nothwendigkeit vorausgesetzt hatte. 



168. König Nabis und seine Bedeutung für Sparta. Ein Bei- 
trag zur Geschichte der spartanischen Monarchie von Dr. E. Schnei- 
de wind. Gymnas. -Programm. 4. Nordhausen 1869. 48 S. 

Die vorstehend bezeichnete abhandlung entwickelt in frischer» 
lebendiger spräche ein treues bild der griechischen Staaten zu 
ende des dritten und anfang des zweiten Jahrhunderts vor Christo. 
Die darstellung beginnt mit dem verunglückten reformversuche 
des Kleomenes , geht dann über Lykurg und Machanidas zu 
Nabis über, dessen regierungsantritt gleich nach des Machanidas 
tod gegen 207 gesetzt wird. Die läge des lakedämonischen 
Staates gegenüber dem achäischen bunde, die aufhebung des he- 
lotenthums und ihre folgen, die ersten versuche einer revanche 
gegen die Achäer und der erweiterung der spartanischen macht 
nach Messenien hin, das auftreten Philopömens in dieser ange- 
legenheit, sodann die einmischung Roms in die griechischen an- 
gelegenheiten und die daraus hervorgehenden parteistellungen im 
Peloponnes — alles wird mit einsieht und klarheit entwickelt. 



204 169. Römische geschiebte. 

Sehr ausführlich wird die darstellung da, wo das unmittelbare 
zusammentreffen der Römer mit Nabis geschildert wird, wogegen 
die ziemlieh kürzer gehaltene erzählung der katastrophe etwas 
absticht. Am Schlüsse wird eine Schilderung von Nabis Charak- 
ter gegeben, in welcher der gangbaren auffassung, als sei er 
eine art scheusal gewesen, entgegengetreten wird-, ohne ihn etwa 
rein brennen zu wollen , fasst der Verfasser sein urtheil in die 
worte zusammen, dass die fehler des Nabis die seiner zeit und 
seines volkes gewesen seien, dass dem verderben, welches er hie 
und da verbreitet, das mancherlei gute, welches er in seinem 
kreise gestiftet , gegenüberstehe, und dass sich von ihm sagen 
lasse, das land habe sich unter seiner herrschaft glücklicher be- 
funden als in der folgezeit. In dieser partie hat der Verfasser 
den einseitigen Standpunkt des Polybius bei Würdigung der grie- 
chischen ereignisse hervorgehoben, wie er dasselbe bereits in der 
Nordhäuser valedictionsschrift (1868) in bezug auf Kleomenes 
gethan hatte. 

■ 
169. Römische geschichte von Wilhelm Ihne. Erster band. 
Von der gründung Roms bis zum ersten punischen kriege. 
Leipzig, 1868. 483 S. 

Der Verfasser spricht sich in der vorrede über die 
aufgäbe , die er sich gestellt, folgendermassen aus : „Der 
Verfasser hofft die Wissenschaft gefördert zu haben; aber 
in erster linie richtet er sich nicht an gelehrte und forscher, 
sondern an das ganze gebildete publicum, und er hofft, durch 
populäre behandlung des Stoffes demselben auch die schwierige- 
ren fragen spruchreif vorgelegt zu haben." Die sachkenntniss 
des Verfassers ist schon anderweit bewiesen, wir glauben daher 
kaum dieselbe besonders hervorheben zu müssen, dagegen scheint 
uns die klare und gewählte darstellung, durch die sich das 
werk empfiehlt, eine besondere anerkennung zu verdienen; ob 
die hoffnung des Verfassers , die schwierigeren fragen dem pub- 
licum spruchreif vorgelegt zu haben, in erfüllung gehen wird, 
möchten wir schon aus dem gründe bezweifeln, weil gerade hin- 
sichtlich dieser fragen, wie auch bei dem beschränkten umfange 
des buchs nicht anders möglich, meistentheils auf andere Schrif- 
ten verwiesen wird und manche gar nicht berührt werden. Der 



169. Komische geschichte. 205 

Standpunkt des Verfassers ist in betreff derselben im ganzen der 
von Schwegler, dem er die gebührende anerkennung zollt, doch 
nicht ohne mehrfache ab weichungen in der richtung auf das 
Mommsensche werk , gegen welches er sich indess wiederum in 
manchen wesentlichen punkten entschieden ablehnend verhält, 
wie z. b. in bezug auf die ansieht, dass Rom ursprünglich eine 
handelsstadt gewesen, dass das ackerloos der einzelnen ursprüng- 
lich nicht zwei, sondern zwanzig jugera betragen habe u. dgl. m. 
Nicht um gegen den Verfasser zu polemisiren , wozu hier 
der platz nicht ist, sondern nur um seinen Standpunkt näher 
zu bezeichnen, wollen wir einiges aus dem werke anführen. Die 
ganze königsgeschichte ist ihm nicht nur sagenhaft, ,,so dass sie 
in einen schmelztiegel zu werfen sei und man aus den ver- 
schiedenen elementen höchstens hoffen dürfe ein ungefähres bild 
des ältesten römischen volks , seiner Verfassung und seiner reli- 
gion zu giessen , wie diese im anfang der republik erscheinen" 
(p. 41), sondern auch (p. 14) „ohne allen poetischen gehalt, 
höchst nüchtern, trocken , berechnend , offenbar ein werk phanta- 
sieloser abstraction." Sie wird daher zwar stück für stück nach 
den einzelnen kriegen in chronikenartigem stil erzählt , aber 
nur, um sie sodann in den hinzugefügten kritischen abschnitten 
in nichts aufzulösen. Auch die weiter folgende zeit ist ihm 
noch sagenhaft, indess verhält er sich gegen diese insofern we- 
sentlich anders, als er vielfach die durch familienchroniken, durch 
nationale und Standes - vorurtheile u. dgl. corrumpierte tradition 
zu reinigen und aus allgemeinen gründen oder aus einzelnen 
notizen einen wirklichen historischen hergang herzustellen sucht, 
wobei nicht selten die tradition geradezu auf den köpf gestellt 
wird. Wir wollen hierzu nur bemerken, dass wir zwar selbst- 
verständlich nicht nur die königsgeschichte, sondern auch, wenn 
gleich in minderem grade und mit gewissen modificationen , die 
weitere geschichte bis zum ersten punischen kriege ebenfalls für 
sagenhaft halten , diese sage aber nicht so leer und interesselos 
finden können, wie der Verfasser, sie vielmehr, abgesehen von 
den nicht allzuhäufigen ausnahmen, wo sich griechische fabelei 
eingemischt hat, als ein produet des römischen geistes und da- 
her als etwas geschichtlich werthvolles ansehen zu müssen glau- 
ben , und endlich , dass es uns in den meisten fällen höchst be- 
denklich scheint, auf den trümmern der tradition aus den ma- 



206 169. Komische geschichte. 

terialien derselben neue historische gebäude aufführen zu wollen. 
Wir sind daher der ansieht, dass für die äussere geschichte dem 
historiker nicht viel mehr übrig bleibt als die tradition mit be- 
sehränkung auf die ächtesten theile derselben wiederzugeben. 
Was die innere geschichte anlangt , so wollen wir nur anführen, 
dass der Verfasser in bezug auf den gegensatz zwischen patri- 
ciern und plebejern alles eigenthümliche verwischt, indem ihm 
das verhaltniss kein anderes ist, als wie es überhaupt zwischen 
einem erobernden und unterworfenen volke stattzufinden pflegt, 
dass sich ihm die centuriatverfassung ursprünglich nur auf den 
krieg bezieht und nur allmählich und von selbst auch zu poli- 
tischen zwecken verwandt worden ist, dass die curiatcomitien, 
nachdem die centuriatcomitien zur gewinnung von volksbe- 
schlüsseu in gebrauch genommen worden , im wesentlichen auf- 
hören zu existieren, dass er schon vor dem canulejischen gesetz 
eine plebejische nobilität annimmt (p. 363), die sich von dem 
plebejischen Standesinteresse losgetrennt und mit dem patrici- 
schen adel verbündet hat u. dgl. m. Wir glauben schon auf 
grund dieser anführungen sagen zu können, dass in der inneren 
geschichte der Verfasser viel zu wenig construetiv ist, wie er 
es in der äusseren zu viel ist , während doch die innere 
geschichte, wenn sie sich wie in Rom mit einer gewissen inneren 
nothwendigkeit entwickelt, für die combination und construetion 
viel festere anhaltspunkte bietet als die äussere , und während 
für Rom diese construetion bei der beschaffenheit unserer quel- 
len in der that nothwendig ist, wenn anders der character und 
werth des römischen volks in seinen Ursachen und seiner ent- 
stehung erklärt werden soll. Der Verfasser hat der inneren 
geschichte so zu sagen die spitzen abgebrochen und sie nivel- 
liert , indem er alles irgend auffallende oft nur mit der bemer- 
kung , dass es nicht recht denkbar , beseitigt ; woher hat dann 
aber das römische volk seine energie, seine ausdauer, seine auf- 
opferungsfähigkeit , seinen rechtssiun , seine einseitigkeit und 
überhaupt alles dasjenige genommen, was es gross gemacht hat 
und was es von allen anderen Völkern unterscheidet? 



NEUE AUFLAGEN: 170. Th. Mommsen, Römische geschichte, 2. bd. ö.aufl. 
Berlin: 1 thlr. 5 gr. — 171. Homer's Odyssee . . von K.L. Ameis. bd. I. hfl. 2. 



172—176. Schulbücher. — Bibliographie. 207 

NEUE SCHULBÜCHER: 172. M. Meiring , lateinische grammatik für die 
mittlem und obern classen der gymnasien. 4. aufl. Bonn: 1 thlr. 10 gr. — 
173. R. Suhle, 155 griechische verba anomala. Tabelle zum Unterricht in tertia 
und zur repetition für die höhern classen. Stolp : 6 gr. : was für nutzen das bü- 
cheichen stiften soll, welchen zweck es habe, ist uns völlig unklar. — 174. R. 
W. Fritzsche , prosodische regeln und anweisung zum versbau , zunächst für die 
lateinische spräche. 2. auü. Leipzig: 5 gr. — 175. W. Hollenberg , Logik, Psy- 
chologie und ethik als philosophische Propädeutik für höhere schulen. Elberfeld : 
12 gr. : obgleich wir nicht zu denen gehören, welche einen philosophischen Unter- 
richt der art , wie er hier geboten wird , auf schulen und gymnasien billigen , so 
stehen wir doch nicht an, studirende und jüngere lehrer auf dies neben der neu- 
zeit auch das alterthum stets berücksichtigende büchlein nachdrücklichst aufmerksam 
zu machen. — 176. W. Herbst, zur frage über den geschichtsunterricht auf hö- 
hern schulen. Ein erweitertes, vorwort zu dem historischen hülfsbuch. 8. Mainz. 

THESES , quas in Georgia Augusta . . cal. Iul. . . defendet A. Geizer: 
Lucretius argumentum v. 834 — 841 libri quinti ex Alexandro Polyhistore pe- 
tivit. — Apud Diodorum V, 55 pro ,,Karfii,Qag i ' scribendum est „Kctßsi- 
gag". — Biodori verba V, 57 sie ordinanda sunt : xctTmxtjaav li> rij 'Ia- 
Xvoia xricctvTig noXiv Kvqßiav , xr t v /xnä ravra 'A/alav (jUTovofxuaSiXactv. 
— Apud Thucydidem V, 53, 1 scribas: rov 'AnöXXwvog rov Uvdaiwg. — Apud 
eundem III, 39, 4 ita legendum est : iXu&t ds rüiv nöXfwv, ctlg av fiaXiara 
nngoßdöxyrog iimgctl-ia tXfry, xeri &i>' iXa^icrov ig vßoiv rgintiv. — Titulus 
sepulcrali Iovis monumento inscriptus (Ioann. Antioch. frag. VI, 4) ita castigandus 
est: * Evfra &avu>v xtirai Tltixog Jia ov xaXiovGi,. — Titulus apud Kirchhoffium 
(Griech. Alphab. p. 33. N. 9) nondum intellectus legendus est: WAMHT1X . . . . 



B1BLI0GBAPHIE. C'ataloge von buchhandlungen : Gebrüder Bornträger in 
Berlin kündigen an : Lexicon Sophocleum composuit Fr. Ellendt. Ed. altera. Cu- 
ravit H. Genthe. Berol. 

C'ataloge im preis ermässigter bücher : B 'asser ■mann' 'sehe Verlagsbuchhandlung 
in Heidelberg (Röth's philosophie, 6 thlr., D. F. Strauss Iulian, Wattenbach's Ninive 
und Babylon); Frederik Müller in Amsterdam (Anthol. Gr. ed. H. de Bosch 
5 voll 4, in fünf verschiedenen ausgaben , von 44 thlr. bis 6 thlr. , Luciani Opp. 
edd. Hemsterhusius et Reitzius, 5 voll. 4 für 5 thlr. 15 gr.) ; T. O. Weigel in 
Leipzig, philologischer verlag, zu theilweise bedeutend ermässigten preisen. 

Cataloge der antiquare : F. Dörling in Hamburg, verzeichniss des antiqua- 
rischen bücherlagers, nr. 14; August Brandet, in Wien, antiquar-anzeiger nr. 55; 
H. W. Schmidt in Halle a/S., bibliotheca philologica , catal. 320, enthaltend: 
Philologie, 3. abtheilung; J. A. Stargar dt in Berlin, bibliotheca philologica, nr. 88, 
verzeichniss griechischer und römischer erläuterungsschriften, grammatiker und lexi- 
cographen , archäologie und orientalia : 2 1 / 2 gr. 

AUSZÜGE aus Zeitschriften: Hermes Zeitschrift für classische philologie . . . 
herausg. von E. Hübner, Bd. IV, hft. 1 : Th. Mommsen , die erzählung von 
Cn. Marcius Coriolanus, p. 1 ; M. Haupt, Varia, p.27; R. Schöne, bruchstücke 
von den baurechnungen des Erechtheions, p. 37 ; A. Meinehe, drei von E. Miller 
edirte orphische hymnen, p. 56 ; Ed. Sachau, über die reste der syrischen Über- 
setzungen classisch- griechischer, nichtaristotelischer literatur unter den nitrischen 
handschriften des britischen museums , p. 69 ; J. Gildemeister , Pythagorassprüche 
in syrischer Überlieferung, p. 81 ; Th. Mommsen, edict des kaisers Claudius über 
das römische bürgerrecht der Anauner v. j. 46 n. Chr., p. 99; dess. die comites 
Augusti der frühern kaiserzeit, p. 120. — Miscellen '. XI. Köhler, zwei inschrif- 
teu aus Athen, p. 132; G. Barihey , Geographus Ravennas beim Riccobaldus 
Ferrariensis , p. 134; R. Schöne, wandinschrilten vom amphitheater zu Pompeii, 



208 Auszüge aus Zeitschriften. 

p. 138; nachtrag zu p. 51, p. 140; V. Rose, ein bruchstuck des Caelius Aure- 
lianus p. 141; K. Müllenhof, zu den südrussischen inschriften , p. 144. 

Rheinisches Museum, bd. XXIV, hft. 3: H. Usener, zu Horatius, p. 337; 
J. Steup , ein einschiebsei bei Thukydides, p. 350; A. Wihnanns , Placidus, 
Papias und andre lateinische glossare. Nebst einem zusatz : der über glossarum, 
von H. Usener, p. 362. 382; J. Freudenthal, zur kritik und exegese mol 
TiSy xowwv cwjuaTos xal i/tv/T/g fgyiov (parva naturalia), p. 392 ; A. Knö- 
tei, die ältesten zeiten der ägyptischen geschichte. Dritter artikel, p. 420; C. 
Wachsmuth, eine neue inschrifttafel von Taormina, p. 451. 496. — Miscetten; 
C. Wachsmuth, die inschrift C. I. Gr. III, nr. 5773, p. 474; O. Benndorf, 
Horosiuscbrift aus Laurion, p. 476; W. Heibig, das curtiusrelief im capitol, 
p. 478; F. R., curae secundae zu hft 1 der „neuen plautinischen excurse", p. 
482; o.k., vorto, uerto, p. 492; L. M., Pindarus Thebanus, p. 492; ders., 
zu Properz, p. 494; W. Röscher, zu Sophokles, p. 494; J. Klein, zu Galenus, 
p. 494; L. M., zu des Pacuvius Antiope, p. 495; J. Klein, zu Cic. de Le- 
gibus, p. 496. 

Zarncke, literarisches centralblatt , nr. 14: Peter, geschichte Roms in drei 
bänden. Rd. III, abth. 2 . . . vom tode Nero's bis zum tode Marc Aureis. 8. Halle. 
1869, ref. tadelt die für grössere leserkreise zu grosse knappheit der darstellung. — 
A. T. Rudorff, de iurisdictione edictum. Edicti per petui quae 
reliqua Stent. Constituit cett. 8. Lips. : ausführliche anzeige. — E. Rohde, 
über Lucian's schrift Jovxiog yj ovog und ihr verhältniss zu Lucius von Paträ und 
den metamorphosen des Apuleius. 8. Leipzig: empfehlende anzeige von F. N. — 
L. Kühnast, über Livius als schullectüre. 4. Marienwerder. I. 1863. II. III. 
1867. 1868: das wichtigste darin ist I, 24 — 111, 35 die darstellung der syntax 
des Livius. — Nr. 15 : II Critone. Dialogo platonico. Esposto ed esaminato da 
R. Cherubini. 8. Neapel. 1867: die anzeige referirt genau den gedankengang: 
„Piaton hat die Vermittlung des individuum mit dem allgemeinen noch nicht gefun- 
den: erst durch Hegel und Stahl sind die Deutschen dazu gelangt'': es beansprucht 
die arbeit, die eine gekrönte preisschrift ist, kein philologisches verdienst. — 
Nr. 17: A. v. Reumont, geschichte der Stadt Rom. Rd. III, abth. 1. Berlin., 
1868: kurze anzeige. — L. Friedländer , darstellungen aus der Sittengeschichte 
Roms. Rd. IL 2. aufl. 1867: anzeige mit einigen bemerkungen über wirthshäuser, 
bordelle, über mimen und das angebliche amphitheater zu Capreä von Bu. — 
Nr. 18: Ch. A. Volquardsen, Untersuchungen über die quellen der griechischen 
und sicilischen geschichte bei Diodor, 1. XI — XVI: lobende anzeige mit einigen 
bemerkungen von A. S. : s. oben p. 46. — Sieben karten zur topographie von ' 
Athen. Mit erläuterndem text von Ernst Curtius. Fol. Gotha. 1868: anzeige mit 
mancherlei gegenbemerkungen von Bu. — Nr. 19: Historia miscella. Franc. 
Ey s senhardt recensuit. 8. Berol. : anzeige: s. oben p. 152. — W. Ar- 
nold, eultur und recht der Römer. 8. Rerl. 1868: kurze anzeige. — Polybii 
historia. Ed. L. Dindorf. vol. IV. Lips. 1868: ref. trägt folgende eigene 
emendationen vor: XXXII, 10, 3: yvuj(xr\g Ixtivo*. aov ys /uijv aya/Liq,t ... 
on doxilg avrip ngavTt qo g tlvcu, ib. 8, 11 fivr}[x,ot>tväa9(i), 9, 9 ri clW, 
12, 4 Inufaviig , 15, 2 avrip, 5, 4 nach Monacensis zovrovg /.uv ovv, 2, 7 
xai toi, 3, 3 itjf rörs . . undvtrjai,y , 9, 9 dvo TQ£(f>6{U£&' ädtXyoi, 14, 8 
atg ovöiv avztjg TiQogyjy.s; lücken sind noch öfter auszufüllen: so c. 4, 4 
xad-ixso&cu rrjg ngofteoeios, 14,2 ovg tTotys dend'öxovg tov t' ovo pet- 
to g xal xtL: sonst s. oben p. 92. — Polybii historiae. Ed. Fr. Hu 11 seh. 
V. IL Rerol. 1868: anzeige: s. ob. p. 93. — O. Carnuth Aristonici mol 
orjfitliav 'Odvofftiag reliquiae emendatiores. 8. Regiom. Pruss. : lobende anzeige 
von L. F. — C. Bursian, geographie von Griechenland. Bd. IL Peloponnes und 
die inseln. Abth. I. Die lahdschaften Argolis, Lakonien, Messenien. 8. Lpz. 1868: 
anzeige von Co. — Ed. Gerhard, gesammelte academische abhandlüngen und 
kleine Schriften. Bd. IL Berl. 1868: daraus besonders abgedruckt: Eduard Ger- 
hard, ein lebensabriss von Otto Jahn: anzeige von Bu. : s. oben p. 27. — 



Nr. 8. Anglist 1869. 

Philologischer Anzeiger. 

Als beiblatt zum Philologus herausgegeben 



Ernst von Leutsch. 



177. Index scholarum, quae ... in un. Friderica Guilelma 
Ehenana per menses hibernos a. cioioccclxix et lxx . . . habe- 
buntur. — Praecedit Friderici Heimsoethii commentatio 
de necessaria in re critica vigilantia, perseverantia atque audacia. 
4. Bonn. 1869. — 17 S. 

Von vielen, sagt der vf. p. III, werde er wegen zu grosser 
kühnheit in handhabung der kritik getadelt: quibus ita responde- 
bimus ut plurimos adhuc et in iudicandis iis quae ferri possint necne 
haud satis vigilanter versari et in emendandis vitiis ea qua opus 
sit perseverantia atque audacia non uti contendamus ostendamusque : 
gewiss ein harter Vorwurf: doch nicht genug; es heisst weiter: 
iam ut ex ordine quae sentimus exponamus: primum legere consuevi- 
mus oculis , non etiam auribus quae legimus auscultare: es ist das 
schon oft gesagt, freundlich aber von Heimsöth, dass er sich 
in den tadel mit einschliesst ; daher wagen wir wie er selbst denn 
höre, freilich nicht ohne herzklopf en, zu fragen. Die erste stelle, 
welche unsre menschliche schwäche, Heimsöth's kraft und stärke 
beweisen soll, ist Soph. Oed. Tyr. 1180 m yäo ovzog sl, "Ov 
cpTjGiv ovtoq, iß&i dvanozfAOg ysyrng: quid, heisst es p. IV, hanc 
eiusdem vocis repetitionem quae quo vehementius pronuntiatur eo mo- 
lestius aures tangit interpretes quidem omnes devitarunt , . . . ipsum 
Sophoclem non fugisse putabimus t . . . : itaque Sophoclis manum mihi 
restituere videor scribendo: sl yag avzog si Ov ntX.: das auffal- 
lende der Wiederholung ist aber längst bemerkt und auch erklärt: 
s. Ellendt. Lex. Soph. II, p. 464 sq.: bei richtiger pronuntia- 
tion — und die alten Schauspieler waren künstler — machte 
sie gewiss einen schönen effect : vergl. ibid. 947 : .. x«i vvv oSe 

14 



210 177. Griechische tragiker. 

tzgug zrjg zv^qg oXcoIev ov8t zovd' vno, auch von verschiedenen 
personen. Aber wie steht es nun mit Heimsöth's conjectur? 
Nun , auf den styl des Sophokles ist bei ihr wenigstens nicht 
geachtet : der würde einen dativ zu avrcg verlangen und — 
doch um kurz zu seyn, wo hat nach < solchem avzög Sophokles 
einen matten relativsatz folgen lassen? Denn OT. 574 sl /asv 
liyai zä8\ avrog olo&\ iyoo de aov Ma&eh Sixatcö raüd' anto 
xa^ov av vvv, haben die neuern irrig rav^ geschrieben, wie zä8s 
zeigt, auf das, um der rede die nothwendige spitze zu geben, 
tavza zurückbezogen werden muss: das lehrte auch das gehör. 
Heimsöth fährt fort: Etiam Antig. v. 1029 in verbis Tiresiae Cre- 
ontis contumaciam graviter dbiurgantis omnes editiones exhibent: av- 
daSCa zoi oxaiözijz' oqiXiaxävsi. ' AX1* slxe iq> &a.vovzi [iq8 
oXosXöza Khzei . zig aXxri zov ßatovz inixzapstv j quantocius 
corrige: aXV sixs rw Siopzi — , wofür Oed. Col. 172. Eur. Te- 
leph. fr. 324 N. Aesch. Ag. 1071 angeführt werden. Ich meine: 
festina lente: denn da man r(g äXxjj xzl. nicht mit jmj/ö' uXcaXoza 
-xs'pzei als einer epexegese verbinden darf, muss eine ztö davövti 
bleiben, um die kraft des top &av6vz InixzavHv nicht verloren 
gehen zu lassen, die, mein' ich, um so mehr hervortreten muss, 
da doch an Polyneikes dabei gedacht werden soll. Sie igitur 
veterum verba legimus non audientes , ut multo hercule deterius est, 
quod etiam non cogitantes legimus persaepe , sopore scilicet devincti 
semisomno quo linguarum antiquarum graecae praesertimdifficultates 
mentem nostram ita solent consopire ut out nihil certi sentiamus aut 
eam sententiam quae rei apta est etiam in verbis quae longe aliud 
significant nobis videamur audire. Oh wir armen deutschen philo- 
logen, wir müssen doch ein recht pflichtvergessenes völkchei 
seyn, dass unsre eignen landsleute glauben, so zu uns sprechei 
zu müssen! Und wie wird Heimsöth nun uns beschämen! Er 
schreibt: In Stob. Ed., Phys. I, 7 ix zur MspupSqov nooyä(A(ai 
legitur sententia: tvcpXop ye xai SvGzqvöv iaziv ?} ivyri . quid? 
in libro germanico leger emus : „blind und trüb ist das ge- 
schick?' num dübitaremus, quin hoc error e scriptum sit pro: 
„blind und taub ist das ge schick?" quid igitur est cur 
versu graeco non corrigamus: zvqÄöi* rs xa\ dvaij xo-6* bgtip 
zvy[rj? nimirum soporis quem dixi vis est (cf. Po llu c. svrjxoog, 8vg- 
tjxoog, avrixoog, o^vqxoog, ßaovrjxoog). Doch was ist das für eine 
methode, aus einer schlechten deutschen Übersetzung auf fehle 



177. Griechische tragiker. 211 

im griechischen text zu schliessen? Uebersetzt man „leidvoll", 
was fehlt dann dem verse ? Und was ist das für eine vigilantia, 
was gar für eine perseverantia , die bei einem mehrfach in den 
quellen citirten fragment nur mit einer stelle ausschliesslich ope- 
rirt? Der vers steht auch Monost. 718 und mit der Variante 
TvyXov 8s, er steht aber auch noch in dem von Meineke über- 
sehenen Stob. Floril. 98, 11 und da mit der Variante av&gänov 
ßiog: wir wollen hier darauf nicht näher eingehen: jedenfalls ist 
aber so viel klar, dass der vers uns aus verschiedenen quellen 
überliefert ist, woraus dem Svarrjvov nothwendig eine bedeutende 
stütze erwächst. Soll demnach hier eine verderbniss seyn , so 
ist sie nur in dem sinne: der steht aber nicht fest; denn wegen 
der zwei zu einem Substantiv gesetzten epitheta — in den Mo- 
nosticha kommt ein gleicher fall sonst nicht vor — ist sicher- 
lich der vers ein theil einer grössern sinnesperiode, so dass es 
zweifelhaft bleibt, ob tvcpXog caecus oder clandestinus , dvarqi>og 
miser oder dis invisus bedeute, ist ferner auch gewiss, dass die ad- 
jectiva ihre beziehung durch den Zusammenhang bekamen: wer kann 
also da corrigiren wollen? Und schliesslich, ist denn Nicostrat. 
ap. Athen. XV, 693 A r\ tzqovoiu de tvqiXov rs xdavvtaxTov 
iativ , a> jfärsg auch die taubheit nöthig ? — Wir lesen p. V: 
In Taur. Iphig. v. 552 Orestes a sorore de Agamemnone interroga- 
tus respondet: deuäg yag sx yvrur/.og oi'%i;zai Gcpaysig , quid vero? 
utrum 8eit(äg iacpdyt], an 8eti>(äg <p%eto? expergef actus corrige: idiag 
yag ix yvpaixbg oi'^siai acpaysig. 'I&. a navddxgvzog rj xzavovaa 
%a> &avmv. Wir wollen die antwort auf die fragen andern über- 
lassen, expergefactus giebt sie sich Heimsöth auch wohl selbst: 
aber wenn Orest so deutlich die Klytämnestra bezeichnet , wie 
kann denn Iphigenia in ihrem ausruf die mörderin und den ge- 
mordeten gleich stellen? Freilich Härtung übersetzt: „auch kam 
er, durch sein weib gemordet, schrecklich um'*, und bei Heim- 
söth's Vorliebe für schlechte Übersetzungen möchten wir fast 
glauben , hier auf die quelle der Heimsöthischen conjectur ge- 
stossen zu seyn: aber wie sind dann vss. 555 flg. möglich ge- 
worden? Man sieht meine ich doch klar, wie yvvatxcg vs. 552 
Iphigenia auf Klytämnestra nicht bezieht und Orest absichtlich 
dunkel gesprochen: daher Iphigenia's frage tl £rj tov TaXaincö- 
qov däfiag; die doch deutlich ihre unkenntniss von Klytämne- 
stra's missethat zeigt, welche Iphigenia also erst 559 cpev. äg 

14* 



212 178. Plautus. 

el xrX. ganz durchschaut. Die kunst in dieser stichomythie 
scheint von Heimsöth ganz verkannt zu seyn. Es muss also auch 
hier bei der Überlieferung sein bewenden haben. Beiläufig wird 
p. V zu Soph. Elect. 1235 eine von mir im Philol. XXIX, 
p. 218 zurückgewiesene conjectur vorgetragen, dann sehr schön 
Eur. Iph. Aul. 1034 et 8' slal öeol, av toi dtxaiog ktX., Soph. 
Trach. 1249 . . anmaopai , abv ov ©solai 8etxi>v$ tovgyov 
emendirt und darauf p. IV zu einem neuen capitel übergegangen : 
At sunt vitia quae etiam semis omnum offendant , ad haec igitur 
emendanda accingimur: aber wie p. VII in Soph. Oed. Tyr. 1437 
Heimsöth sich versehen, habe ich auch Philol. XXIX, p. 218 
gezeigt; p. VI wird in Eur. Med. 1316 &av6vzag, ir\v ds nivw- 
aav qiövq) geschmacklos vorgeschlagen, in Eur. Hecub. 1279 
avrov tz tovzov verlangt, weil an die aktion nicht gedacht 
ist: dann wird conjicirt in Soph. Aiac. 496. Eur. Med. 1293. 
El. 635. 1308. 382. Iph. Taur. 804. 572. 1155. Hippol. 665. 
634. 1448. 702. 228. Soph. Phil. 646. 425. ,351. 435. 777. 
Trach. 1131. 1256. Oed. Col.599. Oed Tyr. 376. 817.87. Aesch. 
Sept. 657. Eur. Heracl. 866. Suppl. 655. Orest. 1045. 117. 
Soph Elect. 255: über einiges hievon s. Philol. XXIX, p. 166.244. 
Schliesslich rechtfertigt wohl die ausführlichkeit der anzeige, . dass 
mir ein namhafter gelehrter auf ganz falschem wege sich zu be- 
finden, ich aber mit meinem urtheil gegen ihn recht zu haben 
schien; wohl auch darin, dass perseveräntia, vigüantia und dergl. 
eine geschmacklose, an C. Pauw und consorten erinnernde form 
ist. Auf wessen seite aber auch das recht sich befinde, wir 
wollen des sophokleischen gedenken : av&ooinoiai ya^ Toig näai 
xoipop sau Tov^afiagrdveiv. E. v. L. 

178. De Poenuli Plautinae duplici exitu scripsit Theo- 
dorus Hasper. 8. Lipsiae, in aedibus B. G. Teubneri. 1868. 
— 29 S. (Diss. inaug., wiederholt in den Supplem. der Jahrb. 
für class. Philologie und in einem Separatabdrucke). — 10 Gr. 

Seit 1854 bereits ist der Pönulus als nächste fortsetzung 
der kritischen gesammtausgabe des Plauttis angekündigt worden, 
und an vorarbeiten dazu hat es nicht gefehlt. In drei prooemien 
der indd. lectt. Bonn, lieferte Bitschi schöne beitrage zur ono- 
matologie (aest. 1856) und texteskritik (hiem. 58/59 : act. I sc. 2 ; 
aest. 65: act. II); zwei bekannte semitische philologen , Fr. C. 



178. Plautus. 213 

Wex und Ferd. Hitzig, nahmen sich in verschiedenen aufsätzen 
im Rh. Mus. I. IX. X. XII. der punischen partien an, ja letzte- 
rer hat , wenn wir nicht irren , die endliche redaction derselben 
für die noch immer vergeblich erwartete ausgäbe übernommen 
und vollendet. Jeder fernere beitrag zur kritischen sichtung 
dieses (wie Epidicus, Mercator und Stichus) in einer doppelten 
bearbeitung vorliegenden und daher mit unächten versen über- 
füllten Stückes wird deshalb sehr willkommen sein: war es doch 
sogar "Geppert's oberflächliche ausgäbe ,,m usum lectionum" Berl. 
1864; um so mehr aber natürlich, wenn ein solcher — und 
dieses ist mit der vorliegenden kleinen arbeit der fall — im 
ganzen das gepräge der gründlichkeit und besonnenheit an sich 
trägt, und dazu noch unter den auspicien ßitschl's entstanden 
ist. Der sospitator Plauti hat mit jener, seinen schülern gegen- 
über, so oft bekundeten und gerühmten liebenswürdigen liberalität 
und Vorsorge dem Verfasser die zur arbeit nöthigen collationen 
zur Verfügung gestellt, und seine einwirkung ist auch überall er- 
kennbar. Um die behauptung (die übrigens keineswegs neu ist, 
s. p. 10 und Most, praef. XI): „der alter exitus Poenuli sei kein 
mittelalterliches machwerk, wie die supposita in vier anderen 
komödien, sondern ein, wo nicht plautinisches , so doch classi- 
sches product, analog dem alter exitus der Andria" zu beweisen, 
geht Hasper (p. 6 — 10) zunächst davon aus, dass selbiger in 
allen ächten textesquellen enthalten sei, auch im A: und zwar 
mit seinen ersten zehn versen auf dem letzten vollständigen 
quaternio des Pönulus (nr. LXIX?), mit seinen übrigen 41 
wahrscheinlich auf einem unio (nr. LXX ?) , von dessen zweitem 
blatte in der that drei, brüchstücke der v. 49 — 51 enthaltende, 
fetzen gerettet sind. Den rest dieses blattes müssen dann der 
titel , die didascalie und die beiden argumente des Persa ausge- 
füllt haben, das verlorne erste blatt vom quat. LXXI (praef. 
Pers. init.) der prolog dieses Stückes, und wirklich sollen auch 
auf der rückseite jener drei fetzen reste des argum. non — 
aerost. Persae sichtbar sein. Diese ganze, recht probable, ver- 
muthung (die wiederum an winke ßitschl's , Most, praef. X sq., 
Pers. praef. VIII , über kleinere membranenpaare zwischen den 
vollen quaternionen, anknüpft) hätte an deutlichkeit gewonnen, 
wenn die anm. 4 auf p. 9 zum conspectus des unio gestellt wor- 
den wäre; der schluss der anm. 7 v ut fabula nova a novo exor- 



214 178. Plautus. 

diretur quaternione" passt hier wenigstens durchaus nicht — — ■ 
Es folgen p. 11 — 20 beide exitus, mit dem kritischen apparate 
versehen, und zwar „in eam integritatem restituti , qua e manibus 
sive poetae sive poetarum utrumque profectum esse existimem" (p. 10); 
daran schliessen sich bemerkungen über einzelne stellen p. 21 — 
23. Die beseitigung des hiatus in der cäsur des senars ist na- 
türlich die hauptaufgabe jener restitution : deshalb wird nicht 
blos V, 5, 48 gegen alle hdschrn. ein flickwort eingeschoben, 
sondern auch , der deutlichen sinnespause zum trotz , V. 7, 5 : 
Tetigit. nunc pirii. ünde haec pirierünt domo? Ebenso unnöthig 
ist V, 6, 30 die transposition des hunc aus v. 29, wo es noch 
dazu im A fehlt; die recitation Habeämus Mlare, huius malo it 
noströ bono, mit kleiner pause vor dem nachdrücklich hervorge- 
hobenen huius, scheint uns ohne jeden anstoss. Noch gezwun- 
gener nähme sich das p. 21 vorgeschlagene et vor huius aus; 
das im vs. 29 allerdings wünschenswerthe hunc der anderen re- 
cension kann man auf verschiedene weise halten. Dass der vf. 
p. 22 die harte, nur in anapästen zweimal vorkommende, mes- 
sung neminem nicht im senar zulassen will, muss gewiss gebilligt 
werden : nur möchten wir nicht mit ihm messen Neminem venire, 
qui, sondern mit Bothe Venire neminem, qui. Für das V, 7, 16 
eingeschobene ei te dürfte ein aiunt sich mehr empfehlen; ebd. 
30 ist noch lange nicht geheilt. Die übrigen textesänderungen 
des verf.'s sind unbedeutend (die beste wohl die ib. v. 17 Per ego 
genua tua ted obsecro), aber es ist auch nicht viel zu thun übrig, 
da besonders im zweiten exitus, wie der verf. selbst sagt p. 21, 
das meiste ohne jeden anstoss gelesen werden kann. Freilich 
enthält er auch nirgends etwas in irgend einer beziehung her- 
vorragendes und erscheint als viel zu flach und alltäglich für 
eine ableitung aus der hand des Plautus selbst. Wohl aber 
mag Hasper recht haben, wenn er im letzten abschnitte seiner 
arbeit p. 23 — 29 denselben als von einem späteren theaterdich- 
ter behufs einer erneuerten aufführung (etwa nach 600 p. u., 
vgl. Eitschl's bestimmung über den prolog der Casina) verfasst 
bezeichnet, mit welcher aufführung eben die zahlreichen spu- 
ren einer doppelten bearbeitung des ganzen Stückes in Ver- 
bindung stehen, und wodurch sowohl auf die vielbesprochene 
abweichende Quantität acheruns wie auf manches andere unplau- 
tinische das richtige licht fällt. Demjenigen, der hier weiter ar- 



179. Cicero. 215 

beiten will — und es ist noch genug zu thun übrig — seien 
die kurzen, aber sehr beachtenswerten winke, die der Ver- 
fasser p. 27 f. und in den anmerkungen giebt, empfohlen. 

Aug. 0. Fr. Lorenz. 

179. M. Tullii Ciceronis opera quae supersunt omnia edi- 
derunt J. G. Baiter, C. L. Kayser. Vol. XL Ed. stereotypa. 
Ex offic. B. Tauchnitz. 8. Lips. 1869. II u. 562 S. — 18 Gr., 
prachtausg. 1 1 /a Thlr. Auch unter dem titel : 

M. Tullii Ciceronis orationum fragmenta et orationes sup- 
positiciae. Edidit C. L. Kayser. M. Tullii Ciceronis ceterorum 
librorum fragmenta. Index nominum. Index librorum Tulliano- 
rum. Composuit J. G. Baiter. Ed. ster. Ex offic. B. Tauch- 
nitz. 8. Lips. 1869. 

Mit diesem bände ist wieder eine werthvolle ausgäbe Cice- 
ro's vollendet, des Cicero, der sich an den zeiten, welche ihn 
hochmüthig verkennen und gar schmähen , so zu rächen pflegt, 
dass er nur um so nachhaltigeren einfluss auf deren gedeihliche 
entwickelung sich zu verschaffen weiss. Zu diesem einfluss ver- 
stehen auch die fragmente der verloren gegangenen Schriften 
beizutragen und es ist daher höchst erfreulich zu sehen, wie ihre 
gestalt eine immer zuverlässigere wird. Das hauptverdienst da- 
bei gebührt Nobbe und Orelli und thut uns leid, dass Kayser's 
vorrede das nicht hervorgehoben hat : was sie begonnen , haben 
ihre nachfolger mit bestem erfolg der Vollendung näher zu brin- 
gen gestrebt. Das verdienst dieses neuesten bandes aber wird 
die vergleichung mit der letzten Orelli'schen ausgäbe am besten 
zeigen: ausser dem was Kayser's vorrede selbst andeutet, Ver- 
mehrung der bruchstücke , besserung und heilung des textes , ist 
als solches noch besonders die ausmerzung von stellen zu rech- 
nen , welche in den erhaltenen werken vorhanden sind , aber 
fälschlich den bruchstücken eingereiht waren. So hat z. b. Halm 
aus der rede pro Othone p. 946 ein fragment, Kayser p. 26 hat 
keins: richtig: denn das bei Halm sind worte aus Cic. p. Coel. 
§. 47. Und doch ist noch nicht genug aufmerksamkeit auf die- 
sen punkt verwandt : p. 35 führt Kayser eine stelle aus Quint. 
I. 0. IX, 2, 60 als aus orationes incertae an: sie ist jedoch, wie 
jetzt auch Halm in der ausgäbe des Quintilian angiebt, aus Cic- 
p. Cluent. §. 169: das verdienst, dies wie anderes der art ge- 



216 179. Cicero. 

funden zu haben, gebührt Wrampelmeyer, librorum mss. gui Cic. 
oratt. p. Sest. et p. Cael. continent , ratio qualis sit , demonstratur, 
Detmold. 1868, p. 15 sq. 

Den grössern theil der fragmente hat B a i t e r besorgt, 
darin formell von Kayser abweichend , dass er eine adnotatio 
critica nicht vorangeschickt , sondern ab und an kurze noten an 
die fragmente angeschlossen hat. Es wäre nun grössere Sorg- 
falt hier zu wünschen : den beweis dafür entnehmen wir den 
gedichten Cicero's. Diese hat von jeher die Ungunst der gegner 
Cicero's getroffen und auch jetzt noch ist man gewohnt, sie als 
schlecht, als für die entwicklung der poesie Eoms gleichgültig, 
als phrasenreich, schwerfällig u. s. w. anzusehen ; ich selbst habe 
früher dieser ansieht mich angeschlossen, s. Zeitsch. f. Alterth. 
1834, p. 161 flg.. Aber betrachtet man unbefangen Roms epische 
poesie im VII. jahrh. a. u., so ist Cicero der, welcher zuerst 
den weg des Ennius verlässt und auf den des Catull zu gelan- 
gen strebt, d. h. zur griechischen feinheit. Daher verdienten 
diese poetischen Überbleibsel eine neue, gründliche bearbeitung, 
namentlich auch die der historischen epen: hier hat Baiter nicht 
einmal die beitrage seines landsmanns Mähly benutzt: Philol. 
XXV, p. 544 flgg. : beim Limori, p. 129, schreibt Baiter vs. 3 
richtig nach Ritschi Rhein. Mus. XV, p. 628 äff er 8, citirt aber 
dazu eine gar nicht hierher gehörige schrift Ritschl's: auch auf 
Ritschi bei Reifferscheid Suet. Reliq. p. 524 war zu verweisen: 
ibid. vs. 4 ist auch schwierig und war deshalb Bergk im Philol. 
XVI, p. 633 zu beachten : und dergl. Hesse sich noch vieles 
beibringen. E. v. L. 



180. Die Gründung Roms von Dr. P. W. Forchhammer, 
Kiel, 1868. 8. — 50 S. — 12 Gr. 

Der verf. versucht in seiner bekannten weise die sage von 
der gründung Roms aus dem naturprocess der schnee- und re- 
genbildung und dessen folgen zu erklären. Neu ist dabei die 
anwendung der von ihm zunächst für die erklärung der griechi- 
schen mythologie aufgestellten grundsätze und grundbegriffe auf 
die römische sage. Und zwar überträgt der verf. ohne beden- 
ken auf den italischen Mars , was er in früheren schritten über 
den griechischen "Agtje ermittelt zu haben glaubt, er ist „der 



180. Römische geschichte. 21 7 

gott der wärme , der hitze." Die wölfin ist „Symbol der Über- 
schwemmung, der feuchten niederung" ; der beweis wird aus der 
Achill-sage und einigen entlegenen griechischen mythen geführt, 
auch aus der vergleichung von lupus mit lucus „dem feuchten 
waldgrunde" und den „verwandten Wörtern Xvm, Xv^a, \ovto, 
Xovzqov^ luo, lutum, delubrum, diluvium und dem niederdeutschen 
luk," (das ist nach Frisch „ein feuchter wässeriger ort, locus pa- 
ludosus, gui aestate prati loco est"). Vesta ist ihrer grundbedeu- 
tung nach nicht die göttin des heerdfeuers und der festen häus- 
lichkeit, sondern mit hülfe einiger stellen, die über den mit ihrem 
cult verbundenen geheimdienst reden , wird sie zur „göttin des 
durch die kälte auf den höhen des Olymp gefesselten ewigen 
und ewig ruhenden schnees" gemacht. Denselben begriff über- 
trägt dann Verfasser in die italische religion und meint nun : 
„in Italien konnte man die Vegetation zum grossen theil als 
eine metamorphose des schnees betrachten." 

Zu diesem gewünschten zweck lassen sich dann auch die 
übrigen personen und localitäten der römischen gründungssage 
leicht erklären. ' A-poXiog, der unbewegliche, ist der feste win- 
terschnee auf den bergen von Alba-Longa, Noftizcog, der durch 
die weide gehende, ist der heros der gewässer, die sich von dort 
in die ebene nach Eom ergiessen , Rhea Silvia die nymphe der 
bäche, die von Alba den Waldungen der küste zufliessen, „Romy- 
los und Remos , d. i. der kleine und der grosse fluss," bezeich- 
nen zwei bäche, Almo und Marrana, deren ersterer durch Rom, 
der andere parallel mit jenem in den Anio fliesst. Die weitere 
erklärung der sage ergiebt sich dann ohne Schwierigkeit; man 
möge sie im schriftchen selbst nachlesen. 

Etwas witz nnd combinationsgabe gehört allerdings dazu 
den geheimsinn eines mythos in der angegebenen weise zu er- 
rathen; die Operation wird aber wesentlich dadurch erleichtert, 
dass die den mythen zu gründe liegenden ideen, „die notwen- 
digen bewegungen in der natur," überall in Italien wie in Grie- 
chenland sich wesentlich auf denselben kreislauf des wassers in 
der natur reduciren. Viel gelehrsamkeit bedarf es nicht, um zu 
einem worte einige ähnlich klingende hinzuzufügen, die in den 
gegebenen gedankenkreis hineinpassen; etymologie freilich ist das 
nicht. Ein eigen thümliches zeichen ist es auch, dass alle lateini- 
schen namen sich aus dem griechischen erklären lassen, und dass 



218 181. Archaeologie. 

z. b. der alt- lateinische der Kea Silvia (von qsco und silva) mit 
derselben leichtigkeit wie der der griechischen fassung der sage 
angehörige der Ilia (von iXvg) sich in die deutung fügen. 

Und wie worte und namen nach umständen bald aus der 
einen, bald aus der andern spräche erklärt werden, so werden 
noch weit mehr die religiösen ideen gemischt und nach dem ge- 
gebenen Schema zurecht gestutzt. Dass die italische religion 
wenn auch aus gemeinsamem stamm mit der griechischen er- 
wachsen , so doch lange getrennt von ihr und selbständig sich 
entwickelt hat, scheint dem verf. nicht in den sinn gekommen 
zu sein. Es ist wirklich zu bedauern, wie wenig in dieser be- 
ziehung die umfassenden neueren Untersuchungen auf dem ge- 
biete der mythologie auf ihn eingewirkt haben. 

Hingewiesen sei noch auf die erklärung des namens der 
Porta Metronis „oder richtiger Metrovia[f], oder noch richtiger 
MqtQcoi'a 11 , der auf den cult der Magna Mater bezogen wird 
(p. 39), was einige Wahrscheinlichkeit hat ; bisher war der Ur- 
sprung des namens unerklärt. 

181. Les jeux des anciens, leur description , leur origine, 
leurs rapports avec la religion, l'histoire, les arts et les moeurs 
par L. Becq de Fouquieres. Ouvrage accompagne" de gravures 
sur bois d'apres l'antique, dessinees et gravöes par M. L e o n 1 e 
Maire. — Paris, 0. Eeinwald. 1869. 8. Vltl u. 460 S. 

Der verf. giebt in diesem werke eine ausführliche, oft nur 
weitschweifige darstellung der privatspiele des griechischen und 
römischen alterthums. Er rühmt sich besonders das spiel der tali, 
sowie das der duodecim scripta sammt dem auf dasselbe bezüglichen 
epigramme des Agathias neu erklärt und für den ludus latrunculorum 
„une restitution complete" geliefert zu haben. Wir können hier die 
einschlagenden fragen, welche zum theil ohne entdeckung neuer 
monumente schwerlich zu sicherem abschlusse gebracht werden 
können, nicht erörtern, müssen jedoch unser bedauern darüber 
ausdrücken, dass dem verf. alles unbekannt geblieben ist, was 
nach Friedrich Jacobs und „Wensdorff" (so stets !) besonders 
von deutschen gelehrten wie Grassberger , Marquardt u. a. über 
diesen gegenständ geschrieben worden ist. — Eine grosse an- 
zahl eingedruckter holzschnitte stellt antike auf spiele bezügliche 
monumente dar. Leider fehlt jedoch oft der nachweis darüber, 



181. Archaeologie. 219 

wo dieselben existiren oder publicirt sind ; und bei der auswabl 
derselben hätte mit mehr kritik verfahren werden sollen , wie 
z. b. die bereits von Marquardt für apokryph erklärte Zeich- 
nung aus Gruter p. 1049, 1 hier auf p. 364 abgedruckt und 
ohne allen vorbehält für die Untersuchung benutzt ist. — Das 
werk ist jedoch mit anerkennenswerthem fleisse und mit liebe 
zum gegenstände geschrieben und bekundet überall das bestreben, 
jedes einzelne spiel anschaulich zu reconstruiren. — Zum Schlüsse 
stehe hier beiläufig die notiz , dass sich in der Sammlung des 
hrn. Castellani zu Rom ein kleines antikes relief mit der dar- 
stellung des moraspiels befindet. Wir würden uns freuen, wenn 
das römische institut , welches bereits eine Zeichnung desselben 
besitzt, in einem der nächsten bände seiner Annali uns einen 
stich desselben brächte. — g — 

Dass der verf. x ) nur für Franzosen geschrieben, zeigt schon 
der umstand, dass die massgebenden originalstellen blos in fran- 
zösischer Übersetzung mitgetheilt und überhaupt die griechischen 
und lateinischen benennungen nur spärlich eingestreut sind : Les 
lecteurs, meint der verf. im Vorwort p. VIII, gue pourraient effrayer 
au premier abord les mots grecs et latins, dont cet ouvrage est par- 
semi, n'auront qu' ä passer du regard les parentheses gui les ren- 
ferment, sans craindre gue le ricit perde de sa clarti. Aber bei 
allem horror vor solchen vocabeln und vor gelehrtem anschein, 
so durften doch namen wie ravgivda p. 258 nicht fehlen. Lei- 
der ist kein index beigegeben, weder für die sicheren noch für 
die zweifelhaften spielnamen. 

Die eintheilung der spiele ist keine systematische ; nach 
einigen eigentlichen kinderspielen folgen in kap. V Jeux et 
exercices de force et de souplesse , in kap. VIII dagegen ist vom 
kreisel u. s. w. die rede. Einige spiele werden durch willkürliche 
ausscheidung als selbständige vorgeführt, während im gründe 
blosse modificationen gemeint sind. So figurirt p. 68 le jeu des 
juges eigens , obwohl p. 65 ducatus et imperia ludere aus Sueton 
angeführt, d. h. die ganze gattung bereits bezeichnet ist; p. 71 
le jeu de mosai'ste schlösse sich richtiger an le jeu de l'architecte an. 
Ebenso wenig recht auf specielle Unterscheidung hat p. 72 le 

1) Von einem andern mitarbeiter. 



220 181. Archaeologie. 

jeu des figures cfivoire. Ueber aTZodidgaaxCvda p. 85 hätten Roch- 
holz u. a. aufschluss geben können. Dagegen ist vieles nett ; 
merkwürdig aber, wie gelegentliche allotria nicht verschmäht 
werden, die bei der mehrzahl französischer leser ihres eindru- 
ckes sicher sind, uns anderen aber als breite und unpassende 
einschaltungen erscheinen. So wird p. 19 über Lucian's träum 
referirt, p. 48 über Nausikaa, p. 104 Cyrus; in sonderbarer, aber 
charakteristischer weise heisst es p. 33 von den statgslai : il 
nous est difficile aujourd'hui de concevoir bien nettement ce sentirnent 
d'une dilicatesse extreme, dont cependant Vaffection qyüau moyen dge 
une chatelaine portait au page qui la servait, pourrait nous donner 
une image etc. Zum hirtenrufe \\sitxa wird p. 36 eine niedliche 
salon-reiseidylle aus Sicilien mitgetheilt , vgl. p. 144 ; über les 
jeux de jeunes filles lässt sich schwerlich anders als in französi- 
scher spräche so reden, wie es der verf. gethan p. 135 sqq., 
oder vollends über den kottabos p. 233 : wie der zu behandeln, 
kann jetzt der vrf. aus Philol. XXVI, p. 201 sehen. In den jeux 
des animaux p. 135 sqq. ist manches gewaltsam herangezogen; bei 
erwähnung der amoretten auf pompejanischen wandgewälden p. 45. 
301 sqq. ist keine rede von der deutung dieser figuren durch 
0. Jahn u. a. Bisweilen wird aus notizen einer späteren periode 
etwas übereilt auf weit ältere bestände geschlossen, wie p. 267 f. ; 
auch hätte die etymologie der spielnamen hie und da besser be- 
rücksichtigt werden sollen, z. b. p. 218 war einfach "kaiayuv mit 
nXatayslv zusammenzustellen; p. 151 dürfte in der abbildung 
des hahnenkampfes nach Gori die figur zur rechten eher als 
herme denn als Priap zu deuten sein. Bei der schaukel p. 57 
ist die deutung einer figur auf Bellerophon, wie er nach einer 
darstellung bei Eubulos in die höhe gezogen worden sein soll, 
schon deshalb falsch , weil die figur auf der medaille deutlich 
ein weib vorstellt. Bei der darstellung des fackellaufes p. 246 
spricht der verf. gründlich von der allein richtigen auffassung 
desselben: vgl. Wachsnmth hell, alterthumskunde II, p. 565. 

Das eigenste verdienst des verf. liegt jedoch in seiner ge- 
nauen und mit Scharfsinn durchgeführten beschreibung der jeux 
de hasard et de combinaison. In fällen, wo dies weder Hyde noch 
Christie noch anderen gelungen war, wird, unter vergleichung 
der heutigen stein- und brettspiele, manches dunkle und com- 
plicirte spiel mit erfolg dargestellt; vgl. besonders p. 422 sqq. le jeu 



182. Mittelalter. 221 

des latroncules, dann die gründlichen abschnitte über das balispiel. 
Leider sind die so seltenen griechischen Wörter und namen nicht 
immer correct gedruckt, man liest wiederholt Amarillys u. s. w., 
im übrigen ist die ausstattung sehr gefällig. yg. 



182. F. C. Dahlmann's Quellenkunde der deutschen 
Geschichte. 3. Auflage. Quellen und Bi arbeitungen der deut- 
scheu Geschichte neu zusammengestellt von G. Waitz. 8. 
Göttingen. 1869. XVIII und 224 S. — 1 Thlr. 6 Gr. 

Wem die anzeige dieses buches an dieser stelle auffallen 
sollte, der bedenke, wie die jetzt so emsig betriebenen Unter- 
suchungen über die Schicksale der handschriften der classiker 
den philologen gar oft zum Studium von bis dahin ihm fern 
gelegenen mittelalterlichen zeiten veranlassen, wie ferner reges 
interesse für erkenntniss der Wirksamkeit und geltung der lite- 
ratur der beiden altclassischen Völker nach dem Untergang der- 
selben bei uns in stetem wachsen begriffen ist, s. ob. p. 23, 
nr. 130, wie auch der erwachte oder doch erwachende nationale 
sinn dazu treibt , da das deutsche v o 1 k , ist es auch zuweilen 
verleitet, keiner epoche seiner vorzeit sich zu schämen braucht. 
Daher ist auch uns die neue aufläge von Dahlmann's buch als 
eines zuverlässigen führers sehr willkommen , zumal ihre besor- 
gung kaum bessern händen hätte anvertraut werden können : 
man sieht überall, wie der neue herausgeber sein gebiet voll- 
kommen beherrscht. Wüuschenswerth wäre , namentlich für be- 
nutzer die nicht fachgenossen sind , angäbe des preises der 
werke , bei älteren büchern die des auctionspreises : dann hie 
und da, obgleich in diesem punkte allen zu genügen unmöglich 
ist, noch etwas mehr angaben und urtheile. Um einzelnes anzu- 
führen, meines, erachtens wäre n. 837 vor Tacitus noch Aufi- 
dius Bassus und Plinius der ältere zu erwähnen gewesen; ohne 
frage aber ist ebendas. Florus vor Cassius Dio zu stellen ; 
n. 838 „die Geographen" fehlen ausser anderen Agrippa und 
Aethicus (s. Momms. ad Mon. Ancyr. p. 70), die um so weniger 
fehlen durften, je unbekannter in weitern kreisen sie sind; n. 840 
ist für das Monumentum Ancyranum keine ausgäbe verzeichnet : 
Dahlmann konnte so verfahren, jetzt aber musste die Th. Momm- 
sen's erwähnt werden als die allein vollständige; n. 843 werden 



222 182. 183. Mittelalter. 

für Oäsars kriege Göler und Louis Napoleon aufgeführt; aber 
daneben gebot die rücksiebt auf deutsche Wissenschaft He 11 er' s 
anerkannt vortreffliche Jahresberichte zu nennen, da sie auf Na- 
poleons darstellung den bei weitem grössten einfluss gehabt ha- 
ben , s. Philol. XXVI, p. 652: mein name ist ja beim citiren 
des Philologus nicht nöthig. Dagegen musste n. 913 Curtze's 
buch wegbleiben, s. ob. p. 147; eben so n. 958 Muratori's aus- 
gäbe der Historia miscella, s. ob. p. 152; auch bei Pytheas n. 807 
fällt Redslob's Thule auf; ist es auch nicht ein ,, völlig unbrauchba- 
res buch" wie Bessel sagt , so verdiente doch Fuhr , auch Dahl- 
mann, Gesch. Dännem. I, p. 3 flgg., eher der erwähnung, beson- 
ders aber Ziegler die Reise des Pytheas nach Thule, 1861, weil 
er Bessel's Übertreibungen zurückweist und p. 4. 20 vollständiger 
quellen und literatur angiebt ; Foss in der Zeitschr. f. allg. Erd- 
kunde bd. X, p. 476 ist mir übrigens bekannt. Um aber nicht 
bloss von philologischem zu reden: p. 5 ist mir aufgefallen die 
Berliner blätter für münz- siegel- und Wappenkunde nicht er- 
wähnt zu sehen ; passend wäre meines bedünkens vor n. 724 die 
auführung von K. v. Leutsch blick auf Hannover, aufl. 2 gewesen, 
weil da p III flgg. so viel ich weiss der erste nennenswerthe ver^ 
such für eine gaugeographie gemacht worden: grade für jüngere 
ist wünschenswerth, der ersten wichtigen versuchein schwierigen 
dingen zu erwähnen, damit sie einsehen, wie gut ding gute 
weile hat und sie auch so bescheidenheit lernen. Doch ich 
bin auf ein mir fremdes feld gerathen; ich hoffe, das gesagte 
wird genügen , um die aufmerksamkeit auch der leser dieser 
blätter auf dieses buch zu lenken. E. v. L. 

183. Germanische Göttersage von Ernst Bratuscheck. 
Berlin. 8. Otto Löwenstein 1869. VHI u. 300 S. — 1 Thlr. 

Ein ganz verfehltes werk, das weder den fachgelehrten 
noch dem grössern publikum nützen kann, weil der verf. die 
nordischen und deutschen mythen und heldensagen willkürlich 
in einen gewissen romanhaften Zusammenhang gebracht , phan- 
tastisch ausgeschmückt und durch hinzugethane eigene erfindun- 
gen entstellt hat, so dass seine darstellung nur zum theil den 
quellen gemäss ist. W. M. 



184 — 192. Neue auflagen und Schulbücher. — Theses. 223 

NEUE AUFLAGEN: 184. A. Conze, beitrage zur gescbichte der griechischen 
plastik. 2. aufl. 4. Halle: 3 thlr. : diese neue aufläge enthält nach vorr. p. VI nur 
geringe Zusätze und änderungen. — 185. Taciti Germania. Ex Hauptii receusione 
recognovit Fr. Kritzius. Ed. III a. Berol. : 20 gr. — 186. Epislolae obscuro- 
rum virorum. Dialogus ex obscurorum virorum salibus cribalus. Adversariorum 
scripta. Defeusio Joannis Pepericorni contra famosas et criminales obscurorum 
virorum epistolas. Orluini Grata lamentationes obscurorum virorum. Uno volumina 
comprehensa. 8 min. Lips. Teubner: 1 thlr. 10 gr. : netter, correcter von E. Bö- 
cking besorgter und mit kurzen nachweisungen über frühere drucke versehener ab- 
druck, mit inhaltsnachweis am ende versehen. [Da spass sein muss, empfehlen wir 
das buch allen lustigen leuten sowie den tiefernsten geheimräthen, schulräthen und 

derartigen viri illustres]. 

• . • ■ 

NEUE SCHULBÜCHER: 187. Der kleine Livins. Für mittlere Gymnasialclas- 
sen. Bearbeitet von Dir. 31. Rothert. 2. aufl. 8. Braunschw. : 8 gr. — 188. 
S. Viehoff, lateinisches elementarbuch für die untern classen der Real- und hö- 
hern Bürgerschulen. 8. Braunschw. 2. aufl.: 8 gr. — 189. G. W. Gossrau, 
lateinische Sprachlehre. 8. Quedlinb. : 1 thlr. 15 gr. — 190. M. Seyffert, 
Übungsbuch zum übersetzen aus dem deutschen ins lateinische für Secunda. 9. aufl. 
8. Leipzig: 1 thlr. — 191. Fr. Kurts, allgemeine mythologie. Mit 97 holz- 
schnitten. 8. Lpzg. : 2 thlr. 16 gr. : die ausstattung, namentlich auch die holz- 
schnitte, vortrefflich: aber der text ist für die Wissenschaft werthlos. — 192. L. Stacke, 
erzählungen aus der alten geschichte in biographischer form. 2. thl. Bömische ge- 
schienten. 7. aufl. 8 min. Oldenburg: 10 gr. : wir werden uns über die an solche 
bücher zu stellenden anforderungen nächstens in einer anzeige aussprechen. 

THESES: quas in acad. Iul.-Max. Wirceb. ... ad veniam legendi im- 
petrandam . . . defendet A. Eussner d. X. m. Nov. 1868: Iliadis r primi 
versus ab eodem poeta, qui de Achivis in aciem prodeuntibus B exposuit , profecti 
sunt. — II. r quae de foedere feriundo narrantur, inter se repugnant. — Errant, 
qui Antig. vv. 905 — 913 ad Sophoclem referunt. — SallustiuS' in orationibus alio 
atque in rerum narratione dicendi genere usus est. — Sali. lug. 3, 2 : „regere 
patriam ut parentes" legendum censeo. — Sali. or. Phil. 13: „disi forte pudet 
aut piget recte facere" ante „quid expeetatis" transpono. — Earurn, quae vulgo 
epistulae ad Caesarem de re publica inscribuntur, altera oratio altera epistula est. 
— Suas. ad Caes. 11 7, 6 : „ubi gloria honore magis in dies virtutem opulentia 
vincit" exhibendum puto. — Curt. III 3, 4: „perduetum ad se vidisset" scriben- 
bum dueo. — Curt. III 13, 1 : ante „conperisset" excidisse conicio „opperiri se." 

. . a quas in ac. Fridericia Guilelmia Rheuana ... d. VII m. Aug. defendet 
H. Dettmer : Hymn. hom. in Cerer. v. 64 propono ut sie legatur. 'HbW atöto- 
aat fxtjTQÖg fS vniQ tl nort xrk. — Xen. HG. 1, 1, 6 vocula ov post &ä- 
XctTtav (AfXQ 1, inserenda est. — Cic. Parad. prooem. 2 sie scribendum est : mi- 
nutis interrogatiuneulis quasi p und 'im quod projjosuit efficit. — (Ar.) 
Mir. ausc. 41 ex Theophr. de Lapid. 24 sie corrigendum est: ifaci tov iu em 
OqÜx?] Xi&ov . . anivov . . GwiiftevTct nyog tavrbv rijanty xr t v Ofxaqihiv 
ovnag y.ccxtlvop tlg ykiov T&ftivT« . . xaitofrai. — Glossam Hesych. "Hqciu>v 
1 Hqux\tj, quam M. Schmidt mutavit in "Hqwcc tov 'ilQay.Xr; ita retiueo, ut vocem 
Hqcuov afiam formam antiqniorem nominis 'Hoa/.Xris habeam. — Alexander Epi- 
rota, qui Livio auetore VIII, 3, 24 ab anno 341 — 327 in Italia degisse putatur, 
ibi tres tantum annos commoratus est ab anno 333—331. Livii error ex Olym- 
piadum permutatione repetendus est ; Öl. CXI, 4 (333) mutabatur cum Ol. CIX, 4 
(341) ut Ol. CXII, 2 (331) cum Ol. CXIII, 2 (327). 

. . quas . . in ac. Georgia Augusta . . d. XIV m. Aug. defendet Hob. Has- 
senlzamp .- Plinius in Nat. hist. libr. XXXVI , ubieunque cum Dioscoride consentit, 
ex Licinio Muciano hausisse videtur. — In indice Pliniano libri XXXVI. est pro 



224 Auszüge aus Zeitschriften. 

nomine ,,Cincius" scribendum ,,Licinius." — Apud eundera scriptorem 
(Nat. Hist. XXXVI, §. 128) sunt voces codicis Bambergensis ,,a boebone Jola- 
num" commutandae in ,,ab Euboea Jolcum." — In Ciceronis oratione 
pro Sestio c. 64. §. 133 lectio codicis Parisini ita emendanda est, ut scribamus 
. . vivit tamquam scriptorem esse diceret. ' ' — Titulus Muratorlanus e 
Malvasiae schedis descriptus (Mur. 868, 5) ex duabus inscriptionibus est compo- 
silus. 



BIBLIOGRAPHIE. Cataloge von buchhandlungen : schulkatalog der Verlags- 
buchhandlung B. G. Teubner in Leipzig: enthält eine Zusammenstellung der aus- 
gaben griechischer und lateinischer classiker, so wie der lehr- und hülfsbücher für 
den Unterricht, welche an Gymnasien u. s. w. gebraucht werden. 

Antiquarischer anzeiger der Weiler* sehen buchhandlung in Bautzen, Nr. 5, 
classische philologie , neuere sprachen u. s. w. betreffend : preise im ganzen billig. 

Bücher - Auction in Wien am 25. October bei Aug. Brandet, betreffend 
die büchersammlung des Ritter v. Schwarz. 

AUSZÜGE aus Zeitschriften: Archaeologische zeitung. Neue folge. Zweiter 
bd., hft. 1: O. Jahn, Achilleus und Polyxena , p. 1. — H. Heydemann, das 
opfer der Iphigenia, p. 7. — E. Curtius , zum verständniss des sogenannten 
harpyiendenkmals und andrer denkmäler verwandten Inhalts, p. 10. — H. Brunn, 
der kniende jüngling aus der gallerie Giustiniani. An Herrn Prof. E. Curtius. Er- 
wiederung von E. Curtius, p. 19. — H. Heydemann, Eros und Psyche, 
p. 19. — — Miscellen und Berichte. Sitzungsberichte der archäologischen 
gesellschaft zu Berlin. Beilagen zu derselben, p. 23-30: 1) die Nurhagen der 
insel Sardinien, von v. Cohausen; 2) mittheilungen über dieselben von Herrn 
von Kor ff ; 3) ausgrabungen zu Osterburken von Fiedler und Th. Mommsen, 
4) römische inschrift von Darmstadt von K. Klein und E. H- sie lautet: 

. . em ....... e hie interfecere latrones, 

quem genuit Teano Sidicino ex Campania. 

Altera contexit tellus, dedit altera nasci. 

Perigenes habet titulum, Secundus officium. 

5. P. Clod(ius) Secundus fralri pientissimo 

O. Jahn, Apollo Aigiochös, p. 31. — A. Klügmann, Dionysossarkophag in 
Cortona: zur polykletischen Hera, p. 31. — R. Hercher , die neuen archäologi- 
schen erwerbungen des brittischen Museums, p. 33. — H. Heydemann, antiken 
aus Neapel: Herakles schlangen würgend , antiken in Palermo, p. 34 — Nebst 
drei tafeln abbildungen. 

Zarncke, literarisches centralblatt , nr. 20: E. Rückert, die pfahlbauten 
und Völkerschichten Osteuropa's , besonders der Donaufürstenthümer. 8. Würzb. : 
anz. von Br. , der die schrift nicht glaubt empfehlen zu dürfen. — Aeschyli 
Agamemnonem recensuit, notas adjeeit C.W ey rauch. 8. Vratisl. 1868: 
rec. von J. K., der alle conjeeturen und eignen erläuterungen des vrfs. verwirft, 
überhaupt nichts zu loben findet. — Nr. 21: Untersuchungen zur römischen kai- 
sergeschichte, herausg. von M. Büdinger. Bd. I. IL Lpzg. 8. 1868: kurze an- 
zeige der abhandlungen von Dierauer über Traian, J. Zürcher über Commodus, 
Egli über die feldzüge in Armenien von 41—63 p. Ch., die einen beilrag zur 
kritik des Tacitus bilden. Dies der erste band; der zweite umfasst die abhand- 
lungen von J. Brunner über Vopiscus , O. Huntziger über Diocletian und die 
Christen, X. Bessart und J. Müller über Antoninus Pius. — 'AQt,CTO(füvove 
'Innres . . . von W. Ribbeck. 8. Berlin. 1867: rec. von Bu, der viele ausstel- 
lungen im einzelnen macht, über den werth der schwachen arbeit im ganzen aber 
schweigt. — 



Nr. 9. 10. September. Oetober 1869, 

Philologischer Anzeiger. 

Als beiblatt zum Philologus herausgegeben 



Ernst von Leutsch. 



193. Diem sacrum ab S. Ludovici nomine nuncupatum in ho- 
norem . . Ludovici III . . civibus acadeiniae Ludovicianae . . cele- 
brandum Rector cum Senatu indicit. (Inest codicis scholiorum 
Sophocleorum Lobkowiciani collationis a Ludovico Langio 
confectae specimen quartum.) 4. Gissae. 1869. — 16 S. 

Es ist die Fortsetzung des oben p.8 angezeigten programms 
und enthält die abweichungen des Lobkowicianus von Elmsley's 
Laurentianus für Soph. Oed. Col. 158—934, welche eine er- 
wünschte ergänzung zu W. Dindorf's zweitem bände der Schol. 
in Soph. trag, septem bilden, ausserdem auch, da die collation 
sehr genau ist und auch das kleinste berücksichtigt, solchen von 
nutzen sein werden, die keine gelegenheit gehabt derartige hand- 
schriften zu untersuchen. Sonst aber ist der gewinn nicht gross: 
477, 2 wird richtig ix^vcsig statt sxövaeig geschrieben, 647, 2 
evotjfxa Xsyoig , 701, 6 evioi de xXadov iXaiag iv ry 'sixuörifuta 
uno Ttjg sv axQonöXu cpvrsv&tjvai cpaöi'v , und dergl. mehr. Ein- 
mal geht der Verfasser auch auf eine stelle des dichters selbst 
ein p. 9 und schlägt vor den vs. 443. 44 so zu lesen: aXXä 
nov OfltKQOv Xöyov &vyug acpiv s|<x> 7izco%6g 7]Xc6fji)]v %aQii> , aber 
nov bringt doch ein dem character des Oedipus fremdes schwan- 
ken in die rede: also anderes ist zu suchen. E. v. L. 

194. Die her aklitischen Briefe. Ein Beitrag zur philo- 
sophischen und religionsgeschichtlichen Litteratur von JacobBer- 
nays. Berlin, 1869. 159 S. 8. — 1 f§ 15 pi. 

Wer nähme nicht ein neues buch von Jacob Bernays mit 
lebhafter erwartung zur hand ? Und so zeichnet sich auch das 

15 



226 194. Heraclit. 

vorliegende durch neuheit des inhalts , Scharfsinn , umfassende 
belesenheit auch in entlegenen gebieten der literatur, bestechende 
methode der darstellung und beweisführung aus. Seit 1848 hat 
der Verfasser durch eine reihe von abhandlungen die lehren des 
Herakleitos von Ephesos zu erläutern und neue quellen für 
ihre eingehendere kenntuiss aufzufinden gestrebt. Möglicher 
weise konnten nun auch die neun briefe , welche unter Hera- 
kleitos namen erhalten sind, einzelnes enthalten, das zur auf- 
hellung des lebens oder der lehre desselben zu dienen geeignet 
wäre. Denn so sicher sie mit all den andern in so grosser zahl 
überlieferten briefen bedeutender Griechen nur erdichtungen spä- 
terer zeit sind , so ist es doch wahrscheinlicher , dass die Urhe- 
ber derselben für den inhalt sich aus quellen , die ihnen leicht 
zugänglich waren, einigermassen unterrichteten, als dass sie in 
müssigem spiele ihrer phantasie alles erfanden. Wie viel also 
in diesen briefen, deren acht 1499 Aldus herausgab, während 
den neunten erst Boissonade 1828 in seinem Eunapius drucken 
liess, auf alte Überlieferung zurückgehe, bemüht sich Bernays 
in der vorliegenden schrift zu ermitteln. 

Er kommt dabei zu der annähme, dass nicht alle neun das 
werk eines Verfassers sind, sondern 1 und 2 von einem, 3 von 
einem zweiten, 4 — 6 von einem dritten, 7 — 9 von einem vier- 
ten, fünften und sechsten herrühren, dass der bibelgläubige Ver- 
fasser des 7. zwei stellen auch in den vierten eingefügt habe, 
dass das erste Jahrhundert n. Chr. als entstehungszeit des 1. 2. 
4., also auch des 5. und 6. angenommen werden müsse und 
wahrscheinlich auch für die übrigen gelten könne, dass endlich 
der 7. und die zusätze des 4. einen Juden oder Christen zu Ephe- 
sos zum Verfasser zu haben scheinen (vgl. p. 110 ff.). Aehnlich, 
wie in dem buche über Theophrastos von der frömmigkeit hat 
Bernays auch hier eine Übersetzung der briefe in seine Unter- 
suchungen eingeschaltet und darunter den text gegeben. Acht- 
zehn längere anmerkungen bilden den schluss des buches, die 
theils die im text der briefe geübte kritik rechtfertigen , theils 
einzelne punkte, die in der Untersuchung beiläufig vorkommen, 
ausführlicher erörtern: so 4. Sprichwörter bei Heraklit p. 124 ff., 
6. Heraklits worte über Hermodoros Verbannung p. 129 ff., 
8. Heraklits worte über die mysterien und den Dionysoscult 
p. 133 ff., 9. die gottgleichheit des stoischen weisen p. 135 f., 



194. Heraclit. 227 

11. Heraklit über Hesiodos und die ärzte p. 138 ff., 13. Hera- 
klitisches in den hippokratischen Schriften p. 145 ff. 

Erklärung und kritik der briefe, für deren text die ausgäbe 
von Westermann (Lipsiae 1857) zum gründe liegt, hat wesent- 
lich gewonnen und als vorzügliche Verbesserungen möchten beson- 
ders brief 4 TtsnrjOcofÄEvoi, inävvpov, 6 dymr, ildevai, rjXwg, br. 7 
xui oöe dpeivcoi', dia^v&rjvai , adkniy^i, br. 8 ayäg , br. 9 ans- 
Xev&sooig, noXifiovg zu betrachten sein, die alle für den sinn 
entscheidende bedeutung haben. Dagegen hat das streben nir- 
gend rathlos zu erscheinen auch zu manchen gewaltsamen oder 
dem sinn nicht entsprechenden anderungen geführt. So ist br. 2 
zwar richtig 8o$oxonCtj bei Diogenes 9, 14 verworfen, aber au9 
Öofyi züjt (oder zetj) der briefhss. ist wol nicht 86<-rj xevij , son- 
dern öd£g rfXsri zu machen. Am schluss des 1. briefes ha- 
ben die hss. ßios svdoxifiog aaig Ttagaivtasaiv : Bernays liest 
ev8oxov(A£pog und übersetzt: eine deinen ermahnungen 
entgegenkommende lebensweise, aber eidoxeiG&ai zivl 
wird sonst nur von personen gesagt und Westermanns Evdcat- 
pog ist für den sinn gut, und die änderung ebenso leicht. Bei 
der besprechung dieser beiden briefe nennt Bernays p. 14 den vater 
des Heraklit BXvacov und will auch bei Clemens so geschrieben 
wissen: er hiess aber BXoaav , vgl. Nauck Phüol. 2, 147. 160. — 
P. 16 werden die worte des Diog. 9, 15 •/.aza.cpoovovixzvöv je 
vno zäv 'EqjEoicop sXia&ai fiuXXov zd olxeta so erklärt: in der 
heimat.zu leben vorgezogen habe, obwohl dieEphe- 
ßier ihn geringschätzig behandelten, während sXta&a% 
zd outia nur auf das zurückziehn von der theilnahme am staats- 
ieben geht , das auch in den briefen mehrmals erwähnt ist. — 
Mit welchem unrecht p. 128 im 3. brief ixelvov tvvoicx, aus 
wohlwollen für ihn inkorrekt genannt wird, zeigen Thuk. 3, 
37. Piaton. Ep. 7 p. 336 C. — Br. 4 schreibt Bernays p'cojucö 
co iqtaztjxa, während die hss. ov icpf'aztjaa haben. Aber an einem 
schon bestehenden altar konnte Herakleitos doch nur den na- 
men des gottes einschreiben, dem derselbe längst geweiht war; 
statt dessen seinen eigenen zu setzen wäre ein vergehn, dessen 
grosse und eigenthümlichkeit nicht übergangen sein könnte. 
Dass ov E^taz^aa das richtige sei, zeigen z. 46 f. und 5, z. 18 f. — 
Br. 5, 2 ist aozs in wg ts geändert, aber es muss wol heissen cos 
zur. — Z. 18 ist uXXcp für dXXcov wahrscheinlich. — Am ende 

15* 



228 194. Heraclit. 

ist xazsaocpt&zo für icocpi&zo geschrieben , „um den gedanken 
zu verdeutlichen" (p. 144), und übersetzt: wenn nicht die 
leiden schaften mit ihrer klügelei über die im leben 
selbst liegende strafe täuschten. Allenfalls möglich ist 
dieser gedanke, aber ein ebenso richtiger liegt in der lesart der 
hss.: wenn nicht die menschlichen 1 eidenschaf ten 
mit ihrer klügelei (die menschen im leben festhielten und 
so) die im leben liegende strafe zu stände brächten. 
Diese stelle zeigt zugleich wie der vf. mit seiner Übersetzung 
mehr Verdeutlichung des gedankens , als wiedergäbe der worte er- 
strebte. — Br. 6 z. 60 (p. 53 vgl. p. 144) wird das handschriftliche 
xazsiQysi zot Irjcfi&ivza in xazsCgysi zd 8ialfjq>&ivza geändert 
(was sich zertheilt, hält er fest), aber die folgenden worte 
diooxei zd cpsvyovra zeigen , da hier überall paare von gegen- 
sätzen sind, dass eher xazsaeiysi zd Xeiqi&svza zu schreiben ist. — 
Br. 7 z. 11 ist oo(77£ richtig gegen Westermann's ag ys wieder her- 
gestellt, aber es muss heissen maz ifis. — Z. 29 übersetzt 
Bernays oix, dXXd 'HgdxXsizog vfxdg tvoXiv: aber wohl kann 
Heraklit euch zu einer wahren Stadt machen; es 
ist aber aus dem vorigen dya&ov noisl zu wiederholen und 
i[xdg xal noliv zu schreiben, wie das folgende zeigt: üg ö'txiv 
ovx dgxm nöXiv xo\d£eip. Auch im folgenden z. 38 f. 45.46.65. 
78. 86 erregen gewaltsamkeit der änderung und beschaffenheit 
des gewonnenen sinnes grosse bedenken. So kann z. 46 $ zovg 
im cxTjvalg dyojvo&szovfig'vovg örjfjiovg zd (xsydla Sixaia unmög- 
lich heissen: oder die versammelten stadtgemeinden, 
denen von den kämpf richtern die wahrlich sehr 
wichtigen rechts entscheidungen in sachen der 
Schaubühne verkündet werden (vgl. p. 147). Vielleicht 
schrieb der Verfasser des briefes: q zoiig in} axtjvTjg dyai>ag rj 
notovfxevovg zovg dtjftovg zd fj.sydXa dixuia. 

Was entstehung und inhalt der briefe betrifft , so hat 
Bernays scharfsinnig nachgewiesen , dass den Verfassern aller- 
lei nachrichten über Herakleitos aus guter quelle zu geböte 
standen und manche Äusserungen auf eigene kenntniss der he- 
raklitischen schritt deuten. Das bat nichts auffallendes, da die 
anführung der beiden ersten briefe bei Diogenes , der sie ohne 
zweifei aus Diokles entnahm, sie als schon im ersten Jahrhundert 
nach Christus vorhanden erweist und die abweichungen in der 



194. Heraclit. 229 

fassung des Diogenes und der handschriften der briefe zu zei- 
gen scheinen, dass wenigstens diese zwei damals schon län- 
gere zeit vorhanden und durch viele hande gegangen waren. 
Auch die p. 26 vom vf. fein benutzten 500 jähre weisen doch 
nicht nothwendig auf das erste Jahrhundert, sondern wenn wir 
als die zeit, in welche sich die Verfasser der briefe den verkehr 
des Heraklit mit Dareios und sein zerwürfniss mit den Ephesiern 
gesetzt zu haben scheinen, den anfang des ö.jahrh. v.Chr. doch 
wohl mit recht annehmen, so kann eine runde zahl wie 500 
leicht auf die zeit um Chr. geburt oder eine noch etwas frühere 
deuten. Dass in dieser zeit, namentlich in der stoischen schule, 
das andenken an Heraklit sehr gefeiert war, hat Bernays selbst 
mehrfach nachgewiesen. Daher kommt mir denn als wahrschein- 
lich vor, dass etwa gegen Christi geburt hin die ausserordent- 
lich verbreitete und Jahrhunderte hindurch anhaltende neigung 
briefe zu erfinden sich auch Heraklits erinnerte. Von einem 
Verfasser, aus einer zeit rühren sie nicht her, obgleich die nach- 
ahmung der abgerissenen kürze und ungewöhnlichkeit herakleiti- 
scher spräche den erhaltenen allen eine gewisse familienähnlich- 
keit giebt. Die so erfundenen galten für echt und erlitten bei 
vielfachem gebrauch mancherlei Umgestaltung, wurden wohl auch 
später, weil sie als echt ansehn genossen, um andere vermehrt. 
Dem trefflich hat vf. erkannt , dass bibelkunde und bekämpfung 
heidnischer gottesverehrung mehreren stellen der briefe 4 und 7 
zum gründe liegen. Bedeutend sind sie alle zusammen nicht und 
sogar die begreifliche sachwalterische Vorliebe, die Bernays für sie 
hat, kann, obgleich sie manchmal selbst etwas des guten zu viel 
thut, nicht umhin einzugestehn, dass mehrere ziemlich leer, 
selbst abgeschmackt sind , und dass ein wirklicher Zuwachs an 
kenntniss des lebens und der lehre des Herakleitos daraus nicht 
zu gewinnen ist. H. S. 



195. Paulus Devssen Dr. ph. , Commentatio de Piatonis 
Sophistae compositione ac doctrina. 8. Bonn. 1869. — 12 gr. 

Auf grundlage der Bonitz'schen analyse, zugleich aber mit 
umsichtiger benutzung der sonstigen neueren Untersuchungen 
strebt der Verfasser ein selbständiges urtheil über die aufgäbe 
des Sophistes zu gewinnen, den er als acht in schütz nimmt. Zwar 



230 195. Plato. 

was er als grün dge danken hinstellt , Parmenidis doctrinam rede 
consideratam ad Piatonis ideas se expandere, haben auch andere, wie 
Ast und Susemihl , schon ähnlieh ausgesprochen. Aber eigen- 
thümlich ist ihm die entwicklung dieser ansieht p. 66. Ein unbe- 
streitbares verdienst der schrift liegt in der schärfe, mit der sie 
die hauptschwierigkeiten des dialogs hervorhebt. In seinen ver- 
suchen zur lösung derselben können wir jedoch Devssen nicht 
überall beistimmen. Das wesentliche des inhalts sieht er durchaus 
in dem mittleren ontologischen abschnitte. Hier unterscheidet er 
ganz richtig p. 28 und 50 zwischen to ov , das einzelne wirk- 
liche, und ib ov, die idee des wirklichen (bei ihm „to ehcci' 1 ), 
auch zeigt er, dass Plato's (xrj ov nicht essentiam tollit sed certam 
quandam essentiam. Aber damit ist doch das „logische nichtsein" 
noch nicht gewonnen, also Schaarschmidt's (und Bonitz') ein- 
wand nicht beseitigt, was, wie wir hier nur andeuten können, 
kaum anders als mit hülfe der Unterscheidung von Eixaazixi] und 
(puvTaöTix?} möglich sein wird: s. Philol. XXIX, p. 179. — Auf 
die wichtige lehre dieses dialogs , dass dem nuvts'kwQ ov , d. h. 
den ideen, wie leben und seele, so bewegung innewohne, geht verf. 
ausführlich ein, p. 49 sqq. Er erklärt diese bewegung für die 
aeterna relatio, qua alia idea alius est partieeps. Eigentliche be- 
wegung sei nur in den gedanken des menschen, während die 
ideen nur eine imago motionis hätten. Desshalb könne denselben 
auch zugleich atdaig zugeschrieben werden und gerade dies, be- 
wegt zu sein und nicht bewegt zu sein, solle ihre natura dissi- 
dens veranschaulichen, nach der sie einander ausschliessen und ein- 
schliessen, p. 60. Diese darstellung ist nicht ganz korrekt. Devssen 
stellt die bewegung des denkens und die relatio der ideen nur 
in parallele, aber Plato sagt positiv, dass die ideen dadurch, dass 
sie gedacht werden, in bewegung kommen. Sie haben ein xot- 
vcavth untereinander und so auch mit dem löyog. Koivojveiv aber 
ist nach 248b nd&ijfiu r\ nolijua in dvvdpeoji; tivog anb täv ngog 
äXXqka lEpviQvztß* yiyvöfievov. Die art der bewegung würde wohl 
am richtigsten nach dem bilde gedacht werden, das Plato von 
der bewegung des vovg entwirft, Tim. 34a. 89a. Legg. 898a, dass 
sie stetig um einen punkt stattfinde, xard zavzd dogavrwg xal 
tzsqI t« avTa. Der löyog aber ist der ideale (260 a), oder die 
diäioia y von welcher im mythos des Phaedrus p. 247 c. d dit 
rede ist, s. Tim. 47 b. c. Auch die aporie hinsichtlich des ver- 



195. Plato. 231 

hältnisses von aiüaig und xCvrjatg zu ev wird, glauben wir, etwas 
anders gefasst werden müssen, genaueres s. Philol. XXIX, 3. — So 
sehr wir Devssen im ganzen seiner aufPassung des mittlem thei- 
les beipflichten, so wenig billigen wir sein urtheil über die bei- 
den andern abschnitte des dialogs. Er hält die ganze reihe 
der versuche den begriff des Sophisten zu finden, die Plato doch 
in so bewusster weise einleitet, für nicht ernst gemeint. Nicht 
einmal ein secundarium "propositum Plato's sei es jenen begriff 
aufzufinden (p. 23). Und hinsichtlich der diäresen kommt er 
zu dem ergebnisse, dass jene ganze methodik, dass alle diäresen 
nur scherzhafte zuthat seien, auch die letzte, welche Bonitz, 
der die früheren als vergebliche versuche auffasste , für die 
ernstliche lösung genommen hatte. Devssen erklärt die schluss- 
definition für ein monstrum und die sämmtlichen diäresen für 
ni^ht würdig der celebrata dialectica Piatonis (p. 23). Viel- 
mehr gehe Plato's absieht dahin, die falsche methode, welche 
von „spätem Eleaten" erfunden und geübt worden sei , lächer- 
lich zu machen (p. 69 sq.). Wir halten diese vermuthung, zu 
der nicht der geringste historische anhält vorliegt, für nicht 
glücklich. Eine methode , die mit so viel Überlegung und 
achtsamkeit in zwei dialogen (denn der Politicus muss noth- 
wendig mit in betracht gezogen werden) vom autor schritt für 
schritt dem leser aufgewiesen und erläutert wird, sollte blosser 
scherz und spott sein? Der Eleate, der im mittlem theile die 
grundlehren seiner schule zur platonischen lehre umbildet, also 
an Plato's stelle steht, sollte sich im ersten und letzten theile 
des dialogs selbst dem spotte preisgeben? Und; um von den 
angeblichen vielen fehlem in der anwendung derselben noch zu 
schweigen, ist die erfindung dieser diäretischen methode wirklich 
etwas so geringes , dass sie ebenso gut unbekannten anhängem 
des Zeno als einem Plato zugeschrieben werden darf, oder scheint 
sie nicht nur leicht und natürlich, wie jede erfindung, nachdem 
sie gemacht ist ? Endlich aber — und das ist die hauptsache — 
diese methode ruht eben nicht auf eleatischen , sondern auf so- 
matischen prineipien, das objeet der theilung und gliederung 
sind begriffe , ideen ; und es ist nicht blosse schriftstellerlaune 
von Plato , dass er gerade im Sophistes die lange wichtige epi- 
sode über das ov und (irj ov und die noivcovia zäp sldäy ein- 
schiebt , sondern diese Weiterbildung der ideenlehre bietet , wie 



232 195. Plato. 

in dem begriffe des fitj ov gattung und denkbarkeit des Sophi- 
sten, so in dem eigenthümlicben dort entwickelten begriffe des 
ov und des Verhältnisses aller ovza zu einander, nämlich ihrer 
avpnloxt], erst die möglichkeit des strengen philosophischen den- 
kens, des si'8eaiv avzolg di 1 avräv wXevTäv dg eidt] (ßep. 
511 c). Indem Plato zu dieser lehre von der av^n).ox7J durch- 
dringt, löst er zugleich die gewichtige aus dem eleatismus 
stammende aporie , nach welcher nur identische urtheile zu- 
lässig blieben, weil eins nur eins sein könne. Grade auf die 
begriffe angewendet , war diese behauptung gefährlich , weil 
sie hier nicht schon der augenschein zurückwies , s. Pari 
129 e. Plato's Widerlegung derselben stützt sich auf dit 
natur des denkens, welches ein stetiges trennen und ver- 
binden von begriffen ist und eine mehrheit und Verschieden- 
heit derselben voraussetzt. Wie nun diese gliederung und Ver- 
flechtung der begriffe von einem einzelnen punkte aus be- 
trachtet sich darstelle, und wie das denken ihr nachspüren müsse 
um zu einem bestimmten und klaren begriffe irgend einer Sache 
zu kommen, das ist es, was Plato an dem beispiele der be- 
griffsbestimmung des Sophisten, sowie des Politikos , zeigen will, 
s. Politic. 284 b. Wir können hier nur kurz augeben , was 
uns als das von Plato beabsichtigte resultat erscheint. Denn 
dass er hier gelegentlich ungenau und lässig verfährt, geben wir 
zu. Wir glauben aber, mit absieht um den leser zum selbstän- 
digen durchdenken der methode anzuleiten. Das ergebniss der 
fünf ersten diäresen sind drei merkmale des Sophisten : 1) er ist 
fiia&agvijTixog vl/xia/xazog 'ivsxa, 2) [ia&qfxazoTicoXixog, 3) igiari- 
xög, d. h. ein „künstler", welcher um geld zu verdienen kennt- 
nisse (fügend) mittheilt und sich zugleich als unüberwindlicher 
disputator hören lässt. Das hauptmerkmal aber ergiebt die von 
der TioiTjTiictj ausgehende siebente reihe; und dieser neue weg 
ist gewonnen durch das bewährte verfahren der vergleichung 
der allgemeinern art mit dem zu erklärenden gegenstände. 
Nach dieser reihe erweist sich der sophist als verwandt mit dem 
Schauspieler, indem er sich für etwas ausgibt und hinstellt, das 
er nicht ist, ja das er, wie er selbst wohl weiss, nicht einmal 
ordentlich kennt. Er macht aber andere glauben , er kenne es. 
Seine Vorstellungen , die er nur in kleinen cirkeln gibt , beste- 
hen darin andere im dispüt in Widersprüche zu verwickeln; er 



196. Lucian. 233 

ist nachahmender virtuose , aber nicht in tönen oder färbe, 
sondern mittelst der eigenen person. Diese siebente begriffs- 
bestimmung nun tadelt Devssen in sehr starken ausdrücken 
p. 22 : wir fürchten etwas voreilig. Jedenfalls erweist er die 
vorwürfe nicht genügend, die er ihr macht. Das wesentliche 
merkmal der sophistik, das leere, scheinheilige in ihr wahrt 
diese bestimmung sicherlich; im verein mit den frühern aber 
gibt sie gerade ein beispiel von dem , was Plato uns verdeutli- 
chen will: wie wir in einem einzelnen bestimmten begriffe die 
Verbindung mehrerer anderer begriffsbestimmungen zu sehen ha- 
ben, so dass jener ein mittelpunkt ist, in welchem sich eine an- 
zahl begriffsreihen strahlenförmig begegnen. Noch bleibt die 
sechste diäresenreihe zu erwähnen. Was will Plato mit ihr, 
da sie doch auf den philosophen, nicht auf den Sophisten führt? 
Ist sie nur ein vergeblicher versuch? So scheint es ; aber in 
Wahrheit ist sie die nothwendige Vorbereitung zur letzten reihe. 
Denn , wenn der sophist sich in dieser als nachahmender künst- 
ler herausstellt, so fragt sich, wessen rolle er spielt. Nieman- 
des als des philosophen , dessen thätigkeit jedoch nicht unter 
den begriff der bildenden [iiöitjiixfy, sondern der ausscheidenden, 
kritischen kunst fällt , welche selbst der erkennenden , einer art 
der erwerbenden kunst untergeordnet ist (Soph. 219 c. Polit. 
259 e). Und der name aocpia-zrjg weist auch auf dies verhältniss 
hin (268 b. cf. 232 a). — In allen diesen diäresen verfährt Plato 
mit einer gewissen Sorglosigkeit im gebrauch der termini; aber 
wohl absichtlich um zu zeigen, dass auf die wähl des ausdrucks 
nicht viel ankomme (s. Polit. 26 le. 267b), und hierauf reducirt sich 
ein guter theil der immanes negligentiae licentiaeque , die Devssen 
p. 12 — 17 und p. 21 aufzählt. Andere seiner einwürfe beruhen auf 
missverständnissen. So wird sich die ganze Verwirrung, welche 
Devssen in der gleichstellung der apsTQCu und der ayvoia (p. 16) 
findet, aufklären, wenn man aXXrjXa p. 228 c auf das verhalten 
der p. 228 b genannten seelenthätigkeiten zu einander bezieht, s. 
Tim. 87 e. 90a. D. Peipers. 

196. Index lectionum in ac. Rostochiensi semestri hiberno . . . 
habendarum. — Epiphyllides Lucianeas F. V. Fritzschius 
praemisit. 4. Rostoch. 1869. — 8 S. 

Bei der masse uns von lukianischen dialogen erhaltenen hand- 



234 196. Lucian. 

Schriften ist die Classification derselben das wichtigste. Wie 
vortrefflich Fritzsche diesem in den drei ersten, siebzehn dialoge 
enthaltenden bänden seiner ausgäbe genügt hat, ist bekannt: in 
unserm programm theilt er das resultat seiner forschungen über 
die handschriften von fünf noch nicht von ihm edirten dialogen 
mit. Den text des nlolov rj ev%oli haben wir nur in sehr 
verderbter, interpolirter und leider lückenhaften gestalt : ego quan- 
tum industria contendere potui, quantum ingenio eniti et ipsa divi- 
natione adsequi, tanturn studui efßcere, praeclaris aliquot emenda- 
tionibus quum aliorum tum J. Sommerbrodti adiutus. Anders 
steht es mit dem N ty qiv o g, wo der Vindobonensis (B) die 
grundlage : tarnen sie quoque hunc dialogum vere possum dicere non 
sane leviter corruptum esse. Wieder anders stellt es sich beim 
avfxTzöa 10 v rj Aa ni&ai: es ist sehr verdorben, doch mit hülfe 
des Gorlicensis (A) lassen sich fast alle fehler heben : das gilt 
leider nicht vom l Eg (i6 ri\io g , in dem Fritzsche freilich einen 
guten schritt vorwärts thun wird: aber es fehlt noch genaue 
kenntniss vom Vaticanus 90 (r). Zuletzt werden die dgans* 
tat erwähnt, für die nur G-esner etwas geleistet hatte : der dialog 
ist namentlich am ende sehr verdorben. Dies eine dürftige an- 
zeige des über die Lukian-handschriften viel interessantes enthal- 
tenden programms: wir wünschen Fritzsche kraft, seine so rüstig 
begonnene ausgäbe zu dem von ihm erstrebten ziele zum besten 
unserer Wissenschaft recht bald zu bringen. E. v. L. 

197. Index lectionum quae . . in un. liter. Friderica Guilelma 
per sem. hib. . . MDCCCLXIX habebuntnr. 4. Berol. 1869. — 8 S. 

Die von M. Haupt geschriebene vorrede enthält ein schon 
von Bandini, Boissonade u. A. entweder ganz oder theilweise 
edirtes 56 zeilen grosses excerpt aus einem spätem, aber der 
zeit nach nicht genau zu bestimmenden anonymus, welches von 
den Aussen des paradieses, also einer sehr schönen gegend, in 
der weise der kirchenväter handelt : die von den frühern behand- 
lern benutzten hülfsmittel sind durch die lesarten einer Wiener 
handschrift vermehrt und dadurch das fragment vielfach verbes- 
sert: nachtrage jedoch mancherlei art sind noch zu machen, 
wie denn unter andern übersehen, dass z. 10 — 20 aus Herod. 
IV, 48 — 50 geflossen sind. Philologisches interesse hat der im 
ganzen in jeder hinsieht unbedeutende aufsatz nur dadurch, dass 



197. Excerptum Anonymi. 235 

Eratosthenes — aber ohne neues für ihn zu bringen: s. Beruh. 
Eratosth. p. 75 sq. — darin erwähnt wird; dann dadurch, dass 
man solche notizen mit Sallust in Verbindung bringen kann, der 
in den Historien der quellen des Euphrat und Tigris gedacht 
hatte , wie wir aus Hieronymus wissen , auch aus Isidor , der 
aber den Hieronymus verkehrt ausgeschrieben hat : die altern 
Sammler der sallustischen fragmente haben den Hieronymus über- 
sehen, den Isidor dagegen benutzt, und deshalb dem Sallust ihm 
fremdes zugeschrieben: so noch der sonst so vorsichtige Kritz 
1853, der aber in der ausgäbe von 1856 richtig Isidor behan- 
delt und ohne die stelle des Hieronymus zu kennen, das Sallu- 
stische im Isidor erkannt hat: Linker und Dietsch [II, p. 109] aber 
haben den Hieronymus (freilich mit ungenauem citat: die stelle 
steht nach Vallarsi's ausgäbe von 1767 in der schrift de situ 
et nominibus locorum hebraicorum : die entstehung des fehlers sieht, 
wer die ausgäbe in die band nimmt) und darnach die leichte 
sache in Ordnung gebracht: vrgl. dazu im allgemeinen Wölfflin 
im Philol. XVH, p. 538 ügg. Wie kann nun M. Haupt p. 3 
sagen : tarnen eorum qui historiarum Salustii reliquias collegerunt 
tarda fere fuit socordia, veluti Kritzii p. 307, ut Isidori verba 
exscriberent , quid Hieronymus tradiderit inquirere plane praeterrnit- 
terent? Auf wessen seite ist denn nun die socordia? M. Haupt 
verfährt nach dieser probe , nach dem ob. p. 198 gesagten und 
nach gleichem von andern bemerktem bei seinen schriftstelleri- 
schen versuchen selbst fahrlässig und mit so beschränktem geiste 
[socors: s. Lexx.), dass er weder neue fleissige fragmentsammlun- 
gen noch die ausgaben einsehen mag, welche den critischen ap- 
parat am vollständigsten und genauesten geben! Wer andere ta- 
deln will , muss selbst besser machen : verfährt er anders , wird 
sein tadel nur lächerlich. E. v. L. 

198. Exercitationes Sallustianae. Ad veniam legendi 
impetrandam scripsit Adam Eussner, Wirceburgi 1868. 8. 

Diese habilitationsschrift war mit ausnähme der letzten sei- 
fen schon in dem „Festgruss der philologischen Gesellschaft zu 
Würzburg an die XXVIste Philologenversammlung" erschienen. 
Sie zeugt von der eingehenden bekanntschaft des Verfassers mit 
der neueren Sallust - litteratur und von Scharfsinn und geschick in 
der behandlung kritisch schwieriger stellen ; doch ist sie offenbar 



236 198. Sallustius. 

zu flüchtig abgefasst , wie das bei gel egenheitsschrif teil leider häu- 
fig vorkommt. So erklärt es sich, wie Schreibfehler (p. 8 wt Pi l 
lectio „in Ulis" sequenda esse inde efficiaturty, uncorrectheiten 
(p. 26, 11. 12 5 p. 28, 10. 11) und druckfehler (p. 12 unten 
siti fürs«*,; p. 20,24 ir für vir; 26 uavvdszäg für a.avv8ixmg\ 
30, 3 v. u. p. 169 statt p. 12 u.a.m.) stehen geblieben sind. 
Der verf. sucht im gegensatz zu Wirz , der dem Parisinus 1576 
vor dem von Jordan in seiner textesrecension zu gründe geleg- 
ten Parisinus 500 den vorzug giebt, die kritik des Sallust mög- 
lichst genau an die Überlieferung des Paris. 500 anzuschliessen ; 
doch wird bei einer neuen textesrecension des Sallust ein sol- 
ches beschränken des apparats auf eine einzige handschrift kaum 
anklang finden; vgl. auch H. Jordan selbst im Hermes III, 
p. 459 fgg. Die archaische latinität, welche zur beurtheilung 
sallustianischer ausdrucksweisen, die der Ciceronianismus nicht 
anwandte, von oft entscheidender bedeutung ist, hätte vom vf. 
vielleicht öfter zur erklärung herbeigezogen werden können: so 
z. b. p. 19, wo der gebrauch des wortes mortales statt homines 
speziell auf Claudius Quadrigarius (nach Gell. N. A. XIII, 29) 
zurückgeführt wird , während doch auch andere archaische Schrift- 
steller wie z. b. Plautus dergl. häufig anwandten; ebenso steht 
es mit dem sallustianischen gebrauch der verba frequentativa statt 
der simplicia (p. 19), auch fälle wie der p. 8, 15 fgg. erörterte 
sind vom Standpunkte des archaischen lateins aus zu beurthei- 
len. Man vermisst ferner eine genauere Vertrautheit mit der 
lateinischen paläographie ; so ist p. 4 anm. zu viel gewicht auf 
die Veränderung des proinde in perinde gelegt : beide formen 
wechseln in vielen handschriften mit grösster willkühr; die p. 14, 29 
angeführte Verwechslung von relinquere und reliquere ist schon 
in den ältesten handschriften, z. b. in den florentiner Pandecten, 
so häufig , dass relinqui u. s. w. wie eine vulgärlateinische neben- 
form des perfectum erscheint. Schlimmer aber ist es, wenn 
p. 29 und p. 39 der buchstabe C in älteren lateinischen hand- 
schriften als S von Eussner gelesen wird, eine arge Verwechs- 
lung lateinischer and griechischer schriftzüge: hier wird uns zu- 
gemuthet FACTIDIOCVC als fastidiosus und ACERVICCVMPTA 
als a servis sumpta zu lesen! Das dabei zur vergleichung (p. 29. 
19) herbeigezogene discedere — dissedere ist vielmehr mit M ad- 
vig s auseinandersetzung über discidium — dissidiym zu Cic. de 



199. Gellius. 237 

Finib. p. 812— 815 zusammenzustellen. Uebrigens begegnen wir 
einer anzahl guter und scharfsinniger Verbesserungen, andere 
wie (p. 35 — 37) die besprechung von Sali. Jug. 38, 10 sind 
weniger überzeugend. Entschieden missglückt ist die conjectur 
zu der viel besprochenen stelle Sali. Cat. 14, 2: prodigus adulter 
ganeo manu ventre pene bona patria laceraverat. Man erwartet 
doch , dass, da prodigus dem manu, adulter dem pene, ganeo dem 
ventre entspricht , die reihenfolge der asyndetisch nebeneinander- 
gestellten Wörter nicht unwillkürlich adulter zu ventre, ganeo zu 
pene beziehen lasse. Vielmehr scheinen hier glossen vorzuliegen ; 
manu ventre pene bona patria laceraverat war wohl die ursprüng- 
liche lesart ; zu manu wurde alea , zu ventre wurde ganeo , zu 
pene wurde einmal adulter, ein anderes mal inpudicus als glossem 
hinzugeschrieben. So erklärt es sich, wie im cod. Paris. 1576 
ganeo über der linie und im text impudicus adulter alea manu 
ventre pene geschrieben steht; und ebenso, wie im cod. Paris. 500 
die zweite hand ganeo am rand und pene zwischen den zeilen 
ergänzte, so dass daraus inpudicus adulter ganeo manu ventre pene 
entstand. Augustin. de dialect. p. 13 Crecel. führt die stelle 
mit fortlassung des von uns als glosseme bezeichneten an: vgl. 
auch Jordan zu dieser stelle. Beigefügt sind der schrift die ob. 
p. 223 mitgetheilten thesen. 



199. Index lectionum in universitate literarum Vratislaviensi 
p. aest. a. MDCCCLXIX . . habendarum. Inest M. Hertz Ea- 
mentorum Gellianorum (VI et VII) mantissa altera. 4. Vra- 
tisl. 1869. — 12 S. 

Das ram. VI bespricht drei von M. Haupt im ind. schol. 
un. Berol. aest. MDCCCLXVIII behandelte stellen des Ammia- 
nus Marcellinus, bei deren zwei, XVII, 7, 13. XVI, 7,8 Hertz 
die vorschlage Haupts durch Gellius , ein Vorbild des Marcellin, 
unterstützt, bei der dritten aber, XXII, 16, 16, grade des Gel- 
lius wegen eine eigne und, wie mir scheint, wahre emendation 
vorträgt: Didymus multiplicis scientiae cumprime memorabilis, da 
Vatic. copti , andre coepti, woraus copia Haupt gemacht, statt 
cumprime geben. Dann wird noch ohne zu einem bestimmten 
resultat zu kommen, die stelle über Aristarch bei Amm. Marc. 
1. c. berührt: auch Gell. N. A. IV, 1, 1. 



238 199. Gellras. 

Das ram. VII ist überschrieben : conditionibus quae inter Gel- 
lium et Favorinum intercesserint examinatis disputatur de fönte N. 
A. lib. XIV, 6 , und gegen Nietzsche im Rhein. Mus. XXIII — 
nicht XXIV, wie Hertz schreibt — p. 642 sqq. gerichtet, der 
in der angeführten stelle des Gellius tadel gegen Favorinus aus- 
gesprochen findet. Hertz entwickelt nun genau das verhältniss 
zwischen Favorinus und Gellius, nach des Gellius eignen Wor- 
ten und schliesst daraus, dass in jener stelle Favorinus nicht 
gemeint seyn könne. Man wird ihm wohl beistimmen, aber doch 
noch bessere argumente wünschen. Deren eins liegt m. e. in 
dem von Gellius beschriebenen buche , was als lediglich auf Ho- 
mer bezüglich des Favorinus navzadanq latogia nicht seyn kann; 
der primus grammaticus nämlich ist ohne zweifei Homer, vrgl. 
Vitruv. Arch. VII, praef. $. 8 , Bekk. An. Gr. H, p. 729: hielt man 
ihn doch auch für einen mathematiker, Schol. Ven. ad Hom. 11. E, 385, 
und für den ersten rhetor, Eh. Gr. VII, p. 5. VIII, p. 23 Walz.: auf 
Pythagoras kam die erklärung des Homer ganz natürlich durch 
Euphorbus , s. Krisch, de soc. Pythag. cett. p. 66, auf Hippo- 
krates wohl durch Pisistratus und die Neliden, Herod. V, .65 
coli. I, 59: alle andern punkte bedürfen keiner weitern erörte- 
rung: Gellius wollte also vielleicht hier überhaupt die in der 
Homer -erklärung jetzt herrschende verkehrte richtung durchzie- 
hen. Ein zweiter punkt ist, dass das von Gellius bezeichnete 
buch gar kein edirtes nach seinen worten gewesen: es waren 
Sammlungen zu eignen zwecken gemacht , wie z. b. die des So- 
teridas, des vaters der Pamphile, welche diese letztere aus lust 
an vielschreiberei zur herausgäbe zugestutzt hatte : das ist nach 
Suid. s. nanylli] vgl. m. ^wTijgida!,' u. Phot. Bibl. c. 160 p. 103 
Bekk. der Sachverhalt: analoges findet sich auch sonst. 

Dieses sorgfältig geschriebene programm erinnert mich aber 
daran, dass ich ob. p. 123 in der anzeige von Hertz's abhand- 
lung über Scaevus Memor einmal mich über die stelle aus den 
scholien zu Juvenal undeutlich ausgedrückt, und zweitens über 
die stelle aus der Vita Persii etwas ganz falsches gesagt habe. 
Das erstere anlangend wollte ich sagen, dass die Überlieferung 
schon durch Schopen richtig angegeben sei; das zweite, Hertz 
meint , dass die worte nam Cornutus . . . reliquit ein ursprünglich 
zu dem gleich im folgenden vorkommenden Seneca beigeschrie- 
benes glossem gewesen, das später fälschlich auf Cornutus bezo- 



200. Cicero. 239 

gen und dann mit dessen namen versehen worden : eine ansieht, 
die gewiss genau geprüft zu werden verdient. Für mich bitte 
ich um entschuldigung. E. v. L. 



200. M. Tullii Ciceronis de Fiüibus Bonorum et Malorum libri 
quinque. D. I o. Nicolaus Madvigius recensuit et enarravit. 
Editio altera emendata. 8. Haun. 1869. — LXIX u. 868 s. — l 1 ^^. 

Mit dieser neuen aufläge ist ein lang gehegter wünsch aller 
freunde des Cicero und der classischen studieu endlich in erfül- 
lung gegangen und werden dieselben alle dem hochverdienten 
Verfasser für die grosse jetzt wieder auf sein buch verwandte 
arbeit und mühe sich zu lebhaftem danke verpflichtet fühlen. 
Da das werk in den Jahresberichten des Philologus nächstens 
ausführlich besprochen werden muss , beschränken wir uns hier 
auf wenige bemerkungen. Es hat selbstverständlich zuvörderst 
der vf. sein augenmerk auf die sicherstellung des critischen ap- 
parats gerichtet , der ohne sein verschulden in der ersten aus- 
gäbe sehr mangelhaft war , wie die ausgäbe Halm's gezeigt hat. 
Dann hat er die anmerkungen vielfach verändert und verbessert, 
wie jede seite bezeugt, aber doch nur so, dass dem buche sein 
früherer character namentlich auch in der polemik geblieben, ob- 
schon das bedenkliche davon der vf. nicht verkannt hat. Et, ut 
verum fatear , sagt er praef. p. n, fortasse ne nunc quidem inu- 
tilis erit neque illa, in uno saltem Ciceronis opere , perpetua decla- 
ratio, quam misere homines luserint codicum interpolatorum ludibria 
leviumque suspicionum commenta , et quam lente instabilique gradu ad 
certiorem Ciceronianae orationis formam perventum sit, neque liaec ina- 
nis et impudentis loquacitatis , quae neque res et sententias intellexe- 
rit neque sermonis leges motumque tenuerit animadverteritve , aut in- 
certae fluetuantisque opinationis in multiplieibus exemplis demonstratio 
et reprehensio cum reetae rationis explicatione et cum libero quodam 
de ipso Cicerone iudicio coniuneta. Wir stimmen dem vollkommen 
bei, zumal das buch mit der entwicklung der philologie in den 
letzten Jahrzehnten so eng zusammenhängt , dass eine totale Um- 
arbeitung gar störend gewesen sein würde, auch ferner dem al- 
lerdings jetzt entstandenen nachtheiligen dadurch abzuhelfen 
wäre, dass der vf. zum druck einer reihe weiter ausführender, 
ergänzender abhandlungen sich entschlösse. Denn es scheint 
doch sicher, dass die neuere ciceronische literatur gar zu wenig 



240 200. Cicero. 

berücksichtigt ist: hätte z. b. Madvig Unger's bemerkungen h 
Philol. XX, p. 371. XXI, p. 481, die 0. Heine Piniol. XXIV, 
p. 506 meines erachtens unterschätzt hat, gekannt oder richtig 
gewürdigt, es wäre doch über manche stelle im zweiten buche 
anders gesprochen; hätte er das neuere überhaupt nicht vernach- 
lässigt, er würde p. 625 bei Aristo von Chios nicht unterlassen 
haben, auf Krische's vortreffliche abhandlung in dessen Forsch, 
üb. alte philos. I, p. 405 zu verweisen. Stärker tritt diese Ver- 
nachlässigung bei andern classikern hervor, bei Tacitus, auch 
bei Catull: p. 721 trägt Madvig seine frühere ansieht über Ca- 
tull. LXIY, 23 wieder vor: er hätte doch, mein' ich, angeben 
müssen, dass keiner der vielen, welche nach ihm die stelle be- 
handelt, seine ansieht gebilligt habe, vrgl. Schwab., Ellis ad 
Catull. 1. c. Doch das sind dinge , die so wenig den genuss am 
ganzen verkümmern als die belebende Wirkung desselben schwä- 
chen ; eine solche ist aber grade für Cicero erwünscht , da auch 
jetzt dessen feinde nicht ruhen können. So lesen wir z. b. im 
feuilleton der Neuen hannoverschen Zeitung v. j. 1869, n. 136, 
vom 14. juni, dass Cicero anzusehen sei als „der erste Schwätzer 
und phrasenmacher des alterthums , als das muster aller faux 
bonhommes und langweiligen alten narren" . . . „Worin also der 
hauptnachtheil der leetüre Cicero's besteht, ist das äffische, phra- 
senhafte, gespreitzte, dünkelhafte seines wesens , die hohlheit sei- 
nes characters, die Schwachheit seiner moral. Wie auf unsern 
schulen die ciceronianischen Schriften tractirt werden, ist diese ge- 
fahr eine verdoppelte, weil eine verrückte lehrmethode es gera- 
dezu als das non plus ultra der gelehrten bildung ansieht, im 
geiste des Cicero zu schreiben und zu sprechen, d. h. mit vie- 
len Worten wenig oder nichts zu sagen und über der befriedi- 
gung der persönlichen eitelkeit den boden der materiellen Zweck- 
mässigkeit unter den füssen zu verlieren." Dies nur wenige 
proben: dagegen zu schreiben wäre unnütz, da der Verfasser 
schwerlich vom Cicero etwas gelesen und verstanden hat: doch 
mag bemerkt werden, dass die Franzosen, die in der politischen 
beredtsamkeit uns doch voraus sind, ganz anders urtheilen, wie 
denn J. Favre als grosses compliment gesagt ist, er gleiche als 
redner dem Cicero ; ferner, dass es gar auffallend ist, in der officiel- 
len zeitung derartigen unsinn gedruckt und so frech grundsätze ver- 
höhnt zu sehen, zu denen die regierung sieh bekennt. — E. v. L. 



201. Cicero. 241 

201. Alois. Chrysostomi Ferrucci Fabularum libri III, Lusus 
photographici, Itinera IUI difficilia. Accedunt M. Ciceronis fragmenta 
DE FATO etc. Forocornelii, ex officina Gaieatiana, 1867. 2 fr. ital. 

Diese schon vor zwei jähren erschienenen lateinischen ge- 
dicbte des bekannten oberbibliothekars der Bibliotheca Lauren- 
tiana in Florenz und gewandten versificators Ferrucci kommen 
uns, in folge des ungeregelten litterarischen Verkehrs mit Ita- 
lien, erst jetzt zu händen. Das buch interessirt hier nur wegen 
des heterogenen anhangs (p. 109 fgg.), in welchem die von Fer- 
rucci im jähre 1853 angeblich aus einem palimpsest edirten 
neuen fragmente aus Cicero's lückenhaft überlieferter schrift De 
Fato nochmals abgedruckt sind, obwohl die fälschung bereits von 
Fr. Ritschi im Rhein. Mus. IX, p. 473— 477 und XIII, p. 163—173 
klar dargelegt ist. In den anmerkungen zu dieser wiederholten 
publieation lässt Ferrucci eine anzahl von briefen verschiedener 
gelehrter abdrucken , welche den verdacht einer fälschung besei- 
tigen sollen. Diese briefe aber beweisen entweder gar nichts 
(so die von Le Clerc, Borghesi, Tischendorf), oder geben nur 
im allgemeinen zeugniss von der unmotivierten wuth einiger 
weniger Italiener auf die deutschen kritischen forschungen (so 
der von Cavedoni). Der eigene brief Ferrucci's an Le Clerc 
aber (p. 115 fg.) vom jähre 1856 belehrt uns, wie das manu- 
script durch den attache der türkischen gesandtschaft Dr. A. 
Foresti in Florenz erworben , nach London gebracht und dort 
mit chemischen tincturen vollständig ruinirt sei; ein möglichst 
vollständiges facsimile des lesbaren habe Dr. Foresti an die kai- 
serliche bibliothek von St. Cloud zu schicken beabsichtigt; 
ein unvollständiges facsimile sei an Ferrucci gelangt, welches 
dieser an den inzwischen leider verstorbenen bibliothekar Ar- 
mandi in St. Cloud abgesandt habe. Man sieht, dass Ferrucci 
das opfer einer argen mystification gewesen ist. Weshalb aber 
diese „fragmente" nochmals zur Verunzierung eines bands harm- 
loser gedichte benutzt worden sind , ist nicht abzusehen. 



202. Fragmentum de Iure Fisci edidit Paulus Krueger. 
Lipsiae. 1868: 22 S. und 2 lithographierte tafeln. (Festschrift 
zu Ehren Bethmann- Hollweg's.) 

Das von Goeschen gleichzeitig mit dem Gaius veröffentlichte 

16 



242 202. Fr. de iure fisci. 

Fragmentum de Iure Fisci, welches seitdem in zahlreichen aus- 
gaben wiederholt und namentlich in Huschke's Iurisprudentia 
Anteiustiniana etwas zu frei ergänzt worden war, erscheint hier 
in wesentlich mehr gesicherter gestalt durch die besonnene kri- 
tik, welche der um die herausgäbe der justinianischen rechts- 
bücher im vereine mit Theodor Mommsen hochverdiente heraus- 
geber, gestützt auf eine erneute sorgfältige collation der einzigen 
handschrift (in der bibliothek des domkapitels zu Verona) aus- 
geübt hat. Die schwer lesbaren trümmer dieser handschrift, 
welche ich nach einer alten bibliothekarischen andeutung aus 
dem achten Jahrhundert (vgl. p. 6 anm. 4) als aus demselben 
orte wie der gaianische palimpsest stammend zu erweisen ver- 
sucht habe, sind in vorzüglich gelungenem, lithographischem facsi- 
mile beigefügt. Ganz abgesehen von dem speziell juristischen 
interesse der publication , ist namentlich die jetzt ermöglichte 
vergleichung der palaeographi sehen eigenthümlichkeiten dieser 
handschrifttrümmer mit dem codex der institutionen des Gaius 
lehrreich: beide zeigen fast dieselben abbreviaturen, d. h. sie 
sind im wesentlichen aus solchen Vorschriften über juristische 
taehygraphie hervorgegangen , wie wir davon einen compendien- 
artigen abriss in den von Th. Mommsen in H. KeiFs Gramm. 
Lat. vol. IV, p. 276 edierten Notae Lugdunenses besitzen. Der 
schriftcharacter trägt mit seinen eckigen zügen ein entschieden 
rusticaneres gepräge als die eleganteren und rundlicheren buch- 
stabenformen des gaianischen palimpsests. Doch wird es er- 
laubt sein, den von Krüger als mögliche abfassungszeit der hand- 
schrift angesetzten Zeitraum „vom fünften bis zum siebenten 
Jahrhundert" auf den räum vom fünften bis zum sechsten Jahr- 
hundert zu reduzieren. Auch die im sechsten Jahrhundert auf den 
befehl des kaisers Justinian erfolgte beschränkung der juristi- 
schen siglen spricht dafür. 

Zur ergänzung der zahlreichen lücken des fragmentum 
hat Krüger die möglichkeit des Vorkommens ähnlicher abbre- 
viaturen im Gaius gewissenhaft berücksichtigt; nur fol. I-col. 2 
vers. 9. 10 können die worte fiscum oportet nicht, wie der her- 
ausgeber meint, durch fisc* o\ptet wiedergegeben sein, son- 
dern durch ßscü\ötet. Auf fol. I col. 1 yers. 5 kann zum schluss, 
namentlich da gegen das ende der zeilen hin die buchstaben 
häufig kleiner und gedrängter geschrieben sind, doch wohl das 



202. Fr. de iure fisci. 243 

von Goeschen vermuthete voluntatis mit geringer abkürzung ge- 
standen haben. Uebrigens lässt sich §. 1 , wie ich einer pri- 
vatmittheilung Th. Mommsens verdanke , in engerem anschluss 
an die Überlieferung so ergänzen: Heredi eins, qui capere 
non poterat , deferendi potestas concessa est , nisi si ostendi pos- 
sit eius voluntatis decessisse defunctum , ut deferre se vetaret; 
man schob früher hinter concessa die negation non ein und er- 
gänzte vellet statt des Mommsenschen vetaret: der codex hat u — . 
Die abkürzung ss endlich wird wohl mit Krüger (§. 9=1, 
4, 23) als sestertiorum , nicht als sestertium (wie sonst) aufge- 
löst werden dürfen, weil die vollere genitivendung in §. 8 
durch die handschrift ausdrücklich überliefert ist. Doch wurden 
die im archaischen latein so häufigen kürzeren genitivformen 
namentlich bei den Wörtern , welche geld und maass bezeichnen 
(vgl. K. L. Schneider, Formenlehre der lat. Sprache p. 69 ; G. 
I. Voss. Arist. p. 567 ed. Eckst.), noch in der klassischen und 
nachklassischen latinität bevorzugt. Cicero verlangt die form 
sestertium nummum (Orat. 46, 156) ausdrücklich; auch bei Quintil. 
I. 0- IX, 2, 47 weisen die handschriften (vgl. K.Halm zu dieser st.) 
keineswegs, wie Fr. Neue (Formenlehre der lat. Sprache I, p. 106) 
meint , auf die . form sestertiorum — doch scheint diese bei Colu- 
mella III 3, 8 und 13 bezeugt; vgl. auch Fr. Hultsch Metro- 
logie p. 222 anm. 38. — Ferner wird, wie z. b. schon For- 
cellini anmerkte, die später üblichere vollere form sestertiorum 
durch die willkühr der abschreiber in vielen fällen statt der äl- 
teren form sestertium als auflösung der im original vorliegenden 
abbreviatur IIS oder HS (oder SS mit durchgezogenem oder 
darüberstehendem annähernd waagerechtem strich oder punkt 
dahinter in juristischen handschriften , vgl. Gothofredi. Auct. lat. 
ling. p. 1543, Gaius ed. Goeschen -Lachm. p. 496) in die 
texte gekommen sein. In den juristischen formein, in denen 
wir bei Gaius (p. 195, 18; 200, 23; 202, 17; 203, 2; 204,4; 
205, 7; 207, 3; 221, 8) das zeichen SS vorfinden, ist es von 
den berausgebern ohne zweifei richtig als sestertium aufgelöst; 
dasselbe gilt auch von den stellen p. 161, 7; 212, 5 (wo S # £ 
statt SS" verschrieben ist); 251, 8. 10. Man wird daher anch 
p. 222, 24 (= IV, §. 95) , wo der codex SS (mit durchgezoge- 
nem strich) C XXU - NUMM darbietet, eaque sponsio sestertium 
CXXV nummum auflösen dürfen , während alle herausgeber die 



244 203. Archäologie. 

vollere form sestertiorum .... nummorum bevorzugten. Somit ist 
es schwerlich zu bezweifeln , dass man die einzige stelle, an der 
im palimpsest die form sestertiorum ausgeschrieben vorkommt 
(Gai. III, §. 42 = p. 136, 9), gegen das schwache handschriftliche 
zeugniss , ändern darf (die codd. der iustinianischen Institutio- 
nen scheinen an der entsprechenden stelle sestertiorum zu haben). 
Im übrigen aber sieht man, abgesehen von den Zeugnissen spä- 
terer handschriften anderer juristischer autoren, schon aus der 
art und weise, wie namentlich Priscian (I, p. 306 sq. ed. Hertz.) 
den gegenständ behandelt , dass die form sestertiorum daneben im 
gebrauch war; vgl. auch Charis. 94, 7; 100, 15; 129, 11 KL; 
Fragm. Bobiense de Nomine p. 536, 31 Kl. — Von druckfehlern be- 
merken wir, dass p. 6, 12 und 9, 4 cohaeserint; p. 6, 15 cokae- 
sisse; 10, 28 duabus; 11, 8 simillimis; 21, 32 procuratore zu le- 
sen ist. W. Studemund. 

203. Die trachten der Eömer und Eömerinnen nach Ovid 
und Martial. Vortrag zur Erläuterung der Modellstatuetten des 
Herrn von der Launitz gehalten von Dr. phil. Albert Müller. 
Hannover. 1868. 8. 32 S. — 10 Sgr. 

Ein hübsch und leicht geschriebener Vortrag, welcher im 
wesentlichen kein anderes verdienst beansprucht , als die neue 
geistreiche herstellung der römischen toga, mit welcher herr 
von der Launitz eine vielbesprochene frage endgiltig gelöst zu 
haben scheint , anschaulich zu erläutern und durch ausbeutung 
einiger römischer Schriftsteller näher zu begründen. Der hier 
an einem kleinen ende angefasste grosse stoff bedarf in jeder 
richtung einer gründlichen neubearbeitung, mit welcher uns zu 
heschenken der verf. vielleicht lust und kraft findet. Er würde 
freilich rasch gewahr werden, dass hier die methode zu ändern 
sei, dass die monumente in erster , die Schriftsteller in zweiter 
linie stehen , und dass man wohl thut sich unter den monumen- 
ten etwas heimischer zu machen , wäre es auch nur um nicht 
gelegentlich griechische vasen aus Pompeji stammen zu lassen. 
Bei einer leistung, welche sich nicht an das wissenschaftliche 
publikum wendet , mit berichtigungen freigebig zu sein , wäre 
ungerecht; der verf. möge erlauben ihn auf die ihm anscheinlich 
unbekannt gebliebenen Untersuchungen von Semper , der stil. 
Frankf. a. M. 1860, hinzuweisen. 



Neue auflagen und Schulbücher. Theses. Bibliographie. 245 

NEUE AUFLAGEN: 204. Griechische Geschichte von E. Curtkis. Bd. II, 
dritte aufl. 8. Berlin: 1 thlr. 20 gr. : wir machen darauf aufmerksam, dass die 
anmerkungen, die doch nicht gleichgültig, einer durchgängigen revision bedürfen : 
z. b. zu Aristoxenos p. 752 ist Schol. ad Ar. Plut. 487 citirt; es war Hephaest. de 
metr. I, p. 49. Gaisf. zu citiren, da jener scholiast den Hephästion, wie er selbst 
sagt, ausschreibt; auch Eusebios ist da falsch: anderer art ist, dass Weissenborn's 
Hellen stets Hellen., mit punkt, citirt wird, u.s.w. u. s. w. — 205. K. F. Her- 
mann, lehrbuch der griechischen privatalterthümer. Zweite aufl. bearbeitet von K. 
B. Stark. Erste abth. 8. Heidelb.: 2 thlr. 15 gr. — 206. G. Curtms, 
grundzüge der griechischen etymologie. 8. 3te aufl. Leipz.: 6 thlr; schreibe sechs 
thaier ; wenn das so fortgeht , wer soll die bücher kaufen ! ! Uebrigens ist nach der 
vorrede diese aufläge keine neue bearbeitung, sondern nur im einzelnen ist nach- 
getragen und gebessert, namentlich auch die indices neu gearbeitet. — 207. M. 
T. Ciceronis Cato major. Erkl. v. J". Sommerbrodt. 8. Berl. 6. aufl.: 6 gr. — 
208. Sophokles erkl. v. F. W. Schneidewin. Bd. IV Antigone, besorgt von A. 
Nauch. 8. Berl. 6. aufl.: 12 gr. 

NEUE SCHULBÜCHER: 209. B. Scheinpflug , erzählungen aus der ge- 
schichte des alterthums. Ein historisches hilfs- und lehrbuch für den bildungskreis 
der unterrealschule. 8. Prag. 3. aufl. : 15 gr. — 210. Dagobert Böckel, Übungs- 
buch zur griechischen formenlehre mit etymologisch geordneten vocabularien zu den 
griechischen und deutschen Übungsstücken. Nach Curtius griechischer schulgram- 
matik. 8. Berl. Weidm.: 15 gr. — 211. Karten zur alten geschiente von H. Kie- 
pert. VI. Griechenland, 6 gr. : VII. Italia, 6 gr. 

THESES . . quas in univ. Viadrina . . defendet C. Freibisch d. XII m. 
April.: Tac. Ann. IV, 33 lego: tum quod antiquis scriptoribus rarus obtreeta- 
tor , neque refert cuiusquam Funicas Romanasne acies laetius extule- 
ris. — Thucyd. I, 1 (nöks/uov) a^ioXoydnirov tcüV nQoyeysprj(j,ivwv ceteri- 
que huic similes loci, 10, 3. 11, 3. 50, 2. V, 60,3. VI, 13, 1. 31, 1. VII, 
66, 2. V1I1. 96, 1 non recte adhuc a grammaticis atque interpretibus explicati sunt. 

BIBLIOGRAPHIE: 212. Bibliotheca philologica oder geordnete Übersicht aller auf 
dem gebiete der classischen altertbumswissenschaft wie der altern und neuern 
Sprachwissenschaft in Deutschland und dem ausländ neu erschienenen, bücher. Her- 
ausgegeben von Dr. W. Müldener. XXII. jahrg. 1. heft. Januar — Juni. Göt- 
tingen. 8. 1869. 

Cataloge der antiquare: A. Ascher u. Co. XCI. XCII. XCIII. Katalog 
einer reichhaltigen Sammlung von werken . . aus der bibliothek . . von Jacob u. 
Wilh. Grimm : Bedeutende preisermässigung . . philologischer werke v. d. Bas- 
ser 'mann 'sehen Verlagsbuchhandlung: C. II. Beck'sche buchhandlung in Nördlin- 
gen. Antiquarischer katalog nr. XCIX: F. Butsch söhn antiquarischer katalog 
nr. LXIV : Catalog des antiquarischen bücherlagers von F. Cruse's buchhandlung 
und antiquariat (G. Othmer) nr. 9: F. Förstemann in Nordhausen Antiquari- 
sches bücherlager, nr. 51. 52 (philologie u. antiquitäten) : Emil Hermann in 
Halle a. S. Antiquarisches bücherlager, nr. 6: Ernst Heyne Lager-catalog der 
antiquarischen buchhandlung: Kirchhof u. Wiegand Antiquarisches bücherlager, 
nr. 253. 259: Kö'ssling' sehe buchhandlung, anzeiger des antiquarischen bücher- 
lagers nr. 56; B. Lechner's in Wien verzeichniss von lehrmitteln, schul- und 
Unterrichtsbüchern: A. Liesching u. Co. antiquarischer catalog nr. XXXI: It. 
Mühlmann in Halle a. S. Antiquariatscatalog Nr. V: Th. von der Nahmer in 
Stettin katalog des antiquarischen bücherlagers (besonders für altdeutsch): Otto 
in Erfurt Antiquarischen bücherlagers verzeichniss nr. 126: C. F. Schmidt in 
Heilbronn Antiquarisches bücherverzeichniss nr. 116: J. A. Stargardt in Berlin, 
Bibliotheca philologica, no. LXXXVIII; Schul catalog der Verlagshandlung B.G, 



246 Bibliographie. — Auszüge aus Zeitschriften. 

Teulmer , bis October 1869: Fr. Wagner in Braunschweig Catalog des anti- 
quarischen bücherlagers nr. 83. 84: E. Weingart in Erfurt Catalog nr. 417: 
A. Würzner Verzeicbniss XX. 

Bibliotheca philologica I. Catalogue d'une süperbe collection d'auteurs grecs 
et de leurs commentaleurs , Iexiques etc. , qui se trouvent a prix marques dans 
le magasin de Frederik Muller ä Amsterdam : für bibliophilen zu beachten. 

Qiusto Ebhardt in Venezia, Catalogo di libri d' occasione nr 27. 

Bücherauction bei <S. Bremer in Stralsund den 15. Nov.; L. St. Goar 
in Frankfurt a. M. den 12. Octob. (historisch): A. Hoyer in Göttingen den 22. 
Novemb. ; bei Lempertz in Bonn den 1 1 . Nov. (viel philologisches) : List u. 
Francke in Leipzig den 29. November. 



AUSZÜGE aus Zeitschriften : Güttingische gelehrte anzeigen, 1869: St. 25: 
Uhland's Schriften zur geschichte der dichtung und sage. bd. VII. 8. Stuttgart 1868: 
lesenswerthe anzeige von F. Liebrecht. — St. 27 : Kaulen, geschichte der vulgata. 
8. Mainz. 1869: anzeige von H. F., die das buch als eine wissenschaftliche leistung 
nicht anerkennt. — St. 28: Essays von M. Müller, bd. I. beitrage zur vergleichen- 
den religionswissenschaft. Nach der zweiten englischen ausgäbe — übertragen. 8. 
Leipzig. 1869: anzeige von Th. Benfey. — St. 30. 31: Sammlungen für alte 
kunst in Petersburg. I. Artikel : sehr ausführliche anzeige von Fr. Wieseler, 
folgende werke betreffend: Ermitage Imperial. Vases peints. 8. St. Petersb. 
1864; Ermitage Imperial, Antiquites du Bosphore Cimmerien. ib. 1864; 
Ermitage Imperial, Musee de Sculpture antique, seconde edition revue, 
corrigee et augmentee , ib. 1865; Kaiserliche Ermitage, antike bronzen und 
terracotten (russisch) ib. 1866; Die vasensammlung der kaiserlichen Ermitage. 2 
theile. 8. ib. 1869; Die gemäldesammlung in der kaiserl. Ermitage zu St. Pe- 
tersburg nebst bemerkungen über andre dortige kunstsammlungen von Dr. G. F. 
Waagen. 8. München, 1864. — F. Sieche, de genctivi in lingua san- 
scrita imprimis vedica usu. 8. Berlin: lobende anzeige von Th. Benfey. — 
St. 35: B. Bentley, eine biographie von J. Mähly. 8. Leipzig 1868: ausführ- 
liche, viel mit recht tadelnde, aber zuweilen fast ins kleinliche fallende anzeige von 
Fr. Lüdecke. — St. 36: Eug. Wilhelm . de inßnitivi vi et natura. 4. 
Eisenach 1869: lobende, aus der sanscritliteratur manches nachtragende und be- 
richtigende anzeige von Th. Benfey. — St. 38: Melanges d' archeologie 
Orientale par le C ie - de Vogüe. 8. Paris. 1868: anerkennende anzeige von 
H. E. ; den hauptinhalt bilden Untersuchungen über die neuerdings in Kypros auf- 
gefundenen Schriftstücke theils phönizischer theils echt kyprischer abkunft, darunter 
auch solche mit griechischer Übersetzung. — Gugl ielmo Henzen , Scavi 
nel bosco sacro dei fratelli Arvali. fol. Bom. 1868: ausführliche und vieles 
eigne enthaltende anzeige von O. Hirschfeld. — St. 40: SvkXoyrj tuiv xara 
tijV "Hnuyov dyfionxiuv ccßßnToiv vnb r. Xq. Xüjckütov. 8. Athen. 1866, 
und: Tct Kvnqiay.ä Tö/nog rgkog. C H iv Kvxqü) yXüoaaa, vnb ' A&ctvaßiov 
A. JSaxilXaQiov. 8. Athen. 1868: ausführliche anzeige von F. Liebrecht. — 
Die mittelalterliche kunst in Palermo, von A. Springer 8. Bonn. 1869, ausführliche, 
eignes enthaltende anzeige von Fr. W. Unger. — St. 42 : Intensiva und Ite- 
rativa und ihr verhältniss zu einander. Eine sprachwissenschaftliche abhandlung 
von Dr. G. Gerland. 8. Leipzig. 1869: ausführliche, auf das deutsche beson- 
ders eingehende anzeige von Th. Benfey. — St. 43: die Byzantiner des Mit- 
telalters in ihrem Staats-, hof-, und privatleben, insbesondere vom ende des. 
zehnten bis gegen ende des vierzehnten jahrh. nach den byzantinischen quellen dar- 
gestellt von Prof. Dr. J. H. Krause. 8. Halle. 1869: sehr ausführliche anzeige 
von F. Hirsch, die das buch als ein gänzlich verfehltes bestimmt nachweist. — 
Leon Palustre de Montifaut, De Paris ä Sybaris , etudes 
artistiques et litter air es sur Borne et l'Italie meridionale 1866 — 67. Paris. 
1868. XXIII u. 638 S., anzeige von O. Benndorf, der das buch als ein durch- 
aus übereiltes kennzeichnet. 



Auszüge aus Zeitschriften. 247 

Hermes, Zeitschrift für classische philologie, bd. IV, heft 2: Varia, von 
M. Haupt, p. 143: fortsetzung aus heft 1. — R. Scholl, zu Athenaeus, 
p. 160. — K. Curtius , inschriften aus Ephesos , p. 174. — H. Jordan, 
zur römischen topographie, p. 229. — H. Varetzsch , zwei kretische inschrif- 
ten , p. 266 : beide sind fragmente eines lyttisch-boloentischen bündnisses. — Mis- 
cellen: Th. Mommsen, bleitafel von Arezzo, p. 282; eine 1S69 gefundene Ver- 
wünschung: mit den ergänzungen lautet sie: 

Q. Lotinium Lupum, qui et vocatur Caucadio, qui est fi[liu]s Sal- 
lustie[s Ven]eries sive Ven[e]rioses , hunc ego apud vostrum numen 
demando devoveo desacrificio , uti vos, Aquae ferventes, si[ve] v[o]s 
Nimfas [si]ve quo alio nomine voltis adpe[ljlari, uti vos eum intere- 
mates interficiates intra annum: it(a?) v(otum?) s(olvam?) m(eriüs?) 
In den erläuterungen theilt Mommsen noch eine ähnliche, aber kaum herzustellende 
inschrift aus Savoyen mit. — JE. Huebner , grabinschrift aus westgothischer zeit, 
p. 284. — R. Schöne, zu den pyloren der akropolis, p. 291: aus inschrif- 
ten p. Chr. d. 

Neue Jahrbücher . . von A. Fleckeisen und H. Masius , bd. 99 hft 3 : W. 
Gurlitt, anz. von JE. Curtius sieben karten zur topographie von Athen, p. 145 : 
R. Skrzeczka, zur lehre des Apollonios über die modi p. 161; F. Plew , anz. 
von H. Schröder , die Sirenen nach ihrer bedeutung und künstlerischen dar- 
stellung, p. 165; 31. Bonnet, kritische Miscellen (zu Vopiscus, Livius, Quin- 
tilian) p. 179; Th. Bergk, Conjecturen zu Pindaros, p. 181 ; Th. Ladeteig, zu 
Eur. Med. 925 sqq.; Grosser, das ende der XXX u. Lys. or. 25, p. 193; 
Francken , über die handschriftliche Überlieferung des Tibullus im mittelalter , p. 
207; nachtrag zu nr. 109 in bd. 97 (griechische Urschrift von Chaeronea). 

Zarncke , literarisches Centralblatt , 1869, nr. 22: Ch. Prince, 
etudes critiques et exegetiques sur les Perses d'JEschyle. 8. Paris: anzeige 
von J. K. , der das streben des verfs anerkennt, neue stichhaltige resultate aber 
wenig gefunden hat [s. ob. p. 42]. — Nr. 23: J. G. F. Hoff mann, de 
Hermeneuticis apud Syros Aristoteleis , adjectis textibus et glossario. 8. 
VII. u. 218 S.: Lips.: anz. von Th. N., der sehr das buch lobt und auf die 
Wichtigkeit desselben für den griechischen text aufmerksam macht. — Simennis 
Seiht Syntagma de alimentorum facultatibus edid. Langkavel. Lips. 
1868: wird als ganz verfehlt bezeichnet. — Nr. 24: H. van Herwerden, 
Analecta critica ad Thucyd., Lys., Soph. Arist. cetf.: anzeige von ikii 
Scharfsinn wird anerkannt, aber die ganz verfehlte methode nachgewiesen. [S. ob. 
p. 9: Herwerden wird erkennen, dass dies urtheil ganz mit dem obigen stimmt: 
weitere antwort wird auf seine schwächliche entgegnung in Stud. Thucyd. praef. p. iv 
nicht nötbig sein.]. — Fr. Ritschi, neue plautinische excurse. Sprachge- 
schichtliche Untersuchungen. 1. hft. Auslautendes d im alten Iatein. 8. Leipzig: 
anzeige von Q. s. f. s. p. , der die Wichtigkeit dieser neuen leistung kurz und 
gelehrt nachweist. — Nr. 25: Aristotelis de partibus animalium 11. IV ex 
recogn. B. Langkavel 8. Lips. 1868, auch Aristot. Opera. T. 1: rec. von 
A. T — k: wird als ganz übereilte und ungenügende arbeit erwiesen. — Nr. 26: 
Kaulen, geschichte der vulgata. 8. Mainz, 1868: anzeige. — Vogue, Syrie 
centrale, inscriptions semitiqu.es avec traductions et commentaires. 8. Paris. 
1868: wichtig für uns wegen Palmyra namentlich: genaue anzeige. — B enicken 
de.Iliadis. libro.primo. ad. viros. humanissimos. cett. commentatus est. 8. Berol. 
1868: plaidire in schwerfälligem Iatein für Lachmann; wer irgend gegen diesen sei, ob 
einheitshirte oder kleinliederjäger, werde als des 19. jahrh. unwürdig bezeichnet: 
jedoch sei wenig neues gesagt , allenfalls das gegen Köchly und Friedländer gesagte 
könne als solches angegeben werden. — C C. Hense , die poetische personi- 
ficalion in griechischen dichtungen mit berücksichtigung lateinischer dichter und 
Shakspere's. 8. Halle. 1868: lobende anzeige, mit einigen gegenbemerkungen, 
z. B. über den einfluss der kunst auf Pindar, der beschränkt wird. — Nr. 27: 
Novum Testamentum Vaticanum . . . ed. A. F. C. Tischendorf. 8. 



248 Auszüge aus Zeitschriften. 

Lips. 1867: Appendix Novi Testamenti Vaticani. ib. 1869: anzeige. — 
E. Stengel, vocalismus des lateinischen elementes in den wichtigsten romanischen 
dialekten von Graubünden und Tirol. 8. Bonn. 1868: die dialekte seien nicht alle 
gleichmässig behandelt. — N. C amarda , la quinta tavola Taorminese 
illustrata da N. C. 8. Palermo. 1869: abdruck aus der Rivista Sicula T. I: 
genaue anzeige von Bu : der verf. ist Cavallari : die tafel schliesst sich an die 
vier im Corp. Inscr. Gr. T. III, n. 5640 behandelten an, monatliche rechnungen 
über ausgaben und einnahmen einiger behörden enthaltend. — Nr. 28 : Flavius 
Claudius Julianus, nach den quellen von J. F. Mücke. Ablh. IL Julian's leben 
und Schriften. 8. Gotha. 1869: sei gut, enthalte aber wenig neues. — Diodori 
JBibliotheca Mstorica. Ex rec. et c. ann. L. Dindorfii, v. V um . 8. 
Lips. 1868: einigen conjecturen L. Dindorfs wird wiedersprochen. — Nr. 29: 
ltala und Vulgata. Das sprachidiom der urchristlichen ltala und der katholischen 
vulgata unter berücksichtigung der römischen Volkssprache durch beispiele erläutert 
von H. Rönsch. 8. Lpzg. 1869: „verdienstvolle auch dem philologen von fach 
unentbehrliche gäbe treuen deutschen fleisses." — O. Jäger , darstellungen aus ,j 
der römischen geschichte. Für die Jugend und für freunde geschichtlicher lectüre. 
bd. I. II. Die punischen kriege. Nach den quellen erzählt. 8. Halle. 1869: sehr 
gelobt. [Denn clericus clericum — : weun das „nach den quellen" nicht auf 
dem titel stände, möchte man sich es gefallen lassen, so aber nicht.] — IV. 
Hoff mann, Deutschland und Europa im lichte der Weltgeschichte. 8. Berlin. 1869: 
[wir machen auf dies treffliche buch ganz besonders aufmerksam: der ref. muss 
es wider seinen willen loben, obgleich ihn das theologische raisonnement „anwie- 
dert", die „hoflheologie" darin ihm kläglich erscheint u. s. w.: es ist sehr zu be- 
klagen, dass derartige bücher statt vorurteilsfrei beurtheilt, nur benutzt werden, 
um unwissenschaftliche politische partheiansichten auszusprechen.] — Joannis Zo- 
narae epitome historiaruin. Cum C. Ducangii suisque annotationibus ed. \ 
L. Dindorfius. 8. vol. I. Lips. 1869: anzeige. — E. Lud. Urlich- 
sii commentatio de vita et honoribus Agricolae. 4. Würzb. 1868: zu we- 
nig lobende anzeige für diese vortreffliche schrift. — A. Persii Flacci, D. Junii 
Juvenalis, Sulpiciae saturae. JRecogn. O.Jahn. 8. Berol. 1869: anzeige. — 
Nr. 30: C. Raun, de Cliturcho Diodori Curtii Justini auctore. 8. Bonn. 
1868: anzeige, die nichts sagt, was der titel nicht sagte. — Macrobius. Fr. 
Eyssenhar dt recognovit. Lips.: durch neue vergleichung von handschriften 
sei der text verbessert. — — Nr. 31: Champagny , les Antonins — J 
ouvrage couronne par l'academie francaise en 1868. T. I— III. ed. lerne. 
8. Paris. 1867: ausführliche und eingehende recension über die den vf. leiten- 
den ideen: das buch wird verworfen. — W. Pierson, Electron oder Ueber die 
vorfahren, die Verwandtschaft und den namen der alten Preussen. 8. Berlin. 1869: 
anzeige. — R. Klotz, de numero anapaestico quaestiones metricae. 8. 
Lips. 1869: anzeige von Ch. L., die die schrift lobt und nur in einzelnen punk- 
ten, z. b. in der Verwerfung des dactylos am schluss der anapästen, abweicht. — 
M. Fabi Quintiliani institutionis oratoriae 11. XII. Rec. C. Halm. 
8. Lips. 1868: angäbe der Vorzüge dieser ausgäbe. — Hymnus Cereris Ho- 
mericus. Ed. F. Buecheler 8. Lips. 1868: anzeige von C. — Occiani, 
Cajo Silio Italico a il suo poema. studi. Padova. 1869: der fünfte abschnitt, 
vergleichung vom gedieht des Silius mit Petrarca's Africa, sei der beste. — G. 
Parthey, die thebanischen Papyrusfragmente im Berliner Museum. 4. Berl. 1869: 
die anzeige hebt hervor, dass fr. II die form iQMyodvxiZv , von L. Dindorf iu 
Jahn Jahrb. 1869, p. 124 besprochen, bestätige. — TV. Froehner, Choix 
des vases grecs inedits de la collection de son Altesse Imperiale le prince 
Napoleon, fol. Paris. 1867: lobende anzeige von Bu. — Die vasensammlung 
der kaiserl. Ermitage. 2 Thle. 8. Petersb. 1869: anzeige von Bu. 



BEBICHTIGUNG. In nr. 7 p. 195 z. 4 von oben sind nach 428 die worte 
ausgefallen: der zweite hat 2 Theile (bis 435: und bis zum schluss). 



Nr. 11. 12. November. December 1869. 

Philologischer Anzeiger. 

Als beiblatt zum Philologus herausgegeben 



von 



Ernst von Leutsch. 



213. Cornelii Taciti Germania. Mit anmerkungen 
von B. H tippe. Münster 1868 (Theissing.) — 6 gr. 

Eine für den Schüler gewiss recht brauchbare bearbeitung 
der Germania. Der vorzugsweise der erklärung des sachlichen 
zugewandte commentar zeigt eine achtbare belesenheit in der 
einschlägigen germanistischen literatur und meist einen richtigen 
tact in der auswahl des für den schüler geeigneten. Doch wäre 
eine knappere fassung unbeschadet der sache hie und da wohl 
möglich gewesen. Die grammatische erklärung tritt freilich sehr 
zurück; zu gründe gelegt ist nach des heransgebers erklärung 
der Hauptsche text, von dem aber, was gewiss nicht zu billi- 
gen, zuweilen stillschweigend abgewichen wird, z. b. cap. 1 au- 
ditur für audiri. q q 

214. Index scholarum in univ. — halensi — per hiemem 
a. 1869 — 1870 — habendarum. Inest Henr. Keilii de sehe- 
dis ambrosianis rescriptis Panegyrici Plinii commentatio. Halae. 
pp. XVI. 4. 

Der Panegyricus ist nur in handschriften des 15. jahrh. er- 
halten , welche auf ein original zurückgehn und nicht wenige 
und willkürliche änderungen der Italiener gemein haben. Nur 
drei blätter einer handschrift des 8. jahrh. aus Bobbio entdeckte 
A. Mai in der Ambrosiana, 1) p. 243, 15 — 244,16; 2) p. 288, 
17 — 289, 12; 3) 292, 30 — 293, 25 der Keuschen ausgäbe. 
Diese lässt hier H. Keil nach einer neuen vergleichung von 
Paul Krüger genau abdrucken und bespricht das kritische er- 
gebniss. Es wiederholt sich auch hier die merkwürdige erschei- 

17 



250 214. Plinius. 

nung, dass die handschrift einer von dem original der jetzt er- 
haltenen handschriften sehr verschiedenen recension folgte, in der 
sich neben manchen gewöhnlichen aus versehn entstandenen feh- 
lem mehrere willkürliche änderungen (z. b. p. 293, 10 in pericu- 
lis für imperi curis, 292,37 inest für adest, 243,31 nisi quod ohne 
tarnen, beides letztere gegen Plinius Sprachgebrauch), aber auch 
eine reihe von stellen in allein richtiger gestalt finden: p. 243, 34 
giebt sie modo nach nee, was Keil p. xn als allein richtig er- 
weist, indem er alle stellen, in denen non — sed etiam für non 
modo — sed etiam stehn soll, einer prüfung unterzieht ; p. 288, 36 
stellt Keil nach ihr her : alius se a continuo labore etsi non desi- 
diae ac voluptatibus dedisset, p. 289, 8 non tu locupletando fisco 
operatus sedes, p. 293, 15 quo minus exeunti in litore amplexus, 
in litore osculum ferres, und 16 stetit precatusque est äbeunti prona 
maria. Auch c. 7 (p. 243, 28) ist, meine ich, prineipem civibus 
daturus es et imperatorem allein richtig , nicht es imperator , das 
Keil p. ix vertheidigt: denn imperator würde einen gegensatz auch 
im vorhergehenden fordern , wie non enim dominus servulis tuis 
dominum — . Und warum soll et imperatorem nach imperaturus 
Omnibus eligi debet ex omnibus unerträglich sein? imperator ist ein 
terminus technicus, wie prineeps. Der imperator soll über alle 
herrschen, also muss er aus allen gewählt werden. Auch p. 288, 
22 wird man hos nach consuesti und z. 32 certe nach pietati auf- 
nehmen müssen. Endlich darf man wohl p. 288, 35 nicht die 
freilich verdorbenen worte: quis enim ex tarn docili ingenio (qui 
fehlt) non tanto meliorem consulem speret, ohne weiteres verwerfen, 
denn was jetzt nach einer kecken vermuthung von Puteolanus 
[imbecülo für modicello) gelesen wird, will doch gar keinen dem 
Zusammenhang angemessenen gedanken geben. — Auch diese 
dankenswerthe mittheilung H. Keils wird wieder vielen die frage 
in den mund legen, wann doch seine kritische ausgäbe des Pli- 
nius erscheinen werde. Jetzt weiss man nirgend, woran man ist. 

H. S. 

215 — 17. Elia Lattes: I. Della composizione del Senato 
Romano neu" etä regia e di aleuni punti controversi intorno 
alla sua composizione sotto la republica. 38 pp. 4. [Estratto 
dalle memorie del E. Istituto Lombardo di Scienze e Lettere. 
1868. Vol. XI, II della serie III]. 



215—17. Komische alterthümer. 251 

II. 1. Manceps; Manubiae; Praes ; Praediuin; Res raancipi. 
2. Le Curae e le Lectiones di Ottaviano Augusto. 21 pp. 8. 
[Estratto dai rendiconti del R. Istituto Lombardo. 1868. Se- 
rie II vol. I fasc. VI]. 

III. Vi ebbero a Roma due senati? 42 pp. 8. [Estratto 
dai rendiconti del R. Istituto Lombardo. 1869. Serie II vol. II.] 

Diese abhandluugen , die in den Schriften des Istituto Lom- 
bardo di scienze e lettere erschienen sind , mögen , da derartige 
publicationen in Deutschland fast gar nicht bekannt zu werden 
pflegen , hier wenigstens eine kurze erwähuung finden , wenn 
auch im allgemeinen aufsätze aus Zeitschriften von einer bespre- 
chung in dem Philologischen Anzeiger ausgeschlossen sind. 

Der Verfasser besitzt vor den meisten seiner landsleute 
den grossen Vorzug, mit der deutschen spräche und wissen- 
schaftlichen literatur im vollsten maasse vertraut zu sein. Die 
werke von Niebuhr, Schwegler, Rubino , Becker, Morara- 
sen u. a. m. sind nicht nur, wie das häufig von ausländem 
geschieht , citiert , sondern gründlich und mit verständniss be- 
nutzt ; auch zeugt die besprechung anderer ansichten meist von 
scharfsinniger und eindringender kritik. Dagegen sind seine ei- 
genen vermuthungen , die im ganzen eine vermittelnde Stellung 
zwischen den schroff entgegengesetzten hypothesen deutscher 
gelehrter einnehmen sollen, zum grossen theile als nicht stich- 
haltig und verfehlt anzusehen. Wenn Lattes z. b. in der 
letzten abhandlung (p. 52), die vorzuglich gegen Mommsen's 
Römische Forschungen p. 218 ff. gerichtet ist, die comitia cu- 
riata für ursprünglich plebejische Versammlungen erklärt, so 
zeugt dies von einer vollständigen verkennung des Wesens der 
altrömischen Verfassung; nicht glücklicher ist seine ansieht über 
die patricii in bezug auf die ernennung des interrex (p. 30 f.), 
die übrigens in ihren consequenzen mit den annahmen von Ru- 
bino und Mommsen fast zusammenfällt. Wir müssen uns hier, 
wie gesagt, mit diesem hinweis auf die Untersuchungen von 
Lattes begnügen, der wohl besser daran gethan hätte, nicht 
gerade mit den schwierigsten fragen aus der römischen Verfas- 
sungsgeschichte zu beginnen ; immerhin verrathen dieselben 
fieiss und Scharfsinn und sollten auch von deutschen forschem 
nicht unberücksichtigt gelassen werden. 



17 



252 218. 219. Archäologie. 

218. Die Tektonik der Hellenen. Von Karl Bötticher. 
Zweite neu bearbeitete aufläge. Erste lieferung, mit tafel 
I-XIV. Berlin 1869. 8. und folio. 

Die längst ersehnte zweite aufläge der tektonik wird von 
allen forschem, welche die unvergleichliche bedeutung dieses ge- 
nialen werkes für die ganze alterthumswissenschaft erkannt ha- 
ben, mit wahrer dankbarkeit begrüsst werden. Sie soll in drei 
lieferungen erscheinen und binnen Jahresfrist vollendet vorliegen. 
Indem wir uns eine eingehendere anzeige für später vorbehal- 
ten , wollen wir nicht unterlassen , schon jetzt auf die werthvol- 
len bereicherungen und die in jeder hinsieht vollendetere gestalt 
aufmerksam zu machen , die das werk in dieser neubearbeitung 
gewonnen hat. 



219. Münchener Antiken herausgegeben von Dr. C. F. von 
Lützow. München 1869. 7. und letzte lieferung. 42 tafeln 
und ss. 43. folio. — 2 thlr. 

Mit dieser lieferung ist ein werk abgeschlossen, das sich 
die aufgäbe stellt, eine auswahl vorzüglicher antiken aus den 
münchener kunstsammlungen zu veröffentlichen. Beinahe die 
hälfte der auf den tafeln dieses werkes vereinigten denkmäler 
war unedirt; fast bei allen übrigen war eine neue bessere pu- 
blication zu wünschen gewesen und ist eine solche in diesem 
werke geboten worden. Die auswahl der gegenstände haben 
künstlerische rücksichten, wie die ausführung der tafeln künst- 
lerischer sinn geleitet. In einfachen strengen conturstichen , die 
sich durchgängig vortheilhaft vor der grossen masse der leider 
so oft ungenügenden archäologischen publicationen auszeichnen, 
haben eine reihe ausgezeichneter kunstwerke eine anspruchslose 
aber würdige und geschmackvolle wiedergäbe gefunden. Auch 
der text zeugt von dem feinen sinn und dem glücklichen takt 
des um die kunstwissenschaft verdienten verfasseis; und wenn 
er hin und wieder eine grössere Vertrautheit mit der archäolo- 
gischen literatur und eine vollere kenntniss des antikenvorraths 
vermissen lässt, so eutschädigt er dafür durch eine Vielseitigkeit 
der beobachtung und eine freiheit von voruitheilen in dingen 
des geschmacks, wie sie nur diejenigen auszuzeichnen pflegt, die 
mit voller kenntniss der neuern kunst an die antike treten. 



220. Archäologie. 253 

Wenige sind im stände , den hohen grad von energie und 
selbstverläuguung richtig zu schätzen, welchen die Herstellung 
und durchführung eines so kostspieligen , lediglich mit privat- 
mitteln unternommenen prachtwerkes erfordert. Um so lebhafter 
darf ihm äusserer erfolg gewünscht werden. 



220. Gigantomachie auf antiken Eeliefs und der Tempel des 
Jupiter Tonans in Rom. Festschrift Herrn Dr. J. C. F. Baehr 
Geh. Hofr. Prof. u. Oberbiblioth. zur Feier seines fünfzigjähri- 
gen Doctorjubiläums am 26. Juni 1869 im Namen der philo- 
soph. Fakultät d. Univers. Heidelberg dargebracht von Prof. Dr. 
K. Bernhard Stark. Nebst einer lithographischen Tafel. 
Heidelberg 1869. 4. 27 S. 

Von zweien im Vatican und Lateran befindlichen (als sol- 
cher schon erkannten) friesstücken, die mit reliefdarstellungen 
der gigantomachie geschmückt sind und allem anschein nach ei- 
nem stadtrömischen bauwerk der ersten kaiserzeit angehörten, 
macht der verf. ihre Zusammengehörigkeit in hohem grade wahr- 
scheinlich. Zugleich erklärt er p. 25 zum ersten male eine bisher 
falsch verstandene stelle des Claudian. de VI cons. Hon. 44, in 
welcher eine darstellung der Giganten an dem von Augustus 
auf dem capitol erbauten tempel des Iupiter Tonans erwähnt 
ist. Das erhaltene und das aus Claudian nachgewiesene kunst- 
werk soll nach verf. identisch sein. Aber 1) bei Claudian wird das- 
selbe nur als infra tecta Tonantis befindlich bezeichnet, und kanu 
mithin ebenso gut fries- als giebelschmuck gewesen sein (wäh- 
rend der verf. ohne weiteres überall von fries redet); ja der 
letztere ist sogar wahrscheinlicher, da der dichter die hervor- 
stechendsten bildwerke der tempelfronte, die cisellirte cellathür 
und die akroterienstatuen beschreibt, in diesem Zusammenhang 
aber infra tecta viel ausdrucksvoller und natürlicher vom giebel- 
felde gesagt wird; 2) der tempel des Iupiter Tonans war, wie 
wir aus den reproductionen desselben auf augusteischen silber- 
münzen mit Wahrscheinlichkeit entnehmen, nur sechssäulig; an 
einem solchen würde ein fries von 1,00 höhe — gleiche höhe 
hat der Parthenonfries — ungewöhnliche dimensionen voraus- 
setzen lassen; 3) es liegt nicht die geringste bürgschaft vor, 
dass nur ein tempel in dem tempelreichen Rom mit dieser so 



254 221. Mittelalter. 

gebräuchlichen und geläufigen mythologischen darstellung ge- 
schmückt war. — Zu beklagen bleibt , dass eine so einfache 
vermuthung auf fünf und zwanzig enggedruckten quartseiten aus- 
gebreitet worden ist. Man Hesse das sichtliche behagen, sich 
selbst vorzutragen , gern geschehen , wenn es nur auf eine er- 
freuliche art geschähe. Aber bei aller hochachtung, die man 
der gründlichen gelehrsamkeit des verf. schuldet , fällt es schwer 
sich mit seinem geschmack zu befreunden. Man wird sie herz- 
lich müde, diese sich in jedem augenblick bespiegelnde, coquet- 
tirende methode, diesen langathmigen salbungsvollen kanzelstil, 
in welchem hundertfach bekannte dinge ohne jede erbauung wie- 
derholt werden, und vor allem die deutsche spräche so wenig 
zu ihrem recht kommt, dass man ausdrücke lesen muss wie 
diese: „hochgeschürzte frische jägernatur" p. 13, der „vorder- 
ballen des fusses" p. 16, „dokumentirter Untergrund" zu einer 
annähme, u. a. mehr. — Der druck ist voller fehler. 

221. R. P ei per, Walter von Chatillon. Breslau 4. 1869. 
(Gratulationsschrift des Magdalenengymnasiums zu Breslau an das 
evang. Gymnasium zu Brieg.) 

Die frage nach dem Ursprünge der unter dem namen der 
vaganten- oder goliardenlieder bekannten lateinischen poesien 
des MA. hat in Deutschland zuerst J. Grimm untersucht. 
Er fand in einem göttinger miscellancodex sec. XIII acht la- 
teinische gedichte, deren inhalt auf Friedrichs I. heerzüge in 
Italien und den erzkanzler Reinald von Cöln hinwies und vom 
denen sieben die Überschrift Archipoeta führten. Durch eine dem 
kloster Stablo entstammende Brüsseler handschrift Hess sich die 
zahl dieser auf denselben Verfasser hinweisenden vagantenlieder 
auf zehn vermehren, herausgegeben in I. Grimm Kleiner. Sehr. 
III, p. 1 — 102. Seine Überzeugung von dem deutschen Ursprung 
der vagantenpoesie fand Grimm durch einen einblick in die da- 
mals noch nicht publicirten schätze des codex Buranus in Mün- 
chen bestätigt und glaubte die hauptmasse auch dieser gedichte 
seinem archipoeta beilegen zu müssen , über dessen lebensum- 
stände er aus den zerstreuten andeutungen der gedichte man- 
cherlei zu ermitteln wusste. Auf Grimms forschungen und die 
inzwischen erfolgten publicationen Schmellers und du Me'rils ge- 
stützt wies W. Gieseb recht in der lichtvollen abhandlung 



221. Mittelalter. . 255 

„die Vaganten oder Goliarden und ihre Lieder" (Allgem. Mo- 
natsschr. 1853, p. 10 — 43. 344 — 381) eingehend nach, dass die 
quelle der goliardenpoesie in Frankreich zu suchen sei und 
glaubte den Grimmschen archipoeta in der person des Walter 
von Lille (Gualterus de Insula) , des gefeierten lateinischen poe- 
ten des 12. Jahrb., gefunden zu baben, dem in einer pariser 
handsehrift zehn (seitdem von Müldener herausgegebene) lateini- 
sche gedichte ausdrücklich beigelegt werden. Diese ideatificie- 
rung greift aber mit recht der Verfasser vorliegender schrift an 
und sucht den vielverschlungenen knoten dieser frage durch die 
kaum abzuweisende annähme zu lösen , dass der hauptstock der 
uns bekannten vagantenlieder auf zwei hauptdichter zurück- 
führe; 1) den archipoeta (= hofpoet) am hofe des erzkanzlers 
Eeinald, 2) Gualterus de Insula, Verfasser der zehn gedichte 
der pariser handsehrift und mehrerer der im codex Buranus 
enthaltenen. Zu dieser trennung nöthigt ausser andern grün- 
den besonders die durchgreifende Verschiedenheit beider serien : 
in den pariser liedern „ist durchgängig ein ernsterer, tiefsittli- 
cher ton angeschlagen (p. 3.)" als in den göttinger gedichten, 
es treten höhere interessen, eine gründlichere bekanntschaft mit 
den klassischen dichtem, endlich eine ganz entgegengesetzte 
politische Stellung hervor. Während der archipoeta ein begei- 
sterter ruhmredner des staufischen kaisers ist, erscheint Walther 
bereits im j. 1166 als ein alter anhänger der päpstlichen partei. 
Zu eingehender begründung gibt Peiper nach dem vorliegenden 
material eine lebensskizze des berühmten dichters der Alexan- 
dreis (p. 4 ff.), wobei die Untersuchungen Giesebrechts in man- 
chen punkten eine nicht unerhebliche erweiterung und auch be- 
richtigung erfahren. Den schluss der arbeit (p. 14 — 16) bildet 
der kritisch revidierte text des dem Walther schon von Giese- 
brecht mit recht zugewiesenen schönen gedichtes „propter Syon 
non tacebo." Im Buranus ist der text stark verderbt, doch 
konnte der herausgeber eine gute handsehrift der Ehedigerana 
benutzen. Ein näheres eingehen auf den reichen inhalt der klei- 
nen schrift verbietet der uns zugemessene räum, daher nur ei- 
nige kurze bemerkungen. Die auch dem referenten nur dem 
namen nach bekannte abhandlung von Achleuthuer „de Gualteri 
Castellionensis Alexandreide " Kremsmünster 1861 scheint dem 
verf. unbekannt geblieben zu sein. Das urtheil über Müldeners 



256 222. Handschriftenkunde. 

ausgäbe (p. 12 f.), in der form vielleicht zu hart, erscheint doch 
sachlich nicht unbegründet. Peiper emendiert glücklich eine an- 
zahl corrupter stellen; nur muss es III, 54 mnas decem requi- 
sivit heissen, nicht mnam (dies scheint druckfehler, deren sich 
mehrere finden)«, III, 53 ist vielleicht certatum zu lesen; man- 
che stellen harren noch der bessernden hand, z. b. IX, 161, wo 
statt secum wahrscheinlich seclum (saeculum = mundus, vgl. u.a. 
VII, 1 ff.) herzustellen ist, X, 44, wo die ursprüngliche LA fal 
lax sensus ad salutem (vgl. v. 65) gelautet haben wird. A 
dem caro sanctus VII, 119 ist übrigens kein anstoss zu nehmen. 
Möge es schliesslich vergönnt sein , den wünsch zu äussern, 
dass dem noch unbefriedigten bedürfniss nach einer kritischen 
ausgäbe der dichtungen Walthers durch den dazu wohl berufene 
Verfasser der vorliegenden arbeit entsprochen werde. 

QQ 

222. Scipione Maffei e la Capitolare Biblioteca, da 
Giamb. Carlo Conte Giuliari. Genova et Firenze. 1868. (Aus- 
zug aus der Eivista Universale). 28 SS. 8. 

Das vorliegende schriftchen, aus der feder des bekannten 
domherrn und liberalen bibliothekars , welches durch die feier- 
liche einweihung eines neuen saals der Veroneser dombibliothek 
zur beherbergung aller von Scipione Maffei hinterlassenen Mss. 
schönwissenschaftlichen, theologischen und philologischen inhalts 
veranlasst ist, fasst in anspruchsloser doch anziehender weise 
die einzelnen sonst zerstreuten daten über Maffei's verhältniss 
zu dieser bibliothek und seine Verdienste um dieselbe zusammen. 
Gemeinschaftlich mit dem greisen domherrn Carinelli war 
Maffei bekanntlich der glückliche Wiederentdecker dieser hand- 
schriftlichen schätze, aus denen von ihm ab bis auf die auffin- 
dung des gaianischen palimpsesten durch Niebuhr und bis auf 
die heutigen tage so viele inedita hervorgegangen sind. Her- 
vorzuheben ist etwa, da die übrigen thatsachen sattsam bekannt 
sind, die ehrenrettung seiner Vorgänger im canonicate, welch( 
die Codices ein Jahrhundert lang unbeachtet liegen gelasser 
hatten, indem Giuliari (p. 12) nachweist, wie die veroneser pest 
v.j. 1630 die meisten domherren und mit ihnen die erinnerung 
an die verpackten handschriften fortgerafft hatte. 



Neue auflagen und Schulbücher. Theses. 257 

NEUE AUFLAGEN: 223. R. Westphal, Catull's gedichte in ihrem geschichtl. 
zusammenhange übersetzt und erläutert. 2te ausgabe(?). 8. Berl. J870: 1 thlr. 
20 gr. : stimmt mit der ersten ausgäbe oder aufläge selbst in den berichtigungen 
p. vm überein. — 224. Ciceronis Orationes selectae XIV. Ed. 20a. Hai. 1868: 
besorgt von O. Heine: 18gr. ; sehr sorgfällig. — 225. 31. T. Ciceronis oratio- 
nes selectae XXI. Recognovit Reinh. Klotz. Ed. 2a emendatior: 
t&Va 8 r- > vor jeder rede steht ein argument, dann folgt der correcte text, ohne jegliche 
beigäbe. — 226. A. Schwegler , geschichte der griechischen philosophie, 2te 
aufl. , herausg. von K. Köstlin. 8. Tübingen. 1870: 1 r'tbl. 10 gr. ; einzelne 
partien von Sokrates an sind vom herausgeber umgearbeitet. — 227. Th. Momm- 
sen, römische geschichte. 3tr bd. 8. Berl. 5te aufl. : 1 thlr. 

NEUE SCHULBÜCHER: 228. Xenophons Anabasis. Für den schulgebrauch 
erklärt von Ferd. Vollhrecht. Bd. I. aufl. 4. Lpzg. 1870: wirklich sorg- 
fältig verbesserte aufl.: 20 gr. — 229. Benedix , R. , der mündliche Vor- 
trag Ein lesebuch für schulen und zum Selbstunterricht. 3ter theil. Die 
Schönheit des Vortrags. 2te aufl. Lpz. 1870: 1 thlr. — 230. B. Büchsen- 
schütz, griechisches lesebuch. 8. Berlin: 10 gr.: enthält 110 nummern, die pas- 
send gewählt und allmählig schwerer werden : dem für den ersten anfang bestimm- 
ten buche ist ein Wörterbuch angehäugt. — 231. R. Foss , grundriss der ge- 
schichte für die mittlem und obern classen höherer lehranstalten. 3te aufl. Gärtner. 
Berlin: 18 ngr. — 232. A. Hauche, aufgaben zum übersetzen ins lateinische für 
quarta in anschluss an die grammatik von Ellendt-Seyffert. 6te aufl. 8. Berl. 
1870: 15 gr. — 233. P. D. Ch. Hennings , elementarbuch der lat. gram- 
matik von Ellendt-Seyffert. Zweite abth., für quinta. 8. Kiel: 12 gr.: mit einer 
ausführlichen vorrede über die meriten des buchs. — 234, H. W. Meyer, gram- 
matische regeln und beispiele als anhang zum lateinischen elementarbuch 1 von Dr. 
Hennings: Kiel: 2 gr. : soll laut vorwort in Sexta neben der grammatik, die 
zu schwer sei, gebraucht werden. — 235. W. Osterwald , griechische sagen 
als Vorschule zum Studium der Iragiker für die Jugend bearbeitet. Zweite abthei- 
lung: Euripides erzählungen. Zweites bändchen. 8. Mühlhausen. 1869: 15 gr. — 

236. Paul, O., handlexikon der tonkunst. 2te lieferung. Leipzig. 1870. — 

237. Reinhard, album des class. alterthums zur anschauung f. d. Jugend. Lief. 
1 — 9: Stuttgart: ä 15 gr. — 238. Dr. Herrn. Schmidt, elementarbuch der 
lateinischen spräche. Erster theil: die formenlehre für die beiden untersten clas- 
sen eines gymnasiums. Fünfte aufl. 8. Neu - Strelitz. 1870: 20 gr. 

THESES quas in alma literarnm universitate Viadrina . . . d. XIV m. Au- 
gusti MDCCCLX1X . . defendet Bertholdus Mu eller: 1. Aesch. Agam. 
661 sqq. vera est codicum leclio , modo iungatur avd-gwnos oiaxog 9-tyiäv ; 
2. Soph. Aiac. 152 vera est Hermanniana explicatio, quae ita est accipienda ut ge- 
netivus rov kQavros e comparativo ptiXkov suspensus putetur; 3. Eur. Helen. 78 
legendum : n cT, <a raXainwQog ; rig mv /u' äntGToätfuji;; 4. Tertull. apol. c. 2 
legendum : „sie enim soletis dicere homieidae Negu f laniari iubere sacrilegum, 
si confiteri perseraverit ? si nos ita agitis circa nocentes, erga nos" cett. 

BIBLIOGRAPHIE: 239. Bibliolhecae philologicae pars I. Bibliotheca orien- 
talis et linguistica. Verzeichniss der vom jabre 1866 bis incl. 1868 in Deutsch- 
land erschienenen bücher, Schriften und abhandlungen orientalischer und sprach- 
vergleichender literatur herausg von C. H. Herrmann. 8. Halle a. d. Saale. 
1870: 1 rthl. : es sollen als foitsetzungen Bibliotheca classicorum Graecorum 
et Romanorum und Bibliotheca philologica bald erscheinen: dann bitten wir 
aber, den preis billiger zu stellen. — 240. Bibliotheca philologica. Antiquarischer 
catalog von F. A. Brockhaus' Sortiment und antiquarium in Leipzig. Classi- 
sche philologie. I. Auetores Graeci, Auetores Latini. II. Neulateiner, geschichte 
der philologie , griechische und lateinische spräche und literatur , alte geschichte, 



258 Bibliographie. 

inschriften, numismalik, archäologie: hoffentlich wird ein rabalt bei etwas grössern 
bestellungen gegeben werden : sonst wären die preise zu hoch. — 241 . Die accessio- 
nen der königl. Universitätsbibliothek in Göttingen während des j. 1868. Braun- 
schw. 1869: solcher Verzeichnisse sind seit 1858 jedes jähr eins erschienen. — 
242. Mittheilungen der verlagsbandluug von B. G. Teubner, nr. 4 u. nr. 5 : dar- 
unter heliodoreische Studien von O. Hense , Naevii reliquiae von Fahlen, 
was wir mit besonderer freude begrüssen , fortsetzungen der Bibliotheca l'eub- 
neriana, Schulausgaben u. s. w. 

Cataloge von buchhändlern und antiquaren: Bornträger, (Ed. Eggers) 
verzeichniss im preise herabgesetzter werke; verzeichniss der bücher, welche im 
verlage von W. Weber in Berlin erschienen sind: abth. I. II. (abth. II ent- 
hält ein verzeichniss von im preise ermässigten büchern) ; Fr. A. Brockhaus, Sor- 
timent und antiquarium in Leipzig , nr. XXXV : pädagogik, deutsche spräche , ju- 
gendscbriften enthaltend; G. B. Griesbach in Gera, catalog XXI des antiqua- 
rischen bücherlagers ; Antiquarischer anzeiger von Haerpfer's buchhandlung und 
antiquariat in Prag, nr. 21 ; Th. Kampf mey er in Berlin bücherverzeichniss nr. 
171; K. F. Köhler, antiquarische anzeigehefte, nr. 183; List und Franche 
in Leipzig, verzeichniss von werken aus dem gebiet der classischen philologie, der 
archäologie, der mythologie so wie der allen geschichte, aus dem, nachlasse des 
herrn prof. Dr. F. Wunder: sonst antiquarisches verzeichniss nr. 55: Th. 
v. d. Nahmer, verzeichniss einer Sammlung philologischer werke, enthaltend die 
bibliothek des verst. prof. K. E. A. Schmidt in Stettin, antiquarisches lager 
n. IX ; C. JRümpler , verzeichniss werthvoller werke , welche bis zu ende des 
j. 1869 zu beziehen sind (sehr wenig philologisches enthaltend); verlag von 
Otto Spamer iu Leipzig; verzeichniss von büchern, welche zu den beigesetzten 
preisen zn haben sind in Ed. Webers buchhandlung in Bonn , philologie und 
alterthumswissenschaft ; E. Weingart, in Erfurdt, Catalog nr. 423, philologie 
und archäologie; Alfred Würzner in Leipzig, verzeichniss XX, für literaturge- 
schichte, Zeitschriften, typographie u. dgl. 

Catalogue de la librairie ancienne de H. F. Münster — Ve- 
rone — .• italienische werke vorzugsweise. 

Steigers catalog americanischer Zeitschriften: dabei L. Steiger, Jahresbe- 
richt des secretairs des gesangvereins „deutscher liederkranz in New- York", 1869 
(es ist der liederkranz unsern museen , lesevereinen drgl. analog und das schrift- 
chen kann vielleicht bei der einrichtung solcher vereine bei uns nützlich werden). 

Bücherauction bei Härtung in Leipzig am 8. dec. 1869. — Bibliotheca 
Haaseana. Katalog der nachgelassenen bibliothek des hm Dr. Friedrich 
Haase , deren öffentlicher verkauf vom 10. Januar 1870 an durch Benno 
Milch stattfindet : dem musterhaft gearbeiteten katalog liegt ein aufsatz des Dr. 
K. Fickert bei, der die Vorzüge dieser bibliothek auseinandersetzt: wir verfeh- 
len also nicht auch hier unsre fachgenossen auf diese auction nachdrücklichst auf- 
merksam zu machen. — Otto Jahns bibliothek. Erste abtheilung: griechische 
und römische classiker. 8. Bonn. 1870: 222 s. 8: wird versteigert zu Bonn 
am 7. Februar. 1870: änsserst reichhaltig. 



AUSZÜGE aus Zeitschriften: Augsburger allgemeine zeitung , 1869, nr. 
55: sehr interessante mittheilung über einen 1628 in Trier gemachten fund 
antiken silbers: er bietet eine treffliche analogie zu dem hildesheimer silber- 
fund. — Nr. 74: neue auflagen Zwö&e'scher werke. — Beil. zu nr. 75: ein 
characterbild Göttlings , als vorwort zu seinem letzten werke : von Kuno Fi- 
scher. — Bunsens memoiren. — Beil. zu nr. 76: K. F. Haug, nekrolog. — 
Beil. zu nr. 82 : von deutschen hochschulen : schluss in beil. 83 : vortreffliche 
artikel, weit mehr werth als die ganze durch und durch oberflächliche schrift des 
greilswalder Bekker. Aber auch dieser treffliche täuscht sich über die gefahren, welche 
den Universitäten drohen: er sagt: „heute sind keine Karlsbader beschlüsse mehr 
zu erwarten": aber man sucht doch die regierungs - bevollmächtigten fester als je 
zu stellen , andre polizeiliche maasregeln einzuführen u. s. w. — Beil. zu ur. 



Auszüge aus Zeitschriften. 259 

85 : die Universität Peking. — Beil. zu nr. 86 : glyptothek und pinakothek. I. — ■ 
Nr. 88: Glyptothek und pinakothek. FI. — Nr. 93: Eduard Wunder f. - Beil. 
zu nr. 97: "zur deutschen ühersetzungsliteratur : enthält schwaches über Droysens 
Aristophanes. — ßeii. zu nr. 98: das pompejanische haus des prinzen Napoieon: 
soll niedergerissen werden. — Beil. zu nr. 99: Plutarch als romantiker: anzeige 
von Octave Greard, de la morale de Plutarque. 8. Paris. 1866; 
schluss in beil. zu nr. 100: man sieht nicht recht ob das ganze ernst oder iro- 
nie ist : jedenfalls ist die Schilderung Plutarchs französisch. — Kaiser Diocletian 
und seine zeit. Von Th. Preuss. 8. Leipzig. 1869: eingehende und lobende 
anzeige. — Nr. 112: die classischen Studien in Frankreich: gegen den kaiser. — 
Beil. zu nr. 113: Gertand, das aussterben der naturvölker: wird sehr empfohlen. — 
Nr. 116: die nationalität und die kunst. — Nr. 123 : Esthnische mährchen. — Beil. 
zu nr. 126: festsitzung des archäologischen instituts in Born. — Nr. 136: director 
Krech f. — Beil. zu nr. 142: Emil Neumann , die tonkunst in der kultur- 
geschichte. Bd. I: wird empfohlen. — Beil. zu nr. 143: Luc. Müller, ge- 
schichte der classischen pbilologie in den Niederlanden: lobende anzeige ohne ei- 
genes. — Die assyrisch -babylonischen denkmäler zu Zürich, von Eb. Schröder. — 
Nr. 149: Tiber - Emporium : grosser reichthum desselben. — Nr. 159: W. 
Arnold, kultur und recht der Bömer. 8. Berlin. 1868: treffliche anzeige des 
trefflichen buchs. — Krause, die Byzantiner des mittelalters. 8. Halle. 1869: 
unverständige anzeige. — Nr. 160. 164: die ostküste des adriatischen meeres 
und ihre bedeutung für den Welthandel. — Beil. zu nr. 167 : O. Benndorf, 
griechische und sicilische vasenbilder: die tüchtige leistung wird empfohlen. [S. 
ob. p. 188]. — Chr. Bahr, in Heidelberg, s. auch beil. zu nr. 181. 

Börsenblatt für den deutschen buchhandel. 1869, nr. 37: Elzeviriana. 
— Nr. 45: der literarische verkehr in Italien. — Nr. 102: Schroer , enthül- 
lnngen über Christian Oeser. — Nr. 105: das geistige eigenthum mit bezug auf 
Zeitungen und Zeitschriften. — Nr. 134: entgegnung auf den artikel „das 
geistige eigenthum" u. s. w. — Nr. 148: die fortsetzung des Grimmschen Wör- 
terbuchs. — Nr. 208: zur Statistik des buchhandels. — Nr. 218. 220: H. 
Jacobson , zur geschichte der Estiennes. — Nr. 226 : die reformbewegung im 
italienischen buchhandel. — Nr. 238: Carl Duncker ; kurze Schilderung sei- 
nes lebens und wirkens. — Nr. 268: die eisenbahnbibliotheken [wir philologen 
bitten auch um etwas gut philologisches: also z. b. um den ,, Philologischen 
Anzeiger"!]. — Nr. 273: das zwölfte Stiftungsfest des berliner „Krebs". — 
Nr. 277. Die B. G. Teubncr'sche buchdruckerei in Leipzig. 

Neue Jahrbücher für philologie , 1869, heft 4: 31. Schumann, zur 
lehre vom infinitiv, p. 209. — 32. Th. Plüss, Fabius Pictor, p. 239. — 33. 
Buchen, beitrage z. verständniss des Aristoteles, p. 243. — 34. E. Kuhn, 
anz. von C. W es eher, etude sur le ynonument bilingue de Delphes, p. 
253. — 35. Köpke, zn Arrian. Anab. I, 14, 2. 3. — 36. Bockemüller, , zu 
Lucretius, p. 266. — 37. Peiper , Domitius Marsus. Adamnanus, p. 268. — 
38. Dahms, ad Germanicum Caesarem, p. 269. — 39 Grosse, zu 
Bibbecks App. Vergiliana, mit einem zusatz von O. Ribbeck, p. 275. — 40. 
A. Riese, über die echtheit der gedichte des Seneca, Petronius u. A., p. 279. — 
41. Meusel, anz. von Zacher Pseudo-Callisthenes und dess. ausgäbe von Vale- 
rii Epitoyne, p. 282. — 42. Hennings, zu Tac. Germ. 32, p. 288. — 
Abth. II: 28: Stadelmann, de Hör. carm. II, 11, p. 178. — Nekrolog von 
Rüdiger. 

Heft 5 : 43. G. Curtius, anz. von Studien cett. p. 289 : s. ob. p. 33. — 
44. Comparetti, inschrift aus Tauromenium, p. 305. — 45. Lüders, Wieder- 
aufbau der mauern Athens durch Konon, p. 310. — 46. BZ. Hagen, zu Cic. 
Catil. II, 11, 25, p. 312.— 47. PL Dilntzer, Vergilius und Horatius, p. 313.— 
48. Kerber, zu Verg. Aen. II, 236, p. 230. — 49. Eberz, zur literatur der 
römischen elegiker: anz. von Ribbeck über Tibull nnd .Prien über Symmetrie, p. 
331. — 50. M. Müller, beitrage zur kritik und erklärung des Livius, p. 339. — 
51. Eichhorst, die empörung des Saturninus unter Domitian, p. 354. — Abth. H. 



260 Auszüge aus Zeitschriften. 

83. Gregorovius geschichte der Stadt Rom im mittel alter. — Beil. zu nr. 
II : Hertzberg , anz. von Büchsenschütz, besitz und erwerb im griechischen 
alterthum. 

Heft 6: 52. W. Chi ist, anz. von Rossbach und Westphal, metrik der 
Griechen, p. 361. — 53. Bloss, Pindars hyporchem fr. IV B., p. 387. — (2) 
Schümann, zur lehre des Apollonius über die modi , p. 390. — 54. Use- 
ner, anz. von C. Halm, ausg. des Minucius Felix und Firmicus Matemus , J p. 
393. — 55. Dombart und M'dhly , zu Minucius Felix, p. 417. — 56. E. 
Hiller, die zeit des grammatiker Oros, p. 438. — 57. Lentz , zu Seneca's 
briefen, p. 440. — Abth. II. Nekrologe von Joh. Schulze und L. von Jan, 

Heft 7: 58. Pfundtner, die historischen quellen des Pausanias, p. 441. — 
(29) Grosser , das ende der dreissig u. d. abfassungszeit von Lys. or. 25, p. 
455. — 69. Hultsch, zu Polybios , p. 456. — 60. L. Bindorf, zu Aga- 
thias, p. 457. - 61. Derselbe über d. w. ktl-wög, p. 466. — 62. Schü- 
mann, zu Priscian. XVIII, 4, 5, p. 467. — 63. L. Dindorf, zu Dionysios von 
Halikarnass, p. 471. — 64. Ladewig, zu den prologen der plaulinischen ko- 
mödien, p. 473. — 65. Bergk, zu den lateinischen komikern, II, p. 478, — 
66. Fuhrmann, zu Plaulus Casina, p. 480. — 67. Teuffei, zu Plautus Me- 
nächmen, p. 484. — 68. Bücheier, zu Ritschl's neuen plaulinischen excursen, 
p. 485. — 69. Tittler, restaurationsversuche auf dem felde der kritik, p. 489. 

— 70. Eussner, zu Sali. Jug. 3, 2, p. 506. — 71. Diestel, anz. von Preuss, 
Diocletian, p.508. — 72. H. Hagen, zwei handschriftencataloge aus s. X, p.510. 

Heft 8: 73. Forchhammer, die rede in Soph. Oed. Tyr. 216 sqq., p. 
513. - 74. L. Dindorf, zu Soph. Oed. Col. 692, p. 519. - 75. Schmid, 
zu prolog von Für. Ion, p. 520. — 76. L. Dindorf , über einige fragmente 
der attischen komiker, p. 522. — 77. Junghans, zu Theoer. Id. III, p. 525. — 
78. Liebhold, zu Plat. Phaedr. p. 247 C, p. 533. — 79. Ed. Müller, der 
Zeus der Hellenen und Jerusalem, p. 534. — (68) Bücheier, nachtrag, p. 
536. — 80. Hinck, die imöroXi/uctloi, /agaxT^gsg des Libanios, p. 537. — 
81. Plüss, anz. von Ihne römische geschiebte, bd. I, p. 563. 

Philologus : es erschienen im laufe des jahres XXVIH , 2. 3. 4. XXIX, 1 
2. 3: von 1870 an erscheinen im jähre je sechs hefte, alle zwei monate ein 
heft ä 8 bogen: eine sonstige Veränderung tritt nicht ein. 

Rheinisches museum XXIV, 4 : W. Heibig , beitrage zur erklärung der 
campanischen Wandbilder. IL III, p. 497. — Fr. Blass, zur frage über die sticho- 
metrie der alten, p. 524. — W. Brambach, I. brennende fragen, p. 533 [be- 
spricht Bergk's brief im Piniol. XXVIII, p. 438]. — N. WecMein, zu Aristophanes, 
p. 547. — L. Müller, der dichter Sucius, p. 553. — H. Struve, pontische briefe. 
I, p. 558 [enthält griechische inschriften], — Dziatzko, über den Rudensprolog des 
Plautus, p. 570. — B. Schneider, zu Apollonius Dyskolus, p. 585. — 31 isc ei- 
len: handschriftliches: Bender, zu Dionysius von Halikarnass, p. 597.— ,/. So?n~ 
merbrodt, die lucianischen handschriften auf der St. Marcusbibliothek zu Venedig, 
p. 601. — J. Klein, zu Vergil's kleinern gedienten, p. 607: — E. Grosse, zu 
den versus Scott cuiusdam de alphabeto, p. 614. — Onomatologisches: 
K. Lehrs, 'I&üxtj, p. 617. — Boscher, Jrjlftvvos, 'Pthm und Tvpvig auf va- 
sen, p. 617. — Metrisches; L. M. , römisches ammenlied, p. 619. 

— Literarhistorisches: K, die lebensgeschichte des kaisers Julianos, p. 
620. — L. M., der mimograph Catnllus, p. 621. — Kritisch-exegeti- 
sches: E. Scheer , zu Hesiodus theogonie, p. 623. —r A. Schmidt, zu 
Euripides, p. 627, behandelt Eur. Helen. 311, Herc. Für. 1114. — W. Röscher, 
zu Aristophanes, p. 628, will in Thesmoph. 138 cJo^i« statt x6q<x schreiben. — 
Stahl, zu Thukydides, p. 629. — Schwenger , zu Xenophon, p. 631. — Emenda- 
tio Lucianea. Scr. G. Röscher, p. 631. — J. Klein, zu Polyänus, p. 
632. — Koch, zu Plautus, p.633. — L. M.; zwei neue fragmente des Laevius, zu 
Valgius, zu Rutilius Namatianus, p. 634. — H. Müller , zum rhetor Seneca, 
p.636. — L. 31., lücke im Nonius, p. 637 - G. Richter, zu Julius Capi- 
tolinus, p. 638. — L. M-, zu Paulus, p. 639. — Berichtigungen und Zusätze, 



Auszüge aus Zeitschriften. 261 

Zarncke, Centralblatt, 1869, nr. 32 : besitz und erwerb im griechischen al- 
terthum, von B. Büchsenschütz. 8. Halle. 1869: anerkennende anzeige. — 
Biber diurnus Romanorum pontißcum, publie par Bug. de Ro ziere. 
8. Paris. 1869: wir führen dies erstens deshalb hier an, damit der titel nicht 
tausche: es bezieht sich das buch auf die päbste: dann aber weil diese, iu mu- 
stern die regeln, nach denen die päbstliche canzlei in ihrem gechäftlichen verkehr ver- 
fuhr, enthaltende schritt aus einem codex s. IX edirt ist. — W. Brambach , die 
neugestaltung der lateinischen Orthographie cett. 8. Leipz. 1868: wird gelobt 
(s. ob. p. 166). — — Nr. 33: Volkmann, Synesius von Cyrene: anzeige: (s. 
ob. p. 175). — Guttmann, de hymnorum homericorum historia cri- 
tica pp. IV. 8. Greifsw. 1869: beistimmende anzeige von C. — Bippart, 
beitrage zur erklärung und kritik des Virgilius. 8. Prag. 1868: bezieht sich 
auf Verg. Ecl. 1. 11, befriedigt aber den rec, Chr. B., nicht. — Zingerle, Ovi- 
dius und sein verhältniss zu den Vorgängern und gleichzeitigen römischen dich- 
tem. Heft I. Catull. Tibull. Properz. 8. Insbr. 1869: anzeige von Chr. B., [da 
diese schritt Chr. B. so loben kann, begreift man den tadel gegen Bippart nicht: 
wer Zingerle so zu loben vermag, muss, will er gerecht sein, Alles lobeu). — C. 
Plini Secundi Naturalis historia. D. Detlef sen rec. Vol. III: an- 
zeige: (s. oben p. 157). — O. Benndorf, griechische und sicilische vasen- 
bilder. Lief. I: anzeige von Bu , in der einzelne inschriften abweichend ergänzt 
werden (s. ob. p. 187). — W. Helbig, Wandgemälde der vom Vesuv verschüt- 
teten städte Campaniens u. s.w.: ausführliche anz. von Bu (S. ob. p. 188). 

Zeitschrift für das gymnasiahoesen von Bonitz, Jacobs, Rühle, 
1869, heft 4, April: Aken, griechische schulgrammatik : ausführliche kritik von 
Braune : [es hat sich daraus zwischen Aken und Braune wie vorher mit Stier, 
s. unt. Juni p. 435 flg. , ein streit alten styls entwickelt, der namentlich von Aken's 
seite unerquicklich geführt wird : die literarischen mitglieder des militairischen nord- 
deutschen bundes sind so empfindsame und zarte Seelen, dass sie eigentlich in das 
Iand der bezauberten rose gehören.]. — Brambach , lateinische Orthographie, aus- 
führliche anzeige von Genthe: vergl. ob. p. 166, auch Bergk im Philol. XXVIII, 

p. 438 und Bhein. Mus. XXIV, p. 524. Mai: Hirschfelder, zur lileralur des 

Horatius, p. 349: ausgaben der öden von Düntzer und Nauck werden besprochen 
und einzelne stellen selbständig behandelt. — Hacker , kurze besprechung von 
Friederichs , bausteine zur geschichte der griechisch-römischen plastik. 8. Düsseid. 
1868. — Schuster, zum andenken an director K. A. J. Hoffmann, p. 411. 
— — Juni: Rumpel , kleine Propyläen, Seemann, die götter und heroen 
nebst einer Übersicht der culturstätten und religionsgebräuche der Griechen, Wag- 
ner, die grundformen der antiken classischen kunst, angezeigt von Engelmann, 
p. 467, der als für die untern schulclassen brauchbare diese bücher characteri- 
sirt. — Runge, zum andenken an director Krech, p. 486. — Zum anden- 
ken an professor Britz, p. 494. [Ich füge hinzu, dass Kritz auch stets ein bra- 
ver, freigesinnter deutscher mann gewesen; als Fr. Haase in Erfurt auf der 
festung sass, war Kritz einer von den wenigen, die offen ihm das leben er- 
träglich zu machen mit aller kraft erstrebten : es war das damals nicht ohne gefahr: 
vrgl. Reisig Vorles. cett. vorr. p xvi. — B. v. B.]. — — Juli. August: 
Hirschfelder, zur literatur des Horatius, p. 581: die ausgaben der Satiren und 
episteln von Krüger, Düntzer, Ribbeck , das Wörterbuch von Koch betreffend : es 
wird Alles gelobt!! — Madvig, 31. Tulli Ciceronis de Fin. B. et M. 
II. V, anz. von Genthe, p. 588, der das, was ob. p. 239 gesagt ist, mit hübschen 
beispielen belegt — — September: Sehen kl, Nenophontis opera. Vol. 
L, anzeige, in der einzelnes besprochen wird, von Büchsenschütz: vgl. ob. p. 
90. — — October: Bllendt, G. Dindorf Bexicon Sophocleum, anzeige 
von Gehrtf p. 767. — Bbeling , griechisch deutsches Wörterbuch zu Sopho- 
kles, anz. von Bonitz, p. 769 : Bonitz spricht höflich und zart dasselbe über 
solche Wörterbücher aus, was ob. p. 137 derber gesagt ist: mit Zartheit kommt 
man in diesen dingen nicht weit. — Pfuhl, die bedeutung des aorist. 8. 
Dresd. 1867: rec. von Aken, p. 775. 



262 



Auszüge aus Zeitschriften. 



Zeitschrift für die österreichischen gymnasien, 1869, Hft 5 : Conze, über 
die bedeutung der classischen archäologie : antrittsvorlesung, p. 335. — A. 
Ebert, Tertullian's verhältniss zu Minntius Felis, ausführliche recens. von W. Har- 
tel, p. 348. — — Heft 6: Xenophon's Anabasis von Rehdantz, von Breiten- 
bach, Wörterbuch von Vollbrecht, anzeigen von K. Schenkl, p. 441. — Hi- 
storia miscella. JRec. Fr. Eyssenhardt, anzeige von W. Tomascheck, 
p. 453, in der einzelne stellen abweichend vom herausg. besprochen worden: s. 
ob. p. 153. — Pichler, die keltischen namen der römischen inschriftsteine Kärn- 
tens, p. 460: anzeige mit vielfachen ausstellungen von W. T. — Plinii Se- 
cundi Naturalis historia. D. Detlef sen recensicit. T. III: anerkennende 
anzeige mit ein paar bemerkungen über stellen von W. T. p. 462. — Richard 
Bentley, eine biographie von J. Mähly : genaue anzeige von J. Schmidt, die 
durchblicken lässt, dass sie diese art der behandlung nicht billigen könne. Warum 
das nicht offen sagen? (vrgl. ob. p. 246). — — Heft 7 und 8: J. La Ro- 
che, die chorizonten , p. 507. — Sojjhoclis tragoediae, ed. A. Nauck 
(Trachinierinnen), p. 530 anz. v. K. Schenkl, der einen fortschrill der ausgäbe 
nachrühmt. [Andre denken anders: denn Sophokles wird sich in diesen ausgaben 
immer unähnlicher!] — H. Heydemann , über eine nacheuripideiscbe Antigone. 
4. Beil. 1868: anz. v. K. Schenkl, p. 540, der bei manchen abweichungen 
im einzelnen, doch zugiebt, dass das behandelte vasenbild nicht wie Hygin fab. 72 
auf Euripides zurückgehe. — Iulii Caesaris Commentarii — ed. Fr. 
Duebner. 2 voll. 4. Paris. 1868, p. 541 — 576: eingehende anz. v. 
Vielhaber, namentlich für Bell. Alexandrinum zu beachten. — Rrambach, die 
neugestaltung der lateinischen Orthographie cett., angezeigt von W. Hartel, p. 576 : 
s. ob. p. 66. 261. 



Index 1 ). 



*Achill und Polyxena p. 224. 

adhortor c. inf. 164. 

*Adriat. meer, bedeutung f. den han- 

del 259. 
Adverbia, griech. 34 ; form auf <og 24. 
*Aegypt. gesch. 208. 
*Aeschylos 160; trilogie 83. 84; 
Aesch. u. Phrynichos 79. 84 ; gott- 
heit, von Hoffmann 166: Perser 
ed. Schiller 78; Persertrilogie 79; 
metrik80; etudes von Prince *32. 
42 *247; Pers. v. 49 p. 89; 75. 
88. 94 ff. p. 42; 96 p. 81; 102. 
115 p. 43; 192 p. 81; 219. 409. 
411 p. 43; 414 p. 80; 426 p. 81; 
459. 564 p. 80; 604. 608 p. 43; 
760 p. 42, 815 p. 80; 858 p. 
43; 979 p. 43; 987 p. 43. 
— *Prometh. v. 51 p. 94. 

Agam. ed. Davies 75. p. 77 ; 
ed. Weyrauch *224; v. 304. 
661 *p.257. 715 p. 77; 849 
p.76;v. 984. 1238 p. 77; 1254 
p. 76; 1322 p. 77; 1414 p. 76; 
1595 p.77. 
- schol. 43; v. 260 p. 44; 



1081 p. 44; 1093, 1133, 1141 
p. 45. 
Aethicus 221. 
Agricola 196. 
Agrippa 221. 

*Aken, griech. gramm. 160. 
Ala Auriana 181 , Ala I Aug. Thra- 

cum 181. 
Alberti, s. Sokrates. 
*Alex. Epirot. 223. 
*Allgayer, 160. 
*H. Allmers, röm. schlendertage 64. 
*Alphabet, latein. 159. 
*Amentia, göttin 95. 
*Ammenlied, röm. 260. 
Ammentum 36. 
Ammian. Marc. XXII 2. 1 p. 140; XXII 

16, 16 p.237; XXX 8. 11 p. 140. 
Amoretten auf pomp. gemälden 220. 
Ampelius II 7. IX p. 41 ; XVI 2 und 

44, XXX 1 p. 24. 
amplexari 164. 
Amus = Thamus 196. 
&v fehlt bei optat. u. coni. p. 3 ff. ; 

beim ind. fut. p.4; bedeutung p. 4. 
*Anauni 207. 






1) Der * deutet an, dass das betreffende in den ansaugen stehe. 



Index. 



263 



*Anecdoton 160. 

Angemiann, s. Patronym. 

* Anthologie, lat., p. 160. 

Antiphanes v. Delos 193. 

Apices 163. 

*Apollo aigiochos 224. 

*Apollonios de mod. 32 .159 247. 

Archontenverzeichniss , attisch., 116. 

*Arezzo , bleitafel 247 ; 

*Aristonicus, v. Carnuth, p. 208. 

Aristophanes *Eq. v. W. Rihbeck 

224; *Ach. 24p. 157, Nub. 1415 

p. 11; Plut. 673. 683. 694 p. 37 ; 

*Thesm. 138, p.260, 1184 p. 160. 
^Aristoteles ; de pari. an. v. Thurot 

*32; ed. Langkavel *247; lib. 

YII nie. eth.v. Haecker *175 ; *parv. 

nat. 159.207; mir. ausc. 41 p.223 ; 

*J. G. E. Hoffmann, Hermen, apud 

Syros 247. 
*Aristoxenos, v. P. Marquard 96. 
Arnäer 102. 

B. Arnold, trag, bühne p. 8. 
*W. Arnold, eultur und recht der 

Römer 201. 
Artemidorus, athlet. 194. 
Aspiration, griech. 35. 
Assimilation 4. 
Athen, karte v. Reinhard 62 ; trag. 

bühne v. Arnold 8, holz, theater 8, 

Kekule, Athena- Niketempel 201; 

*158 ; bildwerke im Theseion 201 ; 

*topographie 159. *bau durch Ko- 

non, p. 254; *assyr. babyl. denk- 

mäler 259. 
*Athenäus 247. 
Athene und Gorgo 32. 
Atlas orbis antiqui v. Reinhard 200. 
*Attius 159. 
Attraction bei relat. 4. 
*Augustusstatue 128. 
^Ausgrabungen , röm. 32. 95, 128. 
— , zu Osterburken 224. 
*Autenrieth , terminus in quem 192. 
Autun 143. 

Bahr, röm. LGchte 191. 
*Baltzer, Pythagoras 64. 
Baumeister, spie. I, p. 18. 
Becker, s. grabschrift. 
Beniken, s. Homer. 
O.Benndorf, Vasen :p. 188, *159. 251. 
*R. Bentley, s. Horat. ; v. Mähly 246. 
J. Bernays, s. Heraklit. 
Beuvray 143. 
*Bina iugera 159. 
*£landitias adhibere 165. 
*Bleck, Ursprung der spräche 152. 



Bloson 227. 

ßkoauQÖ; 37. 

Böttcher, quellen zu Liv. 55. 

C. Bötticher, tekt. der Hellenen, p. 
252. 

*Bonifacius, Orthographie 159. 

*Boller f 95. 

W. Brambach, s. orthogr; bren- 
nende fr., p. 260. 

Bratuscheck , germ. göttersage 222. 

*M. Breal, idees 192. 

Brennecke, s. Xenophon. 

Bruner, s. Terent. 

H. Brunn, s. Homer. 

*Buchhandel p. 249. in Italien, 259. 

*ßüchsenschütz . besitz p. 260. 261. 

*Büdinger, röm. kaisergesch. 224. 

*Bunsens leben v. Nippoldt 192. 

*Burkhardt, Cicerone 157. 

* — , Renaissance 191. 

*Bursian, s. Exuperant.; *gr. Geoor. 
II, p. 208. 

*Cadix, lager 95, alterthüm. 328. 

*Caelius Aurelianus 208. 

Cäsar, s.Thomann u. Gallien ; Schlacht- 
feld der Helvetier, Ariovistschlacht 
144; Unterredung zwischen Cae- 
sar u. Ariovist 145; atlas v. Rü- 
stow 140; *B. G. I, 3 p. 32; I, 
3 p. 146; I, 38, 5; V, 24, 2 p. 
145; VII, 46. 3 p. 146. *Comm. 
ed. Duebner, p. 262. 

*Camarda, quinta tav. Taorminese 248. 

Campanische Wandbilder 159. 

*Cantini, Studien 160. 

Capua, relief 128. 

caput obvolvere 165. 

O. Carnuth, s. Aristonicus. 

*M. Carriere, kunstgesch. 96. 

*Caspari, irrthümer der altclass. phi- 
los. 122. 

Castell. Mattiacorum, v. Becker 180. 

*Cato 160. 

Catullus 19; *ed. Westphal , 267. 
Catulliana v. Rettig 18; c. 39 : 19. 

* — mimograph, p. 260. 

Chaerem. fr. 37, 13 : 86. 

*Champagni, les Antonins 248. 

*XaaxuJTf]s, d>]jUOTlXCr Uß^LUlU 246. 

W. Christ , röm. militärdiplom von 

Weissenburg 180. 
Cicero 240. *Verr. IV ed. Richter 

160, Verr. V p. 155; de Finn. ed. 

Madvig 239; *Orat. ed. Jahn 191 ; 

*Cat. ed. Sommerbrod 245 ; fragm. 

edd. Baiter - Kaiser , p. 215; codd. 

Verr. 156 Verr. V. 38. 81. 89. 



264 



Index. 



113. 50. 78. p. 156; in Va 
tin. 22 p. 19; p. Lig. 23 p. 70, 
*p. Arch. 10, 26 p. 159; *p. Sest. 
64, 133 p. 224; de orat. 2, 20, 
86; 28, 122 p. 159, *de Legg.208 
*Parad. pr. 2 p. 223. Gedichte 
215. Fragm. p. 35 K. p. 215, p 
129 p. 216 de Fato ed. Ferrucci 
241 ; de Fato gefälscht 241. 

Claudius edict über d. Anauner p. 
207. 

Claudian. ep. IV, 9 p. 139; de VI 
cons. Hon. 44. 

Clement. Alex. Paedag.II, 1, 3, p. 193 

Cohors V Bracaraugustanorum 182; 
coh. VII Lusitanorum , coh. III 
Britannorum 182, coh. civium Ro- 
man. 182. 

*Comites Augusti 207. 

Comitia curiata 254. 

Coniunctus, constr. 164. 

Contingit, constr. 164. 

Contraction, to zu ov 34. 

*Conze, griech. plastik 158. 159. 
223; familie August's 160. 

Cook , Sammlung zu Montserrat 95. 

*Coriolanus 207. 

Cornel. Nepos 20: *159: ed. Nipper- 
dey 54; spicil. crit. scr. Nipper- 
dey 20. 146 ; codd. 54 : Alcib. II, 

2, 3 p. 55; III, 6 p. 54; VIII, 

3, X, 5, XI, 1 p. 55; Con. I, 1, 
Dion. V, 4, IX, 6, Epam. VIII, 
2, X, 3, Pelop. V, 1, Tim. IV, 
6, p. 146. 

Corpus iuris att. ed. B. Telfy 113. 
*Corssen , ausspr. u. vocal. 96. 
Curtius, cod. Paris. 23 ; cod. Rhein. 

23; III, 3, 4, III, 13. 1, VIII, 

1, 4, 2, 30, 3, 17, 8, 15, 10,35, 

13, 13, IX, 4, 22, 24. *223. 
*E. Curtius, athen. topogr. 159 p. 207 

*247 griech. gesch. 32 245. 
6. Curtius,' gr. Studien 33; *157. 

griech. etymol. 3; *245. 
Curtius relief im capitol *218. 
L. Curtze, s. Tacitus. 
*Cyprianus ed. Hartel 160. 
C. Dahlmann, deutsch, gesch. 221. 
Davies, s. Aeschyl. 
Decret über d. Verwaltung d. hei 

lig. gelder 116. 
Delbrück s. *; ablat. loc. 162. 
Demosthenes XVIII, 22, p. 4. 
*Desjardins, archäol. forschungen an 

d. Donau p. 95. 
Detlefsen, s. Plinius. 



/ttji&vvo? auf vasen 260. 

Dialekt der iamb. u. eleg. poesie 
35, der griech. trag. 36. 

Didot, s. Orthographie« 

L. Dindorf, s. Polyb. Diodor. Zo- 
naras. 

Dio Cassius u. Phrynichos 32. 

Diodor, ed. L. Dindorf *248; quel- 
len zu 1. XI— XVI v. Volquardsen 
p. 46, 208; zu 1. IX v. Klüber, 
99: *V, 55 p. 207: IX, 5, 2 p. 
100; exe. Vat. 25, 45 p. 128. 

*Diogenes Laert. 159 ; IX, 15 p. 
227. 

Dionys. Hai. V, 1— XI, 63, p. 159. 

*Dionysossarkophag 224. 

Dipoenos 26. 

*Diptychon Quir. 128. 

Discedere in cubiculum 165. 

Domitian, dichter 194. 

*Domitius Marcus 259. 

A. Dryander, s. Lysias. 

*C. Duncker, leben p. 259. 

H. Düntzer, s. Horat. 

f] att. statt a 37. 

*Ebert, Tertullian u. Min. Felix 96. 

ecloga 178. 

Eick, s. Rom. 

Eindringen fremder demente in's 
röm. reich, p. 184. 

*Eisenbahnbibliotheken, p. 259. 

s«<rn»7(Ha, antrittsopfer 115. 

*Elzeviriana 259. 

iniQQtjfia 34. 

Ephesus, sculpturen 45. 

*Epist. obsc. vir. ed. Böcking 223. 
ad Caesar. 223. 

*Erechtheion, baurechnungen 207. 

*Ermitage p. 246. 

*Erlangen, theol. studienhaus 95. 

Eros u. Psyche X 224. 

*Estiennes, geschichte der, 257. 

Est videre 148. 

*Euripides 159, *de repet. verb. sc 
L. Sybel 31: p 45 ; exercit. crit. 
in fragm. scr. O. Hense 86; de 
canticis scr. V. Fritzsche 87 ; Bak- 
chen v. Pfander 89; mythus u. 
eigene anschauung 89; Stellung 
in seiner zeit 168; übersetzt von 
Fritze - Kock 167 ; *Cycl. 558 
p. 160; *Andr. 238*45; Bacch. 
242—5, 314, 316 p. 90; Electr. 
782 p. *31; *Heracl. 236 p. 
31. 45; Hec. 398 p. 45; 1279 p. 
212; Herc. F. 949 p. 45 ; 1028 p. 

j 169; Hipp. 34 p. 45; Ion. 266. 



index. 



26'5 



572, 1084 p.45; 1275 p. 46; Iph. 

A. 537 p. 46; 623 p. 31; 909 p. 

87; 1296 p.46; Iph. T. 353. 373. 

419 p. 87; 552 p. 211; 731 p. 

87; 1034 p. 212; *Med. 925 — 30 

p. 159; 964 p. 45; 1316 p. 212; 

Orest 911 p. 46 ; Phoeniss.' 95 

ägg. p. 169 ; 121. 122. 131. 138—40 

p.170; 314. 318.324.346. 349p.89; 

409 p. 88; 1266 p. 45; 1430 p. 

46; 1586 p. 87; Rhes. 545 p.45 ; 

Suppl. 352, 573 p.87; 898 p. 46; 

Troad. 460 p. 46; 582 p. 45; fr. 

53, 8. 198, 4. 221, 2. 328, 8 p. 

86; 442, 3 p. 87; 1046, 3 p. 86 ; 

fr. ine. 462. 664, 2 p.87; *Schol. 

Orest. 902 p. 157. 
*Eurykleides 32. 
Eusebios *ed. Dindorf 160; de tem 

porum notis von Gutschniid 48 ; 

Armen. Übersetzung 48 ff.; Abr 

1 p. 50; Abr. 1240 p. 49; Abr. 

2048 p.49; *rit. Const. ed. Heim- 
chen 192. 
A. Eussner, spie. crit. 23. 
Eutrop. 154; I, 2 p. 154. 
Exuperantius ed. Bursian. 21; *128; 

benutzt Sallust 23; cod. Bremen 

23 A; perg. Monac. 24; c. 1. 3. 

4. 6. 8 p. 22 f. 

F. Eyssenhardt, s.Hist. miscell., Ma- 

crob. 
*Fabius Pictor 259. 
Favorinus 238. 
A. Ch. Ferruci, fabularum libri III. 

et Ciceronis fragm. defato p.241. 
*Festus p. 160. 
*Firmicus Mat. 260. 
Flüsse des paradieses 234. 
R. Förster, de attract., 3; *192. 
W. Forchhammer, gründ. Roms 216. 
Fragm. de iure fisci ed. P. Krüger 

241; codd. p. 242; fol. I c. 1, v. 

5, c. 2, v. 9. 10 p. 242; §. 1. 9, 
p. 243; p.136, 9, p. 244 , p. 161. 
7 p. 212. 5 p. 322, 24 p. 251. 8. 

10 : 243. 
Freudenthal, s. Josephus. 
*Friederichs, plastik 96. 
L. Friedländer s. inschriften ; *röm 

sittengesch. 157. 208. 
Fritze, s. Eurip. 
V. Fritzsche s. Eurip. 
W. Fröhner, s. vasen. 
Frohwein, griech. adverb. 33. 
Fronto ed. Naber. 59; 1,6, 8. II, 

1, 2, p. 60; IV, 3. 4. 5 p. 61 



*Galenos 208. 

Gallien, karte v. Reinhard 144. 

Garutti, s. Propert. 

*Genügelopfer, griech. 32. 

*E. Geibel, Sophonisbe 159. 

*L. Geiger, Ursprung d. spräche 95. 

Gellius, ram. VI— VII scr. M. Hertz, 

237 ; Gellius u. Favorinus 23S ; 

Gellius und Homererklärung 238. 
*Gemmensammlung Bergau's 95. 
Genitiv auf um 243. 
*Geographus Rav. 207. 
Georges, lat. lexicon 163. 
Gerhardt, biographie 28 f.; *95. 

96; *gesammelte abhandl. 11*208. 
G. Geiiand, altgr. mährchen 200; 

* intensiva u. iterativa 246. Natur- 
völker 259. 
Germanenköpfe im berl. mus. 95. 
*Germanicus, 259. 
Gerth, de graec. trag, dialecto 36. 
Gestire 164. 
*Giessen 95. 
C. Giuliari p. 254. 
*Giustanische gallerie 95. 
*Glyptothek v. H. Brunn 64. 
*Göttling f 95. 
Götze, de produetione syllabarum 

lat. ling. 36. 
Gorgo, s. Athene. 
Grabschrift 202; eines römischen 

officiers v. Becker 183; *aus west- 

goth. zeit 247. 
*Grabstein eines röm. flottensoldaten 

aus Athen 95; * griech. 95. 
Grammatik: Johansen, dehere, posse 

in conditionalsätzen 69 ; conditio- 

nalsätze 71. 
*Gregorovius, s. Rom. 
*Griechenland , seit Alexander 32; 

gr. gesch. v. Hertzberg *95. 
*Grimm, wtbch, 259. 
Grosse, s. Nov. Avian. 
Grote , s. Plato. 
Grumme, s. Propert. 
Gumlich, s. Plato. 
Gutschmid, s. Euseb. 
*Gypsabgüsse in München 95. 
*Hadrians bauten 95. 
Haecker, s. Aristot. 
Hahn, s. Plaut. 

Hahnenkampf, abbildung 220. 
*handschriftencatal. 261. 
Halm, s. Quintil. 

*Handwerk u. verkehr v. O. Jahn 64. 
Harpyiendenkmal 224. 
L. Hasper, d. alte Troja 37. 

18 



266 



Index. 



Th. Hasper, s. Plautus. 

Haug, f 259. 

Hayduck, s. Plato. 

*Heiland, nekrolog 64. 

Heimsöth 209. s. Aeschyl., trilogie. 

Heinichen, s. Euseb. 

W. Heibig , Wandgemälde Campa- 
niens 186. 

*Hellenische kriege 159. 

*Hense, poet. personification 247. 

0. Hense, s. Eurip. 

Hentze, s. Homer. 

*W. Henzen, Fratelli Arvali 246. 

Heraklitiscbe briefe v. J. Bernays 
p. 225. Eutstehung und inbalt 
228; br. I. IL III. IV. V, 2 u. 18, 
p.227; VI, 60; VII, 11 u. 29. 38. 
45. 46. 65. 78. 86 p. 228; *96. 

Heracleotica v. 0. Kämmel 185. 

^Herakles, 95. 224. 

*Hermae pastor v. Zahn 192. 

*0. Hermann , philos. d. Geschichte 
192. 

*K. F. Hermann, griech. privatalter- 
thümer, I 245. 

*Hermes ayoQaiog p. 95. 

*Hermippos fr. II, 1 p. 32. 

Herodes Atticus 102. 

Herodian ed. A. Lentz . 12 *96; 
Epimerism. 13 f.; ntgl dixQÖvwv 
14; metr. Schriften 14 f.; Pros 
II, 390 p. 15; odvaGttaxrj ngogiadia 
a 34 «175, cT 10.29. 242. 423,p. 15 

*Herodot ed. Abicht 157; V, 8* 
p. 128. 

M. Hertz, s. Scaevus. 

Hertzberg, s. Griechen!. 

*Herwerden analecta critica 9: 247. 

Hesiod, Heraclesschild v. Schäfer 38 

Hesychius "Hgaiov 223. 

Hexam. u. Nibelungenvers 125 *159. 

*Heydemann, Antigone, 262. 

Hiecke, s. Thucyd. 

*Hildesheimer silberfund p. 32. 64. 
96. 128. 

Historia miscella ed. F. Eyssenhardt 
153. *160. *207; I p. 1, 6. 10, 
13 p. 154: 12, 16. 13, 8. 14, 1 
14,6. 15, 10. 15, 29.16, 6 p.154: 
16, 8 p. 155; II, p.23, 18 p. 153; 
228, 14 p. 154. 

J. G. E Hoffmann, s. Aristot. 

W. Hoffmann, s. Aeschyl., Soph. 

*Hoffmann, Deutschi. u. Europa 248 

Homer, übersetzt v. Voss 72 * Ilias 
ed. Koch 32 ; * Odyss. ed. Ameis 
206; *ed. Düntzer 159; Perio- 



den v. Hentze 38; *Hom. frage v. 
Hörmann 96 *Beniken , de Iliad. 
libro primo 247 ; echild Achills 
38 ; Brunn, kunst 25 ; eigentl. sta- 
tuarische kunst fehlt 25 f. ; *I1. y 
u. d 223. 
Horatius *208, ed. Bentley 129; 
serm. ed. Krüger 129 ; *261 ; ed. 
Düntzer 132 *160, *ed. Nauck 
160 ; innere form der öden von 
Schwerdt 52 ; lebensweisheit v. 
Th. Vogel 136 ; lexic. v. Koch 137 : 
od. I, 2, I, 9 p. 53; I, 22 pi 
64; I, 35,24, III, 2, 18. III, 3 p. 
159; *9 159; *epod. IV, 8 p. 
32; serm. I, 1, 88 p. 130; I, 10, 
66 p. 131; I, 10, 64 p. 131; *II. 

I, 39. 22. 2, 29 p. 159; Epist. 1. 

II, 3 p. 131, 133; II, 3, 161 p. 
136; ib. 251 ff. p. 133 f. 

Hüppe, s. Tacit. 

Hultsch, s. Polyb. 

*Huschke, röm. jähr 160. 

*Hymn. in Cer. ed. Bücheier 248; 

*64 p. 223. 
Hyperides ed. Egger 159. 

t und v 35. 

0. Jäger, röm. gesch. 248. 

0. Jahn, *var. lectt. 32, biogra- 
phie Gerhardts 27 ; * a. d. alter- 
thumswissenschaft 96 , s. Longin. 
Juvenal. Persius. 

idea 165. 

Jeux des anciens v. de Fouquieres 
218. 

Jessen, quaest. Lucret. 51. 

Ihne, röm. gesch. 1, p. 204. 
. versus 148. 

Indignari, 164. 

Inschriften, de tit. lat. in pyr. Aeg. 
scr. L. Friedländer p. 184; *159; 
ägypt. 32; corp. I. Gr. III, 5773, 
208 ; aus Laurion 207 ; 2 aus Äther 
207; aus Ephesos 247; Taormins 
208 : *2 kretische 247; Corp. IL, 
159; röm. 224; 6832 a Henzen. 
183 ; 4007 Orell. 184 ; Murat. 868, 
5, p. 224 ; süddeutsche 95 ; *v. Nen- 
nig; südrussische 208. 

Institor 165. 

Interrex 

Invidere, constr. 20. 
Iohannis Gramm, (laaywyij v. Ho- 
che 192. 

*Johannis Antioch. fr. VI, 4 207. 

Jahannsen, s. grammatik 

*Jordan. v. Osnabrück, 192. 



Indes 



267 



Jordan, s. Rom. 

*Josephus v. Freudenthal 158. 

*Iphigenienopfer 187 224. 

Ita nicht =: tarn 51. 

Ituräer 184. 

*Jülg, mongol. mährchen 95. 

*Julius Capitolinus 261. 

*Julianus v. Mücke 2 : 248. 

Junghahn, s. Simonid. 

Jupiter tonans in Rom 253. 

Justin. VI, 5, 10, p. 19. 

*Justinian, Digest, ed. Th. Mommsen 

192. 
*Juvenal-238, *ed. 0. Jahn 248. 
*Kallimachos 159. 
0. Kämmel, Heracleotica 185. 
*Karlowa, röm. ehe 160, 
Karsten, a. Tacit. 
*Kaulen, Vulgata 276. 267. 
L. Kayser, s. Cicero. 
H. Keil, s. Plinius. 
Kekule, s. Athen. 
*Kephalonia 95. 
*Kephisia, röm. grab 95. 
*A. Kirchhoff, griech. alph. 207. 
*Kirchmann, aesthetik 96. 
*R. Klotz, de numer. anapaest. 248. 
Klüber, s. Diodor. 

A. Koch, s. Horat. 

E. Koch, gr. gramm. 161. 

*Koepert, poetik 191. 

*Kohlrausch 96. 

*J. H. Krause, Byzantiner 246. 

*Kreech f 261. 

*Kritz, nekrolog, 261. 

G. T. A. Krüger, s. Horat. 

P. Krüger, s. fragm. de iure fisci. 

Kühnast, s. Livius/ 

E. Kurz, griech. synt. 65. 

L. Lange, s. Sophocl. 

B. Langkavel, s. Aristot., Sim. Seth. 
E. Lattes , Senat. Roman ; Vi eb- 

bero a Roma due senati; man- 

ceps, manubiae ect. 
*Laurentii Epithal. 159. 
Leges XII tab. ed. R. Scholl * 157, 

nicht in Neucarthago *157. 
*Leichnam im fiischernetz 82. 
A. Lentz, s. Herodian. 
*Lexicon Vindobonn. ed. A. Nauck. 32. 
*kt&x6g 260. 
v. Leutsch, s. Pindar. 
Libanius, v. Sievers 111 192. 



IV, 8, p. 159; II, 24, 5 p. 160; 
III, 63. 7 p. 160; VIII, 3. 24 p. 
223 ; *XXV u. XXVI, p. 32 ; *XXVL 
41. 18—43, p. 128; *260. 

Locator 165. 

*Longin. de subl. ed. 0. Jahn 96. 
0. Lorenz, s. Plaut. 
*Lucanus 159. 

*Lucas, sources de la Seine 95. 
Lübker, ges. schrift. 160. 
*Lucian, *p. 160 von Sommerbrodt 
190, *E. Rohde, Luc.u. Appul. 208; 

V. Fritzsche, epiphyll. Luc. 233. 
*Lucilius 132. 159. 160 ; *quaest. Lu- 

cü. sc. R. Bouterweck 192. 

Lucretius, *Holtze synt. Lucr. 160; 
nee u. neque vor vocalen 51 ; s 
nie abgeworfen bei substantivnom. 
der 3tendecl. 51; I, 599—634, p. 
50; II, 198, p.51; 502, p. 52; III, 
7, p. 53 f. ; 106. 925. 965 p. 52 ; IV, 
141 p. 52; 1122 p.50; V, 834—41 
p. 207; VI, 15 p. 51; *130, p. 32. 

Luxor. Ep. 78, 7: 140. 

Lysias *ed. Rauchenstein 157, coni. 
Lys. scr. A. Dryander 110, ab- 
fassungv.or. XXV p.159; VII, 12 
p.13: 111; XIII, 18,57. 86. 87 p. 
110; XIV, 2. X, 32. XXIX, 38 p. 
111; XXIV, 14 p. 110; XXVI, 12. 
13: 110; XXVII. 1, 14: 110; 
XXVIII, 15 p. 110; XXXI, 15 p. 
111; 10. 26. 31 p. 110. 

C. F.Lützow, münchn. antik., p. 252. 

Macar. prov. VIII, 43 : 134. 

*Macrobius ed. Eyssenhardt 248. 

Marcellustheater zu Rom 15. 

Maryandyner 186. 

*Marmor im Tiber - emporium 95. 

Martial. V, 5, VIII, 75 : 194. 

*Mauern, gall. 32. 

*M. Meiring, lat. gramm. 207. 

Mentula 159. 

Merandon, Bibracte du Beuvray 142. 

Metroon, 114. 

*Mikion 32. 

Minuc. Felix, s. Ebert. 

*R. v. Mohl, polit. monograph. 158. 

*Th. Mommsen, röm. geschichte 2 
206. 

*Leon Palustre de Montifaut , 246. 

Moraspiel, relief 219. 

JMortales 236. 

A. Müller , trachten der Römer 244. 



*Liber glossarum p. 208. 

*Livius 159 * 127; quellen zu XXI|*L. Müller, phil. in Holland 259. 

u.XXIIv. Bötticher 55 ; *als schul- |*M. Müller, Essays. 96. 192. 

leetüre v. Kühnast 208; *II, 1— ;*Museum, Vatic. 32. 128. 



268 



Index. 



*Museum, Britt. 224. 

*Myron 95. 

Naber, s. Fronto. 

Nabis, v. Schneide wind 203. 

Naturalis ßlius 165. 

vavs, decl. 36. 

Nearchos, vasenmaler 190. 

*Nicol. Damasc. 159. 

*Nix 159. 

Nikostrat. ap. Ath. XV: p. 211. 

Nipperdey, s. Cornel. 

Nofxo(fvkaxfg 115. 

*Nonius 261. 

Nov. Avianus ed. Grosse 96. 

*Nurhagen in Sardinien 224. 

Ohügit 164. 

*Occiani, Cajo S. Italico 248. 

Occupatum esse 164. 

Chr. Oeser 259. 

*Onyxkanne zu St. Maurice 128. 

*Oppermannsche Sammlung 32. 

'Og&örqs bei Plato, 171. 

*Orpheus tod 32 ; Hymnen 207. 

Orthographie, lat. v. Brambach 66. 
*95. 160; französische v. Didot 69. 

Overbeck, kunstgesch, miscellen 25 

*Ovidius, p. 261. 

&kos decl. 36. 

*Pacuvius Antiope 208. 

*Papias 208. 

*Parthenosschild 128. 

G. Parthey, papyrosfragm. p. 248. 

Patronym. formatio v. Angermann 34 

*Paulus, p. 260. 

Pausanias hist. quellen, 260; IX, 27 
8 p. 160. 

R. Peiper, Chatillon, p. 254. 

*Peking, unvers., 259. 

*Pelops sieg 95. 

*Persius ed. O. Jahn 248. 

*C. Peter, röm. gesch. 3, 2 : p .208. 

*Petronius ged., 259. 

*Peyer im Hof, architekt. aufsätze 
96. 

Pfander, s. Eurip. 

*Philologenvers. zu Newyork 95. 

*Philoxenus 159. 

*Phrynichos 32: s. Aeschyl. 

*W. Pierson, Electron, 248. 

Pindaros *159: v. Leutsch additam 
ad Pind. III u. IV p.39; de Pind. 
disp. Schnitzer p. 39; anwendung 
des dor. «, acc. plur. og , gen. w, 
infin. iv; iv c. acc. , dat. pro n. III 
Iv p. 40; Isth. II, 42 p. 40; III. 
1-18 p. 41; III, 54. V, 46. VI, 
83 p. 41 VII, 47 p. 40; Nem. III, 



24 f.. IV, 35 p. 40.IV; V, p. 39; 
V,42p.41; VI, 43 p.41; VIII, 38 
p. 40; X, 9 f. p. 41; Ol. I, 64 
p. 40; II, 76. VII, 33 p.41 ; Pyth. 
I, 51. II, 80 p. 41; II, 17. 111,11. 
IV, 234 p. 40; *Hyporch. fr. IV, 
p. 250. 

*Pindarus Theban. 208. 

*Pius, gramm. 32. 

*Placidus 208. 

*Platäer, durchbruch 159. 

*Platice 159. 

Plato's werth für die beurtheilung 
des Socrat. 17. 18; Kratylos ed. 
Schmidt 170 ; eintheilung desselben 
u. ergebniss 171: de Crat. fine et 
consilio scr. W. Hayduck 194; 
abhandlungen v. Rettig 106 f.; 
Theätet v. Schubart 103; tendenz 
u. gedankengang desTheät. 103 ff.; 
Timäus v. Gumlich 174; *Plato 
and the other comp, of S. v. Grote 
123; *Criton ed. Cherubini 208; 
Sophist, v. Deussen 229; lehre 
des Soph. 230; abschnitt 1 u. 3 
dess. 231; Gorg. 492 B. Euthyd. 
286 B. Meno 97 C p.4; Symp. 174 
B p. 107. *185 C p.107; de legg. 
XIp.960c, p.Hl; Cratyl. p.391c. 
422. 434 c, p. 195. 

Plautus *32. 159; Mil. gl. ed Lo- 
renz 116; *Truculent. ed. Spen- 
gel 160; Poenul. v. Th. Hasper 
212 ; scaenicae quaest. scr. Hahn 
120; * Ritschi, neue exe. 247; 
* zu Ritschis exe. 208 ; iamben 
u. octonare 117; scenenwesen 121 ; 
Merc. 1009 p. 121; MGL. 9. 24 
p. 118; 25 p. 117; 58 p. 119; 
148. 166. 185 p. 118; 207. 216. 
222. 231 p. 119; 241 p. 118; 297 
p. 119; 299 p. 118; 332 p. 119; 
440 p. 218; 495 p. 117; 584 p. 
118; 656. 721. 763. 771 p. 119'; 
801 p. 118; 923. 927 p. 119; 997 
p.118; 1045 p. 119; 1078 p. 118 r 
1034 p. 117; 1220 p. 117; 1220 
p. 117; 1229 p. 118; 1327. 1332. 
1377 p. 119; Most. 40 p. 166; 
817 p. 121 ; Poen. V, 5, 48. V, 6, 
30. V, 7, 5. V, 7, 16. 17. 30 p. 
214. 

Plinius NH. 32, ed. Detlefsen 57; 
*261. 264; codd. 57; XXI, 1.2. 5 
58 f.; XVI, 7 p.59, XVIII, 10.11, 
p.59; XXXVI. *index223, *XXXVI, 
128. 223. 



Indeü 



269 



Plinius H. Keil, de Panegyrico Plinii, 
249; Paneg. 244, 28. 288, 22 u. 
35 p. 249. 

Plutarch v. R. Volkmann 100; Lys. 
8 p.18, Süll. 15p. 19; *Amator. 9 
94; de Alex. fort. Jugendschrift 
94; de vit. cer. al. echt 102. 

*Poliorcetique des Grecs ed. Wescher 
128. 

Polybius ed. L. Dindorf 92 ; * 208 ; 
ed. Hultsch 83, *208; Hultsch, 
quaest. Polyb. II, p. 97 ; V, 5, p. 10 
p.94 ; XXXI, 7. 5 u. 20 p.93 ; XXXIlJ 
2, 7. 3, 3. 4, 4. 5, 4. 8, 11. 9,1 
9. 10, 3. 12,4. 14, 8. 15,2 *208; 
*1 B, p. 128 p. 646 , 24 *128; 
p. 737, 7; p. 763, 29: 99; p.772, 
15 : 98 ; p. 978. 29: 98 fr. 155 un- 
echt 93. 

Polyphem 186. 

*Pompeii 95 ; R. Schöne , quaest. 
Pomp. 179; *wandinschriften 207. 

Porta Metronis 218. 

*Portraitköpfe, griech. 32. 

Postquam c. plqpft 20. 

Praeverti 165. 

*Preuss, Diocletian u. s. zeit 160. 

*Principes in Tac. Germ. 159. 

*Prisc. XVIII, 4, 5, 261. 

*Priscus fr. 32, 159. 

Processe, suspendirt in kriegszeiten 
114. 

*Propertius 208; ed. Garutti 137; 
de codd. Gron. et Neap. sc. W. 
Gramme 139; titel des ersten bu- 
ches 138. 

*Pseudo - Callisthenes 259. 

*Ptolemäus (fäotig tlnXavwv 32. 

*Puteoli auf ein. glasgefäss 128. 

*Pyloren der akropolis 247. 

*Pythagoras aussprüche 207. 

*Quintilian 159. 247; ed. Halm 
248. 

Quod, coni. 20. 

*C. Raun, de Clitarcho Diodori Cur- 
tii Iustini auctore 248. 

*Reichsvermessung unt. August 159 

Renner, de dialecto poesis elegiacae 
et iambicae 34. 

Rettig, s. Catull. u. Plato. 

*A. Reumont, gesch. Roms 208. 

Rheinhard, s. Athen, u. Rom. 62. 

*W. Ribbeck, gr. gramm. 6. 

Fr. Richter, s. Cic. 

*Rieck, pädag. briefe 95. 

Ritschi, s. Plaut. 

*H. Ritter f 95. 



* — u. Preller, philosoph. 157. 

E. Rohde, s. Lucian. 

Rom, kaiserpaläste v. H. Jordan 24 ; 

Gefestigt unt. S. Tullius 95; 

Wandkarte v. Reinhard 62; innere 

röm. geschichte; Königsgeschichte 

205 ; sage in d. röm. geschichte 206. 
*Römische Sarkophage 96 : topogra- 

phie 247 ; Wasserleitung v. Eicke 
96; Emporium 32. 95. 
*H. Rönsch, Itala u. Vulgata 248. 
Röscher, de aspiratione Graec. 35. 
Rossigneux, erreurs d'archeologie to- 

pographique 142. 
Rudorff, de iurisdictione 208. 
E. Rückert, pfahlbauten 224. 
Rüdiger, nekrolog, 259. 
Ruidits 164. 
Rüstow, s. Cäsar. 
Rumpel, kl. propyläen 261. 
*2cty.t'k\ÜQi,os , r\ iv Kvnqco ykwaau 

246. 
Sallustius 223; exerc. scr. A.Eussner 

235 ; codd. 236 ; *Cat. VII, 4 p. 31 ; 

XIV, 2 p. 237; *XXIX p. 157; 

*Jug. III , 2 p. 223 ; XXXVIII 

10 p. 237; *or. Phil. 113 p. 223. 
Sammlungen für alte kunst 246. 
Sampis, comm. E. Plew 62. 
*Saturninus empörung 259. 
G. Sauppe, 64. 
Scaevus Memor. , comment. Hertz 

123; fragm. 124. 125. 
Schäfer, s. Hesiod. 
Schauckel 220. 
H Schenkl, s. Xenoph. 
*J. Scherr, LGesch. 95. 
L. Schiller, s. Aeschyl. 
Schleiermacher, 192. 
Schneidewin, s. Sophocl. 
H. Schmidt, s. Plato. 
*Heinr. Schmidt, rhythmik 192. 
L. Schmidt, de particula nv 2. 
Schnitzer, s. Pindar. 
R. Scholl, s. Leges. 
R. Schöne, s. Pompeii. 
*Schrader, pädagog. br. 95. 
*H Schrader, Sirenen 159. 247. 
Schubart, s. Plato. 
*J. Schulze, nekrolog 95. 160. 
*Schwegler, gr. philos. 257. 
H. Schwerdt, s. Horat. 
*Seemann, götter u. heroen 261. 
Seneca, *ep. 159; Apoc. 9: 32. 
[Serg.] expll. Donat. II: 124. 
Servitricus 164. 
*Servius ad Aen. IX, 715 p. 128. 



270 



Index. 



*Sevilla, alterthümer 128. 

*Siecke, de genetivi in lingua san- 
scritica usu 240. 

Sievers, s. Libanius. 

Silbernagel, s. Trithem. 

Silenus, quelle des Livius u. Polyb., 
55 ff. 

Sil. Italic, s. Occiani. 

*Simeo Sethus ed. Langkavel 247. 

Simonides Ceus. comm. Junghahn 
166; fr. 110, p. 93: 166. 

^Sitzungsberichte der berl. archäol. 
gesellsch. 32. 95. 128. 224; röm. 
archaeol. institut 32. 95; Lissa- 
bon 95. 

Skyllis, 26 ff. • 

Socrates v. Ed. Alberti 16, dämo- 
nium 16, ethik, log. technik 17. 

*Soldan f 95. 

Sophocles *208; *Electra 5 ed.Schnei- 
dewinl57; *Antigone 5 ed. Schnei- 
dewin 245; *Oed. Col. v. Mähly 
160; gottheit v. Hoffmann 166; 
* übers, v. A. Wilbrandt 192; de 
Trach. diss. Lippmann ; schol, im 
cod. Lobkow. 8 u. 225 ; Aj. 137 p. 
10, *Antig. 905-13 p. 223; 1029 
p. 210; Electr. 682 p. 10; 1235 
p. 212 ; OC. 44 3 / 4 p. 225 ; *OT. 404- 
407 p. 32; 534 p. 210; 1080 p. 
209; *1424 p. 32; 1437 p. 212; 
Trach. 100. 115. 131. 145. 400 p. 
85; 547. 716. fr. 398, 2 p. 86; 
fr. ine. 313 p. 86. 

L. Spengel, p. 86 zu Polyb. 97 f.- 

*Spiegel, griech. 95, Meleagerspie- 
spiegel 95. 

*A. Springer, kunst in Palermo 246. 

SS 243. 

B. Stark, gigantomachie p. 253. 

*E. Stengel, vocalismus 248. 

Sthenolosgrab 186 

Stobaeus Ecl. phys. I, 7. 

*Stoll, röm. gesch. 192. 

*Strabo 32. 

*Struve, pontische br., 260. 

*Suas. ad Caes. 221. 

*Succius, 260. 

*R. Suhle, verb. anom. graec. 207. 

*Suidas 159. 

v. Sybel, s. Eurip. 

*Symmetrie der eleg. 359. 

Syncellus 368: 49. 

Synesius Cyr. v. R. Volkmann 175 

*Syrische Übersetzung, des britt. mu- 

seums 207. 
TacitusGerm. ed. L, Curtze 147, ed 



B. Hüppe p. 250; ed. Kritz *223, 

Agricolaed.Tücking 196; Zernial, 

de elocut. 20; Karsten de Tac. 

fide 148 ; Vorliebe für krieger. er- 

eignisse 151; substant. in io 20 f.; 

collation der vatican. msc. 199; 

Orthographie des Med. A. 68 ; 

Agric. 1, 4 p. 197 ; 6 p. 197. 198f; 

9, 14, 17, 18 p. 197; 19 p. 200; 

29 p. 197; 31 p. 199; 33, 40 p. 

197; Ann. I, 72 p. 150; *II, 1 p. 

159; 52 p. 151; *IV. 33, p. 

245; IV, 57 p. 150 , XIII. 4 p. 

*128; Dial. 3,7 p. 128; 26 p. 

198; Germ. 1: 13. 21. 
Telfy, s. Corp. iur. att. 
Terentius, Bruner quaest. Ter. 121; 

canticum u. akteintheilung 122; 

*Andr. 159j 357, 380, 358, 703; 

Eun. 267 p. 123; Heaut. 32, 583, 

645 p. 123; Hec. 165, 248 123. 

Phorm. 20, 358 p. 123. 
Tertullian s. Ebert. 
Test , nov. ed. Tischendorf 157. 247. 
*Teubner, druckerei, 259. 
*Teuffel, röm. LGschte 95. 
*Theocr. III, p. 260. 
Theognis ed. Ziegler 73. *96 ; codd. 

74. 75; Zusammengehörigkeit der 

einzelnen fr. 74; v. 29. 83 p. 75; 

235 -p. 74; 980. 997 p. 75. 
Theon 15 ; *Giese, deTheone gramm. 

160. 
*Theseus, stele 32. 
Thespis, 82 f. 
Thomann, Napol. atlas zu Caes. B. 

G. 144. 
*Thorwaldsen 96. 
*Thucydides 208 *ed. Classen 160; 

hochverrath v. Hiecke 170; *I, 1 

245; *I. 7: 10; 89-118 p.32; IL 

5. 3: 19. II, 42: 111, IL 56.207, 

III, 22. 3: 9, III, 39. 4 207; V, 

53, 1, 207. 
Thurot, divers msc. latins 177. 
Tiberius Charakter 149. 
Tibiae sinistrae u. dextrae 121. 
*Tibullus , hdschriftl. Überlieferung 

32. 159 ; *v. O. Ribbeck 259. 
*Tobler, über Wortzusammensetzung 

32. 
*Toga bis trium ulnarum 32. 
Tragiker der röm. kaiserzeit 124. 
^Tragödie, Zeitdauer 159. 
*Ad. Trendeinburg , grammaticorum 

graec. de arte tragica reliquiae 96. 
Trierer silberfund 268. 



Index. 



271 



Trilogie, trag.; comment. Heimsöth. 
81; entstehung 82. 

*Trimet. iamb. 160. 

*Trithemius v. Silbernagel 95. 

Trojau. d. hom. beiden v. Hasper 37. 

*Toü}yodvTrjg u. Ttßigiog 159. 

Tücking, s. Tacit. 

*Turris, , auf vasen 260. 

*L. Unland, dicbtung u. sage VII 
245. 

'Universitäten, deutsche 64. 95; Ver- 
legung von Marburg 95. 128. 

'Unterrichts-wesen, preussisch. 32. 

*L. Urlichs, Agricola 248. 

*Valerii Epit. ed. Zacher 254. 

Taler. Max. III, 2. p. 157, VII , 6, 
2, p. 32. 

*Varro 159. 160; *Sesq. 160; RR1, 
2, p. 122. 

*Vasen von Megara 128; *im Berl. 
mus. 95 ; sicilische v. Benndorf 
188; ^Ermitage 246, 248; *W. 
Fröhner, vases grecs inedits 248. 

Verba frequent. für simpl. 236. 

Vergilius, Aen. übersetzt v. M. Zille 
125 ; *zu Ribb, App., 254 ; Bippart 
251 ; *carm. minor; 260; unvoll- 
end. verse der Aen. 126 f.; II, 
236, p. 259; V, 296. 322, 1X467 
p. 126 *G-eorg. p. 32. 

Vita Persii 124. 238. 

*Vizen, röm. lager 32. 

*A. Vogel, bibelübersetzung 192. 

Th. Vogel, s. Horat. 

*de Vogüe, Melanges d'archeologie 
Orientale 246 ; Syrie centrale 245. 



R. Volkmann, s. Plutarch. u. Synes. 

Volquardsen, s. Diodor. 

*Vopiscus 159. 247. 

*Vorsocrat. denker 192. 

*Vorto, Verto 208. 

J. H. Voss. s. Homer. 

*Vulpius, 260. 

*Wagner, antike kunst 261. 

Walter v. Chatillon p. 754. 

*Welcker , gedächtnissfeier 95 , ne- 
crolog 96; kl. schrift. 160. 

Wescher, monuments de Delphes 
259 ; s. Poliorcetique. 

*Westphal, metrik 260. 

*E. Wilhelm, de infinitivo 246. 

Winckler, Wohnhäuser der Hellenen 
61: *64. 

*Wislizenus, Eibgermanen 192. 

*Woodhouse, Sammlung 95. 

Xenophon, werth zu beurtheilung des 
Socr. 17 ; *Anab. ed. Rehdantz 
157; ed. Schenkl 90; *Cyrop. ed. 
Breitenbach 157 ; *Memor. ed. 
M. Seyffert 190; Brennecke, de 
Cynegetico Xen. 91; Anab. V, 4, 
12, V, 1, 1: p. 91; Cyneg. I, 1 — 
17; XIII, 92; *Hell. 32; *I, 16, 
223 ; III, 4. 9 , 128. 

Zahn, bau der homer. reden, 38. 

Ziegler, s. Theognis. 

Zille, s. Vergib 

Zingerle, s. Ovid. 

*Zeus der Hellenen u. Jerusalem 260. 

Zippmann, s. Soph. 

*Zonaras ed. L. Dindorf 248. 

Zopyr. fr. 646 N. 87. 



Verzeichniss der excerpirten Zeitschriften. 



Allgemeiner liter. anzeiger für das evangel. Deutschland 96. 

Archäologische Zeitung 32. 65. 128, 224. 

Augsburger allgemeine zeitung 32. 94. 95. 258. 

Ausland 95. 

Bergmann, philosophische monatshefte 192. 

Börsenblatt f. d. deutschen buchhandel 259. 

Göttinger gelehrte anzeigen 128. 158. 246. 

Grenzboten 96. 159. 

Hermes 207. 247. 

Mittheilungen des k. k. museums für kunst und Industrie 96. 

Nationalzeitung 32. 

Neue Jahrbücher für philologie und pädagogik 32. 159. 247. 259. 

Philologus 32. 259. 

Preussische Jahrbücher 96. 



272 



Schulbücher. 



Preussischer Staatsanzeiger 96. 

Rheinisches Museum für philologie 159. 208. 260. 

Westermanns illustrirte monatshefte 96. 

Zarncke, literarisches centralblatt 64. 96. 160. 192. 208. 224. 247. 260. 

Zeitschrift für das gymnasialwesen 32. 160. 260. 

— für die Österreich, gymnasien 160. 261. 



Schulbücher 1 ). 



H. L. Ahrens 147. 
H. Beck 159. 
R. Benedix 229. 

D. Böckel 210. 

E. Bonnell 110. 
C. Bulle 79. 

B. Büchsenschütz 230. 

Englmann 72. 

H. Foss 231. 

L. Freese 148. 

R. W. Fritzsche 174. 

A. H. Fromm 150. 158. 

Gebhardt 73. 

G. W. Gossrau 189. 

A. Haacke 74. 157. 

A. Hauser 111. 

P. D. Ch. Hennings 80. 

W. Herbst 176. 

F. Hoffmann 154. 
W. Hollenberg 175. 
H. Kiepert 211. 

R. Kühner 75. 76. 



Fr. Kurts 191. 

J. Lattmann 155. 

H. W. Meyer 234. 

Th. Opitz 82. 

Ch. Ostermann 156. 

W. Osterwald 235. 

0. Paul 236. 

G. Sauppe 160. 

B. Scheinpflug 209. 

K. Schenkl 77. 

H. Schiller 112. 

M. Schinnagl 149. 

A. Schmidt 151. 

H. Schmid 228. 

H. Schweizer -Sidler 151. 

M. Seyffert 113. 153. 190. 

L. Siebeiis 78. 

L. Stacke 191. 

Thomaszewski 146. 

H. Viehoff 528. 

W. Willerding 81. 

0. Willmann. 145. 



1) Die zahlen beziehen sich auf die fortlaufenden nummern. 



PHILOLOGISCHER 

ANZEIGER. 

ALS EKGÄNZUNG 

DES 

PHILOLOGUS 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

EKtfST von LEÜTSCH. 

ZWEITER BAND. 



1870. 



GÖTTINGEN, 

VERLAG DER D IETERICHSCH»^ BUCHHANDLUNG. 

1870. 



Göttingen. 

Druck der Dieterichschen Univ. Buchdruckerei. 

(W. Fr. Kaestner.). 



Xr. 1. Januar 1876. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



Vorwort. 

Als gegen ende des jahrs 1868 ich mich zur ausführung des 
lang gehegten und daher viel überlegten planes entschloss , als 
ergänzung des Philologus diesem jährlich je einen nur für 
kurze recensionen und anzeigen philologischer werke und arbei- 
ten bestimmten band beizufügen, so dass je zwei bände einen 
möglichst vollständigen überblick über die philologischen bestre- 
bungen eines jahrs vorführten, hoffte ich, ohne das gewagte und 
die Schwierigkeiten meines Unternehmens mir zu verhehlen, doch 
nach den mir bisher als herausgeber einer Zeitschrift gewordenen 
erfahrungen der pflege des mir anvertrauten keimes während seiner 
ersten entwicklung ohne irgend eine Unterbrechung meine gerin- 
gen kräfte widmen zu können. So begann ich frohen muthes 
besonders wegen der mir so überaus freundlich und wohlwollend 
zugesicherten Unterstützung 1869 mein werk und durfte mich 
über das gelingen desselben gleich bei den ersten nummern 
freuen, die — natürlich abgesehen von meinen beigaben — des 
schönen wirklich viel enthalten : aber schon bei der vierten er- 
kannte ich , wie zwölf bis achtzehn bogen bei der bedeutung 
und dem umfang unserer literatur für meinen plan nicht genüg- 
ten; ein unbehagliches gefühl trat ein. Ohne zweifei fragt sich 
mancher, wie solche täuschung möglich gewesen: es ist nach 
schon so vielen wieder ein neuer beweis für die Wahrheit des 
satzes , dass liebe blind macht und hartnäckiges streben nach 
einem ziele zu diesem nicht führt: ich wollte, dieser neue An- 
zeiger sollte um der neuzeit in jeder hinsieht rechnung zu tra- 

1 



2 1. Vorwort. Nr. 1. 

gen , als gratis - beilage zum Pbilologus ausgegeben werden ; da 
bessern rechnern dies unausführbar erschien , suchte ich den 
möglichst niedrigen preis zu erringen — so entstand die ge- 
ringe bogenzahl. Dieser fehlgriff musste, sollte das unternehmen 
der philologie wirklich nützen, es überhaupt weiter bestehen und 
zur blüthe gelangen, schnellstens beseitigt werden: und so ist 
denn der umfang dieses zweiten bandes auf vierzig bogen 
berechnet. 

Werde ich dies grössere nun ausführen ? in der herstellung 
dieses bandes pünktlicher sein als beim ersten ? Der anfang spricht 
nicht dafür. Aber an meinem guten willen wird es nicht feh- 
len, auch hat das jähr 1869 mich vorsichtiger , praktischer ge- 
macht: ich habe begriffen, dass ein auf sich allein angewiesener 
herausgeber nie krank sein , und noch weniger gezwungen wer- 
den darf, ohne alle Vorbereitung und von schmerzen geplagt 
plötzlich lange Jahresberichte über schwierige classiker noch dazu 
für mehre sich unmittelbar folgende hefte zu schreiben, dass der- 
selbe sich nicht beikommen lassen darf, gern auch an ausserordent- 
lichen geschäften der corporation, der er durch sein amt angehört, 
theil zu nehmen, durchaus aber nicht zur Übernahme von Vor- 
mundschaften sich verpflichtet erachten muss, um für dankbare und 
undankbare müudel zeit zu verschwenden. Und noch anderes, 
schwereres habe ich gelernt ; eins aber will ich nicht lernen, gleich- 
muth nämlich der gedankenlosen und hochmüthigen art gegenüber, 
mit der die grosse der opfer, welche ein selbst gern schriftstelle- 
risch thätiger herausgeber einer wissenschaftlichen Zeitschrift sei- 
ner Wissenschaft und seinen fachgenossen bringt, so ganz ver- 
kannt wird. Wohl weiss ich, dass, spreche ich mich hier offen 
über diesen punkt aus, ich mir nicht nütze: auch will ich das 
nicht: aber ich hoffe damit meinen nachfolgern nutzen zu brin- 
gen, einem kommenden geschlecht. Also man bedenke: die re- 
daction einer politischen zeitung ist ein seinen mann bequem 
ernährendes und, zu bedeutendem vortheil dieser redaction, jedes 
andre ausschliessendes geschäft, der herausgeber einer wissenschaft- 
lichen Zeitschrift muss vor allem, will er leben , ein wenn auch 
ihm liebes und werthes, doch die ganze manneskraft beanspru- 
chendes amt opferwillig verwalten und die für die Zeitschrift er- 
forderliche zeit mühsam dem amte abringen — dabei lässt die 
politische zeitung, welche morgens gedruckt, von dem verstän- 



Nr. 1. 1- Vorwort. 3 

digen nur einmal zum kleinsten theil rasch gelesen, abends zer- 
rissen oder günstigsten falls als Umschlag für das werthvolle dem 
Philologus zu sendende manuscript verwendet wird , wenigstens 
ihre eine hälfte von dem nützlichen instrument der scheere, den 
kleinsten theil von der feder des redacteurs arbeiten und ist 
deshalb über ihr rasches verschwinden gar nicht ungehalten: die 
Zeitschrift dagegen wird nicht gelesen, sondern studirt, bringt 
oft aus selbst räumlich weit entlegenen quellen mühsam ge- 
schöpftes , die wenig oder gar nicht klingend belohnte frucht 
jähre langen fleisses; auch wird sie nicht zerrissen noch ver- 
streut, vielmehr dauerhaft gebunden, um auch den kommen- 
den, hoffentlich mehr als jetzt nach philologischer Wissenschaft 
dürstenden späten Jahrhunderten den durst auf das lehrreichste 
zu stillen — und der lohn des herausgebers , des mitarbeiten ? 
Nun bei philologen — von denen ist hier nur die rede — ist 
der des herausgebers von dem des mitarbeiters nicht verschie- 
den, er ist bei beiden kaum nennenswerth , mit der geleisteten 
arbeit in gar keinem verhältniss stehend , so dass kaum sonst 
irgendwo der unsere zeit bestimmende gegensatz der geisti- 
gen und materiellen interessen so grell hervortreten dürfte. 
Aber dafür zum ersatz haben wir freilich das bewusstsein, nur 
um der Wissenschaft willen der Wissenschaft zu dienen; wir 
dürfen von uns sagen wir seien nicht von dieser weit, wir sind 
ein geschlecht des goldenen Zeitalters , iad-Xu ds tiuvtu ToTgiv 
tvsGxi: aber freilich die zeit muss noch kommen, in der man 
von uns sagen könnte: 

wäre &eol 6' e£u)oi> u.xt\§iu. &vfidr t^ovreg, 
voGcpiv aitq rs rcövotv xul oi£vog' ovdt xt, duXov 
yfJQag inljy, afoi de aodag xul X^Q a i o/toToi 
rJGv%oi egy' hi{jbOvxo Gvv iaOXolaiv TtoXisGGw. 
Aber verfolgt man diese andeutuugen mit ernst und schärfe 
weiter, so kann die hinter diesen zuständen sich bergende ge- 
fahr nicht verborgen bleiben: wohin soll es denn führen, wenn 
— um nur einen punkt hervorzuheben — fortwährend dem 
philologen das nothwendigste Handwerkszeug, ein ganz anderes als 
die scheere, vorenthalten wird? Denn wie viele gymnasien 
giebt es nicht, denen die mittel zur herstellung einer nur eini- 
germassen den bedürfnissen des lehrers für die oberen classen 
entsprechenden bibliothek immer noch fehlen ? So lange die 

1* 



4 1. Vorwort. Nr. 1. 

kultusmiuisterien dem ansinnen, zum vortheil des krieges, des ver- 
nichters der Wissenschaft, könne Wissenschaft und kunst darben, 
nicht entschlossen den rücken kehren, betreiben sie einen jene 
vernichtenden kultus, befördern auf keine weise das, was ihnen zu 
fördern vor allem obliegt, die kultur. Dabei liegt mir fern die 
nothwendigkeit der opfer für kriegsrüstung zu leugnen oder zu 
verkennen: ich wünsche vielmehr auch, dass wir ein tapferes, 
kriegerisches volk bleiben , der sieg immer sicherer an unsre 
fahnen gefesselt werde: aber nicht auf kosten der wahren Wis- 
senschaft und kunst, da deren beschränkung und Vernachlässi- 
gung nur zu gemeinheit und rohheit, dem gegentheil jeder wah- 
ren für den sieg unerlässlicheu begeisterung , führen muss. 

Man wird zugeben müssen, erweiterung einer wissenschaft- 
lichen Zeitschrift unter solchen umständen verlangt einigen 
muth: aber ich vertraue meinen deutschen fachgenossen und 
setze trotz alledem meinen Anzeiger fort. Und zwar bleibt 
in betracht der recensionen und anzeigen seine einrichtung die- 
selbe wie 1869: es werden neben den neuen ausgaben der clas- 
siker und den mit diesen eng verbundenen disciplinen auch alte 
geschichte, alterthümer, archäologie, vergleichende Sprachwissen- 
schaft u. s. w. , auch pädagogische Schriften und das mittelalter 
berücksichtigt und somit gegeben: 1) recensionen; 2) beurthei- 
lende anzeigen der programme der Universitäten und gymnasien 
so wie sonstiger in den buchhandel entweder gar nicht oder 
nur in wenig exemplaren gelangten Schriften; 3) wo es passend 
erscheint, einfache inhaltsanzeigen ; 4) inhaltsangaben aus deut- 
schen Zeitschriften so wie nachweis grösserer recensionen; 5) 
mittheilungen aus den thesen für doctor - disputationen 5 6) an- 
gäbe der titel entweder unbedeutender oder der redaction nicht 
zugänglich gewordener Schriften; 7) kurze anzeigen von Schul- 
büchern ; 8) nachweis der cataloge der buchhändler , antiquare 
so wie von bücherauctionen ; 9) eine kleine „philologische Zei- 
tung", interessante notizen über Universitäten, gymnasien und 
die au diesen wirkenden persönlichkeiten in möglichster kürze 
enthaltend, also keine listen von beförderungen u. drgl; 10) 
Jahresbericht, d. h. eine beurtheilende, kurze Übersicht über alle 
uns bekannt gewordenen philologischen erscheinungen des jahrs: 
sie wird nr. 12 ausmachen und daher erst anfaug februar 1871 
erscheinen; dafür wird nr. 1 für d. j. 1871 schon am ersten decem- 



Nr. 1. 1. Vorwort 5 

ber 18 70 ausgegeben. Daher ersuchen wir Verfasser wie Ver- 
leger philologischer Schriften diese ihre Schriften dem un- 
terzeichneten seiner zeit baldthunlichst einzuschicken 
und zwar von den unter nr. 2 bezeichneten wo möglich zwei 
exernplare, damit stets ein exemplar der redaction zu bän- 
den bleibe. 

Für die recensiouen und anzeigen jeder art bleibt festge 
setzt, dass keine vier druckseiten übersteigen kann; ein etwai- 
ges mehr wird nicht honorirt. Dabei muss aber jede der un- 
ter nr. 1. 2 erwähnten anzeigen denkenner verrathen, wo mög- 
lich ein werthvolles neues enthalten , so dass bei gewissenhafter 
besprechung desselben gegenständes durch andre der Anzeiger 
citirt werden muss: nur auf diese weise nützt der Anzeiger der 
Wissenschaft und wird selbst wissenschaftlich. Auf gleiche linie 
mit der gelehrsamkeit stellen wir aber die Unparteilichkeit, 
besonders auch deshalb, weil anonymität die regel ist, obschon 
einer Unterzeichnung mit chiffre oder vollem namen nichts ent- 
gegensteht, und weil antikritiken nicht aufgenommen werden : 
kann ein Verfasser die redaction überzeugen , dass durch einen 
recensenten des Anzeigers ihm unrecht geschehen, so wird die 
redaction entweder eine zweite besprechung veranlassen oder 
dem Verfasser im Philologus räum verschaffen, durch selbstän- 
dige aufsätze wissenschaftlich seine ansieht zu entwickeln. 
3 ' A[i(f uqstt] xgißov xaf aot ra Stxuift (p(X sarto 
(jqdi 0t vixutü) xiodoq o t a\d%qbv Irj. 

Göttingen 10. mai 1870. Ernst von Leutsch. 

2. Kleine Schriften in lateinischer und deutscher spräche 
von Fr. Aug. Wolf. Herausgegeben durch Gr. Bernhard y. 
1. Scripta latina. II. Deutsche aufsätze. 8. Halle. Waisenh. 
1869. 1200 s. u. XXXVI. — 4 1 /« mfi 

Mit dem erscheinen dieser Sammlung ist ein in vielen und 
weiten kreisen lange gehegter wünsch erfüllt ; indessen müs- 
sen besonders wir philologen sowohl dem herausgeber als auch 
dem Verleger, der seinerseits zur würdigen ausstattung nichts 
(vorb. p. VI) verabsäumt hat, uns zum dank verpflichtet fühlen, da 
noch nie so vollständig und correct diese tief in die entwick. 
lung unsrer Wissenschaft eingreifenden Schriften im drucke vor- 
gelegen haben. In dem vorbericht, p. III — XXXVI, werden die 



6 2. Fr. Aug. Wolf. Nr. 1. 

bei der herausgäbe leitenden gruudsätze, also genaue rechen- 
schaft von dem was aufgenommen (p. XXI), was ausgeschlos- 
sen, auch von dem noch vorhandenen ungedruckten, von Ortho- 
graphie, interpunction u. s. w. gegeben , überhaupt die forderun- 
gen an einen herausgeber derartiger Sammlungen (p. XXVI) 
besprochen und dabei zum besten unsrer schreib - oder vielmehr 
druckseligen zeit sehr zu beherzigende winke eingestreut und 
alles dies so gründlich und einsichtsvoll, dass wir wenigstens 
uns überall mit Bernhardy in vollster Übereinstimmung befinden. 
Um von der reichhaltigkeit der Sammlung jedweden zu überzeu- 
gen, setzen wir den inhalt beider bände her. deren erster die 
lateinischen, der zweite die deutschen aufsätze in durchlaufen- 
der paginirung enthält : 

1. Parentalia duo p. 3-20 [auf Friedrich II, 1786, und 
Friedrich Wilhelm II, 1797]. — 2. Prooemia praelectionibus 
academicis scripta 1784 — 1805, p. 21 — 130 [über sie vrgl. vorb. 
p. VI]. — 3. Praefationes et Epistolae 1782—1812, p. 131— 
424 : vorrede zu Piatons gastmahl p. 131 — 157; Praefatio ad He- 
siodi Theogoniam p. 157 — 168; Praefationes Homerfcae p. 169 — 
278: Auctarium p. 587 — 590; Epistola ad Schellenbergium p. 
278 — 286: cf. p.li56; Praefatio ad Tetralogiam dramatum Grae- 
corum p. 286—288 ; Epistola ad Keizium p. 288—303 ; Prae- 
fatio ad Luciani libellos p. 303 — 305; Praefatio ad Mureti Va- 
rias Lectiones p. 305 — 310; Epistola ad Villoisonium p. 310 — 
313; Epistola ad I. GL Schneiderum de Xenophontis Hellenicis 
p. 316—333; Praefatio ad Herodianum p. 333 — 347; Praefa- 
tio ad Ciceronis Tuscul. Disputt. p. 348 — 352 ; Auctarium ad 
Vateri Animadversiones Aristotelias p. 352 — 368 ; Praefatio ad 
Ciceronis Oratt. IV post reditum p. 369 — 389 ; Praefatio ad 
Orationem Marcellianam p. 389 — 409; Praefatio ad Suetouium 
p. 409 — 415; Praemonitum ad Apollonium de prouomine p. 
415 — 418; Praefatio ad Piatonis dialogorum delectum p. 418 — 
424. — 4. Commentationes et scripta varii argumenti 1792 — 
1819. p. 425—590: Narratio de Herodiano p. 425—453; Con- 
silia scholastica p. 454 — 461 ; Prooemium ad scholas de histo- 
ria litterarum Graecarum p. 461 — 471; Prooemium ad Hesio- 
dium Scutum Herculis p. 472 — 484. — Miscella litteraria p. 
485 — 487; Commentatio ad Horatii C. I, 1, 29 p. 487—498; 
Ex familiari interpretatione Ciceronis de N. D. p. 498 — 529; 
Quaestiones epistolicae de ' orthographicis quibusdam Graecis p. 
529 — 566; Mala aut inelegans Latinitas in scriptis recentiorum 
p. 566—568; Perperam omissa interpunctio in Od. A. 130. p. 
568—574; Ad locum Herodoti 1, 1, p. 574—577; De Ruhn- 



Nr. 1. 2. Fr. Aug. Wolf. 7 

kenn celebri quodam reperto literario p. 577 — 585; Varia p. 
585—587. 

II. Deutsche aufsätze. Aus der hallischen zeit : 1. Ueber - 
sicht von Piatons gastmahl p. 593 620; 2. Ist Homer auch 
übersetzbar? p. 620 — 643; 3. Ueber den Ursprung der opfer 
p. 643-666; 3. Beitrag zur gpscbichte des Somnambulismus 
aus dem alterthum p. 666 — 691 ; 5. Aus dem grundriss der 
römischen litteratur p. 691 — 700 ; 6. Noch etwas über Hora- 
zens 28 ode 1. buches p. 700 — 710; 7. Ueber herrn D. Sem- 
lers letzte lebenstage p. 710 — 724; 8. Wolf gegen Herder p. 
724-728; 9. Ueber den ausdruck Vis comica p. 728—730; 
10. Winckelmanns Studienzeit p. 730 — 743; 11. Schreiben 
über eine hallische erzählung p. 743 — 807. — Aus der ber- 
linischen zeit: 12. Darstellung der alterthumswissenschaft p. 808 
— 895; 13. Von einer müden Stiftung Trajans p. 895 — 922; 
14. Ueber ein wort Friedrichs II von deutscher verskunst 
p. 922—962; 15. Zu Piatons Phaedon p. 962-994; 16. Ho- 
ratius' erste satire mit einigen scholien p 992 — 1016; 17. Aus 
den litterarischen analekten : vorwort p.1016 — 1030. Biographi- 
sches, Bentley, Taylor, Markland, Tyrwhitt, Homer, p. 1030 — 
1116; Exegetisches p. 1116 — 1129; Vermischtes p.l 154— 1200. 

Ein näheres eingehen auf diese Schriften liegt unserer auf- 
gäbe fern, zumal der vorbericht p. XXVIII ihre geltung tref- 
fend entwickelt: ,,wie viel auch", heisst es unter anderm p. 
XXXIV, „in abzug kommen mag, immer behalten wir genug 
von dauerndem bestand, um die schönen Seiten einer genialen 
persönlichkeit zu gemessen und diese denkmäler einer grossar- 
tigen philologischen bildung uns anzueignen" : nur die leistung 
des jetzigen herausgebers , ob er den im vorwort aufgestellten 
grundsätzen auch wirklich gefolgt sei. liegt uns ob zu prüfen. 
Es ist das ein angenehmes geschäft: denn zuerst ist in treue 
und correctheit des textes das mögliche geleistet , da verschie- 
dene ausgaben verglichen und daraus Varianten gezogen sind, 
die sehr lehrreich die stete feile und das unausgesetzte streben 
des Verfassers nach möglichster Vollendung bekunden (vorb. p. 
VHI) und, beiläufig gesagt, die richtigkeit des von mir für J. 
H. Voss im Philol. Anz. 1869, nr. 3, p. 73 gewünschten be- 
weisen: jetzt halten es kleine geister leider nur zu oft für ein 
verdienst, schnellmöglichst ein soeben durch die Zeitschriften zur 
genüge verbreitetes product unverändert von neuem dem publi- 
cum aufzunöthigen : lerne man doch jetzt auch von Fr. A.Wolf, 
dass das der Wissenschaft nicht nütze und dem wissenschaftli- 



8 2. Fr. Aug. Wolf. Nr. 1. 

chen mann nicht gezieme. Ferner sind zum verständniss der 
Schriften vielerlei werthvolle notizen beigebracht, die Verhält- 
nisse unter denen sie entstanden, erörtert und deshalb mit gro- 
sser mühe und ausdauer briefwechsel, literaturzeitungen, Wochen- 
blätter, brochüren und sonstige zum theil jetzt schon schwer 
zugängliche tagesüteratur (s. p. XI. XXIII. XXIV) so durch- 
forscht, dass nicht allein ein auch nach Arnold sehr werth- 
voller beitrag zu Fr. A. Wolfs leben, sondern überhaupt für 
zeit - und culturgeschichte bedeutendes gewonnen worden : wir 
heben dafür zum beweis nur die Universität Halle hervor, s. p. 
VI. XIV. XVI. Dies massenhafte, buntscheckige material ist 
lichtvoll disponirt und überrascht durch ein neues, mir wenig- 
stens bis dahin an Bernhardy unbekanntes talent , durch eine 
vortreffliche darstellung in schönstem deutsch: es hat die ge- 
naue beschäftigung mit einem meister in geschmackvoller pro- 
saischer darstellung einen erwünschten einfluss auf den halle- 
schen nachfolger gehabt. Reizt nun auch manches in der so 
anziehenden darstellung zum Widerspruch, wie wenn p. VI Wolf 
als begründer einer neuen form der prooemia vor den lections- 
catalogen der Universitäten hingestellt wird — Heyne und schon 
Gesner (s. Opusc. min. T. HI, p. 498) verfuhren im ganzen wie 
Wolf — ; lässt auch manches sich verbessern, wie wenn p. XXXII 
ein brief von Fr. Thiersch freilich nur durch einen gedanken- 
strick interpolirt und ihm auch wohl eine zu grosse bedeutung 
beigelegt wird, — ich gehe lieber noch mit ein paar worten auf 
ein allerdings gefährliches thema über, die beurtheilung von Wolfs 
berliner leben, p. XXXI Denn, liegt mir auch fern die schwä- 
chen Wolfs und factisches zu leugnen, schon lange scheint mir 
das gegen ihn inne gehaltene verfahren ein ungerechtes, indem 
durch verschweigen oder unterschätzen der motive und gründe 
seines handelns wie durch vielleicht unbewusste Parteinahme 
für seine gegner die richtige erklärung der wandelung Wolfs 
verhindert worden ist. Denn dass Wolf nach seinen erfahrungen 
in Halle (p. XVI) eine professur in Berlin nicht wieder anneh- 
men wollte, sich, wie er seinen Verdiensten nach ohne überhe- 
buug durfte, eine freiere, wenn auch für ihn erst zu gründende 
Stellung zu verschaffen suchte, legt nur zeugniss ab von seinem 
klaren blick und gereicht ihm nicht im geringsten zur Unehre: 
nur wenn man aus eigner erfahrung das leben an Universitäten 



Nr. 1. 2. Fr. Aug. Wolf. 9 

kennt, nur wenn man weiss , wie , wer da die Wissenschaft und 
Universität ohne betbeiligung an dem treiben der partei und 
clique zu fördern strebt, hass und Verfolgung erntet, nur dann 
vermag was Wolf gefühlt nachempfunden und richtig beurtheilt zu 
werden. Dazu kommt ein zweites : die gegner Wolfs, sehr thä- 
tige und in polemik wohl bewanderte männer bedeutenden rufs, 
verstanden dessen schwächen und fehlgriffe geschickt auszubeu- 
ten und selbst namhafte schüler von ihm in ihre reihen zu 
ziehen, vrgl. das über I. Bekker p. X bemerkte : da dagegen 
Wolf aus einem aus seiner gross angelegten natur wohl erklär- 
baren Widerwillen gegen solches gezänk trotz der zu einer ge- 
genrechnung vorhandenen mittel sich gar nicht oder schwach 
vertheidigte , so sind alle anschuldigungen ohne weiteres ge- 
glaubt und noch jetzt werden gradezu lächerliche äusserungen 
wie die Niebuhrs Vorb. p. XVII gegen ihn als lautere quellen 
benutzt: wird also das material kritischer benutzt, wird manches 
wohl in anderm lichte erscheinen, namentlich aber Wolfs geg- 
ner nicht grösser als er. Aber am verhängnissvollsten ist für 
Wolfs ausgang die läge geworden , in der Preussen grade bei 
dessen Übersiedelung nach Berlin sich befand: man denke, diese 
wäre nach 1817 oder nach 1840 gefallen, man hätte zur ehre 
des Staats mittel und wege genug zu finden gewusst , dem gro- 
ssen genie entsprechenden räum zur entfaltung neuer blüthe 
zu schaffen. Aber damals trat bei allem grossartigen schwung 
überall hemmend die aufgezwungene Sparsamkeit entgegen : in 
unserm falle wirkte ferner lähmend die tiefe abneigung königs 
Friedrich Wilhelm III gegen W. v. Humboldt ein , der wohl 
grade deshalb mehr als er sonst vielleicht gethan die in der 
academie wie an der Universität und somit in vielen und einfiuss- 
reichen kreisen mächtigen gegner Wolfs zu berücksichtigen sich 
versucht fühlen mochte. Wird darnach das leben Wolfs von c. 
1807— 1817 behandelt, die Schilderung wird anders und gerechter 
ausfallen als p. XXXII; wer aufsätze schreiben kann wie die dar- 
stellung der alterthumswissenschaft (p. XVII) , solche plane für 
gymnasien und Universitäten (vrgl. Arnold Fr. A. Wolf I, 
p. 138. II, p. 46 flgg), ist kein heruntergekommener mann. 
Dass Wolfs späteres leben seiner nicht würdig war, wer wird 
das nicht beklagen! aber es ist vor allem wie er dahin kam, 
vorurtheilsfrei zu erwägen, auch dem character der zeit, aus der 



10 3. Otto Jahn. Nr. 1. 

Wolf hervorgegangen, rechnung zu tragen, endlich nicht bloss 
ins schwarze zu malen ; thut man das nicht, wird man ungerecht 
und beeinträchtigt auch die Wirkung . von Wolfs Schriften , von 
denen, wie oben schon gesagt, gar viele wie bei ihrer entste- 
hung so auch jetzt noch vortreffliche, ich möchte sagen unüber- 
windliche waffen im kämpfe der höhern, idealen auffassung des 
lebens und der Wissenschaft gegen den sich immer dreister aus- 
breitenden materialismus gewähren. E, v L. 

3. Aus der alterthumswissenschaft. Populäre aufsätze von 
Otto Jahn. Mit acht tafeln abbildungen und einigen holz- 
schnitten. 8. Bonn. Ad. Marcus. 1868. 420 SS. — 27a o$ 

Nichts thut in unserer den idealen richtungen und somit 
auch den philologischen Studien feindlichen zeit mehr noth , als 
der philologie auch ausserhalb der kreise der fachgenossen an- 
hänger und pfleger zu verschaffen. Denn obgleich schon St. 
Hieronymus und selbst Gregor der Grosse, den man irrthüm- 
lich unter die Verächter der classischen Studien zu stellen pflegt, 
und vor und nach diesen viele andre wiederholt ausgeführt 
haben, dass für gedeihliche interpretation der heiligen Schriften 
die sicherste und fördersamste Vorbereitung in dem eindringen 
in die kunst des classischen alterthums gefunden werde, auch 
die erfolge namentlich in der ersten hälfte unsers Jahrhunderts die 
richtigkeit dieses satzes bewiesen haben, so wenden sich jetzt mehr 
und mehr die theologen von der classischen philologie hartnäckig 
ab, doch wohl fürchtend durch classisches griechisch und latein ih- 
ren darnach offenbar sehr schwachen glauben in schwere gefahr zu 
bringen Es giebt gewiss jeder den grossen unterschied zwischen 
theologen und mathematikern zu : aber während früher mathemati- 
sche Schriften in musterhaftem latein abgefasst wurden, sind jetzt 
grade unter den Vertretern dieser Wissenschaft die bittersten 
gegner der alterthumsstudien und meinen wie die theologen ihr 
gedeihen, ihre entfaltung werde durch die classiker beeinträch- 
tigt. So kurzsichtig dieser bass wie aller hass auch ist, er fin- 
det als Opposition doch in unsrer zeit weit und breit anklang 
und immer weitern kreisen des lebens wird die philologie ent- 
fremdet und fremd, um schliesslich, nachdem sie allen Zusam- 
menhang mit grossartig das leben bestimmenden richtungen ver- 
loren und aufgehört hat irgendwo praktisch einzugreifen, 



Nr. 1. 3. Otto Jahn. 11 

gänzlich über bord geworfen zu werden. Da hierin — und 
nichts ist hier übertrieben — eine grosse gefahr grade für uns 
Deutsche nach unserem ganzen wesen und geschichte liegt , so 
hat man auf abhülfe zu denken; aber wo sie finden? Auf einen 
weg zu ihr führt das oben angezeigte buch. Diese so drohende 
gefahr wäre nämlich gar nicht entstanden, hätten wir nicht, zu 
fest überzeugt von unsrer unentbehrlichkeit , die philologie nur 
als gelehrtes fachstudium betrieben , auch nicht die wenigen gu- 
ten Schriftsteller, welche, wie früher die Schlegel, Jacobs, Bötti- 
ger u. a. die resultate gelehrter forschung in schöner form auch 
dem grössern publicum vorzulegen und dieses für historisches 
wissen empfänglich zu erhalten verstanden , vornehm und hoch- 
müthig behandelt und zurückgestossen : dies muss aufgegeben 
und vielmehr als pflicht der selbsterhaltung erkannt werden, alle 
die auf Vermittlung zwischen philologie und leben hinarbeitenden 
bestrebungen eifrigst zu fördern. Zu den wenigen, welche grade 
jetzt auf diesem felde grosses zu leisten vermochten, gehört 
der seinen freunden und der Wissenschaft zu früh entrissene 
Otto Jahn und hat er in dem oben angegebenen buche dies 
auf das schönste bewiesen. Es sind nämlich in ihm folgende 
dreizehn aufsätze vereinigt : 

1) Bedeutung und Stellung der alterthumsstudien in Deutsch- 
land, p. 1; - — 2) eine antike dorfgeschichte, p. 51; — 3) no- 
veletten aus Apulejus. p. 75; — 4) die hellenische kunst, p. 115; 
— 5) die restitution verlorner kunstwerke für die kunstgeschichte, 
p. 183; — 6) die alte kunst und die mode, p. 219; — 7) die 
polychromie der alten skulptur , p. 245 ; — 8) der Apoll von 
Belvedere, p. 265 ; — 9) höfische kunst und poesie unter Augustus, 
p. 283 ; — 10) die griechischen bemalten vasen , p. 305 ; — 
11) Cyriacus von Aneona und Albrecht Dürer, p. 333; — 12) 
Göthe's Iphigenia auf Tauris und die antike tragödie, p. 353 ; — 
13) bildungsgang eines deutschen gelehrten am ausgang des 15. 
Jahrhunderts, p. 403. 

Es tritt in allen diesen unsern lesern bekannten aufsätzen 
neben grossartigem fleiss in der herbeischaffung des oft sehr ent- 
legenen lind schwer zugänglichen Stoffes und neben sicherster 
handhabung einer trefflichen methode ein angeborner, durch stren- 
ges Studium geregelter sinn für das schöne in der form und 
darstellung hervor, aus welchem letztern die Vorliebe für die von 



12 3. Otto Jahn. Nr. 1. 

0. Jahn meisterhaft aufgefasste alte kunst entsprungen erscheint. 
Zu dieser, der archäologie, wie wir jetzt sagen, wendet er sich 
aber erst nach eifrigst durchgemachter streng philologischer 
schule: in richtiger erkenntniss des werthes derselben hat er 
streng philologische arbeiten nie aufgegeben , sondern wie allein 
schon die vielen theils von ihm selbst theils auf seinen antrieb 
besorgten collationen von handschriften beweisen, strebte er wäh- 
rend seines ganzen lebens stets nach leistungen auf diesem ge- 
biet ; denn das unveräusserliche und durch nichts anderes ersetz- 
bare eigenthum dieser philologie ist eben die anleitung zur an- 
eignung der fruchtbarsten, sichersten methode. Als glanzpunkt 
der leistungen 0. Jahn's auf diesem felde dürfen wir die aus- 
gäbe des Flor us betrachten; denn jedes bei erzielung eines 
wirklichen durch eine ausgäbe zu erwirkenden fortschrittes not- 
wendige geschaft führt der Verfasser hier mit grösster umsieht 
und Sorgfalt aus : die handschriften sind genau verglichen und 
ihre Verhältnisse bis ins einzelnste dargelegt, die spräche des 
Schriftstellers und die seiner zeit wie der von ihm behandelte 
stoff nach allen richtungen durchforscht, daher einerseits die ge- 
bührende achtung vor der Überlieferung, andrerseits scharfsinni- 
ges erkennen des verdorbenen und mit hülfe überraschender com- 
bination glücklichste heilung durch conjeetur — in der einlei- 
tung speciellste kenntniss des lebens des Schriftstellers und sei- 
nes werks und die da mühsam gefundenen resultate anspruchs- 
los und doch elegant dargestellt, über alldas schönste den classi- 
kern abgelauschte maasshalten. So durch die philologie erzogen 
und erstarkt konnte ihm bei weiterm eindringen in die archäo- 
logie und die neuern arbeiten über sie der mangel einer festen 
richtig gehandhabten methode nicht verborgen bleiben; in dem 
streben diesem übelstand fördersamst abzuhelfen, liegt wohl vor- 
zugsweise der fortschritt in 0. Jahns archäologischen arbeiten. 
Diese richtung machte ihn zu einem stillen gegner des von 
uns allen hochverehrten Ed. Gerhard ? wie dessen von 0. Jahn 
verfasste biographie (s. Ph. Anzeig. 1869, st. 1, p. 27) auch in 
dem zwischen der darstellung des lebens Gerhard's vor und 
während des aufenthalts in Berlin obwaltenden unterschiede 
deutlich verräth : es erlahmt die archäologie ohne engste Verbin- 
dung mit der philologie: mögen die darin liegende mahnung die 
Jüngern nicht verachten! Solche umfassende und selbständige 



Nr. 1. 3. Otto Jahn. 13 

Studien machen aber immer dankbar gegen die leistungen der 
Vorgänger und lassen nie vergessen, wie wir auf unsre stufe nur 
durch die frühern gelangt sind ; daher beschäftigt sich 0. Jahn 
auch gern mit der geschichte der neuern philologie, einem ebenfalls 
jetzt leider gar zu sehr vernachlässigten zweige unsrer Wissen- 
schaft; schon der student meint jetzt, durch das gymnasium und 
die Schulausgaben verleitet, kenntnisse über Scaliger, J. F. G-ro- 
nov u. s. w. gehörten zu dem ballast und wendet sich verächt- 
lich von ihnen ab: aber wie der mann ungestraft seine kindheit 
und jugend nicht vergessen kann, so wenig darf die Wissenschaft 
ihre anfange vernachlässigen und thut sie es, bleibt die rächende 
Nemesis nicht aus. Und damit sie uns nicht ereile, mache ich 
hier zum schluss recht nachdrücklich auf die erste und letzte 
der oben angegebenen abhandlungen aufmerksam, vor allem auf 
die erste, welche auch vortrefflich die zeit des Wiederauflebens 
der Wissenschaft im vierzehnten Jahrhundert und die daraus her- 
vorwachsenden ersten epochen des Studium der classischen philolo- 
gie der neuzeit bespricht : zugleich vergleiche man diese ganze 
abhandlung mit Fr. A. Wolfs epoche machender darstellung der 
alterthumswissenschaft (Kl. Schrift, bd. II, p. 808) , um zu se- 
hen , wie das von dem meister skizzirte durch die jüngste zeit 
ausgebaut und erstarkt und erweitert worden, um daraus muth 
und kraft zur siegreichen bekämpfung der unsrer Wissenschaft in 
unserm vaterlande drohenden gefahren zu gewinnen. 

Lernt vor allen ird'schen dingen 

Wer ihr seid und was ihr sollt. 

E. v. L. 

4. ^Ejrotxiu Aoxqdiv rgufj,[iaiu zo nQuirov vtio I. N. 01- 
xovofiidov ixöo&ivia xai öiahevxa&i'vTa. *Ev ^A^vaic 1869 (130 
u. 6 s. 4 mit 2 fäcsimilirten inschriftentafeln). 

J. N. Oikouomides hat sich schon 1850 durch die herausgäbe 
einer alten lokrischen inschrift (bekannter geworden in der ab- 
gekürzten bearbeitung von L. Ross „alte lokrische inschrift von 
Chaleion oder Oiantheia" u. s. w. Leipzig 1854) ein grosses 
verdienst erworben. Wie jene ist auch die jetzt edirte inschrift 
einer erztafel in der Sammlung des ritters Woodhouse zu Corfü 
(jetzt nicht mehr am leben) entnommen. Dieselbe umfasst zu- 
sammen 47 ziemlich lange zeilen , ist im allgemeinen sehr gut 



14 4. Griechische epigraphik. Nr. 1. 

crhalteu und erscheint nicht allein durch ihre länge , sondern 
auch durch ihren inhalt und ihre orthographischen und dialekti- 
schen eigenthümlichkeiten wohl als die wichtigste aller bis jetzt 
bekannten älteren griechischen inschriften. 

Sie ist eine Urkunde über die bedingungen, unter welchen 
in Naupaktos, einer Stadt der AoxqoI 'EaTtigioi, (gewöhnlich 
*0£6Xat, genannt) eine inotxCu der AoxqoI ' Ynoxvufiidiot zugelas- 
sen wurde, d. h. ein zuzug in die schon bestehende Stadt. Der 
hrgb. hat nun p. 52 mit recht angenommen, dass die zeit der 
inschrift jedenfalls vor 455 a. Gh. zu setzen sei, wo die Athener 
das kurz zuvor den ozolischen Lokrern abgenommene Naupaktos 
den ausgetriebeneu Messeniern übergaben. Man wird sie aber 
wohl erheblich höher hinaufsetzen dürfen. Denn die alte in- 
schrift von Oiantheia, welche Eoss p. 17 geneigt ist in das sie- 
bente Jahrhundert oder gar noch höher zu stellen , zeigt aller- 
dings in der einfachen Schreibung verdoppelter consonanten und 
in dem ausgedehnteren gebrauche von E und O für die diph- 
thonge « und ov einen älteren charakter ; aber die colonie • Ur- 
kunde stimmt mit jener doch in den schriftzügen , der art der . 
interpunction und dem dialekte so sehr, dass sie schwerlich viel 
jünger sein kann, zumal da sie in dem ausgedehnten gebrauche 
des koppa, das der andern inschrift ganz fehlt, sogar ein alter- 
thümliches element voraus hat. 

Der sachliche gewinn aus dieser neuen inschrift besteht ei- 
nerseits in der genaueren künde über die bisher wenig bekann- 
ten Verhältnisse einer Inoixta, anderseits in der bestätigung der 
kürzlich durch die von Wescher edirte wichtige amphiktionische 
inschrift von 190 a. Chr. [Etudes sur le monument bilingue de 
Delphes. 1868) gewonnenen kenntniss, dass die Lokrer Mittel- 
griechenlands nicht, wie gewöhnlich nach Strabo angenommen 
wird, in drei coordinirte abtheilungen zerfielen, sondern in zwei 
halbcantone, nämlich AoxqoI ' T noxtufifdioi oder y Onovvnoi, und 
AoxqoI l EaniQiot, oder *0£6hu , wobei nur noch das verhältniss 
der benennungen ' Ynoxvufjbtdwv und 'Emxvafiidioi, einer näheren 
Untersuchung bedarf. 

In hinsieht auf Orthographie und dialekt , was sich nicht 
streng scheiden lässt, sind besonders folgende punkte von Wich- 
tigkeit: 1. der häufige und consequente gebrauch des koppa, 
nämlich immer und ausschliesslich vor o und to ; 2. zahlreiche 



Nr. i. 5. Lateinische epigraphik. 15 

bdispiele de-> digamma, wöruüter auch pixaGtog ; 3. mehrfacher auf- 
fallender gebrauch von « für i vor q, wie d(iaQa = fifAeQa J xpuqHV, 
ptcnÜQtot,, uvtpotagoi, naiuga; 4. der beweis, dass schou der lo- 
krische dialekt dieser alten zeit der von mir sogenannten Doria 
septentrionalis als einem zweige der Doris mitior angehörte. Ge- 
naueres soll eine abhandlung im Philologus darlegen. 

Der commentar von Oikonoraedis (in griechischer spräche und, 
mit ausnähme der anmerkungen sprachlichen inhaltes, mit italie- 
nischer Übersetzung) zeigt gleich dem zu der früher edirten in- 
schrift eine ausgebreitete gelehrsamkeit , welche jedoch für die 
bedürfnisse der deutschen philologie etwas zu profus ausgeschüt- 
tet ist. H. L. Ahrens. 



5. Corpus inscriptionum latinarum consilio et auctoritate aca- 
demiae litterarum regiae borussicae editum. Volumen secundum. 
Berolini apud G. Keimerum MDCCCLXIX. Auch unter dem titel: 
Inscriptiones Hispaniae latinae ed. Aem. Hübner. LV1, 780 
und 48 s. in fol., dazu 2 karten von Kiepert. — 1 u. 2: 3773 otf 
Möge eine kurze anzeige dieses endlich erschienenen zwei- 
ten bandes der lateinischen Inschriften hier genügen; in das 
massenhafte detail desselben einzugehen würde der hier eng bemes 
sene räum nicht gestatten : auch wird dem vernehmen nach schon 
bd XXX des Philologus eingehenderes enthalten. Mehr als zehn 
jähre hat Hübner seiner arbeit gewidmet. Bereits im j. 1858 er- 
hielt er von der berliner akademie den auftrag, die Inschriften der 
iberischen halbinsel heraus zu geben; zwei jähre gingen mit 
wissenschaftlichen Vorbereitungen zur reise hin, die theils in Ber- 
lin, theils in Paris zu machen waren. In den jähren 1860 und 
1861 bereiste er dann zwanzig monate lang die wichtigsten theile 
des ihm übertragenen weiten gebietes. In's Vaterland zurück- 
gekehrt ging er an die anordnung und ausarbeitung des gesam- 
melten Stoffes , der sich inzwischen aus den deutschen , italieni- 
schen und niederländischen bibliotheken mehrte. Im februar 
1863 begann der druck des bandes, vom mai 1869 ist die Un- 
terschrift der praefatio , die dann noch hinzugekommenen ad- 
denda haben die ausgäbe desselben bis gegen den schluss des 
jahres verzögert. 

Der inhalt des Werkes zerfällt ausser in die praefatio in 
vier grössere abschnitte, umfassend die provinzen Lusitania, 



16 5. Lateinische epigraphik. Nr. 1. 

Baetica und Tarraconensis , dazu die meilensteine der viae pu- 
blicae, denen sich noch die kleineren abschnitte des instrumen- 
tum domesticum , der inschriften ungewissen Ursprungs , addenda 
et corrigenda, indices und die falschen inschriften anschliessen. 

Die praefatio giebt eine chronologisch geordnete, kritische 
Übersicht der quellen für die spanisch- portugiesischen inschrif- 
ten, beginnend mit zwei Spaniern des dreizehnten und fünfzehn- 
ten Jahrhunderts, deren Sammlungen indess verloren sind. Auch 
der folgende auctor, Joh. Marcanova aus Padua, der von 1457 — 
1460 sammelte, giebt nur noch falsche inschriften. Dann aber 
haben wir vom carmeliter Ferrarinus aus Reggio gegen ende 
des fünfzehnten Jahrhunderts an eine noch 85 namen zählende 
reihe von gewährsmännern bis auf die gegenwart herab, denen 
sich endlich diejenigen spanischen und portugiesischen freunde 
des' herausgebers anschliessen, welche sein unternehmen durch 
mittheilung ihrer abschriften unterstützten. Die Verdienste oder 
betrügereien jedes einzelnen werden eingehend gewürdigt. 

Aus diesen, aus den addendis noch zu ergänzenden anga- 
ben mag man zunächst ersehen, wie umfangreich das zu bewäl- 
tigende, theils bereits publicirte, theils nur handschriftliche ma- 
terial ist, aus dem nun mosaikartig die reihe der inschriften die- 
ses bandes zusammengestellt ist. Zu einer jeden werden die 
belege in der weise angeführt , dass chronologisch die eigentli- 
chen augenzeugen und selbständigen gewährsmänner angegeben 
und in klammern zu einem jeden diejenigen auctoren hinzuge- 
fügt werden, welche die inschrift nur nach seiner abschrift wie- 
derholen. Welche mühevolle arbeit in diesem unscheinbaren 
apparate vorliegt, mag jeder leicht ermessen. Nur auf diesem 
wege aber war eine kritisch beglaubigte wiedergäbe vieler in- 
schriften möglich. Einfacher war die sache, wo der herausge- 
ber selbst noch die originale copiren konnte, so dass eine be- 
rücksichtigung der früheren gewährsmänner mehr oder weniger 
überflüssig wurde. Von recht vielen hat er dann auch abklat- 
sche mit nach hause gebracht. 

Die anordnung der inschriften ist die geographische, in Lu- 
sitanien von süd nach nord und ost fortschreitend, in Bätica 
und Tarraconensis nach den von Plinius angegebenen juridischen 
conventus, in ähnlicher weise bei den viae publicae. Zwei von 
Kiepert hinzugefügte kartentafeln, eine die ganze halbinsel um- 



Nr. 1. 6. Lateinische epigraphik. 17 

fassend mit nebenkarten der umgegend von Sagunt und Tar- 
raco, die andern mit doppelt und dreifach vergrösserten karten 
Bäticas, eines theils des conventus Cluniensis , des conventus 
Bracaraugustanus und der nachbarschaft von Lissabon enthalten 
in schöner Übersichtlichkeit das vollständige geographische ma- 
terial, welches in den modernen namen der inschriftlichen fund- 
orte als grundlage , in den entsprechenden antiken als resultat 
in diesem bände vorliegt. Insbesondere beziehen sich diese kar- 
ten auch auf die Untersuchungen, welche Hübner in den einlei- 
tungen zu den einzelnen abtheilungen der iuschriften niederge- 
legt hat. Als unterabtheilungen der provinz Lusitanien und 
der convente der übrigen provinzen sind nämlich die hervorra- 
genden stäclte derselben genommen, denen freilich lange nicht al- 
len der antike name sicher beigelegt werden konnte. An die 
iuschriften einer jeden schliessen sich die des umliegenden ge- 
bietes an. Als einleitung zu diesen kapiteln giebt Hübner jedes- 
mal ausser einer kritischen aufükrung der quellenmässigen an- 
gaben über die betreffenden inschriften eine mehr oder minder 
ausführliche Untersuchung über den alten namen, die geschichte 
und die bedeutung dieser städte im alterthum, indem er mit den 
inscbriftlichen notizen die betreffenden stellen der alten aucto- 
ren verbindet. Dadurch ist für die alte geographie der halbin- 
sel eine vielfach ganz neue und die bisherigen annahmen ergän 
zende und berichtigende grundlage gewonnen. Ob alle resul- 
tate, die Hübner hier gefunden hat, richtig sind, wird erst nach 
einem eingehenden Studium des weitschichtigen materials sich 
herausstellen können; sicher aber wird, was er und Kiepert ge- 
boten haben , für die zukunft als fundament der Untersuchung 
dienen müssen; denn nach Hübners urtheil (p. XXVI) ist es 
kaum glaublich, mit welcher nachlässigkeit bisher die karten 
dieser gegenden gezeichnet waren. 

Ohne mich hier auf eine eingehende besprechung einzelner 
punkte einzulassen , kann ieh mich doch nicht enthalten, die 
auffällige anordnung der districte der vier bauschen convente 
zu berühren. Der von Gades soll einen schmalen räum längs 
der ganzen küste der provinz einnehmen, der von Hispalis um- 
fasst den westen der provinz, hat aber ein übermässig langes 
anhängsei nach Süden , das innere kommt dem von Astigi zu, 
dagegen wird durch diesen ganz auffallender weise der von Cor- 
Philol. Anz. II. 2 



18 5. Lateinische epigraphik. Nr. 1. 

duba in zwei völlig getrennte theile geschieden, einen grösseren 
im nordosten und einen kleineren im Südosten der provinz. 
Wenn nicht sehr deutliche alte angaben für diese eintheilung 
sprechen, wird man sich schwer mit derselben befreunden. In 
Hübners auseinandersetzungen habe ich keine bemerkungen über 
dieselbe gefunden. Interpungirt man bei Plinius N. H. III, 10 
vor den Worten conventus vero Cordubensis statt nach denselben, 
so würde die zweitheilung dieses conventes auf der karte völlig 
beseitigt und die ganze anordnung Hübners wesentlich verändert, 
indem man die in jenem § vorhergenannten städte sehr wohl 
zum astigitanischen convente ziehen könnte. Was dem entge- 
genstände, wüsste ich nicht. 

Eine Übersicht dessen , was die inschriften für geschichte 
und alterthümer Roms, wie Spaniens insbesondere bieten, geben 
die vortrefflichen indices, die nach dem muster derjenigen des 
C. I. regni N. angelegt sind. Auf einzelnes einzugehn würde zu 
weit führen. Nur noch ein paar bemerkungen und theil- 
weise Verbesserungen mögen folgen. In n. 2598 aus Gallacia 
kommt ein PRO^curator) METALL(orum) ALBOC vor. Dazu 
bemerkt Hübner : Metalla Albocfolensiat ) compono cum Albocola 
Vaccaeorum urbe, de qua dixi ad tit. Salmanticensem n. 880. Auch 
im index p. 756 erscheinen danach die metalla Albocolensia. 
Wohl mit mehr recht ist Plinius N. H. XXXIII, 80 zur erklä- 
rung herbeizuziehn , wo es heisst : in uno tantum Gallaeciae me- 
tallo, quod vocant Albucranense cett. Der name CILENA n. 
2649, der ein völkername ist, fehlt im index geographicus , im 
orthographicus unter AEI der name CAEICIL1VS n. 3676. 
Endlich scheint Cautus Pates auch erwähnt in n. 2710, vgl. 
mit 2705.— [Aber der preis?! — E. v. L.] D. D. 






6. Index scholarum in universitate litteraria gryphiswal- 
densi per semestre aestivum a. 1870 — habendarum. Inest 
Anthologiae epigraphicae latinae a Francisco Buechelero confectae 
specimen primum. 4. Grypbiswaldiae 1870. pp. 25. 

Professor Bücheier hat schon lange den metrischen inschrif- 
ten der Lateiner besondere aufmerksam keit zugewendet und viele 
namentlich in den Jahrbüchern für classische philologie vom j. 
1858 und 1863 behandelt. Als probe einer epigraphischen an- 
thologie giebt er jetzt die in iambischen senaren abgefassten, 



Nr. 1. 6. Lateinische epigraphik. J9 

zusammen 51, die vier gruppen bilden, weihungen (1 — 10), 
sprüche und wandbemerkungen (11 — 19). grabschriften (20 — 
47), stärker verstümmelte (48 — 51). Dertext ist nach dem 1. bd. 
des Corpus inscriptionum latinarum oder, wenn die inschriften spä- 
terer zeit angehören, je nach den zuverlässigsten zeugen gegeben 
und die anmerkungen enthalten in gedrängter fassung nachweise, 
wo die inschrift zu finden sei, andeutungen über metrische und 
sprachliche eigenheiten , bestimmungen über die zeit der ent- 
stehung, begründung im text eingeführter oder wahrscheinlicher 
änderungen, endlich erklärungen, wo sachliche Verhältnisse oder 
Unklarheit des ausdrucks besondere Schwierigkeit verursachen. 
Es sind spärliche reste, die auf uns gekommen sind: dass es 
früher eine reiche fülle, namentlich von weih- und grabinschrif- 
ten gegeben habe , ist an sich gewiss und erhellt aus den er- 
haltenen. Denn viele derselben lassen auf ältere, in spräche und 
inhalt bessere Vorbilder schliessen: bestimmte formein und archai- 
sche formen weisen auf diese Vorbilder zurück oder eigennamen zer- 
stören jetzt das metrum, können also ursprünglich nicht gestan- 
den haben : wie Bücheier zu 24. 27. 34. 44. u. aa. bemerkt. 
Aber auch um ihrer selbst willen sind diese verse von bedeu- 
tung. Denn da die mehrzahl der grabschriften freigelassene an- 
geht, so zeigen sie, wie verbreitet früher und später die liebe 
für metrische form war. Und obgleich viele einzelne verse und 
gedichte unkenntniss der metrischen gesetze und Ungeschick ver- 
rathen, so beweisen doch genug andere, z. b. 22 (grabschrift 
der Eucharis), 29 (des Pomponius Bassulus), 30 (des Postumius 
Varus), 31 (des Vettius Agorius Praetextatus und seiner gema- 
lin Paulina), wie trefflich man noch im zweiten, dritten, vier- 
ten Jahrhundert senare, bald nach der weise der komiker, bald 
nach griechischer regel, zu bilden verstand. Einzelne sind auch 
von warmem gefühl älterlichen Schmerzes durchhaucht (z. b. 21. 
26. 36) , denn auch bei diesen metrischen grabschriften , wie 
überhaupt bei allen lateinischen, wiederholt sich die auffallende 
erscheinung , dass die mehrzahl kindern oder doch jugendlichen 
entschlafenen gilt. Da Bücheier mit den formen und dem stil der 
archaischen latinität , wie mit der dichtersprache der kaiserzeit 
gleich vertraut ist, wird man mit den meisten seiner ergänzungen, 
änderungen und erklärungen einverstanden sein. Nur weniges will 
ich bemerken : nr. 20 z. 2 ist wohl feminai und z. 8 deixi für dixi 

2* 



20 6- Lateinische epigraphik. Nr. 1. 

zu lesen, nach der abschrift des Kiriacus, die Mommsen C. I. 
L. 1 p. 561 mittheilt. — 21, 1 ergänzt Bücheier mit Henzen par- 
vom, aber so gut dies für den sinn passt, so stimmt es doch 
nicht mit dem facsimile in Kitschis PLME. , da dort nicht ein 
schräger strich, wie der letzte des M, sondern ein senkrechter 
erscheint. Ebenso widerstreitet atque z. 5 , wie Bücheier mit 
Mommsen schreibt, dem facsimile, das deutlich AEQ hat, dann 
mehr räum bietet , als dass VE füllten , und endlich ziemlich 
deutlich als letzten buchstaben des fehlenden wortes M zeigt. — 
22, 13 ist infestae (für infistae) deutlich auf Ritschis facsimile zu 
erkennen. — Das in der anmerkung zu 27 besprochene epi- 
gramm CIL. 1027 hatte ich so ergänzt und geändert; 

Hospes, resiste et hoc grumum ad laevam adspice, 

ubei ossa continentur hominis perhoni 

et misericordis atque amantis pauperis. 

rogo te, viator, monumento huic nil male face. 
— 31, 42 möchte ich lieber nostri als fehler für nostra, nicht mit 
Bücheier consortio für den nominativ ansehn ; man sieht nicht ein, 
was den Verfasser der verse veranlassen konnte nicht consortium 
sagen zu wollen. — 32 , 2 soll der stein se haben, Bücheier 
schreibt sie, aber der sinn fordert: sein leben war so sittenrein 
und geehrt, dass jeder, der dies sah, rein und ehrbar leben 
wollte. Ist hier nicht sed (= se) ganz am platze? — 36, 1 
erklärt Bücheier acerbam, wie es allein erklärt werden kann; 
aber es ist doch wohl nur ein durch das folgende infantem 
veranlasster fehler für acerba. — 42, 1 schlage ich vor: 

Quicum , dum habere clausam in castello animulam 

mortalem ad superos licitum est, finitam ad diem 

pie pudensque vixi omni tempore, 

Auruncus is erat, Fusius erat nomine. 
Die wittwe spricht. — Warum fehlen denn C. I. L. 1010 und 
1431? Auch 1277 hätte in der letzten gruppe eine stelle ver- 
dient, da Büchelers ergänzung (Jahrbb. 1863 p. 770) sehr an- 
sprechend ist. — Und nun noch einen wünsch, wenn Büche- 
ier dazu kommt die Anthologia epigraphica selbst herauszugeben. 
Das verfahren , das er jetzt eingeschlagen hat , von steinen, 
welche inschriften in verschiedenen metra haben, nur die senare 
zu geben (wie 1. 3. 4.), die andern verse andern rubriken zu- 
zuweisen, ist höchst unbequem und störend. Solche inschriften 



Nr. 1. 7. Paläographie. 21 

müssen zusammenbleiben, da sie sich gegenseitig erklären, und 
eine eigene klasse bilden. H. S. 



7. Anleitung zur lateinischen paläographie von W. Wat- 
tenbach. Leipzig, Hirzel. 1869. 22 u. 44 s. in 4°. — 20 gr. 

Eine übersichtliche darstellung der entwicklung, welche die 
lateinische bücherschrift von den ältesten erhaltenen denkmälern 
an bis zur ertindung der buchdruckerkunst hin durchgemacht 
hat, wird auch für jeden philologen, der handschriftliche Studien 
zu machen hat, von grossem interesse sein. Das oben genannte 
büchlein von einem unserer gewiegtesten handschriftenkenner 
bietet auf engem räume eine ganz vortreffliche Übersicht des 
sehr umfassenden Stoffes. 

Voran geht auf 22 druckseiten eine historische entwicklung 
^der hauptgattungen lateinischer schrift. Zunächst werden die 
noch rein römischen formen der capitale, unciale, der tironischen 
noten und der alten cursivschrift characterisirt, dann die von 
den in's Römerreich eindringenden Germanen daraus entwickel- 
ten nationalschriften, die langobardische, westgothische und me- 
rowingische. Es folgen die halbunciale, die irische und angel- 
sächsische schrift. Seit dem capitulare von 789 datirt sich 
dann die ausbildung der karolingischen minuskel, welche allmäh- 
lich die übrigen Schriftarten verdrängt und die grundlage der 
ganzen späteren entwicklung bildet. Unter jedem abschnitt 
werden die hauptmerkmale der Schriftart angegeben, dazu die 
wichtigsten daten und die besten facsimiles der betreffenden 
Schriftdenkmäler. 

Die folgenden 44 Seiten sind autographirt und geben eine 
Übersicht der Veränderungen , welche jeder einzelne buchstabe 
in der schrift durchgemacht , dann der abkürzungen , der wort- 
trennung, interpunction , der zahlen und Ziffern. Hier werden 
die belege durch vortreffliche nachbildungen der einzelnen schrift- 
formen gegeben. Freilich kann das so gebotene material der 
natur der sache nach nicht genügen, um daraus ein bild von 
handschriften dieser oder jener gattung zu construiren ; denn 
zusammenhängende Schriftproben sind nicht gegeben. Was eine 
handschrift ist , lernt doch nur recht , wer originale in händen 
hat; selbst die facsimiles, von denen Wattenbach im vorwort eine 



22 7. 8. Paläographie. Nr. 1. 

Sammlung mit erklärendem text zu „nicht unerschwinglichem 
preise", veranstaltet wünscht, sind nur ein mangelhaftes Surrogat. 
Der werth dieser anleitung ist für den philologen ein doppel- 
ter. Dem anfänger im Studium der handschriften gieht sie ei- 
nen mit sicherer kritik und klarer Übersichtlichkeit geordneten 
leitfaden für die bestimmung der gattung und annähernd der 
zeit der originale ; freilich wird es auch so noch jahrelanger 
bildung bedürfen, um mit Wahrscheinlichkeit oder Sicherheit da- 
nach bestimmen zu können. Wem es aber versagt ist, bei der 
arbeit originale vor sich zu haben , wer sich mit collationen be- 
helfen muss, der findet, zumal wenn er einige handschriften- 
kenntniss besitzt, in ihr über sehr viele zweifei aufschluss und 
auf manche fragen eine ausreichende antwort. Dass das gege- 
bene material nicht das vollständige ist , versteht sich von 
selbst; denn letzteres ist wirklich fast ein unbegrenztes; was 
hier aber vorliegt, ist meisterhaft ausgewählt und wird wohl in 
den meisten fällen wenigstens einige hülfe gewähren; und was 
die hauptsache ist, directe fehler werden sich in ihm schwerlich 
nachweisen lassen. Wir machen daher nochmals angelegentlich 
die philologen , besonders nach Italien ziehende, auf dieses werk- 
chen aufmerksam. D. D. 



8. Academicorum philosophorum index Herculanensis edi- 
tus a Francis co Buechelero. 24 s. 4°. (Index scholarum 
in univ. litter. Gryphiswaldensi per semestre hib. MDCCCLXIX — 
LXX. . habendarum). 

Im zweiten supplementbande des Philologus p. 535 ff. hat 
L. Spengel auf ein höchst eigentümliches und interessantes im 
ersten bände der Herculanensium voluminum quae supersunt col- 
lectio altera p. 162 — 197 enthaltenes stück eines unbekannten 
Verfassers aufmerksam gemacht, dessen inhalt eine art von dia- 
doche der akademischen philosophen von Piaton bis Aristos bil- 
dete. Bildete ; denn es ist wohl ausser zweifel , dass die rolle, 
in der es stand, das Unglück hatte zu jenen ersten zu gehören, 
die bei der Öffnung zertrümmert wurden , und von deren bruch- 
stücken es nur noch fehlerhafte nachzeichnungen giebt. Aber 
auch in diesem traurig zersplitterten und verunstalteten zustande 
liefert es werthvolle zum theil einzige nachrichten ; es bietet, na- 
mentlich für die alte akademie, sehr interessante parallelen zu 



Nr. 1. 8. Paläographie. 23 

dem werke des Laertios Diogenes, dem es zwar nicht direct als 
quelle vorgelegen zu haben scheint, mit dessen vorläge es aber 
in sehr naher Verwandtschaft steht; aber auch für die spätere 
zeit, besonders für Karneades und seine nachfolger , findet sich 
eine menge von namen und daten, die bisher unbekannt um so 
schmerzlicher die Zerrüttung und den Wirrwarr bedauern lassen, 
in welchem sich das überlieferte befindet. Denn ausser dass 
auf den einzelnen sechs und dreissig columnen von je 40 Zei- 
len durchschnittlich kaum ein drittel meistens an den oberen und 
unteren enden und auch dies nur lückenhaft aber doch einiger- 
massen lesbar sich erhalten hat, ist auch die aufeinanderfolge 
der columnen in Verwirrung gekommen , wie z. b. Bücheier 
zeigt, dass die vierte hinter die achte gehört, ja es scheinen sogar 
obere und untere enden falsch zusammengebracht und einige 
columnen am anfange und in der mitte des buches ganz unter- 
gegangen zu sein. Die geretteten reste nach möglichkeit zu 
restituieren bleibt bei alledem eine aufgäbe, zu deren lösung der 
gegenständ des buches unabweislich auffordert, und glücklicher- 
weise fehlt es nicht an männern, die in dieser art von kritik, 
welche ebensoviel Scharfsinn als belesenheit, ebensoviel kühnheit 
als Zurückhaltung erheischt, proben einer Virtuosität an den tag 
gelegt haben, die noch weniger jedermanns sache ist als das 
conjicieren in zusammenhängenden texten. Zu ihnen gehört 
auch der Verfasser des oben angegebenen universitätsprogram- 
mes. Wenn schon Spengel a. a. o. und ihn unterstützend Sauppe 
eine anzahl von stellen durch ergänzung und emendation mei- 
stens evident hergestellt hatten, so hat jetzt Bücheier das ganze 
werk , so weit es nämlich überhaupt ein ganzes zu nennen ist, 
in der an ihm bekannten feinsinnigen und gelehrten weise, die 
gleich sehr an Ritschi und 0. Jahn erinnert, zum gegenstände 
einer kritischen bearbeitung gemacht. Er giebt im texte in der 
columnenform des papyrus mit Zahlenbezeichnung diejenigen Zei- 
len und zeilenstücke, deren Herstellung ihm mit überwiegender, 
wenn auch bald grösserer bald geringerer Wahrscheinlichkeit gelun- 
gen ist, unter weglassung der halbwörter oder ganz unverständlichen 
buchstabengruppen, deren ergänzung oder emendation selbst bei 
kühnerer Operation nur einen problematischen erfolg versprach. 
Diese haben nur in der adnotatio eine stelle gefunden, welche 
überhaupt das verhältniss des restituierten textes zur überliefe- 



24 8. Paläographie. Nr. 1. 

rung darlegt und begründet, sowie das zum Verständnisse des 
inhalts gehörige sachliche material in grosser Vollständigkeit bei- 
bringt. Es kann natürlich nicht fehlen bei einer arbeit solcher 
art, dass man hie und da etwas anders wünscht, hie und da 
etwas nachzutragen findet; „temer aria pro fecto opinio est", sagt der 
Verfasser selbst, „unum hominem quamvis doctum omnia posse enu- 
cleare", und „erroribus quoque opus est et repetita eorum expurga- 
tione prius quam eniteat aliquando verum' 1 . Aber in demjenigen, 
was Spengel und Sauppe zu thun übrig gelassen , hat Bücheier 
so aufgeräumt, dass es einem nachfolger schwerlich vergönnt 
sein dürfte, in gleicher progression die arbeit weiter zu fördern, 

Um ein paar einzelheiten hervorzuheben, so sind zu dem Ver- 
zeichnisse der schüler Piatons col. VI pag. 5 die bemerkungen 
des unterzeichneten, lectiones Abulpharagianae alterae p. 21 sq., un- 
beachtet geblieben, es würde sonst schwerlich ^Anvvxag gegen 
AfivxXag in schütz genommen sein. In betreff des Menedemos 
von Pyrrha hätte noch Porphyr, ap. Cyrill. contra Julian. VI, 
p. 208 b (Nauck. p. 8) und Plutarch. de Stoicor. repugn. p. 20 
angeführt werden können. Timotheos von Athen, welcher neoi 
ßkov schrieb, konnte nicht füglich ein schüler Piatons sein, da 
er nach Laert. VII, 1 jünger als Zenon der stoiker gewesen 
sein muss. Für den genetiv Jrjfidöovg col. VIII, p. 7 Hesse 
sich auch sagen, dass die alten grammatiker eigentlich unrecht 
hatten, wenn sie den namen für ein aus Jrjfieddrig zusammengezo- 
genes patronymikon hielten, indem im gründe Jrjfiddrjg ein com- 
positum ist wie uld-ädr\g. Col. XIII v. unt. z. 5 war aus . . vt- 
fiBvoig nicht sigrj/jiivoig, sondern Xeyofiivotg herzustellen , welches 
auch dem sinne angemessener ist. Col. XIX, 1 ist riuv noo^- 
iovtwv kein genetivus nominativi vice fungens , sondern von olC- 
yoi (Jbh und tvoXIoI St abhängig gedacht. 

Wichtiger indess als diese und etwa ähuliche kleinigkeiten 

ist der nicht beobachtete umstand^ dass col. XXVI v. unt. z. 5 

1, col. XXVII — XXXI metrische form haben. Es sind 
die komischen trimeter, in welchen Apollodors chronik und geo- 
graphie verfasst waren , und in welchen noch jetzt die periege- 
sen des sogenannten Skymnos und des Dionysios Kalliphontos 
sowie in den pharm aceutischen werken Galens die recepte des 
Damokrates vorliegen. So lautet der schluss von col. XXVI: 
dtxdio) de xrjg tov Kagvmöov fieralXayijg 






Nr. 1. 8. Paläographie. 25 

VGTBQOV ill O.QXOVTOC THtQ t}(MV Evyu/jov 

GagyrjXtüjvo.' fjur^bg s^iktnsr . ., 
so dass nur der letzte iambus fehlt, vermuthlich vogw. Für 
Evyd[fi\ov, ein uuübliches nomen proprium, ist vielleicht EvSdfiov 
zu lesen, über dessen quantität vgl. Laert. IV, 31. Auch die 
für das nächstvorhergehende vorgeschlagene ergänzung tag yrß- 
Gtr ^A^Xi'S^avdqloq ev oYJ*riY« Xoyqj bildet einen triraeter, sobald 
man nur den Spiritus ändert und c AXi£avdgog spricht; ein pro- 
saiker hätte das substantivum Xoyq) weggelassen. Col. XXVII 
2 — 6: 

JlOOGXaßtoV TfjV TOV ßtov 

fiSTuhXayrjv ejroitJGaT snl KaXXiGiqdTOv, 

enl UuGtdöov J' stsqoi XiyovGir, wv Sexu 

Inj diaktmlv ; 

8 — 10: TlaGiui re xai QgdGvg, 

TQhog d' ' AqlGTinnog Gvvrj&ijg, xul ovo, 
v. unt. z. 3 — XXVII r, 10: 

EijßovXog 7TUTQOQ 

3 Avr r\voqog ysyonug 3 AXe^dvdqov io'k 

ugxovTog enl r. . . fxeiu fiyvdg nvag 

KuXXixguTOvg EvßovXog t cur de r« ysvet, 

^EcptGiog, 'Aya/ArJGTWo de fjbsxd xt]v IJsgGewg 

äXwGtv . . vVog dir IToXv^evov 

enl ZievoxXt'ovg tijv anöXvGiv tov ßiov 

lnoir\Gax enl Nixofievovg de — 
Wenn im letzten verse die ergänzung und lesuug Nixoftirovs 
richtig ist, so hat entweder der Schreiber die ursprüngliche Wort- 
folge de NtxofiiroVi verändert oder man muss Nixo/xiveog wie 
bei Gellius XVII, 4 Jionetd-eog lesen; im dritten ergänze ich 
enl tovtm de, im fünften b Ko.XXixod.Tovg, im siebenten nach Bü- 
chelers Vorschlag t'.g^ag. Sodann col. XXVIII, v. unt. z. 4 — 
XXIX, 9: 

ngbg Kaoveddrjv 6 b xuxti tot avröi . . . 

B6r\$og vlog c Eqfiaydoov .... 

6ti]yu)viGuro raXXa fiep .... 

Xoycp J' äzexvoTfQog ' 

ovrog d' ' AqiGiCttttov fih rji uxrjxoojg 

tov t' 3 EcpeGiov ßqayyv uv ElßovXov %q6vo\, 

Toilg noXXdxtg, 



26 8. Paläographie. Nr. 1. 

rjSrj TiQoßeßqxüig xal GxoXrjq fjy . \ . 
Das letzte wort darf wohl sicher rjyijßaxo ergänzt werden ; am 
schluss des ersten verses stehen die reste rj. %a., worin Bücheier 
qx/taxwg vermuthet, was sehr gut den vers ausfüllt, obgleich 
sich auch wohl an wr xqoiov denken Hesse; hinter l Eqf.iayöqov 
muss der Schreiber selbst eine dipodie, die vermuthlich ein ethni- 
kon enthielt, ausgelassen haben ; die lücke hinter xuXka fxsv ist 
überliefert, die im vorletzten verse durch emendation der cor- 
rupten demente noch nicht gelungen. Ferner col. XXX, 1 — 10: 

. Kaqvsddov de xov noXsfjbaQxov xov ßCov 

in 3 EmxXeovg dq%ovxog iyXsXoinowg 

Kgoirrig 6 TaqGevg xv\v G^okr^v övtdi^axo' 

xovxov de 6v' Mtt\ diaxaxuG%6vxog fiovov 

KXenofiaxog iv xw IlaTJkadiiQ G^oX^v . . 

. rrjv Axa6i]fi(av . . . . , 
wo die lücke zwischen G^oX^v und rrjv von Bücheier passend 
durch h%u)i etg auszufüllen vorgeschlagen wird , während das 
ende aus col. XXIV sich ergänzen liesse fisxä txoXXwv yviogt- 
[Mjüv inißaXsv. Aus den sehr zerrissenen neun ersten zeilen von 
col. XXXf, deren trümmer sich indessen dem iambischen rhyth- 
mus anbequemen (nur z. 1 möchte ich die änderung Ttote xaxi- 
irXivatv vorschlagen,) genügt es den einen vollständigen vers 

Ixavov t' ■' AqKfxdqyop GvveaxoXaxwg ftqovov 
hervorzuheben, der um so merkwürdiger ist, weil er mit Scymn. 
Perieg. 21 

Gv)'SG%oXaxu)g dt ttoXvv * AqiGxäq%LO %qövov 
eine sehr auffallende Verwandtschaft zeigt. Endlich das v. unt. z. 8-2 : 

slg xrjv °Axxixrjv 

xuxtrclsvö" 1 ixüjv wv iXxoGtv .... 

. Kaqreddov dlg imä diaxovGac i'xrj 

dg xyjv * AGlav äwtjQ'j txeT d' svrjfKqwv 

xal xwv xn&' aiixor (paivofjbsvwv .... 
in welchen versen ich von Büchelers herstellung erstens darin 
abgewichen bin , dass ich zwischen sXxoöw und Kaqvtddov eine 
lücke Hess, weil Büchelers xal dvo xal weder ins metrum passt, 
noch die Überlieferung (:xu:ov.) befriedigend deckt, zweitens 
darin dass ich statt seines daidsxa mein dlg imä setzte, welches 
von d.oGs..a wenigstens nicht weiter abliegt und einen guten 
rythmus schafft. Der von ihm vermuthete anfang inl -cpdvxov 



Nr. 1. 8. Paläographie. 27 

jiowtov füllt dagegen, mag man /Irjfio- oder dio- , KXso- oder 
Bevo- supplieren, den trimeter gerade aus ; mit der anmerkung 
zur letzten zeile „sequitur t\v%ov[g- {( ist freilich wenig zu ma- 
chen, ein iambus mehr ist da; etwa rv^cor xulälv? 

Das Vorhandensein einer grössern metrischen gruppe , we- 
sentlich chronographischen Inhaltes, wird, nachdem darauf hin- 
gewiesen worden, hoffentlich niemand mehr bestreiten, dann aber 
auch wohl jeder die vermuthung gerechtfertigt finden, dass der 
Verfasser der abhandlung dieselbe aus Apollodors chronik 
seinem werke einverleibte. Kein anderer autor des alterthums 
hat, soviel wir wissen , diesen gegenständ in dieser form behan- 
delt; die von dem sogenannten Skymnos Perieg. 22—25 ange- 
gebene zeitgrenze von 1400 jähren nach Trojas fall ist unzwei- 
felhaft in einer späteren fortsetzung überschritten worden ; es 
hat, wie wir aus Laert. IV, 65 erfahren, darin gestanden, dass 
olymp. CLXII, 4 Karneades 85jährig gestorben sei, also eine 
sache, die mit den obigen mittheilungen im nächsten zusammen- 
hange stand. Dass auch des Kleitomachos ende noch von Apol- 
lodor erlebt sei, hat man ebenso keinen triftigen grund zu be- 
zweifeln. Hinfällig wird aber nunmehr der beweis , dass die 
ganze abhandlung in Athen oder von einem Athener geschrieben 
sei, weil ug^ovrog nag r^iiv col. XXVI nicht mehr seine eige- 
nen, sondern entlehnte worte sind. Die neapolitanischen ge- 
lehrten haben das titellose buch für ein werk des in den hercu- 
lanischen funden so reich vertretenen epikureers Philodemos ge- 
halten, und wie schon Petersen (Phaedri Epicurei de natura deo- 
rum fragm. p. 8), so ist auch Bücheier (p. 3) geneigt an dessen 
tpikoGotpyav Gvi>icc%tg zu denken, deren zehntes buch bei Laert. X, 
3 erwähnt wird. Die farblosigkeit des buches wäre kein grund 
dagegen , denn die Epikureer werden ihre compendien eben so 
compiliert haben wie die andern. Wenn Spengel aber das dem 
abtrünnigen (Laert. X, 9) Metrodoros gespendete lob col. XXVI 
dagegen anführt, so ist dies doch ein limitiertes (MrjtQoSwgoc 
de o 2xQuxovixivg fiiyag xul ßCco xal Xoyco ysyovwg ovx uvalo- 
yovGag idöxei ^dqnag h"x eiP J °S fyv Kagviudov JiaQaxrjxoivai 
Tidvrug), und ähnelt eher der anerkennung eines talentvollen 
apostaten, der auch in seiner neuen secte nur halbes glück 
machte ; die häufige erwähnung des mannes (col. XXIV. XXVI. 
XXXV) scheint sogar aus einem gewissen interesse an dem ehe- 



28 9. Griechische gramniatik. Nr. 1. 

maligen parteigenossen erklärbar zu sein. Die meinung Nietz- 
sche's (Rhein. Mus XXIV, p. 208), dass ein stoiker und viel- 
leicht Iason , der schüler und nachfolger des Poseidonios , des 
buches Verfasser sei, hat Bücheier p. 22 wohl mit recht abgelehnt. 
[S. unt. Philol. ztg. p. 62. — E. v. L.] Gottlieb Roeper. 

9. P reibisch, Carolus , de comparativi cum comparata 
re coniuncti usu Thucydideo, Dissert. philol. Breslau 1869. 
8°. 69 ss. 

In dieser dissertation geht der Verfasser nach einigen ein- 
leitenden bemerkungen über das wesen des comparativs und einer 
kurzen abhandlung über den absoluten comparativ zu seinem ei- 
gentlichen thema über, zum comparativ mit angäbe des vergliche- 
nen gegenständes. Der stoff zerfällt naturgemäss in zwei gruppen, 
in den comparativ mit dem genetiv und den comparativ mit r/. 
Zwischen beiden ausdrucksweisen sucht der Verfasser ziemlich aus- 
führlich den unterschied nachzuweisen. Alsdann geht er die ver- 
schiedenen phasen des gebrauchs in beiden gruppen durch, indem 
er in der ersten gruppe verschiedene arten des comparativs und 
verschiedene arten des genetivs auseinanderhält , in der zweiten 
gruppe die mannigfachen arten des mit rj gegenübergestellten 
gegenständes entwickelt und zuletzt endlich mehre eigenthümlich- 
keiten dieses gebrauchs , alles dies natürlich an der hand des 
Thukydides zum verständniss zu bringen sucht. 

Dies die umrisse der arbeit, über welche unser urtheil sich 
also gestaltet: die dissertation soll einmal ein beitrag zur lehre 
des comparativs sein, dann speciell zur aufhellung des thuky- 
dideischen Sprachgebrauchs dienen. Seiner ersten aufgäbe ist 
der Verfasser insofern gut nachgekommen, dass er das bestreben 
hat, alle einschlagenden erscheinungen zu begreifen und zu er- 
klären. Freilich fehlt der Verfasser hier dadurch , dass er bei 
verschiedenen ausdrucksweisen überall unterschiede des sinnes 
herauszufinden sucht, während hier doch oft nur der nämliche 
Vorgang statt hat , wie wenn wir einen und denselben gegen- 
ständ durch verschiedene gefärbte gläser anschauen. Manche 
gute bemerkungen finden sich in diesem theil, so z. b. dass in 
gewissen fällen beim comparativ nur der genetiv stehen kann. 
Auch der fall ist gut erklärt, wenn der gegenständ mit sich selber 
verglichen wird. Schlimm und sehr zu tadeln ist aber die man- 



Nr. 1. 9. Griechische grammatik. 29 

gelhafte benutzung der einschlägigen literatm über den cornpa- 
rativ. Um nur einige belege dafür zu geben, der Verfasser kennt 
nicht die abhandlung von Schümann über die comparativparti- 
keln in seinem bucb von den redetbeilen und schreibt über 
die bedeutung von »J ; bei der besprechung von ov nach dem 
comparativ fehlen Döderlein Red. u. Aufs. p. 265, Classen Beob. 
über hom. spracbgebr. p. 212, Pott Etym. Forsch, p. 349; in 
der partie über jtkeoi und Dmttov ist gänzlich übergangen 
Franke Lect. Aescb. in Pbilol. Suppl. - bd. I, p. 440 und wie es 
scheint , sind dem Verfasser auch die schönen Untersuchungen 
Herbst's (z. b. über ov% rjoaor Philo! bd. 16, p. 295) u. Cobets 
forschungen unbekannt geblieben. 

Was nun den speciellen zweck der schritt den thukydidei- 
schen Sprachgebrauch in bestimmter hinsieht zu erforschen an- 
langt, so erhalten wir durch sie einen dankenswerthen beitrag 
zur kenntniss dieses schwierigen Schriftstellers ; denn der Ver- 
fasser giebt hier für die einzelnen erscheinungen vollständig bei- 
spielsammlungen und verfolgt noch nebenbei die tendenz, schwierige 
stellen durch aufzeigung des Sprachgebrauchs zu erklären. Nur 
hätte der Verfasser durch zahlen allgemeinere erscheinungen (z. 
b. verhältniss zwischen comparativ und genetiv und comparativ 
mit rj u. dergl.) belegen sollen. Zu weiteren eingehenderen be- 
merkungen ist hier der ort nicht. 



10. lieber ausspräche, vocalismus und betonung der lateini 
sehen spräche . . . von W. Corssen. IL aufl. 1. band. 
Leipzig. Teubner. 1868. — 5 o$. 20 gr. 

Mit gerechter befriedigung konnte der Verfasser diese zweite 
aufläge seines hatiptwerks hinausschicken , als ruhe - und sam- 
melpunct für die bewegung in der lateinischen Sprachgeschichte, 
zu welcher die erste aufläge mit den anstoss gegeben und zu dereu 
methodischer weiterführung er selbst in den „kritischen beitragen", 
und „nachtragen' 1 sowie in zahlreichen abhandlungen der Kuhn'- 
schen Zeitschrift energisch mitgeholfen. Aeusserlich angesehen ist 
das system dasselbe geblieben, die rubriken , in welche der stoff 
getheilt ist, sind die gleichen, wie in der ersten aufläge, und 
auch hinsichtlich der grandanschauung über die wesentlichen 
lautveränderungen hat der Verfasser seine aufstellungen bewährt 



30 10. Lateinische grammatik. Nr. 1. 

gefunden, aber nicht bloss ist das beweismaterial bedeutend ver- 
mehrt , sondern in einzelnen capiteln, wie z. b. dem von der er- 
satzdehnung und ganz besonders in dem abschnitt über die 
vocalsteigerung liegen wesentlich neue bearbeitungen , bei der 
letzteren zum theil von tiefgreifender bedeutung, vor. Am 
klarsten aber tritt der werth der neuen aufläge hervor, wenn 
man ihn nach den gesichtspuncten schätzt , nach denen sich 
gewöhnlich dem philologen der sprachlich - grammatische stoff 
gliedert. Der erste theil (ausspräche) liefert, zum theil in dem 
abschnitt über die consonantenaussprache , den hauptertrag für 
das gebiet der etymologie, der zweite theil (vocalismus) kommt 
zumeist der flexionslehre zu gute ; daneben aber in seinem in- 
teressantesten abschnitt , der von. der vocalsteigerung handelt, 
ebenfalls der etymologie. Der noch ausstehende 2. band dagegen 
(trübung der vocale und betonung) wird sich vorherrschend auf 
dem gebiet der metrik bewegen. In den etymologischen abschnit- 
ten sind die Wörter, bei denen es sich um regelmässige lautver- 
tretung der tenues vor mediae handelt, verhältnissmässig die 
gesichertsten, die am meisten problematischen dagegen die mit 
dem wurzellaut f (p. 135 — 173), der nach des Verfassers auf- 
stellung als anlaut aus bh, dh, gh, als inlaut aus bh und dh ent- 
standen ist. Hier ist es überhaupt nicht möglich, über die auf- 
stellungen mehrerer möglichkeiten hinauszugehen, da die bedeu- 
tungen in zahlreichen fällen zu vag sind, um dem zweifelhaften 
des lautlichen elements zu hülfe zu kommen ; aber auch hier 
haben die Zusammenstellungen des Verfassers manches plausibler 
gemacht, als es für sich wäre, z. b. die ableitung von familia 
u. s.w. von w. bhag ,,wärmen" (p. 142 f.). Bekannt ist ferner 
der energische kämpf des Verfassers gegen den Synkretismus in 
den wortbildungselementen, der auch hier bei besprechung der 
suffixe bro- bra- bri- ber u. s. w. (p. 166 anm. 567 ff.), fortgeführt 
wird. Für die flexionslehre sind hervorzuheben die Untersuch- 
ungen über den diphthong ei, der in so manchen casusformen 
eine rolle spielt (p. 715 — 790), die abweisung von spuren eines 
starken aorists, wie sie Curtius in den formen tagit, attigas 
u. a. finden wollte, die dem Verfasser mit recht nur vom nicht- 
schreiben des nasals herrühren (p. 261), vor allem aber die 
lehre von der bildung des lateinischen perfects. Auf diese we- 
nigstens müssen wir hier näher eingehen. Vom perfect ist an 



Nr. 1. 10. Lateinische grammatik. 31 

mehreren stellen die rede, am ausführlichsten im Zusammenhang 
der vocalsteigerung p. 556 — 565 und 604 — 620. Darnach wäre 
das lateinische, beziehungsweise italische pfrfect von dem san 
skritischen und griechischen mit dem bildungsvocal a (bei andern 
bindevocal oder hülfsvocal) wohl zu unterscheiden und würde 
sich vielmehr , worin sich Corssen au Aufrecht anschliesst , mit 
dem bildungsvocal J und seinen suffixen (isti, istis , erunt) in die 
analogie des fünften sanskritischen aorists stellen. Jenes l wäre 
gesteigert aus z, aber es ginge diese Steigerung zurück über die 
ältesten uns erhaltenen Originaldenkmäler der lateinischen sprä- 
che und müsste ursprünglich auf alle personen , auch die 1. pl. 
ausgedehnt gewesen sein. In denjenigen perfecten ferner, wel- 
che Verlängerung des wurzelvocals haben (/eci, texi, lävi , vidi 
u. s. w.) ist diese nicht entstanden durch contraction aus redu- 
plicirten formen fvifvßdi), sondern ist eine organische Steigerung. 
Dieselbe ist aber wiederum nicht in analogie zu stellen mit Ae- 
Xoina von w. Xin, sondern mit dem sanskritischen avedlm, so 
dass in den nichtreduplicirten lateinischen perfecten nicht eine 
reduplication abgefallen wäre, sondern ein augment. Die angeb- 
lich lateinische form deda (auf der pisaurischen inschrift C I. L. 
nr. 177), die = dedant genommen und mit griechisch nttpvxuvii zu- 
sammengestellt für den Zusammenhang zwischen dem lateinischen 
perfect mit dem griechischen und sanskritischen sprechen soll, ist 
nicht eine verbalform, sondern nomen proprium Deda, zusam- 
menzustellen mit Didia (p. 186 anm.). — Hinsichtlich des letz- 
tern puncts nun bin ich mit dem Verfasser einverstanden. Selbst 
wenn Deda nicht ein nomen proprium wäre, wie es dies wahrschein- 
lich ist, so wäre es eben eine vereinzelte corrumpirte form, aus 
der man ohne alle sonstige analogie nicht so weitgreifende Schlüsse 
ziehen darf. Was aber die vergleichung mit der fünften bildung 
des sanskritischen aorists betrifft, so scheint freilich die analogie 
eine schlagende zu sein ; man braucht ja nur gegenüberzustellen : 
sskr. lat. 

Avedlm (neben dvedlsham vidi 

dvedls (neben dvedishi) vldlsti 

dve dlt vldit 

dve dishma vTdimus 

dvedishta vidlstis 

dvedislms vlderunt. 



32 10. Lateinische graminatik. Nr. 1. 

Allein die ähnlichkeit wäre eine vollständige nur hinsichtlich der 
formen ohne reduplication , bei den reduplicirten beschränkt sie 
sich auf Steigerung dps wurzelvocals, auf bildungsvocal und suf- 
fix. Nun spricht zwar Corssen immer nur von der analogie 
dieser eben genannten demente und erklärt p. 619 anm., er 
sage nicht, dass das lateinische perfect ursprünglich ein aorist 
gewesen sei. Aber die Sache steht doch so, dass es ursprüng- 
lich identisch gewesen sein muss entweder mit dem sanskriti- 
schen aorist oder mit dem sanskritischen und griechischen perfect. 
Wir könnten uns denken, dass das lateinische statt der perfects- 
bildung jenen aorist für sich nahm und diesem dann zugleich die 
functionen des perfects mit übertrug, wie ja ein solches übertra- 
gen mehrerer functionen auf eine form in der casus - und ver- 
ballehre mehrfach vorkommt, aber dann muss die Übernahme eine 
vollständige gewesen sein. Weder kann bei einem theil der for- 
men die endung jenes aorists an eine reduplicirte form angehängt, 
noch die reduplication aoristformen vorgesetzt worden sein ; 
das eine oder andere aber scheint uns die nothwendige conse- 
quenz der Corssen'schen ansieht. Flexionselemente wie die re- 
duplication oder wie bestimmte suffixe gingen in die einzelspra- 
che nur mit ganzen formen herüber , nicht als einzelne de- 
mente mit einer eigentümlichen bedeutung , die bald da, 
bald dort angesetzt werden können. Ist dem aber so , so 
glauben wir, dass man dabei beharren muss, die reduplicirten 
perfecta als die massgebenden und vollständigeren anzusehen 
und das lateinische perfect überhaupt im Zusammenhang mit 
dem sanskritischen und griechischen zu belassen. Von dem 
gefühl aus , dass wenn man eine ursprüngliche aoristform dem 
lateinischen perfect zu gründe legen will , diese eine redupli 
cirte sein muss, hat Bopp das reduplicirte augmentpräte- 
ritum des sanskrit als norm aufgestellt ; allein dagegen spricht 
u. a. die Steigerung des wurzelvocals im lateinischen. Man wird 
immer noch die geringeren Schwierigkeiten haben , wenn man 
vom reduplicirten perfectstamm mit Steigerung des wurzelvocals 
ausgehend bildungsvocal und suffix erst auf italischem boden 
durch lautwandel und Verbindung mit formen von esse entstan- 
den denkt. Dass das hülfszeitwort noch auf dem gebiete der 
einzelsprache an die tempusstämme antrat, dafür haben wir ein 
unbestreitbares beispiel am lateinischen plusquamperfectura und 



Nr. 1. 11. Homeros. 33 

an den modi des perfects und plusquamperfects. Uebrigens ha- 
ben wir auch hier wieder einen fall , der zeigt , wie wünschens- 
wert^ eine ausdehnung der Untersuchungen über Chronologie der 
sprachbildenden motive, wie sie Curtius begonnen hat, auf das 
verhältniss zwischen Ursprache und einzelsprache wäre. 

E. H. 

11. Homers Odyssee für den schulgebrauch erklärt von K. 
Fr. Am eis. Ister band: gesang I — XII. 4te aufläge. 8. Leip- 
zig. 1868—69. — 24 gr. 

Auch die vierte aufläge dieser weit verbreiteten ausgäbe 
zeigt, wie der horausgeber unablässig bemüht ist durch eigne 
beobachtung, sowie durch sorgfältige benutzung der neueren Ho- 
mer-literatur das genauere verständniss des dichters nach allen Seiten 
hin zu erschliessen. Der text ist besonders nach der kritischen 
ausgäbe von J. la Roche mehrfach verändert: darüber, sowie über 
einige neue erklärungen geben die einem jeden heft auf einem hal- 
ben bogen beigefügten „zusätze und berichtigungen" den näheren 
nachweis, während der an die früheren auflagen sich anschlie- 
ssende anhang nicht erneuert ist. In bezug nun auf die in den 
anmerkungen gegebenen neuen ansichten dürfte bei der bestim- 
mung der ausgäbe für die schule zuweilen etwas mehr Zurück- 
haltung geboten sein: so ist meines erachtens z. b. die zu 1, 
271 nach Authenrieth gegebene erklärung von ri in der formel 
el $ ayz (als alter aus Ydi verkürzter imperativ) doch zu wenig 
gesichert; ferner glaube ich die übrigens schon in den früheren 
ausgaben nach Funk angenommene beziehung der pronomina 
oös und ovrog, sowie der adverbia was und ovrcog auf die erste 
und zweite person Vgl. z. b. zu 1, 182 und 4, 543) im Philol. 
XXVII, p. 507 — 18 als unrichtig erwiesen zu haben; ebenda- 
selbst ist auch p. 521 gegen die zu 1 , 124 nach Paech gege- 
bene auffassung des futurum , sowie p. 522 gegen die zu 10, 
238 aufgestellte ansieht über die perfecta II gesprochen. Im 
übrigen mögen hier noch folgende stellen beröhrt werden, die 
nach unsrer ansieht noch der berichtigung bedürfen. Zu \, 
163 wird bemerkt: »xelvoVj durch yi betont als gegensatz 
zu den freiem". Das richtige verständniss der stelle wird durch 
die vergleichnng folgender analoger stellen gewonnen: Od. 4, 
388. 18, 254. 19, 127. 11. 6, 284. 14, 208 (danach ist auch 
Philol. ädz. II. 3 



34 11. 12. Homeros. Nr. 1. 

II. 5, 273 und 8, 196 von Bekker richtig yi statt x£ geschrie- 
ben) , welche zeigen, dass eine äövvdeTwg an das vorgehende an- 
geschlossene , durch yi markirte Wiederholung eines vorherge- 
henden begriffs zu anfang eines wünsch - oder bedingungssatzes 
ihren grund nicht in einem äusseren gegensatze hat, sondern 
in dem lebhaften interesse des redenden an der bezeichneten per- 
son oder sache. Dazu kommt an unserer stelle, dass der mit 
el eingeleitete Vordersatz zu dem unmittelbar vorhergehenden 
gedanken und dessen nachsatz auch zu v. 159 und 160 im ge- 
gensatz steht, so dass die bedeutung des xsTvov ys in bezug auf 
dies gedankenverhältniss etwa wiedergegeben werden kann: „und 
doch ist jener der mann, dass , wenn sie ihn nach Ithaka heim- 
kehren sähen" u. s. w. — Od. 12, 293 wird hr\6ofi£v als conjunc- 
tiv erklärt, ohne grund, da in ähnlichen gedankenverhältnissen 
gerade das futurum nach vorhergehendem conjunctiv gebräuch- 
lich ist, vgl. Philol. XXVII, p. 519 ff. — Od. 12, 380—81 wird 
man richtiger eine unterbrochene anaphora annehmen , so dass 
dem xaiqiGxov f^sv ein %a'iQ£6xov öl entsprechen sollte, wofür 
i\§£ mit veränderter konstruction des nebensatzes eintrat, vgl. 
Od. 3, 112. 4, 202. ■ — Nicht wahrscheinlich ist endlich die 
concessive bedeutung des particips xuOrffitvog Od. 2 , 255 = 
wenn er auch noch so lange wartet. Liegt nicht die 
andere erklärung näher: aber ich denke, er wird noch 
lange hier (unthätig) sitzen und in Ithaka sich 
nach botschaften umsehen, sodass xa&rjfievog seinen ge- 
gensatz vielmehr im folgenden ishiti xrX. hat, wie in ähnli- 
cher weise v. 369. 

12. Homers Ilias für den schulgebrauch erklärt von K. Fr. 
Am eis. Ister band, erstes heft: gesang I — III. 8. Leipzig. 
Teubner 1868. — 9 gr. Anhang zu Homers Ilias, Schulausgabe 
von K. Fr. Ameis. lstes heft: erläuterungen zu gesang I — 
III. 8. Leipz. Teubner. 1868. — 7 ] / 2 gr. 

Bei der bearbeitung der hier begonnenen Schulausgabe der 
Ilias verfährt der herausgeber nach denselben gruudsätzen, wie 
bei der oben besprochenen der Odyssee; der auch hier beigege- 
bene anhang hat den zweck theils kritische fragen zu erörtern, 
theils neue erklärungen zu begründen. Indem der herausgeber 
dabei nicht nur die hervorragenden kritischen arbeiten, sondern 



Nr. 1. 12. Homeros. 35 

auch was in Zeitschriften und programmen über kritische, gram- 
matische und sachliche fragen neuerdings geschrieben ist, gewis- 
senhaft benutzt und zugleich theils in den anmerkungen, theils 
in dem anhange eine reihe eigner beobachtungen über den epi- 
schen Sprachgebrauch bietet, wird diese ausgäbe auch über den 
kreis der schule hinaus willkommen sein und auch das gelehrte 
Studium des dichters fördern. In der constituirung des textes 
verfährt der herausgeber, wie der anhang zeigt, selbständig und 
zwar in der weise , dass er die lesarten des Aristarch zur gel- 
tung zu bringen sucht. Dass die homerische frage nur in so- 
weit in betracht gezogen ist , als „die erklärung des einzelnen 
von der aufFassung des ganzen bedingt ist " wird man bei der 
bestimmung der ausgäbe zunächst für die schule natürlich fin- 
den ; übrigens sind die für diese ersten bücher in betracht kom- 
menden kritischen ausstellungen Lachmanns berücksichtigt und 
durch die Interpretation, wohl vielfach mit recht, zurückgewiesen. 
Die erklärung , die trotz der Schulausgabe unserer ansieht nach 
mit recht bemüht ist auch die feineren beziehungen des aus- 
drucks, wie sie die partikeln geben, zum verständniss zu brin- 
gen, giebt manches neue und annehmbare; manches freilich wird 
auch Widerspruch finden. Zu dem letzteren rechne ich z. b. die 
2, 269 zu dem schwierigen uxqilov idaiv gegebene erklärung: 
„da er (Thersites) sie (die thräne) unnütz sah " so dass u%gewv 
auf das folgende Sukqv bezogen werden soll. In grammatischer 
beziehung sind mir einige bemerkungen aufgefallen, die dem 
schüler schwer verständlich sein werden, wie die zu 1, 137 
über den conjunetiv mit iciv: „Mit xiv uviog elw^ut „da 
will ich selbst mir eins auswählen" ist es eine von der ge 
genwart abhängende zukunft", vgl. darüber Philol. XXIX, p. 
137 ff., so die zu 2, 302: j,ovg (in, nicht ov, in dem sinne nisi 
quos gehört zur homerischen naivetät des ausdrucks". Bei der 
betrachtung des Verhältnisses der gedanken zu einander findet 
der paratactische ausdruck mehr , als in andern Schulausgaben, 
die gebührende berücksichtigung. Zweifelhaft ist mir in dieser 
beziehung die auffassung von 2, 158 — 61, wozu bemerkt wird: 
„xtt'J zu XittoisVj mit parataktischem nachdruck statt xuiolinovTsg". 
Nach IL 14, 88. 15, 201. 15, 553. Od. 5, 204 liegt die auf- 
fassung des ersten gedankens als frage näher ; sodann spricht 
der Wechsel des verbalen ausdrucks (optativ mit xiv nach futu- 

3* 



36 12. 13. Homeros. Nr. 1. 

rum) gegen das angenommene verhältniss beider gedanken, vgl. 
II. 4, 169-71. 172—73. Od. 6, 285. 21, 329. Jener frage 
gegenüber, die eine auf thatsachen [ovico drj) gegründete erwar- 
tung im futur ausspricht, tritt, wie der nachsatz zu einem con- 
ditionalen Vordersätze, ein subjectives urtheil, welches die mit 
der Verwirklichung jener sich ergebende folge enthält, wie öfter 
auch im couditionalsatze nach ei mit dem futurum der optativ 
mit xir folgt. An dem de aber wird man bei dieser auffassung 
ebenso wenig anstoss nehmen können, wie Od. 5, 205 nach der 
frage und wie an dem de im nachsatze nach conditionaiem Vor- 
dersatze. . C. Hentze. 

13. Die composition der Odyssee. Gesammelte aufsätze v. 
A. Kirchhoff. Berlin, Hertz. 1869 (VIII u. 210 s. gr. 8.) — 
17s atf. 

Die sieben , früher einzeln erschienenen , abhandlungen in 
welchen Kirchhof? seine gestaltung der Odyssee von 1859 nach- 
träglich rechtfertigte , liegen hier zum erstenmale vereinigt vor. 
Seine betrachtungeu sind doppelter art. In abh. II wird davon 
ausgegangen dass der Verfasser einer Eöe sowohl i, 465 als r\ 54. 55 
kennt, wenn auch nicht tj 56, dass also Kirchhoff s „jüngere be- 
arbeitung der Odyssee" um Ol. 50 ziemlich allgemein verbreitet 
gewesen sei; in abh. III dass der inhalt von x und fi aus der 
Argonautensage herübergenommen sei, welche ja die Argo und 
sogar die quelle Artakia bei Kyzikos kenne, dass also die ent- 
stehung von x und (x frühestens-01. 24, ihre Umarbeitung in die 
jetzige gestalt nicht vor Ol. 30 ; vielleicht etwas nachher falle; 
in abh. IV dass der dichter der Nosten y und d und von den 
abenteuern der Odyssee die Kikonen, die hadesfahrt, Kalypso 
und wahrscheinlich auch den freiermord kenne, nicht aber Kirke, 
welche erst durch die „jüngere bearbeitung" aus der Argonau- 
tensage herübergekommen sei, also nach abfassung der um Ol. 
20 anzusetzenden Nosten. Mit ausnähme vielleicht des letzten 
punetes, der durch kühne emendation desEustathios gewonnen wird, 
sind diese ergebnisse so sicher als man billig erwarten kann 
und könnten in wenig veränderter fassung selbst von den ver- 
theidigern der einheit anerkannt werden. Werden aber diese 
schwerlich sich dazu herbeilassen , so haben sie allen grund die 
zweite art der Kirchhoff 'sehen betrachtungeu von sich abzuhal- 



Nr. 1. 13. Homeros. 37 

ten. Kirchhoff erklärt sich mit vollem recht gegen die bequeme 
sitte Interpolationen anzunehmen ohne zweck und veranlassung 
derselben angeben zu können; und ohne je veränderten ton der 
erzählung, mangel an Schönheit u. dergl. aesthetische künste in 
ansprach zu nehmen, weist er an vielen stellen nach, dass 
doppelt vorhandene motive und anders gedachte Situationen 
denjenigen, der solche widerspräche hat zur einheit zusammen- 
fassen wollen, genöthigt haben interpolationen zu machen. So 
nimmt er in abh. VII, abweichend von alten und neueren kri- 
tikern, ti, 281 — 98 in schütz und weist r, 3 — 52 als eine in- 
terpolation nach, welche dadurch entstanden sei, dass man ein- 
mal die waffen sich gedacht als aufbewahrt im Speisesaale der 
freier, und ein andermal im 3-dXafiog. Abh. VI unterscheidet 
scharfsinnig zwischen partien, welche annehmen Odysseus sei 
durch Verwandlung in bettlergestaltung unkenntlich, und andern, 
welche ihn als nur gealtert und wettergebräunt ansehen, wie denn 
ja eine eigentliche rückverwandlung schliesslich nicht stattfindet ; 
ein missverhältniss welches auch hier einschiebungen zum be- 
hüte der Vermittlung und ausgleichung nöthig macht. Abh. V 
versucht, hauptsächlich an p,, 374-90 anschliessend, den nach- 
weis dass ein theil der apologe in dritter person gedichtet und in 
erste umgesetzt sei , und wenn man auch zugeben muss dass 
diese und ähnliche Qi } 339. x, 208. 78 — 132), in Odysseus munde 
anstössige, stellen im mnnde des dichters es nicht sein würden, 
so scheint hier der gemachte schluss am ehesten einem zweifei 
zu unterliegen. Die abenteuer in i sind gewiss in einem an- 
dern geiste erzählt , weil im anfang der erzählung die illusion 
noch festgehalten wurde ; aber sollte der dichter der anfangs 
Odysseus als mundstück vorschob, nicht allmählich unbewusst 
oder den höreru unbemerkt sich an dessen stelle denken dür- 
fen? Kanu eine illusion solange festgehalten werden? Sollte 
nicht Odysseus, nachdem er das alles so lange in seinem geiste 
herumgetragen hat, die subjective meinung mit der objectiven 
Wahrheit verwechseln dürfen , wie das heutzutage noch erzähler 
und lügner thun? Wir würden gern auch diese schwäche, wenn 
es eine ist, dem göttlichen dichter ersparen wollen, wenn in der 
langen erzählung sich grammatische spuren der Umsetzung aus 
-der dritten in die erste person fänden. Solche sind nicht nach- 
gewiesen ; konnte ein solcher umdichter so geschickt sein? In 



38 14. Homeros. Nr. 1. 

abh. I beweist Kirchhof? die unerträglichkeit von «, 90 — 92. 
269 — 78. 372-80. Wir würden die stellen ruhig streichen; 
der schluss den er auf seine betrachtungen baut , bleibt ohne 
folgen für seine construction der Odyssee und die interpolation 
erklärt sich daraus dass Telemach eine Volksversammlung beruft, 
ohne dass Athene es ihm ausdrücklich angerathen hat. ß, 196 
kann man die h's Sva nur als die geschenke fassen mit welchen 
die braut erkauft wird, wie im ganzen Homer; ol 6s ist ein 
merkwürdiger anfang, aber noch vs. 198 heisst es vlag z 'A%(U(Jüv 
und erst 199 kommt das erwartete „wir". Erst bei dem nicht- 
fürchten schlägt die wilde natur des mannes durch, bis dahin ist 
es ihm gelungen die rolle des unbetheiligten dritten festzuhalten. 

14. Ithaka, p der Peloponnes und Troja. Archaeologische 
forschungen von H. Schliemann. Nebst 4 lithographien und 
zwei karten. 8. Leipzig. 1869 (XX und 213 s. gr. 8.). — 
lVs wjß. — Auch in französischer spräche erschienen: Paris. 
Reinwald. 1869. 

Aus drückenden Verhältnissen durch eigne kraft und liebe 
zur Wissenschaft emporgestiegen, benutzt der weitgereiste verf. 
seine jetzige müsse um die Schauplätze der homerischen gedichte 
zu besuchen; er schildert lebhaft den gegenwärtigen zustand 
derselben, wenn auch seine archäologischen ergebnisse nicht den 
beifall der philologen erhalten werden. In Corfu {xoQvcpu, die beiden 
gipfel, Verg. Aen. III, 291), dessen namen Scheria er von demphoe- 
nicischen «euerer, handel ableitet , wie er auch in denPhaeakeriPhoe- 
niker vermuthet, besuchte er den Kressidaquell als den ort wo 
Nausikaa wusch, an der mündung des einzigen flusses in der 
alten Stadt, die er auf einer halbinsel, zwischen zwei häfen, süd- 
lich von der jetzigen Stadt ansetzt; auch sah er sogar zwei insel- 
chen, welche von ferne wie schiffe mit segeln aussehen. Dann 
weilte er neun tage auf Osuxrj, in dem festen glauben bei je- 
dem schritte die localitäten Homers zu erkennen. Die insel (13000 
ew.), von der eine gute karte beigegeben ist, wird durch den 
golf von Molo zertheilt in einen südlichen theil mit dem Neion, 
jetzt Stephansberg, und einen nördlichen mit dem höheren Neriton, 
jetzt Anoge. Im golfe, am fuss des Neion liegt Ptlrgov, jetzt die 
hauptstadt Ba&v (2500 ew.l, und nicht weit von ihr, ebenfalls 
ein theil des golfes, der hafen Dexia, welcher sich ihm durch 



Nr. 1. 14. Homeros. 39 

eine merkwürdige höhle als der Phorkyshafen erweist. Auf 
dem isthmos der die beiden theile der insel verbindet, trägt der 
berg Aetos das TlaXuiöxaGTOoi , nach der tradition, der er getreu- 
lich folgt, das haus des Odysseus, und dessen nördliche fortse- 
tzung, der berg Paläa Moschata, die alte hauptstadt und den 
Hermeshügel , j. Chordakia , letzteren mit freier aussieht nach 
den häfen im westen wie im osten (n 472). Da gräbt er nach 
dem oelbaum im schlafgemach des helden und findet wenigstens 
urnen, die ihm älter scheinen als die vasen von Cumae in Nea- 
pel, daher die darin befindliche asche verbrannter menschlicher 
gebeine möglicherweise die des Odysseus selbst ist. Von da 
zieht sich abwärts [w, 205) den isthmos entlang nach der nord- 
hälfte ein alter, in felsen gehauener weg nach dem dorf St. Jo- 
hann, dem uygog Aaiqxov. Sonst findet er auf der nordhälfte 
nichts homerisches, im süden dagegen die Arethusa, den raben- 
f eisen und sogar zehn von den zwölf Schweineställen (£,13), in 
kyklopischer bauart, auch die öSov navnalötGGuv von da zur Stadt 
und wo sie sich am fusse des Aetos spaltet, die quelle (q, 205), 
wo Melantheus auf Odysseus stiess. Nur Asteris ist ihm nicht 
gelungen zu entdecken; denn das gewöhnlich dafür angesehene 
Daskalion liegt ihm zu weit nach nord und ist hafenlos. Er 
meint also, Asteris sei durch erdbeben zerstört. Dann ging er 
schnell über Korinth nach Mykene Argos Tiryns Nauplia Lerne, 
und über Aegina und Athen ohne auf enthalt nach Asien ; ab- 
bildungen des löwenthores, der sg. Schatzkammer, ferner der 
akropolen von Tiryns und Athen sind beigegeben. In Troas 
hat "er ungefähr eine woche zugebracht. Er giebt eine karte 
der ebene und schildert ihre physische beschaffenheit, zwar nicht 
in einem eigenen abschnitt, doch aber genau wie Forchhammer, 
bis in einzelheiten hinein, wie das angeschwemmte gras es ist, an 
dem beide die höhe der winterfluth des Mendere messen. Abwei- 
chend von diesem giebt Schliemann (p. 162) einen bach an, der vom 
Djudan s. ö. zum Kimar Su fliesse, übergeht dagegen den Pa- 
scha Tepe Osmak, den kleinern der beiden n. w. ausflüsse des 
Djudan, und nennt einen pachthof Barak, wo Forchhammer das 
gehölz Baluk hat. Wichtiger ist die behauptung (p. 176), er habe 
ein altes flussbett des Mendere gefunden , fünf minuten weiter 
nach osten und (p. 159) der Dumbrek Su sei ursprünglich in 
den Mendere geflossen. Die Schwierigkeit dass er dann den 



40 14. Homeros. Nr. 1. 

dazwischen fliessenden Kalifat] i Osmak hat aufnehmen müssen 
und wie sich dieser zu der behaupteten Menderemündung ver- 
halten habe, wird übergangen. Spratt's karte führt bekanntlich 
nur ein mehr östliches winterbett des Mendere auf, welches Sehlie- 
mann also für ein wirkliches altes bett und für seine Vereinigung 
mit dem Dumbrek Su zu halten scheint. Indess widerspricht ei- 
serner eignen annähme , wenn er (p. 206) mit Forchhammer 
sagt, dass der hauptarm des Dumbrek Su, nahe an der In Tepe- 
kette sich haltend, mit hohen und steilen ufern (p. 196. 207) 
ins meer münde , an einer stelle welche seit alter zeit unverän- 
dert geblieben sei. Letzteres stimmt ganz mit Forchhammer und 
spricht durchaus gegen die behauptete Vereinigung mit dem Men- 
dere. Veranlasst wurde der verf. hiezu durch seine ansieht von 
der homerischen geographie. Die quellen von Bunarbaschi 
sind ihm (p. 127) nicht die des Skamandros, weil Homer nur 
zwei nenne, in der that aber an vierzig vorhanden seien, als ob 
nicht von vielen zwei vorzugsweise als quellen des flusses, gel- 
ten könnten , und weil die vorhandenen gleiche wärme haben, 
obwohl eigentlich Homer selbst durch sein &igs'i diese Schwie- 
rigkeit hebt. Er sucht die beiden quellen in dem sumpfe nörd- 
lich von Neu-Ilion (p. 189) und ignorirt, dass dort jetzt keine 
quelle vorhanden und niemals ein fluss entsprungen ist. Schlie- 
mann denkt sich Ilios kyklopisch gebaut und weil auf den höhen 
Bunarbaschi keine solchen reste sich fänden , habe Ilios nicht 
da gelegen, sondern bei Hissarlik oder Neu-Ilion, wo sich aber 
auch keine finden. Bei Bunarbaschi, wo er die von andern ge- 
sehenen mauerreste und trümmerhaufen nicht sieht, zieht er nicht 
die ganze hügelgruppe in betracht und findet deshalb den platz 
zu klein, der bei Hissarlik nicht grösser ist. So kommt er zu 
der annähme der Mendere sei der Skamauder, der Dumbrek 
Su der Simoeis, der Kimar Su der Thymbrios, welches letztere 
er durch eine wahrscheinlich verschleppte inschrift zu beweisen 
versucht. Es sei nicht möglich, dass der weg zwischen Ilios 
und dem griechischen lager von kämpfern und boten an einem 
tage so oft gemacht und z. b. H 545 sogar vieh, welches bei 
nacht langsam marschiere, xagnaXtficüg herbeigeholt werde, wenn 
Ilios nicht bei Hissarlik gelegen habe; eine methode, durch 
welche man die Ilias - schlachten auch nicht wird erklären kön- 
nen. Dabei nimmt er TqoCtj immer für die stadt und schliesst 






Nr. 1. 15. 16. Homeros. 41 

aus E 773—4 dass die Stadt nahe beim zusammenfluss der 
flüsse gelegen habe, sieht auch J I?uo&t itqö K 12 so an als habe 
Agamemnon die feuer in unmittelbarer nähe von Uios gesehen. 
Die tradition der einwohner sieht er auch hier für einen voll- 
gültigen beweis an , obwohl er selbst erzählt der Udschek Tejje 
heisse bei den bauern (ivrifia 'Buov d. h. des propheten Elias, ein 
fall der sich bekanntlich oft genug iu ähnlicher weise wiederholt. 
Warum findet er nicht eine tradition von dem wirklichen Thym- 
brios in dem namen Dumbiek ? 

B. Gisehe. 

15. Görlitz, der himmel und die himmelserscheinungen in 
den homerischen gedienten. Pr. des gyrnn. zu Sagan. 1869. 4. 

Diese abhandlung, welche sich als die erste in einer reihe 
von abhandlungen ankündigt, in denen der verf. eine „physi- 
sche Weltbeschreibung des „ Homer " zu geben denkt, enthält 
eine Zusammenstellung dessen, was in bezug auf das weit- 
all, den himmel, den aether, die sonne, die nacht, den mond 
und die sterne im Homer sich findet. Abgesehen von einigen 
sehr bedenklichen deutungen (ßidrjgiog als beiwort des himmels 
auf den azur, da das eisen selbst long heisse, iv vvxiog äpoXym 
als die volle nacht, da der ausdruck, vom strotzenden euter der 
kuh hergeleitet, jegliche fülle bedeuten könne) und der erklä- 
rung der II. 4, 75 und Hymn. in Apoll. 441, sowie Virg. Aen. 
II, 693 ff. beschriebenen lichterscheinungen als feuerkugeln bie- 
tet die schrift nichts neues. Für den namen r{kiog scheint der 
Verfasser keine andere etymologie als die vom scholiasten gege- 
bene von olitv glänzen und eXij oder äXsr} zu kennen. Das ist 
doch sehr auffallend : schon G. Curtius Gr. d. gr. Etym. p. 371 
vrgl. 504. 642 konnte den vf. eines bessern belehren. 



16. los. Houben, qualem Homerus in Iliade finxerit 
Ulixem. Progr. des Gymn. in Trier. 1869. 4. 

Der Verfasser hat schon früher in programmen zwei ab- 
handlungen über die darstellung des Odysseus in der Odyssee 
veröffentlicht. Die hier angestellte betrachtung über den Odys- 
seus in der Ilias bietet keinen gesichtspunkt, der wissenschaft- 
lich irgendwie von bedeutung wäre. 



42 17. Sophokles. — 18. Aristophanes. Nr. 1. 

17. Sophocles quo iure Homeri imitator dicatur. Scr. 
Hemmerling. Progr. des Gymn. an Marzellen zu Köln. 1869. 4. 

Da über die ähnlichkeit des sprachlichen ausdrucks beider 
dichter M. Lechner (de Sophocle poeta 'OfirjQixwTärm. Erlang. 
1859) ausführliche nachweise gegeben hat, so behandelt der Ver- 
fasser diesen punkt nur kurz und legt das hauptgewicht auf 
den nachweis der Übereinstimmung in den Stoffen und deren 
künstlerischer behandlung, namentlich der darstellung der Cha- 
raktere und der auffassung der götter, wobei vergleichende 
blicke auf Aeschylus und Euripides geworfen werden. Die in 
gutem latein geschriebene abhandlung hebt die richtigen ge- 
sichtspunkte hervor und ist belehrend , wenn sie gleich nicht 
gerade viel neues bringt. 

18. Exercitationes criticae in Aristophanis Plutum. Von 
Dr. Albert von Bamberg. Progr. des Joachimsthalschen 
Gymn. zu Berlin. 4. 1869. — 53 's. 

Der durch seine dissertation : de Ravennate et Veneto Aristo- 
phcmis codicibus. Lps. 1865 und mehrere recensionen auf dem 
gebiete der aristophanischen litteratur bekannt gewordene Verfasser 
unterzieht hier die kritischen leistungen im Plutus einer einge- 
henden prüfung. Er bespricht die lesarten und conjecturen, die 
auf grund der beiden oder eines der beiden hauptcodices in den 
text gesetzt sind, handelt p. 24 ff. von unächten versen und 
lücken, verwirft p. 36 ff. alle Umstellungen von versen im Plu- 
tus und schliesst p. 39 ff. mit den stellen , die durch Verände- 
rung der personenbezeichnungen gebessert sind. Aus dem rei- 
chen detail seien von eigenen Verbesserungsvorschlägen des 
Verfassers hervorgehoben: v. 1078 ovx av not 1 alXm tovt' ini- 
TQsnov uv itobüv. — v. 422 nach den worten av J' el xig, 
und v. 704 nach avrdg 6' ixetvog wird je ein vers suppliert. — 
vv. 896. 7 werden mit Dindorf dem Karion beigelegt; dass Bam- 
berger früher richtig auch v. 106 dem Karion zuwies, wird nach 
v. Velsens brieflicher mittheilung durch Rav. und Ven. bestätigt. 
P. 51 ff. wird v. 497 nXovxr\ßai abhängig von notijasi (496) 
für nXovrovviag, v. 297 ßKrj^w fiivo ig, v. 318 iydi d' Iwv sXgü) 
Xädqa für r t dr\ vermuthet. 



19. Studia Thucydidea. Scripsit Henricus van Her- 



Nr. 1. 19. Thukydides. 43 

werden. Accedunt Analecta Scenica. 8. Traiecti ad Rhe- 
num apud J. L. Beijers, 1869. VIII u. 164 S. - 1^. 10 gr. 

Der verf. hat eine ausgäbe des Thukydides in aussieht ge- 
stellt. Er giebt jetzt diese studia, wenn es etwa zu dieser aus- 
gäbe nicht kommen sollte, auch weil es ihm, wie er sagt, um 
ein urtheil zu thun ist. Aber weiss er ein urtheil sich auch zu 
nutze zu machen? Der Philologische Anzeiger hatte in seinem 
ersten jahrg. p. 9 aus anderer feder einen kurzen bericht über 
seine Analecta critica gebracht. Die harmlosen bemerkungen, die 
in wohlmeinender weise nur auf den heutigen stand der Wissen- 
schaft aufmerksam machten , auch in keinem punkte ihre volle 
berechtigung vermissen Hessen , nennt er eine crisin aliquanto 
perfidius quam peritius conscriptam, spricht von absichtlicher und 
wissentlicher Verdrehung seiner worte und weiss so für die be- 
lehrung des offenbar eben so grundgelehrten wie freundlich zu- 
rückhaltenden urtheils nur mit scheltworten zu danken , ohne 
auch nur mit einem worte den versuch einer sachlichen entgeg- 
nung zu machen. Wem nicht zu rathen ist, dem ist nicht zu 
helfen. Also auch nicht für den verf., sondern um der sache 
willen möge hier die etwas eingehendere besprechung der neuen 
arbeit folgen, nicht beliebig ausgewählter vorschlage aus dersel- 
ben , sondern der ersten zehn der reihe nach , um an ihnen 
noch einmal zu sehen, was aus dieser weise der behandlung für 
den Schriftsteller zu hoffen ist. 

Herwerden's erste conjektur bekommen wir a, 1, 3 (die zeilen 
gebe ich nach Bekkers ed. ster.) bei den worten: äg^dfievog 
tvfrvg xadtGrafisvov xai iXnlöag, wozu er sagt: ubi quam im- 
portuna sit copula non praeteriit Kruegerum. Aber so hatte Krü- 
ger das xai nicht gefunden , vielmehr hat er es zu erklären 
versucht, hier und vorher ausführlicher zu Dion. p. 331. Also 
xai soll fort, aber warum? Das muss jeder von selbst einse- 
hen, einen grund erfahren wir nicht. Wird er dann dasselbe 
xai auch fortwerfen wollen: a, 68, 5; a, 90, 26; a, 109, 17; 
ß, 3, 24; h 39, 6; y, 111, 6; d 3 51, 20; «J, 97, 18; ö, 125, 
2; f , 8, 19; £ 93, 31; % 53, 17; n , 69, 33; &, 7, 29; &, 
66^ 31; d; 68, 25? Ueberall an diesen stellen müsste er es 
ebenso unstatthaft finden. Aber es ist eben gerade das regel- 
mässige, dass nicht bloss dasjenige zweite partieip, welches ein- 
fach die handlung fortführt , sondern auch dasjenige , welches 



44 19. Thukydides. Nr. 1. 

zur erklärung und näheren bestimmung des ersteren dient und 
gewissermassen schon mit im ersteren enthalten ist, sich auch 
durch xaC anfügt, ja sogar dann, wenn beide participia, wie £, 
93, 31, in verschiedenen casus auftreten. Gebt dieses zweite 
particip dabei meist dem ersteren in der bandlung voran, so ist 
dagegen nie eine Verbindung durch xui, wenn das erstere par- 
ticip so zu sagen die Voraussetzung des zweiten ist, und dieses 
jenem in der handlung nachfolgt, z. b. y, 3, 35; y, 11, 28; ö, 
48, 16—22; l, 17,33; «, 75, 15; ß, 76, 21; 6, 123, 29; ^53,5; 
rj, 76, 3- — 7. Die Überlieferung ist bei Thukydides sehr genau; 
S, 125 , 2 steht nach vorausgegangenem (poßij&avTsg richtig xui 
vofJt'iGaiTsc, aber d, 68, 34 nach demselben (poßrjdiviSi; dasselbe 
vojuu'Gavisg ohne xat, weil hier das vo^iGuvug nicht die erklä- 
rung des ganzen cpoßiföiPTEg nachbringt, sondern nur zu dem 
einen theil , dem röu< nQodidovrwv MsyaQswv ui'Tifiaxofiivuv 
gehört. Im vorliegenden fall würde tXnCGug ohne xui ange- 
fügt mit dem vorausgehenden particip uQ^dfisvog gar nichts zu 
thun haben und sich direkt mit jzvveygutye verbinden , was- bei 
der bedeutung des ersten satzes , der gleichsam als titel des 
vollendeten werk.es auftritt, eine offenbare Verkehrtheit zu wegc 
brächte. 

Im 1. cap. will er ferner lesen z. 5: Tix^u^qo^iivog vti 
ux[ia£ovTsg fiGuv ig uvxov xih omissa particula ts post ux[iüt,ovi£g, 
ex cuius vocabuli cauda dittograpliia nasci facile potuit. Das le 
findet er in einer handschrift des Dionysius und im monacensis 
nicht ; gleich muss dagegen die gesammtheit aller anderen, auch 
der besten handschriften zurückstehen. Von innern gründen 
ist auch hier nicht die rede, und doch müsste nach Thukydides 
gebrauch hier nöthigen falls selbst gegen alle handschriften ein 
T£ hereingesetzt werden. Die beiden umstände , aus denen 
Thukydides hier seine erwartuug zieht, gehören als einheit zu- 
sammen und sind daher nothwendig durch is — xaC zu ver- 
binden. Dabei hat er also nicht erkannt , wie schön hier für 
den präcisen ausdruck das isx^uiqo^evog im zweiten gliede 
durch oquiv variirt wird. Denn wegen des di/uvoovfievov war 
eben in gleicher weise mit Zxi und dem tempus finitum %vvtaiaio 
nicht fortzufahren, also xui — bgwvj das für dies zweite glied 
zugleich noch passender als jexfjbutQÖf^svog ist, gerade so wie 6 3 
116, 25: xai b BquGiöag wg t;G&£TO avxovg unoliinovxag xe 



Nr. 1. 19. Thukydides. 45 

rag inül'S.sig xai rb yiyvöfisvov tgouv, wo auch nach wg iJg&stOj 
wofür formell auch olG&öfjtsvog stehen könnte, ein ts — xai 
mit einem neuen particip. folgt. 

Dabei wäre ihm aber ts nach Tsxfxatoofjsvog recht : si quis 
ts h. I. addi iusserit , non obnitar. Also so oder beliebig auch 
ein klein wenig anders. Mau sieht eben, Herwerden hat von der 
verschiedenartigen Verbindung der participia kein verständniss : 
TsxfjaioojüiBvog ts — xai oQwv, wo das zweite o^iaJi' aus dem 
ersten rsxfxcagnfjsvog erläuternd heraustritt, ist unserm Schrift- 
steller mit ts zu sagen unmöglich. Oder sollte der verf. dies 
rs etwa für das anknüpfende genommen wissen wollen ohne 
Verbindung mit dem folgenden xai? Tsxfj,uto6/j,svog darf sich hier 
an den vorausgehenden satz- nicht mit ts anschliessen , weil es 
ihn in einem zu ergänzenden objekt (tovto) in sich trägt und 
für ihn einen selbständigen beweis bringt, wie dasselbe tsxjijui- 
oopsvog auch steht d } 123, 24. 

Dann heisst es in den bemerkungen zum 1. cap. weiter. 
Florentinus meus, quod doleo, in fine capitis non stabilivit elegantem 
coniecturam Cobeti : ix ös tsxfi/rjQtuiv wc pro wv deleto verbo vo t ui£u>. 
Aber diese conjektur &g ohne »OfiC^m könnte auch durch alle 
handschriften nicht zum stehen kommen und ist so wenig ele- 
gans wie andere tausend aus derselben quelle, denn sie ist eben 
nach allen richtungen hin verkehrt und zeigt nur in spräche 
Vie sache allen mangel eines rechten verstehens. 1) Einmal ist 
wg', dies steigernde beim Superlativ, hier gar nicht zu gebrau- 
chen. Wo Thukydides es setzt, ist in allgemeiner weise ein 
vergleich zulässig, denn aus solchem vergleich ist es ursprüng- 
lich entstanden. Also a, 65, 6: onwg tu s^w&sv s'gsi wg uqt- 
Gra , damit es draussen aufs beste zustehe, wie man sich über- 
haupt sonst nur befinden kann, wie «, 33, 7; «, 63, 2; a, 82, 
3; «, 90, 8; a, 91, 31; «, 129, 13; a, 129, 15; «, 131, 18; 
«, 133, 9; «,.141, 14; «, 141, 15; /?, 34, 16; ß, 35, 4; 6, 
14, 19; ?/, 76, 7; s, 46, 24; J, 62, 22. Aber a\ 48, 8: rulg 
uqiGtu nur vswr n\sovGui<: , mit den besten Seglern unter ihren 
schiffen, nicht mit schiffen, die so gut segelten wie überhaupt 
nur möglich war. Man vgl. etwa noch wg im nltiOTov mit 
im n7,slGiov. Ersteres iog int nXslaiov: «, 82, 3: ß, 34, 16; 
ß, 35, 5-, (?, 14, 19; 6, 62, 22; s, 46, 24; rj, 76, 7; alleiniges 
im ttXsTgtov: «, 2, 6; u, 1, 10; «, 3, 21; a, 4, 4; «, 17, 22; 



46 19. Thukydides. Nr. 1. 

et, 18, 30; et, 23, 31; «,70, 14; «, 71, 33; a, 138, 13; £ 
54, 15; £, 64, 18: ort TFÄcärTO/. a, 82, 3 also: rjg ytldtafrut, 
XQq wg int nltiaiov, so sehr schonen, wie überall nur geschont 
werden kann ; dagegen lässt a , 2 , 6 : ix zov inl nliTarop „seit 
ältester zeit' c , wie jedermann sieht, eine solche allgemeine ver- 
gleichung nicht zu und kann daher ein u>g nicht neben sich 
haben. Wo aber auch der allgemeine vergleich ausgeschlossen 
ist, ist noch ein relativer, mit der gegenwärtigen läge zulässig, 
und in diesem falle ist es, wo Thukydides das idvvuio oder 
einen gleichbedeutenden begriff setzt. Dazu muss dann wieder 
wie natürlich ein wg oder öaov treten. So: r], 69, 17; ß, 22, 
13; n , 21, 6; ^, 45, 25; «, 17, 19; ß, 77, 7; e, 40, 12. 
Man wende das gesagte auf den vorliegenden fall an. Es ist 
hier «, 1, 12 gerade wie jenes «, 2, 6. Wenn ich mit meiner 
betrachtung, sagt der schriftsteiler, so weit in die vorzeit zu- 
rückgehe, wie mir nur möglich; er kann aber nicht sagen wol- 
len , wie man überhaupt nur zurückzugehen pflegt ; das würde 
die albernheit ergeben, dass damals mit seiner forschung ins 
graue alterthum zurückzugehen allgemeiner gebrauch gewesen. 
Daher hat sich auch Herodot, wo er in ähnlicher läge war wie 
hier Thukydides, ganz wie dieser ausgedrückt, entweder ohne 
lüg oder mit wg (oder was dem gleich) und iövvufiriv oder ei- 
nem entsprechenden begriff: ß, 32, 6; a, 171, 11; d, 16, 37; 
ß, 29, 6; 6, 192, 24; ß, 34, 14. MaxgoTaia hat Thukydides 
nur noch einmal £, 31, 22, wo aber weder der scholiast noch 
die ausleger es richtig verstehen ; es geht auch da auf die zeit 
und ist dann nicht mehr ungewöhnlich, wie es Krüger sonst 
mit recht findet, also: ein jeder war auf die längste zeit hin 
für sein schiff bemüht. Dass es aber für ein stattliches recht 
segelfertiges schiff auch besonders auf die zeit der Vorbereitung 
ankam, zeigt das folgende tu%vvuvihv auf den ersten blick. 
Auch hier ist unser verf. gleich mit einer «einer conjekturen 
bei der hand (p. 84): ig zu äxQOTazu; aber von uxQog kennt 
Thukydides nur das hauptwort und den positiv des adjektiv 
(im ganzen 26mal), nie aber in übertragener bedeutung , dazu 
ist er zu sehr objektiver historiker, und nicht poet genug wie 
Herodot und Plato, die ausser den dichtein das wort zuerst 
auch vom geistigen gebrauchen. Doch das beiläufig, fahren wir 
gegen jenes wg ohne vo[ai£w fort. Thukydides hätte 2) auch 



Nr. 1. 19. Thukydides. 47 

axonovvxt fioi, ntöxevGat '^vfißaCtei ov [nydXa ysviGd-ai> nicht sa- 
gen können weder sprachlich noch sachlich. Sein gebrauch von 
mffzeveiv ist nämlich dieser. Ausser den 34 stellen , wo er es 
mit dem dativ hat (2mal: a, 21, 25 und £, 20, 27 mit einem 
versteckten dativ, coli. «, 10, 27), hat er das wort mit einem 
objectsaccusativ ^,32, 25 ; absolut 8mal: «, 133, 29-, d, 86, 33; 
a, 69, 26; y, 83, 19; &, 48, 11; /?, 86, 32; y, 53, 28; y, 59, 
7; mit folgendem futur: e, 104, 14; a, 131, 19; «, 32, 17; 
y, 4, 23 ; <?, 92 ; 28 zw. ; mit einem praesens statt des futur : /5, 22, 
9; f, 7, 3; &, 71, 15; ß } 62, 34; mit einem aorist mit av statt 
des futur: 6, 118, 2. Er hat es also nie mit dem aorist und 
kann es mit solchem nicht verbinden, weil es ihm die bedeu- 
tung des Vertrauens, des sichern erwartens hat, also immer auf 
die zukunft gerichtet ist. Also schon deswegen ist bei Thuky- 
dides mßievw yfveG&cu sprachlich ein unding. Aber auch sach- 
lich. Gerade weil er für die ältesten zeiten den dichtem und 
logographen sich nicht mehr gläubig überlassen kann (« , 21 ; 
24 — 28), sucht er, der historiker, nach xex/iirJQH*, auf die er sich 
verlasse, und die, wenn sie für die urzeit auch nicht zu einem 
Gugxüg ivQilv dienen , doch schon eine bestimmte ansieht , ein 
vofii^nv, zu wege bringen. Am schluss dieser einleitung zieht 
er das resultat : «, 21, 22: ix di xu>v dorjfjiivwv xexfirjoi'wv b(i(ag 
xoiavxa uv xtg vofiC^wv — ov% o^iuqxdvoi, xal ovn wg notr\ial 
— n Kfxev wv ovit wg loyoyouyoi xxX. , und thut das also mit 
denselben worten, womit er oben diese Untersuchung eingeleitet 
hatte. 

Schliesslich heisst es dann noch zum 1. cap. : optime contra 
observata crasi in ipso capitis fine exhibet : waxs ig lakla , guae 
crasis ubique locorum revocanda. So freilich ist man bald fertig. 
Aber ob er wohl die 69 stellen, wo meist xalla überliefert ist, 
und die andern 7: et, 1, 14; a, 6, 8 ; ;-, 36, 30; y, 114, 3; 
d, 30, 1; J, 55, 16; £, 65, 9, wo die handschriften fast ein- 
stimmig ra ulla geben , mit einander verglichen hat , dass sie 
zu ihm sprechen konnten? Da hat Poppo es sich doch ganz 
anders sauer werden lassen, der dabei zu der bemerkung kommt, 
dass ig rä ülla, nicht ig xulXa wohl thukydideischer gebrauch 
gewesen. Dagegen würden aber «, 36, 32; rj, 24, 21 und r n 
77, 15 sprechen. Ich meine zu bemerken, dass wenn ein an- 
drer begriff im satz durch den stärkeren gegensatz den hauptton 



48 19. Thukydides. Nr. 1. 

hat, xuXXn gesagt ist ; aber ia uXXa, wenn auf dieses der haupt- 
ton fällt: a, 36, 12: xctl ig ruXXa ^vfMpooüJxaxov iffnv , den 
nutzen der insel wollen die Kerkyräer hier betonen, also xaXXw, 
aber 7, 114, 3: xqliov fiigog vttfjbttvxsg tuiv gxvXojv xoTg'yid-f]- 
vatoig tu ukXu xaxu rag noXsig ÖisCXoyto, also tu uXXa, wo der 
gegensatz dieser andern cxvXu gegen jenes tqitov fiigog offen- 
bar ist. 

Im cap. 2 sollen wir zuerst z. 18 von ihm annehmen vno 
xwv usl nXsiovwv statt vno xivoiv usl nXndvcav. *Asl beim pron. 
indefinitum „valde mihi displicet". Aber warum ? Das sagt er nicht, 
aber wir müssen sagen , dass vno xwv usl nXeiovwv hier gar 
nicht zu denken ist. JlXstovg ist comparativ : a, 41, 3; «, 87, 
21; H) 143, 18; ß, 2, 31; ß, 3, 24; y, 17, 19; y, 22, 15; 
fr 23, 9; y, 32, 16; y, 50, 9 u. s. w. ; ol nXsiovg ist entweder 
1) die mehrzahl von einem ganzen: «, 55, 10; «, 63, 5; u, 
99, 31; «, 119, 21; ß, 4, 17; /?, 4, 26 ; ß, 8, 1 ; fi, 9, 17; 
ß, 16, 33; ß, 89, 8; ß, 89, 25 zw.; ß, 91, 29; y, 7, 25; n 11, 
10; j-, 20, 9; 7, 23, 11; 7, 98, 30; j<, 107, 35 u. s. w. • Was 
wird also dabei vno xwv usl nXnovwv heissen können? "Woher 
nehmen wir das ganze zum vergleich ? Haben sich etwa gar 
alle die andern als ein ganzes aufgemacht gegen die jedesmal 
bedrängten ? Aber das denkt auch unser verf. nicht. Oder ol 
nXsfovg ist 2) die mehrzahl, d. h. eine bestimmte mehrzahl, 
auch wieder nicht anders als in ihrem gegensatz gedacht. Da- 
für hätten , wenn vom neutrum to nXiov abgesehen wird , aus 
dem Thukydides ß, 11, 24; ß, 87, 32; &, 76, 1; #, 89, 31 
angeführt werden können. Aber was haben wir nun? Dann 
heisst vno xwv usl nXsiovwv: von denen, die immer in einer 
mehrzahl kamen , d. h. sie , die angegriffenen immer an zahl 
übertrafen. Man sieht leicht, wie verkehrt dieser gedanke durch 
das dabei stehende usi ist. Während der verf. also wegen des 
usi sein tum> setzen will, müssen wir gerade wegen des usi das 
unbestimmte tivojv behalten: von beliebigen, wenn solche jedes- 
mal in grösserer anzahl kamen, als sie die angegriffenen waren. 
Also ist nXstcvwv auch hier comparativ und kann mit ol nXeiovg 
nichts zu thun haben. 

Cap. 3, z. 24 will er uvxovg hinauswerfen. Non exputo, 
sagt er, cur noster post snuyofisvwv addere maluerit pronomen uv- 
xovg, quo omisso sententia contorta et difflcilis facilis fiat et elegans. 



Nr. 1. 19. Thukydides. 49 

In culpa fuit, ni fallor, ludimagister , qui olim Innyofiivtav verbum 
medium esse ratus , obiectum de suo interpretandi causa adiecerit. 
Der ludimagister, über den er die nase rümpft, war eben kein 
andrer als Thukydides selber. Non exputo, cur? nun, weil Thu- 
kydides von iTrüyeßd'ui in dieser bedeutung und in dieser zeit 
kein passivum kennt. Oder meint der verf. wirklich, von einem 
zeitwort die passiven formen des praesens und imperfects erwiesen 
zu haben, wenn er wie hier für inaysG&ou auf y , 34, 9: t.?- 
ay&ivuvv 3 auf einen aor. passivi verweisen kann? hat Herodot 
etwa praesens und imperfect von %qti<j9u.i, uti, auch passivisch 
gebraucht, weil rj , 144: iyQq<j&r t ßuv als passivum? Doch ge- 
nug davon. Er fährt fort: fac autem Thucydidem verbo medio 
uti voluisse, quidni subiectum certe addidit scribendo: xui inuyo- 
ßivbiv tcüv aXkfov TtoXeav? Wenn er nur bescheidner belehrung 
zugänglich wäre , könnten wirs ihm wohl sagen : ausser andern 
gründen vornehmlich weil der Schriftsteller i* iug uXXag noXug 
gewinnen wollte , um so das folgende rij opiXla z. 24 schon 
vorbereitet zu haben. 

In cap. 3, z. 31 hat er für: xul *A%uiovg uvaxaXit die ver- 
muthung: xul A^aixtvq rivng xaXel. Da ävaxaXtiv auch: mit 
namen nennen heisst , wie deutlich aus jj, 69, 4 ; rj, 70, 9 zw. 
und besonders aus ?;, 73, 32 hervorgeht, so ist alles in schön- 
ster Ordnung. Dass er aber gerade dies mag conjekturiren 
konnte , zeigt wieder , wie oberfläcblich seine lektüre des Thu- 
kydides und daher auch sein verständniss ist. zivug ist hier 
gerade das unglücklichste von allem. Denn was will Thuky- 
dides ? Der name Hellenen , sagt er , konnte noch in langer 
zeit für die gesammtheit nicht durchdringen. Auch noch in 
Homers zeit war das nicht geschehen. Für z. 28 : ovöctfiov 
Toiig %v/j7w.viag dvofxuGev bringt man also aus z. 25 die prädi- 
katsbestimmung "EXXrjvsg mit, und so heissen die worie: nirgends 
nennt er die gesammtheit Hellenen , sondern Danaer oder {xuJ.) 
Argiver oder Achäer. Nicht also dass er einige der Hellenen 
Achäer nennt , sondern dass er wie sogleich im zweiten verse 
seiner Ilias unter dem namen Achäer alle Griechen versteht, 
ist die meinung. 

In c. 4 z. 8 und c. 13 z. 2 will er für (to Xrfinxbv — ) 
xa&tjQsi und xu.9ijqovv die aoristformen von xufruigco : ixu&r;Oi 
Philo!. Anz. II. 4 



60 19. Thukydides. Nr. 1. 

und ixud-jjQuv, und legt für seinen lehrer eine lanze ein, dessen 
ixd&TjQf für c. 4 in den Jahrb. supplem. 3, p. 20 — 22 bekämpft 
und wie ich meine hinreichend widerlegt war. Was bringt er 
neues? Es ist wunderbar genug. Der aorist soll hier passen- 
der als das imperfectum sein. Ueber diese unkenntniss spreche 
ich nicht, jede schulgrammatik kann ihn eines besseren belehren. 
In den Jahrbüchern war gesagt, für xa&uiouv xo XtjGxixov liesse 
sich aus der ganzen gräcität allenfalls nur eine stelle aus Dio 
Cass. 37, 52, 42, [wo die lesart noch schwankend ist) anführen; 
er hat eine besondere weise, sich mehrere zu schaffen. 76, 10, 
13 (Bekk. §. 4 init.) wird mit allen handschriften gelesen : xm 
ds sxaioviaQxco rw xo hjo'xgtxdv xa&u iq ovv xi iiQogslxTüJV : 
er lässt stillschweigends xa$a(Qovxi drucken, so ist eine 
zweite stelle fertig ; dagegen wird die dritte stelle aus Dio Cassius, 
55, 34, 31 (Bekk. 56 init.): xal xuvia [asv (xu ÄyGxtxä) uXXot 
xa&fyovVj obgleich die Jahrbücher auch diese schon beigebracht 
hatten, lieber ganz ignorirt. Die Jahrbücher hatten behauptet, wenn 
sonst spätere xu&uCqsip in dieser sache einmal gebrauchten, hät- 
ten sie die construction xa&aiQ£iv ir\v SulaGGuv xov XtjGiixov, 
xwv XrjGxojv; so heisst es denn auch Schob Aristid. p. 38 
Fromm. £xd&r}oe de xov lyGxtxov ; er lässt wieder ohne alle be- 
merkung xo XtjGxixov drucken, und was heisst noch sand in die 
äugen streuen, wenns das nicht ist ? Wenn er aber ausserdem 
das xa&aiQstv hier und c. 13 noch mit der allgemeinen bemer- . 
kung vertheidigen kann : utroque loco aptior est notio verbi xad-- 
uCqsiv, so weiss er also nicht, dass Thukydides jeden figür- 
lichen und poetisch gefärbten ausdruck sorgfältig meidet und 
zeigt wiederum auch hier, dass ihm überhaupt der sinn für diese 
echt historische prosa des Schriftstellers noch nicht aufgegan- 
gen ist. 

Doch ich breche ab, weil ichs müde bin, weiter leeres 
stroh zu dreschen. In ähnlicher weise geht es fort bis zu ende. 
Es kann einem unendlich leid thun, des Verfassers unsäglichen 
fleiss , frischen geweckten geist und guten willen iu so frucht- 
loser methode sich vergeuden zu sehen. Eine oder die andere 
der schwierigen stellen des Schriftstellers in sorgsame liebende 
pflege nehmen und so wenn auch nur ein weniges ganz zu 
ende bringen, würde mein ich heut zu tage verdienstlicher sein, 
als ihn in bester meinung mit einer sündfluth von conjecturen 



Nr. 1. 20. Plautus. 51 

überschwemmen, in der seine eigenste art, wenn man nicht 
wehrt, allmahlig unterzugehen in gefalir ist. 

L. H. 



20. Plautinische prosodie von C. F. W. Müller. Berlin. 
Weidmann. 1869. 800 s. 8. — 5 thlr. 

Wiewohl sich nicht verhehlen lässt, dass es dem Verfasser 
noch keineswegs gelungen ist, alle mit der Untersuchung über 
die prosodie des Plautus oder der alten sceniker verknüpften 
Schwierigkeiten zu lösen, so ist doch die arbeit in vielen beziehun- 
geu als eine höchst verdienstvolle zu bezeichnen , namentlich 
verdient der ausserordentliche fleiss , wie er sich fast auf jeder 
seite des umfangreichen buches zeigt , alle anerkennung. Zu 
einem abschlusse wird sich selbstverständlich erst gelangen las- 
sen, wenn der vollständige apparat zu Plautus und Terenz vor- 
liegt ; sehr zu bedauern ist es, dass sich Verfasser hat entschliessen 
können , diesen jetzt ja in's absehbare gerückten termin nicht 
abzuwarten und mit der Veröffentlichung seiner arbeit so zu ei- 
len , von der er sich doch selbst sagen musste , dass ihr das 
wichtigste, eine vollständige kritische grundlage, fehle. Er würde 
bis dahin auch zeit gewonnen haben , das material vielfach zu 
vervollständigen und mehr zu verarbeiten, ihm bisher entgan- 
gene gesichtspunkte aufzufinden, was für einzelfragen von gro- 
sser Wichtigkeit ist, noch genauere Studien über sprachlichen und 
ganz besonders über metrischen gebrauch der sceniker anzustel- 
len und manche lücke in seiner kenntuiss der betreffenden littera- 
tur auch nur der der letzten zwanzig jähre auszufüllen. Sicher- 
lich würde er auch mittlerweile zu der einsieht gekommen sein, 
dass eine in so höhnischem , ja nicht selten boshaftem tone ge- 
führte polemik, wie sie sich fast das ganze werk hindurchzieht, 
so dass sich der unparteiische leser dadurch schliesslich noch 
mehr als ermüdet fühlt, unmöglich seinem buche zur zierde ge- 
reichen oder zur förderang der Wissenschaft sonderlich beitragen 
könne. Da sich Verfasser ein so besonderes vergnügen daraus 
macht, anderen Verstösse und nachlässigkeiten nachzuweisen , so 
darf man ihn wohl daran erinnern , dass auch er sich keines- 
wegs davon frei gehalten hat; z. b. misst er p. 57 ohne arg 
die präsensform venimus als anapäst, p. 171 dormierunt als cho- 
riamb, p. 157 die erste silbe von propitiantes als lang, das citat 

4* 



52 20. Plautus. Nr. 1. 

des Festus von Epid. IV, 2, 22 hat er „offenbar nicht nachge- 
schlagen" (vgl. p. 762 A. 1), wie er sich auch hat entgehen 
lassen, dass derselbe Aul. II, 6, 5 wie Macrobius sunt hat, die 
lesart des Vet. von Amph. 930 hätte er in Fleckeisens Epist. 
er. p. XX finden können, die von Capt. 398 ebendas. p. XXII, 
die beantwortung der p. 679 an Fleckeisen gerichteten frage in 
dessen anmerkung zum personenverzeichniss des Stichus u. a. m. 
Einen wohlthuenden eindruck macht gewissen argen mass- 
losigkeiten letzter zeit gegenüber die besonnene Untersuchung 
über die langen endsilben; freilich lässt sie noch so manchen 
punkt zweifelhaft, der sich bei vollständigerem material und mit 
hülfe anderweitiger beobachtungen zu grösserer bestimmtheit 
hätte führen lassen , auch bleibt verschiedenes unberührt, das 
durchaus hierher gehört, wie z. b. eine eingehende erörterung 
über die quantität der pronomina illic, istic, hie, hoc keineswegs 
überflüssig gewesen wäre. Von letzterem nimmt Müller ander- 
wärts ohne weiteres an, dass es vor folgendem vocale von den 
scenikern beliebig lang oder kurz gebraucht sei , während sich 
bei genauerer beobachtung herausstellt, dass es unter dem ictus 
gar nicht und sonst nur unter denselben bedingungen als das 
adverb hoc oder huc verkürzt wird , dass also anapästen wie 
hoc illum oder senarausgänge wie dtque hoc est unstatthaft sind, 
wie sie sich auch wirklich sicher nicht nachweisen lassen. Ue- 
berhaupt vermisst man in dem buche so manches , was nicht 
bloss im interesse der Vollständigkeit erwähnung verdient hätte, 
z. b. eine genauere feststellung der quantität von pro und re in 
compositis, der ersten silbe von ab-, ad-, con-, inicio. Wie wenig 
überflüssig eine genauere Untersuchung über eine so gewöhnli- 
che sache als den abfall des sch!uss-s gewesen wäre, zeigt Müller 
selbst , da er noch mehrfach gegen den gebrauch der sceniker 
ohne weiteres abwerfung desselben unter dem ictus annimmt. 
Vor den mit sc, sp , st anlautenden Wörtern erscheinen in der 
arsis kurze silben niemals unverkürzt (wie z. b. esse sciam), 
in der thesis nur pyirhichische Wörter ; z. b. bona spes, bei 
Plautus in anapästen auch daetylische, unerhört ist dagegen ein 
anfang eines trochäischen verses wie Candida spes oder eines 
iambischen Candida spes (Ter. Hec. 549 ist llliüs stultitia zu ac- 
centuiren), hinsichtlich der trochäischen Wörter, so findet sich nie 
ein versschluss wie nöstra spes oder ein anapäst wie atque scie- 



Nr. 1. 20. Plautus. 53 

bam: dieser nicht unwichtigen beobachtung geschieht nicht nur 
keine erwähnung, sie muss sich sogar dem Verfasser ganz ent- 
zogen haben, da er einige male dagegen fehlt. 

Sehr verdienstvoll sind die Untersuchungen über die Ver- 
kürzung langer silben und über vokaltilgung , namentlich weil 
zum ersten male alle erscheinungen in genügender Vollständig- 
keit zusammengestellt sind und so manchen irrthümern ein ende 
gemacht wird: wiewoh! auch diese abschnitte zu vielfachen be- 
denken anlass geben. Bisweilen erscheint das verfahren des 
Verfassers so inconsequent , seine entscheidungen über möglich- 
keit und Unmöglichkeit so willkürlich, dass man über seine prin- 
cipien nicht recht ins klare kommt. Wie will er es z. b. recht- 
fertigen, wenn er für duellum zweisilbige ausspräche annimmt, für 
duorum, duarum, duöbus, duabus ohne weiteres correption der 
zweiten silbe? wenn er die correption von deorum, diutius , ea- 
mus , eorum , earum , meorum, mearum u. a. für möglich erklärt, 
dagegen die von amabo, amasio, amicus , amores einfach für un- 
möglich? Erneute Untersuchung wird ihn sicher bald selbst be- 
lehren, dass er mehrfach auf beiden seiten, im bejahen und im 
verneinen , über's ziel geschossen hat , sowie dass er sich trotz 
aller genauigkeit doch noch so manche sichere beobachtung hat 
entgehen lassen: z. b. sagt er p 361 „sed isnest verdient ebenso 
wenig wie priusne besondere erwähnung" ; im gegentheil, es hätte 
erwähnt werden müssen, dass is vor folgendem consonant von 
Plautus wie von Terenz immer nur unter denselben bedingun- 
gen als id verkürzt wird. Einige male nimmt Verfasser satist 
für satis est an ; aber deutliche spuren weisen darauf hin, dass 
Plautus und Terenz vielmehr immer sat est, nie satist gesagt 
haben. Am bedenklichsten ist das capitel über die freiheiten 
anapästischer verse : während sich sonst der Verfasser der Über- 
lieferung gegenüber äusserst misstrauisch zeigt , nimmt er 
ihr zu liebe für die anapästen des Plautus derartige freihei- 
ten in anspruch, bei denen von metrik gar nicht mehr die rede 
sein kann. 

Was den letzten abschnitt vom hiatus betrifft, der eigent- 
lich das meiste interesse beanspruchte , so ist von demselben 
leider zu sagen, dass er schon bei seinem erscheinen mehr oder 
weniger antiquirt war durch die nicht lange vorher veröffent- 
lichten neuen plautinischen excurse RitschlV — Zum Schlüsse 



54 21. Lucanus. Nr. 1. 

möge noch auf die reiche fülle von kritischen bemerkungen hin- 
gewiesen werden, die in dem buche niedergelegt sind. 

21. Scholia in Lucani bellum civile. Edidit Her m annus 
Usener. Pars prior. Commeuta Bernensia. 8. Lipsiae, in aed. 
B. G. Teubneri. 1 869. X. 338 s. und ein facsimile.— 2 thlr. 20 gr. 

In den schoben zu Lucan sind vornehmlich zwei stamme 
zu unterscheiden, von denen der eine , unter dem namen Adno- 
tationes, seine hauptquelle im codex Wallersteinensis, der zweite, 
Commenta betitelt, im Bernensis nr. 370 hat. Jene theilte nach 
der form, die sie im Vossianus II (U.) haben, zuerst Oudendorp 
in seiner ausgäbe mit ; und sie bildeten dann den hauptstock 
in der voluminösen, aber unkritischen Sammlung Weber's vom 
jähre 1830; von den Commenta dagegen war ausser einigen ma- 
geren mittheilungen Sinner's im Berner handschriften - catalog 
nichts bekannt. Erst professor Usener war es vorbehalten, die- 
selben, die zunächst durch einige unbekannte fragmente des Li- 
vius seine aufmerksamkeit erregten, gewissermassen neu zu ent- 
decken , und sie waren damit in die berufensten bände gekom- 
men. Wie dann eine „fatalis catenatio causarum " ihn zu dem 
entschlusse brachte, die gesammten scholien zu Lucan neu her- 
auszugeben, berichtet die vorrede des oben genannten buches, 
in welchem uns der erste theil derselben , eben jene Commenta, 
kritisch berichtigt vorliegen , denen später die Adnotationes als 
zweiter band folgen sollen. Die frage also, ob jede der beiden 
scholien - gruppen gesondert, oder beide vereinigt herauszugeben 
seien, hat der herausgeber thatsächlich im ersteren sinne beant- 
wortet, wie mir scheint, mit vollem rechte ; zunächst jedenfalls 
mit dem vortheil für uns , dass wir die Commenta um so eher 
zur benutzung erhalten. 

Ueber eine andere frage spricht er sich ausführlicher in 
der vorrede aus, ob nämlich der aus alter erudition herrührende 
und wirklich werthvolle bestandtheil der scholien oder auch die 
ganze farrago der mittelalterlichen noten mitzutheilen sei. Der 
herausgeber hat das letztere vorgezogen , und wenn auch die 
von ihm ausgesprochene besorgniss , dass er im andern falle 
leicht gefahr gelaufen wäre, mit unnützem auch wirklich brauch- 
bares zu unterdrücken, bei einem manne von solcher besonnen- 
heit des urtheils ziemlich grundlos sein dürfte, können wir doch 



Nr. 1. 21. Lucanus. 55 

nun in dem angenehmen gefühle , dass nichts zurückgehalten 
ist, um so zuversichtlicher das gebotene benutzen. In den an- 
merkungen , die weit entfernt sind sich auf eine blosse angäbe 
der varietas scripturae zu beschränken, erörtert er auch die sachli- 
chen Schwierigkeiten der scholien, meist mit kurzen worten, zu- 
weilen aber auch in ausführlichen und werthvollen erläuterun- 
gen aus dem schätze seiner ausgebreiteten gelehrsamkeit, wäh- 
rend er zugleich sorgfältig die quellen angiebt, aus denen die 
scholien geschöpft haben. Wir müssen dies um so höher an- 
schlagen, je grösser die Schwierigkeiten schon bei der einfachen 
constituierung des textes der scholien waren. Man braucht nur 
einige Seiten der Adnotatio critica zu durchmustern , um einen 
ungefähren begriff davon zu bekommen ; aber je tiefer man ein- 
dringt, um so mehr wird man auch durch die Sauberkeit der 
arbeit und glänzende divination in der Wiederherstellung schein- 
bar verzweifelter stellen überrascht werden. 

Freilich muss man fragen — und das ist doch die haupt- 
sache — , ob denn diese menge von angestrengter arbeit auch 
einem gegenstände zugewendet worden ist, der wirklich die 
mühe belohnt. Wenn man dabei nur den maasstab anlegt, dass 
man untersucht, wie viel neues aus diesen Commenta für die er- 
klärung und kritik des Luean - textes zu schöpfen sei , dann 
wird man nicht umhin können zuzugestehen, dass das ergebniss 
in keinem rechten Verhältnisse zu der aufgewendeten arbeit 
steht. Am meisten gewinnt man noch für die erklärung, wofür 
sich manches neue und interessante herausstellt, wenn auch vie- 
les nur auf Orosius und andere bekannte quellen zurückgeht; 
hinsichtlich der kritik des textes erkennen wir nur, dass die 
meisten Verderbnisse desselben auf ziemlich alte zeit zurückgehen; 
Unterstützung aber zur heilung verderbter stellen, die uns nicht 
auch das anderweit bekannte und jetzt näher erforschte handschrift- 
liche material bereits gewährte, bieten uns die Commenta kaum. 
Ein TJltrix causa I, 128 statt des bekannten Victrix causa (um 
nur einiges anzuführen) , ein astriferae Libyes 1 , 206 statt aesti- 
ferae, ein ingestis cautes VI, 34 (das doch höchstens auf ingentis, 
nicht etwa auf ingestas hinweist) , ein versehen, wie vela Maleae 
VI, 287 statt vela procellae wird niemand als bereicherungen 
des kritischen apparates ansehen. Eher könnte man meinen, 
auf anderem wege etwas zu gewinnen. Die lemmata nämlich 



56 21. Lucanus. Nr. 1. 

sowie die angeführten parallelstellen sind in der handschrift 
nicht voll ausgeschrieben, vielmehr sind die unwesentlichen 
wörter nur mit ihren anfangsbuchstaben angedeutet, oder viel- 
mehr schon in der Urschrift angedeutet gewesen. Nun hat 
der abscbreiber diese buchstaben nicht immer richtig aufge- 
f'asst , sondern bona fide mit den daneben stehenden Wörtern 
verbunden und so die wunderlichsten monstra zusammenge- 
stellt , deren lösung öfter dem herausgeber nicht geringe ar- 
beit gekostet haben mag. Aus solchen corruptelen aber Schlüsse 
auf etwaige ältere lesarten zu ziehen , verbieten die aus der 
offenbarsten unkenntniss hervorgegangenen massenhaften fehler 
des abschreibers, von denen fast jede seite zeugniss ablegt; denn 
hierdurch verlieren auch die sonst vielleicht beachtenswerthcn 
abweichungen alle und jede fides ; sie mögen allenfalls als bestä- 
tigungen schon anderweit überlieferter lesarten gelten ; können 
aber ohne solche Unterstützung einen selbständigen werth nicht 
beanspruchen. Wenn also III, 2 im lemma steht mediumque ra- 
tes m. p., so wird man natürlich in dem m eine bestätigung der 
lesart in MUV movere erkennen dürfen und V, 500 in temptare 
l. das l. als latebras auslegen, wie in M überliefert ist ; und aus 
diesem gründe meine ich auch, dass der herausgeber VI, 200 
ohne noth in dem lemma ballistaque limine t. das *. der hand- 
schrift wegen der gewöhnlichen lesart portae in p. verwandelt 
hat, da ersteres auf die lesart torta in VM 2 und dem Casselanus 
zu deuten war; ebenso können auch VII, 598 die buchstaben 
n. m. c. c. unverändert als non mixta caedS cadaver nach der var. 
lect. in U gedeutet werden. Wer aber unternimmt VII, 462, wo 
anstatt tempüs quo noscere possent oder der var. lect. vultusque 
agnoscere quaerunt geschrieben steht tempusque t. i. r. n. p. oder 
471, wo für post fata steht post v. v. und an hundert ähnlichen 
stellen aus diesen buchstaben auf irgend eine ältere, jetzt ver- 
lorene lesart einen wahrscheinlichen schluss zu ziehen? 

Aber der herausgeber würde selbst am entschiedensten ge- 
gen eine solche beurtheilung einsprach erheben; seine absieht 
war vielmehr eine weiter gehende, wie er selbst in der vorrede 
pag. vin erklärt: denique paucissimos videbam etiam nunc scripto- 
res Latinos esse quorum scholia sie ut oportet collecta et trac- 
tata essent , quare hoc mihi consilium fuit, ut editis simul com- 
mentis et adnotationibus , quem ad modum ex antiquitatis eruditione 
ad medii aevi inscitiam paullatim litterarum studio deßexa es- 



Nr. 1. 21. Lucanus. 57 

sent, accuratius posset intellegi. Unter diesem gesichtspunct , der 
doch wohl auch vorzugsweise den anlass zu der so vollständi- 
gen und erschöpfenden arbeit gegeben hat, gewinnt denn das 
werk einen weit über seinen nächsten zweck hinausreichenden 
werth; uod es ist nur zu wünschen , dass in ähnlich mustergül- 
tiger weise das viele noch restierende matevial für die geschichte 
der gelehrten Studien gerade in dieser Übergangszeit zugänglich 
gemacht würde-, dann würde auch die zeit zu einer wirklichen 
historia critica scholiastarum Latinorum gekommen sein. 

Ich muss es mir versagen, auf manches andere hier einzu- 
gehen, zu dessen erörterung die beschäftigung mit dem neuen 
material so leicht verlockt ; die eigentliche ausnutzung für die 
textkritik ist doch erst bei einer vollständigen ausgäbe möglich : 
vielleicht bietet sich auch anderswo einmal gelegenheit, dies 
oder jenes zu besprechen. Nur noch ein paar einzelheiten seien 
zum Schlüsse berührt. 

In der vita Lucani sind die Varianten des Sixianus nur 
nach Oudendorp gegeben , während sie bei Weber in der aus- 
gäbe der Vitae vollständiger sind. Aus Geel's katalog der 
leydener handschriften war mir bekannt geworden, dass dieser 
codex, den Hofman Peerlkamp als nicht mehr zu ermitteln be- 
zeichnet hatte (vrgl. Weber Tom. III, p. XVIII), sich in der 
that noch dort befand, und ich habe für Weber seiner zeit die 
vita daraus collationiert. Ich notiere dazu einstweilen nur ei- 
nen, auf einem versehen von mir beruhenden fehler: p. 4, 5 
fehlen nämlich nicht, wie bei Weber angegeben ist, die vier 
worte patrem suum ruri agere, sondern bloss die beiden letzteren. 
— Ganz vortrefflich ist in der vita p. 4, 4 die Verbesserung des 
infe8tum matrimonium in infestum matri animum , die mit einem 
schlage die vergeblichen versuche, das infestum sei es zu erklä- 
ren, sei es zu emendieren, überflüssig macht. — Im argum. 
lib. I, p. 8, 10 hat M nicht a mathematici , sondern wie die an- 
dern handschriften & mathematici; das & ist in meiner von dem 
herausgeber benutzten collation undeutlich geschrieben. Was 
die ganze stelle anbetrifft, wo aus dem überlieferten mathematici 
studio significantem emendiert ist, mathematici Figuli e signis vati- 
cinationem, so erregt mir einerseits das gleich folgende vaticinan- 
tis, andrerseits auch die abweichung von dem überlieferten noch 
bedenken. Ob etwa Figulum mathematicae studio insignem signifi- 
cantem, mit annähme einer dittographie, zu lesen ist? 



58 21 . Lucanus. Nr. 1 . 

Im texte des Lucan hat der commentator für eine nicht 
unbedenkliche stelle wenigstens den weg zur heilung gewiesen. 
In buch VIT, 488 — 521 bietet eine reihe von handschriften 
(nicht M) folgende Ordnung: 488, 510-520 (519 B.) , 489 — 
509, 521 (520 B.). In U ist durch vorgesetzte buchstaben die 
gewöhnliche Ordnung wiederhergestellt. Hier giebt nun der 
commentator zu vers 513 „aeris et calido liquefactae pondere 
glandes" folgendes : non sole quem dixit superius obscuratum. Dies 
superius kann sich aber nur beziehen auf vers 519 und 20; also 
muss der commentator diese und die dazu gehörigen von 514 
an vor 513 d. h. auch vor 510 — 13 gelesen haben. Soweit 
ist des herausgebers schluss unanfechtbar. Er folgert nun 
weiter, dass 514 — 20 vor 489 gestanden haben, oder vielmehr 
interpoliert sind und dass die Ordnung in BU nur ein heilungs- 
versuch eines grammatikers sei. Ueber die Stellung von 514 — 
20 kann man anderer meinung sein: die Ituraei und Medi könn- 
ten sich auch an die saevae manus v. 509 angeschlossen haben, 
und das nusquam rexere sagittas braucht nicht in dem von dem 
herausgeber behaupteten engen zusammenhange mit 487 zu 
stehen : die Ituraei u. s. w. werden ja eben nicht nocentes (vgl. 
v. 517): — in der hauptsache stimme ich betreffs der In- 
terpolation der stelle dem herausgeber bei, gehe aber noch wei- 
ter und behaupte auch die unechtheit von v. 510 — 13. Der 
beweis liegt für mich einmal in dem gleichen Schicksale , das 
diese und die verse 514 — 20 in den handschriften gehabt ha- 
ben, zweitens darin, dass sie, wo man sie auch unterbringen 
mag , den Zusammenhang empfindlich stören (wie viel besser 
schliesst sich nicht 521 unmittelbar an 509 an!), drittens aber 
in dem ganz unpassenden faces. Denn vers 512 ist doch nur 
eine üble nachahmung des verses Vergil. Aeneis 1 , 450, viel- 
leicht mit einer reminiscenz von Silius I, 320 — 21 : denn was 
in aller weit sollen die faces, die bei der seditio im Vergil ganz 
an der stelle sind, wie auch Lucan die lampades VI, 135 pas- 
send verwendet hat ; hier in offener feldschlacht ? dass man au- 
sser mit pfeilen, steinen und glandes einander auch mit fackeln 
angegriffen hat, wäre doch erst zu erweisen. Dass man aber 
an dieser stelle allerhand interpolationsversuche gemacht hat, 
beweist zum überfluss auch noch der Berolinensis C (nicht Ber- 
nensis, wie bei Weber in der dissert. p. 393 steht), in welchem 



Nr. 1. 21. Lucarms. — Theses. 59 

auf v. 513 ohne allen Zusammenhang ein aus VI, 198 gemach- 
ter vers folgt: illic tortilibus vibrata falarica nervis. 

Doch genug hiermit. Hoffentlich ist es dem herausgeber 
bald möglich, auch die Adnotationes der öffentlichkeit zu über- 
geben. Soll noch ein wünsch geäussert werden, so würde der 
dahin gehen, dass ausser dem gegebenen scriptorum indiculus 
auch noch durch einen real -index die benutzung des buches er- 
leichtert würde. W. Steinhart. 



THESES, quas . . in alma literarum universitate Gryphis- 
waldensi , . . ' d. X m. Maii a. MDCCCLXVH . . defendet 
Ewaldus Boecker: III. Aristot. Polit. III, 11, p. 1281 b, 
28 legendum est fjrjSsfjiwv äqyaiv pro /.irjde /j.eieystv. — IV. 
In Plauti Amphitruone post actum IV compluria exciderunt. — 
— quas in Ac. Fridericia Guilelma Ehenana . . . defendet Rud. 
Prinz, d. XXI m. Dec. MDCCCLXVH: I repetitio ver- 
suum seu h emistieb iorum seu singulorum in vicinis versibus 
vocabulorum, quae praeeipue in Euripidis fabulis nos offendit, 
plerumque non ferenda est. — II. Delendos puto Eur. Med. 
943 N. (v. 941 [cum Kircbhoffio] scribendum xi yqr\ ; v. 942 
du/naora Grjv xeXsvaov ahtlafrut ttuqoc, vs. 945 cum scholiasta 
Medeae tribuendus) vs. 1225—27. Phoen. 486—87. Soph. Phil. 
266. 268 (ita ut 267 post 264 ponendus atque 265 et 269 ita 
in unum contrahendi sint: iQoirpuv alGyqijJQ, rjvtx' ex rijg nov- 
iiäg) — III. Transpositione sanandi videntur Eur. Med. 334 — 
38 et 725 — 31 atque ita ponendi: 334. 337. 336. (ov JJjt«) 
335. 338. — 725. 726. 730. 727. 728. 731 (729 del.). — IV. 
Scribendum coniicio Soph. Ai. vs. 510 viav TQoyijv. 1132 ov 
yaq xuxov. Eur. Alcest. 725 tpavel ye, ib. 1093 uldw pev alvw. 
Suppl. 449 xXwväg t dfpaigrj. Helen. 1074 xovqioq dgofiog. 
Herc. Für. 81 egtvtQenf&i. Med. 626 war' enuvQeadui,. — — 
quas ... in alma literarum universitate Friderica Guilelma . . 
d. XXII m.Dec. MDCCCLIX .. defendet Hermannus Hen- 
ning: I. Soph. fr. 341 N. in vs. tertio pro oto/jutwv scriben- 
dum est S-ou^wv. — III. Ebes. 910 — 914 sie scribendi vi- 
dentur: « #' "EXXava , XittovGu do/jov &q. X. u , jtXev6e 
nXa&Hü' | utto <T üjXso'e fjtsv ne xai tu T qoiaq, qiiXraru 
xtX. — IV. Ionici pedes qui vocantur uvnxXwfievod eorumque 
numeri nostrae aetatis musicis aecuratissime expriinuntur eis no- 
tis quas vocamus syncopatas: 

VV \ V — V \ — — VV \ V V | 

ods d(,&voa/jß* ifiav äoGeva rävSe ßü&i, vr\8vv 



60 Thesen. - Neue auflagen. Nr. 1. 

— quas ... in academia Fridericiana Halensi . . . d. XVII 
m. lanuar. MDCCCLXX . . publice defendet Franc. Prae- 
torius: II. omnium linguarum aetbiopico - hamiticarum nume- 
randi -methodus antiquissima erat quinaria. — — quas ... in 
ac. Fridericiana Halensi . . d. IV. Martii MDCCCLXX . . de- 
fendet Aemilius Winkler: I. in Arist. Ran. v. 1432 f/u- 
)i,Gta . . TQtrpeiv e textu removendus est; IL in li belli n. vtyovg 
c. 33, 2 lego : to yag iv navil axgißsg xCvSvvov xivövvsvti fjixoö- 
tt]to$; IV, in Soph. Ai. 360 scripturam probo banc: ai toi [iö- 
vov didoQxu nr\fjbovu.v £jiuqx£govt*. — — quas . . in Ac. Geor- 
gia Augusta . . defendet E. Ehrenfeuchter: I. apud Germa- 
nos non solum singulos pagos , sed etiam universam civitatem 
principem habuisse Tacitus Germ. c. 10. 11 demonstrat. 



NEUE AUFLAGEN 1 ) 22. Homers werke von Johann 
Heinrich Voss. 2 bde. 8. Stuttgart. 1 thlr. 12 gr. : s. 
Phil. Anz. I, p. 72: das dort am druck gerügte ist abgestellt, 
also ein fortschritt. — 23. Theokrits Idyllen. Mit deutscher 
erklärung von A. Th. H. Fritz? che. Zweite neu bearbeitete 
aufl. 8. Leipz. Teubn. 1869: bedeutend verbessert, nament- 
lich auch durch hinzufügung einer abhandlung über Theokrits 
dialekt und passende indices. — 24. Herodotos. Sein le- 
ben und sein geschichtswerk nebst einer übersieht seines dia- 
lekts. Besonderer abdruck aus der commentirten ausgäbe des 
Herodot. Von Heinrich Stein. 8. Berl. Weidm., 3 gr. — 

25. Herodotos erklärt von H. Stein. 8. Bd. I. Dritte ver- 
besserte aufl., Weidm.: 18 gr. : der text nach der grösseren 
ausgäbe revidirt, die anmerkungen nachgebessert und ergänzt. — 

26. Ausgewählte biographien des Plutarch. Erklärt von C. S in- 
te nis. Bdcb. 1. Dritte aufl. revidirt von R. H er ch er. Weidm., 
9 gr. : einleitung unverändert, text mit hülfe einer pergamenthand- 
schrift des klosters Seittenstetten, anmerkungen hie und da, ver- 
bessert. — 27. Xenophon's Memorabilien. Erklärt von L. 
Breitenbach. 8. Vierte aufl., Weidm., 15 gr. : für die neue 
aufläge sind G. Sauppe und L. Dindorf besonders benutzt. — 
28. Vergil's Gedichte. Erklärt von Th. Ladewig. Erstes 
bdehen. Buc. u. Georg. Fünfte . . aufl. 8. Berl. Weidm., 17*/2 gr.: 
ist wirklich vielfach berichtigt und vermehrt: namentlich durch 
beachtung der sprachlichen neuerungen Vergüs, vorw. p. vi, wo 
wir aber uns wundern Wölfflin nicht genannt zu finden, der 
auf diesem felde in neuerer zeit bei weitem die grössten Ver- 
dienste sich- erworben durch Jahresberichte und aufsätze von 
Philol. bd. XVH an: dann warnen wir vor voreiliger annähme 



1) Wo keine Jahreszahl im titel angegeben, ist das buch 1870 er- 
schienen, 



Nr. 1. Neue auflagen. — Neue schulbüeher. 61 

der wegen sog. antistrophen statuirten lücken , verlangen end- 
lich berücksichtigung des griechischen. Lücken hat freilich auch 
diese erklärung noch überall: vgl. mit Ladewig's commentar zu 
Ecl. VIII die bemerkungen im Philol. XXII , p. 214 flgg., die 
Ladewig übersehen zu haben scheint. — 29. Phaedri fabulae. 
Für schüler mit anmerkungen versehen von Dr J o h. Siebe- 
lis. Vierte verb. aufl. von Dr F. Aug. Eckstein. 8. Leipzg. : 
7V2gi'.: der text nach Eyssenhardt und Luc. Müller revidirt, die 
bemerkungen hie und da vermehrt und verbessert. — 30. C. Sal- 
lusti Crispi de coniuratione Catilinae et de hello Iugurthino libri. 
Ex histonarum libris quinque deperditis Orationes et Epistolae. 
Erklärt von Rud. Jacobs. Fünfte aufl. 8. Berl. Weidm., 20 gr : 
nach % r orrede neue bearbeitung Wird im Jahresbericht des Phi- 
lologus eingehend besprochen. — 31. Cicero's ausgewählte re- 
den. Erklärt von K. Halm. Bd. V. VI. Sechste verb. aufl. 
8. Berlin. Weidmann. 1870: erwünscht dürfte erweiterung des 
anhangs sein. 

NEUE SCHULBUECHER: 32. Griechische schulgramma- 
tik von Dr G. Curtius. Neunte aufl. 8. Prag. 1870: verf. 
erklärt in der vorrede , dass er seit der siebenten aufläge das 
buch für abgeschlossen halte und daher in dieser neunten nur 
einzelheiten nach winken befreundeter sehulmänner geändert 
habe. — 33. Griechisches elementarbuch enthaltend formenlehre 
und vocabularium. Lesebuch und Übungsstücke nebst Wörter- 
buch. Im anschlusse an G. Curtius schulgrammatik zusammen- 
gestellt von G. Stier und H. Stier. 8. Wittenb., 18 gr.: 
verlangt genauere prüfung. — 34. Griechisches elementarbuch 
nach den grammatiken von Curtius und Koch bearbeitet von Dr P. 
Wesener. Erster theil. Das nomen und das regelmässige ver- 
bum auf a>. 8. Lpzg. Teubner : 7*/2 gr. : die nennung von 
Koch erregt kein gutes vorurtheil für den verf; dann halten 
wir derartige bücher bei dem jetzigen überfluss für überflüssig. — 
32. Die griechischen normalen verba für den zweck schriftlicher 
Übungen in der schule bearbeitet von G. A. Weiske. Zweite 
aufl. 8. Halle. 1869: solche bücher müssen auch für mündli- 
che Übungen passen, dann ist der plan in vielem , z. b. in der 
anwendung von Xeuophons Anabasis, verfehlt. — 36 Lateinische 
fabeln und geschichten zum übersetzen und memoriren für die 
untersten gymnasialklassen. Von Th. Ha n sing. Vierte 
aufl. besorgt von K. Abicht. 8. Lüneburg: 7 x /2 gr.: wegen 
der einfachen fassung der erzählungen zu empfehlen. — 37. 
Palaestra Musarum. Materialien zur einübung der gewöhnlichen 
metra und erlernung der poetischen spräche der Römer. Von 
Dr M. Seyffert. Erster theil. Der hexameter und das di- 
stichon. Sechste aufl. 8. Halle. 1868: 15 gr. : nur durch 



62 Schulbücher. — Bibliographie. Nr. 1. 

Verweisung auf die Ellendt- Seyffertsche grammatik von aufl. 5 
verschieden. — 38. J. Hemme rling, Übungsbuch zum über- 
setzen aus dem deutschen ins lateinische für obere gymnasial- 
klassen mit besonderer rücksicht auf die lateinische lectüre der 
schüler und mit hinweisungen auf die grammatiken von Zumpt 
und Meiring. Bd. I : aufgaben für secunda. 8. Köln , IV 
und 338 s.: 1 thlr. 20 gr. : nach dem vf. soll das material der- 
artiger bücher mit der lateinischen (warum die griechische aus- 
geschlossen?) lectüre der schüler und dem sonstigen lehrstoff 
in einklang gebracht, das material also aus dem leben der klas- 
siker und ihren Schriften genommen werden: gewiss richtig, nur 
muss dann dies material dem Standpunkt der Wissenschaft ent- 
sprechen, also nicht z. b. p. 2 von Numa als einer sichern hi- 
storischen person gesprochen, die erdichteten Ursachen des todes 
des Sophokles und Euripides p. 22 nicht für die wirklichen aus- 
gegeben werden u. s. w. : beachtenswerth ist das buch, auch der 
index darin p. 292. — 39. General -leitfaden für die unteren 
classen von gymnasien und höhern bürgerschulen. Von Dr F. 
W. F. Schmitt. Erste abtheilung: sprachen. 8. Thorn: 
12 gr. : viel zu viel geld für solche waare. — 40. Ueber die 
nothwendigkeit der entfernung des Unterrichts im lateinischen 
aus dem lehrplan der real- und höhern bürgerschulen. Von ei- 
nem reallehrer. 8. Neuwied und Leipz. 35 s., 5 gr.: der verf. 
hat sich nicht genannt , wird also wohl seiner sache miss- 
trauen. — 41. lllustrirtes taschenwörterbuch zur mythologie 
aller Völker von Joh. Minckwitz. Vierte aufl. 8min. Leip- 
zig. Arnold, 25 gr. : macht nicht den anspruch eine wissenschaft- 
lich werthvolle arbeit zu sein. — 42. A German course; adap- 
ted to use in Colleges, highschcools and academies. By Geo. 
F. Comfort, A. M., professor of modern languages and aes- 
thetics in allehany College, Meadville Pa. 8. min. New York. 
1869: nur als amerikanisches erzeugniss hier erwähnt: neues 
enthält es für uns nichts. — 43. Les auteurs grecs expliques d'a- 
pres une methode nouvelle par deux traductioiis francaises , l'une 
litterale et juxtalineaire presentant le mot a mot frangais en re- 
gard des mots grecs correspondants , Vautre correcte et pricedee 
du texte grec avee des sommaires et des notes par une societe de 
professeurs et d'hellenistes. Artstophan e, morceaux choisis. 8. 
Paris. Hachette. 1870: 1 thlr. 18 gr. : obgleich der titel sehr 
ausführlich, wird man doch zweifelhaft sein wie man diese frucht 
einer societe de professeurs sich zu denken habe: also ausgewählte 
stücke aus alten komödien : zuerst inhaltsangabe des ausgewähl- 
ten Stücks, nicht der ganzen comödie: dann auf einer seite und 
zwar der geraden der text des Aristophanes, mit darunter ste- 
hender prosaischer französischer Übersetzung, und zwar recht 
prosaischer: auf der ungraden die juxtalineaire, in folgender 
weise : 



Nr. 1. Bibliographie. 63 

Les Achamiens 
I. — Diciopolis et Euripide 
A1KA10TI0A12. Hai DICEOPOLIS. esclave 

TtuT esclave 

KH0IZOG)QN. rig ovwg; CEPHISOPHON. gui est 

celui - ei ? 
JIKAIOI70AIS. EvQtmöriQ DICEOPOLIS. Euripide 

SGxlv evdov; est-il chez luit 

(ich überschlage hier einige Zeilen) 

KHOIZOmiN. öofrüg, CEPHISOPHON. Sans doute 

w yioov. 6 viellard 

o fiiv voig L'esprit d 1 Euripide , ä- 

la-verite 
£,vXliy(MV recueilland 

e%ut au - dehors 

invkkiu des mots-subtüs 

ovx tvdoi n'est chez-lui. 

Und so geht es weiter: am ende jedes Stücks folgen dann einige 
noten von der allergewöhnüchsten art. Es wird sich nun fragen, 
welcher deutsche buchhäudler es seinem säckel zuträglich erach- 
ten wird Schulausgaben mit text und doppelter Übersetzung fa- 
briziren zu lassen : leute dazu werden nicht fehlen : und da das 
ausländ dergleichen hat, warum soll denn der gute deutsche Mi- 
chel dergleichen auch nicht haben ? selbst Freund's schüler - bi- 
bliothek wäre dadurch übertroffen! 

BIBLIOGRAPHIE : 44. Bibliotheca phüologica oder geord- 
nete Übersicht aller auf dem gebiete der classischen alterthums- 
wissenschaft wie der altern und neuern Sprachwissenschaft in 
Deutschland und dem ausländ neu erschienenen bücher; heraus- 
geg. von Dr. W. Müldener. XXHter Jahrgang. 2tes heft, juli — 
december 1869. — 45. Polybiblion. Revue bibliographique uni- 
verselle. Troisieme annee. Tome V, livr. 1 Janvier, Paris. 7 7 rue 
du bac: 8. Philol. Anz. I, p. 158, nr. 118 : dies heft enthält p. 
35 eine kurze anzeige von de Witte, recherches sur les ernpe- 
reurs romains , qui ont regne dans les Gaules au 3e siede p. Chr. n. 

Neue philologische Unternehmungen von Maucke's verlag (H. 
Dufft). Jena. März : anzeige von WestphaVs gram. d. griechischen 
spräche ; M. Schmidt, sophokleische chorgesänge, desselben Pindar 
u. s. w. — Mittheiluugen der Verlagsbuchhandlung B. G. Teub- 
ner in Leipzig. Nr. 6. 1869 : ankündigung von Bernh. Schmidt 
Volksleben der Neugriechen und das hellenische alterthum, u. s. 
w.: nr. 1. 1870: enthaltend, Callimachea ed. O. Schneider, 
eine anzeige von 0. Schneider selbst, dann nachrichten über die 
Bibliotheca scr. Gr. et Rom. , die Schulausgaben der classiker 
mit deutschen noten u. s. w. — Nr. 2: erste abtheilung : no- 
tizen über künftig erscheinende bücher" wie Acta societatis philo- 



64 Bibliographie. Nr. 1. 

logae Lipsiensis ed. Fr. Ritschelius: I, 1, Mayhoff de Rhiani 
Cretensis studiis homericis, vor allem erfreulich T. Maeci Plauti co- 
moediae, ree. instrumenta critico et proleg. auxit Fr. Ritscheli,us. 
Vol. I fasc. 1: wir möchten wünschen, dass Ritschi alles an- 
dre bei seite Hesse und diesem werke ausschliesslich seine 
kräfte widmete. Ders. zweite abtheilung: erschienene bücher: 
recensionen - verzeichniss : endlich die ankündigung eines Ver- 
zeichnisses von philologen, welches von der renaissance 
ausgehend auch die jetzt lebenden in alphabetischer folge umfas- 
sen soll. — Steigert literarischer monatsbericht, novemb. 1869: 
darin unter andern: ,,die Humbolds- Jubelfeier und ihre prakti- 
schen folgen": - — „das unbeschränkte recht des Amerikaners, 
bücher ausländischer autören zu übersetzen". 

Cataloge von buchhandlungen: verlagsbericht für 1870 von 
F. A. Brockhaus in Leipzig; neuere Unternehmungen von Fues's 
(R. Reisland) in Leipzig, novemb. 1869; Schulcatalog : Über- 
sicht der neuesten philologischen und pädagogischen werke, wel- 
che im Äa7m'schen verlage zu Hannover und Leipzig erschienen 
sind. 1869: schulcatalog der Verlagsbuchhandlung von B. G. 
Teubner in Leipzig, bis märz 1870 ; Bibliotheca philologica Teub- 
neriana. Erster n achtrag , die im j. 1869 erschienenen neuen 
bücher und forsetzungen enthaltend ; verzeichniss ausgewählter 
werke aus dem verlage von F. C. W. Vogel in Leipzig. Nebst 
reichhaltigen antiquarischen Verzeichnissen. 

Cataloge der antiquare: Joseph Baer's (Frankf. a. M.) anti- 
quarischer anzeiger, nr. 183 ; bericht über die erwerbungen des 
lagers von S. Calvary et Oe in Berlin , nr. 2 — 5 ; catalog des 
antiquarischen bücherlagers von AI. Dans, in Leipzig, nr. 2. 3; 
verzeichniss von werken aus dem gebiete der gesammten sprach- 
und literaturwissen schaft von List & Francke in Leipzig, nr. 60; 
bücher verzeichniss von JB. Friedländer und söhn in Berlin , nr. 
192. 195; verzeichniss nr. 13 des antiquarischen bücherlagers 
von Georg Friedrich, in Breslau; verzeichniss des antiquarischen, 
bücherlagers von Ch. Gräger in Halle a. d. Saale, nr. 169; A. 
Härtung in Leipzig, verzeichniss des antiquarischen lagers, nr. 1 33 
numismatik, alterthumskunde u. s. w., nr. 134 ästhetik, musik u. 
s. w., nr. 135 vermischte Schriften; Catalogus librorum, ad antiquitatis 
studii disciplinas pertinentium qui pretiis appositis prostant apud 
J olowicz. Posnaniae; bücher verzeichniss über werke . . bei 
Th. Kampffmeyer in Berlin . . zu haben, nr. 174; antiquarisches 
bücherlager bei Kirchhoff & Wiegand in Leipzig, nr. 270 ; K. F. 
Köhlers in Leipzig antiquarische anzeigehefte, nr. 198. 199; 
nr. 202 europäische linguistik ; nr. 210. 211 bibliothek des 
verst. hrn. prof. Westermann in Leipzig, abth. I und abth. II; 
anzeiger nr.56 des antiquai'ischen bücherlagers der Kössling'' sehen 
buchhanrllung in Leipzig -^ antiquarischer anzeiger von M.Kuppitsch 
wittwe (R. Schmid) in Wien, 1870 ; Bibliotheca historica geographica. 



Nr. 1. Bibliographie. 65 

Neunzigster catalog des antiquarischen bücherlagers von Matth. 
Lempertz in Bonn; antiquar -anzeiger nr. 64 von Aug. Pran- 
del in Wien; dess. nr. 65 — 71; antiquarisches bücherverzeich- 
niss von C. F. Schmidt in Heilbronn, nr. 121; Bibliotheca philo- 
logica. Catalog 320 des antiquarischen bücherlagers von H. W. 
Schmidt in Halle a. d. Saale; antiquarischer anzeiger von Felix 
Sehneider in Basel, nr. 12. 13. 14. 15. 16. 17; desselben 
achtundneunzigstes antiquarisches verzeichniss ; schweizeri- 
sches antiquariat in Zürich, catalog nr. XXXI; Bibliotheca 
philolögica, catalog nr. 121 des antiquarischen bücherlagers von 
B. Seligsberg in Bayreuth; verzeichniss einer Sammlung von 
büchern aus dem gebiete der classischen alterthumskunde, wel- 
che . . bei Ferdinand Steinlcopf in Stuttgart . . zu finden sind, 
nr. 56. 57. 58 ; desselben verzeichniss nr. 64 werthvoller . . . 
ausgaben lateinischer und griechischer klassiker ; desselben ver- 
zeichniss nr. 61 werthvoller . . ausgaben von kirchenvätern 
u. s. w.; catalog des antiquarischen bücherlagers von K. Th. 
VölJcer's verlag und antiquariat in Frankfurt a. M., nr. 33 ; ca- 
talog des antiquarischen bücherlagers von Fr. Wagner in Braun- 
schweig, nr. 91; Weingart in Erfurt, catalog nr. 433. 442, ge- 
schichte, nr. 434. 437. 438. 442. 443 philologie und archaolo- 
gie, nr. 444 ; Alfr. Würzner in Leipzig verzeichniss nr. 25. 

Catalogo di Libri d' occasione del Libreria Giusto Ebhardt 
in Venezia, nr. 28. 29 : für antiquitäten und archäologie zu beachten. 

Desiderata; or , boohs wanted to purchase by Bernard 
Quaritsch, bookseller, 15 Piccadilly, London, nr. 15. 

Ldvres, Estampes, Manuscrits du magasin de Fred er ih Mul- 
ler ä Amsterdam, nr. I: archeologie des peuples modernes'. Va- 
ria. — n. II : Bibliotheca philolögica; Archeologie des peuples 
modernes; Varia. — Catalogue d'une süperbe collection d'auteurs 
Chrecs . . qui se trouvent ä prix marques dans le magasin de Fr. 
Muller ä Amsterdam, 1869; Bibliotheca philolögica IL Catalogue 
.. d'auteurs Latins — de Fr. Muller h Amsterdam. — Catalogue 
van aen belangeijke vebzameling BoeJcen, grieksche en latijnsche Auteurs ... 
verhrijgbaar in den boekhandel van Petit et C°. te Rijsenburg. 

Auctionen: Otto Jahn's Bibliothek. Archäologie. Bonner 
bücherversteigerung am 13. juni 1870. 

KLEINE PHILOLOGISCHE ZEITUNG *). Donnerst, d. 8. 
april 1869 wurde in gegenwart des oberpräsidenten grafen Stollberg 
und zahlreicher deputationen das 1865 im bau begonnene grossartige 
neue schulgebäude des k. Andreanums in Hildesheim 
feierlich eingeweiht. Der schulrath Schmalfuss aus Hannover 
sprach in der eröffnungsrede den wünsch aus , dass der herr- 
lichen wohnung die insassen sich würdig erweisen mögen. 
Der director Dr. Lahmeyer wies sodann auf die mahnung hin, 
welche in der ruhmreichen Vergangenheit des Andreanums für 

1) Wir erbitten für diese rubrik uns Zusendungen. — Die re- 
daction. 

Philol. Anz. II. 5 



66 Philologische zeitung. Nr. 1. 

die gegenwart nach allen seilen hin liege. Wir wünschen dem 
gymnasium weiteres gedeihen und knüpfen daran als gute Vor- 
bedeutung eine erinnerung an das ' in demselben jähre erschie- 
nene treffliche buch: 

Geschichte des königlichen gymnasiums zu Brieg. Zur drei- 
hundertjährigen Jubelfeier verfasst von K.J. Schönwälder } professor, 
und J. J.Guttmann, director. Breslau, Nischkowsky, 1869 : 1-i thlr. 

Am 14. april 1870 fand eine vorfeier des 25jährigen director- 
jubiläum des directors vom lyceum »u Hannover H. L, Ahrens 
statt : am Vorabend fackelzug durch die schüler , am 14. mor- 
gens beglückwünschung durch eine deputation des lehrer - colle- 
gium; die hauptfeier erfolgte am 31 april, theils weil der 14te 
gründonnerstag war, theils wegen abwesenheit mehrerer lehrer, 
da von dem freudigen ereignisse erst kurz vor dem 14ten die 
zunächst betheiligten künde erhalten. Als gelehrter ist Ahrens 
in weitesten kreisen bekannt; für sein wirken in Hannover mö- 
gen zahlen sprechen: als er von Lingen nach Hannover 1849 
kam, zählte das lyceum 200 schüler, jetzt 850. 

Der Anzeiger der kaiserlichen akademie der Wissenschaften 
in Wien nr. 5 vom 9ten febr. 1870 enthält einen kurzen be- 
richt Vahlen's über ungedruckte briefe von und an Laurentius 
Valla. — Ebendas. nr. X vom 6. april giebt Gompera über seine 
neuesten forschungen in den herkulanensischen rollen nachricht : 
sie betreffen den von Bücheier edirten und ob. p. 22 flg. von Kö- 
per besprochenen anonymus. Gomperz schreibt: „den inhalt der 
papyrusrolle nr. 1021 bildet eine geschichte der platonischen schule, 
geschrieben von einem unbekannten zu Athen, wahrscheinlich in 
der zweiten hälfte des ersten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung, 
mit reichlichster benützuug der werke älterer forscher .... Mit 
Vorliebe schildert der anonymus die äusseren lebensumstände, 
sowie die charaktereigenthümlichkeiten der philosophen, aber 
auch die entwicklung der philosophischen und wissenschaftlichen 
doctrinen (man vgl. col. Y über die mathematischen Studien 
des Plato und Eudoxos) geht in seiner darstellung nicht völlig 
leer aus. Die attische Chronologie wird durch eine reihe bisher 
unbekannter archontes eponymi bereichert, andere, durch in- 
schriftliche funde bereits bekannte, werden in engere zeitgrenzen 
gewiesen; zahlreiche neue namen von philosophen und philoso- 
phenschülern geben durch die fast ausnahmslos beigefügte hei- 
matsbezeichnung künde von der ausbreitung griechischer bil- 
dung. Den hauptertrag dieser Schrift bilden aber wohl die 
nachrichten, welche ein neues licht auf die Verfassungen der 
philosophen - schulen werfen, die bisher darüber geltenden (auch 
in den Schriften von Zeller und Zumpt vertretenen) ansichten be- 
richtigen und dem Verfasser der vorliegenden abhandlung gestat- 
ten, die Grote'scke annähme einer platonischen schulbibliothek 
mit, wie er denkt, entscheidenden gründen zu bestreiten. — 
Die gemeinsame quelle unseres autors und des Diogenes, aus 



Nr. 1. Philologische zeitung. 67 

der nicht wenige , fast wörtlich übereinstimmende , nachrich- 
ten und urtheile (vornehmlich in der darstellung des Polemon 
und des Arkesilaos) geflossen sind — eine Übereinstimmung, 
die so weit geht, dass wir mehrere versehen des Diogenes 
oder seiner abschreiber nunmehr mit Sicherheit berichtigen 
können — ist, wie sich mit vollster evidenz erweisen lässt, Anti- 
gonos von Karystos, der jüngere Zeitgenosse des Arkesilaos. — 
Von anekdotenklatsch ist die darstellung noch völlig frei, wäh- 
rend sich mythische demente (in der vom berichte des Dio- 
genes etwas abweichenden version über das ende des Herakli- 
des Ponticus und vielleicht auch in der erzählung von der Un- 
terredung des greisen Plato's mit einem Chaldäer) bereits vor- 
finden''. Dass Gomperz den sehr zerrütteten text vielfach ver- 
bessern konnte , verdankt er vornehmlich dem besitze eines kri- 
tischen hülfsmittels , welches seinen Vorgängern nicht zugänglich 
war, des zu Oxford aufbewahrten facsimiles dieses papyrus. Durch 
diese hülfe ward er in den stand gesetzt, den 36 zu Neapel ver- 
öffentlichten columnen 12 weitere hinzuzufügen, mehrfach den 
text durch eine anzahl bisher völlig unbekannter oder bis zur 
Unkenntlichkeit entstellter Zeilen zu ergänzen, dadurch die rich- 
tige Ordnung der columnen herzustellen oder zu sichern u. s. w. 
Trotz alledem bleibt auch jetzt noch viel zu thun übrig. 

Am 7ten mai a. c. ist zu Liegnitz in der Petro - Pauli- 
nischen kirchenbibliothek von Dr. Kraffert und bibliothekar Pen- 
zig eine handschrift des Livius entdeckt, welche die vierte de- 
cade fast vollständig enthält: das Liegnitzer St. hebt die be- 
deutung des fundes mit vollem recht hervor, wogegen die Köln. 
Zeit. 1870 nr. 138 zweites bl. glaubt Verwahrung einlegen zu 
müssen, zuletzt aber die vermuthung ausspricht, es könne dieser 
liegnitzer codex der verschollne mainzer sein. Das ist nun 
wohl nicht möglich, da der seit dem 30jährigen krieg in den 
fluthen der Ostsee ruht: man wird vor jedwedem urtheil die 
genauere Untersuchung der handschrift abzuwarten haben. 

Die Stettiner Ztg. vom 18. mai schreibt aus Elbing: ,,in 
diesen tagen ist ein interessanter brief aus der ebene von Troja 
an den justizrath Plato hier eingetroffen. Heinrich Schliemann 
schreibt aus dem dorfe Ciplak, welches bei Neu-Ilium liegt, 
dass er bei seinen ausgrabungen auf den palast des Priamos 
gestossen sei, wo einst Hektor dem Zeus geopfert, wo Xerxes 
eine hekatombe und Alexander der Grosse seine Waffenrüstung 
dargebracht habe. In einer tiefe von 7 fuss und dann bei lo 
fuss sei er auf 7 — 8 fuss dicke mauern gekommen, die alte cy- 
clopische bürg Pergamos, vor deren hallen einst das trojanische 
volk seine berathungen hielt". Man wird dies mit grosser vor- 
sieht aufzunehmen haben : sonst vrgl. ob. p. 38. 

Dem oben p. 64 erwähnten heft 7 von Steigert literari- 
schem monatsbericht liegt als beilage bei : „Das Topyright Law 

5* 



68 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 1. 

der vereinigten Staaten und andre artikel aus Steiger's lit. mo- 
natsb. abgedruckt. New -York 1870": an der spitze steht ein 
aufsatz : „mein verhältniss zum verlagsbuchhandel in Deutsch- 
land", in welchem der nachdruck der ausländischen werke, in 
America im weitesten umfange vertheidigt wird, auch mit bezug 
auf den vom kanzleramt des norddeutschen bundes vorgelegten 
entwurf das Urheberrecht an werken der literatur und kunst be- 
treffend. Es ist das gewiss ein gegenständ von grösster Wich- 
tigkeit : der reelle buchhandel wird, wie es scheint, von tage 
zu tage schutzloser. Aber wenn man sich mit America nicht 
einmal über eheschliessungen und erbrechtsbestimmungen einigen 
kaDn, wie wird man sich da über geistiges eigenthum einigen 
können? Uebrigens vrgl. unt. nr. 2, p. 126. 

Von der im Philol. XXVIII, p. 383 erwähnten ersten Ver- 
sammlung americanischer philologen ist ein bericht erschienen: 
Proceedings of the first annual session of the American PMlölogical 
Association held at Poughheepsie N. Y. July , 1869. New - York 
1870: die Verhandlungen beziehen sich vorzugsweise auf päda- 
gogische fragen, wie der Unterricht in den classischen sprachen 
einzurichten, wie das griechische , das latein auszusprechen, ob 
im griechischen accente zu setzen seien u. s. w. : von philologi- 
schem Standpunkt ohne interesse. 

AUSZUEGrE aus Zeitschriften: Archäologische zeitung, 1869, bd. II, 
heft 2. 3: A. Michaelis, Marsyas, p. 41: dazu taf. 17. 18.— A. Conze, 
Sarkophag in Athen, p. 50: dazu taf. 19. 20. — O. Jahn, Eros und 
Psyche, p. 51. — F. Matz , zwei scenen aus dem Lykurgosmythos 
auf pompejanischen Wandgemälden, p. 53: dazu taf. 21. — O. Benn- 
dorf, die Chariten des Sokrates, p. 55: dazu taf. 22. — JE. Curtius, 
das phönikische urbild der mediceischen Venus, p. 62 : mit holzschnitt : 
s. unt. p. 103. — Miscellen und berichte: Sitzungsberichte der archäolo- 
gischen gesellschaft in Berlin, p. 63. — Beilage zu denselben: römi- 
sche grabschrift aus Bingen, von Th. Mommsen, p. 70. — K. Christ, 
römische inschriften aus dem Odenwald und angrenzenden gegenden, 
p, 71. — A. Conze, zur erklärung des Harpyienmonuments von Xan- 
thos; mit zwei holzschnitten , p. 78. — H. Heydemann, über einige 
vaseninschriften des Museo nationale zu Neapel, p. 80. — C. Frie- 
derichs, anzeige von Conze's beitragen zur geschichte der griechischen 
plastik, p. 87. — R. Engelmann, die neuen St. Petersburger Cqmp- 
tes rendus, p. 84. — It. Bergau , anzeige von R. Kekule's Hebe, p. 
86. — H. Heydemann, Orpheus und Eurydike, p. 87. — E. Hübner, 
ausgrabungen in Ostia (und G. Leemanns) römische inschriften aus 
Holland, p. 88. — F. Schlie , zum Iphigenienuiosaik von Ampurias, 
pr 90. — E. Hübner , anzeige von Conze's Vortrag über die bedeu- 
tung der classischen archäologie, p. 92. — Anzeige von Ruggiero's 
Vortrag l'antichicha classica e la cultura moderne, p. 93. — Festsitzung 
des römischen archäologischen instituts, p. 94. — Th. Mommsen, 
Otto Jahn, p. 95: sehr schöne, tief gefühlte worte über unsern ver- 
storbenen mitforscher. 

Bd. II, heft 4, 1870: J. Friedllinder , neue erwerbungen des k. 
münzkabinets, p. 97 : für Argos, Korinth, Erythrä besonders wichtig. — 
O. Benndorf, Herakles und Hebe auf griechischen reliefs, p. 104. — 



Nr. 1. Auszüge aus Zeitschriften. 69 

R. Schöne, ein geräth der Palästra, p. 107. — E. H., zum Apoll 
von Belvedere, p. 108. — E. C, goldplättchen aus Kamiros, p. 110. 

— Miscellen und berichte: Sitzungsberichte der archäologischen gesell- 
schaft zu Berlin, p. 112. — R. KekuU , zur vase mit Eros und Psy- 
che, p. 116, mit einem zusatz von H. Heydemann. — E.H., römi- 
sche inschrift aus Baden-Baden, p. 116. — Carl Curtius, ausgrabun- 
gen im panathenäischen stadion (vrgl. Philol. XXIX , p. 691) , p. 117 
und nachtrag p. 131. — F. Schlie, zur statue des Augustus im Brac- 
cio duovo. Mit einer nachschrift von E. Hühner, p. 118. — E. H, 
ausgrabungen von Tanais, p. 121. — F. Matz, zum knienden Jüng- 
ling aus der gallerie Giustiniani, p. 122. — Th. Mommsen, neue 
Inschriften aus Aegypten, p. 123. — E. H, anzeige von Carmelo 
M ancini , Observazioni e scoverfe sopra l'imperatore Rupieno e sua 
famiglia cett. 8. Neap. 1869, p. 127. — Chronik der Winkelmanns- 
feste, p. 127. — Allgemeiner Jahresbericht, p. 132. — Dazu als bei- 
lage besonders paginirt: denkmäler-verzeichniss und register zu den 
Jahrgängen 1863 — 67 von G. Hirschfeld, 24 s. 

Bd. III, heft 1, 1870: H. Heydemann, die bronzewidder im 
museum zu Palermo, mit tafel, p. 1. — G. Krüger, Euripides, mit 
abbildung, p. 2. — R. Kehule , relief mit der darstellung von Zeus, 
Hera und Hebe, p. 4. — Th. Mommsen, tunnelbau in Saldae (Bou- 
gie) unter Antoninus Pius, p. 5. — E. Curtius, Ganymedes, innen- 
bild einer apulischen schale , p. 9. — E. Curtius , terracotten aus 
Kamiros, p. 10. — H. Heydemann, vasensammlung des museum zu 
Palermo, p. 11. — Derselbe griechische vasenbilder zu Athen, p. 14. 

— Miscellen und berichte: Sitzungsberichte von der archäologischen 
gesellschaft in Berlin, p. 16. — Winkelmannsfest in Bonn, p. 23. — 
Friedländer, nachtrag zu den neuen erwerbungen des k. münzcabinets, 
p. 27. — E. H, Inschriften von Tarraco, p. 27. 

Allgemeine zeitung 1869, beil. zu nr. 182: zum Welckerschen nach- 
lass. — Beil. zu nr. 183: K. A. J. Hoffmann, director in Lüneburg: 
nekrolog. — Nr. 184: der Aventin befestigt. — Universität Dorpat. 

— Nr. 186: prof. dr. Schäfer in Giessen f. — Nr. 188: staatsrath 
Blum in Heidelberg f. — Ausserord. beil. zu nr. 190: dr Stieve, 
zwei tage im französischen polizeiarrest: von jedem der nach Pa- 
ris reisen will, zu lesen. — Nr. 193: aus Schellings leben. In 
briefen. Bd. I: anzeige. — Beil. zu nr. 194: K. L. Blum, nekrolog. 

— Nr. 195: eindruck der Stieve'schen leidensgeschichte. — Hofrath 
Auer in Wien f. — Beil. zu nr. 196. 197 : G. Fr. Hertzberg , ge- 
schichte Griechenlands unter der herrschaft der Römer bd. I. II: an- 
erkennende anzeige. — Beil. zu nr. 197 : Dillmann , von der hoch- 
schule und den hochschulen. 4. Giessen 1869: sehr beachtenswerth, 
anzeige wie rede. — Beil. zu nr. 198: die ostküste des adriatischen 
meers: s. ob. nr. 160. 164. — Nr. 199: Humboldtfeier. — Beil. zu 
nr. 203 : K. Fr. Haug in Tübingen. — Humboldtfeier. — Nr. 204 
Jul. Braten f. — Beil. zu nr. 204: Julius Braun, nekrolog. — Nr. 210 
K. J. F. Janssen in Leyden f. — Beil. zu nr. 211: altes und neues 
I. betrachtungen über Egypten nnd Aethiopien. — Auer, nekrolog. — 
Nr. 222: Humboldtfeier. — Nr. 224: director Schönborn in Breslau f. 

— Beil. zu nr. 227 : die brittische archäologische gesellschaft : bericht 
über ihre, sich auf das alterthum eifrigst beziehende thätigkeit. — Nr. 
229 : der breslauer schulstreit. — Beil. zu nr. 229 : militairdiplom aus Ve- 
spasians zeit am strande des schwarzen meers gefunden. — Beil. zu nr.230 : 
ausflug nach Beggio und in das innere von Sicilien .1. — Beil. zu nr. 231 : 
ausflug nach Reggio u.s.w. I. (schluss). — Kyprianosf. — Nr. 232: der 
fund in Pompeii: ein Wandgemälde, betreffend den circus von Pompeii. — 
Nr. 233: zum hildesheimer silberfund : zur belohnung der finder. — Beil. 



70 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. J. 

zu nr. 236: Chr. C. J. Bunsen: mit bezug auf dessen leben von Nip- 
poldt. — Das Tiber- Empori um und Winkelmann. — Beil. zu nr, 
238: ein ausflug in das innere von Sicilien. II. — Beil. zu nr. 239 
ausflug in das innere von Sicilien II (schluss). — Beil. zu nr. 241 
Hugo Donellus von Kintzing. — Beil. zu nr. 244: englische urtheile 
über deutsche literatur : auszug aus dein Sat. Review über Lehrs Q. 
Horatius Placcus: es sind nach der redaction der allgemeinen zeitung 
dem englischen gelehrten manche fehler untergelaufen: aber zu be- 
achten sind die urtheile doch. — Beil. zu nr. 245: biographisches: 
Th. Arnold von A. Zinsow. 8. Stettin. 1869: Arnold der director 
der schule von Nugby, wegen seiner ausgäbe des Thukydides unter 
uns bekannt; K. G. Heiland von W. Herbst; der ertrag dieser schritt 
zu einem milden zweck bestimmt. — Beil. zu nr. 248: die phönici- 
sche spräche. Entwurf einer grammatik nebst sprach- und Schrift- 
proben. Von dr Paul Schröder. 8. Halle. 1869 : kurze anerkennende 
anzeige. — Nr. 249 : kurze anzeige des programms der deutschen 
geschichts- unfl alterthumsvereine zu Regensburg. — Beil. zu nr. 
250. 251. 252: ein ausflug nach Reggio u.s.w. III. — Beil. zu nr. 
252: Havemann f- — Nr. 257: Humboldtfeier. — Beil. zu nr. 257: 
sonnet auf A. v. Humboldt; gedächtnissrede auf denselben von JE. W. 
Dove. — Beil. zu nr. 258. 259 : Dove's gedächtnissrede auf A. von 
Humboldt. — Nr. 259: das gymnasial -Schulwesen in Baiern. — Nr. 
260: die Humboldtfeier in Berlin. — Beil. zu nr. 261: die Horaz- 
ausgabe von O. Keller und A. Holder: anzeige. — Beil. zu n. 262 
und nr. 263: Benfey's geschichte der Sprachwissenschaft: ausführliche 
anzeige. — Nr. 264: Humboldtjubilänm in England. — Beil. zu nr. 
264 : O. Jahn, nekrolog : vrgl. dazu beil. zu nr. 269. — Emil Ruth. 
nekrolog. — Beil. zu nr. 265. 266: zur erinnerung an Julius Braun, 
Von J. N. Scheffel. I. — Der falscher Lucas.- wegen Hyperides zu be- 
achten. — Beil. zu n. 268: C. Promis, Turin im alterthume: an- 
zeige und zwar sehr beachtenswerthe. — Dr von Hahn, f. — Beil. 
zu nr. 269: Karl Bender, nekrolog. — Nr. 272: die Universität Cam- 
bridge. — Beil. zu nr. 273: E. Dornburg, die Institutionen des Ga- 
jus ein collegienheft: anzeige. — Beil. zu nr. 274: Histoire de la 
Gaule sous la domination romaine par Am. Thierry. T. I. II. Nou- 
velle edition : die anzeige ist ein auszug aus einer beurtheilung im Sa- 
turday Review : diese neue ausgäbe sei sehr verbessert. — Nr. 277 : 
Bergk geht nach Bonn. — Beil. zu nr. 278: die Versammlung der 
deutschen geschichts- und alterthumsvereine in Regensburg. — Beil. 
zu nr. 281: englische .fforazübersetzungen. — Beil. zu nr. 282: 0. 
Jahn's bibliothek. — Beil. zu nr. 283: die Versammlung deutscher 
philologen und schulmänner, I : aus der kölnischen zeitung : sonst hatte 
die augsburgerin immer selbständige referate: jetzt hält sie das nicht 
mehr für nöthig. Auch ein zeichen der zeit. — Nr. 284: altetruski- 
scher fund zu Arezzo: aus einer englischen zeitung: kleiner tempel, 
in dessen cella 200 kleine idole von bronze und kupfer: ausserdem 
sonstige sachen. — Beil. zu nr. 284: die deutschen philologen u.s.w., 
II. — Beil. zu nr. 284: G. Libri: nekrolog. — Beil. zu nr. 287: die 
deutschen philologen u. s. w. III. — Beil. zu nr. 289: M. Schmidts 
entdeckung des taktmaasses pindarischer musik : es heisst darin : „was 
Schmidt vor Westphal voraus hat, ist die überraschende Vereinfachung 
ihres gemeinschaftlichen grundgedankens. Schmidt hat herausgerech- 
net (und sein werk stellt für diese berechnungen die regeln auf), dass 
das verhältniss welches bei uns das einfachste ist, die gruppirung von 
vier und acht takten, bei den Griechen das einzig geltende gewesen ist. 
Es gilt dies freilich nur unter der Voraussetzung, dass die musik der 
pindarischen öden und der tragischen chöre für die ganze griechische 



Nr. 1. Auszüge aus Zeitschriften. 71 

nrusik als massgebend angenommen werden darf. Dieser umstand 
bleibt eine aufgäbe für weitere forschung. Das aber steht fest, dass 
sieb die pindariseben gesänge zwauglos in dieses einfacbe Schema 
wohllautender taktgruppen einfügen und eben dasselbe wird bei den 
cbören des Sophokles, Euripides, Aristophanes wahrgenommen, wie 
Schmidt nachgewiesen". Vorher ist auf Böckh und Westpbal rück- 
sicht genommen, nachher über ein beispiel aus Euripides und Sopho- 
kles, von neuern componirt. — Beil. zu nr. 292: ausgrabungen zu 
Nennig : sie sollen von neuem angefangen werden. — Nr. 293 : die 
Universitäten Lemberg und Krakau. — Nr. 297: die russische Uni- 
versität Warschau. — Beil. zu nr. 297 : W. Rossmann , vom gestade 
der Kyklopen und Sirenen. 8. Lpzg. 1869: briefe, in denen das alter- 
thum viel berücksichtigt ist. — Nr. 302 : Conington f. — Beil. zu nr. 303: 
Berger in Paris f. — Beil. zu nr. 309 : Sohleiberer, zur inusik - literatur : 
theoretische werke der letzten jähre betreffend. — Nr. 310 : die Universität 
Warschau. — Nr.312: ägyptische reisebriefe. I. — Beil. zu nr. 316. 323. 
324.325: ägyptische reisebriefe. IL III. IV. V.— Beil. zu nr.329: der Ur- 
sprung der spräche , von 0. Geiger. I : beachtenswertste anzeige. — 
Nr. 331 : pompejanischer fund : ein grosser schätz von geschmeide drgl. 
und 782 seltenen gold - und silbermünzen. — Beil. zu nr. 332 : We- 
stermann f. — Beil. zu nr. 335 : ägyptische reisebriefe. VI. — C. 
Fr. Hermanns archäologische (?) Schriften , in neuer bearbeitung von 
C. Stark : anzeige. — Beil. zu nr. 336. 337 : ägyptische reisebriefe. 
VII. VIII. — Beilage zu nr. 338: Anton Westermann, nekrolog. — 
Beil. zu nr. 339. nr. 340. beil. zu nr. 341. zu nr. 342 : Hof acker, bilder 
aus dem Orient, altes und neues. — Ausserord. beil. zu nr. 342: die 
Universität Strassburg. — Beil. zu nr. 344 : die jüngst in Rom aus- 
gegrabene amazone und die Polyklet - frage : von W. Lübke, der meist 
zu Conze's ansieht hinneigt. — Beil. zu nr. 346 : anzeige von Meyer 's 
allgemeinem künstlerlexikon. — Nr. 347: literarisches aus England: 
bezieht sich zumeist auf orientalisches. — Nr. 347: fund in Gythion, 
die antiken flüssigkeitsmasse betreffend. — Beil. zu nr. 348 : G. 
Boissier, Cicero und seine freunde, übersetzt von Dbhler , wird sehr 
gepriesen. — Beil. zu nr. 349 : ein ausflug in das innere von Sicilien. 
IV. — O. Liebmann, über den objeetiven anbHck. 8. Stuttgart. 
1869: schöne anzeige. — Ed. v. d. Launitz f. — Beil. zu nr. 350: 
ein ausflug in das innere von Sicilien IV (schluss). — Beil. zu nr. 
351: O. Jahns musikalische bibliothek. — Winckelmann's-feier in 
Bonn. — Ausserord. beil. zu nr. 351: festsistzung des instituts für 
archäologische correspondenz in Rom. — Nr. 353: die englischen 
Universitäten, — Der verfall der Universität Warschau. — Beil. zu 
nr. 355 : Zacher's Unternehmungen für deutsche philologie. — Nr. 356 : 
eine statue der Sappho, von Knoll in München. — Beil. zu nr. 356 : 
Melchior Meyr, classische dichter und die aufgaben der poesie. — Ed. 
v. d. Launitz, nekrolog. — Ausserord. beil. zu nr. 357 : Melchior Meyr, 
classische u. s. w. , fortsetzung. — Beil. zu nr. 358. 359 : Melchior 
Meyr, classische u. s. w. — Nr. 361: eine lateinische spruchsamru- 
lung: kurze anzeige von Frommel Florüegiwn latinum. — Univer- 
sität Preiburg im Br. — Beil. zu nr. 363: ausgewählte dichtungen 
von Jacob Bälde, übersetzt von Joh. Schall und M. Schleich, Münch. 
1870. — Beil. zu nr. 365 : Ferd. Hiller, aus dem tonleben unsrer zeit. 
2 bde. 8. Lpzg. 1868: lesenswerthe anzeige von L. St. 

1870 nr. 1. 2. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 11. 12. 13. Vor- und rückschau. 
— Beil. nr. 1. 2: der sittliche fortschritt der mensebheit. — Beil. 
zu. 2. 3. 12. 17. 19. 26. 27. 34 römische briefe vom concil. V. VI. 
VII. VIII. IX. X. XL XII. Diese briefe gehen noch weiter fort und 
sind im index leicht aufzufinden. — Universitätsfrage in Salzburg. 



72 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 1. 

Beil. zu nr. 4: Staffier , über universal - spräche und Universalschrift. — 
Beil. zu nr. 5 : Humboldt und Bunsen. — Beil. zu nr. 6 : Calker f. — 
Beil. zu nr. 8. 9. 10: die italienische pbilosophie des 19. Jahrhunderts 
und die religiöse frage. — Beil. zu nr. 11: sicilianische rnärchen. — 
Beil. zu nr. 12: v. Hefner t- — Nr. 19: fund in Athen: eine 8g. 
herinathene, eine statue, deren köpf mit zwei gesichtern versehen ist 
(s. Philol. XXIX, p. 704). — Beil. zu nr. 23: R. WestpUl, über neu- 
hochdeutsche metrik. — Beil. zu nr. 33: zur reform des gynma-sial- 
schulwesens. — * Beil. zu nr. 34 : W. Ihne, römische geschichte. 2r. 
bd. : lobende anzeige und eingehender gegen Mommsen's ansieht, dass 
Cavthago durch den ehrgeiz der Barkiden wider seinen willen in den 
zweiten punischen krieg gezerrt sei, sich aussprechend: sonst vrgl. 
Philol. Anz. I , p. 204, unt. nr. 2. — Beil. zu nr. 39. 40. 41. 42. 
43: modernes und altes. Eunststudien in Attika von G. Hofacker: 
sind für den philologen zu allgemein gehalten. — Nr. 43: deutsche 
Wissenschaft an der pesther hochschule : man will Deutsche dahin 
ziehen. — Beil. zu nr. 50: Ch. Bake über die. Nilquelle. — Beil. 
zu nr. 59 : eine Volksausgabe von Renan 's leben Jesu. — Die denk- 
säule des alten Moabiterkönigs Mescha. — Beil. zu nr. 60: die säule 
des Moabiterkönigs Mescha : nach einem aufsatze Renan's im j. des 
Debats. — Beil. zu nr. 64 : die Wahrheit über die Nenniger inschrif- 
ten : sie rühren vom bildhauer Schöffer her. — Beil. zu nr. 68: das 
geburtshaus der gebrüder Grimm. — Nr. 69: Hr von Mühler und 
das gymnasium in Breslau. — Nr. 71: Koberstein in Schulpforta 
f. — Beil. zu nr. 71 : die englische unterrichtsbill. — Beil. zu nr. 
74 : römische topographie und museumskunde ; mit rücksicht auf Emil 
Wolff's anleitung zu einem zweckmässigen besuch der päbstlichen 
museen u. s. w. : s. unt. p. 107. — Ausserord. beil. zu nr. 75: A. Kober- 
stein: nekrolog. — Auss. beil. zu nr. 83: Wiederherstellung der Uni- 
versität Olmütz. — Ausserord. beil. zu nr. 88: römische funde in 
Mannheim. — 1870, nr. 91: der Breslauer schulstreit. — Beil. zu 
nr. 91 : römische alterthümer in Zürch : ein köpf ältester construetion, 
inschrift auf eine hebamme, münzen. — Nr. 96: die freiheit des hö- 
hern Unterrichts in Frankreich. — Beil. zu nr. 97 : Rieh. Sehn, cul- 
turpflanzen und hausthiere in ihrem Übergang aus Asien nach Europa, 
Berlin 1870: wird sehr empfohlen, nur die vielen druckfehler gerügt. 
— Auss. beil. zu nr. 97: neue funde in Hellas. — Beil. zu nr. 99: 
W. Menzel, die vorchristliche Unsterblichkeitslehre. 2 bde. 8. Lpzg. 
1870: wird als beachtenswerth bezeichnet. — Beil. zu nr. 100: der 
Venusberg in Italien : bei Nurcia sei er und wird hingewiesen auf 
möglichen Zusammenhang dieser sage mit dem alterthum. — Beil. 
zu nr. 106: die inschrift des Moabiterkönigs Mescha. — Nr. 
107: Universitätsfreiheiten in Frankreich. — Nr. 108: Coglievina, 
von Cairo bis zur ersten Nil-katarakte. I. — Beil. zu nr. 109: 
von Cairo u.s.w. I (schluss). — Römische arena und münzen in Pa- 
ris. — Beil zu nr. 110: von Cairo u. s.w. II. — Beil. zu nr. 111. 
112: K. A. Neumann, nekrolog. — Beil. zu nr. 112: Daniel Ra- 
mee, le grand perturbateur romuin Cesar. 8. Paris. 1870: gegen Na- 
poleon III und tadler Cäsar's, dafür lobredner Sulla's. — Beil. zu nr. 
113: das licht der geschichte. Mittheilungen aus Joh. v. Müllers wer- 
ken von J. Hamberger. Gotha. 187-0 : sei zu empfehlen. — Beil. zu 
nr. 120 : zur philosophischen litteratur : bezieht sich auf die zweite 
aufläge von Schwegler's trefflichem handbuch. — Beil. zu nr. 123: 
deutsche Wissenschaft in Frankreich: nimmt auch auf die philologie 
rücksicht. — Sitzung des instituts für archäologische correspondenz 
in Rom: genauer bericht. — Beil. zu nr. 124: lebensgeschichte Schleier- 
machers von W. Dilthey: lobende und genaue anzeige. — Beil. zu 



Nr. 1 Auszüge aus Zeitschriften. 73 

nr. 126: W. Onchen, die Staatslehre des Aristoteles in historisch - po- 
litischen umrissen. Bd, I. 8. Lpzg. 1870: wird gelobt: die anzeige 
erregt aber kein vertrauen zum referenten. — Eduard Böcking f. — 
Beil. zu nr. 123 : Histoire des Perses d'apres les auteurs orientaux, grecs 
et latins et particulierement d'apres les manuscrits orientaux inedits , les 
monuments figures, les medailles, les pierres gravees etc. par le comte de 
Gobineau. 2 voll. 8. Paris: eingehende und verständige anzeige. 

— Reise auf der insel Sardinien von H. Feih. v. Maltzan. 8. Leipz. 
1869: genaue anzeige. — Nr. 129: reise auf der insel Sardinien u. s.w. 
(schluss). — Beil. zu nr. 130 : Villemain f- — Nr. 131 : aufhebung 
der Universität Dorpat. — Beil. zu nr. 133: aus Russländs Vergan- 
genheit. Culturgeschichtliche skizzen von William Pierson. 8. Berl. : 
wird gelobt; geht auch auf Skythen und Herodot ein. — Nr. 134: 
das Siede über Villemain. — Beil. zu Nr. 134 : Fr. Villemain , ne- 
krolog. — Nr. 135: H. Leo's Jubiläum. — Ausserord. beil. zu nr. 
138: das antike emporium zu Rom. — Ausserord. beil. zu nr. 139: 
das Ammergauer passionsspiel. — Beil. zu nr. 141 : Theod. Waitz, 
anthropologie der naturvölker, fortgesetzt von G. Gerland; anerken- 
nende anzeige. — Beil. zu nr. 142. 146: von den Pyramiden bis zur 
ersten kataracte des Nils. III. IV. — Beil. zu nr. 144: ausgrabungen 
in Troia im frühjahr 1870, von Schliemann : s. ob. p. 67. — Beil. zu 
nr. 148 : ein neuer bayrischer schulplan. — Beil. zu nr. 149 : syri- 
sche briefe. III. — Nr. 150 : syrische briefe. III (schluss). 

J. Bergmann, philosophische monatshefte, bd. III heft 1, p. 80: 
philosophische Vorlesungen, welche auf den deutschen Universitäten 
im sommer- semester 1869 gehalten werden. — Heft 2, p. 133: G. 
Teichmüller' s aristotelische Studien, von E. Bratuschek. — Heft 6, p. 
473: TJeberweg , rec. von P. Deussen de Piatonis Sophista: s. Ph. Anz. 
I, p. 229. — Bibliographie (neue bücher) von F. Ascherson, p. 506. 

— Bd. IV, heft 4: bibliographie von F. Ascherson, p. 321, heft 6, p. 
p. 483: (über die ersten vier bände ist ein inhaltsverzeichniss separat 
erschienen und durch alle buchhandlungen zu beziehen). 

Blätter für das bayerische gymnasialschulwesen, red. von W. Bauer 
u. dr G. Friedlein, bd. V, Bamberg, 1869, heft I: zur homerischen frage, 
von S. Pfaff. Der Verfasser (inzwischen den 26. juli 1869 gestorben) 
bespricht den versuch Steinthals in seiner Zeitschrift für Völkerpsycholo- 
gie und Sprachwissenschaft V, 1, durch eine eingehende prüfung des 
ausdruckes Volksdichtung und insbesondere jenes der volksepik für 
alle einschlägigen speciellen fragen eine sichere grundlage zu gewin- 
nen, theils referirend, theils ergänzend resp. einschränkend. Nament- 
lich sei im ersten artikel die definition des wesens der Volksdichtung 
hinsichtlich der culturlosen und der cultivirten zeit sowie die der 
Volksdichtung vindicirte individualitätslosigkeit zu eng gefasst. Der 
von den epischen compositionsformen handelnde zweite theil stellt 
nach der äussern form drei arten auf: das einzelne lied, die lieder- 
reihe und das grosse organische epos. Auf die behandlung der sache 
sehend stellt Pfaff eine andre dreitheilung auf: lied er, in denen das 
epische noch nicht vom lyrischen sich geschieden hat, rein epische 
erzählungen und das grosse epos. Auch er sieht als die specielle ei- 
genschaft des grossen epos das eintreten einer idee an, welche einen 
vorhandenen stoff zu einem innerlich in sich abgeschlossenen ganzen 
umgestaltet, doch sei dabei nicht an eine tragische idee zu denken; 
auch b'essen sich wie im drama und im kunstepos, so auch im volks- 
epos keine scharf geschiedenen klassen aufstellen , keine festen gren- 
zen ziehen. Bedenklich sei es, aus wenigen fällen allgemeine regeln 
abzuleiten und aus faktischen Verhältnissen sofort auf tiefer liegende 
nothwendigkeiten zu schliessen, wie thatsächlich bei Steinthal regeln 



74 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 1 . 

für das grosse organische epos aufgestellt seien, die nur für Homer 
und die Nibelungen, ja für die Ilias allein passten. Dagegen unter- 
schätze Steinthal den werth der leistung des epischen dichters. Al- 
lerdings werde das epische leben durch den aufschwung des ganzen 
volkes hervorgerufen : allein die Griechen hätten sich als volk selbst 
ihre götterwelt gebildet, und doch habe es noch eines Phidias bedurft, 
um die gestalt des Zeus leibhaftig darzustellen. Auch im dritten 
theil der abhandlung: über das leben des organischen epos und die 
diaskeuasten sei der satz : das organische epos lebe nur dynamisch in 
der Volksdichtung mit einem durch seine idee gesetzten dynamischen 
anfang und ende, zu eng gegriffen und werde bereits durch das von 
Steinthal angenommene eingreifen der diaskeuasten illusorisch. Wäh- 
rend also nach Steinthal diese idee ursprünglich schon darinnen ist 
und der diaskeuast sie nur herausfindet, möchte Pfaff annehmen, sie sei 
hineingetragen, und würde den, der es gethan, den dichter nennen, 
und diesem gebührte unter bezugnahme auf die Ilias der name Homers. 
Zu weit gehe endlich Steinthal mit der behauptung der Unmöglich- 
keit, innerhalb des fliessenden ganzen bestimmt abgegrenzte theile, 
feststehende lieder auszusondern, durch deren Zusammenstellung das 
epos selbst enstanden wäre. Denn abgesehen von dem thatsächlichen 
im Rolandsliede gelegenen beweise sei die Schilderung einzelner stücke 
aus dem vorhandenen sagenstoffe überhaupt das frühere, und so möchte 
sich wohl der organische trieb im ganzen auch in den einzelnen thei- 
len geltend machen und bedeutendere ereignisse ihre eigenen anfangs- 
und endpunkte erhalten. Völlig übersehen seien bei Steinthal die 
sänger und ihr verhältniss zum fortleben der sage. Nähme man nun 
an, dass unter diesen, ein früher wahrscheinlich enger geschlossener, 
später freier verbundener stand, ein überwiegender geist dauernden 
einfluss geübt habe, so würde es vielleicht möglich, die hervorragen- 
den, aber unmöglich bei vielen vorauszusetzenden poetischen Vorzüge der 
homerischen gedichte doch noch auf eine persönliche quelle zurück- 
zuführen. — Geschichte Roms von Peter, 3. bd.: kurze anzeige, wel- 
che im interesse der gymnasien die fortsetzung des Werkes bis zu 
dem gewöhnlichen abschlusse der römischen geschichte wünscht. — Dr 
Fr. Lübker , gesammelte Schriften zur philologie und pädagogik. 
Zweite Sammlung. Kurzes referat. (S. unt. nr. 2. p. 125). 

Heft II. Alciphron: Meineke thue in seinem commentar zu den 
briefen dieses autors p. 168 mit dem ausspruche : Aristophanes quem 
innumeris locis Alciphro expressit , des guten zu viel ; doch fehle es 
nicht an belegen für die benutzung dieser reichen quelle. Folgt eine 
Zusammenstellung des wesentlichen. — Verse von Stadelmann: mu- 
sterhafte Übertragungen einiger kürzeren griechischen stücke theils in 
die deutsche, theils in die lateinische, theils in beide sprachen, de- 
nen eine ins latein übersetzte partie aus Goethes Hermann und Doro- 
thea folgt. — Ein tanz, von Zeketmayr: aus der harmonie von Odyss. 
XXIII , 147 wird abgenommen, jener tanz sei nicht ein og/qd-fiös (doch 
s. v. 145 und 146 ! ), sondern ein „Schleifer" gewesen. Folgt eine mo- 
tivirte ableitung des französischen danser. — Münzfunde , von Fr. 
H. JBinhack: handelt in der ersten abtheilung von münzfunden über- 
haupt, von den bedingungen, unter welchen der fundort bedeutungs- 
los oder beachtenswerth ist, und von dem historischen werthe solcher 
funde. Im zweiten theile werden, zusammengetragen aus 34 Jahrgän- 
gen der Neuburger - Collectaneenblätter mit benutzung der münzsamm- 
lung des historischen Vereins in Neuburg a. D., 135 Römermünzen 
aufgezählt, die in Rhaetia secunda theils zwischen Günz und Lech, 
theils zwischen Lech und Paar, theils auf dem linken Donauufer auf- 
gefunden wurden, stets mit angäbe des fundortes und einer kurzen 



Nr. 1. Auszüge aus Zeitschriften. 75 

beschreibung. Beigegeben sind ein paar aus diesen münzfunden sich 
ergebende folgerungen für die geschickte. 

Heft III : beitrage zur erklärung und kritik des Agricola von dr Carl 
Meiser : c. 2 "wird an der erwähnung der Überlas senatus in anbetracht 
der berichte in den Annalen an und für sich anstoss genommen ; auch 
würde der senat vor den populus gehören. C. 3 wird vorgeschlagen: 
Quid? si per quindecim ahnos , gründe mortalis aevi spatiuml multi — 
interciderunt , pauci — venimus , wobei die worte quid — spatium als 
pathetischer ausruf für sich zu halten wären: „und erst, wenn diese 
geistige knechtung 15 jähre lang, fast ein halbes menschenleben, ge- 
dauert hat!" C. 5 wird nach commeatus ein wort wie virendo ver- 
misst und der sinn der stelle soll sein: „und Agricola brachte nicht 
dadurch, dass er leichtsinnig nach art der jungen leute, die aus dem 
soldatenleben ein schwelgerleben machen , und müssig nur für genuss 
und urlaub lebte , bloss den titel eines tribunen und Unwissenheit 
heim, sondern" etc. C. 6 in subsidium simul et solatium : in subsidium 
heisse lediglich „zum ersatz" (für den verlornen söhn) und stehe mit 
solatium gegenüber der freude, welche die geburt einer tochter an und 
für sich (ohne jenen verlust) hervorgerufen hätte. — Statt praeturae 
tenor (Rhen.) wird praeturae torpor vorgeschlagen. — rationis atque 
abundantiae wird als tu did dvolv gefasst und soll „vernünftiger auf- 
wand" heissen. C. 11 wird nach asser er ant und nach fidem faeiunt 
statt des punkt ein semicolon, nach similes sunt ein semicolon gesetzt, 
so dass die folgenden worte seu durante originis vi — habilum dedit 
auf die ganze vorausgehende dreigliederung zu beziehen wären. C. 
14 wird die lesart der handschriften ut vetere ac tarn pridem recepta 
populi Romani consuetudine haberet instrumenta servitutis et regis gegen 
Rhenanus' Umstellung des ut vor haberet und die änderung regis in 
reges mit der behauptung gerechtfertigt regis stehe für regni; das 
subject zu haberet sei eben Cogidumnus, dem die erwähnten ciritates ge- 
schenkt wurden, damit er sclave und könig in einer person sei, jenes, 
weil er sich durch die annähme des geschenkes den Römern verpflich- 
tete, letzteres, weil er diese civitates beherschte. C. 15 wird enim 
statt manu vorgeschlagen: „denn sind sie es nicht, die unrecht thun, 
so sind es ihre untergebenen". C. 16 soll der bekannten bösen stelle 
dadurch geholfen werden, dass nequaquam vor restituit hinaufgerückt 
und an seine jetzige stelle qui quamquam , endlich ut suae veterisque 
statt ut suae eiusque geschrieben wird. C. 17 wird que nach sustinuit 
gestrichen, um ohne Tücke durchzukommen: „einen andern nachfolger 
hätte Cerialis um arbeit und rühm gebracht ; aber Frontinus war der 
aufgäbe gewachsen. C. 18 wird ut in dubiis rebus an seiner jetzigen 
stelle als sachlich anstössig befunden und geschrieben : naves deerant ; 
sed, ut in dubiis consiliis, ratio et constantia ducis transvexit. C. 19 
wird statt des handschriftlichen circumcisisque (Rhen. circumcisis quae) 
vorgeschlagen circumcisisque quae , da von ausgleichen der lasten 
und abschaffung der missbräuche die rede sei. C. 20 wird vor 
nova pars das wort tum eingesetzt : „früher blieb kein theil von 
Britannien unangefochten, jetzt sogar ein neuer". Cap. 24 wird 
für nave prima eine neue conjectur geboten : in nova primum. 
C 27 wird vor penetrandam vermuthet ratus statt et. C. 32 sei zwi- 
schen campo und est das wort necesse ausgefallen. C. 33 wird statt 
des von Rhenanus aus dem handschriftlichen animus gebildeten acies 
proponirt homines zu schreiben. C. 34 wird in dem satze novissimae 
res — in his vestigiis ein zweiter gegensatz hingestellt: „non novissi- 
mae vires, sed extremo metu corpora defixere aciem in his vestigiis, 
d. h. „nicht letzte Streitkräfte, sondern in todesfurcht schwebende 
massen haben die schlacht an diese stelle gebannt". C. 37 sei dam 



76 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 1. 

für item zu lesen. C. 44 ist der verf. auf die von L. Quicherat, Paris 
1867. bereits aufgenommene conjectur , nach nam sicul die Wörter 
non licuit einzusetzen, unabhängig von jener ausgäbe gekommen. — 
Die gesehichte Griechenlands unter der herrschaft der Römer. Nach 
den quellen dargestellt von Dr G. Fr. Hertzberg. 2 bände. 8. Halle 
1866 und 1868. Empfohlen. 

Doppelheft IV und V. Zu den eclogen des Vergilius, von Fleisch- 
mann. Giebt winke für die auffassung von I, 1 — 5 und 79—83 : für 
die erklärung der sordida rura und humilis casus in II, 28 und 29; 
für die auffassung von IV und für die erklärung von 1—3 derselben; 
endlich eine bemerkung zu V, 82. 84. — Historische miscellen, von 
Cron. Der verf. giebt in diesem schluss von drei 1866 in der Eos 
erschienenen artikeln eine eingehende rechtfertigung seiner in den 
Jahrb. f. philol. und pädag. 1855 bd. 71, p. 59 ff. ausgesprochenen 
ansieht, die schlacht an der Trebia sei an dem linken ufer dieses 
flusses geliefert worden, unter berücksichtigung der seitdem von Gi- 
dionsen (jahrb. 1859 bd. 80, p. 62 f.) und besonders von Peter (stu- 
dien zur röm. gesehichte 2. aufl. 1863, p. 35 ff. and gesehichte Roms 
2. aufl. 1865, p. 347 ff.) vertretenen gegentheiligen anschauung. Der 
urkundliche beweis beruht natürlich auf Polybius; doch findet auch 
Livius, auf dessen bericht die entgegengesetzte annähme fusst, eine 
durchweg billige Würdigung. Nachträglich wird die schrift Hermann 
Müllers: die schlacht an der Trebia, Berlin 1867, im ganzen anerken- 
nend besprochen, jedoch mit mannichfachen einwendungen. — Kai- 
ser Diocletian und seine zeit von Th. Preuss, Leipzig. 1869. Kurzes 
referat: die darstelkmg sei massvoll. 

Heft VI. Beiträge zur erklärung der plautinischen Captivi mit 
besonderer berücksichtigung der ausgäbe von Julius Brix, v. JB. Dom- 
bart ; vorerst wird die Zweckmässigkeit der Brixschen ausgäbe des Tri- 
nummus, der Captivi und der Menaechmi , sowie die der Lorenzschen 
ausgäbe der Mostellaria für jüngere philologen und für schulzwecke 
anerkannt. Hierauf folgt gewissermassen als ergänzung der Brix- 
schen ausgäbe eine reihe von gründlicher kenntniss des plautinischen 
Sprachgebrauchs zeugenden bemerkungen zu einzelnen stellen, un- 
ter besonderer bedachtnahme auf das grammatische und das stilisti- 
sche gebiet, endlich auch eine, in Naegelsbachs sinne „wissenschaftliche" 
Übertragung ins deutsche. Brix hat in der zweiten aufläge diese bei- 
trage sehr benutzt. — Zu Cicero „De Oratore" von Deuerling. Weist 
eine schiefe auffassung in der inhaltsangabe Piderits zu II, c. 1 1 — 15 
nach. Während Piderit meint, Cicero verneine die nothwendigkeit 
besonderer Vorschriften für die geschichtschreibung , so unentbehr- 
lich auch der historische stil für den redner ist, sage er 
umgekehrt, die historiographie erfordere eine ganz beson- 
dere rednerische befähigung. — Die Germania von G. Cornelius 
Tacitus. Uebersetzt von A. Bacmeister. Stuttgart 1868. Lobende an- 
zeige. Diese Übersetzung habe auch nach Doederleins musterübersetzung 
von 1850 ihre volle berechtigung. 

VII. Heft. Zu Tacitus, von Fercl. Schoentag : Ann. 2, 5 wird 
proeliorum vices statt proeliorum vias ; Ann. 2, 9 igitur permissum für 
tum permissu; Ann. 12, 37 parem aeeipere für pacem aeeipere vorgeschla- 
gen ; Ann. 12, 48 wird sivor diversa eingesetzt: „und für den fall, dass 
da Caesar beschliesse" ; Ann. 13, 26 wird mit benutzung anderweiti- 
ger emendationen folgende fassung proponirt: quibusdam coalitam li- 
bertate inreverentiam eo prorupisse frementibus, ut iam non aequo cum 
patronis iure agerent, sed etiam cor am insultarent, ac verberibus 
manus ultro intenderent , impudenter vel poenam suam dissuadentes. 
Hist. 1, 3 wird mit Verwendung von Ernesti's emendation gelesen: su- 



Nr. 1. Auszüge aus Zeitschriften, 77 

premae clarorum virorum necessitates ipsis for titer toleratae; Hist. 3, 
44 wird et Britanniam imbutus erga Vespasianum favor . . . adiunxit 
vorgeschlagen für das handschriftliche indutus und das von andrer seite 
eingesetzte vetus. Agr. 27 wird nach Britanni ein tanquam einge- 
setzt und statt rati gelesen superati, wodurch man des von andern vor 
rati eingesetzten se victos nicht mehr bedürfte ; Agr. 42 wird inter- 
pungirt: proprium humani generis est odisse quem Caesaris, Domitiani 
vero natura praeceps in iram et quo obscurior, eo irrevocabilior : moderatione 
tarnen ac prudentia Agricolae leniebatur. Agr. 43 wird das überlieferte 
nobis nihil comperti afßrmare ausim zu halten versucht durch die auf- 
lösung: nobis aliquid comperti afßrmare non ausim. Dialog. 10 
wird ultro für das verderbte aut vor elegisse personam vorgeschlagen; 
Dialog. 21 wird als immerhin „brauchbar" producirt: nee nunc de 
populo Canuti aut Atti (Arrif) de Furnio et Toranio , quosque ha- 
bitos in eodem valetudinario haec ossa et haec macies probant: und 
ich rede jetzt nicht von den gewöhnlichen nachahmern des Canutius 
oder von Furnius und Toranius , den schülern des Attius und über- 
haupt den leuten, denen man die gleiche hungerkur an ihrer skelett- 
artigen magerkeit ansieht". — Schluss der beitrage zur erklärung 
der plautinischen Captivi u. s.w. von B. Dombart. Beigegeben ist ein 
beachtenswertster versuch , die einzelnen bedeutungen der bei den ko- 
mikern besonders im lebhaften dialog so häufig und mannigfach an- 
gewendeten partikel quidem theoretisch zu scheiden. — Griechisch-deut- 
sches Wörterbuch zu Homer (Crusiussches Wörterbuch) überarbeitet 
von dr Seiler. 7. aufl. angezeigt von Scholl. Giebt etymologisch 
einige beitrage; im übrigen wird diese aufläge als fortschritt bezeich- 
net. — Cornelii Nepotis vitae etc. mit einem wörterbuche von R. 
M. Hosstig. 3te verbess. aufl. Herausgegeben von dr. A. Fr. Aug. 
Eckstein. Leipzig 1867. Empfohlen. 

Heft VIII. lieber grammatische terminologie, von privatdoc. dr. 
Martin Schanz in Würzburg : aus dem alterthum überkommene namen 
seien, wenn auch nachweisbar falsch gebildet, weil einmal gemeingut 
geworden, beizubehalten. Anzubauen und zu pflegen sei die gramma- 
tische terminologie durch die erfüllung folgender forderungen: 1) 
phänomene, die von der fortschreitenden grammatischen Wissenschaft 
an den tag gefördert worden , sind mit passenden namen zu belegen ; 
2) ist die terminologie für eine grammatische erscheinung noch nicht 
fest geworden, d. h. sind mehrere namen im gang, um ein phänomen 
zu kennzeichnen, so ist derjenige name zu wählen, welcher der sache am 
genauesten entspricht ; 3) unnöthige, die aufhebung der einheit einer 
erscheinung hemmende, ferner nichts erklärende termini sind zu be- 
seitigen ; 4) um verschiedene phasen eines grammatischen hauptsatzes 
zu bezeichnen, sind termini zu wählen, welche der form nach möglichst 
gleichartig gebildet sind. Bei der ausführung erhält Krüger das ihm ge- 
bührende lob. Unter den zu vier gegebenen erläuternden beispielen ver- 
dient besonders die bezeichnung medium directum: einer thut etwas an 
sich; medium indirectum: einer thut etwas für sich : medium subiectivum : 
einer thut etwas durch eigene kraft, weitere beachtung. In 3. kommt 
vf. auf die früher so allgemeinen termini ellipse, pleonasmus, enallage 
und die zu grosse hervorhebung eines genit. subjeetivus zurück und 
wünscht beseitigung des terminus copula. Unter 2. spricht er für die aus- 
scheidung der Krügerschen assimilation, für beibehaltung der bezeich- 
nung acc. c. inf. statt des nun vielfach eingeführten inf. c. acc. ; ver- 
langt einführung des genit. c. partieip. (abl. c. part.) statt der soge- 
nannten gen. u. abl. absoluti; ferner ,, verbal diathesen" statt der genera 
des verbums ; endlich statt des Döderleinschen aor. gnomicus den 
Bäumleinschen „aorist der erfahrungswahrheit". Die wörtchen üjg, 



78 Auszöge aus Zeitschriften. Nr. 1. 

ein, xctinsQ bei partieipien mögen „participialindices" heissen statt der 
von Curtius angewendeten bezeichnung „Supplemente der partieipien". 
Unter den erläuterungen zu 1 wird die Thiersch'sche parataxis gebüh- 
rend gerühmt, der Doederleinsche doppelconjunctiv in nescio quid fa- 
ciam (direct quid faciamf ') festgehalten gewünscht, endlich die einfüh- 
rung der vom Verfasser erfundenen benennung „bifurcation der be- 
dingungssätze" für die gegenüberstellung zweier bedingungssätze mit 
parallellaufenden vorder- und nachsätzen proponirt. — Eine philo- 
logische kriegstudie von Zehetmayr. Gibt in humoristisebem gewande 
eine ableitung von os (ora). — Zu den Eclogen des Vergilius, von 
Fleischmann, (vrgl. doppelheft IV und V). VI , 9 und 10 wird si quis 
castus amore leget die Übersetzung von Butters „wenn ein von liebe er- 
griffener dies liest" als die richtige zu erweisen versucht. V. 16 wird 
proeul die bedeutung „in einiger entfernung" durch die annähme ge- 
wahrt, Silen sei tags zuvor trunken in die grotte getaumelt und habe 
dabei den epheukranz verloren; tantum capiti delapsa heisse : obwohl 
nur dem haupte entglitten. V. 33 und 34 wird die Wagnersche er- 
klärung (in der grossen ausgäbe) von orbis mundi als „weltgebäude" 
für die richtige erkannt gegenüber der von Voss angenommenen „hohl- 
kugel von aether", der mit anderer motivirung F orbiger und selbst 
Wagner in der kleinern ausgäbe gefolgt. VII, 4 werden die Arcades 
ambo als der idylle entsprechend gerechtfertigt , der v. 13 erwähnte 
Mincius zu erklären versucht. IX, 21 f. wird tibi und le auf Menal- 
cas bezogen; VII, 69, VIII, 22—24 und 62; IX, 23—25 und X, 44 
wird eine richtigere auffassung angestrebt. 

Heft IX. Zu Curtius Rufus , von Ant. Miller. Widerlegt mit 
sachkenntniss und kritischer schärfe einige Verbesserungsvorschläge 
des landshuter programmes von 1868 zu diesem autor in einer weise, , 
die zugleich für die erklärung der besprochenen stellen neue gesichts- 
punkte gibt. Dabei finden gelegentlich ein paar beachtenswerthe 
conjeeturen platz. Erwähnt sei die wohl motivirte vermuthung, III, 
3, 23 sei hinter regiae pellices CCCLX ein V ausgefallen; V, 1, 23 sei 
statt cum curru zu schreiben cum exercitu; endlich wird III, 2, 15 
statt eibus quem oecupati parant , satiat , vermuthet eibus, quem oecu- 
pa.nt, parat satieiatem. — T. Macci Plauti Truculentus. Cum apparatu 
critico Gruilelnii Studemund et epistola eiusdem de codicis Ambrosiani 
reliquiis edidit illustravit Andreas Spengel. Groettingae 1868 , ange- 
zeigt von B. Dombart. Gelobt mit besonderer hervorhebung der un- 
gewöhnlichen begabung des Verfassers für conjecturalkritik. — Ae- 
schylus Perser erklärt von dr Ludwig Schiller, prof. am gymnasium 
zu Ansbach. Berlin 1869. Angezeigt von dr Iwan Müller. Anerken- 
nende besprechung. Die ausgäbe habe neben der Teuffelschen von 
1866 ihre volle berechtigung. Namentlich wird die durch vieljährige 
beschäftigung mit dem dichter gewonnene Vertrautheit mit demselben, 
besonnenheit, Selbständigkeit und feines urtheil am Verfasser und die 
ökonomische einrichtung der ausgäbe gerühmt. Beigegeben ist eine 
reihe theils ergänzender , theils abweichender bemerkungen. [S. Phi- 
lo! Anz. I, p. 78.] 

Heft X. Telephos. Versuch einer umdichtung der gleichna- 
migen tragödie des Euripides. Mit einleitung und anmerkungen 
von dr Friedrich Beck. Einleitung und anmerkungen sind neu; 
die dichtung selbst ist eine Überarbeitung des im jähre 1858 als 
festschrift auf anlass von Friedrich von Thiersch 50jährigem Jubi- 
läum veröffentlichten dramas. Eine sehr lesenswerthe arbeit. — 
Zu Curtius Rufus von A. Miller. Der Verfasser spricht nachträg- 
lich zu seinem im IX. hefte enthaltenen artikel für IV, 4, 5 die ver- 
muthung aus , es sei statt abripuisse beluam ac molem brevi profecto 



Nr. 1. Auszüge ans Zeitschriften. 79 

ruituram zu lesen accivisse ad molem: quam, brevi — ruituram, wobei 
freilich, die richtigkeit des accivisse dahin gestellt bleiben müsse. — 
Platonische studien von Jos. Steger, prof. am k. k. gymnasium in Salz- 
burg I. Innsbruck. 1869. Im ganzen gelobt. 

Bd. V, Bamb. 1870, heft I: Miller: zu Tacitus: Agric. 29. 39. 11, 
letztere gegen Meiser's ansieht gerichtet, p. 1. — Scholl, miscellen zur 
lateinischen grammatik, forts. p. 5: der accus, c. inf.; die construetion 
von mindere mit doppeltem objeete, memini c. inf. praes., der metony- 
mische plural, werden besprochen. — K. Zettel, über anfang und 
ende von Theoer. Id. IX, p. 11. — Leitfaden in der rhythmik und 
metrik der classischen sprachen für schulen von dr. J. H. Schmidt. 
8. Lpzg. 1869, p. 36: sehr beachtenswerthe besprechung von W. 
Christ, der mit dem Philol. XXX, p. 118 gesagten übereinstimmt: 
unter anerkennung des guten, wie der entwicklung des allgemein 
rhythmischen , wird, nachdem kurz das verhältniss zu Rossbach dar- 
gestellt, mangel an philologischer bildung und willkür in durchfüh- 
rung des die Überlieferung vernachlässigenden Systems des Verfassers 
klar nachgewiesen. Wir warnen also vorschnell das buch in die 
schulen einzuführen. — Ovidius und sein verhältniss zu den Vorgän- 
gern und gleichzeitigen römischen dichtem von A. R. Zingerle. Heft 
1: 8. Insbruck. 1869, p. 42: anzeige von Gross. — Historia miscella. 
Fr. Fyssenhardt recensuit. 8. Berol. 1869, p. 44: gut über den stand 
der sache unterrichtende anzeige von Markhauser; sonst vrgl. Ph. Anz. 
I, p. 152. 

Göttingische gelehrte anzeigen, 1869, st. 45: Wecklein , curae 
epigraphicae cett. 8. Lips. 1869: anz. von W. Dittenberger , der die 
ansieht des verf. ytto und «tc* seien die älteren formen des dat. plur. 
declin. I, tjoi. und tug die Jüngern, erfolgreich bekämpft , die behand- 
lung der casus von vlög tadelt, in der behandlung der subst. auf — 
xli]S einige versehen nachweist, das nomen pr. EvQinnid'tjg von Evgi- 
nidyg ganz trennt und als von iiqtlv und l'nnog zusammengesetzt ansieht 
u. drgl. mehr, sonst aber das ganze unternehmen zweckmässig findet und 
dessen fortsetzung wünscht. — II. Rönsch, Itala und Vulgata cett. 
Leipzig, 1869: s. Ph. Anz. bd. I, p. 248: anzeige von H. E. — St. 
46: J. C. Dahlmann's quellenkunde der deutschen geschichte. 3te aufl. : 
s. Ph. Anz. bd. I, p. 221 : hier sind eine reihe druckfehler verbessert. — Q. 
Horatius Flaccus ex rec. ... R. Bentleii T. I. ed. 3 : s. Ph. Anz. bd. I, p. 129 : 
ein paar ungenauigkeiten werden bemerkt. — St. 47 : A. Trendelen- 
burg, historische beitrage zur philosophie. Bd. III. 8. Berl. 1867: 
hierher gehört nur nr. IX zur Aristotelischen ethik , wogegen p. 1862 
der ref., Teichmüller, einige einwendungen macht. — St. 48: ehstni- 
sche märchen aufgezeichnet von Fr. Kreutzwald. Aus d. ehstnischen 
übersetzt von Fr. Lowe, u. s. w. 8. Halle. 1868: gelehrte anzeige 
von Liebrecht: p. 1899 wird ein russischer könig Porsenna erwähnt. — 
St. 50 : Laurentii Vallae Opuscula tria von J. Vahlen. 8. Wien. 
1869: anzeige von H. S. — St. 52: Annali dell 1 instituto di corri- 
spondenza archeologica v. XL. 8. Rom. 1868 : ausführliche anzeige 
von O. Benndorf, mit vielen eignen bemerkungen, von denen wir be- 
sonders die behandlung des epigramms xov ngh nvXav<; qgwa xrX., dann 
das Callim. Epigr. 24 Mein., die der sog. piombi (dabei Aristoph. Anag. 
fr. 16 Mein.) aufmerksam machen. 

Nachrichten von der königl. gesellsch. der wiss. zu Göttingen, 
1869, nr. 10: H. Sauppe, über die vaticanische handschrift der bücher 
78 und 79 des Cassius Dio: die handschrift aus s. V stammend wird 
in höchst lehrreicher weise beschrieben und für b. 78 eine reihe frü- 
her übersehener lesarten mitgetheilt und für die herstellung des fes- 
tes benutzt. — Nr. 19: Fr. Wieseler, ISTarcissus in neuentdeckten 



80 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 1. 

kunstdarstellungen. — Nr. 20 : Wieseler, über den Zuwachs der Samm- 
lungen des archäologisch - numismatischen instituts der Georg-August- 
Universität seit dem jähre 1859. — Nr. 21 : Th. Benfey , altbactrisch 
yaozhdä = sanskritisch yaud oder yout, beide beruhend auf einer 
grundfrom yavas-dhd : und altbactrisch yoazdaya = lateinisch jousbe, 
Joubere, jübere, beruhend auf einer grundform yavas-dhd mit affix aya. 
1870 Anzeigen st. 1 : C. Julii Caesaris commentarii de bellis gall. 
et civili, aliorum de bellis alexandrino, afric. et hispaniensi. Annota- 
tione critica instruxit Fr. Duebner. 2 T. 8. Paris 1867: wichtige 
anzeige von Dittenberger , über die bereicherung des kritischen appa- 
rats, namentlich für Bellum civile, den werth der handschriften und 
deren besonnene verwerthung durch Dübner eingehend berichtend. — 
St. 2: die phönikische spräche. Entwurf einer grammatik nebst 
sprach- und Schriftproben. Mit einem anhang, enthaltend eine er- 
klärung der punischen stellen im Poenulus des Plautus. Von Paul 
Schröder. Mit 22 tafeln. Halle. 1869 : II. E. sucht nachzuweisen, wie 
dem vf. wichtige Vorbedingungen zur lösung seiner aufgäbe fehlen. — 
St. 3: XQijßfiol Gißvkfoaxoi. Oracula Sibyllina. Editio altera ex priore 
ampliore contracta , integra tarnen et passim aucta, multisque locis 
retractata, curante C. Alexandre. 8. Paris. 1869: anz. von H. JE., 
die das gute in der ausgäbe anerkennend, doch des verfehlten viel 
sowohl in behandlung der einzelnen lieder als auch der einzelnen 
verse nachweist: vrgl. auch Philol. XV, p. 317. XXVIII, p. 577. — 
St. 7: Hyperidis orationes quatuor cum ceterarum fragmentis ed. Fr. 
Blass. 8. Lips. 1869 : eingehende recension von H. Sauppe : es wird 
zuerst das von Blass aus der neuern literatur übersehene nachgetra- 
gen, dann auf die beschaffenheit der handschriften eingegangen, dar- 
auf bemerkungen zu dem leben des Hyperides, zu dem inhalt der ein- 
zelnen reden — wobei auf das orakel des Amphiaraos näher einge- 
gangen wird — gemacht und dann eine bedeutende anzahl von stellen 
aus den reden kritisch und exegetisch behandelt. — Bulletin de 
l'ecole francaise d'Athenes. Topographie, archeologie, linguistique. 
Annonces et nouvelles. Nr. 1 — 8. Juillet — Decembre. 1869: Athenes : 
anzeige von O. Benndorf, der zuerst auf die grosse bedeutung dieser 
Zeitschrift aufmerksam macht, dann näher bespricht eine abhandlung 
von Foucart über den Peloponnes, in der zwölf unedirte inschriften aus 
Megara, Epidauros, Argos, Mantinea , Tegea mitgetheilt sind , die aus 
Megara bezieht sich auf Praxiteles ; ferner eine abhandlung von Ch. 
Bigot über statuen, büsten und reliefs im heutigen Theben , nament- 
lich für Herakles und die sitte die todten als heroen zu verehren in- 
teressant, eine von A. Dumont über ein neu aufgefundenes richtertä- 
felchen, über das referent sich genauer auslässt, auch auf deinen und 
phylen kommt und ausführlich Arist. Plut. 1166. 67 bespricht : weiter 
Burnouf über Panagia Kandele in Athen gegen Aug. Momms. Ath. 
Christ, no. 54; endlich Fug. Piot, der von sechs statuen, die bis jetzt 
für Silene gehalten sind (vrgl. Philol. XXVII, p. 222), vermuthet, dass 
sie im hintergrunde der bühne des theaters in Athen aufgestellt ge- 
wesen seien: ref. hält dies für plausibel, wagt aber noch kein siche- 
res urtheil. Endlich leucadische inschriften, ab und an auch lingui- 
stische bemerkungen, wie Burnouf VI , p. 91 über dcyodskog, I fin. 
über xifißil und ftala /uctia. 

Druckfehler. 

o. lies eine statt eine 
„ „ Abucrarense statt Abucranense 
„ „ Übung statt bildung 



p. 


17 z. 23 


p. 


18 z. 25 


p. 


22 z. 8 



tfr. 2. Februar 1870. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als erganzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



46. Auli Grellii quae ad ius pertinent capita quattuor (lib. IV 
cap. 1 — 4) emendata et adnotata a Martino Hertz. — Index 
lectionum in univ. litt. Vratislav. p. hiem. a. 1868. — 20 p. 4°. 

47. Ad capita duo G-elliana (1. IV c. 1. 4) animadversiones 
scripsit Theodor us Mommsen. (Diese schrift bildet no. 4 
der symbolae Bethraanno Hollweg io oblatae. Berolini apud 
Weidmannos 1868. 8°. p. 83—99.) 

Mit der ersten schrift giebt Hertz eine probe seiner lange 
vorbereiteten .und mit lebhaftem interesse erwarteten grossen 
ausgäbe des Gellius. Auf den text der angegebenen vier ka- 
pitel, der von dem text der kleinen ausgäbe vielfach abweicht, 
folgt eine reiche adnotatio (p. 9 — 20) , und zwar nicht nur kri- 
tischer , sondern auch sachlich erläuternder art. Was zunächst 
die abweichungen des textes anbetrifft, so stelle ich beispiels- 
halber einige der im ersten kapitel uns begegnenden zusammen. 
§. 1 clitioT — eruditior ; §. 5 si nemo id non nimis barbare fece- 
rimus — si modo id n. n. b. fecerim; §. 12 mortale — animal 
mortale; §. 17 patrisfamilias \aut matrisf.] — patrisf.; ib. circum eum 
— c. eos; §. 20 eins forme rei — non eius f. r.; §. 23 in locis, 
esse ea — in locis essent , ea. — Dieses vom penus handelnde 
kapitel hat Mommsen in der zweitgenannten abhandlung ein- 
gehend besprochen und mit hülfe des pandektentitels 33, 9 : 
de penu legato , namentlich der 1. 3 aus Ulpians lib. XXI ad 
Sabinum, an mehreren stellen emendirt und ergänzt. Das vierte, 
von den sponsalia des latiuischen rechts handelnde kapitel ist 
von Mommsen nur kurz und gewissermassen nur anhangs- 
weise besprochen, hat aber nichts desto weniger eine wesentliche 
Verbesserung erfahren. 

Philol. Anz. II 6 



82 46. 47, Aulus Gellius. Nr. 2. 

Der von Gellius cap. 1. §. 17 mitgetheilte auszug aus 
einer ungenannten schrift des Q. Scaevola ist, wie ein ver- 
gleich mit 1. 3 ctt. ergiebt, aus lib. 1£ iuris civilis entnommen. 
Die stelle ist jedoch sehr verdorben; insbesondere deuten, wie 
Mommsen erkannt hat, die jetzt unbegreiflichen worte: ut Mu- 
cius ait auf eine lücke im vorhergehenden. Dieselbe wird von 
Mommsen so ergänzt: paratum est. [Sed improbasse haec Ser. 
Sulpicium, qui: 'At non omne 1 , inquit , 'quod esus potusque causa 
paratum est,] ut Mucius ait, penus videri debet. 

Statt der form poculentum , die Hertz giebt, haben die 
handschriften posculentum oder postulentum. Hiernach ist Momm- 
sen geneigt, zwei formen anzunehmen, nämlich posculentum und 
potulentum , dagegen die dritte poculentum auf nachlässigkeit der 
abschreiber zurückzuführen. 

§. 20, dessen schluss bei Hertz so lautet: quod esset 
non eius ferme rei causa comparatum , verbessert Mommsen mit 
Canncgieter Obs. 1, 2 p. 11 in: quod esset eius familiae causa 
comparatum. Das von Hertz jetzt aufgenommene non fehlt im 
Parisinus. 

Der für den rechtshistoriker besonders interessante auszug 
aus des Servius Sulpicius liber de dotibus, den Gellius cap. 4. 
mittheilt, wartete noch immer seiner herstellung. Der offenbar 
corrupte satz : Qui uxorem ducturus erat, ab eo unde ducenda erat, 
stipulabatur , eam in matrimonium daturum ; ductum tri, qui ductu- 
rus erat, itidem spondebat, wird jetzt von Mommsen, wie es mir 
scheint , auf das glücklichste so geheilt : . . . stipulabatur eam in 
matrimonium \datum iri; qui daturus erat , id eidem spondebat. 
Item qui uxorem daturus erat, ab eo cui eam daturus erat, stipula- 
batur eam in matrimonium \ ductum iri ; qui ducturus erat, id eidem 
spondebat. 

Wenn dagegen Mommsen die worte iudices cognoscebant 
wegen der folgenden : Iudex . . . quaerebat als interpolirt tilgen 
will, so möchte das doch nicht ohne bedenken sein. Iudex unus 
liberae rei publicae , so bemerkt Mommsen gegen Hu s c h k e, 
der jene worte gleichfalls conserviren will, non est pedaneus sae- 
culi labentis, qui de minoribus tantum statuere possit, neque de qua 
alia iudicii forma, magis sollemni cogitare potuerit Servius, equi- 
dem perspicio. Aber man darf doch wohl an die decemviri 



Nr. 2. 46. 47. Aulu3 Gellius. 83 

litibus iudicandis erinnern. Oder warum sollte es nicht auch 
ausser Rom ein solches rechtscollegium gegeben haben? 

Die adnotatio bei Hertz, an der fleiss und Sorgfalt zu 
rühmen ist, erregt im übrigen grosse bedenken. Zunächst er- 
scheint es sehr fraglich, ob die nachweisung von parallelstellen 
und erläuterungen bei neuern Schriftstellern in eine ausgäbe, wie 
die projectirte ist , gehört. Jedenfalls geht Hertz weit über 
das mass der Zweckmässigkeit hinaus. Was sollen z. b. citate, 
wie sie zu cap. 1 v. 4 über penus oder zu cap. 3 v. 5 über die 
actio et cautiones rei uxoriae gegeben sind ? Was namentlich die 
anführung der neuem rechtsliteratur anbetrifft, so finden wir für 
denselben punkt Savigny's system und Puchtas Institutionen, 
Walters und Rudorffs rechtsgeschichte , Kellers und Bethmann- 
Hollwegs civilprocess , Bechmanns dotalrecht u. s. w. genannt. 
Ja selbst Windscheids pandekten und französische monographien 
über lehren des heutigen rechts begegnen uns, dem philologen 
meist ohne nutzen, dem Juristen zum überfluss. 

Meines erachtens hätte der herausgeber sich auf die angäbe 
der wichtigsten parallelstellen aus der alten literatur zu be- 
schränken und diese notizen von den kritischen bemerkungen 
zu trennen, während diese jetzt mit den andern citaten in bun- 
tem gemisch zusammengeworfen sind. Endlich ist für die aus- 
gäbe selbst ein übersichtlicherer druck der adnotatio durchaus 
erforderlich. 

48. Hymnographie de l'eglise grecque, dissertation aecom- 
pagnee des offices du XVI janvier, des XXIX et XXX juin. 
Par J. B. Pitra. Rome 1867. SS. 88 u. CLIX in 4°. — 
2 Thlr. 

Der inhalt dieses buches steht nur in seinem kleineren 
theil den aufgaben der philologie fern, der haupttheil verspricht 
die wichtigsten aufschlüsse über fragen zu bieten , die jetzt mit 
besonderem eifer und auch mit besonderer heftigkeit von uns 
philologen in Deutschland verhandelt werden. Zunächst gibt 
nämlich der berühmte Verfasser mit jener ausgebreiteten kennt- 
niss , die wir in seinen grösseren werken zu finden gewohnt 
sind, eine geschichtliche entwickluug der hymnographie der grie- 
chischen kirche. Diese spielte aber nicht bloss eine hauptrolle 
in dem geistigen leben des byzantinischen reiches, sie ging auch 

6* 



84 48. Hymnographie. Nr. 2. 

in ihren anfangen wenigstens zum theil auf die formen der clas- 
sischen poesie der Griechen zurück. Manche der verbindenden 
fäden sind geschickt dargelegt , eine weitgreifendere schlussfol- 
gerung kann erst auf einer richtigeren erkenntniss der rhyth- 
mischen formen jener christlichen poesie aufgebaut werden. Jene 
formen mussten bisher allen verborgen bleiben, welche die grie- 
chischen hymnen in der Aldina der Poetae veteres christiani oder 
in dem Thesaurus hymnologicus von Daniel zu lesen gewohnt 
waren. Denn in jenen ausgaben sind wohl die lieder in verse 
geschrieben, die verse selbst aber so verkehrt abgetheilt, dass 
das verständniss des metrischen schema durch hundert Schwie- 
rigkeiten wie verrammelt ist. Kein wunder also, dass man einen 
auf mangelhafter kenntniss beruhenden artikel des Suidas , wo- 
nach der gefeierteste der griechischen meloden , Joannes Da- 
mascenus , eiuen theil seiner hymnen xuTaloyddijv geschrieben 
haben soll, begierig aufgriff und an der feststellung einer stren- 
gen metrischen form verzweifelte. Diese ältere meinung ist nun 
durch die abhandlung Pitra's entschieden und auf immer be- 
seitigt. Der gelehrte cardinal hat nämlich für seine Untersu- 
chungen alte handschriften , besonders alte pergamentblätter aus 
dem s. VIII in St. Petersburg und einen wichtigen codex Cor- 
sinianus aus s. XI benutzt und in denselben die einzelnen verse 
consequent durch punkte oder sterne von einander geschieden 
gefunden. Nach diesen abtheilungen gibt er die aufgenommenen 
lieder, bei deren auswahl leider ein engherziger gesichtspunkt 
massgebend war. Da nämlich der cardinal das buch dem papste 
widmete, so nahm er nur solche hymnen auf, die auf den apo- 
stelfürsten Petrus bezug haben. Durch die richtige verstheilung 
nun auf grund der handschriften hat sich Pitra ein wesentliches 
verdienst um die Wissenschaft erworben; der erste ist er indess 
nicht, der eine richtige grundlage der metrischen composition 
aufstellte. Nicht bloss finden sich in einigen der ältesten aus- 
gaben griechischer kirchenlieder , was Pitra nicht entgangen ist, 
die punkte der handschriften wenn auch ungenügend wiederge- 
geben, und nicht bloss hat auch schon Mone in bd. II der la- 
teinischen hymnen des mittelalters einige wenige griechische 
hymnen aus Venetianer handschriften mit richtiger verstheilung 
gegeben, auch der verdienstvolle neueste bearbeiter der menäen, 
Buq9oko^aTog Kovrlov/novcnarog hat die abtheilung der kola 



Nr. 2. 48. Hymnogrnphie. 85 

nicht unbeachtet gelassen. Es thut nämlich der cardinal dem 
gelehrten Griechen unrecht, wenn er p. 67 von ihm bemerkt: 
cet editeur ajoute le tort grave de faire entierement disparaitre l'an- 
cienne ponctuation des premieres editions, qui en reproduisant meme 
imparfait&ment les signes metriques des manuscrits , conservaient wie 
trace de la stichologie primitive. Der griechische herausgeber hat 
nämlich, was einem aufmerksamen leser nicht entgehen kann, 
die alte trennungsweise nicht aufgehoben , er hat nur an die 
stelle der punkte kleine kommata gesetzt; aber da die kola des 
sinnes und des rhytkmus nicht immer zusammenfallen, so ent- 
stehen durch jene Unterscheidungszeichen häufige Störungen, und 
der römische herausgeber hat daher wohl daran gethan die ein- 
zelnen verse in einzelne zeilen zu schreiben; er hat sodann 
das weitere verdienst diese theilung auf grund der ältesten und 
besten handschriften vorgenommen zu haben. 

Nachdem nun so die ursprünglichen verse richtig herge- 
stellt sind, lässt sich über die form derselben eine vernünftige 
Untersuchung führen. Dieser punkt bildet denn auch einen 
hauptgegenstaud der abhandlung Pitra's. Seine schlusssätze ge- 
hen dahin, dass die griechischen dichter des christlichen mittel- 
alters nur syllabische verse gedichtet , das heisst mit andern 
worten nur auf gleichheit der sylbenzahl in den sich entspre- 
chenden versen gesehen haben. Dass nun in der that dieser 
gesichtspunkt bei den Griechen mit massgebend war, ist eine 
unbestreitbare thatsache, man braucht nur die troparien oder 
Strophen, die nach der gleichen melodie oder dem gleichen eig - 
fjbhf gedichtet sind, mit einander zu vergleichen, um sich von 
der Wahrheit des satzes zu überzeugen. Desshalb wird man 
aber noch nicht mit Pitra annehmen dürfen , dass diese form 
von dem meloden gewählt worden sei, um die heiligen lieder 
vor entstellungen und Zusätzen sicher zu stellen ; der grund der 
gleichen sylbenzahl ist vielmehr ein viel einfacherer , er hängt 
mit der gleichen melodie zusammen , die in einer aus einem 
codex Barberinus p. 32 mitgetheilten stelle des grammatikers 
Theodosius nach byzantinischem und neugriechischem Sprachge- 
brauch mit Gxoirog bezeichnet ist, welches wort Pitra nicht mit 
i but' wiedergeben durfte. Spielte nun aber auch die gleiche syl- 
benzahl bei den christlichen meloden eine wichtige rolle, so 
wäre es doch höchst auffällig, wenn dieselben durch gar keine 



86 48. Hymnographie. Nr. 2. 

weiteren gesetze den versbau geregelt hätten, denn dann hätten 
die Griechen des mittelalters ganz und gar das tactgefühl ver- 
loren, das den versen der alten Griechen ihren namen gab, dann 
wäre dem sänger von dem dichter gar keine andeutung gege- 
ben worden, ob er in den einzelnen fällen einem aufsteigenden 
oder fallenden rhythmus folgen, ob einen gemessenen oder ei- 
lenden gang einschlagen solle. Indem ich also nach weiteren 
Übereinstimmungen in den sich entsprechenden versen suchte, 
fand ich bald , dass die unterschiede zwischen iamben und tro- 
chäen, dactylen oder anapästen, welche die alten durch die quan- 
tität bezeichnet hatten, von den christlichen liederdichtern der 
morgenländischen wie abendländischen kirche durch den accent 
ausgeprägt worden seien. Nicht überall ist dieses sachverhält- 
niss auf den ersten blick einleuchtend; aber man vergleiche nur 
folgende sich entsprechende verse (p. CII): 

jtsigaGfjivTg TtoXviqÖTtoig xvxXovjjsvoi. 

't-vvioqig dnoGzoXwv vitiqXafjhnqog. 

tu TiQogovia ö JTiigog nqoGidqafisr. 

VTIBQ rwv olxtTwv Gov a\6%tVT£, 

und man wird den einfluss des accentes ixnd den dadurch be- 
stimmten anapästischen rhythmus nicht verkennen. Zur bestä- 
tigung dieser Wahrnehmung dient dann noch die bereits oben 
angedeutete stelle des Theodosius, der aber von dem bekannten 
Theodosius von Alexandria verschieden ist , in der ausdrücklich 
neben der gleichheit der sylbenzabl auch die Übereinstimmung 
in der betonung hervorgehoben ist: iciv ng 9-ifoj 7ioir\Gui xavova, 
Ttgwxov 6t7 /usXiGui top elg/tiov, bItu inayaysTv tu tqottuqiu Igo- 

GvlkaßoVt'TU XUl OfAOTOVOVVTCt TM HQfJO) XOl TOV GXOJIOV UTTOÜW- 

£ovtu (vgl. Beda p. 2380 Pu. und F. Wolf über die Lais Seq. 
u. Leiche s. 83 f.). Jedermann sieht, welch grosse tragweite 
die erkenntniss dieses Verhältnisses für die emendation verderb- 
ter stellen und die feststellung der rhythmischen formen der 
griechischen gesänge des mittelalters hat. Indem ich mir die 
beleuchtung dieses punktes für andere gelegenheiten vorbehalte, 
richte ich noch an cardinal Pitra die bitte, doch recht- bald durch 
herausgäbe sämmtücher öden des Romanos aus den zwei von 
ihm aufgedeckten manuscripten sich ein neues verdienst um die- 
sen zweig der literatur zu erwerben. W. Christ. 



Nr. 2. 49. Geographie. 87 

49. Dicuili liber de mensura orbis terrae a Gustavo Par- 
they recognitus. Berolini in aedibus Friderici Nicolai (A. Ef- 
fert et L. Lindtner). 1870. 8. SS. XV. u. 96. — 25 gr. 

Die vorliegende ausgäbe ist in derselben art und weise ge- 
arbeitet, wie z. b. die ausgäbe des Anonymus Kavenuas von 
Pinder und Parthey. Es ist der test gegeben und unter dem- 
selben der kritische apparat. Die vorrede bringt in kurzen, be- 
zeichnenden zügen einige erklärungen. Das werk ist den ma- 
nen Letronne's gewidmet. Und das ist mit recht geschehen, 
wie ref. gleich ausführen wird. 

Die schritt des Dicuil ist deswegen interessant . weil sie die 
einzige geographische arbeit aus der zeit der Carolinger ist und 
weil sie uns einen blick in das leben und treiben der irischen 
mönche eröffnet. Gerne hätten wir vom verf. etwas näheres 
über Dicuil selbst und über die Studien in den bancors gelesen, 
doch leider giebt er nur ganz kurz an, dass das werk 825 von 
Dicuil, einem irischen mönche, verfasst sei. Wir sind also wie- 
der — falls wir näheres erfahren wollen — aiif die hie und 
da zerstreuten nachrichten hingewiesen. Wir finden diese in 
Bährs literaturgesch. der Carolinger zeit p. 374 und in dem artikel 
Dicuil in Ersch und Grubers encyclopädie. Dann ist vieles in 
den beiden früheren ausgaben des autors gesammelt. Die erste 
ausgäbe ist von Walckenaer Paris 1807. Grade damals hatte 
Bredow eine ausgäbe druckfertig. Betrübt darüber, dass man ihm 
zuvorgekommen hat er seine arbeit nicht edirt. Welche handschrif- 
ten er benutzt hat, weiss ref. nicht. Italiänische gelehrte in Mai 
land und Venedig haben sich zur zeit Walckenaers auch mit die- 
sem autor beschäftigt. Die vorrede Walckenaers giebt interes- 
sante details über Dicuilstudien. Dieser gelehrte hat einen com- 
mentar zwar geschrieben, aber mit dem werke nicht edirt; er 
sagt in der vorrede p. 10: quem scripseram commentarium Dicuili 
libro adsciscendum nolui; hunc solum prius doctis legendurn imo vel- 
licandum tradidi quam illum .emitterem. Nach Walckenaer edirte 
den Dicuil A. Letronne. Parthey giebt an, das sei im j. 1811 
geschehen^ ich weiss nicht, ob das ein druckfehler ist oder 
worauf die angäbe beruht. Die mir vorliegende ausgäbe ist im 
j. 1814 erschienen und ebenso alle die, welche ich in händen 
gehabt. Letronne war von Napoleon dazu bestimmt worden 
den Plinius zu ediren und im verlauf dieser Studien kam er 



88 49. Geographie. Nr. 2. 

zum Dicuil. Gleich im avertissement widerspricht Letroune un- 
serm herausgeber ; Letronne behauptet , Walckenaer habe zwei 
pariser Codices benutzt; Parthey giebt nur einen an. 

Parthey rühmt mit recht die arbeit Letronne's. Da davon 
aber nur 500 exemplare gedruckt und jetzt lange verkauft wor- 
den sind, so war eine neue ausgäbe wünschenswerth, bei wel- 
cher Parthey noch einen früher nicht benutzten codex in Dres- 
den verglich. Dieser codex ist um das jähr 1000 geschrieben, 
aus dem s. X. ist der codex Parisiensis imperialis 4806 , den 
Walckenaer und Letronne benutzt haben, aus dem s. XV. stammt 
der codex Venetus Marcianus, cl. X cod. LXXXVIII. Auch 
diesen hat Letronne eingesehen. Die beiden letztgenannten 
handschriften hat Parthey von neuem vergleichen lassen. Die 
übrigen noch vorhandenen neun handschriften sind von unterge- 
ordnetem werthe. Parthey ist meist zu den lesarten der Codices 
zurückgekehrt und ebenso zu der Schreibweise derselben, nur sehr 
selten gestattet er sich eine conjectur; er nimmt selbst die von 
Letronne gemachten conjecturen nicht an , welche sehr treffend 
erscheinen. So schreibt Parthey Armoenia , Letronne Armenia, 
so Parthey Athlas , Letronne Atlas. Dagegen giebt Parthey p. 
12 z. 2 Boristhene und sagt in der anmerkung : sie dedi, boris- 
tene codd; Borysthene Letr. S. 8 steht bei Parthey nach den 
cod.: Italia finitur ab Oriente mare Ponto, ab oeeidente Alpibtts et 

flumine Taro; bei Letr. mari Jonio et flumine Varo, 

beides conjicirt. 

So sehr man es billigen muss, dass eine ausgäbe genau nach 
den codd. gemacht wird, so sehr wird man bei diesem autor das 
bedürfniss fühlen nicht nur kritischen apparat zu erhalten, sondern 
auch erklärende anmerkungen. Denn ohne dieselben wird bei 
einem so verderbten texte wie der vorliegende und bei einem 
solchen Sammelwerke das verständniss fast unmöglich. . 

In der vorrede giebt Parthey die schriftsteiler an, aus de- 
nen Dicuil geschöpft hat-, leider lässt er uns so manche frage 
unbeantwortet , welche wir von einer solchen autorität gelöst 
wünschten. Das gebotene erweckt in uns nur die begierde nach 
einem mehr. Wir hätten so gerne gehört, wie der autor seine 
quellen benutzt hat, welchen er vorzugsweise gefolgt ist und 
ob er nach bestimmten prineipien excerpirt hat? Parthey giebt 
etwas darüber in der vorrede, aber doch nicht genug. So hat- 



Nr. 2. 50. Aegypten. 89 

ten wir auch gerne noch näheres über die arbeiten der missi 
des Theodosius gehört und namentlich darüber, welcher Sedalius 
wohl von Dicuil gemeint sei, ob der ältere oder jüngere. Diese 
frage scheint uns auf das engste mit der ersteren zusammen- 
zuhängen. R. F. 

50. Resultate der auf befehl sr. majestät des königs Wil- 
helm I. von Preussen im sommer 1868 nach Aegypten entsen- 
deten archäologisch-photographischen expedition, herausgegeben 
von dr. Johannes Dümichen. Theil I. Inhalt: 1. Vorwort 
und einige erläuterungen zu den mitgetheilten darstellungen und 
inschriften, vom herausgeber. 2. Ueber das Seewesen der al- 
ten Aegypter, von Bernhard Graser. 3. Einige bemerkun- 
gen zu den mitgetheilten thierdarstellungen, von Robert Hart- 
mann. 4. 57 Tafeln (45 einfache u. 12 doppeltafeln) bildli- 
che darstellungen und inschriften, nach copien des herausgebers. 
Fol. Berlin. Alex. Duncker. 1869. — 25 thlr. 

Im vorwort giebt Dümichen erläuterungen zu den auf 57 
tafeln prachtvoll veröffentlichten darstellungen von inschriften 
und planen alt-ägyptischer bauwerke , von sculpturen, maiereien 
u. s. w., welche sich auf die reise selbst und ihren verlauf, 
auf die fundorte u. drgl. beziehen, p. I — IV ; darauf folgt Gra- 
ser's abhandlung, p. 1 — 27, derentwegen wir glaubten, das werk 
hier anzeigen zu müssen. Nach allgemeinen bemerkungen über 
den einfluss Aegyptens auf die andern Völker des alterthums, 
über die art der für die vorliegende arbeit jetzt vorhandenen 
quellen, p. 1, vgl. p. 17. 23, deren treue und sonstige eigen- 
thümlichkeit, wie dass unter den 143 auf tafeln sich befindenden 
darstellungen von schiffen -bei weitem die meisten fluss-, die we- 
nigsten Seeschiffe geben , jedoch ohne dass daraus der Untersu- 
chung über letztere schaden erwüchse, indem der typus des See- 
schiffs sich aus dem des flussschiffes entwickelt hat — bespricht 
Graser die bei der beschreibung der ägyptischen schiffe von 
ihm befolgte methode: er benutzt nämlich dazu die griechischen 
kunstausdrücke , was den grossen vortheil hat , dass durch 
diese beschreibung zugleich eine grosse besonders uns landbewoh- 
nern höchst erwünschte anschaulichkeit für das griechische schiff 
und schiffswesen entsteht, wie das z. b. das p. 6 über die homeri- 
sche loTodoxrj bemerkte zeigen kann, p. 1 — 3. Darauf folgt p. 



90 50. 51. Aegypten. Nr. 2. 

3 — 23 die Schilderung des alten Seewesens selbst und zwar von 
3000 a. Chr. an: welche details aus diesen zeiten uns jetzt be- 
kannt werden, mag das p. 24 mitgetheilte ägyptische kommando 
„rüder an steuerbord" lehren. Es benutzt aber der verf. ausser 
dem oben angegebenen werke für diesen seinen gegenständ noch 
ein anderes auch in das englische übersetztes werk Dümichen's, 
dessen titel, obgleich er etwas lang ist, wir hier angeben wollen: 

51. Die flotte einer ägyptischen königin aus dem XVH. 
Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, und altägyptisches militär 
in festlichem aufzuge , auf einem monumente aus derselben zeit 
abgebildet; beides zum ersten male veröffentlicht nach einer 
vom herausgeber im Terrassentempel von Der-el-bacheri ge- 
nommenen copie, mit theilweiser reconstruction; nebst einem 
anhange, enthaltend die unterhalb der flotte als ornament ange- 
brachten fische des rothen meers in der originalgrösse des denk- 
mals, eine chronologisch geordnete anzahl von abbildungen alt- 
ägyptischer schiffe und einige darstellungen und inschriften aus 
tempeln und gräbern , die auf das vorstehende bezug haben. 
Als ein beitrag zur geschichte der schifffahrt und des handeis 
im alterthum herausgegeben von dr. Johannes Dümicheu. 
Inhalt: I. vorwort, in welchem ein bericht über die vom Ver- 
fasser in den jähren 1862—65 zum Studium der monumente 
durch Aegypten, Nubien und den Sudan unternommene reise 
gegeben wird. II. Uebersetzung und erläuteruugen zu den mit- 
getheilten darstellungen und inschriften. III. 33 lithographi- 
sche tafeln. Grösstes imp.-fol. Leipzig, J. C. Hinrichs. 1868. 
— 37 thlr. 

Es ist nun nach Graser's Untersuchungen das ägyptische 
schiff im dritten Jahrtausend v. Chr. von sehr einfacher con- 
struction und dem griechischen bei Homer gleich (p. 3); eigeu- 
thümlich ist aber unter anderm die benutzung der papyrus- 
staude , indem mau die bordwand bestimmter boote aus ihr bil- 
dete : dies führt p. 9 auf genauere bespi echung von Plutarch 
ls. et Osir. c. 18, Plin. NH. XIII, 22. V, 10. VI, 24, wie 
denn p. 12 namentlich wegen der Zimmerarbeit Herod. II, 96 
ausführlich behandelt wird : dabei erinnere ich an Brieger im 
Philol. XXX, p. 193 flgg. Diese uns jetzt als älteste bekannte 
epoche dauert bis 2100 v.Chr., sodass in dieser ganzen zeit von 
3000—2100 v. Chr. im Schiffsbau sich kein wesentlicher fort- 



Nr. 2. 50. 51. Aegypten. . 91 

schritt zeigt: da aber, um 2100 v. Chr., nimmt mau einen sol- 
chen und zwar einen ungemein bedeutenden wahr, vermittelst 
dessen der alte ägyptische Schiffsbau dann in der XVII. dyna- 
stie, im siebenzehuten Jahrhundert v. Chr. unter der königin Ra- 
raaka-Hatscheptu, der gemahlin des Thutmosis, die später allein 
regierte, seine höchste stufe erreicht, p. 17, vgl. p. 23. 24; da- 
gegen zeigt sich unter Ramses III im dreizehnten Jahrhundert 
v. Chr., XX. dyuastie, schon der verfall, p. 23. Es sind das 
erscheinungen, welche auch die neuern Zeiten bieten: man denke 
sich ein schiff des entdeckeis neuer weiten, des Columbus und 
daneben ein panzerschiff , wie den Wilhelm I: sollte man glau- 
ben , dass nur wenige Jahrhunderte solchen f ortschritt hätten 
zeitigen können? Jedoch wiederholt sich dasselbe, lange schein- 
bare ruhe und plötzlicher aufschwung, auch auf andern gebieten 
der kunst und Wissenschaft: welche lange zeit liegt verhältniss- 
massig zwischen Homer und Archilochos und wie bleibt doch 
die poesie auf demselben flecke in ihr: welche ungeahndte bewe- 
gung bringt dagegen der erfinder der epodos in die griechische 
poesie und musik und wie rasch schreitet sie von einer grossar- 
tigen, in sich vollendeten gattung zur andern! Nachdem aber 
auf den ägyptischen Schiffsbau im dreizehnten Jahrhundert ein 
blick geworfen , p. 23 , auch die spätere zeit kurz erwähnt ist» 
schliesst die abhandlung mit einer tabellarischen Übersicht der 
epochen, p. 25 , einem index über die erwähnten tafeln Dümi- 
chen's . einem zweiten über die besondern technischen einrich- 
tungen auf den ägyptischen schiffen p. 26, und einer erklärung 
technischer seeausdrücke, p. 27: wir wünschen, durch diese kurze 
anzeige die philologen auf diese neue leistung Graser's auf- 
merksam zu machen ; sind durch sie doch auch praktische See- 
männer zur schriftstellerei über die gescbichte des Seewesens 
veranlasst, wie der corvettenkapitain Werner, s. Daheim 1869, 
n. 49, p. 777. 

Zum schluss noch ein paar bemerkungen allgemeiner art. 
Man kann jetzt nicht mehr wie früher die marine des alter- 
thums so behandeln als ob das „antike schiff", wie man zu sagen 
pflegte, nur einen einzigen immer feststehenden typus gehabt hätte, 
Gras. p. 2, wir kennen vielmehr jetzt die entwicklungsstufen des 
Schiffsbaus von 3000 v. Chr. an und sehen da wieder, wie das 
genie der Griechen alle andern Völker überflügelt und so grosses 



92 50. 51. Aegypten. Nr. 2. 

geleistet hat, dass dadurch nicht allein die Born er (vgl. Philol. 
XIX, p. 564) zurücktreten, sondern ihre leistungen jetzt noch 
immer die bewunderung der kenner erregen und streben zu neuen 
erfindungen im Wetteifer mit ihnen entzünden. Aber um, wie es 
scheint, die Griechen nicht noch nach ihrem Untergang zur über- 
hebung zu bringen, tritt, so wie die kenntniss von der kultur 
des uralten Aegyptens etwas sicherer aus ihrem nebel auftaucht, 
das streben hervor, die Aegypter als die, von denen die Grie- 
chen ohne weiteres ihre ideen entlehnt hätten, hinzustellen, Grä- 
ser p. 1. Daher ist wohl nicht überflüssig darauf hinzuweisen, 
wie schwer der beweis für einen so bestimmenden einfluss eines 
Volkes auf das andre in ältester zeit zu führen ist. Bei der 
allgemeinen mitgift der menschen, bei der vielerwärts bestehen- 
den gleiehheit äusserer wie innerer bedingungen, unter denen 
verschiedene Völker sich bilden, kann ein einzelner bei Aegyptern 
und Griechen gleicher gedanke eben so wenig eine entlehnung 
auf seiten der letzteren beweisen , als die gleiehheit einer be- 
stimmten art wanten (xulot Icxov) auf den schiffen am Unter- 
rhein mit denen der ägyptischen flussschiffe (Gras. p. 24) Zu- 
sammenhang zwischen den Bheinländern und uralten Aegyptern. 
Vielmehr muss , soll Zusammenhang, entlehnung zwischen zwei 
Völkern als nachgewiesen gelten, eine ganze reihe in sich zu- 
sammenhängender gedanken und folgerungen als eine bei dem 
einen naturgemäss entstandene nachgewiesen seyn , bei dem an- 
dern aber, dass dieselbe da sich nicht habe selbständig entwi- 
ckeln können. Den beweis zu fuhren ist sehr schwer: es giebt 
bei ihm aber auch noch anderes zu beachten, wovon ein an- 
deres mal. E. v. L. 

52. Anfänge und entwickelung des Dionysoscultus in Attika. 
Ein beitrag zur griechischen religionsgeschichte von Otto Bib- 
beck. Kiel. 1869. — 10 gr. 

Der vf. stellt sich die aufgäbe die allmählichen fortschritte 
des Dionysoscultus in Athen bis zu dem zeitpunet zu ermitteln, 
„wo die ursprünglich auch in Attika grausen orgien des thraki- 
schen fremdlings durch den zauber edler gesittung und poeti- 
schen genie's zum reinsten glänze seelenvoller hoheit verklärt 
sind" d. h. bis zur blüthezeit der Attischen tragödie. Erscheint 
der ansieht zu sein — denn ganz deutlich spricht er sich dar- 



Nr. 2. 52 Mythologie. 93 

über nicht aus — dass der Dionysosdienst zunächst in einzelnen 
puncten des attischen landgebietes angesiedelt und von da aus 
in die Stadt eingedrungen sei. Darin wird mau ihm recht ge- 
ben müssen, eben so in dem puncte, dass erst Pisistratus sich 
die aufgäbe gestellt habe ,,der Dionysosreligion auch im öffent- 
lichen culte eine ebenbürtige stelle zu verschaffen" - eine auf- 
gäbe, die er mit hülfe des Onomakritos löste, indem er die au- 
thesterien neu ordnete und zu einem glänzenden feste erhob, 
sodann jährliche Aqvaia einführte und das satyrspiel von Ikaria 
in die Stadt verpflanzte. Eine kühne, wenn auch ansprechende 
hypothese dürfte es dagegen sein, wenn er die Stiftung der gro- 
ssen dionysien bestimmt auf Ol. 76, 4 ausetzt und das „neue 
fest" durch die Persertetialogie des Aeschylos eingeweiht wer- 
den lässt. Doch überlassen wir diesen punct und was damit 
in Zusammenhang steht, der prüfung anderer und stellen nur 
der entscheidung des vf. über einige mythologische fragen un- 
sere bedenken entgegen. Den nach der legende unter dem 
könig Pandion nach Ikaria gekommenen Dionysosdienst leitet 
er von den Thrakern in Daulis her, gestützt auf die in der be- 
kannten sage von Philomele und Prokne gemeldete bundesge- 
nossenschaft Pandion's mit Tereus. Wir halten aber diese sage 
ihrem ganzen character nach für sehr jung; mag sie indessen 
auch alt sein, so enthält sie doch nichts von dem, was der vf. 
daraus entnimmt. Ueberhaupt ist der thrakische Ursprung des 
Dionysosdieustes eine völlig unrichtige Voraussetzung, die der 
vf. freilich mit den meisten mythologen theilt. Wer unbefangen 
die Überlieferung prüft, wird sich durch dieselbe stets nach The- 
ben und Böotien als ausgangspunct des dienstes gewiesen se- 
hen, wohin ihn eben der stamm der Böoter getragen hat. Da- 
mit stimmt die wohl bezeugte herkunft des Dionysos ''EXsv&iQivg 
von der böotischen gemeinde Eleutherai (p, 8); eben so die le- 
gende von Dionysos MsXävuiytg, in welcher der gott ganz deut- 
lich als waffengefährte des Böotischen königs Xanthos erscheint. 
Den gegen diesen kämpfenden Neliden Melanthos nennt der vf. 
einen Jonier und Verehrer des Dionysos. Er war aber weder 
das eine noch das andere , sondern ein heros der pylischen 
Kaukonen , die den gott Hades verehrten , an welchen jener 
selbst durch seinen namen erinnert. Eben so müssen wir ein- 
spräche erheben gegen die behauptung, dass der in Kreta ver- 



94 52. 53. Mythologie. Nr. 2. 

ehrte höchste gott eigentlich aus Phrygien stamme , dem erst 
die dorischen einwanderer den namen ihres nationalen Zeus ge- 
geben hätten; denn dass der kretische Zeus kein ausländischer 
gott, dass er ferner nicht den Uoriern, sondern den Achäern 
s tammgott gewesen und schon vor der dorischen einwanderung 
durch eine von Böotien ausgegangene achäische ansiedelung 
nach Kreta getragen ist , habe ich in meiner mythologie der 
griechischen stamme so ausführlich bewiesen, dass man billiger 
weise ohne neue gründe auf jene veraltete ansieht nicht zurück- 
kommen sollte. 

53. Die Peleiaden zu Dodona. Eine religionsgeschichtliche 
Untersuchung von dr. Herrn. Friedr. Perthes. 4. Moers. 
1869. - 12 gr. 

Durch eine klare und verständige prüfung der Überlieferung 
kommt der vf. zunächst zu dem richtigen resultat, dass weder 
die rciltiu, die wilde taube, ein zu Dodona verehrtes symbol 
der Dione gewesen sei, noch auch heilige tauben den ihren flug 
beobachtenden priesterinnen den namen gegeben haben: p. 9. 
Dass aber Herodot den namen neXeiudtg noch nicht gekannt 
habe, muss bestritten werden. Denn die von ihm II, 55 mitge- 
theilte dodonäische legende , dass eine taube zur gründung des 
Orakels aufgefordert habe, ist eben nichts als ein zur erkläruug 
jenes namens erfundenes etymologisches mährchen , und wenn 
er auch die dodonäischen priesterinnen nicht geradezu mltiddtg 
nennt, so sagt er doch von den ägyptischen frauen, auf wel- 
che er das ihm unglaublich scheinende mährchen zu deuten 
sucht: IJefetadsg 6i .(tot SoxiovGi, xXrj&rjvcxi, ngog Jwöwvuiwv irrt 
Tovds al yvrouxe,- xt%. (p. 57), was, wie überhaupt sein ganzer 
erklärungsversuch gar keinen sinn hätte, wenn nicht die prie- 
sterinnen damals schon so geheissen hätten. Hätte der vf. die- 
ses einfache sachverhältniss nicht durch künstliche Interpretation 
verdunkelt, so würde er von allen weitern combinationen abge- 
standen sein. Und das wäre zu wünschen gewesen; denn er 
verirrt sich hier in das labyrinth der s. g. vergleichenden my- 
thologie und gelangt zu ergebnissen , die vor einer nüchternen 
kritik nicht bestehen können. Er combiuirt nämlich die do- 
donäischen neXuudeg mit der bekannten erzählung der Odyssee 
von deu tauben, welche dem vater Zeus ambrosia bringen. Nun 



Nr. 2. 53. Mythologie. 95 

sei aber u/ußgoßfa etymologisch = amrtam , dem göttertrank 
(soma) der alten Inder, dieser aber nach A. Kuhn ursprünglich 
das „wolkennass'' des himmels , folglich seien die ambrosiabrin- 
genden tauben der Odyssee „mythische wesen, welche im früh- 
jahr das wolkennass als götterspeise in die regionen des äthers 
tragen" (p. 21), folglich müsse die erklärung des wesens der 
(dodonäischen) Peleiaden auch „im reich der wölken gesucht 
werden'' (p. 25) , folglich sei auch die dodonäische eiche nach 
ursprünglicher Vorstellung keine eiche, sondern der „himmlische 
wölken- oder wetterbaum" 'p. 31), den bekanntlich Kuhn und 
Schwartz in der Uckermark aufgefunden haben und den nun 
sie selbst und ihre anhänger gern auch in Griechenland und an 
andern orten accihnatisiren möchten. Ist es noch nöthig mit 
ernsthaften gründen solche meinungen zu bekämpfen ? Man 
sollte es kaum glauben , wenn nicht diese wölken- und wasser- 
mythologie wie eine epidemische krankheit um sich zu greifen 
drohte. Also ein paar worte zur abwehr. Die tauben der Odys- 
see haben mit den dodonäischen Peleiaden nichts gemein als 
den namen, dessen Ursprung dahin gestellt sein mag. Die ho- 
merische erzählung ist gar kein mythus , sondern ein allegori- 
sches u"vt,yfia, wie sich deren mehrere auf ackerbau, wein- und 
feigencultur bezügliche nachweisen lassen (vgl. z. b. meine myth. 
d. Gr. st. I p. 34 ff.);. sie bezieht sich nur auf den beginn der 
ernte beim frühaufgang der Pleiaden (was übrigens auch dem 
vf. nicht entgangen ist, s. p. 14 ff.). Die homerische ufißgocfa 
hat mit dem indischen amrtam nur den namen, mit dem götter- 
trank oder soma gar nichts gemein. Denn jene ist bekannt- 
lich eine speise, die den göttern das brot wie der nektar den 
wein vertritt (Hom. Od. 5, 93), dieser ein berauschender opfer- 
trank 7 den die trinkenden in ihrer Verzückung als eine gäbe 
der götter, ja geradezu als gott preisen. Jene speise geniessen 
aber die griechischen götter , um sich die Unsterblichkeit zu er- 
halten, und darum heisst sie selbst a^ßqoata, wie der von Hebe 
kredenzte nektar ihnen die ewige jugendkraft bewahren soll. 
Eine einfache allegorie. Wo bleibt da das wolkennass? 

Beiläufig mag noch bemerkt werden, dass der vf., wie al- 
lerdings schon viele andere vor ihm, die bekannte stelle Herod. 
II, 52 als einen historisch glaubwürdigen bericht ansieht. Dass 
indessen die dodonäischen priester über die gottesdienstlichen 



96 53. 54. Mythologie. Nr. 2. 

Verhältnisse der urzeit nichts wissen konnten, ist jedem kriti- 
schen äuge ohne weiteres klar , dass sie wirklich nichts davon 
gewusst haben, kann niemandem entgehen, der sich mit diesen 
dingen eingehender beschäftigt. Der tempellegende — denn 
weiter ist es nichts — steht es auf der stirn geschrieben, dass 
sie dem dodonäischen orakel vor allen andern den vorzug des 
alterthums vindiciren will — nicht das einzige beispiel, dass zur 
pia fr aus gegriffen wird , wo die concurrenz ähnlicher institute 
das einträgliche geschäft zu beeinträchtigen droht. 



54. De Hercule Attico. Diss. inaug. scr. H. Dettmer. 8. 
Bounae. 1869. 

Eine erstlingsschrift, der man fleiss, besonnenheit im urtheil 
und geschick für diese Studien nicht absprechen kann. Aus dem 
ersten abschnitt , welcher aus den schriftstellerischen angaben, 
den inschriften und münzen die verschiedenen attischen Hera- 
klesdienste statistisch darzustellen sucht , ist hervorzuheben, dass 
durch eine scharfsinnige combination das Heraklesfest im Ky- 
nosarges auf den 4. Pyan. angesetzt wird p. 29. Der zweite 
abschnitt beschäftigt sich mit den attischen sagen, die sich an 
Herakles knüpfen. Richtig wird hier die sage, Theseus habe 
alle ihm selbst früher geweihten tempel, vier ausgenommen, dem 
Herakles geheiligt, gegen 0. Müller nicht als ein historischer 
bericht genommen , sondern als ein explicativer mythus gedeu- 
tet , der die tendenz hatte zu erklären , warum dem dorischen 
heros so viele, dem Theseus aber nur vier tempel geweiht wa- 
ren. Eben so muss man dem vfr. zustimmen , wenn er spuren 
phönikischen einflusses in dem attischen Heraklescult nicht an- 
erkennen will. Denn der Ursprung desselben ist ohne zweifei 
mit 0. Müller auf dorische ansiedelungen in der tetrapolis zu- 
rückzuführen, worauf auch die sage von den Herakliden in At- 
tika und dem zuge der Dioskuren gegen Aphidna (den schon 
Herod. IX, 73 erwähnt), so wie der cult dieser spartanischen kriegs- 
götter im demos Kephale (Paus. I, 31, 1), vor allem aber die 
auch dem vf. (p. 34) nicht entgangene hervorragende bedeutung 
des Apollocultus neben dem Heraklesdienste in Marathon gedeu- 
tet werden muss. Und zwar wird man wohl annehmen müssen, 
dass nicht bloss versprengte häufen zu schiff nach Attika ge- 
kommen sind (p. 72), sondern wenn man alle momente zusam- 



Nr. 2. 51. Archäologie. 97 

menfasst, so wird auf einen heereszug der Dorier unter sparta- 
nischer anführung zu schliessen sein, der eine dauernde besetzung 
der tetrapolis mit dorischem volk zur folge gehabt hat. Die 
eitelkeit der Athener hat aber diese thatsache möglichst zurück- 
zudrängen und zu verwischen gesucht. Die genealogie der Me- 
ute, der eponymen heroine des demos gleiches namens, hat der 
vf. nicht ganz verstanden. Sie deutet entschieden auf die nie- 
derlassung salaminischer Achäer in Melite, welche auch sonst 
gut bezeugt ist. Melite heisst nämlich entweder tochter des 
Myrmex oder des Dios ; jener name erinnert an den mythus 
der aeginetischen Achäer, dass ihr xTiGrrjg Aiakos durch sein ge- 
bet einst ameisen in menschen verwandelt habe — ein autoch- 
thonischer mythus, der zugleich eine etymologisirende hindeu. 
tung auf den namen Myrmidonen enthält, vgl. Myth. d. Gr. st. 
I p. 78 f. — } der andere weist auf den achäischen Stammesgott 
Zeus hin, eben so wie der name des königs Pandion und der 
phyle Dia. Dass Myrmex anderswo Poseidonische heroen zu ahn- 
herrn erhält (p. 65), verträgt sich damit recht gut, da er hierdurch 
mit dem männlichen hauptgott von Attika in eine solche bezi- 
hung gesetzt wird, wie sie durch die niederlassung des von ihm 
repräsentirten Volkselements in diesem lande geboten war. 

Sollte der vf. beabsichtigen , dem gebiete der griechischen 
mythologie, welches des anbaus noch dringend bedarf, auch in 
zukunft seine thätigkeit zu widmen, so wünschen wir nur, dass er 
sich wie bis jetzt, so auch ferner frei halten möge von dem ver- 
wirrenden einflusse der hypothesen und namentlich jener ansich- 
ten, auf die wir in der vorigen anzeige hingedeutet haben. 

H. D. Müller. 

55. Geschichte der griechischen plastik für künstler und 
kunstfreunde von J. Overbeck. Zweite umgearbeitete und ver- 
mehrte aufläge. Erster band. Mit illustrationen gezeichnet von 
H. Streller und Jul. Koch, geschnitten von J. G. Flegel. Leip- 
zig, J. C. Hinrichs'sche buchhandlung. 1869. — 3 thlr. 10 gr. 
Die erste aufläge dieses werkes verdankte ihre beliebtheit 
in weiten kreisen und die beachtung welche sie auch für wissen- 
schaftliche arbeiten mit recht in anspruch nehmen konnte, haupt- 
sächlich dem umstand, dass während Brunn in der künstlerge- 
schichte sich principiell eine gleichmässige und ausgiebige be- 
Philol. Anz. II 7 



98 55. Archäologie. Nr. 2. 

nutzung der monumente versagt hatte, Overbecks darstellung 
sich gleichmässig auf die monumente stützte und viele monu- 
mentale facten zum ersten male in grossem Zusammenhang be- 
nutzte und zu allgemeiner kenntniss brachte. 

Die neue umgearbeitete aufläge hat wiederum auf die in- 
zwischen entdeckten neuen monumente sorgfältig rücksicht ge- 
nommen, und wenn wir an ihrer hand recapituliren , was derart 
in den letzten zwölf jähren gewonnen ist, können wir wohl zu- 
frieden sein : es genügt an die alterthümlichen reliefs von Sparta 
(holzschnitt p. 90), von Thasos (holzschnitt p. 182), die auf 
die Parthenos des Phidias zurückgehende Lenormantsche sta- 
stuette und die von Conze entdeckte reminiscenz des Schildes 
derselben (holzschnitte p. 224. 226) zu erinnern. Auch die 
neuen archäologischen Untersuchungen haben genaue beachtung 
gefunden. In einzelnen fällen, wie bei dem Kypseloskasten, und 
besonders bei der wichtigen frage nach dem Zeusideal des Phi- 
dias , wie auch für die erklärung des Parthenonfrieses konnte 
sich der Verfasser auf eigne, an andrem ort ausführlicher gege- 
bene darlegungen beziehen. In einigen punkten der alten 
kunstgeschichte , vor allem der Vorstellung von Polyklet , findet 
gerade jetzt ein noch nicht abgeschlossener streit der meinungen 
statt. Es ist wenigstens für die populäre darstellung des in 
rede stehenden Werkes zu bedauern, dass der Verfasser selbst 
noch nicht zu einer entschiedenen position gekommen zu sein 
scheint. Und bei diesem schwanken, ob und wo eine monumen- 
tale unterläge für unsere Vorstellung von Polykletvorhanden sei, 
konnte auch die Charakteristik Polyklets nicht sehr anschaulich 
werden. Während in der ersten aufläge an dieser stelle eine 
abbildung des ludovisischen Herakopfes gegeben und derselbe aus- 
führlich besprochen war, hat der vf. jetzt diese beziehung aufgege- 
ben, ohne jedoch den farnesischen köpf an die stelle setzen zu mö- 
gen. Für die ganze frage darf der erst jetzt in den Monumenti 
dell' istituto 1869 tafel I publicirte köpf hervorragende bedeu- 
tung beanspruchen. — Die bemerkung, dass auf der balustrade 
des tempels der Athene-Nike die zweimalige darstellung der 
Athene problematisch sei (p. 393), findet ihre erklärung wohl 
in dem umstand dass der Verfasser Kekule's schriftchen nur 
noch während des drucks benutzen konnte. — In betreff der 
deutung des Iiarpyien-monuments, in welcher der verf. die Cur- 



Nr. 2. 56. Archäologie. 99 

tius'sche eisymbolik billigt, ist jetzt auf Conze in der arcliäol. 
zeitung 1869 p. 80 ff., und wiederum auf Curtius ebendas. p. 
110 ff. zu verweisen. 

Die darstellung, die bei einem derartigen buche erwähnung 
finden muss, könnte wohl unbeschadet der populären Verständ- 
lichkeit mitunter etwas weniger weit sein. Einzelne sätze, wie 
besonders p. 150 die vergleichung Sappho's mit der jungen dame 
am klavier, die leicht hingeworfene arpeggien greift, hätte ref. 
in der neuen aufläge lieber weggewünscht. 

Die neu hinzugekommenen holzschnitte sind sorgfältig aus- 
geführt. Schade, dass nicht auch manche nicht sehr gelun- 
gene der ersten aufläge durch bessere ersetzt worden sind. 
Was sind in der beziehung auf illustration die Franzosen glück- 
liche leute! 

56. Notice de la sculpture antique du musee imperial du 
Louvre par W. Fröhner, conservateur-adjoint au departement 
des antiques et de la sculpture moderne. Premier volume. Pa- 
ris, typographie Charles de Mourgues freres imprimeurs des mu- 
sees impe"riaux rue J. J. Rouseau, 58. 1869. 8°. S. XV u. 
520. — 2 thlr. 

Nachdem jahrelang für die besucher der antikensammlung 
des louvre nichts anderes vorlag als wiederabdrücke des alten 
und mehr als veralteten Visconti-Clarac'schen cataloges , ist es 
oft als befremdlich bezeichnet worden, dass niemand in dem an 
archäologen so reichen Paris zeit und lust finden wollte zur 
abfassung eines neuen Verzeichnisses, welches gewissenhaft die 
resultate der indessen weit fortgeschrittenen Wissenschaft benutzt 
und angewandt hätte. Mit dem vorliegenden band ist ein flei- 
ssiger anfang gemacht. Das ganze werk ist auf drei bände be- 
rechnet. Schon dieser umfang und noch mehr die genaue, tro- 
ckene aufzählung der literatur , welche bei manchen statuen oft 
ganze seiten ausfüllt, scheint zu zeigen, dass der Verfasser sich 
nicht an das grosse publicum der besucher, sondern vorwiegend 
an das kleine der archäologen wenden wollte. Sein catalog macht 
entschieden den anspruch für einen wissenschaftlichen zu gelten. 
Diesen maasstab streng angelegt, lässt er manches zu wünschen 
übrig. Befriedigend ist die Vollständigkeit mit welcher die pu- 
blicationen und wichtigsten besprechungen gesammelt und ange- 

7# 



100 56. Archäologie. Nr. 2. 

führt sind. Hoffentlich macht ein guter index am schluss des 
werkes die arbeit, die in diesen Sammlungen niederlegt, ist, all- 
gemeiner zugänglich. An vielen stellen aber hätte die beschrei- 
bung und die angäbe über ergänzungen und defecte, über werth 
oder unwerth der monumente, ausführlicher sein müssen. Bei- 
spielweise wäre es pflicht gewesen die wenig bekannten „quatre 
satyres sujoportant un entablement" aus villa Albani (n. 272 — 
275 des catalogs, Clarac muse'e de sculpture pl. 298, 1725) ein- 
gehender zu untersuchen, zumal seit durch eine überaus glück- 
liche entdeckung Eugen Piot's im Bulletin de l'ecole francaise 
d'Athenes cah. VI die grösste Wahrscheinlichkeit gewonnen ist, 
dass sie aus dem Dionysostheater in Athen stammen, wo eine 
fünfte ganz gleiche figur sich erhalten hat, während eine sechste 
sich in Stockholm (Clarac musee de sculpture pl. 721, 1725a) 
befindet. So ist man jetzt auf die übrigens auch noch unaus- 
reichenden bemerkungen angewiesen , welche de Longpe"rier in 
den Comptes rendus de l'acad. des inscript. et belles lettr. 1869 
p. 25 flg. über diese statuen gegeben hat. ■ — Nachtheiliger als 
solche Unterlassungen ist der mangel archäologischer methode, 
den man vielen erklärungen vorzuwerfen hat. Es liegt in der 
uatur der entwickelung einer Wissenschaft, dass erst allmählich 
aus blossem wissenschaftlichem takt sich eine wissenschaftliche 
methode herausgestaltet. In einem solchen Übergang ist die ar- 
chäologie noch immer begriffen : an stelle individueller willkür, 
mit welcher auch die geistvollste behandlung selten ganz aus- 
söhnen kann, werden objective gesetze der erklärung gesucht. 
Der bis zur nüchternheit gesteigerte wahrheitssinn neuerer zeit 
ist der phantasien, auch der goldenen, überdrüssig worden und 
will nicht mehr glauben und lehren, als was er beweisen kann. 
Sonst ging die exegese von ideen, jetzt geht sie von beobach- 
tungen aus. Die frühere weise , welche von niemandem gross- 
artiger und nachtheiliger vertreten war als von Welcker und 
die darum auch — freilich ungerecht und unerfreulich genug 
von mancher seite — in Welcker am öftersten bekämpft 
wird , nahm das einzelne monument immer nur als einzelnes 
monument. Die nachlässig gesammelte zahl der repliken und 
ähnlichen darstellungen war ihr nichts weiter als ein unter 
umständen angenehmer beweis von der berühmheit des betref- 
fenden werks. Dichterstellen, antiquarische kenntniss und ein 



Nr. 2. 56. 57. Archäologie. 101 

grösseres oder geringeres quantum eigener poesie waren die rei- 
chen mittel , welche den archäologen, dem der muth zum nicht- 
wissen fremd war, vor keinem räthsel in Verlegenheit brachten ; 
den himmelweiten unterschied zwischen poetischem und künst- 
lerischem sinn im exegeten schien man nicht zu kennen oder 
nicht zu achten. Heute gilt als erste und hauptsächlichste 
quelle der erklärung die gewissenhafte Untersuchung des glei- 
chen und verwandten. Die beachtung scheinbarer äusserlichkei- 
ten, statistische Sammlungen, vollkommene kenntniss der monu- 
mente bilden die grundlage der Untersuchung. Die archäologie 
ist aus den Studierstuben in die museen verlegt und ihr grösster 
fortschritt besteht darin, dass sie gegenwärtig weniger weiss als vor 
zwanzig jähren. — Der Verfasser obigen buchs gehört noch zu 
denen, welche mehr wissen als sie wissen dürften. Z. b. das bor- 
ghesische relief einer ekstatischen Mainade n. 293 (Clarac muse'e 
de sculpture pl. 135, 135) ist ihm „wahrscheinlich eine nachah- 
mung der d-viug jnawopivri des Skopas" nach Callistrat. p. 146. 
683 Jacobs. Aber nach Callistratus schwingt sie eine ziege, 
im relief ein reh ; in diesem hat sie den thyrsos , bei jenem 
nicht (ov yaq iov fiux%iybv hCvaßßs d-vQ<Sov) , anderer unter- 
schiede zu geschweigen. Es Hessen sich manche belege dieser 
art anführen. Es ist aber auch viel treffliches in dem buche, 
z. b. die abhandlung über die Aphrodite von Melos, und mit 
anerkennung muss hervorgehoben werden , dass die inschriften 
genau beachtet worden sind. Erwünscht 3 nützlich und brauch- 
bar ist das werk in hohem grade. 

57. Münchener antiken herausgegeben von dr. Carl Fr. A. 
von Lützow. München, 1869. 42 tafeln in kupfer, 76 u ; Xpp. 
in folio. — Complet 9 thlr. 6 gr. 

Wir *) begrüssen die dem herausgeber und Verleger nach vie- 
len Schwierigkeiten gelungene glückliche Vollendung dieses schön 
ausgestatteten werkes mit besonderer freude, obgleich es nütz- 
lich ist immer von neuem zu wiederholen , dass bei dem je- 
tzigen stand der archäologischen Wissenschaft die Wichtigkeit 
der gelegenheitspublicationen in Zeitschriften und ausgewählten 
monumentenheften zurücktritt, und es vor allen dingen auf sy- 

*) Die anzeige im Phil. Anz. I, p. 252 ist von einem andern mit- 
arbeitet des Anzeigers. 



102 57. Archäologie. Nr. 2. 

stematische und reine wirthschaft machende gesammtpublicationen 
ankommt. Aber so lange solche aus leider sehr nahe liegen- 
den gründen selten und vereinzelt zu stand kommen, wird eine 
abschlägige Zahlung wie Lützow's münchener antiken stets sehr 
erfreulich und jetzt als complement zu Brunns vortrefflichem 
katalog der glyptothek und zur geschichte derselben von Ur- 
lichs doppelt willkommen sein. Ueber die auswahl der monu- 
mente würde sich allerdings mitunter rechten lassen. Die we- 
nigen vasenbilder z. b., so erfreulich auch die schöne Zeichnung 
auf tafel 5 ist, passen doch nicht recht in eine derartige publi- 
cation und den rückseiten der vasen ist in der publication wie 
in der erläuterung zu grosse bedeutung beigelegt. Um so mehr 
lob verdient die vorzügliche, nur in seltenen fällen — es ist 
schade dass darunter gerade die Rondanini'sche Medusa zu 
rechnen ist — auch den strengsten anforderungen nicht 
völlig entsprechende ausführung der tafeln, welche in ihrer mu- 
sterhaft bescheidenen und geschmackvollen Zeichnung und stich- 
manier zu den besten publicationen gehören dürften, welche die 
neuere archäologie überhaupt aufzuweisen hat. 

Der erläuternde text ist ohne besondere gelehrte und an- 
tiquarische prätension mit im ganzen ausreichender berücksichti- 
gung der literatur, geschmackvoll Und klar und zugleich mit einem 
feinen gefühl für das künstlerische geschrieben, das durchaus 
nicht allen archäologen nachgerühmt werden kann. Besonders 
gelungen möchte in dieser hinsieht die exposition des schönen 
kopfes taf. 19 sein, dessen abbildung jedoch der gesunden frische 
des Originals nicht ganz gerecht wird. — Die ähnlichkeit des p. 
55 mitgetheilten relieffragmentes von der akropolis mit dem 
barberinischen Faun (zu dessen geschichte auch Massimo d'Aze- 
glio I miei ricordi II p. 126 ff. verglichen werden kann) möchte 
der herausgeber doch wohl stark überschätzen. — Die statue 
aus schwarzem marmor taf. 31 kann keinesfalls für eine Deme- 
ter und auch nicht als der Elektra der neapolitanischen gruppe 
ähnlich gelten. Bewegung und motiv, und auch die färbe 
des marmors, führen ziemlich bestimmt auf Selene. 

Einige irrthümer hat der herausgeber selbst in den nach- 
tragen verbessert. Dass der köpf taf. 1 nicht Alexander son- 
dern einem meerdämon angehöre, kann des haars wegen nicht 
wohl bezweifelt werden. — Dass in den marmorangaben unrich- 



Nr. 2. 57. 58. Archäologie. 103 

tigkeiten vorkommen , wird man bei der vielfach falschen und 
hartnäckigen tradition und der Schwierigkeit darin zu lernen, dem 
herausgeber kaum zum Vorwurf machen dürfen. — Besonders er- 
wünscht sind die drei letzten tafeln: vier etruskische köpfe, die 
berühmte eingekerkerte Venus und ein schönes relief, das Po- 
lyphem mit einem der gefährten des Odysseus darstellt. 

58. Die knieenden figuren der altgriechischen kunst. Von 
Ernst Curtius. Neun und zwanzigstes programm zum Win- 
kelmannsfest der archäologischen gesellschaft zu Berlin. Nebst 
einer tafel. Berlin. 1869. 4°. S. 12. 

Wer von andern arbeiten des Verfassers her mit dem gu- 
ten zutrauen an diese abhandlung geht , förderung wenigstens 
durch anregende gedanken zu erhalten, wird sich in ungewöhn- 
licher weise enttäuscht sehen. Die Untersuchung, die in dersel- 
ben enthalten ist , hat der zufall gemacht und die Zerstreutheit 
aufgeschrieben. Wir sprechen dieses hart klingende urtheil mit 
dem bewusstsein aus , dass es weniger glauben als missdeutung 
finden wird: halten es aber (nicht trotz sondern wegen unserer 
persönlichen hochachtung vor dem Verfasser) für pflicht dasselbe 
als das ergebniss einer vorurtheilslosen prüfung rücksichtslos zu 
begründen, und können die entscheidung getrost einem jeden 
überlassen , der mit einer umfassenderen kenntniss der antiken 
monumeute einigen wissenschaftlichen wahrheitssinn verbindet. 
Der verf. hat auf archäologischem gebiete in letzter zeit zu viel 
ähnliche arbeiten geliefert — beispielsweise verweisen wir auf 
die miscelle (Arch. Zeit. 1869 p. 62) über das phönicische 
urbild der mediceischen Venus — und er sieht auf sorgfäl- 
tige forschung so energisch als auf „spröden rationalismus 
und übertriebene skepsis" herab (a. a. o. p. 17), dass es 
wohl an der zeit ist, ihn in aller ehrlichkeit daran zu erinnern, 
mit wie gutem gründe man gegenwärtig unerbittlich gegen 
allen dilettantismus in der archäologie gestimmt ist. — Das pro- 
gramm beginnt mit der behauptung, dass die behandlung der in 
der kunst typisch gewordenen ausdrucksweisen, oder „die ar- 
chäologische schematologie", über gebühr bisher vernachlässigt 
worden sei (sind die grossen abhandlungen von Stephani über 
das handreichen, die Stellungen des ausruhens u. s. w. für den 
Verfasser ungeschrieben ?) und mit der bemerkung dass man die 



104 58. Archäologie. Nr. 2. 

scheinbar von den wirklich knieenden figuren zu unterscheiden 
habe. Leicht verständlich sei die haltung derjenigen figuren, 
die mit beiden beinen knieen, schwieriger die „Stellung des 
halbknieens, wo das eine bein mit dem knie den boden berührt 
das andere entweder ausgestreckt oder aufgestützt ist". Dieses 
„halbknieen in der altern kunst" zu untersuchen ist absieht der 
abhandlung. Ganz willkürlich, ohne jede Ordnung und ohne 
den stoff auch nur entfernt zu erschöpfen, werden eine reihe bei- 
spiele vorgenommen, wie sie gerade dem Verfasser vorkamen : das 
verschiedene alter der monumente, die verschiedene technik, die 
verschiedene form des raumes, in dem sich die composition zeigt, 
und was namentlich hier von bedeutung ist ;die verschiedene 
Sorgfalt oder nachlässigkeit der ausführung ist dabei ganz ausser 
acht gelassen, ja im verlauf der betrachtung die anfangs auf- 
gestellte Unterscheidung zwischen scheinbarem und wirklichem 
knieen ganz vergessen worden. — Jede alterthümliche. kunst gibt 
solchen figuren, die in lebhafter eile dargestellt sind, eine der- 
artige haltung, dass das eine knie dem boden nahe kommt. 
Für diese allbekannte thatsache gibt es nur eine erklärung, die 
wir bei dem Verfasser vergebens suchen: es ist eine übertrie- 
bene darstellung der natürlichen bewegung, wie die ältere kunst 
überall in ihrem streben nach deutlichem ausdruck ins conven- 
tionelle übertreibt, und dieselbe wird mit Vorliebe da angewen- 
det, wo es sich um composition im runden räum handelt, 
weil die ältere kunst eine möglichst gleichmässige und regelmä- 
ssige ausfüllung des gegebenen raumes durch die figur erstrebt. 
Wir finden sie also , wie auch die vom verf. zusammengestellten 
beispiele seiner hülfstafel deutlich zeigen, hauptsächlich auf mün- 
zen, spiegeln, im innern runder schalen u. s. w. — Es ist richtig 
dass man bei der erklärung einzelner monumente bisweilen das 
typische dieser haltung nicht gehörig beachtet hat; so erklärt 
der verf. richtig den Eros einer Spiegelzeichnung (no. 12) als 
im begriff über das (in Wellenlinien augedeutete) meer zu eilen; 
aber statt sich mit einer epigrammatischen pointe gegen Ger- 
hard zu wenden, der trotz seiner blindheit hunderten in genauer 
henntniss der monumente überlegen war , hätte der verf. besser 
gethan an das bekannte y Egiog dvfxare (id^av, 'Egwg, og — epo i>- 
rag vitfqnovx tog und ähnliches zu erinnern. Häufig bei ge- 
ringen oder schlecht erhaltenen darstellungen lässt sich schwer 



Nr. 2. 58. 59. Archäologie. 105 

entscheiden ob laufen oder knieen gemeint ist. Dann kann man 
die sache nicht mit einer gefälligen Wendung abmachen, sondern 
nur durch sorgfältiges Studium des verwandten sich ein urtheil 
bilden, bei münzen also durch Studium einer ganzen münzs er ie, 
wovon der verf. allerdings keine ahnung zu haben scheint. 
Durch ein solches Studium würde sich wohl unzweifelhaft erge- 
ben, dass Brandis auf den satrapenmünzen von Soloi ganz rieh" 
tig ,, knieende bogenschützen" erkannt hat. — Manches durch- 
aus nicht zugehörige ist vom verf. zugezogen worden, so die 
münze von Elis no. 7 , die der freien kunst angehört und das 
typische „halbknieen" gar nicht zeigt. Der verf. kann auch das 
citirte relief mit Mercur (N. M. d. instit. p. 126) nicht angese- 
hen haben: dort steht ja Mercur. In vielen fällen (beispiels- 
weise bei den münzen des bundesgenossenkrieges p. 4) weiss 
man nicht: hat der verf. falsch citirt? falsch verstanden? oder 
falsch gesehen? — Wir bedauern unsern glauben bekennen zu 
müssen, dass die archäologie aus solchen arbeiten schlechterdings 
keinen gewinn zieht. 

59. Ludovici Schwabii observationum archaeologicarum 
particula I. 4. S. 18. Dorpat. Universitätsprogramm. 1869. 

Das programm enthält eine neue behandlung der zahlrei- 
chen statuen, welche unter dem namen der bogenspanner be- 
kannt sind. Die durch Friederichs kürzlich festgestellte erklä- 
rung der handlung in der Amor begriffen ist, dass er nämlich 
das schleifenende der bogensehne über das gekrümmte ende des 
bogens ziehe , wird adoptirt und durch hinweis auf ein nicht 
beachtetes exemplar im britischen museum, an welchem die be- 
treffenden theile erhalten sind , weiter gestützt.. Dass ein atti- 
sches sarkophagrelief (Archäol. Zeitung 1868 p. 38) die figur 
in der nämlichen weise reproducirt, ist dem verf. entgangen, 
ebenso sind ihm die in Athen befindlichen repliken unbekannt 
geblieben, die am o. g. o. genannt sind. Der verf. widerlegt 
ferner die meinung von Friederichs ; dass Amor nicht seinen ei- 
genen bogen, sondern den des Herakles spanne. Das löwenfell 
und die keule seien nur an einigen repliken als parerga vor- 
handen und nur störende zuthat der copisten: das bronzeorigi- 
nal das vorausgesetzt werden müsse , könne dergleichen nicht 
gehabt haben. Dies resultat ist durchaus überzeugend. — Der 



106 59. Archäologie. Nr. 2. 

zweite theil des programms beschäftigt sich, ohne den Vorzug 
der kürze, zu welcher doch sonst die lateinische spräche zu nö- 
thigen pflegt, und allem anschein nach nicht sehr glücklich mit 
der ebenfalls schon oft behandelten frage über die gruppen der 
athenischen tyrannenmörder und deren auf uns ge\ommene re- 
productionen. Eine neuerdings auf dem boden der Stadt Teu- 
cheira in der Cyrenaica gefundene pananathenäische vase, die in 
das britische museum gekommen ist, zeigt als emblem des Schil- 
des der Athene Polias die bekannte gruppe ganz ähnlich wie 
in dem relief des stackelbergschen thrones und der athenischen 
tetradrachme , nur mit dem unterschiede dass Aristogeiton nicht 
auf der rechten sondern der linken seite des Harmodios steht. 
Bei der flüchtigkeit mit der auf vasen gerade die nebendinge 
behandelt sind, darf man schlechterdings auf einen derartigen 
unterschied nicht viel geben. Es ist daher schon an sich un- 
wahrscheinlich, wenn der verf. diese abweichung des vasenbildes 
benutzt, um danach allen bisherigen auffassungen entgegen das 
original zu construiren. Diese herstellung wäre eine eminent 
unkünstlerische: es würden die beiden figuren nach dem an- 
griffsobjecte nicht convergiren sondern divergiren, und die Athe- 
ner ihre lieblingshelden fast von jedem standpunct aus nur 
ungünstig gesehen haben. Die gruppe würde überhaupt zerfallen. 
Der zweifei des verf. an der richtigkeit der bisher allgemein an- 
genommenen reconstruction beruht auf einer unbegründeten an- 
sieht über das motiv der statue des Aristogeiton : er deckt sei- 
nen genossen nicht mit dem vorgehaltenen arm (dieser wäre zu 
diesem zweck zu wenig erhoben), sondern er hält sich für einen 
zweiten angriff in bereitschaft. Gewiss richtig ist die bemer- 
kung , dass Aristogeiton in der linken die schwertscheide hielt; 
ansprechend die begründung der allerdings sehr nahe liegenden 
vermuthung , die genannte vase möge zu jener zeit verfertigt 
sein, als die älteste gruppe des Antenor mit grosser feierlichkeit 
nach Athen zurückgebracht wurde. 

Der *) vf. behandelt zuerst die in 22 exemplaren erhaltene 
statue des bogenspannenden Amor. Er widerlegt überzeugend 
Friederich's vermuthung, dass Amor nicht seinen, sondern des 

*) Zweite anzeige von einem andern mitarbeiter. 



Nr. 2. 59. 60. Archäologie. 107 

Herkules bogen spanne, indem er den schluss von den an der 
stütze einiger statuen sichtbaren attributen des Herakles auf das 
wahrscheinlich eherne original, welches gar keiner stütze bedarf, 
abweist. Ausführlicher bespricht der vf. zweitens die erhaltenen • 
nachbildungen der gruppe von Harmodios und Aristogeiton , zu 
denen im j. 1865 eine der in Teuchira entdeckten panathenäi- 
schen amphoren gekommen ist. Es wird ausgeführt, dass auf dem 
Schilde der Athena Aristogeiton besser schützend vor Harmodios 
trete als auf dem von Stackeiberg zuerst richtig gedeuteten relief 
eines athenischen sessels, auch auf die münzen gehörig rücksicht 
genommen und dann der versuch gemacht, als das original je- 
ner nachbildungen die ältere gruppe des Antenor nachzuweisen. 
Weil nämlich jene vasen den inschriften nach in das vierte jahrh. 
vor Chr. gehören, die statuen des Antenor aber nach Alexanders 
tode nach Athen gelangten (hieraus wird entsprechend die Ver- 
schiedenheit der angaben über den absender abgeleitet), scheint 
dem vf. jene amphora die eben zurückgekehrte gruppe darzu- 
stellen, und zwar treuer als die plastischen reproduktionen. Der 
stil der statuen in Neapel , die Friederichs , und in Florenz, die 
Benndorf erkannte, spricht aber weit mehr für den jüngeren mei- 
ster Kritios : sie sind zwar alterthümlich aber mit einer freiheit 
behandelt, die wir einem künstler des sechsten jahrh. nicht zu- 
trauen dürfen. Wenn der vf. meint, zwischen 510 und 278 sei 
kein so grosser Zeitunterschied , so scheint er die rasche ent- 
wickelung der griechischen sculptur nicht erwogen zu haben. 
Es ist kaum denkbar, dass man in Athen im jähre 510 die 
stufe der Aegineten schon beinahe überholt haben sollte. 

60. Kurze anleitung zu einem zweckmässigen besuche der 
päpstlichen museen antiker bildwerke des Vaticans und Capitols 
für künstler und kunstfreunde. Von Emil Wolff. Berlin. 
1870. Verlag der königl. geheimen ober-hof buchdruckerei (R. 
v. Decker). 92. XH. s. 8°. — 20 gr. 

Dies kleine buch , dessen übersetzungsrecht vorbehalte n ist, 
trägt zwar als anojQÖTtawv , zur abwendung des bösen blicks, 
die nicht mehr ganz unbekannte formel ,,für künstler und kunst- 
freunde" an der stirn. Da jedoch die archäologen auch gerne 
zu dieser letzteren gattung gerechnet werden möchten und meist 
eben so bereit sind von den künstlern zu lernen, als diese un- 



108 60. Archäologie. Nr. 2. 

bereit von den archäologen belehrung anzunehmen, so werden 
viele durch den grossen ruf des Verfassers als künstler an- 
gezogen, sein büchlein zur hand nehmen, um sich von ihm 
zum besuche jener beiden museen „anleiten" zu lassen. Sie 
werden sich sehr getäuscht finden. Die anleitung , welche Emil 
Wolff giebt, besteht in einer ungemein oberflächlichen und un- 
genauen notiz über die Verdienste der päbste um die Sammlun- 
gen, und darin, dass er die künstlerisch und kunstgeschichtlich 
bedeutenden werke aus der masse des vorhandenen hervorheben 
will, während die mythischen beziehungen als für seine zwe- 
cke gleichgültig den archäologen überlassen bleiben sollen. Zwar 
kann er des beistands der archäologen doch nicht ganz entra- 
then. Denn dass der apoxyomenos auf Lysipp zurückgehe , ist 
doch wohl keine mythische beziehung? und die aegis in der 
hand des Apoll wird für die erklärung des ausdrucks des kopfs 
benutzt. Aber dass der Verfasser trotz solcher vereinzelter 
schwächen im künstlerischen selbstbewusstsein die museen ohne 
rücksicht auf die archäologen durcheilt, ist ihm zuzugeben: p. 
17 wird an dem doryphoros als „unschönem discobol" vorüber- 
gegangen, p. 24 werden die philologen zur Untersuchung aufge- 
fordert, ob nicht der brauch name und Vaterland des künstlers 
auf dem werke anzugeben, erst von den griechischen künstlern 
in Rom eingeführt sei, p. 29 beim sog. Antinous wird über po- 
lykletische proportionen geredet, p. 34 wird die ganz neue 
vermuthung aufgestellt, ob nicht die sog. Minerva in der galleria 
delle statue am ende gar ein Apoll sei u. s. w. 

Ich glaube auch künstler und kunstfreunde hätten wohl an- 
spruch auf eine etwas weniger unbefangene anleitung. Denn 
durch ein paar nicht neue aber richtige bemerkungen und durch 
die nicht neue und bereits abgethane paradoxe behauptung, dass 
die capitolinische wölfin nicht antik sei, wird niemand (auch der 
laie nicht, der, ganz abzusehen von Burckhardts bescheidenem 
und trefflichen Cicerone, schon in Bädeckers handbnch weit ge- 
wissenhaftere belehrung findet) für die flüchtigkeit des ganzen 
entschädigt werden können. — Druckfehler wie Apoxiomenos^ 
Endymeon, und von dem Augustus von prima porta: (die sta- 
tue, welche) „vor etwa 25 jähren an einem orte jetzt prima 
ponte benannt gefunden wurde", sind nicht geeignet die brauch- 
barkeit und den genuss zu erhöhen. 



Nr. 2. 61. Archäologie. 109 

61. Index scholarum ... in acad. Georgia Augusta per 
semestre hibernum anni MDCCCLXIX .... habendarurn. — 
Inest Friderici Wieseleri couirnentatio de difficilioribus qui- 
busdam Pollucis aliorumque scriptorum veterum locis, qui ad 
ornatum scaenicum spectant. Gottingae. 4. 22 s. 

Der verf. giebt in vorliegender abhandluug, deren reichen 
inhalt wir hier theilweise nur andeuten können, eine reihe werth- 
voller Untersuchungen über die bekannte stelle des Pollux IV, 
115 — 119, welche über das costüm der Schauspieler handelt. 
Manches zur erläuterung der schwierigen punkte hat der verf. 
bereits in frühern schritten beigebracht , in diesen erörterungen 
wird einiges weiter ausgeführt, anderes berichtigt. 

Zunächst handelt vf. zu §.115 vom owfidnoVj das er frü- 
her mit dem nQoyuüiQidiov und nQo6T£qv(dt,ov zusammengestellt 
hatte, jetzt aber als „tricot" erklärt, und zwar so, dass jenes 
wort die bedeckung jedes körpertheils bezeichnen kann , wenn 
diese denselben nur mehr oder weniger genau nachbildet. Ne- 
benher wird in der bekannten stelle der Vita Aeschyli bei Eobor- 
telli, wo für xal tcö ßw^att der vf. früher GcüfiaiCco vermuthete 
mit recht diese conjectur zurückgenommen, eben weil die an- 
wendung des aw^dnov in der tragödie wohl selten war; ob 
aber das jetzt vorgeschlagene ^cofxun = tunica talaris cingulo 
adstricta dem Gvgfiart, , welches einige freilich interpolirte hand- 
schriften bieten, vorzuziehen ist ; scheint zweifelhaft. Zu jiotxi- 
Xov (§. 115) wird sodann die schon früher aufgestellte Verbes- 
serung zu Poll. VII, 47 JiovvGov pTuiv ßaliog für ßux%ixog wie- 
derholt und daneben im Et. M. 186, 32 xul tbv /liovvßov &qu- 
xeg sehr glaublich in xiiwv JiovvGov Qqdxiog geändert. In §. 
116 fällt auf, dass ffraiog, bis jetzt als ftuwv bq&oajudiog er- 
klärt , unter den ifißKrj^am erwähnt wird. Wieseler meint, es 
sei das neutrum Grazöv zu lesen und darunter eine chlamys zu 
verstehen, die eben so lang war, als die tunica, wie das nament- 
lich auf taf. XIII, fig. 2 der Denkm. d. bühnenw. sechsmal vor- 
kommt. Das äyQtjvov (§. 116) betreffend, wird in der notiz des 
Et. M. 14, 2 uygijiovj ttoixiXov, igeovv , dixivoeidig • xal tvdvfiu 
Ss iioiöv für noi/xCXov — weil das uygrjvov nicht immer bunt zu 
sein brauche und im gegensatze zu evdv/ia ein Substantiv erfor- 
dert werde — nloxuvov vorgeschlagen, was zu Pollux' nleyfia 
!§ iqibüv öixivwdsg vortrefflich stimmt. Es wird dann nachge- 



110 61. Archäologie. Nr. 2. 

wiesen, dass Tiresias und andere seher nicht immer das ayqr\v6v 
getragen hätten. Das xoXTtwfiu (§. 116) lässt sich zwar mit 
gewissheit auf denkmälern des bühnenwesens nicht nachweisen, 
indessen zweifelt vf. nicht, dass damit eine kürzere obertunica 
bezeichnet werde, die so gegürtet sei, dass das gewand einen 
sinus bilde. Vgl. Denkm. d. a. k. II, 48, 606; 49, 616. 

Die lifamCg (§. 116) nach Pollux GvGTQififidnov n Tvoqtpv- 

QOVV 1] (fOH'lXOVV, TlBQl 17]V X £ ?Q a £ ty OV 0l/ ™0%£(lOVVT£g jj dfjQWV- 

jsg erklärt Wieseler für eine chlamys soli braccMo circumjectam pro- 
pterea quod tenuis esset et minus ampla. Dabei wird der ge- 
brauch des wortes, so wie des verwandten tcpamov erläutert. 
Zu xQOXLOTÖg (§. 117) bemerkt der vf . , aus Pollux folge nicht, 
dass nur Bacchus dieses gewand — kein pallium, sondern wie 
das xoXitiOfjba eine obertunica — auf der bühne getragen habe, 
und verbreitet sich weiter über das vorkommen desselben ausser- 
halb der bühne. Wenn Pollux dieses kleidungsstück als Ifiünov 
bezeichne, so habe er damit nicht geirrt, denn einmal werde 
ifjtuuov wie hövfjba öfter von jedem beliebigen kleidungsstücke 
gebraucht , und dann sei hier der gegensatz zur iyanxlg, die 
nicht als kleidungsstück bezeichnet werde, zu berücksichtigen; 
eine genaue bestimmung der art des gewandes habe nicht ge- 
geben werden sollen. Ausserdem gibt der vf. nachweisungen 
über den (laG^aliaTriq der tragischen Schauspieler. An Verbes- 
serungen finden sich in diesem abschnitte Athen. Xu, 519 c uno 
xoig d-wQa'st, für inl r. &. und Luc. Bacch. 2 iv xoxxoo xui zovxov 
für iv xqoxcpTM x. x. 3 das xdxxw des Silen soll dem noQcpvqiöt des 
Bacchus entsprechen, namentlich weil dieser als GxQaxrjyog, jeuer 
als unoöTQ&iriyog aufgefasst werde und dabei an das paludamentum 
gedacht sei. Sollte nicht lieber doch der fehler weiter oben zu 
suchen und nach Luc. de hist. conscrib. 10 für iv noQtpvQidt zu 
schreiben sein iv xqoxwtw xal noQcpvgCdi? Endlich wird über 
das imQQrjfia (§.119) gehandelt; dafür hatten schon früher Kühn 
und Meineke iniqQafjb^ia geschrieben, letzterer aber später eniQQtfjpa 
als möglich bezeichnet. Wieseler verwirft beides und ist der 
ansieht, man müsse die bezeichung eines gewandes haben, welches 
in der art an die exomis angefügt werde, dass es leicht wieder 
entfernt werden könne, schreibt daher ifjuneqovrifia. Dabei wird 
Athen. XII p. 535 e für ini mgov*] verbessert inl 6s iftntgo- 
vrtfiu. Das if-iJcsQovrjfxa itjupxov war identisch mit der chlamys 



Nr. 2. 62. Chronologie. 111 

des citharöden, welche litinöqnaiia genannt wird. Beide wurden 
mit einer fibula an die tunica talaris geheftet. 

Den schluss dieses so lehrreichen programms machen vier 
Verbesserungen zu Pollux IV, 141 ff., wo über die k'xGxsva ttqog- 
(ütcu gehandelt wird, nämlich für Evlnnr\ ,°Imiif-, für 'A^lv- 
fiülvi} „ufivva fj notvi] if , für IJQia/j.og „jreQyafiog". Mid-uxov 
wird als aus einem [iv&ixnt , das als glosse zu vvficpuC gesetzt 
war, entstanden ausgeworfen. 

62. Das alte römische jähr und seine tage. Eine chrono- 
logisch-rechtsgeschichtliche Untersuchung in zwei büchern. Von 
Ph. E. Huschke. Breslau. 1869. Hirt. X, 380 s. — A. u. 
d. t. : Römische Studien. Erster theil. — 2 thlr. 25 gr. 

Dieses werk eines vielbewährten Veteranen der römischen 
alterthumsforschung unterzieht in seiner ersten, mehr chronolo- 
gischen abtheilung die gestaltung des Jahres vor Cäsar sammt 
dessen reform, im zweiten, vorwiegend rechtsgeschichtlichen bu- 
che die besonderen eigenschaften der einzelnen kalendertage 
einer eingehenden , von grund auf construirenden Untersuchung, 
welche auf beiden gebieten zu eigenthümlichen und neuen re- 
sultaten gelangt. Bei dem eindringenden Scharfsinn und der 
reichen gelehrsamkeit des vf. kann es nicht fehlen , dass viele 
schriftstellen einer besseren erklärung oder lesung unterstellt, 
so manche aufstellungen der Vorgänger berichtigt, passende deu- 
tungen schwieriger namen und ausdrücke beigebracht und über- 
haupt der betrachtung nicht wenig neue gesichtspunkte eröffnet 
werden. Nicht selten begegnet es aber dem vf., dass er mythi- 
sches und historisches zu wenig auseinanderhaltend die grenze 
des erreichbaren übersieht und in dem bestreben, alle räthsel, 
auch die nebel der urzeit aufzulösen sich in bodenlose specula- 
tionen und abenteuerliche behauptungen verliert. 

Von den chronologischen ergebnissen des ersten buches 
können wir meist nur diejenigen anerkennen , welche neueren 
hypothesen gegenüber die alte Überlieferung, sie deutend und 
ergänzend, vertheidigen : so die Widerlegung der von Th. Momm- 
sen aufgestellten jähr- und schaltungsweise, die reihenfolge der 
22- und 23tägigen einschaltung, den ansatz derselben immer nach 
den terminalien (23. februar) und vor dem regifugium (24. fe- 
bruar), das schwanken nicht des februar sondern des schaltmo- 



112 62. Chronologie. Nr. 2. 

nats zwischen 27 und 28 tagen, die Scheidung der decem viralen 
schalteordnung von dem zwölftafelngesetz , die abweisung des 
Versuchs ein datum der schlacht bei Myonnesos nachzuweisen u. 
dgl. Durch das ganze buch zieht sich eine nicht selten über- 
stürzte polemik gegen Mommsen, die den vf. gleichwohl nicht 
verhindert hat, von Mommsen eingeführte oder vertretene theo- 
rien zweifelhaften werthes festzuhalten oder weiter auszubilden. 
Wir nennen die in neuerer zeit vielbeliebte ära der nagelein- 
schlagung und die mit ihr in Zusammenhang stehende lehre von 
der alle hundert jähre wiederkehrenden bestellung eines dicta- 
tors, eine lehre welche Huschke dahin modificirt, dass der dictator 
alle 50, ursprünglich alle 10 jähre ernannt worden sei; ferner 
den 20jährigen schaltecyclus Mommsens, den Huschke mit dem 
allein wahrhaft bezeugten 24jährigen, beide aber nach einander 
und im II. und I. jahrh. v. Ch. gelten lässt. 

Von den positiven aufstellungen des chronologischen theils 
halten nur wenige die kritik aus. Während Mommsen vor Cä- 
sar nur eine einzige historische jahrform, die zu 355, im 2. und 
4. jähre aber zu 377 resp. 378 tagen anerkennt (Husehke's pon- 
tificales jähr) , worin ein wesentlicher fortschritt gegen Ideler 
liegt , stellt vf. eine Vielheit nach oder neben einander einge- 
führter Systeme auf, die aber bloss in seinem köpfe existiren: 
unter ßomulus ein jähr von 300 tagen in 10 monateu, neben 
ihm ein priesterliches von 12 monaten mit 360 tagen; ein qui- 
ritisch-sabinisches des Tatius von 10 mondmonaten mit 282 
und 3 überschiessenden monaten mit 83 tagen, beginnend am 
21. april als frühlingsanfang; ein jähr des Numa mit nominell 
355 , in Wirklichkeit aber, da der 28. januar doppelt gezählt 
worden sei, 354 tagen und im dritten jähr eines vierjährigen 
cyklus mit 11, im letzten 12 schaltungstagen ; ein decem virjahr, 
vorübergehend schon unter Servius gültig, mit 354, bei zusammen- 
stoss aber der nundinen mit dem neujahr oder den nonen 355 ta- 
gen und der 22- und 23tägigen Schaltung; endlich das potificale 
jähr. Alle diese dem pontificalen jähr vorausgeschickten gestal- 
tungen sind blosse hirngespinste , von denen die quellen nicht 
die leiseste andeutung geben, die überdies theoretisch meist tief 
unter dem pontificalen jähr stehen. Dieses letzte selbst lässt 
Huschke erst 191 v. Ch. durch Acilius aufkommen, von 188 
an dem natürlichen jähr entsprechen und die regelmässige schal- 



Nr. 2. 62. Chronologie. 113 

tung bis in Sulla's zeit laufen, so dass 79 — 72 alle Schaltung 
unterblieben, dann aber bis zu Cäsars reform wieder in gewohn- 
ter weise fortgeführt worden sei. Auch diese aufstellungen mit 
ihren unterbauten sind grundlos und willkürlich ersonnen, dies 
überdies in einer periode , deren reiches, von 218 — 168 unun- 
terbrochen fortlaufendes quellenmaterial die beste gelegenheit 
gibt, über die leistungen der früheren hinauszugehen und we- 
sentliche fortschritte zu erzielen. 

Liv. 43, 11 tertio die post terminalia calendae intercalares fuerunt 
wird von Huschke treffend durch annähme eines zwischen beide 
termine eingelegten tages erklärt ; nur hätte er nicht einen eigent- 
lichen Schalttag — von dem vor Cäsar in Rom absolut keine spur 
vorhanden ist — daraus machen sollen: nicht bloss Dio Cas- 
sius, dem er irrthum vorwirft, sondern auch Macrobius, den vf. 
sogar für sich anführt , spricht von Versetzung eines tages , der 
bekannten des 29. Januar an die von Livius bezeichnete stelle, 
um die nundinen vom 1 januar (nicht 1. märz) fern zu halten. 
Ein anderer guter gedanke des vf. ist die Zerlegung der 67 von 
Cäsar im jähre 46 eingelegten tage in drei früher versäumte 
schaltmonate (22 — [- 23 — |— 22) und schlagend widerlegt er die 
durch Ideler herrschend gewordene meinung de la Nauze's, dass 
zwischen 64 und 46 nur einmal (im j. 52) intercalirt worden 
sei; aber seine eigene ansieht, dass in diesem zeitraum keine 
Schaltung vernachlässigt worden , lässt sich schon durch das bei 
Fischer u. a. beigebrachte ebenso sicher widerlegen. Dem vf. 
ist Leverrier's kalendersystem dieser 18 jähre (im leben Cäsars 
von Napoleon III) ebenso unbekannt geblieben wie Böckh's epo- 
che machende chronologische Schriften: das werk über die Son- 
nenkreise der alten hätte ihm manche ungenügende oder ver. 
fehlte auslassung (wie über den Schalttag des j. 45, über das 
System des Eudoxos, Cäsars episemasien, Columella's ver biperti- 
tur) ersparen können. Und das ist überhaupt die schwache 
seite des ersten buchs: trotz seiner Versicherung p. V hat sich 
der vf. nicht genug in chronologische Studien eingelebt, ist ins- 
besondre der griechischen, für die römische unerlässlichen Chro- 
nologie zu wenig mächtig, um auf diesem gebiete ein haltbares 
system aufstellen zu können. Wer z. b. erwartet nach Böckh's 
mondcyclen noch die behauptung zu lesen, dass Metons Zeitge- 
nossen, die decemvirn, „die damalige griechische trieteris mit 
Philol. Änz. II. 8 



114 62. Chronologie. — 63. Komische geschichte. Nr. 2. 

der alle zwei jähre erfolgenden einschaltung des zweiten poseideon 
kannten", oder dass das griechische jähr stets nur 354 (nicht 
auch 355) tage gehabt habe. 

Günstiger für den vf. lagen die Vorbedingungen einer ge- 
deihlichen forschung im zweiten buch, wo die Untersuchung sich 
ausschliesslich auf italischem boden bewegt und ihm vieljährige 
Studien auf seinem eigensten felde zu statten kamen. Seine 
behandlung der dies fasti, nefasti, intercisi, der räthselhaften mit 
NP und Quando rex comitiavit fas gezeichneten, der justi, co- 
mitiales , der nundinae, gerichts- und anderer tage ist wahrhaft 
bahnbrechend und verbreitet über viele partien ein überraschen- 
des, volles licht, das auf andere punkte der sacral- und sonsti- 
gen rechtsalterthümer einen aufhellenden schein zurückwirft. 
Umschwirren uns zwar auch hier die geisterhaften gestalten der 
Eamnes, Tities und anderer unfassbarer Schemen, deren cultus- 
und rechtsbrauch vf. ertüfteln will, und tritt hinter ihnen öfters 
die rücksieht auf die publicistische Wichtigkeit der kalendertage 
für die historische zeit der republik ungebührlich zurück, so 
wird dadurch doch dem verdienst der leistung an sich nichts 
benommen und sehen wir, dankbar für die fülle der gegebenen 
belehrung, der fortsetzung der römischen Studien mit gespann- 
tem interesse entgegen. Fg. 

63. Römische geschichte von W. Ihne. 2. bd. Vom er- 
sten punischen kriege bis zum ende des zweiten. 8. Leipzig. 
1870. 406 s. — 1 thlr. 15 gr. 

Hr. Ihne ist mit dem zweiten bände nicht, wie er nach 
der vorrede des ersten beabsichtigte , bis zum ende der grac- 
chischen Unruhen, sondern nur bis zum j. 201 gelangt. Es 
ist daher anzunehmen , dass er den Untergang der republik 
nicht mit drei, sondern erst mit einigen bänden mehr erreichen 
wird, wie es auch nach dem ganzen Charakter seines werks bei 
der Vollständigkeit, mit der er die Überlieferung benutzt und 
sichtet, kaum anders möglich ist. 

Der gegenwärtige band schliesst sich in der art der be- 
handlung des gegenständes genau an den vorhergehenden an. 
Das urtheil ist besonnen und verständig, die spräche — weni- 
ger darstellend als betrachtend und reflectirend — ist rein und 
geschmackvoll, die kritik nach unserer ansieht etwas zu negativ. 






Nr. 2. 63. Römische geschichte. 115 

Wir lassen es uns gefallen , wenn die Übertreibungen des Ap- 
pian, des Zonaras und anderer, selbst des Livius verworfen wer- 
den, oder vielmehr wir sind der ansieht, dass dieselben, was 
Appian und Zonaras und ähnliche Schriftsteller anlangt, grossen- 
theils gar keine erwähnung verdient hätten. Denn wenn z. b. 
Valerius Maximus bei gelegenheit der überfahrt Scipio's nach 
Afrika nach Coelius berichtet, „die menge der eingeschifften sei 
so gross gewesen , dass es schien , Italien und Sicilien würden 
menschenleer bleiben und dass vor dem geschrei der tausende 
die vögel aus der luft zur erde gefallen seien" (p. 351), so ist 
dies doch ein so offenbares, zugleich so triviales kunststück der 
rhetorik, dass es füglich der Vergessenheit hätte überlassen wer- 
den können. Dagegen geht seine skepsis in bezug auf Poly- 
bius zu weit. Wir können zugeben, dass der verkehr mit dem 
scipionischen kreise einen gewissen unbewussten einfluss auf die 
färbung seiner darstellung ausgeübt habe, wiewohl wir auch hierin 
nicht so weit gehen, wie der Verfasser, der z. b. den polybiani- 
schen bericht von der schlacht bei Baecula ganz verwirft und 
den Scipio Africanus in Widerspruch mit Polybius so tief stellt, 
dass er p. 127 sagt, den Hannibal „zu vergleichen mit Scipio 
oder einem anderen Zeitgenossen heisse ihn herabwürdigen und 
schmähen". Aber den Polybius überhaupt für parteiisch zu er- 
klären und deshalb seinen bericht anzuzweifeln scheint mir durch- 
aus unzulässig, übrigens auch mit der anerkennung, die vf. selbst 
p. 380 ihm zu theil werden lässt, nicht wohl vereinbar; dies 
wird, wie mir scheint, durch den ganzen eindruck von seiner 
persönlichkeit, den wir aus seinem werke empfangen, insbeson- 
dere aber auch durch eine vergleichung seiner berichte mit de- 
nen des Livius, Appian u. s. w. völlig widerlegt. Wir glauben 
daher, z. b. in der beurtheilung des Flaminius und Terentius 
zwar nicht mit Livius , aber vollkommen mit Polybius überein- 
stimmen zu dürfen , eben so auch in der des Fabius Cunctator 
und des Marcellus , welche beide, besonders der letztere, von 
Ihne verhältnissmässig sehr tief gestellt werden. 

Aber auch sonst geht uns Ihne's negative kritik zu weit; 
wenigstens sind seine Schlussfolgerungen in dieser hinsieht zu- 
weilen nicht sehr stringent. Wenn er z. b. (s. 30 anm.) den 
bericht des Polybius, dass der senat das bündniss mit den Ma- 
mertinern und den sich hieraus ergebenden krieg nicht endgül- 

8* 



116 63. Kömische geschickte. Nr. 2. 

tig zum beschlusse erhoben, sondern dies dem volke überlassen 
habe, angreift und seinen zweifei damit begründet, dass ja der 
senat keinesfalls den krieg habe beschliessen können, die ent- 
scheidung vielmehr dem volke verfassungsmässig zugekommen 
sei (er meint, es sei so berichtet worden, um den schimpf der 
„schmutzigen arbeit" vom senat auf das volk hinüberzuschieben): 
so ist dies doch wohl ein völlig unzutreffender beweis. Warum 
soll man nicht annehmen, dass der senat, statt seinerseits (na- 
türlich vorbehaltlich der bestätigung durch das volk) den krieg 
zu beschliessen , sein probuleuma dahin gefasst habe , dass die 
frage dem volke vorzulegen sei? Und ist dies nicht eben das, 
was Polybius berichtet? Es dürfte überhaupt bedenklich sein 
dem mit den römischen Verfassungsverhältnissen so genau be- 
kannten Polybius etwas verfassungsmässig unmögliches aufbür- 
den zu wollen. Eine ähnliche bewandtniss hat es mit der be- 
weisführung , dass der grund , des Unterliegens der Karthager 
nicht in ihrer geringeren tapferkeit, sondern lediglich in der 
Zersplitterung ihrer besitzungen zu suchen sei. Er führt zu die- 
sem zwecke aus (p. 6), dass die Karthager im falle der noth 
tapfer gekämpft hätten, aber „liebe zum kriegshandwerk als le- 
bensbeschäftigung und beruf finde sich nie bei der masse eines 
fortgeschrittenen Volkes, wo der werth der arbeit hoch stehe". 
Aber folgt daraus , dass die Römer nicht doch möglicher weise 
tapferer und vaterlandsliebender waren als die Karthager , und 
dass dies nicht doch neben anderen umständen ein hauptgrund 
für den endlichen sieg der Römer war? Der vf. stellt offenbar 
die Karthager überhaupt wie die karthagischen feldherrn, denen 
er, auch abgesehen von den Bareiden, fast durchweg ein vor- 
zügliches lob ertheilt, viel zu hoch, während er bei den Rö- 
mern z. b. dem patriotischen entschluss, der zur Schlacht bei 
den ägatischen inseln führt, jedes verdienst abspricht (p. 91). 
Daher kommt es aber auch, dass er selbst das zusammenbre- 
chen der Karthager nach dieser schlacht als unerklärlich be- 
zeichnen muss (p. 100). 

Es kann nicht unsere absieht sein, hier an dieser stelle 
den wesentlichen inhalt des ganzen bandes anzugeben. Wir 
wollen daher zum schluss nur noch zur probe einige ansichten 
und urtheile des Verfassers anführen, die uns aus dem oder je- 
nem gründe bemerkenswert]] scheinen. In bezug auf den über- 



Nr. 2. 63. Römische geschichte. 117 

gang des Regulus nach Afrika wird die gewöhnliche ansieht be- 
stritten (p. 56 und 59), wonach derselbe den zweck hatte, den 
krieg in Afrika zur entscheidung zu bringen ; es wird vielmehr 
angenommen , dass die absieht nur gewesen sei , einen plünde- 
rungszug zu machen, besonders deswegen, weil die Römer sonst 
den andern consul nicht zurückgerufen haben würden. In be- 
zug auf Xanthippus giebt der verf. Mommsen recht, indem 
er mit ihm bezweifelt (p. 60 anm.), dass die karthagischen feld- 
herrn die richtige benutzung des terrains erst von einem frem- 
den zu lernen gehabt hätten. Dagegen verwirft er (p. 128 ff.) 
mit grossem nachdruck die von Mommsen adoptirte ansieht des 
Fabius über die Stellung der Bareiden zu den heimathlichen be- 
hörden, desgleichen (p. 162) die Mommsensche ansieht, dass die 
schlacht an der Trebia auf dem westlichen ufer dieses flusses 
stattgefunden habe. In bezug auf den alpenübergang Hannibals 
schliesst er sich (p. 150) der jetzt ziemlich allgemein angenommenen 
ansieht Cramers, Wickhams und Law's an, jedoch mit einer klei- 
nen , auch nur vermuthungsweise ausgesprochenen modification. 
Mit ziemlicher entschiedenheit spricht er sich darüber aus (p. 
211), dass Hannibal recht gehabt habe, nach der schlacht bei 
Cannae nicht gegen Rom zu ziehen. Die schlacht bei Baecula 
vom j. 208 (oder 209 ?) wird im Widerspruch mit dem klaren 
bericht des Polybius durch die mittel der dialektik zu einem 
„unbedeutenden zusammentreffen der karthagischen nachhut mi* 
den legionen" verflüchtigt (p. 312). Endlich mag auch noch er- 
wähnt werden , dass — mit mehr recht — die Sophonisbe im 
wesentlichen in das gebiet der ^romantischen poesie verwiesen 
wird (p. 349). 

64. Das templum. Antiquarische Untersuchungen von H. 
Nissen. Berlin. Weidmannsche buchh. 8. 186,9. 250 s. 8. — 
1 thlr. 20 gr. 

Das Nissensche buch über das templum behandelt einen 
gegenständ, der gewiss jedem, der sich je mit forschungen über 
die römischen alterthümer befasste, kopfzerbrechen verursacht 
hat. 0. Müller widmete demselben in seinen Etruskern eine 
eingehend